Haiti: Sexuelle Gewalt gegen Frauen und Mädchen

“Sexuelle Übergriffe gegen Frauen und Mädchen in Notlagern

Pascaline* ist 21 Jahre alt. Seit dem Erdbeben lebt sie in einem improvisierten Notlager in der Stadt Puerto Prinzipe. Es ist eines von 1.300 Lagern, in denen insgesamt mehr als eine Million Menschen um ihr Überleben kämpfen. Pascaline war allein in ihrem Zelt, als ein Mann hineinkam, sie schlug und vergewaltigte. Kein Nachbar schritt ein. Sie hätten gedacht, sie wäre mit ihrem Partner zugange, sagten diese später.

Nach dem Übergriff wurde Pascaline medizinisch versorgt und erstattete Anzeige bei der Polizei. Doch der Vorfall wurde nicht genau untersucht und deshalb befindet sich der Verantwortliche weiterhin in Freiheit. Pascaline hat ihn seit den Vorfällen schon mehrmals im Lager gesehen. Sie hat Angst, dass er sie umbringen wird, wenn er von ihrer Anzeige bei der Polizei erfährt. Pascaline ist nicht die einzige Frau in solch einer schrecklichen Situation. Amnesty International hat mehrere Fälle von sexueller Gewalt in den Notunterkünften dokumentiert, in denen die durch das Erdbeben obdachlos gewordenen leben.
Auch Celine* (8) war allein im Zelt, als ein Mann sie vergewaltigte. Ihre Mutter war zum Arbeiten aufs Feld gegangen. Während dieser Zeit gab es niemanden, der auf die Kleine achtgab. Fabienne* (15) wurde vergewaltigt, als sie das Zeltlager verließ, um ihre Notdurft zu verrichten. Es gibt keine Latrinen oder Toiletten innerhalb des Lagers. Ihre Mutter zeigte den Vorfall bei einem Angestellten der lokalen Behörde an. Die Mutter erhielt keinerlei Unterstützung von ihm. Keine Informationen. Keine Ratschläge. Carline* (21) wurde von drei Männern vergewaltigt, als sie in einer abgelegenen Ecke des Lagers ihre Notdurft verrichten wollte, weil die Latrinen zu verdreckt waren.

Es gibt noch viele weitere Fälle von sexueller Gewalt gegen haitianische Frauen und Mädchen, die nicht angezeigt werden. Die Opfer sind zu verängstigt, um gegenüber der Polizei Anzeige zu erstatten, weil die Täter im selben Lager oder in der Nähe leben und die Opfer aufgrund ihrer Notlage keinen anderen Ort haben, wo sie hingehen könnten.

* Alle Namen geändert

Quelle: adital

(Quelle: Blickpunkt Lateinamerika.)

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