Afghanistan: Bundeswehr möchte gerne bombardieren

“Deutsche Tornados sollen Taliban bekämpfen

Interview Der Chef des Isaf-Regionalkommandos in Nord-Afghanistan, General Frank Leidenberger, zum Einsatz der Bundeswehr

Die Bundeswehr ist seit 2002 in Afghanistan, aber die Sicherheitslage ist immer kritischer geworden. Haben wir die Talsohle erreicht, oder wird es noch schlimmer?

Leidenberger: Wer die Lage mit mehr Kräften in mehr Bereichen verbessern will, trifft zwangsläufig zunächst auf mehr Widerstand. Wir operieren inzwischen nachhaltiger und in mehr Räumen als bisher. Die Prognose von General McChrystal ist deshalb objektiv nachvollziehbar, dass es erst schlechter wird, bevor eine Besserung eintritt.

Also stärker rein, um schneller rauszukommen – bringt das den Erfolg?

Leidenberger Ich denke wirklich, dass wir hier Erfolg haben können, wenn wir ausreichend Kräfte und Mittel nachhaltig und über einen gewissen Zeitraum hinweg einsetzen. Gerade im Norden ist der Aufstand ja räumlich relativ begrenzt. Wenn die afghanischen Sicherheitskräfte gewachsen sind, dann kann man den Aufstand auch zurückdrängen und schließlich beseitigen.

Es gibt Zweifel, ob die Soldaten optimal ausgebildet und ausgerüstet sind.

Leidenberger Wir sind hier vor Ort gut ausgerüstet. Niemand ist optimal ausgerüstet, denn in jeder Situation ist immer wieder neu zu überlegen, was gut ist, was sich bewährt hat und was noch besser wäre. Die Ausbildung spielt eine besondere Rolle. Die Bundeswehr unternimmt alles, um die Soldaten bestmöglich auszubilden. Aber es gibt immer wieder Bereiche, in denen wir an Grenzen stoßen. Wir haben eben keine ausreichende Zahl an geschützten Fahrzeugen, um daran auch in Deutschland ausbilden zu können. Das holen wir dann, so gut es geht, hier nach. Wir tun das Menschenmögliche – es wird jedoch ein kontinuierlicher Prozess bleiben.

Was machen Sie hier eigentlich? Unterstützen Sie? Oder führen Sie Krieg?

Leidenberger Rein rechtlich handelt es sich hier um einen nicht internationalen bewaffneten Konflikt. In der militärischen Ausprägung betreiben wir “counter insurgency”, das heißt, wir bekämpfen einen Aufstand. In fünf Operationslinien versuchen wir, die afghanische Bevölkerung zu schützen und ihr zu helfen sowie die afghanischen Sicherheitskräfte zu befähigen und zu unterstützen. Zudem helfen wir bei der Verbesserung der Regierungsführung und Administration. Die wirtschaftliche und soziale Entwicklung des Landes bleibt ein Schwerpunkt unseres Einsatzes.

Muss dieser Aspekt der Bekämpfung noch deutlicher werden? Sie haben deutsche Tornados in der Luft. Aber nur zur Beobachtung. Zur Kampfunterstützung müssen Sie fremde Jets anfordern. Sollte hier das Mandat noch einmal geändert werden?

Leidenberger Aus rein militärischer Sicht sage ich: Natürlich sollte man das überprüfen. Warum sollen deutsche Soldaten am Boden nicht von deutschen Flugzeugen aus der Luft unterstützt werden können? Warum brauchen wir unsere Alliierten dazu? Insgesamt, auf die Isaf bezogen, wäre das auch mandatskonform. Wir haben die Fähigkeiten zur luftgestützten Aufklärung bereitgestellt, als das in der Vergangenheit in der Entwicklung des Einsatzes von uns gefordert wurde. So wie sich inzwischen der Charakter dieses Einsatzes verändert hat, so sollten wir auch die hierfür notwendigen Fähigkeiten bereitstellen, um erfolgreich zu sein.

Gregor Mayntz sprach mit Brigadegeneral Frank Leidenberger (Chef Isaf-Regionalkommando Nord) im BundeswehrLager in Mazar-i-Scharif.”

(Quelle: Rheinische Post.)

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