Archive for Februar, 2012

USA: Du Kuba, ich Polen – oder was?

Freitag, Februar 24th, 2012

“Die US-Air Force in Europa wird in diesem Jahr erstmals eine Abteilung Soldaten nach Polen abordnen

Von Jennifer H. Svan, STARS AND STRIPES, 14.02.12

KAISERSLAUTERN, Deutschland – Die US-Air Force in Europa / USAFE wird noch in diesem Jahr eine kleine Einheit nach Polen abordnen; nach Auskunft polnischer Offizieller werden dadurch erstmals US-Soldaten “dauerhaft” auf polnischem Boden anwesend sein.

In regelmäßigen Abständen werden F-16-Kampfjets und C-130-Transportflugzeuge der US-Air Force Polen besuchen, und deren Besatzungen werden – über das ganze Jahr verteilt – jeweils ein bis zwei Wochen dort trainieren; das teilte USAFE-Sprecher Major Rickardo Bodden mit.

Die abgeordnete Einheit wird aus etwa zehn Soldaten bestehen, die den Flugbetrieb unterstützen sollen; nach Auskunft der USAFE werden die US-Soldaten nur für 12 Monate abgeordnet und nicht dauerhaft oder vorübergehend versetzt. Sie können aus der gesamten US-Air Force (und nicht nur aus der USAFE) kommen. Die (nach Polen) rotierenden Flugzeuge würden sowohl von der USAFE als auch von Einheiten in den USA gestellt, es sei aber noch zu früh, mitzuteilen, um wie viele Flugzeuge es sich insgesamt handele und von welchen Einheiten sie kämen, erklärte Bodden.

Mit der ersten Rotation sei Ende des laufenden Jahres zu rechnen. Es sei nicht geplant, US-Flugzeuge dauerhaft in Polen zu stationieren, ergänzte Bodden. Trotz der geringen Größe der abgeordneten US-Einheit werde damit eine sehr bedeutsame Entwicklung eingeleitet, erklärte Andrew Michta, ein führender Transatlantiker, der Direktor des Warschauer Büros des German Marshall Fund of the United States ist.

“Das wird hier vor allem als politisches Signal und als Beleg dafür gesehen, dass die USA ernsthaft für die Sicherheit Polens und die seiner Nachbarn, der anderen NATO-Verbündeten in Osteuropa, eintreten,” betonte Michta – unter Hinweis auf die veränderte US-Verteidigungsstrategie, die stärker auf Asien in den Mittleren Osten fokusiert sei. Blanka Kolenikova, eine für Europa zuständige Analystin des Londoner Büros der Forschungsgruppe IHS Global Insight, teilte mit, man habe befürchtet, diese Vereinbarung werde die Bemühungen Polens behindern, seine Beziehungen zu Russland wiederzubeleben; Russland hat bereits angekündigt, dass es Gegenmaßnahmen ergreifen werde, wenn Polen der Stationierung von US-Kampfjets auf seinem Territorium zustimme.

In ihrer E-Mail schrieb sie: “Meiner Ansicht nach haben sich die Beziehungen zwischen Russland und Polen nicht nachhaltig verschlechtert, seit das Abkommen unterzeichnet wurde. Selbstverständlich begegnen sich beide Staaten weiterhin mit Misstrauen, und ihre Beziehungen könnten sich auch wieder eintrüben.” Die Pläne für die Abordnung waren in einer Absichtserklärung festgehalten worden, die Lee Feinstein, der US-Botschafter in Polen, und der polnische Verteidigungsminister Bogdan Klich im Frühjahr 2011 unterzeichnet hatten; das war einer Pressemitteilung der USBotschaft in Polen zu entnehmen.

Die Vereinbarung besagt, dass die Luftwaffen beider Staaten gemeinsame Übungen mit Kampfjets der fünften Generation durchführen wollen, sobald geeignete Flugplätze und Einrichtungen zur Verfügung stehen. Polen habe 2009 die letzten von 48 modernen F-16-Kampfjets aus den USA angeschafft und bereits fünf C-130-Transporter erworben.

Nach Aussage eines Sprechers der US-Botschaft (in Polen) wird die US-Einheit auf den 32. Taktischen Luftwaffenstützpunkt in Łask südwestlich von Warschau abgeordnet. Maj. Gen. (Generalmajor) David Scott, der Direktor der USAFE für Operationen, strategische Abschreckung und atomare Integration, habe die Basis letzte Woche besucht und mit polnischen Militärs Einzelheiten der Abordnung besprochen, teilte die US-Botschaft mit.

Die Rotation ist ein weiteres Zeichen für die wachsende US-Militärpräsenz in Polen; sie begann 2010 mit der Entsendung in Deutschland stationierter US-Soldaten die Polen beim Aufbau seiner Luftverteidigung unterstützten. Michta vom German Marshall Fund sagte, die Rotation der US-Flugzeuge sei auch eine Geste der USA, mit der die Beiträge Polens zur Sicherheit des Iraks und Afghanistans gewürdigt würden. “Polen wird im kommenden Jahrzehnt ein sehr wichtiger Verbündeter der USA werden,” meinte er. Polen ist ein Schlüsselpartner bei der Errichtung des US-Raketenabwehrschildes für Europa, denn das Land soll bis 2018 Elemente dieses Schildes aufnehmen.”

Übersetzung:
Jung, Wolfgang

 

(Quelle: LUFTPOST.)

Anmerkung:

Die im o. g. Original-LUFTPOST-Artikel vorhandenen Links und Kommentare wurden entfernt.

BRD: Friedens- statt Kriegspolitik im Irankonflikt

Donnerstag, Februar 23rd, 2012

“Friedens- statt Kriegspolitik im Irankonflikt

Sanktionen und Kriegsdrohungen sofort beenden

Eine Erklärung aus der Friedensbewegung und der Friedensforschung

Der Konflikt mit Iran spitzt sich gefährlich zu. Das vom Westen geplante Ölembargo und der Boykott der iranischen Zentralbank sind gefährliche Interventionen. Schon einmal verhängten Großbritannien und USA in den 1950er Jahren ein Ölembargo gegen Iran, das zum Sturz der demokratisch gewählten Regierung Mossadegh führte. Die heute eingeleiteten Öl- und Finanzembargos treffen vor allem die Menschen im Iran. Obendrein liefern sie dem gegenwärtigen Regime die Rechtfertigung, sich mit Hinweis auf die historische Parallele als Opfer westlicher Aggression und als legitime Verteidiger und Beschützer der Unabhängigkeit des Iran, eines für alle Iraner vorrangigen politischen Ziels, darzustellen. Die militaristischen Strömungen in der Islamischen Republik fühlen sich so geradezu legitimiert, mit der Schließung der Straße von Hormuz im Persischen Golf zu drohen. Die Sanktionseskalation ist auf dem besten Wege, in einen Krieg einzumünden. Er würde nicht nur für die Menschen im Iran katastrophale Folgen haben, sondern auch die gesamte Region auf weitere Jahrzehnte destabilisieren.

Das iranische Volk will – alle Indizien sprechen dafür – weder einen Krieg noch iranische Atombomben. Es wehrt sich allerdings gegen jede militärische Bedrohung von außen. Israels Atomarsenal und die militärische Einkreisung Irans durch die USA, die inzwischen in nahezu allen seinen Nachbarländern Militärbasen errichtet haben, sind wichtige Ursachen für die Rüstungsanstrengungen Irans. Mit der Tolerierung von Israels Atomwaffenarsenal bei gleichzeitiger Bekämpfung des iranischen Atomprogramms tragen USA und EU die Hauptverantwortung dafür, dass kaum ein Oppositionspolitiker im Iran es wagt, die Atompolitik der Islamischen Republik in Frage zu stellen.

Auch in Deutschland und Europa fühlen wir uns mit der zunehmenden Gefahr eines Krieges konfrontiert, der schwerwiegende Folgen für Europa und die Welt haben würde. Wer das Ziel verfolgt, die Islamische Republik durch Intervention von außen zu beseitigen, wird realistische Lösungen für den Atomkonflikt ignorieren. Wir warnen deshalb davor, dass maßgebliche Kräfte in den USA und ihre exiliranischen Mitläufer den Atomkonflikt für einen Regime Change zu instrumentalisieren suchen. Die Behauptung, die Nuklearmacht Iran könne nur durch Krieg verhindert werden, ist irreführend. Wir lehnen sie daher entschieden ab.

Wir fordern den Präsidenten der Vereinigten Staaten, Barack Obama auf:

Stoppen Sie die Embargos gegen iranisches Öl und die iranische Zentralbank. Verhindern Sie, dass der bevorstehende Präsidentschaftswahlkampf die US-Regierung und Israel in einen Krieg mit unvorhersehbaren Folgen stürzt. Bieten Sie Iran als Gegenleistung für das kontrollierte Beschränken des Nuklearprogramms entsprechend den Bestimmungen des Atomwaffensperrvertrages einen gegenseitigen Nichtangriffspakt, möglichst gemeinsam mit Israel, an.

Von der deutschen Bundeskanzlerin fordern wir:

Schließen Sie jede Beteiligung Deutschlands an einem Krieg gegen Iran öffentlich aus und stoppen Sie die riskante Sanktionseskalation. Unterstützen Sie möglichst zusammen mit anderen europäischen Regierungen die von der UNO beschlossene Konferenz für eine massenvernichtungswaffenfreie Zone im Mittleren und Nahen Osten, die 2012 beginnen soll und die bisher in der Öffentlichkeit ignoriert wird. Dabei verspricht dieses Vorhaben, das durch eine KSZE-ähnliche Konferenz ergänzt werden könnte, eine völlig neue Perspektive des Friedens und der Kooperation für die gesamte Region. Nur eine Politik, die alle Staaten der Region, Israel eingeschlossen, zur atomaren Abrüstung und Enthaltsamkeit verpflichtet, kann das gegenseitige Misstrauen beseitigen und den Feindbildern zwischen den Religionen, Völkern und Staaten sowie dem Wettrüsten und den Diktaturen den Boden entziehen.

Wir bitten die UNO, die geplante Konferenz möglichst bald einzuberufen, selbst wenn sie zunächst von Israel oder Iran boykottiert werden sollte. Auf Dauer wird sich niemand in der Region dieser Perspektive verschließen können, ohne seine Glaubwürdigkeit und Legitimation zu verlieren. Über den aktuellen Atomkonflikt hinaus wüchse mit einer ständigen Konferenz für Sicherheit und Zusammenarbeit im Mittleren und Nahen Osten (KSZMNO) die Hoffnung, dass ein neuer friedenspolitischer Rahmen zur Lösung anderer aktueller Konflikte, insbesondere des Nahostkonflikts, entstehen könnte.

Auf Einladung von Andreas Buro, Christoph Krämer und Mohssen Massarrat unterstützen diese Erklärung:

ErstunterzeichnerInnen:

Franz Alt, Elmar Altvater, Johannes M. Becker, Hanne-Margret Birckenbach, Reiner Braun, Daniela Dahn, Hans-Peter Dürr, Theodor Ebert, Iring Fetscher ” Ute Finckh, Johan Galtung, Ulrich Gottstein, Peter Grottian ” Matthias Jochheim, Heiko Kauffmann, Karlheinz Koppe, Ekkehart Krippendorff, Wiltrud Roesch-Metzler, Christine Morgenroth, Wolf-Dieter Narr, Oskar Negt, Bahman Nirumand, Norman Paech, Bergrun Richter, Clemens Ronnefeldt, Werner Ruf, Christine Schweitzer, Eva Senghaas-Knobloch, Gert Sommer, Hans von Sponeck, Eckart Spoo, Otmar Steinbicker, Mani Stenner, Peter Strutynski, Helga Tempel, Konrad Tempel, Renate Wanie, Herbert Wulf, Christian Wellmann

(hier folgen ab dem 24. Februar 2012 die unterstützenden Gruppen, Organisationen und Einzelpersonen)

Wir bitten um Unterstützung dieser Erklärung und weitere Verbreitung. Insbesondere für eine Veröffentlichung in Zeitungsanzeigen bitten wir um finanzielle Beteiligung durch eine Spende an das Sonderkonto der Kooperation für den Frieden: Förderverein Frieden e.V., Konto-Nr. 404 1860 401 bei der GLS Bank (BLZ 430 609 67) mit dem Stichwort “Iranerklärung”.

Rückmeldung zur Unterstützung bitte an: Kooperation für den Frieden, Römerstr. 88, 53111 Bonn per Post, Fax: 0228/692906 oder eMail: iranerklaerung@koop-frieden.de oder über das Online-Formular.

Initiatoren und v. i. S. d. P.: Andreas Buro (andreas.buro@gmx.de); Christoph Kraemer (kraemer.ak-sn@ippnw.de) Mohssen Massarat (mohssen.massarrat@uos.de)

(die Erklärung als PDF mit einem Rückmeldebogen zum Ausdruck und Postversand siehe unter http://www.koop-frieden.de/dokumente/iran-erklaerung.pdf)

E-Mail: iranerklaerung (at) koop-frieden (Punkt) de”

 

(Quelle: Friedenskooperative.)

Marokko: Die Verfassungsfassade

Dienstag, Februar 21st, 2012

“Violating Sacred Values” in Morocco: Free Speech with an Exception

by Samia Errazzouki

A simple caricature by a cartoonist and a four-minute video featuring an activist expressing his dissent are arguably some of today’s most common mediums for political expression. In post-constitutional reform and post–parliamentary-election Morocco, sharing a political cartoon and criticizing the monarchy in a video is a crime, met with jail time. While reforms have been implemented for months, vague language has allowed Mohammed VI’s regime to selectively interpret and enforce its reforms whenever the monarchical institution is seen to be threatened. 

Morocco’s previous constitution contained many controversial articles that were either lost or split in the 2011 constitution. Article 23 of the previous constitution stated, “The person of the King shall be sacred and inviolable.” In the new constitution, the word “sacred” no longer appears in reference to the king. However, article 46 states, “The person of the King is inviolable and respect is owed to him.” This is a translation from the French version. The Arabic version is slightly different. As journalist Ahmed Benchemsi has pointed out, “In Arabic, it reads: ‘The King’s person is inviolable, and ihtiram [respect] and tawqeer are owed to him.’  Ihtiram wa tawqeer is an ancient expression used to signify the privileged status of those who claim descent from [the Prophet] Muhammad himself—a group that includes the members of Morocco’s 350-year-old Alaouite dynasty.”

Though without window-dressing, the new constitution is rife with pluralist rhetoric that would indicate legitimate progress towards democratization. Article 28 begins with, “Freedom of the press is guaranteed and cannot be limited by any form of censorship.” The same article ends, nevertheless, with a clause suggesting it is to be interpreted by those who enforce it:

    “The law sets the rules of [press] organization and the control of public means over communication. The law guarantees access to these means by respecting linguistic pluralism, culture, and politics of Moroccan society. In accordance with article 165, the High Authority of Audiovisual Communication will ensure compliance with this pluralism.”

Proceeding to Article 165, the language delves further into another level of ambiguity:

    “The High Authority for Audiovisual Communication is an institution responsible for ensuring compliance with the pluralistic expression of opinion, thought, and the right to information in the audiovisual field in compliance with the civil values ​​and fundamental laws of the Kingdom.”

The ambiguous nature of these articles suggests a deliberate strategy whereby the Moroccan monarchy is not truly embarking on a path towards a democracy that protects uncensored free speech. Let us explore why this may, in fact, be the case.

Moroccan society is heavily rooted in traditional practices where tawqeer (reverence and obeisance) towards those who trace their lineage from the Prophet Muhammad, the shorfa, is common, especially among illiterate and rural populations. These ancient practices predate the Moroccan state and were a cornerstone for the establishment of the Alaouite dynasty, which began its reign in the medieval trade city of Sijilmasa, today Rissani. Annual festivals, moussems, that honor dead saints and shorfa— for example, the Moussem of Moulay Ali Cherif who died in 1659—draw massive crowds in cities throughout Morocco, where shrines of honored saints and shorfa are major landmarks. The constitution’s vague language with regard to “civil values” corresponds with these ubiquitous customs of deifying descendants of Muhammad, turning reverence and respect into a form of worship. For this reason, criticizing and caricaturizing the king could easily fall outside the norms of Moroccan “civil values,” should the regime choose to define it as such.

[Moulay Ali Cherif’s Mausoleum, site of the Rissani moussem. Image by João Leitão from Wikipedia Commons.]

While the word “sacred” has been eliminated from the new constitution, it has not stopped authorities from using the term to charge eighteen-year-old blogger Walid Bahomane for posting a caricature of the king. According to the police report filed against him, Bahomane was charged with “violating the sacred values”. The caricature Bahomane posted on Facebook appeared in a 2009 edition of the French newspaper Le Monde. The cartoonist behind the caricature, Damien Glez, wrote an open letter to Mohammad VI urging the case be dropped. Glez began his letter stating, “Many world leaders curse the fact that they are not caricatured by the cartoonists of their countries.” Yet, on 16 February, Bahomane was found guilty and sentenced to one year in prison. Meanwhile, the Facebook group “Mohammad VI, my liberty is more sacred than you”—where users are invited to post caricatures of the king—continues to garner support for Bahomane. 

Two days prior to Bahomane’s trial, Abdessamad Hiddour of Taza was sentenced to three years in prison for expressing his video-posted dissent towards the regime, specifically the economic policies pursued by the monarchy. Hiddour specifically railed against the “indirect colonial” economic and cultural policies pursued by the monarch, who he unceremoniously called a "dog." With no lawyer, Hiddour was similarly charged with “violating the sacred values.” Since the first week of January 2012, Taza has seen political turbulence met with violent altercations, leading to deaths, injuries, and rampant arbitrary arrests. In another YouTube video, women from Taza openly displayed their physical injuries from police brutality and gave accounts of how their houses were raided by police, they were threatened with rape, and their sons were arrested and murdered.

While the Moroccan monarchy experiences popular approval and is viewed as a stable and unifying force in Moroccan society, its policies suggest a trajectory towards the marginalization of opposing voices, even if this means contradicting its own political reforms. Despite the existence of a parliament and a constitution, an absolute monarchy remains the most accurate term to describe Morocco’s current political system. A parliament that lacks the capability to check the king’s executive power and a constitution written by figures appointed by the king are hardly steps towards any form of democratization.

The pursuit of policies of pluralism and liberalization acts as an effective facade in a country so widely viewed to be “progressive” and described as an “exception” in a region rife with popular uprisings. Yet, Morocco’s decision to police the definition of “sacred values” rooted in ancient traditions suggests anything but the progressive. This “exception” will not be so easy to get away with. The pro-democracy February 20th Movement will be commemorating its one year anniversary this weekend with nationwide demonstrations, and the regime appears to be only giving them more reasons to continue protesting.”

 

(Quelle: Jadaliyya.)

Global: Der große Milchraub – und wie die EU dabei hilft

Dienstag, Februar 21st, 2012

“The great milk robbery: How corporations are stealing livelihoods and a vital source of nutrition from the poor

GRAIN | 07 December 2011 | Reports

View a summary of the report here

Download the PDF

Milk is taking on ever-greater importance in the livelihoods and health of the world's poor. Most of the dairy markets that serve the poor are supplied by small-scale vendors who collect milk from farmers who own just a few dairy animals. But such systems of "people's milk" are in direct competition with the ambitions of big dairy companies, such as Nestlé, and a growing number of other wealthy players that want to take over the entire dairy chain in the South, from the farms to the markets. A battle over dairy is under way that will profoundly shape the direction of the global food system and people's lives.

PART 1: PEOPLE'S MILK

Delivering dignity

In the early morning hours of any given day, before most people in Colombia are out of their beds, around 50,000 milk vendors stream into the country's cities. These jarreadores, as they are called, travel by motorbike carrying large canisters of milk that they collect from two million or so small dairy farms in the Colombian countryside.

 Each day they will deliver 40 million litres of fresh milk at an affordable price to around 20 million Colombians, who will boil it briefly at home to ensure its safety. There is perhaps no more important source of livelihood, nutrition and dignity in Colombia than what is commonly known as leche popular or people's milk.

The jarreadores have been gathering in the streets recently for another reason. They, along with farmers, small-scale dairy processors and consumers, have been protesting against repeated moves by the Colombian government to destroy their leche popular. The problem began in 2006, when the government of President Uribe issued Decree 616 prohibiting the consumption, sale and transport of unpasteurised milk, effectively making leche popular illegal.

The decree triggered huge protests across the country, forcing the government to postpone adoption of the regulation. Popular opposition did not die down and, two years later, with over 15,000 people marching in the streets of Bogotà, the government was yet again forced to push things back another two years.

But Decree 616 was not the only threat to leche popular. Colombia had begun negotiations for several bilateral free trade agreements (FTA) with dairy exporters. While Colombia is self-sufficient in milk, the FTAs would remove key protections from the sector, leaving it…”

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(Quelle: GRAIN.)

Bahrain: Szenen einer Diktatur

Dienstag, Februar 21st, 2012

“Silence as Bahraini children are stabbed and gassed

By Tighe Barry

As part of an observer delegation in Bahrain with the peace group Code Pink, I visited the village of Bani Jamrah with local Bahraini human rights activists.

In one of the many horrific cases we heard, a 17-year-old boy Hasan, his friend and his 8-year-old brother left their home to go to the grocery store. As they were entering the store they noticed some other youngsters running. Fearing the police would be following them, they decided to wait in the store. The 8 year old hid behind a refrigerator. The police entered the store with face masks on. They grabbed the older boys, pulling them out of the store and into the street.

Once outside the shop the police began to beat them with their sticks and hit them on the head, shouting obscenities and accusations. The police were accusing them of having been involved with throwing Molotov cocktails, asking over and over “Where are the Molotov cocktails?”

The four policemen, all masked and wearing regulation police uniforms, took turns beating the boys while one was instructed to keep watch to make sure no one was video taping. They seemed to be very concerned that there be no witnesses. Quickly, they forced the boys into the waiting police car. Inside the police vehicle was another youth about 18 who appeared to be “Muhabharat,” or plain-clothes police thugs associated with many dictatorships in the Middle East.

As the car sped off, the boys were told to keep their heads down “or we will kill you.” Soon they arrived at an open lot away from possible onlookers. As the two boys were being pulled from the car, the policeman who seemed to be in the charge shouted, “Make them lie down.” Once they were face down on the ground, the policemen took out their knives and stabbed both boys in the left buttock, leaving a gaping wound. The police thugs continued their “questioning”, using profanity to scare their victims. They threatened the boys that they would go to jail for 45 days for “investigation” and that they would never go back to school or get work.

When the thugs realized that they had no choice but to leave these victims, since they had no knowledge of the Molotovs, they searched them to see what they could steal. They took the boys’ mobile phones and asked them to hand over whatever money they had. When they discovered that the boys only had 500fils (about $1.50US), they kicked one of them in the raw wound, laughing as they left them bleeding.

“Who are these masked police and why would they do such things to children?”, you might ask. The boys said they were Syrian immigrants, part of a mostly foreign police force imported by the government and paid to inflict pain on the local people to dissuade them from protesting for their rights.

I asked if the police checked their hands, or smelled their clothes to detect the presence of petrol, since they were accusing the boys of carrying Molotov cocktails. Hussan, laying uncomfortably on his stomach, still in his bloody pants, answered, “No, they made no investigation. These police don’t investigate, they only accuse and punish. We had no contact with petrol, we are students.”

In the corner of the room was Husan’s aunt, holding a little baby that looked very sickly, the red hue of its skin almost burnt looking and its tiny eyes sore and red. I was straining now in my inquiry, like having to push words out my throat. “How old is your child?”, I asked. “Eight months old”, she replied. I knew about the nightly raids in this community, as I happen to be staying less than 200 meters from there and can see the light show each night as hundreds of teargas canisters are shot into this tight grip of middle class houses.

“How do you stop the teargas from getting in the house and affecting your baby?”, I inquired in a pained voice. I, myself, although not in village, feel the effects of the massive clouds of poison that pour over the entire area at night.

“Well, sir, wet towels, we place them each night under the doors,” she answers, as she lights down on the couch near a large flat screen television. “But, sadly, sir, this does not stop the gas. The baby suffers. I try to cover her face with a cloth but she does not like it and cries at the gas and the cloth at the same.”

“One way to stop the gas is to put plastic over the air conditioning unit,” she continued, “but the policemen always cut off the plastic and the gas seeps back inside quickly.”

They showed me a homemade video of those white-helmeted terrorists, using the very same issued knife that they used to cripple the boys, systematically, methodically removing the plastic that was placed to prevent the venomous gas from entering the house. Once removed, they can now shoot the gas, knowing that it will enter the house and poison all inside, especially the kids.

And so it goes in the Kingdom of Bahrain. So it goes in a world so addicted to oil, money and power that children can be stabbed, kidnapped, tortured, terrorized and gassed with nary a word from the outside world.

Are we, in America, so addicted to oil and beholden to powerful Saudis that we will block our ears to the cries of these Bahraini children? Or will we help them grow up in a world where they can know the joy and security that we all want for ourselves? The choice is ours.

 

Tighe Barry is a member of the peace group CodePink.org.”

 

(Quelle: PINKtank.)

Siehe auch:

Witnessing Human Rights Violations in Bahrain
In ihrem Stützpunkt Bahrain muss die 5. US-Flotte mit einem Dilemma leben – mit der Niederschlagung von Protesten

Karibik: Weiblicher Sextourismus

Dienstag, Februar 21st, 2012

“Sonne, Strand und Sexarbeit

Dass beim Sextourismus der Tourismus weiblich und der Sex männlich sein kann, zeigt das Beispiel „Karibik“

Von DA-Redaktionskollektiv

Mit der Entwicklung des internationalen Tourismus zum Massenphänomen seit den 90er Jahren fand die globale Verbreitung des Phänomens des klassischen Sextourismus statt.
Tausende Männer und Frauen aus Europa und Nordamerika kommen jedes Jahr in die Karibik, um Sonne, Strände und Sex zu genießen.

Zunehmend reisen besonders Frauen in die Karibik, mit dem Ziel einige Tage in den Armen eines gutaussehenden Mannes zu verbringen. Nach wie vor unterliegt Sextourismus geschlechts-, klassenspezifischen und rassistischen Machtverhältnissen, die in der Kolonialzeit wurzeln. Allerdings geht es beim Sextourismus häufig um mehr, als um kurzfristigen, billigen Sex. Über das Thema sprach die DA mit dem genderpolitischen Aktivisten Svenn Grant aus Trinidad/Tobago.

Jedes Jahr kommen gut 80.000 Frauen aus einer Vielzahl relativ wohlhabender westlicher Länder allein nach Jamaika. Welchen ökonomischen Einfluss hat weiblicher Sex-Tourismus auf die Karibischen Inseln?

Ich habe keine empirischen Daten über weiblichen Sex-Tourismus in der Karibik, weder in Bezug auf die Quantität, noch auf die Preise. Es lohnt sich aber auch ohne Daten auf diese Frage zu antworten. Frauen, die Sexarbeit betreiben, gelten hier als Prostituierte, Huren und leichte Mädchen. Männer gelten als Gigolos, Beach Boys oder Nichtstuer. Diese Begriffe geben männlichen Sexarbeitern einen sozial eher akzeptablen Status. Frauen werden als Teilnehmerinnen an kriminellen Aktivitäten gebrandmarkt, während männliche Sexualität gefeiert wird – oder sie gilt als Wohltätigkeit.

Der Tourismus in der Karibik gilt zumeist als besonders paradiesisch. Touristen können hier mal richtig „rauskommen“ und sich auf die Schönheit der Inseln einlassen. Für viele weibliche Reisende ohne Begleitung macht dieser Reiz, in Verbindung mit den Männern, die die patriarchalen Erwartungen eines unersättlichen Sexualtriebes erfüllen, das Angebot besonders attraktiv. Obwohl ich keinen Zweifel daran habe, dass Frauen zum Sex-Tourismus in der Karibik beitragen, ist es weit bekannt, dass Prostitution „offiziell“ eher weiblich ist.

Die Erfahrung des sexuellen Tausches besteht darin, dass …”

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(Quelle: Direkte Aktion.)

Anmerkung

Die aktuelle Ausgabe der Zeitschrift “Direkte Aktion”, aus der dieser Aufsatz stammt, kann in unserer Bücherei entliehen werden.