Archive for Mai, 2012

BRD: Überall Fundis

Donnerstag, Mai 31st, 2012

“Wird Deutschland islamisch?

Von Wolfgang Brauer

Scharia

»Scharia«
(Plakat: Inamo.)

In den letzten Wochen verteilten Angehörige der wohl konservativsten Strömung des Islam, der Salafisten, in einigen deutschen Großstädten kostenlos Exemplare des Koran. Salafisten zeichnen sich dadurch aus, dass sie den Koran und die Sunna (die Summe der beispielgebenden Taten des Propheten in allen Lebensbereichen) als einzige Richtschnur menschlichen Handelns akzeptieren und keinerlei „moderne‟ oder gar wissenschaftlichen Maßstäben genügende Auslegung beider zulassen. Salafisten sind durchweg religiöse Fundamentalisten. Solch Fundamentalismus gibt es in allen Religionen. Auch im modernen Deutschland findet man Gegenden, in denen eine „Mischehe‟ gleichsam als Sünde gilt. Gemeint sind hier nicht Verbindungen zwischen einer Bayerin und einem Vietnamesen – gemeint sind solche zwischen Protestanten und Katholiken „deutscher Herkunftssprache‟. Die katholische Kirche verweigert Wiederverheirateten Geschiedenen immer noch die Kommunion und seitens der evangelischen Theologie wird nach wie vor der schützende Madonnenmantel über dem Sakrament der Neugeborenentaufe ausgebreitet. Wenn das man kein Fundamentalismus ist …

Kaum erschienen nun die bärtigen Gottesstreiter auf den deutschen Marktplätzen, ging ein großes Feldgeschrei los. Die üblichen Bannerträger der abendländischen Werte witterten die brutalstmögliche Islamisierungskampagne und die wachsame Medienlandschaft brodelte auf. Die Salafisten – in Deutschland gibt es höchsten zwischen 3.000 und 5.000 – wird es gefreut haben. Schien dies doch der wahrhaft handgreifliche Beleg dafür zu sein, dass schon die bloße Berührung des heiligen Buches der Muslime zur Konversion führe. Gewalttätige Auseinandersetzungen waren nur noch ein Frage der Zeit und sie kamen dann auch nicht zufällig im Vorfeld der NRW-Wahlen. „Die Politik‟ reagierte wie gewohnt mit grobem Kaliber. Bundesinnenminister Hans-Peter Friedrich (CSU) schwadronierte von einer ideologischen Nähe der Koran-Freunde zu al-Quaida – über deren geistige Nähe und mögliche Finanzierungsströme zum und vom wahabitischen Saudi-Arabien wird gleichsam ein dicker Teppich öligen Schweigens gelegt; al-Quaida rief übrigens kürzlich zum Sturz des saudischen Regimes nach dem Beispiel des „arabischen Frühlings‟ auf. In der Rheinischen Post erklärte Friedrich martialisch: (…)”

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(Quelle: Das Blättchen.)

BRD: Panzerknacker

Dienstag, Mai 22nd, 2012

“Appell an die moralische Verantwortung der Eigentümer des Rüstungskonzerns Krauss-Maffei-Wegmann

Das Zentrum für Politische Schönheit will gegen den Panzerdeal mit Saudi-Arabien vorgehen und hat 25.000 Euro für Hinweise auf strafrechtliche Vergehen der Eigentümer ausgelobt

Von Florian Rötzer 21.05.2012

Der Aufschrei war groß, als letztes Jahr bekannt wurde, dass die Bundesregierung den Verkauf von 270 Leopard-Panzern des deutschen Rüstungskonzerns Krauss Maffei Wegmann an das autoritäre Regime in Saudi-Arabien gebilligt hat (Leopard-Panzer an das saudische Regime [1]). Die Regierung scherte sich wenig um die Kritik, blieb bei der Geheimhaltung und verteidigte den milliardenschweren Deal durch angebliche Sicherheitsinteressen, die in der Region gewahrt werden müssten. Dabei dürfte es vor allem darum gehen, Saudi-Arabien gegen den Iran aufzurüsten. Zusammen mit Katar hat sich Saudi-Arabien auch auf die Seite der Aufständischen in Syrien geschlagen. Ob sie diesen Geld und Waffen liefern, ist Gegenstand der Spekulation. Klar ist jedoch, dass es Saudi-Arabien hier nicht um den Sturz des Regimes geht, sondern um den Ausbau des Einflusses und eine Schwächung des mit Syrien verbündeten Iran.

“Verantwortungsvolle Außenpolitik muss auch unsere und die Sicherheitsinteressen unserer Verbündeten berücksichtigen”, rechtfertigte [2] Außenminister Westerwelle das Geschäft. “Im Interesse von Frieden und Sicherheit müssen wir nicht nur in der Nahost-Region immer wieder mit Partnern zusammenarbeiten, die nicht unseren eigenen demokratischen Maßstäben entsprechen.” Das heißt natürlich, Menschenrechte spielen bestenfalls eine untergeordnete Rolle, wenn es um Geld und strategische Partnerschaften geht. Trotz des arabischen Frühlings, in dem die Menschen gegen die im Namen des Geschäfts und der Stabilität vom Westen unterstützten Diktaturen revoltierten, hat sich also an der Politik nichts geändert. Auch Drohnen werden mitsamt Ausbildern von der Bundeswehr an Saudi-Arabien geliefert (Deutsches Militär unterstützt hochgerüsteten Grenzschutz in Saudi-Arabien [3]).

Das repressive, undemokratische, wegen seines Ölreichtums dennoch im Westen beliebte Regime “engagiert” sich zudem auch im Kampf gegen den “arabischen Frühling”, schickte Soldaten zur Unterwerfung der Aufständischen in den Bahrain, geht gegen Opposition im eigenen Land vor und versucht [4] mit Militär und Geld, gegen die die autoritäre Monarchie bedrohende Demokratisierungsbewegung eine Allianz aufzubauen.

Das Zentrum für Politische Schönheit [5] (ZPS), das sich als Aktionskünstler- und Menschenrechtsorganisation versteht (Die Bank, die Kunst und der Hunger [6], Rechtsstaat gegen Schönheit? [7])), greift mit einer Aktion nun den Panzerdeal auf und will ihn aus der Versenkung holen. Die Panzer sind auch dazu geeignet, gegen Demonstranten und Einzelpersonen eingesetzt zu werden, was dem Deal noch eine zusätzliche besondere Note gibt. Nach dem ZPS verstößt der Verkauf der Leopard-Panzer gegen das Kriegswaffenkontrollgesetz [8] und bricht den Verhaltenskodex für Waffenexporte [9] der EU, nach dem keine Ausfuhrgenehmigung erteilt werden darf, “wenn eindeutig das Risiko besteht, dass das zur Ausfuhr bestimmte Gerät zur internen Repression benutzt werden könnte”.

Nachdem Kritik an der Bundesregierung keine Folgen gezeitigt hat, wendet sich das ZPS an die Eigentümer des lukrativen Familienunternehmers, die am schnellsten und einfachsten die Firmenpolitik verändern könnten: “Diese Personen leben vom Geschäft mit schwerem Kriegsgerät an autoritäre Regime und gehören ins Gefängnis. Dafür wird die Zivilgesellschaft jetzt sorgen”, sagt Johannes Metzler, Sprecher der Initiative. 25.000 Euro werden für Hinweise aller Art versprochen, “die zur rechtskräftigen Verurteilung der Eigentümer des Waffenkonzerns Krauss-Maffei Wegmann (KMW) führen. Zu den Eigentümern des Rüstungskonzerns wurden heute Dossiers mit Informationen auf die Website 25000-Euro.de [10] veröffentlicht und ein Fahndungs-Großplakat in Berlin-Mitte platziert.

Das ZPS fordert von den Eigentümern, das Panzergeschäft mit Saudi-Arabien zu beenden. Zudem müsse Deutschland überhaupt den Waffenhandel beenden, ein Rüstungsexportverbot ins Grundgesetz aufgenommen und ein restriktives Rüstungsexportgesetz ausgearbeitet. Deutschland gehört zu den größten Waffenexportländern der Welt. Allerdings können die Eigentümer nicht wegen ihrer Beteiligung an Rüstungsgeschäften mit Saudi-Arabien belangt werden. Daher sucht das ZPS nach Informanten, die Hinweise auf strafrechtlich verfolgbare Handlungen wie Steuerhinterziehung, Geldwäsche, Betrugsdelikte, Insiderhandel, illegale Beschäftigung (etwa von Haushaltshilfen) oder anderes liefern können oder wollen. Aufgefordert werden die Kritiker des Panzerdeals aber auch, via Twitter dem Regierungssprecher die Frage “Warum unterstützt die Bundesregierung den Export von Kampfpanzern nach Saudi-Arabien?” zu übermitteln. Es sollen “Patenschaften” für die Eigentümer übernommen oder diesen Briefe zugesendet werden. Gesucht werden auch Menschen, die Fahndungsplakate aufhängen.

Interessant ist an der Aktion, dass diese einige der den meisten wohl unbekannten Eigentümer aus den Familien von Braunbehrens, von Maydell und Sethans Tageslicht holt und zur Verantwortung ruft, die mit der Rüstung Geschäfte machen, gleichzeitig aber als Anthroposophen, Künstler, Fotografen, Lehrer, Psychologen und Humanisten arbeiten. Als Künstler gehört etwa Burkhart von Braunbehrens zu den Eigentümern, der “als einer der ‘führenden Köpfe der 68er-Bewegung’ in Heidelberg beschrieben (wird). Er war SDS-Vorstandsmitglied, AstA-Referent und Mitglied im Kommunistischen Bund Westdeutschlands.” Er hat zwar gesagt, dass die Familie sich von den Aktien trennen sollte, dies aber nach dem Dossier auch selbst nicht gemacht. Abgesehen vom “Anthroposophen” Manfred Bode, der das Unternehmen leitet, haben die anderen Mitgesellschafter allerdings wenig zu sagen, auch wenn sie gut von den Geschäften profitieren.

Anhang

Links

[2] http://www.heise.de/tp/blogs/8/150126

[3] http://www.heise.de/tp/artikel/36/36551/1.html

[4] http://www.heise.de/tp/artikel/34/34915/1.html

[5] http://www.politicalbeauty.de/center/Zentrum_fur_Politische_Schonheit.html

[6] http://www.heise.de/tp/artikel/36/36117/1.html

[7] http://www.heise.de/tp/artikel/30/30401/1.html

[8] http://www.gesetze-im-internet.de/krwaffkontrg/BJNR004440961.html

[9] http://eur-lex.europa.eu/LexUriServ/LexUriServ.do?uri=OJ:C:2009:066E:0048:0049:DE:PDF

[10] http://25000-Euro.de

 

(Quelle: Telepolis.)

 

Siehe auch:

Identifiziert und attackiert

EU: Die Menschenrechtsverletzerin

Montag, Mai 21st, 2012

“TRIBUNAL 12: The verdict

 

 

On May 12, a sharp accusation was directed towards Europe focusing on violations of human rights and the systematic mistreatment of refugees, migrants and asylum seekers. Here is the verdict, signed and agreed by the members of the international jury: Nawal El Saadawi, Saskia Sassen, Nuruddin Farah, Sadik J Al-Azm, Henning Mankell, B S Chimni and Parvin Ardalan.

This was an extraordinary day. The jury were very moved by the presentations. This is the short version, the dry bones – the flesh is missing. We want to add descriptions of some of the cases presented during the day. A second point is that we see asylum seekers and migrants as actors and social forces, not just as victims, says Saskia Sassen, professor at Columbia University, USA.

1. We condemn European governments for violating foundational norms, such as human rights, equal moral worth of all human beings regardless of status, value of residence on the territory, the whole series of norms, which go beyond existing law.

2. We also condemn European governments for violating existing law on how governments should handle asylum seekers, detention and irregular migration.

3. We call for the removal of restrictive practises which prevent asylum seekers and refugees from reaching the territory of Europe.

4. There are alternatives to the existing asylum and refugee regime that have already been advanced by civil society organizations, human rights organisations and refugees themselves, and these alternatives should be considered by European governments.

5. There are weak components in existing practice. Many of these have to do with privatisation of functions that were once government responsibilities. These are very concrete moments in the process which can be changed by governments right now, thereby reducing abusive practices. Examples are the privatising of border control and the increasing tendency to privatize the running of detention centres.


6. Europe’s vibrant civil society, constituted in good part by immigrant struggles for justice, should be a critical Europe-wide force for addressing these abuses. What we are confronting in the realm of government handling of asylum and irregular migration is too important to leave to governments and to the private firms they hire to do some of the work.

Tribunal 12 took place on May 12th at Kulturhuset in Stockholm, and through live broadcasts on the website. Screenings and activities also took place at events around Europe. The day included a total of four sessions dealing with Border controll, Asylum process, Undocumented migrants and Detention & deportation. The tribunal ended with the jury's deliberation and verdict.

The co-organisers behind Tribunal 12 were Shahrazad – Stories for Life, Kulturhuset in Stockholm and The Swedish Forum for Human Rights. ICORN was among the partners supporting the project.

Photo: Shahrazad stories for life

 

(Quelle: ICORN – International Cities Of Refuge Network.)

Jemen: Flüchtlingsdrama

Sonntag, Mai 20th, 2012

“Record number of African refugees migrating to Yemen – UN

 

Somali refugees wait on Yemen's Red Sea coast for transport to Aden. Photo: UNHCR/R.Nuri

Somali refugees wait on Yemen’s Red Sea coast for transport to Aden. Photo: UNHCR/R.Nuri

 

18 May 2012 – A record number of African migrants fled to Yemen this year, with 43,000 people having reached the Middle Eastern country in only four months, the United Nations refugee agency said today, adding that it is concerned with the rise in insecurity and trafficking in the region.
“All those who had decided to make the crossing exposed themselves to extreme risks and dangers at every stage of their journey,” a spokesperson for the Office of the UN High Commissioner for Refugees (UNHCR), Andrej Mahecic, told reporters in Geneva. “They faced shocking levels of abuse and violence by smugglers, as well as arbitrary arrests and detention, closed borders and forced returns, trafficking, lack of access to shelter, water, food or medical assistance.”

During the same period last year, some 30,000 people had made the journey. However, Mr. Mahecic said the increase in the overall number of new arrivals reflects the growing Ethiopian population that is moving due to drought and the dire economic situation in the country.

“Those who make it often arrive exhausted, dehydrated, malnourished and in a state of shock,” Mr. Mahecic said.

According to UNHCR, while all Somali arrivals were automatically recognized as refugees in Yemen and had access to documentation and freedom of movement, this has not been the case for Ethiopian nationals.

“The situation was profoundly different and more difficult for Ethiopian nationals,” Mr. Mahecic said. “Few Ethiopians decided to seek asylum upon arrival to Yemen – to avoid detention and deportation, they attempted to evade contact with the authorities.”

Many Ethiopians were then picked up on the beaches by criminal groups involved in the trafficking and smuggling of people to other Gulf States, and there have been reports of consistent violence and abuse as many Ethiopian migrants fell victims to robberies, abuse and extortion.

“For Ethiopian nationals who did not fall under the protection of the Refugee Convention, there was virtually no protection space,” Mr. Mahecic said. “They were extremely vulnerable and often became easy prey for traffickers and smugglers.”

In addition to the influx of migrants, Yemen is also coping with a significant internal displacement. There are currently 470,000 people who are registered as internally displaced, and UNHCR estimates that there are an additional 95,000 people who are still unregistered.

Some 103,000 people arrived in Yemen last year, which is also a record number since UNHCR began compiling statistics in 2006. This year, UNHCR has appealed for $60 million to address the humanitarian needs of the nearly 220,000 refugees and almost half a million internally displaced people in Yemen. So far the agency has received a third of the funds.

News Tracker: past stories on this issue
Senior UN official concerned about worsening humanitarian situation in Yemen

 

(Quelle: UN News Centre.)

Sri Lanka: Tausende bleiben “verschwunden”

Sonntag, Mai 20th, 2012

“SRI LANKA: Thousands missing three years after war ends

COLOMBO, 18 May 2012 (IRIN) – Three years after the government of Sri Lanka declared an end to decades of civil conflict with separatist rebels, thousands of people are still missing, according to the UN and Sri Lankan activists.

The Working Group on Enforced or Involuntary Disappearances (WGEID) of the UN Office for the High Commissioner for Human Rights has recorded 5,671 reported cases of wartime-related disappearance in Sri Lanka, not counting people who went missing in the final stages of fighting from 2008 to 2009.

Hostilities between government forces and the Liberation Tigers of Tamil Eelam (LTTE) rebels, who had been fighting for an independent Tamil state for nearly 30 years, ended on 18 May 2009.

“It’s been almost three years. My son went missing on 14 May [2009] and I have not heard from him ever since. He was not a member of LTTE or [any] other group. He was just a normal Tamil civilian,” said Aarati*, 56, a mother of three in the northern town of Kilinochchi, in the former war zone. Another son has been missing since 1993.

Ganeshan Thambiah from the town of Jaffna, also in the north, told IRIN he has lost hope. “My son has gone missing for three years. It hurts me a lot but he is probably dead.”

Disappearances occurred on a “massive scale”, especially between 2006 and 2009 during the last phase of the war, said Ruki Fernando from the Christian Alliance for Social Action, a local NGO. “At the end of the war, many who surrendered to the army disappeared, including a Catholic priest and several high-profile LTTE leaders.”

Fernando includes journalists, human rights defenders and humanitarian workers among the missing, but says the real “tragedy” has been the reluctance of law enforcement authorities and state institutions to confront “this horrible crime, even when some leads are available”.

In one alleged disappearance, Fernando said, law enforcement personnel and the Human Rights Commission of Sri Lanka have been unable to get a statement from a government advisor six months after he indicated he had information about a missing journalist.

Successive governments resorted to abductions to deal with political dissenters, militants, and now criminals. “This indicates a reluctance to use the criminal justice system and [a] total breakdown of rule of law,” he commented.

However, a high-ranking military officer who requested anonymity maintains that the state has not been involved in any alleged abductions, and that most of these allegations have been politically motivated. “There is a law in the country and we respect it. The army and government [are] clearly not behind any abductions, as claimed by various groups,” he told IRIN.

But, three years on, the numbers of disappeared do not add up, said Jehan Perera, executive director of the National Peace Council of Sri Lanka. He points to the discrepancy between the number of people who once lived in five districts in the north – collectively known as the Vanni, and most heavily affected by fighting – and the number there today.

“There needs to be a credible investigation into [these disappearances] to lay all doubts to rest. There needs to be involvement of independent groups in ascertaining the facts, or else the doubts will continue as to the fate of the missing persons,” he said.

The government has faced mounting pressure to act on the recommendations of a commission appointed by the president in December 2011, one of which is the criminalization of enforced or voluntary disappearances.

Acknowledgement of the disappearances and legal remedies are “prerequisites for any successful, durable and all-inclusive reconciliation process,” noted the Commission of Inquiry on Lessons Learnt and Reconciliation.

Yet local activists say the disappearances have not stopped. “They still occur with sufficient regularity to make people feel that there is no clear break with the past, so there is still a dark cloud of fear in the country,” said Perera.

“Many dissenting voices faced ‘white van’ abductions more recently, and the list is not short by any means,” said Jayasuriya Chrishantha Weliamuna, a senior human rights lawyer in Colombo, the capital. He reported that two activists working against abductions, while organizing Human Rights Day events in Jaffna on 9 December 2011, had also been abducted. 

Twenty-one disappearances have been reported to the government-appointed Human Rights Commission of Sri Lanka from the beginning of the year to 18 April.

Perera said that with the state’s “massive security network “and “top class intelligence system” there should be “no justification for even a single disappearance today”.

*not her real name

contributor/pt/he

[This report does not necessarily reflect the views of the United Nations]“

 
(Quelle: IRIN Asia.)

Algerien: Revolutionsfeiern…

Sonntag, Mai 20th, 2012

“Boualem Sansal [Algerien]: Wo die Welt aufhört, fängt Algerien an

Eine Annäherung an den Friedenspreisträger des deutschen Buchhandels 2011

Von Regina Keil-Sagawe

“Und so entdeckte ich, dass man den Krieg nur am Frieden, zu dem er führt, erkennt, so wie man den Baum an seiner Frucht erkennt. Wenn der Krieg nicht zu einem besseren Frieden führt, dann ist es kein Krieg, sondern blanke Gewalt, die man Gott und der Menschheit antut und die, immer finsterer, immer feiger, immer neu ausbrechen wird, um jene zu strafen, die ihn begonnen haben, ihn aber nicht zu führen und zu beenden wussten, wie ein Krieg enden muss: mit einem besseren Frieden für alle.”

Ob die Jury, die Boualem Sansal im Juni 2011 den Friedenspreis des Deutschen Buchhandels zuerkannt hat, wohl vorab einen Blick geworfen hat in das Manuskript seines jüngsten Romans, der im August 2011 in Paris erschienen ist und den Bogen über drei Generationen Krieg und Frieden spannt?

Wie ein warnendes Fanal zum Arabischen Frühling klingen die Zeilen aus Boualem Sansals sechstem Roman, Rue Darwin, einer prallen algerischen Familiensaga, die von den 1930er Jahren bis in die Gegenwart reicht und im Kern aus einer Meditation über den Krieg besteht, über all die Kriege und Vertreibungen, Repressionen und Revolten, die der algerische Autor, Jahrgang 1949, miterlebt hat und die ihn spät, doch mit umso größerem Eklat, zur Literatur geführt haben.

Diese war ihm nicht in die Wiege gelegt, die in Teniet el-Had, einem kleinen Bergdorf zwischen Zedernnationalpark und Sahara stand, über 200 km südwestlich von Algier. Er wächst vaterlos mit drei Brüdern im nahen Vialar (heute Tissemsilt) auf; 1956 zieht die Familie nach Algier um, in eben die “Rue Darwin” im Arme-Leute-Viertel Belcourt, in der auch Camus mit seiner Mutter lebte und die Sansals neuem Roman den Titel gab; 1972 macht er sein Diplom in Maschinenbau, promoviert 1975 zum Industrieökonom, wird Hochschuldozent, Wirtschaftsberater und Unternehmenschef; bekleidet ab 1992 diverse hohe Posten im algerischen Handels- und Industrieministerium, im Wirtschafts- und Sozialrat. Und lebt seit Jahrzehnten in Boumerdès, einem kleinen Küstenort östlich von Algier, zwischen Wäldern, in denen sich bis heute versprengte Terroristen tummeln, und Stränden, von denen algerische Bootsflüchtlinge nach Europa aufbrechen.

Dort, in Boumerdès, lernt er auch Rachid Mimouni (1945–1995) kennen, den Romancier, der zum 20. Jahrestag der algerischen Revolution mit seinem Roman Le fleuve détourné (1982; dt. 2001: Der Fluß nahm einen anderen Lauf) eine zynische Bilanz der Unabhängigkeit vorlegt und Sansal immer wieder zum Schreiben ermutigt. Doch erst 1996, ein Jahr nach Mimounis tragischem Tod im marokkanischen Exil, greift Sansal tatsächlich zur Feder. Und wer ihn liest, möchte meinen, er führe Mimounis Vermächtnis fort. Den Impuls zum Schreiben gibt der furchtbare Bürgerkrieg, jener “Krieg der Cliquen und Clans”, der von 1992 bis 1999 in Algerien wütet und über 200 000 Opfer fordert. “Ich musste einfach reagieren”, so Sansal, “die Gewalt war unerträglich.”

Eine Gewalt, die, lange angestaut, sich eruptiv in Sansals voluminösen Erstling ergießt, den Politkrimi Der Schwur der Barbaren (Merlin 2003, Übers. Regina Keil-Sagawe), die “vulkanische Selbstfindung eines Schriftstellers”, wie Peter von Matt in seiner Laudatio in der Paulskirche anmerkt. In sich türmenden Satzkaskaden lässt Sansal ein bildersprühendes, erfahrungsgesättigtes Fresko Algeriens erstehen: ein satirisches Porträt von Justiz und Industrie, Bildungssektor und Gesundheitswesen; ein pittoreskes Panorama algerischer Dörfer, Städte und Landschaften; ein flirrendes Potpourri historischer Mythen und Legenden – Bestandsaufnahme eines versunkenen, sich selbst den Todesstoß versetzenden Algerien.”So schnell und so brillant ist selten ein historisches Drama in Literatur aufgegangen”, schrieb die FAZ über den Schwur der Barbaren, der mit Omar Sharif nach einem Drehbuch von Jorge Semprún verfilmt worden ist.

Sogar ins Arabische wurde er übersetzt. Doch während Frankreichs Literaturwelt den 50-jährigen Senkrechtstarter, von dem man bislang nur Texte über Turboreaktoren und Produktivitätssteigerung kannte, als Erneuerer der französischen Sprache feiert, wird er in Algerien als Kolonialnostalgiker gerügt, 1999 beurlaubt und 2003, nach harscher Regimekritik – er hatte vorgeschlagen, den Religionsunterricht an den Schulen abzuschaffen – von seinem Posten als Generaldirektor im Industrieministerium entbunden. Was seiner literarischen Produktivität indes keinen Abbruch tut: “Eine Sturzflut, die wohl tut. Buch für Buch legt er erst unsere Narben frei und verbindet dann unsere Wunden”, so charakterisierte ihn im August 2011 die algerische Tageszeitung El Watan. “Seine Monster sind die unseren: ein hybrides Regime und Mörder, die im Namen Allahs Kehlen aufschlitzen. Und die bisweilen in eins verschmelzen.”

Wenn Albert Memmi (*1920), der große tunesische Soziologe, 2004 in seinem Portrait du décolonisé betont, “einem Volk die Wahrheit zu sagen, heißt nicht, sein Elend zu vergrößern, selbst wenn andere das hören und sich zunutze machen können, sondern im Gegenteil, es zu achten und ihm zu helfen”, so hat Boualem Sansal genau das umgesetzt: Roman für Roman, Essay für Essay seziert er den Filz aus Polit- und Finanzmafia, der die Algerier um die Früchte ihrer Revolution betrügt, präsentiert er Gegenentwürfe zum Diktat einer ethnisch und religiös, sprachlich und kulturell gesäuberten Identität, auf einer Linie mit Assia Djebar (*1936), Anouar Benmalek (*1956) oder Kateb Yacine (1929–1989), dem verfemten Kultautor, von dem der berühmte Slogan stammt, der bis heute vielen Algeriern aus der Seele spricht:”Ni Arabe ni musulman, mais Berbère et rebelle / weder Araber noch Muslim, sondern Berber und Rebell”.

So lässt er im Essay Petit éloge de la mémoire. Quatre mille et une années de nostalgie (Kleines Lob der Erinnerung, 2007) seinen imaginären Ich-Erzähler durch vier Jahrtausende algerischer Geschichte geistern, räumt er im Essay Postlagernd: Algier. Zorniger und hoffnungsvoller Brief an meine Landsleute (Merlin 2008, Übers. Ulrich Zieger) mit den “nationalen Konstanten” auf, jener (R)Einheit von Rasse, Religion und Sprache, die das Regime den Algeriern übergestülpt hat wie eine Zwangsjacke. Poste restante: Alger, das als Reaktion auf die umstrittene Generalamnestie von 2005 entstand, die den Terroristen der 1990er Straffreiheit einräumt und alles mit dem Mantel des Schweigens zudeckt, unterliegt in Algerien der Zensur. Sansal, der gegen die “Blockade des Denkens” anschreibt, hat es wohl schon so kommen sehen: “Am besten ist es, nichts zu schreiben und schon gar nicht das, was alle denken.” Jenen schrankenlosen Gedankenaustausch, zu dem er in seinen Essays aufruft, demonstriert Sansal quasi live in seinen Romanen, Wälzern von überbordender Fabulierlust. 2000 erscheint Das verrückte Kind im hohlen Baum (Merlin, Übers. Riek Walther), der Dialog zweier Todeskandidaten, eines Algerienfranzosen und eines Islamisten, in einem Gefängnis im algerischen Süden; 2003 dann Erzähl mir vom Paradies (Merlin 2004, Übers. Regina Keil-Sagawe), ein vielstimmiger Bar- und Bistro-Roman, der ein Algerien zwischen Traum und Alptraum skizziert; schließlich Harraga (Merlin 2007, Übers. Riek Walther), ein Roman, der um zwei unkonventionelle Frauenschicksale kreist und auch das Thema der “Harraga” aufgreift, jener algerischen Bootsflüchtlinge, die alles hinter sich lassen: “Wir werden den Weg finden und die Zeit. Und wir werden lernen zu leben und wir werden lernen zu lachen. Davon träumen die Harragas.” Mit diesem Zitat aus dem Roman sind die Flugblätter einer Gruppe junger Leute vor der Frankfurter Paulskirche bestückt, die am Sonntag, dem 16. Oktober, kurz vor der Verleihung des Friedenspreises, für “Freiheit statt Frontex” demonstrieren. Jenes Preises, den Boualem Sansal – als zweiter Algerier nach Assia Djebar (2000) – deshalb erhält, weil er, so die Urkunde des Börsenvereins, ein “leidenschaftlicher Erzähler” ist, “geistreich und mitfühlend”, der “die Begegnung der Kulturen in Respekt und wechselseitigem Verstehen” befördere, “offen Kritik an den sozialen und politischen Verhältnissen” im Lande übe, sich “hartnäckig” für das “freie Wort und den öffentlichen Dialog in einer demokratischen Gesellschaft” einsetze und letztlich “gegen jede Form von doktrinärer Verblendung, Terror und politischer Willkür” auftrete, in Algerien und weltweit.

Seine Dankesrede gerät zur Liebeserklärung an ein Algerien, wie es sein könnte, wenn es nicht wäre, wie es ist: “eine Summe unauflöslicher Paradoxien, von denen die meisten tödlich sind. Als da wären: ein reiches Land mit furchtbar armer Bevölkerung – Stichwort Verschwendung, Stichwort Korruption; ein Land mit demokratischen Grundstrukturen – Stichwort Parteienvielfalt, Stichwort Pressefreiheit –, aber orientalisch-despotischer Alltagspraxis; ein Land mit kosmopolitischer Vergangenheit, das an Gedächtnisverlust und Selbsthass leidet, bis hin zur Selbstzerstörung …” Diese Paradoxien sind der Stoff, aus dem sich Boualem Sansals sagenhaftes Œuvre speist. Doch obwohl es beinahe komplett und in geradezu bibliophiler Ausstattung auf Deutsch vorliegt, kennt man den Autor hierzulande vorrangig als Autor von Das Dorf des Deutschen (Merlin 2009, Übers. Ulrich Zieger). Einem Roman, der Parallelen zwischen Nazitum und Islamismus zieht und seinen Autor in Deutschland so geschätzt werden ließ (Platz 2 der “Weltempfänger”-Bestenliste 2/2009) wie in Algerien zum Nestbeschmutzer: Denn dort kratzt die Historie vom Nazi-Schergen, der sich nach Algerien absetzt und zum Freiheitshelden mutiert, gewaltig am nationalen Gründungsmythos: der algerischen Revolution (1954–1962), die sich im Jahr 2012 zum 50. Mal jährt.

“Die Befreiung brachte keine Freiheit. Und Freiheiten schon gar nicht.” Lakonisch fällt Sansals Urteil zum Jubeljahr in seiner Dankesrede aus. Den Roman zur Revolution, den hat er schon geschrieben: Rue Darwin lautet er, und der Titel ist nachgerade Chiffre für eine Revolution, die ihre Kinder frisst. Keine Frage, Boualem Sansals neuer und sehr persönlicher Roman, der alle Gewissheiten und Zugehörigkeiten radikal in Frage stellt, empfiehlt sich als Vademecum für den Arabischen Frühling.”

Regina Keil-Sagawe ist Spezialistin für maghrebinische Literatur und Vorstandsmitglied im Deutsch-Algerischen Kulturverein YEDD e.V.; sie hat zwei Romane von Boualem Sansal ins Deutsche übersetzt. (…)

 

(Quelle: Literatur Nachrichten.)

Anmerkung

Die aktuelle Ausgabe der Zeitschrift “Literatur Nachrichten” kann in unserer Bücherei entliehen werden.