Archive for Oktober, 2012

Internet: Bye-bye Facebook & Co.

Dienstag, Oktober 30th, 2012

“Plötzlich plappern Anna und Arthur

Seit Jahren betreiben wir Server und Kommunikationsdienste für linke Gruppen, geben wir uns alle Mühe, die Server sicher zu halten, wehren wir – mit unterschiedlichen Mitteln – Anfragen von Behörden zu irgendwelchen Daten ab. Kurz: Wir versuchen im kapitalistischen Internet eine emanzipatorische Basis der Kommunikation zu bieten. Seitdem auch viele Linke Facebook “nutzen” (oder Facebook viele Linke nutzt), sind wir jedoch verunsichert: Vielen scheint es nun nicht mehr darum zu gehen, einerseits das Internet als Ressource für linke Kämpfe zu nutzen, andererseits aber das Internet selbst als politisch umkämpftes Terrain zu verstehen und sich in diesem Kampf dazu zu verhalten. Vielmehr wird unsere politische Arbeit selbst als defizitär und anstrengend wahrgenommen. Verschlüsselte Kommunikation mit autonomen Servern scheint nicht als emanzipativ, sondern als lästig angesehen zu werden.

Disneyland

Wir hatten einfach nicht verstanden, dass es nach all dem Stress auf der Straße und den langen Gruppendiskussionen der Wunsch vieler Aktivist_innen ist, auf Facebook in Ruhe über alles, was erlebt wurde, mit allen zu quatschen. Dass Facebook eben auch für Linke die sanfteste Art der Verführung ist. Dass auch Linke es genießen, dort, wo es scheinbar nicht weh tut, den Strömen der subtilsten Form der Ausbeutung zu folgen und endlich einmal keinen Widerstand zu leisten. Das schlechte Gewissen, das viele dabei sicherlich plagt, weil sie wissen oder ahnen, welche fatalen Konsequenzen Facebook mit sich bringt, scheint hierbei keine besondere Handlungsanweisung zu erteilen.

Ist es wirklich Unwissenheit?

Um einmal kurz zu skizzieren, was das Problem ist: Mit der Benutzung von Facebook machen Linke nicht nur ihre eigene Kommunikation, Meinung, “Likes” usw. transparent und prozessierbar. Sondern, und dies halten wir für weit folgenreicher, es werden linke Strukturen und Einzelpersonen, die selbst mit Facebook wenig oder gar nichts zu tun haben, aufgedeckt. Die Mächtigkeit Facebooks, das Netz nach Relationen, Ähnlichkeiten usw. zu durchsuchen, ist für Laien kaum vorstellbar: Mit dem Plappern auf Facebook werden für Behörden und Konzerne politische Strukturen reproduziert. Diese können dann bequem nach bestimmten Fragen durchsucht, geordnet und aggregiert werden, um präzise Aussagen nicht nur über soziale Relationen, wichtige Personen in der Mitte usw. zu produzieren, sondern auch auf der Zeitachse bestimmte Prognosen treffen zu können, die sich aus Regelmäßigkeiten ableiten lassen. Facebook ist die subtilste, billigste und beste Überwachungstechnologie neben Handys!

Linke Facebooknutzer_innen als unbezahlte V-Leute?

Wir hatten immer gedacht, es geht der Linken um etwas anderes: Die Kämpfe auch im Internet weiterzuführen. Und darum, das Internet für die politischen Kämpfe zu nutzen. Uns geht es darum – auch heute noch. Deshalb sehen wir in Facebook-User_innen eine echte Gefahr für unsere Kämpfe. Und besonders Linke auf Facebook produzieren (meist ohne zu ahnen, was sie tun) wertvolles Wissen, auf das Verfolgungsbehörden in zunehmendem Maße zurückgreifen. Wir könnten fast soweit gehen, diese Linken der Kompliz_innenschaft zu beschuldigen. Aber soweit sind wir noch nicht. Noch ist unsere Hoffnung nicht gestorben, dass sich die Einsicht einmal durchsetzt, dass Facebook ein politischer Gegner ist. Und, dass diejenigen, die Facebook nutzen, Facebook immer mächtiger machen. Linke Facebooknutzer_innen füttern erst die Maschine und legen damit Strukturen offen! Und dies ohne Not, ohne Richter_in, ohne Druck.

Standpunkt

Uns ist klar, dass wir von einer gewissen Höhe herab sprechen. Da wir uns seit Jahren mit dem Netz und Computern, Systemadministration, Programmieren, Kryptographie und einigem mehr beschäftigen und teils damit unser Geld verdienen, ist Facebook quasi ein natürlicher Feind für uns. Da wir uns außerdem als Linke verstehen, addiert sich dazu noch eine Analyse der politischen Ökonomie Facebooks, in der “User_innen” zum Produkt werden, an das gleichzeitig auch verkauft wird. In der Fachsprache heißt das “demand generation”. Uns ist klar, dass sich nicht alle mit solcher Hingabe mit dem Internet auseinandersetzen, wie wir es tun. Aber dass Linke dieses trojanische Pferd namens Facebook an ihrem Alltag teilhaben lassen, ist weniger Ausdruck von Unwissenheit als von Ignoranz an einer extrem kritischen Stelle.

Wir fordern mit allem Nachdruck alle auf: Schließt Eure Facebook-Accounts! Ihr gefährdet andere! Verhaltet Euch zu diesem Datenmonster!

Und ansonsten: Verlasst GMX und Co! Nieder mit Google! Gegen die Vorratsdatenspeicherung! Für Netzneutralität! Freiheit für Bradley Manning! Hoch die Dezentralität!

Fight Capitalism! Auch – und gerade – im Internet! Gegen Ausbeutung und Unterdrückung! Auch – und gerade – im Internet!

Nervt Eure Genoss_innen. Macht ihnen klar, dass, wenn sie Facebook füttern, sie sich echt mit der falschen Seite eingelassen haben!

nadir, im Oktober 2012″

 

(Quelle: anti-atom-aktuell.de)

Südkorea: Nein zur US-Militärbasis

Dienstag, Oktober 30th, 2012

“24/7 construction met with 24/7 resistance on Jeju Island

Posted on October 29, 2012

Construction of the controversial navy base on Jeju Island, South Korea, is accelerating. In the last week, after months of delays due to local protest, a 24/7 operation has begun. Two hundred low-wage Vietnamese laborers are now housed on site, producing 80 3,000-ton concrete caissons that will create the first breakwater and mooring docks. Round-the-clock resistance in Gangjeong village has followed with dozens of people sustaining a blockade at the construction gate, sometimes in pouring rain and at night under the glare of broad banks of bright lighting installed to illuminate the work yard.

The police battalions brought in from the mainland have doubled in size to 500 riot-equipped officers suppressing the nonviolent demonstrators. Every two hours for the last four days, demonstrators are pushed, roughly dragged and carried from the road, then surrounded by multiple lines of police. A few more cement mixers enter the site, police fall back, and the blockade resumes. Sometimes arrests are made and activists have been taken into custody. One man, Catholic Fr. Lee Young-Chan, remains jailed on multiple charges of obstruction of business and obstruction of government affairs following his arrest on October 24. Fr. Lee is affectionately known as Father Cement Mixer for repeatedly climbing atop the essential truckloads when the road is blocked by protests.

Three other men being held on charges related to opposing the navy base were released from Jeju Prison in the past month.

Dr. Song Kang-Ho was released on September 28 after 181 days, just two weeks before he would have served the maximum time in pre-trial detention permitted under Korean law.

Mr. Yoon Choong was released October 24, after serving 44 days in prison. Like nearly half of the Gangjeong’s farmers’ lands, Mr. Yoon’s property had been seized for base construction at a fraction of its value. In a drunken rage last September, he had broken the door glass of one of the few pro-base businesses in town.

Two days later, Mr. Kim Dong-Won was released on bail pending trial. He’d been behind bars since June 30 when he climbed and occupied a dredging crane on a barge engaged in illegal dredging next to one of the endangered soft coral forests along the Gangjeong coast.

On October 19, jailed Jeju resister Mr. Park Suk-Jin asked for a meeting with the warden regarding the treatment of prisoners. His request was denied, and on the following Tuesday, October 23, he began a hunger strike. Authorities moved him into a punishment cell, then a few days later into a single cell as he has requested. He has ended his hunger strike. In addition to Park Suk-Jin and Fr. Lee, three other men remain in Jeju Prison for resisting the navy base: Mr. Kim Bok-Chul, Rev. Jeong Yeon-Gil, and Mr. Park Seung-Ho. Prison ID numbers and the address for the five men are listed here.

For the latest news on resistance at Jeju, visit savejejunow.org.”

 

(Quelle: The Nuclear Resister.)

EU / Israel: Legal, illegal, schei…

Dienstag, Oktober 30th, 2012

“Handel gegen Frieden

Wie Europa zur Erhaltung illegaler israelischer Siedlungen beiträgt

Die Europäische Union importiert fünfzehn mal mehr aus Israels illegalen Siedlungen in den besetzten palästinensischen Gebieten als von Palästinensern selbst, enthüllt heute ein neuer Bericht einer Koalition von zweiundzwanzig Organisationen aus elf europäischen Ländern einschließlich medico international.

Der Bericht mit dem Titel „Handel gegen Frieden – wie Europa zur Erhaltung illegaler israelischer Siedlungen beiträgt“ vergleicht erstmalig vorliegende Exportdaten aus israelischen Siedlungen und von Palästinensern und hebt damit die Widersprüchlichkeit im Herzen der EU-Politik hervor. Die EU erklärt, dass Siedlungen illegal sind unter internationalem Recht, ein Hindernis für den Friedensprozess darstellen und drohen die Zwei-Staaten-Lösung unmöglich zu machen. Dennoch ist die EU weiterhin der Hauptimporteur von Siedlungsprodukten. Die meisten EU-Mitgliedsstaaten haben es versäumt sicherzustellen, dass Produkte in den Läden korrekt gekennzeichnet sind, so dass die Konsumenten nicht über die eigentliche Herkunft der Produkte aufgeklärt sind, was im Widerspruch zu EU-Richtlinien steht.

Das heißt, Europa sagt zwar, Siedlungen seien illegal unter Internationalem Recht, handelt dennoch weiterhin mit ihnen. Und die Konsumenten tragen unwissentlich zu der Ungerechtigkeit bei, in dem sie Produkte kaufen, die fälschlicherweise als Produkte aus Israel gekennzeichnet sind, obwohl sie in Wahrheit aus Siedlungen im Westjordanland kommen.

Der Bericht fordert die europäischen Regierungen auf, eine Anzahl von konkreten Maßnahmen zu verabschieden, um die Ausbreitung von Siedlungen nicht weiter zu fördern und um die Diskrepanz zwischen Worten und Taten zu schließen. Die 22 Organisationen fordern zumindest klare Kennzeichnungsrichtlinien, um sicherzustellen, dass europäische Konsumenten nicht unwissentlich Siedlungsprodukte kaufen. Solche Richtlinien existieren bereits in Großbritannien und Dänemark und wurden in anderen Staaten wie z.B. Schweden in Betracht gezogen.

Seit Mai ist der Handel mit Siedlungsgütern auf der Agenda der EU, als EU-Außenminister die deutliche Beschleunigung von Siedlungskonstruktionen stark kritisierten und sich erstmalig für eine volle Anwendung der existierenden EU-Gesetzgebung im Bezug auf Produkte aus Siedlungen aussprachen.
Die israelische Regierung schätzt den Wert von EU-Importen aus Siedlungen auf ungefähr 230 Mio. Euro pro Jahr, im Vergleich zu 14 Mio. Euro pro Jahr von Palästinensern. Die Diskrepanz erklärt sich unter anderem daraus, dass Israel große Summen von Fördergeldern an israelische Siedler bereitstellt – wie zum Beispiel für Infrastruktur, Wirtschaftsentwicklung und Landwirtschaft – während für Palästinenser der Zugang zu Märkten und Ressourcen stark eingeschränkt ist.

Durch besseren Zugang zu internationalen Märkten konnten die Siedler moderne Agrarindustrien und Industriegebiete aufbauen. Die palästinensische Wirtschaft dagegen ist „stark begrenzt durch ein komplexes System von Einschränkungen“ seitens Israels, welches Straßenblockaden, Kontrollposten, limitierten Zugang zu Land, Wasser und Düngemitteln beinhaltet. Seit den achtziger Jahren ist der Export von palästinensischen Produkten an die EU von 50% des Bruttoinlandsprodukts auf 15% des Bruttoinlandsprodukts gesunken und setzt somit das Handelsabkommen der EU mit den Palästinensern außer Kraft. Die EU gibt jährlich Millionen von Euros für Entwicklungszusammenarbeit aus, um die Palästinenser beim Staatsaufbau zu unterstützen. Diese Unterstützung wird aber durch den Handel mit illegalen Siedlungen unterminiert und trägt somit zu der Lebensfähigkeit und Ausweitung der Siedlungen bei.

Unter den Siedlungsgütern, die in Europa verkauft werden, befinden sich vor allem Datteln, Weintrauben, Zitrusfrüchte, Kräuter, Wein, Kosmetikprodukte von Ahava, einige der Kohlensäure-Besprudelungsgeräte von Soda Stream sowie einige der Plastik-Gartenmöbel, welche von Keter produziert werden. Produkte aus den Siedlungen des Westjordanlandes werden im Kontext von Häuserabrissen, Landbeschlagnahmung und militärischer Besetzung produziert. Deshalb fordern die Organisationen die europäischen Regierungen auf endlich der Rhetorik der Siedlungsverurteilung Taten folgen lassen und zumindest zu gewährleisten, dass Konsumenten informierte Entscheidungen über diese Produkte in den Läden treffen können. Dies ist nichts weiter als das Einhalten von Europäischem und Internationalem Recht.

Unterzeichnende Organisationen:

APRODEV, Broederlijk Delen (Belgien), Caabu (UK), CCFD – Terre Solidaire (Frankreich), Christian Aid (UK und Irland), Church of Sweden, Cordaid (Niederlande), DanChurchAid (Dänemark), Diakonia (Schweden), International Federation for Human Rights (FIDH) , FinnChurchAid (Finland), ICCO (Niederlande), IKV Pax Christi (Niederlande), Medical Aid for Palestinians (UK), medico international (Deutschland), medico international schweiz, the Methodist Church in Britain, Norwegian Church Aid, Norwegian People’s Aid, Quaker Council for European Affairs, Quaker Peace and Social Witness (UK)Trocaire (Irland)

Dokumente

 

(Quelle: medico international.)

Siehe auch:

EU urged to re-think trade deals with Israeli settlements in West Bank
Demolitions, displacements in 2012

BRD: Einfache Übung?

Dienstag, Oktober 30th, 2012

Presseinformation vom 30.10.2012

“Verwender sollen Ungefährlichkeit uranhaltiger Waffen belegen

Bundesregierung soll UN-Resolution zum Thema Uranmunition zustimmen

Uranmunition wurde unter anderem im Bosnienkrieg und im Kosovo eingesetzt. Foto: ICBUW

30.10.2012 Vertreterinnen und Vertreter der deutschen Zivilgesellschaft und der deutschen Politik haben  die Bundesregierung aufgefordert, dem in der UN-Generalversammlung eingebrachten Resolutionsentwurf zum Thema Uranmunition zuzustimmen. Darin findet sich zum ersten Mal die Forderung nach dem Vorsorgeprinzip. Angewandt auf uranhaltige Waffen müsste der Verwender deren Ungefährlichkeit für Umwelt und Zivilbevölkerung vor einem Einsatz nachweisen. Zu den Unterstützern des Schreibens an Verteidigungsminister Thomas de Maizière und Außenminister Guido Westerwelle gehören Mitglieder der deutschen Sektion der IPPNW, ICBUW (International Coalition to Ban Uranium Weapons), IALANA (International Association of Lawyers Against Nuclear Arms), pax christi, des Darmstädter Signals sowie die Abgeordneten Uta Zapf (SPD) und Agnieszka Brugger (Bündnis 90/Die Grünen).

Weltweit nutzen Militär und Rüstungsfirmen Waffen mit Uranmunition, zum Beispiel um Panzer zu zerstören oder Bunker zu sprengen. Unter anderem besitzen die USA, Großbritannien, Russland, die Türkei, Pakistan, Saudi-Arabien, Thailand, Israel und Frankreich solche Waffen.

Inzwischen gibt es zahlreiche wissenschaftliche Erkenntnisse über langfristige und akute lebensgefährliche Gesundheitsschäden für den Menschen sowie über schwerwiegende Umweltfolgen durch den Einsatz von Uranmunition. Dennoch scheut sich die deutsche Bundesregierung, sich für eine Ächtung dieser Waffen einzusetzen. Die deutschen Sektionen von IPPNW und ICBUW werden Anfang Dezember eine umfassende Studie zu den Gesundheits- und Umweltfolgen des Einsatzes von Munition mit abgereichertem Uran veröffentlichen. Damit soll auch ein Beitrag zum Internationalen Aktionstag gegen Uranwaffen am 6. November geleistet werden, der zugleich der UN-Tag gegen die Umweltzerstörung durch Krieg ist.

Angesichts der Streitigkeiten um die negativen Folgen von Uranmunition ist das im UN-Resolutionsentwurf enthaltene Vorsorgeprinzip von entscheidender Bedeutung, um bei den Verhandlungen über Uranwaffen einen Schritt weiter zu kommen. Das Vorsorgeprinzip würde die Staaten zum Handeln verpflichten. Es wäre ein fatales politisches Signal, wenn die deutsche Bundesregierung dem UN-Resolutionsentwurf ihre Zustimmung verweigern würde.

Das Schreiben an Außenminister Guido Westerwelle und Verteidigungsminister Thomas de Maizière finden Sie unter http://www.ippnw.de/commonFiles/pdfs/Frieden/DU_Resolution_NGO_291012.pdf, eine UNEP-Dokumentation unter http://www.ippnw.de/commonFiles/pdfs/Frieden/UNEP_dokumentation.pdf

Den Resolutionsentwurf finden Sie unter http://www.reachingcriticalwill.org/images/documents/Disarmament-fora/1com/1com12/resolutions/L16.pdf

Pressekontakt: Angelika Wilmen, Pressesprecherin, Tel. 030 – 698 074 15, Mobil 0162 – 205 7943, Deutsche Sektion der Internationalen Ärzte für die Verhütung des Atomkrieges, Ärzte in sozialer Verantwortung (IPPNW), Körtestr. 10, 10967 Berlin, www.ippnw.de

 

(Quelle: IPPNW.)

Indonesien: Stabilitätsanker

Dienstag, Oktober 30th, 2012

“Vertrag über Panzerlieferung an Indonesien vor Unterzeichnung

(29.10.2012/hg/dpa)

Die umstrittene Lieferung deutscher Panzer an Indonesien ist nach Angaben des dortigen Verteidigungsministeriums praktisch unter Dach und Fach. Über die Lieferung von 130 Leopard-II-Panzern werde am 7. November in Jakarta eine Absichtserklärung mit dem Hersteller Krauss-Maffei Wegmann unterzeichnet, sagte ein Ministeriumssprecher der Nachrichtenagentur dpa am Montag. Dabei gehe es auch um Technologietransfer und die Lieferung von Ersatzteilen. Der Auftrag habe einen Wert von umgerechnet 217 Millionen Euro.

Der Waffendeal ist das Ergebnis einer Reise von Bundeskanzlerin Angela Merkel nach Indonesien im Juli dieses Jahres. Dort hatte sie mit Präsident Susilo Bambang Yudhoyono über das mögliche Geschäft gesprochen. Der Inselstaat will seine Streitkräfte besser ausstatten und eine eigene Rüstungsindustrie aufbauen.

Nach Bekanntwerden der geplanten Panzer-Lieferungen warnten die Grünen vor einem solchen Vorhaben. Deren Parlamentarische Geschäftsführerin Katja Keul betonte, dass in sogenannte Drittstaaten außerhalb der NATO und der EU grundsätzlich keine Kriegswaffen geliefert werden dürften, soweit es keine besonderen sicherheitspolitischen Gründe dafür gebe. „Solche besonderen Ausnahmegründe sind hier nicht ersichtlich“, mahnte die Grünen-Politikerin. Zudem bestreite auch die Bundesregierung nicht, dass es in Indonesien in bestimmten Regionen immer wieder zu Menschenrechtsverletzungen komme. „Will die Bundesregierung den bislang geltenden Grundsätzen treu bleiben, muss sie die Genehmigung eines solchen Exports daher verweigern.“

Der Politikwissenschaftler Peter Strutynski unterstellte daraufhin der Öko-Partei Scheinheiligkeit: „Die Grünen sollten aufpassen, wenn sie sich in Sachen Rüstungsexporten moralisch aufplustern. Sie waren es, die – zusammen mit ihren SPD-Minister/innen – fast alle Lieferanfragen im Bundessicherheitsrat durchwinkten. Neben Indonesien gehörten namentlich Saudi-Arabien, die Vereinigten Arabischen Emirate, Pakistan, die Türkei, aber auch Ägypten, Tunesien, Algerien und andere „Stabilitätsanker“ zu den Empfängern deutscher Waffen.“ (1)

Anmerkungen

(1) http://www.ag-friedensforschung.de/themen/export/panzer-indon-stru.html ”

 

(Quelle: Hintergrund.de)

Siehe auch:

London visit by Indonesian President fuels human rights protests

Grossbritannien: Wenn’s mehr nicht ist

Dienstag, Oktober 30th, 2012

“How the UK rejects refugees fleeing sexualized violence

By Natasha Walter/Guest Blogger — October 26, 2012

When I met Angelique she had been living on the streets of London for some time. She was walking from one end of the city to the other, looking for places to sleep and food to eat. One day she met a man who took an interest in her and gave her some money. As a result, she became pregnant. “Then I had real problems,” she told me. Yet for seven months of her pregnancy, Angelique kept walking.

It was London, after all, that she had hoped would provide some respite. A native of the Democratic Republic of Congo, Angelique had already lived through horror. Her father had been a politician. During the civil war, rebel soldiers had come to the family compound, burned their house, and killed Angelique’s parents. She had been taken to prison, where she was made the sex slave of the prison governor.

“Once or twice a week, the guards would fetch me to come to his room and he would rape me,” she told me.

One night he took her out of the prison to his house, and when he fell asleep she decided to try to escape. “I thought to myself: There are two possibilities if I run now. Either they will kill me, or God will save me.”

So she ran into the bush and managed to get to the house of a friend of her late father’s, who paid an agent to take her out of Congo. She didn’t know she was heading to London—when she got here, she spoke little English. Despite the persecution she’d experienced, she was refused asylum.

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Protesters seeking better treatment for refused asylum seekers. (lewishamdreamer)

I met Angelique while working as a journalist at the Guardian newspaper. I was writing about women’s rights in all sorts of contexts, from London to Kabul, and began researching the lives of refugees. Angelique’s experiences rebuked me as a feminist. I have spent much of my life writing about women’s rights, and have published two books that deal with equal pay, pornography, and other familiar issues. Talking to Angelique made me realize that I was living among women whose needs for self-determination and protection were altogether ignored.

When I looked further into the issue, I realized that Angelique was not alone; many women had suffered similarly after fleeing sexualized violence. And so I established a nonprofit organization called Women for Refugee Women. At WRW, we believe that women who cross borders to find safety deserve dignity and a fair hearing. We believe that if more women speak up on behalf of refugee women, our governments will ensure that they are treated more fairly in the asylum process.

This is an urgent issue. WRW recently published research into the experiences of women who have been turned down for asylum in the UK. We found that nearly half of these women had been raped in their home countries, and two-thirds had experienced gender-related persecution. Yet, the UK Home Office admits, 74 percent of women who applied for asylum in 2010 were refused in an initial decision.

We’ve found that some of the women who are refused are disbelieved—told they are liars. Others are trivialized, told that their experiences are not serious enough to form the basis of an asylum claim. I have known women who were refused because the Home Office told them there was no evidence they were actually married to their violent husbands, even when they were able to supply marriage certificates and photographs, and others who were told there was no evidence that they had been tortured—even when their bodies bore the scars.

When refused asylum, women can be made destitute, detained, or returned to their countries. Living destitute makes them vulnerable to further sexualized violence and exploitation. As one woman who responded to our research after she had been refused asylum said, “I was forced to sleep with a man for me to have accommodation and food. I was forced to go and be a prostitute for me to survive.” And the emotional effect of refusal can be devastating: Over half of the women we spoke to had contemplated suicide.

Despite the large numbers of refugees worldwide, only a very small proportion will find their way to the West in their search for sanctuary. As we’ve seen, those who do often struggle to find safety. While the United Nations Convention relating to the Status of Refugees—the fundamental legal document that delineates who is a refugee, what their rights are, and the legal obligations of states, which was adopted in 1951—commits its signatories to give protection to those who are in danger of persecution on grounds of “race, religion, nationality, particular social group or political opinion,” there is no direct reference to sex or gender. The UK-based nonprofit organization Asylum Aid recently found that the UK Home Office displays a “striking failure” to understand the nature of the persecution experienced by women. Like Angelique, those who have suffered through rape, female genital mutilation, honor crimes, forced marriage, or forced prostitution find only hostility from the West.

For me, the journey from being a writer to being an advocate for refugee women has had a steep learning curve. I have realized I do not have to travel to Afghanistan or Albania or Saudi Arabia—all places I visited as a journalist—to meet women who are survivors of forced marriage, rape as persecution, or forced prostitution. These women surround us in the West, but they are too often unseen and unheard. Every Monday, about 50 women refugees come to classes in the basement of our WRW office building in London. I walk among them and hear them speaking in Lingala, in Arabic, in Amharic. I know that each of them has a story of persecution and survival that we would struggle to imagine. I want more citizens to listen to these stories, and to work with us for a more equal world for these women.

And what about Angelique? She found a decent lawyer and is able to remain in the UK for now. She is bringing up her daughter and working in a nursing home. She has learned English and supports other women going through the asylum process.

I am struck by her determination, but I know that there are many more Angeliques out there: women who have fled persecution yet are denied a fair hearing. In the UK and beyond, many refugee women are now organizing and speaking out to demand changes to the asylum decision-making process and an end to the destitution and detention of those who seek asylum. You can support them by raising awareness of their actions through your networks; sign up for our e-newsletter at www.refugeewomen.co.uk or follow us on twitter at @4refugeewomen if you would like to know more. Let’s work together to ensure refugee women are given a chance to rebuild their lives.

Click here to read the story of Saron, an Ethiopian woman who was raped and is now lost amid the asylum system in the UK.”

 

(Quelle: Women Under Siege Project.)