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BRD / Ägypten: Kulturgutraub

Dienstag, Juli 9th, 2013

“Nofretete will nach Hause!

Was verbindet Käthe Kollwitz mit Helene Weigel und Marlene Dietrich? Sie alle sind berühmte Berlinerinnen. Als die unbestritten berühmteste Berlinerin wird jedoch seit Jahrzehnten Nofretete gefeiert. Ein gewitzter deutscher Archäologe hatte ihre Büste 1912 in Ägypten ausgegraben und nach Berlin gebracht.

 

Nofretete

 

Dort ist sie die Ikone der Stiftung Preußischer Kulturbesitz und für die Werbestrategen offenbar das beste Pferd im Stall. Die Berliner Touristik wirbt mit der Büste in einer Reihe mit dem Brandenburger Tor und der Siegessäule. Damit Nofretete, trotz fehlenden Auges, zu den Berliner Highlights aufschauen kann, wird sie in einer aktuellen Werbeanzeige auch schon mal kurzerhand seitenverkehrt abgebildet. Ebenfalls sehr originell, mit knallgrünen Lippen, musste sie ihren Kopf auch für den Wahlslogan „Starke Frauen für Berlin“ hinhalten. Die lückenlose Vermarktung der Büste geht mit einer immer geistloseren Verramschung einher: In jedem Souvenir-Shop findet man zwischen Mauerbröckchen und Bären ihr Konterfei. Gefeiert als Publikumsmagnet lässt sie auf der Museumsinsel die Kassen klingeln. Hunderttausende Besucher statten ihr jedes Jahr einen Besuch ab. Der jahrelange Streit, ob Nofretete der BRD gehört oder, wie die DDR befand, ihr zustehen müsste, weil sie vor dem Krieg in Ost-Berlin stand, ist mit der Wiedervereinigung erledigt. Berlin kann sich nun wieder ganz entspannt in ihrem Glanze sonnen. Bereits auf die Museumsinsel zurückgekehrt, soll sie ab 2009 im Neuen Museum einen Saal für sich allein bekommen.

Nofretete will nach Hause

Bevor Nofretete auf der Museumsinsel ihren „endgültigen Standort“ bezieht, würden die Ägypter die Büste ihrer bedeutenden Königin jedoch gerne erstmals auf einem Besuch in Ägypten sehen. Dieser Wunsch, den der Chef der Ägyptischen Antikenverwaltung, Zahi Hawass, im Mai 2006 anlässlich der Eröffnung der Unterwasserschätze-Ausstellung im Berliner Gropiusbau geäußert hat, löste gleich eine ganze Welle der Empörung aus. Der Präsident der Stiftung Preußischer Kulturbesitz sah sich genötigt, sofort auf die „eindeutigen und völkerrechtlich klaren, von allen Seiten offiziell anerkannten Verträge über den rechtmäßigen Besitz der Kalksteinbüste“ hinzuweisen. Die angeblich glasklaren Besitzverhältnisse hatte Herr Hawass zwar gar nicht infrage gestellt, sondern erstmals in gewisser Weise sogar akzeptiert, indem er keine Rückgabe verlangte, sondern um eine Ausleihe bat. Das wurde jedoch in Berlin schlicht ignoriert. Sekundiert von der Presse, die sich mit großem nationalen Pathos ereiferte: Neben „Nofretete bleibt“ (Der Tagesspiegel) und „Ich bin eine Berlinerin“ (Hamburger Abendblatt) ließ man aus dem Berliner Museum auch noch klarstellen, „die Dame (sei) nach 3.000 Jahren nicht mehr reisewillig“. Soweit uns bekannt, hat sich Nofretete in keinem Interview in den letzten Jahren gegen das Reisen ausgesprochen. Was wollen die Museumsexperten also mitteilen: Dass die Büste die vielen Transporte in Deutschland nicht heil überstanden hat?

Fest steht momentan nur eins: In Berlin wird kompromisslos gemauert. Auch 95 Jahre, nachdem die Büste unter durchaus fragwürdigen Umständen nach Deutschland gelangte – wie Gert von Paczensky schon 1984 in seinem Buch „Nofretete will nach Hause“ detailliert nachgewiesen hat – beansprucht Berlin die Büste für sich allein.
Paczensky und sein Mitautor, Herbert Ganslmayr, der ehemalige Direktor des Bremer ÜberseeMuseums, hatten schon 1984 vorgeschlagen, dass man die Büste, wenn (…).”

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Mehr Informationen zum “Fall Nofretete” finden Sie hier.

 

(Quelle: Nofretete geht auf Reisen.de)