Archive for the ‘Energie’ Category

Malaysia/BRD: Für “saubere” Energie

Samstag, September 14th, 2013

“Seltene Erden – Fluch oder Segen für Malaysia?

Von Jade Lee

Am Sonntagnachmittag des 25. November 2012 hatten sich rund 20.000 Menschen auf dem Unabhängigkeitsplatz in Kuala Lumpur versammelt und missachteten die polizeiliche Warnung, dass diese Versammlung illegal sei. Die Menschenmenge saß friedlich im Regen vor der Polizeibarrikade und rief leidenschaftlich »Stop Lynas«. Viele Demonstrant/Innen trugen grüne T-Shirts, auf denen Umweltschutzslogans gedruckt waren. Sie hatten sich dort eingefunden, um die siebzig Läufer/Innen zu empfangen, die einen 13-tägigen Marsch über dreihundert Kilometer, der in Kuantan an der Ostküste der Malaiischen Halbinsel begann, in der Hauptstadt beendeten. Mit diesem Marsch drückten sie ihren Protest gegen die behördliche Bewilligung einer temporären Betriebslizenz für die weltweit größte Seltene Erden-Raffinerie aus. Bereits seit mehr als eineinhalb Jahren führen lokale Bewohner/Innen gemeinsam mit Aktivist/Innen eine Kampagne gegen die Seltene-Erden-Produktionsstätte des australischen Minenunternehmens Lynas Corporation (kurz Lynas) in der Nähe Kuantans. Lynas verschifft bereits Erzkonzentrat von seinem Bergbaugebiet am Mount Weld, das sich im Westen Australiens in der Nähe von Laverton befindet, zur finalen Produktionsphase in den rund 6.000 Kilometer entfernt gelegenen Hafen Kuantans zur dort ansässigen Raffinerie.

Das neue »grüne« Gold?

Für viele digitale und elektronische Bauteile bedarf es Oxide der Seltenen Erden. So sind sie auch in Hybrid- und Elektroautos, Windturbinen, Solarzellenpaletten, Energiesparlampen und Raketen enthalten. Im Juli 2011 hat der Technologiekonzern Siemens »eine Absichtserklärung zur Gründung eines Joint Ventures für die Produktion Seltener-Erden-Magneten unterzeichnet«. Laut Siemens »bedarf es für die Produktion von energieeffizienten Antriebsanwendungen und Windturbinengeneratoren diese Art von Magneten. Lynas wird für das Joint Venture Rohstoffe – vorwiegend Metalle, die Neodym enthalten – im Rahmen eines Langzeit-Liefervertrages bereitstellen«. Wenn dieses Joint Venture zustande kommt, wird Siemens mit 55 Prozent der Anteile der Mehrheitseigner sein. Lynas wird die restlichen 45 Prozent besitzen.1

Auch der deutsche Konzern BASF unterzeichnete trotz der Proteste im September 2011 einen Langzeitvertrag mit Lynas:

    »Gemäß den Vertragsbedingungen wird Lynas BASF mit einer festgelegten Jahresmenge Lanthan beliefern, welches der wesentliche Rohstoff bei der Produktion von BASFs Fluid Catalytic Cracking (FCC)-Raffineriekatalysatoren und bestimmter chemischer Katalysatorenerzeugnisse ist. Lynas wird diese Mengen durch das Lynas’ Rare Earth Separation Plant in Kuantan (Malaysia) bereitstellen, welches voraussichtlich im vierten Quartal 2011 mit 11.000 Metertonnen Gesamtjahresproduktionskapazität in Betrieb geht und im Jahr 2012 diese Menge auf 22.000 Metertonnen erhöhen wird. Zusätzliche Vertragseinzelheiten sind vertraulich.«

»Dieser Vertrag mit Lynas Corporation ist für unser Geschäft mit Chemie- und Raffineriekatalysatoren sowie für unsere Kunden ein bedeutender Schritt nach vorn«, sagt Dr. Hans-Peter Neumann, Senior-Vizepräsident von BASF Process Catalysts and Technologies. »Er ermöglicht es uns, unsere Lieferantenbasis für Seltene Erden weiter zu diversifizieren und zudem langfristig einen wesentlichen Teil des Lanthan-Bedarfs zu sichern.«2

 In Deutschland sind sowohl Siemens als auch BASF an hohe Umwelt- und Sozialstandards gebunden. Außerdem möchten diese globalen Großkonzerne gerne als ethisch korrekt handelnde und nachhaltige Unternehmen wahrgenommen werden. Hierzu konträr steht der starke lokale Protest gegen die Seltene Erden-Aufbereitung in Malaysia. Welche Konsequenzen ziehen die deutschen Unternehmen aus diesen Kontroversen?

Die versteckten Kosten der Extraktion Seltener Erden

Seltene Erden kommen relativ häufig auf der Welt vor. Erzkörper werden oft mit radioaktivem Thorium und Uranium gefunden. Die Verarbeitung Seltener Erden zu Oxiden ist allerdings mit hohen Gefahren verbunden, da hierbei hohe Mengen ätzender Säuren bei sehr hoher Temperatur zugegeben werden müssen, wodurch giftige Dämpfe, große Mengen Giftabfall und CO2 sowie andere Treibhausgase entstehen (…).”

Anmerkungen

1 Zu finden unter: < www.siemens.com/press/en/ pressrelease/?press=/en/pressrelease/2011/ industry/i20110742.htm>.

2 Weiterführende Informationen zu diesem Vertrag sind nachzulesen unter: < www.basf.com/group/corporate/ en/news-and-media-relations/news-releases/news- releases-usa/P-10-0076>.”

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(Quelle: Asienhaus.de)

Afrika: Vor dem AKW-Run?

Donnerstag, Juni 6th, 2013

“Atomic Africa

Dokumentarfilm von Marcel Kolvenbach

Seit Jahren schon sind es afrikanische Staaten, die weltweit die Riege der Länder mit dem stärksten Wirtschaftswachstum anführen. Doch der neue Boom braucht Energie, Stromausfälle sind an der Tagesordnung. Immer mehr afrikanische Regierungen wollen deshalb auf Atomkraft setzen. Nach einer Prognose der Internationalen Atomenergie-Organisation IAEA sollen bis 2050 in Afrika 40 neue Atomkraftwerke gebaut werden, ganz nach dem Motto: “We want power, no arms” (“Strom statt Waffen”).

Zwei Jahre lang reiste der Filmemacher Marcel Kolvenbach durch Afrika und recherchierte im Zeichen dieser neuen afrikanischen Atompolitik – vom Osten des Kontinents nach Südafrika, weiter in den Kongo und von dort in die Sahara.

Stets nah bei den betroffenen Menschen zeigt der Filmemacher, wie sich der Konflikt um die Uranvorkommen des Kontinents verschärft. Vom Krieg in Mali bis hin zum Raubbau an der Natur in Tansania prägen die Interessen mächtiger Konzerne wie dem französischen Stromriesen Areva immer mehr das Schicksal ganzer Regionen.

Zugleich zeigt der Film eindrucksvoll, welche Folgen der Einstieg in die Atomkraft für die Umwelt und Sicherheit eines Kontinents haben dürfte, auf dem die wenigen Atomkraftgegner um ihr Leben fürchten müssen. “Atomic Africa” wird so zum politischen Road-Movie durch das nukleare Afrika (…).”

Sender:     WDR Fernsehen

Sendedatum: 06.06.2013

Sendezeit:   23:15 – 00:40 Uhr

 

(Quelle: programm.ARD.de)

BRD: Mehr Meeresschutz

Freitag, Dezember 14th, 2012

“Meeresschutzorganisationen wenden sich gegen Privatisierung der Hochsee

– UN-Seerechtskonvention erhalten und stärken

Pressemitteilung | 10. Dezember 2012

Heute, am 10. Dezember 2012, jährt sich zum dreißigsten Male die Unterzeichnung der “United Nations Convention on the Law of the Sea” (UNCLOS). Die UN-Seerechtskonvention ist eines der für die Entwicklungs- und Umweltpolitik bedeutendsten internationalen Übereinkommen. Aus diesem Anlass hat am 8. Dezember 2012 in Bremen eine überregionale Tagung stattgefunden, auf der die Teilnehmenden über den Einfluss der UN-Konvention auf die Meerespolitik diskutierten. Mit dieser Presseerklärung möchten die an der Tagung beteiligten und unterzeichnenden Organisationen für eine Reform der UN-Seerechtskonvention eintreten, die den Grundsatz, die Meere seien das “gemeinsame Erbe der Menschheit”, fortschreibt und die die Rolle internationaler Organisationen und der Zivilgesellschaft im Meeresschutz stärkt.

Die United Nations Convention on the Law of the Sea hat mit ihrem Inkrafttreten eine ganze Reihe internationaler Streitfragen auf See geklärt bzw. die Grundlagen dazu geschaffen. In den 1970er Jahren verhandelt und 1982 verabschiedet, gilt UNCLOS als die entscheidende vertragliche Basis für die Meerespolitik. Die Konvention regelt die Grenzen auf See, gibt die Nutzungsbedingungen für die Ressourcen des Meeresbodens in internationalen Gewässern vor, verlangt Umweltschutzmaßnahmen und kooperative Ansätze in der Fischerei. Grundlage des UN-Übereinkommens ist der unter anderem auf Elisabeth Mann Borgese zurückgehende Gedanke, dass die Meere das gemeinsame Erbe der Menschheit sind – ein Gemeingut, dessen Reichtümer global gerecht zu verteilen und nachhaltig zu nutzen sind. Jürgen Maier vom Forum Umwelt und Entwicklung bewertet dies so: “Die UN-Seerechtskonvention ist mit ihrem Verständnis von globaler Kooperation immer noch allen anderen internationalen Abkommen weit voraus. Die Ozeane als ein Gemeingut zu betrachten, das gerecht und nachhaltig von Nord und Süd gemeinsam verwaltet wird, mit eigens dafür geschaffenen Institutionen, war und ist wegweisend.”

Die heute zunehmend intensivere Nutzung der Meere ebenso wie die globale Verknappung der Ressourcen sorgen dafür, dass die Grundsätze der Seerechtskonvention immer häufiger in Frage gestellt werden. Im Rahmen der Globalisierung nimmt der Stellenwert der Meerespolitik beständig zu und an vielen Orten hat ein Goldrausch eingesetzt. Ressourcenförderung im Meer, Energiegewinnung vor den Küsten und die Erschließung neuer Fischgründe führen zu Konflikten um Seegrenzen und Nutzungsrechte. Eine Überarbeitung des Vertragswerks in bestimmten Bereichen scheint deshalb durchaus notwendig geworden zu sein. Es stellen sich eine Reihe konkreter Probleme, die es zu lösen gilt, wie die Kontrolle der Tiefseefischerei, die Einrichtung von Schutzgebieten auf Hoher See oder den Schutz der Kleinfischerei und ihres Beitrags zur Ernährungssicherheit. In Hinsicht auf diese Situation führt Kai Kaschinski von Fair Oceans aus: “Wir halten es für falsch, die Grundsätze der UN-Seerechtskonvention, insbesondere den, der die Meere als Gemeingut festschreibt, in Frage zu stellen. Reformen sind notwendig, aber diese sollten auf der Konvention aufbauen und ihren Ansatz stärken. Eine Privatisierung der Meere weist in die falsche Richtung und wird Fehlentwicklungen nur bestärken.”

“Angesichts der fortschreitenden Industrialisierung der Meere ist jetzt die Zeit, um internationale Regelungen zu vereinbaren, die verhindern, dass auf See die gleichen Fehler gemacht werden wie es an Land geschehen ist. Die Förderung von Ressourcen im Meer darf auf keinen Fall zu einem Wettrennen werden, das die Schnellsten und Hemmungslosesten für sich entscheiden”, so Onno Groß von Deepwave. Insbesondere für den Erhalt Tiefsee ist es notwendig, zunächst das Wissen über die Ökologie der Meeresgebiete und die Konsequenzen möglicher Eingriffe soweit zu vervollständigen, dass die Folgen einschätzbar werden. Das gleiche gilt aber auch für die Offshore-Projekte in den Küstengewässern. Soziale und ökologische Auswirkungen dürfen den wirtschaftlichen Interessen nicht untergeordnet werden. Zur Zeit versuchen mehr und mehr Staaten, ihre Ausschließlichen Wirtschaftszonen, in denen sie eigenständig die Förderrechte verwalten dürfen, per Antrag bei der zuständigen UN-Einrichtung zu erweitern. “Küstengemeinden, Zivilgesellschaft und internationale Organisationen müssen in die politischen Prozesse zur Neugestaltung der Meere einbezogen werden. Unter nationaler Oberhoheit Fakten zu schaffen, widerspricht nicht nur der UN-Seerechtskonvention, sondern ebenso vielen anderen Abkommen. Weitaus sinnvoller wäre es, den Ressourcenverbrauch zu drosseln und im Sinne der Seerechtskonvention über eine gerechte Verteilung der Meeresschätze nachzudenken, um künftige Konflikte zu vermeiden und einen umfassenden Schutz der Meere zu gewährleisten”, unterstreicht Burkhard Ilschner für die Redaktion der Zeitschrift WATERKANT.”

Meer

 

(Quelle: Forum Umwelt & Entwicklung.)

BRD: Fairer Handel – Wendemanöver in der Sackgasse?

Samstag, Juli 28th, 2012

“Grenzen der Zertifizierung

Bilanz und Ausblick

Von Carolin Callenius und
Francisco Mari

Explosionsartig erleben wir, wie immer mehr Nachhaltigkeits-Siegel Teil unseres Alltags werden. Von Bio, Fair Trade, den Runden Tischen, diversen Biospritplaketten bis zu Pro Planet und MSC (Marine Stewardship Council) hinter den Begriff Nachhaltigkeit verbergen sich die unterschiedlichsten Ziele, Kriterien, Systeme und Akteure. Allen gemein ist, dass sie bei den Importen von Agrarprodukten ansetzen. Diese sollen – je nach selbst gesetztem Zielunterschiedlich – aus einer Produktion kommen, die auf Raubbau am Regenwald verzichtet, in der keine Kinder arbeiten müssen, die Arbeiter gerecht behandelt werden, besonders wenig Treibhausgase verursacht oder/und die Artenvielfalt geschützt wird. Zu Recht wird kritisiert, dass dieses Schildermeer nicht mehr überschaubar ist. Es ist auch zunehmend unklar, welchem Siegel man Glauben schenken kann; da sich bei den meisten Siegeln höchstens eine Hand voll Experten noch auskennen.

In den Expertenzirkeln wird eifrig diskutiert, wie man diese Siegel noch weiter verbessern kann, wie man sie zusammenfassen kann und in ihrer Reichweite umfassender machen könnte und wie unabhängig eine Kontrolle der Zertifizierung sein muss. Zeitgleich wachsen aber auch die Zweifel, ob angesichts der immensen globalen Probleme diese kleinen Reformen am Agrarhandel ausreichen. Reicht das Plus für Menschen und Umwelt im Süden aus, um die Nachhaltigkeitsziele von Umwelt und Entwicklung zu erreichen? Oder dient nicht gar das Ganze nur als Beruhigungspille gegen das schlechte Gewissen? Denn der übermäßige und wachsende Konsum – auch von besiegelten Produkten – hat Folgen für die Menschen und die Umwelt im Süden.

Es besteht kein Zweifel, dass einzelne Produkte − inklusive ihrer Herstellungsprozesse und Folgewirkungen − durch eine Zertifizierung verbessert werden können. Wir aber wollen in diesem Artikel ein paar Fragen aus entwicklungspolitischer Perspektive aufwerfen, die die Grenzen des Instruments thematisieren, und welche Probleme wir wahrnehmen, die mittels der Zertifizierung selbst nicht behoben werden können:

• Ist eine exportorientierte Landwirtschaft oder Landnutzung mit zertifizierten Produkten grundsätzlich ein besserer Entwicklungsweg für die Länder des Südens als die nichtzertifizierten Exporte?

• Wer profitiert von der Zertifizierung und wer hat das Nachsehen?

• Welche ökologischen oder »fairen« Grenzen hat das Instrument der Zertifizierung?

Alle drei Fragen werden von vielen Bauernverbänden und Nichtregierungsorganisationen im Süden zunehmend kontrovers diskutiert.

Exporte von Rohstoffen als richtiger Entwicklungsweg?

Zunächst will die Zertifizierung nichts weiter, als bestehende Agrarhandelsströme qualitativ verbessern. Dabei geht es immer um unsere Ansprüche als KonsumentInnen im Norden. Egal ob für Biosprit, Schokolade, Tropenholz, Palmöl oder Shrimps, gleichgültig ob öko oder fair oder beides – die Standards werden in den Industrieländern gesetzt. Für die lokalen Märkte im Süden spielen diese Zertifizierungen, ja meist auch die Produkte selber, keine Rolle. Keine Verbraucherin in Costa Rica fragt nach öko-fairen Bananen oder in Dakar nach einer MSC-Sardine. Konsequenterweise heißt das, dass aus Sicht der KonsumentInnen im Süden niemand Zertifizierungen oder private Standards braucht.

In den Ländern selbst aber beobachten wir, dass diese Nachfrage häufig zusätzlich erfolgt; während gleichzeitig die natürlichen Ressourcen immer knapper werden. Während also einerseits die durchschnittlichen Ackerflächen pro Betrieb immer kleiner werden, beansprucht der Exportanbau immer größere Flächen und greift meist auf die besten Böden und Wasserressourcen zurück. Diese Knappheit an Land, Wasser, Biodiversität, etc. führt dazu, dass die Eigenversorgung mit Grundnahrungsmitteln in den letzten Jahren drastisch abnimmt. Viele Entwicklungsländer sind zunehmend von Nahrungsmittelimporten abhängig.

Eine Entwicklungsstrategie durch »Rohstoff- oder Agrarexporte« wurde in den letzten Jahrzehnten als der Königsweg propagiert. Sie versprach die gesteigerten Kostenvorteile in der Landwirtschaft und hohe Rohstoffpreise auszunutzen, um mit den Einnahmen Infrastruktur, Energie, Gesundheit und Bildung zu finanzieren. Niedrige Weltmarktpreise für Nahrungsmittel Nahrungsmittel förderten die Illusion man könne mit diesen Einnahmen auch die Ernährung der Bevölkerung sichern. Doch seit 2008 ist dieser Traum ausgeträumt. Die hohen und sehr stark schwankenden Nahrungsmittel- und Rohstoffpreise führten den Ländern ihre Abhängigkeit vom Weltmarkt und die Unsicherheit der Budgetplanung vor Augen. Weder die Armen in den Städten und noch weniger die große- Mehrheit der Landbevölkerung haben davon profitiert.

Im Hinblick auf die Bekämpfung von Armut und Hunger muss hinterfragt werden, ob eine Export-Expansion, auch wenn sie als nachhaltig zertifiziert ist, im Sinne einer ernährungssichernden, landwirtschaftlichen Produktion für die arme ländliche Bevölkerung in den Ländern des Südens zu wünschen und zu unterstützen ist. Letztendlich dient auch sie nur dazu, unsere Versorgung im Norden mit natürlichen Ressourcen abzusichern. Den meisten Zertifizierungen, wie FSC (Forest Stewardship Council) und den Runden Tischen fehlt bereits im Ansatz das Ziel der Armuts- und Hungerbekämpfung. Sie gehen in ihrem Anspruch oft nicht über eine Verringerung der schlimmsten (ökologischen und teilweise sozialen) Probleme hinaus. Auch die wachsende Ernährungsunsicherheit kann durch Zertifizierung nicht erfasst und nicht vermieden werden.

Sind denn die Mengen an zertifizierter Ware überhaupt nachhaltig verfügbar?

Es sind die gleichen Äcker, die gleichen Flüsse und Wälder, die, bisher von bäuerlichen Familien genutzt werden, nun aber von den Investoren in nachhaltige Produktion benötigt werden. Der Zugriff auf das Ackerland aber führt zu neuen ernst zu nehmenden Konkurrenzen, die in Folge auch zu Nahrungsmittelengpässen auf den lokalen Märkten führen können. Nämlich dann, wenn Menschen der Zugang zu den natürlichen Ressourcen geraubt wird oder wenn auf den lokalen Märkten nicht mehr ausreichend Lebensmittel zur Verfügung stehen oder nur zu Preisen, die für die Ärmsten schlicht nicht mehr bezahlbar sind. Zwar lässt sich überprüfen, ob bei der Anlage einer zertifizierten Plantage das Ackerland legal erworben wurde, ob Landkonflikte anhängig sind, oder Regenwald zerstört wurde und damit ausschließen, dass Menschen von ihrem Acker vertrieben, oder ohne ihre Einwilligung umgesiedelt wurden. Doch wird die wachsende Nachfrage nach Agrarimporten aus dem Süden – mit oder ohne Zertifizierung – zu weiteren indirekten Folgen führen. Denn die ursprünglichen Nutzer des Landes werden nun an anderen Orten beginnen zu produzieren, wo sie unter Umständen einen Raubbau an Primärwäldern vornehmen. Im Zuge des Wettlaufs um die natürlichen Ressourcen, wie Land und Wasser haben die besonders Benachteiligten oft das Nachsehen. Nomaden, Hirten, Fischer und Indigene werden in ihren Nutzungsrechten eingeschränkt und sind dann auch Opfer von »politisch korrekten « und zertifizierten Investitionen von landbesitzenden Kleinbauern.

»Die Dosis macht das Gift.« Dies wird in den Diskussionen um Agrotreibstoffe immer wieder deutlich: Denn ob mit oder ohne Zertifizierung, es wird nicht gelingen die steigende Nachfrage nach Agrarprodukten auf nachhaltige Weise zu befriedigen. Bei immer knapper werdenden natürlichen Ressourcen sind vielerorts die Grenzen für eine Produktionserweiterung bereits erreicht oder gar überschritten. Insbesondere dann, wenn immer mehr Energie und Grundstoffe aus Biomasse, Rohstoffe auf Erdölbasis ersetzen sollen. Bioethanol und Biodiesel benötigen jetzt schon zwei Prozent der weltweit verfügbaren Ackerflächen. Die neuen Hoffnungsträger einer »Grünen Technologie« aus nachwachsenden Rohstoffen, wie Biokerosin, Biokunststoff, Baufasern und Schmierstoffe werden diesen Trend fortsetzen.

Partizipation für wen?

Nachhaltigkeitsstandards funktionieren in gewisser Weise wie alle privatwirtschaftlichen Standards, die von Handels- und Industrieverbänden angewendet werden (beispielsweise Standards des Codex Alimentarius, der für die Einhaltung von Hygienestandards sorgt und private Standardnormen wie EUROGAP). Sie führen zu einer dem Agrobusiness genehmen Uniformität der Produkte, der sich alle Produzenten unterwerfen müssen. Da der Vormarsch der Supermärkte auch im Süden voranschreitet, verlieren Kleinproduzenten ihre lokalen Märkte und nur wenige, die in die Standarderfüllung der meist internationalen Handelsketten investieren können, beliefern sie. Alle Anderen müssen auch noch zusehen, wie Billigreste die den Standard nicht erfüllen, sie auch noch von den Straßenmärkten der Armen vertreiben.

Kleinproduzenten können sich die Kosten, die mit der Zertifizierung verbunden sind, oft nicht leisten. Aber auch Landwirte mittelgroßer Betriebe gehen ein hohes Risiko ein. Denn je höher ihre Investition, desto größer die Gefahr durch Markteinbrüche bei nur geringfügigen Nichtstandarderfüllungen. Kurzfristige Erfolgs- und Gewinnbestrebungen aller Beteiligten lassen auch im Geschäft mit zertifizierten Produkten keine Zeit, um die Umwelt der Produzenten langsam und nachhaltig an neue Markterfordernisse anzupassen. Dieses Anliegen wird allein von den Standards des fairen Handels aufgegriffen, die langfristig mit Beratung die Partner unterstützen und die Produzenten an eine soziale, manchmal auch an eine ökologische, Nachhaltigkeit heranführen.

Die Produktionsstrukturen sind mit Ausnahme des fairen Handels meist nicht berücksichtigt. Es werden immer nur das Produkt und die Herstellungsweise zertifiziert; aber nicht ob es von mechanisierten Großbetrieben hergestellt wurde oder in kleinen Strukturen vor Ort. Dagegen wehrt sich beispielsweise die brasilianische Landlosen- Organisation MST. Diese meint, dass Nachhaltigkeit unbedingt die Verteilung der Ressourcen beinhalten müsse, denn sonst gefährde der Anbau in immer größer werdenden Strukturen die Lebensgrundlage der Menschen.

Zertifizierung – nur ein grüner Anstrich?

Seit dem Beginn von Zertifizierungen wird heftig darüber gestritten, was denn unter Nachhaltigkeit verstanden wird. Während die Einen jeden Schritt, den die Industrie sich bewegt, als einen Gewinn ansehen (Statt der Nische soll der Mainstream erobert werden), kritisieren die Anderen, dass dies nur ein grünes Deckmäntelchen sei. Für letztere steht außer Frage, dass man gentechnisch verändertes Soja nicht als »verantwortungsvoll« zertifizieren kann; dass auch Monokulturen, die sich über zehntausende von Hektar erstrecken und große Mengen Pflanzenschutzmittel einsetzen, alles andere als nachhaltig sind. Viele Fragen sind offen: Ist nicht auch eine öko-faire Shrimps-Mast ein Widerspruch in sich? Kann es angesichts der überfischten Meere eine Öko-Aquakultur geben? Schützen Biotreibstoffe zwar das Klima, erzeugen sie aber gleichzeitig Probleme im Bereich des Erhalts von Umwelt und Menschenrechtschutz? Nachhaltigkeitszertifizierungen sind immer nur partiell. Das Wissen um die komplexen Zusammenhänge von Sozial- und Ökosystemen ist begrenzt, und die Wirkungen, die massive Eingriffe haben, sind in Öko- oder Sozialstandards nicht wirklich erfassbar und vorherzusehen.

Was wäre ein Ausweg?

Grundsätzlich muss sich jedes Land, jede Region fragen, in welchem Ausmaß Infrastruktur, Land, Wasser, Energie und Arbeitskraft in die Exportproduktion gehen soll, oder eben in die eigene Nahrungsversorgung und verarbeitende Kleinindustrien eingebracht werden. Den Landwirten, die die Mehrzahl der Hungernden ausmachen, wäre mehr gedient, wenn (…).”

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(Quelle: Forum Umwelt & Entwicklung.)

BRD: Büro für erforderliche Maßnahmen

Montag, Juli 16th, 2012

“Büfem – Büro für erforderliche Maßnahmen

In Zeiten des Klimawandels wird viel diskutiert und gejammert über den bedrohlichen Zustand, in dem sich unserer Erde befindet. Es gibt die unterschiedlichsten Zukunftsszenarien, die einem wirklich das Fürchten lehren.

Aber es gibt auch eine gute Nachricht:

Jeder kann etwas dagegen tun.

● Es macht Spaß.
● Es ist nicht teuer.
● Man ist dabei nicht allein.

Büfem stellt Wege vor, die leicht zu gehen sind (…).

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(Quelle: Büfem.)

Kanada: Nicht nur im globalen Süden

Sonntag, Juli 8th, 2012

“Innu Continue to Protest the Plan Nord and Romaine River Hydro Project

By Alexis Lathem | Wednesday, 04 July 2012 13:09

Marching against dam
Marching against dam

On the morning of June 10th, a group of Innu people from the community of ManiUtenam, near the Quebec City of Sept Isle, set out on a 360 kilometer march towards a Hydro Quebec dam construction site on the Romaine River. Dressed in florescent vests, they departed from an encampment at the entrance to the reserve, beside Route 138, the only major road in the region, where the group has maintained a continual protest since the end of April.

Impossible to miss as vehicles pass along the route, the encampment strikingly asserts the presence of the Innu –who have been consistently ignored by governments and developers as they continue to encroach upon Innu territory.

The Innu people (not to be confused with the Inuit) are the indigenous people of the northeastern part of what is today called Quebec and Labrador. To the Innu, this is Nitassinan, “our land”, which they have never ceded to Quebec or to Canada. Having escaped the predations of agricultural and industrial encroachment for centuries, the Innu were not settled onto reserves until the 1960s – most of them located at the mouths of the rivers emptying into the Gulf of St Lawrence – at the same time that the provincially owned utility, Hydro Quebec, began to construct a series of large dams in Nitassinan, effectively ending a way of life. The dams destroyed the salmon, flooded forested valleys, and paved the way for the industrialization of the Innu homeland.

“We demand to be recognized,” reads a hand-scrawled sign at the site. Plumes of woods moke rise from small canvas – and spruce- pole tents (the style of tent used by the Innu when they are in the forest) clustered around a large structure called a chapetoine, traditionally used for ceremonies and councils. Children play in the sand beneath overhanging banners that read (in French), “No Plan Nord! We want a Plan Innu!” and “Protect the Romaine River!”

The $8 billion Romaine Complex –involving four large hydroelectric stations, dikes, spillways, canals, and 279 sq kilometers of reservoir – marks the first phase of Quebec’s multi-billion dollar Plan Nord, a massive soviet-style 25-year scheme to industrialize the remote region north of the 49th parallel. A territory twice the size of France, which proponents themselves boast is “the largest intact ecosystem in the world,” belongs entirely to First Nation’s peoples.

“We were not consulted,” said Elyse Vollant, speaking in French, a mother of eight children from Mani Utenam, who has been living in the encampment since April. “The government says the First Nations have approved the Plan Nord but we have not. This is a violation of our rights.”

This is the first organized opposition coming from First Nations communities to Hydro Quebec since the 1990s, when the James Bay Cree campaigned to stop the massive Great Whale project, at the same time that the Innu of ManiUtenam opposed Hydro Quebec’s St. Marguerite 3 (SM3) project. The Great Whale project was cancelled in 1994, but the SM3 project was built.

Protests began in March, when a group of Innu blockaded the highway to disrupt supplies to the Hydro Quebec construction site, after Hydro Quebec began to illegally install its transmission lines associated with Romaine complex. The towers would pass directly through the Innu’s ancestral lands, which have never been ceded to Quebec.

In two community-wide referenda, the community of Uashat/ ManiUtenam voted down a compensation package of $125 million offered in exchange for their consent to the project. Hydro Quebec is nevertheless proceeding to construct the lines – clearing swaths of forest for the corridor – in the absence of an agreement from the community.

After blockading the route and disrupting work on the complex for four days, the Quebec police arrived on March 9 in riot gear to break up the protest. Thirteen people were arrested, including Elyse Vollant. After the police broke up the blockade, and the protesters were placed under an injunction, prohibiting their assembly near the road, they “were not sure what to do,” Vollant explained. “My father told me not to be afraid of the injunction. He said we should continue to defend Nitassinan.”

A group of women then decided to carry out a long march – 900 kilometers to Montreal. Some 40-plus Innu women arrived in Montreal on April 22, in time for the Earth day festivities.

“We are doing this for our children,” Vollant said. “In the future, there will be no more trees, no more animals, no more fish. Everything will be polluted. What will be left for our children? What kind of a life will they have?”

On June 16, after walking for six days, the marchers arrived at the construction site near the Romaine River where they were joined by Innuat from Ekuanit shit and Natasquan, the two closest communities to the Romaine River, and Uashat/ManiUtenam, as well as by supporters from the Quebecois communities in the region. Some fifty people formed a human chain before the entrance to the site, where they held their ground for eleven hours.

According to Chris Scott with the Romaine Alliance, an environmental group that is working to protect the river, the first vehicle to attempt to pass was a Hydro Quebec tour bus. The tourists were “dumbfounded” at the sight of a large group of Innu people, some dressed in traditional clothing, singing and chanting in the road. A group of children, both Innu and Quebcois, held a large colorful banner that read (in French): “Protect the Romaine River!”

“After fifteen minutes they were allowed to pass,” Scott said, “but not without an appreciation for the fact that – contrary to what one hears – there is not unanimous approval for this project, neither among the Innu nor the whites.”

Scott told the visitors to “take a good look at the Grandes Chutes, because they will not be here once the dam is built. Neither will the salmon beds at the base of the falls.”

The Grandes Chutes is the largest and most spectacular waterfall on the river. Once the Romaine 1 hydroelectric station is built, directly over the site of the falls, the river behind the dam will be stored in a reservoir, then diverted around the falls. Only a trickle of water will pass, where once a volume of white water second only to Niagara crashed over a precipice, in a tempestuous display vapor and spume. This summer, the salmon returning from their two-year sojourn at sea will spawn in the gravel beds below the falls for the last time.

The Romaine River – one of the longest in Quebec – is one of the last wild Atlantic salmon rivers that has not been dammed. The Innu have fished the Romaine River salmon, reputed to be some of the biggest in the world, for millennia. Of the sixteen rivers in Quebec listed as large rivers, the Romaine is the fourteenth to be dammed. The Romaine complex will be the fifteenth hydro-complex in Nitassinan, the Innu homeland, where already the landscape– wherever there are dams- is dominated by armadas of massive 740 kv powerlines, carrying power from the once mighty rivers that crisscross the mountainous eastern seaboard before they flow into the Atlantic Ocean.

The Plan Nord calls for developing 3,500 MW of additional hydroelectric energy (to add to the staggering 47,000 MW already produced by a province with a population of 7.5 million), including the Romaine complex. Hydro complexes are also planned for the Magpie and Petit-Mecatina Rivers in the region.

As they passed through Innu communities along the way, the group circulated a petition demanding a halt to the Plan Nord, a settlement of the Innu’s legal claims against the province of Quebec, complete information on the effects and impacts of the Plan, and a comprehensive consultation with all members of the Innu nation. The signatures will be presented to the Quebec General Assembly.

After their demonstration at the entrance to the Romaine construction site, the Innu group returned to the encampment by the highway. They continue to gather in the evenings under the canopy of the chapetoine, while they plan more actions for the coming months. At night they sleep on its fragrant carpet of spruce boughs.

“People are rising up,” said Vollant. “The Innu are going to come together to oppose the Plan Nord. People from the outside will join us. It’s not just the Innu who are affected – all human beings depend upon nature. We are all going to come together.”

 

(Quelle: Towards Freedom.com)