Archive for the ‘Fairer Handel’ Category

BRD: A Rose Is A Rose Is A Rose?

Samstag, Januar 28th, 2012

“Blumengütesiegel Flower Label Program (FLP) vor dem Aus

Köln, Frankfurt, Osnabrück, Stuttgart, Wien, Herne 3. Januar 2012. Mit Wirkung zum 31. Dezember 2011 sind FIAN Deutschland, FIAN Österreich, Brot für die Welt, terre des hommes und das Eine Welt Zentrum Herne als Nichtregierungsorganisationen (NRO) und die IG Bauen-Agrar-Umwelt (IG BAU) als Gewerkschaft aus dem Flower Label Program e.V. (FLP) ausgetreten. Die Organisationen sahen sich dazu durch die Entwicklungen im letzten Jahr und den Zustand des FLP e. V. am Jahresende 2011 gezwungen. Sie ziehen die erforderliche Konsequenz aus den inhaltlichen Veränderungen des Vereins und dem finanziellen Zusammenbruch des Gütesiegels.

FLP war im letzten Jahr wirtschaftlich nicht mehr tragfähig, die Büros in Köln und Quito (Ekuador) wurden bereits geschlossen. Grund dafür war eine große Zahl von Austritten und Dezertifizierungen von FLP-Betrieben. NROs und Gewerkschaften konnten sich gegenüber Produzenten und Händlern nicht mit dem Vorschlag durchsetzen, FLP in Fairtrade zu überführen. Bislang sind Fairtrade-Schnittblumen in Deutschland in verschiedenen Supermärkten zu kaufen und sollen im Laufe des Jahres auch bei Floristen angeboten werden. In Österreich bieten neben Supermärkten auch Floristen bereits Fairtrade-Schnittblumen an.

“Da FLP aufgrund fehlender Finanzen nicht mehr handlungsfähig ist, besteht die Gefahr, dass das Label missbraucht wird. Unternehmen können damit werben, ohne dass tatsächlich geprüft wird, ob sie FLP-Standards einhalten.”, so Joachim Vorneweg von der Menschenrechtsorganisation FIAN. Die Zertifizierung durch FLP basiert auf dem internationalen Verhaltenskodex (ICC, International Code of Conduct) für die Schnittblumenproduktion. Er war von den beteiligten NROs, Gewerkschaften, Produzenten und Handel gemeinsam entwickelt worden und setzt seit 1998 klare Maßstäbe. Der ICC enthält Arbeits-, Sozial- und Umweltkriterien, die auf den UNO-Menschenrechtspakten, den relevanten Konventionen der Internationalen Arbeitsorganisation (ILO) und Umweltnormen beruhen. FLP hat damit für rund 20.000 ArbeiterInnen in Schnittblumen-Plantagen in Afrika, Asien und Lateinamerika bessere Arbeitsbedingungen durchgesetzt, wie etwa feste Arbeitsverträge, Mutterschutz, Arbeits- und Gesundheitsschutz. Das ist ein klarer Verdienst derjenigen Organisationen, die mit Bedauern heute nicht mehr ihren Platz im FLP haben.

FIAN, Brot für die Welt und terre des hommes werden sich weiterhin im Rahmen ihrer Arbeit für soziale Rechte im Blumensektor stark machen. Auch die IG BAU unterstützt in Zukunft die Siegelung durch den Fairen Handel. Die vier Organisationen fordern KonsumentInnen dazu auf, sich beim Kauf für Fairtrade zertifizierte Blumen und Pflanzen zu entscheiden.

Kontakt:

FIAN Deutschland: Joachim Vorneweg, u.hausmann [at] fian.de, Telefon +49 172 8063877

FIAN Österreich: Sophie Veßel, sophie.vessel [at] fian.at, Telefon +43 01 235023912

IG BAU: Sylvia Honsberg, sylvia.honsberg [at] igbau.de, Telefon +49 171 7423450

terre des hommes: Michael Heuer, m.heuer [at] tdh.de, Telefon: +49 541 7101145

Eine Welt Zentrum Herne: Martin Domke ewz-info [at] kk-ekvw.de, Telefon +49 2323 994970

Weitere Informationen:

Ausführliche Stellungnahme von FIAN Deutschland zum Austritt aus dem Flower Label Program

 

(Quelle: FIAN Deutschland e.V.)

Global: Wandel durch Handel? (HÖRTIPP)

Donnerstag, Mai 19th, 2011

“Fair handeln – aber wie?

Eine Idee zwischen Ideal und Kommerz

Am Anfang setzten Menschen ein Zeichen für faire Handelsbeziehungen: Zwischen Produzenten im Süden und Verbrauchern im Norden. Ihre Devise: Statt Marktpreise faire Preise. Schon bald finden die Waren den Weg aus den Weltläden in die Supermärkte.

Die Idee wird von Milchbauern in Deutschland heute kopiert. Manche sehen die faire Handelsbewegung als eine Art Laboratorium für die Weltökonomie, andere halten die Wirkung des individuellen Einkaufsverhaltens für überschätzt.

Der Autor hat Wegbereiter des fairen Handels in Nicaragua und Deutschland getroffen, Arbeiter, Wissenschaftler und Bauern. Er dokumentiert die Entwicklung der fairen Handelsidee zwischen Ideal und Kommerz und sucht eine Antwort auf die Frage: Wandel durch Handel, geht das?

Sender: WDR 5
Sendetag: Montag, den 13.06.2011
Sendezeit: 11:05 – 12:00 Uhr
Autor: Caspar Dohmen
Produktion: WDR /DLF 2011
Redaktion: Marita Knipper

Linktipps

Fisch aus fairem Handel
Die gemeinnützige Organisation ‘fair fish’ will einen nachhaltigen und vor allem auch artgerechten Fischfang fördern. Fischer im Senegal profitieren bereits von dem Schweizer Projekt, denn sie erhalten einen angemessenen Preis für ihre Ware.
Aus der WDR Servicezeit vom 14. Oktober 2010.

Dossier Fairer Handel
Aus der Rückschau der WDR Servicezeit.

Fairtrade
Fairtrade einfach erklärt – aus dem Lexikon von neuneinhalb, dem Check Eins Nachrichtenmagazin für junge Zuschauer.”

 

(Quelle: WDR.)

Global: Ausweg FairTrade?

Donnerstag, Mai 19th, 2011

“Fairer Handel, Kakao und das Menschenrecht auf gute Arbeit

von Thomas Guthmann

Neben den klassischen Menschenrechten, wie dem Recht auf körperliche Unversehrtheit und Freiheitsrechten, wie dem Recht auf freie Meinungsäußerung, gibt es die sozialen Menschenrechte. Dazu gehört das Recht auf Arbeit bei angemessener Entlohnung. Die Umsetzung sozialer Menschenrechte gestaltet sich in den Ländern schwierig, in denen ein erheblicher Teil der Bevölkerung im informellen Sektor arbeitet. Hier gibt es keine etablierten Arbeitsverhältnisse und viele müssen ein Geschäft „erfinden“ mit dem sie versuchen, sich über Wasser zu halten. Ein Recht auf Einkommen ist hier unbekannt.

Informellen Job „Erfinden“

Deutlich wird dies in El Alto, der ärmsten Stadt Boliviens. Wenn man sich in die Ceja – den großen Markt im Zentrum der Stadt – begibt, fallen einem immer wieder alte Männer, junge Frauen mit Kindern auf dem Rücken oder Kinder auf, die Papiertaschentücher päckchenweise verkaufen oder Kaugummis und Zigaretten einzeln anbieten. Mit dem Verkauf von Kleinigkeiten versuchen sie, sich über Wasser zu halten. Viele von ihnen verdienen damit weniger als einen Euro pro Tag und kommen kaum über die Runden.

Zwei Drittel der Bevölkerung ist in El Alto in der informellen Ökonomie beschäftigt. Sie schlagen sich mit Gelegenheitsarbeiten durch, versuchen hier und da was zu verkaufen oder verdingen sich als TagelöhnerInnen. Für sie gibt es keine Altersvorsorge, keine Möglichkeiten zur Fortbildung und keinen Zugang zu ausreichender Gesundheitsvorsorge. Fünfzig Prozent der Bevölkerung haben keinen oder nur einen unzureichenden Zugang zu sauberem Wasser, etwa zwei Drittel verfügen über einen unzureichenden Zugang zur Gesundheitsversorgung und ungefähr 50 Prozent EinwohnerInnen haben unzulängliche Bildungschancen. Arbeitsplätze, deren Einkommen zum Leben ausreicht, sind in El Alto Mangelware.

Angemessene Entlohnung bei El Ceibo

Nur wenige Meter vom lauten Treiben im Zentrum der Ceja entfernt, an der Autopista hinab zum Regierungssitz La Paz, findet man ein modernes Geschäftsgebäude. An der Fassade des Gebäudes finden sich Referenzen an die Architektur der alten Kulturen des Landes. Der repräsentative Bau ist angeschrägt und erinnert an eine Pyramide aus Tiwanaku, dem alten spirituellen Zentrum der Aymaras. Im Gebäude befindet sich die Zentrale des Schokoladenproduzenten El Ceibo, dem größten Exporteur von biologisch angebauter Kakaomasse Boliviens. El Ceibo ist ein Zusammenschluss von rund 40 Kakao-Kooperativen in Bolivien.

Mit Hilfe des fairen Handels haben die Kooperativen ein Vorzeigeunternehmen geschaffen. Im Gegensatz zu den prekären Arbeitsverhältnissen in der wenige hundert Meter entfernten Ceja, werden die Menschen hier für ihre Arbeit angemessen entlohnt. El Ceibo versteht sich als soziales und ökologisches Unternehmen, wie der Vorstand Francisco Reinaga betont: „Zu unseren Unternehmenszielen gehört es ein führender Produzent von Kakao zu sein, aber auch die Umwelt zu achten, die Artenvielfalt und die Natur, oder soziale Werte, wie die Gleichheit der Geschlechter. Das sind einige unserer Prinzipien, die uns zu dem gemacht haben, was wir heute sind.“

Alternative zur Unsicherheit des informellen Sektors

Der faire Handel stellt eine Alternative zum informellen Sektor dar. Insbesondere kleinen ProduzentInnen von Kaffee, Kakao oder Quinoa bietet er die Möglichkeit, der Unsicherheit des informellen Sektors zu entkommen. Mit direkten Handelsbeziehungen versuchen Fair Trade-Unternehmen wie die GEPA den ProduzentInnen bessere Produktionsbedingungen zu ermöglichen und andere Formen des Handels zu etablieren.

Bietet der faire Handel Bolivien Entwicklungschancen, um mehr Menschen zu einer angemessenen Entlohnung zu verhelfen? Immerhin gibt es neben El Ceibo noch andere Organisationen, die mit Hilfe der Fair Trade-Idee zu Erfolgsmodellen wurden. So gelang es ANAPQUI (Asociacion Nacional de Productores de Quinua), einem Zusammenschluss kleiner LandwirtInnen, das Hochlandgetreide Quinoa bekannt zu machen. Der faire Handel erschloss den ProduzentInnen die Märkte in Europa und den USA. Der Export hat sich im vergangenen Jahrzehnt hier nahezu verdreifacht.

Gut entlohnte Arbeit bleibt Ausnahme

Dennoch sieht Julio Prado – Außenhandelsexperte aus La Paz – keine Möglichkeit, dass in Bolivien durch den fairen Handel mehr gut entlohnte Arbeitsplätze entstehen: „Es gibt zwar sehr erfolgreiche Modelle, wie El Ceibo und ANAPQUI. Das Phänomen, dass das Wachstum einiger Kooperativen ermöglicht hat, hat aber zu geschlossenen Kreisläufen geführt, von denen nur einige wenige profitieren. Diejenigen, die sich außerhalb des fairen Handels befinden haben wenig davon.“

Solange sich die Rahmenbedingungen nicht ändern, bleiben ANAPQUI und El Ceibo eine Ausnahme. Volkswirtschaftlich spielen sie für Bolivien nur eine untergeordnete Rolle. Erst wenn sich die Rahmenbedingungen ändern würden und die bolivianischen Vorzeigebeispiele nicht nur als ProduzentInnen operieren, sondern auch zu HändlerInnen ihrer Produkte würden, könne sich das ändern. Bisher wird die klassische Arbeitsteilung auch im fairen Handel reproduziert. In Europa und Nordamerika sitzen die Handelsorganisationen und die Firmen, die die Rohstoffe veredeln. In Lateinamerika die ProduzentInnen, die Kakaomasse oder ungerösteten Kaffee – den Rohstoff – in den Norden liefern: „Erst wenn sich das ändert“ merkt Julio Prado an „wird sich auch entscheidend was im Verhältnis verändern“.

Vom fairen Handel zur Schokoladenmesse

Bei El Ceibo schickt man sich mittlerweile an, seine eigene Schokolade zu produzieren und auch in Europa zu verkaufen. 2009 war das Unternehmen erstmals mit einem eigenen Stand auf der französischen Schokoladenmesse vertreten. Demnächst will es zudem eine eigene Verkaufsvertretung in Europa eröffnen. Damit würde das Unternehmen sich vom fairen Handel emanzipieren und vielleicht ein Mosaikstein bilden hin zu einer Welt in der das Recht auf gute Arbeit zu angemessener Bezahlung verwirklicht ist.

Tipp: Den Audiobeitrag von Thomas Guthmann zum Thema anhören. Der Beitrag gehört zu unserer Kampagne “Menschen. Rechte. Stärken!”, und kann unter der URL http://www.npla.de/de/onda/serien/menschenrechte/content/1118 kostenlos angehört oder heruntergeladen werden kann.

Dieser Artikel ist erschienen in Poonal Nr. 922″

 

(Quelle: poonal.)

Siehe auch:

Wie fair ist „Fair“ gehandelter Kaffee?
Nueva Vida Fair Trade Zone: Selbstverwaltet statt fremdbestimmt

Naomi Wolf: Die hohen Kosten billiger Mode

Freitag, Juli 16th, 2010

“Die hohen Kosten billiger Mode

Von Naomi Wolf, übersetzt von  Einar Schlereth. Herausgegeben von Fausto Giudice


Sweatshop in Bangladesh

Oxford – Ich gestehe: Ich tue es auch. Wie die meisten westlichen Frauen tue ich es regelmäßig, und es ist jedes Mal ein schuldbewußtes Vergnügen. Es ist schwer, auf das eigene Gewissen zu hören, wenn man so viel unglaublicher Versuchung gegenübersteht.
Ich spreche natürlich von billiger, schicker Mode. Ich werde Zara besuchen – oder H&M oder, wo ich ich jetzt den Sommer über in England bin, das erstaunliche Primark – und mir Sachen schnappen, die ‘niedlich’ sind, wirklich disponibel und so schockierend billig, dass man die doppelte Anzahl nimmt.

Ich muss etwas gegen meine Sucht tun – und das müssen alle Frauen wie ich.
Mode ist verändert worden durch das kürzliche Auftauchen der Ladenketten, die gute Designer anheuern, die Wegwerfkleidung herstellen und Accessoires, die voll im Trend liegen. Diese Entwicklung hat die westlichen Frauen von der Tyrannei der Modeindustrie befreit, die in den schlimmen alten Zeiten den Stil diktierte, und die Frauen zwang, viel Geld auszugeben, um ihre Garderobe ‘upzudaten’, und die dann unbekümmert die ganze Garderobe als veraltet bezeichnete – wieder und wieder, ohne ein Ende in Sicht.

Und da treten die Modeläden mit Massenproduktion auf den Plan und die westlichen Frauen haben die scheinbar köstliche und befreiende Möglichkeit, das absolute Muss dieses Sommers – ein hauchzartes Blumenkleidchen im Stil der 80-er Jahre für 12 $ zu ergattern – das im nächsten Sommer schrecklich altbacken aussehen wird. Sie – wir – können Geld in klassische Kleidung investieren, die nicht so schnell altert, und können uns gleichzeitig diese biligen, schicken Wegwerfprodukte je nach Mode leisten.
Diese Läden lösen auch ein psychologisches Problem für uns, denn wir können ausgiebig einkaufen – ein Vergnügen, das wohl im weiblichen Gehirn vorprogrammiert ist, dank unserer evolutionären Entwicklung als Sammler -ohne dass wir uns am Ende der Übung wegen der immensen Kosten schlecht fühlen müssen.

Aber war für westliche Frauen befreiend geworden ist, ist ein System, das buchstäblich auf dem Rücken der Frauen in den armen Ländern der Welt aufgebaut ist. Wie können Primark und seine Konkurrenten in den westlichen Einkaufsgalerien and Einkaufsstraßen das schicke Kleid so billig machen? Durch hungernde und unterdrückte Frauen in Bangladesch, China, Mexiko, Haiti und anderen Ländern – deswegen.

Wir alle wissen, dass billige Klamotten gewöhnlich unter sweatshop-Bedingungen hergestellt werden – und gewöhnlich von Frauen. Und wir wissen – oder sollten wissen – dass Frauen in den Ausbeuterbetrieben rund um in der Welt eingesperrt werden, über lange Zeit kein Badezimmer benutzen dürfen, sexuellen Übergriffen, Verbot gewerkschaftlichen Zusammenschlusses und anderer Art von Zwang ausgesetzt sind.

Aber, wie bei Familiengeheimnissen, die direkt anzugehen, unangenehm wäre, so schauen wir westlichen Frauen einfach weg. Boykotts von T-shirts aus sweatshops in den USA haben zu besseren Arbeitsbedinungen geführt, Boykotts von Kaffee und seinen Erzeugnissen, meist von weiblichen Konsumenten angeführt, haben zu fair-trade-Abkommen durch größere Supermärkte geführt. Wohlhabendere Frauen haben eine Geschichte von effektiven Boykotts gegen Ausbeuterbetriebe in der Vergangenheit: in dem viktorianischen Zeitalter wurden arme Frauen blind in den „Nadel-Handwerken‘, die erlesene Stickereien für reiche Frauen herstellten, bis der Abscheu dieser Konsumenten die Bedingungen verbessern half. Hingegen gibt es heute keine größere Bewegung, die von Frauen in der entwickelten Welt geführt wird, um diese globale Ausbeutung durch Lohndrücker-Produzenten zu stoppen – obwohl unser Geld das einzig Werkzeug ist, die Hersteller zu zwingen, ihre Methoden zu ändern.

Der Grund ist einfach: uns gefällt es so, wie es ist.
Aber es wird zunehmend schwieriger werden für uns, die „Aus den Augen, aus dem Sinn‟ Haltung aufrechtzuerhalten. Denn die Frauen in den Entwicklungsländern – einige der am meisten ausgebeuteten und geschundenen Frauen auf Erden – beginnen ihre Stimmen zu erheben.

Zum Beispiel berichtete die Financial Times vom 23. Juni, dass „hunderte von Kleiderfabriken in Bangladesch, die westliche Käufer wie Marks and Spencer, Tesco, Walmart und H&M beliefern, nach und nach unter starker Polizeibewachung wieder öffneten … nach tagelangen gewaltsamen Protesten von zehntausenden Arbeitern, die höhere Löhne verlangten‟. Tausend Krawallpolizisten schossen Gummikugeln und Tränengas auf die Arbeiter, wobei hunderte verletzt wurden, aber nicht zurückwichen.

Die meisten der zwei Millionen Menschen, die in der Bekleidungsindustrie von Bangladesch arbeiten, verdienen 25 $ im Monat. Aber sie verlangen, dass ihr Monatslohn fast auf das Dreifache auf 70 $ angehoben wird. Ihre Führer hoben hervor, dass mit den gegenwärtigen Löhnen die Arbeiter nicht sich und ihre Familien ernähren können.

Ökonomen sagen voraus, dass Streiks und Unruhen in Bangla Desh eskalieren werden, ebenso in Vietnam, weil selbst Anlagebankiers, die von der Financial Times zitiert werden, die Löhne für weibliche Kleiderarbeiter in diesen Ländern „unhaltbar niedrig‘ nannten.

Die Fabriken haben wieder geöffnet – für dieses Mal. Aber die Regierung von Bangladesch erwägt eine Erhöhung des Minimallohnes. Wenn das geschieht, wird eine der am härtesten unterdrückten rechtlichen Arbeiterschaften einen größeren Sieg errungen haben – weitgehend symbolisch einstweilen, aber einer, der andere Frauen in der Bekleidungsindustrie der Welt inspieren wird, sich zu erheben.

Westliche Frauen, wir sollten uns aufraffen, diesem Beispiel zu folgen und Wege finden, was rechtens zu tun ist, um unsere Konsummuster zu ändern. Es wird Zeit, Unterstützung für die Frauen zu zeigen, die unter systematischer, globalisierter, kosteneffektiver Geschlechter- Diskriminierung in offenkundigster Weise leiden – eine Weise, wie sie die meisten von uns nicht mehr erleiden müssen. Lasst uns eine fair-trade (gerechte Handels-) Wirtschaft unterstützen und uns weigern, in Geschäften einzukaufen, die von Aktivisten wegen unfairer Anstellungspraktiken ins Visier genommen werden (für weitere Informationen siehe  hier).

Wenn es Frauen in der ganzen Welt, die in der Sklaverei von Ausbeuterfirmen gehalten werden, gelingt, diesen entscheidenden Kampf zu gewinnen, wird ein schickes Kleid bei Primark eine faire Summe mehr kosten. Aber es ist jetzt schon zu teuer für die Frauen, die es nicht schaffen, Nahrung und Unterkunft für sich und ihre Kinder zu beschaffen.
Die 3 $ für ein Paar wunderbarer Schnürsandalen? Der Preis – in Anbetracht der menschlichen Kosten – ist wirklich zu gut, um wahr zu sein.

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Quelle: The High Cost of Cheap Fashion

Originalartikel veröffentlicht am 30.6.2010

Über den Autor

Tlaxcala ist das internationale Übersetzernetzwerk für sprachliche Vielfalt. Diese Übersetzung kann frei verwendet werden unter der Bedingung, daß der Text nicht verändert wird und daß sowohl die Autorin, der Übersetzer als auch die Quelle genannt werden.

URL dieses Artikels auf Tlaxcala: http://www.tlaxcala.es/pp.asp?reference=10880&lg=de

 

(Quelle: Tlaxcala.)

Hör-Tipp: onda-info 234

Mittwoch, Mai 19th, 2010

“Hola!
Gestern noch in Madrid und heute schon beim onda-info im grauen Berlin. Naja, trotzdem beglücken wir euch mit einem brandaktuellen Bericht vom Alternativgipfel ,,Enlazando Alternativas’ in Madrid.

Alles andere ist Kaffee und Schokolade!  Zunächst geht es um den nicht so fairen Handel mit Kaffee. 
Wie gerecht geht es im fairen Handel zu? Das fragen wir Christopher Bacon. Der kalifornische Wissenschaftler hat im Auftrag lateinamerikanischer Kleinbauern die Kostenstruktur im fairen Kaffeehandel untersucht und diese mit den Preisen verglichen, die die Fairhandelsunternehmen den Bauern bezahlen. Die Studie kommt zu dem Schluss, dass die Preise nicht fair sind.

Und last but not least ein weiterer Beitrag aus unserer beliebten Reihe: Handwerk in Guatemala. Diesmal wie gesagt, Schokolade. Also hört genau zu, vielleicht könnt ihr noch was lernen.

Die Musik kommt von den Shooting-Stars der barfuß-Szene, nämlich Banditas aus Istanbul, aber zunächst, weil es so gut passt, von der Punkband La Uvi aus Madrid.”

Weiterhören…

(Quelle: onda – Agéncia radiofónica Latinoamérica-Europa.)

Fair Trade-Blumen zum Muttertag

Freitag, Mai 7th, 2010

“Blumen sollen Freude schenken, allen Müttern weltweit

FIAN Deutschland, Vamos e.V. Münster und FIAN Österreich fordern alle Konsumentinnen und Konsumenten auf, zum Muttertag nur Blumen zu verschenken, die unter fairen Bedingungen produziert wurden. 70 Prozent der Blumenarbeiter sind Frauen, viele davon allein erziehende Mütter. Ihre Lebens- und Arbeitsbedingungen sind äußerst prekär: die niedrigen Löhne reichen kaum zum Überleben, ihre Gewerkschaftsrechte werden unterdrückt, sie sind ungeschützt Gesundheitsgefahren und Umweltverschmutzung durch den Einsatz von Pestiziden ausgesetzt. Frauen leiden zudem häufig an sexuellen Übergriffen der männlichen Vorarbeiter.

Zusätzlich trägt der hohe Wasserverbrauch der Blumenproduktion zur Knappheit von Trinkwasser bei, dessen Bereitstellung für die Familien in den Produktionsländern Aufgabe der Frauen ist. „Gerade zum Muttertag sollten wir daher nur auf Blumen zurück greifen, die unter fairen sozialen und ökologischen Kriterien produziert wurden und als solche gesiegelt sind,’ so Steffi Neumann von (…).”

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(Quelle: FIAN.)