Archive for the ‘Integration’ Category

BRD: No Border – No Nation – Refugees Welcome

Freitag, Dezember 19th, 2014

“NO BORDER ABSCHLUSSPRÄSENTATION

Buch- und Musikpräsentation des Projekts mit jungen Flüchtlingen
Donnerstag | 08. Januar 2015 | 18:00 Uhr

 

Ausgangspunkt des Projekts „No Border“ war die Einschätzung, dass sich die Situation von Flüchtlingen weiter verschärfen wird. Zum einen durch die rigide Asylpolitik Deutschlands zum anderen durch Rassismus und Ausländerfeindlichkeit bis tief in die Mitte der Gesellschaft. Wolgast, Berlin – Hellersdorf und Duisburg waren die ersten Anzeichen von einer ähnlichen Pogromstimmung wie Anfang der 90iger Jahre.
Dieser Politik und Stimmung wollen wir mit dem Buch No Border etwas entgegen setzen und für Solidarität, Respekt und Toleranz werben und Rassismus und Rechtsradikalismus bekämpfen. Das Projekt will die Flüchtlingsjugendlichen aus der Isolation holen und ein wenig von Willkommensgefühl herstellen.
Ayla, Victor, Richard, Achmed und EviN, Jugendliche mit Flüchtlingsgeschichte, haben mit der Autorin Pamela Granderath biographische Texte geschrieben, die Einblicke in Vergangenes und Gegenwärtiges gewähren. So wird das Leben und die Zukunftswünsche eines Heranwachsenden in Ghana beschrieben, eine unglaubliche Flucht von Afghanistan nach Deutschland in Worte gefasst, der umständliche Weg durch deutsche Behörden formuliert und der Jahre dauernde Kampf um eine ständige Aufenthaltsgenehmigung dokumentiert. Zum Teil satirisch, mal fordernd oder schonungslos berichten die Jugendlichen über ihr Leben als Zuwanderer_innen und zeigen, dass Freiheit, eine Familie oder ein Pass wichtiger sein können, als materielle Sicherheiten.
Informative, aufklärerische Sachtexte widmen sich Themen über die europäische und deutsche Asylpolitik, Frontex, Rassismus, außerparlamentarischem Widerstand und künstlerische Interventionen gegen Abschiebung und Rassismus. Diese Beiträge sind das Ergebnis von Workshops mit Jugendlichen, in denen sich inhaltlich mit den Themen auseinandergesetzt wurde.
Des Weiteren finden sich im Buch als QR-Code drei Songs, in denen die Jugendlichen unter der Leitung des Musikers und Komponisten Michio Woirgardt ihre Texte in Songs verarbeiteten und sie professionell aufgenommen haben.
Bildnerisch und fotographisch wird No Border, durch vier Arbeiten von Student_innen, die im Rahmen des vom Flüchtlingsrat NRW initiierten Projekts „Nirgendwo ist hier“ entstanden sind, dargestellt.
Mit No Border wollen wir deutlich Position beziehen. Flüchtlinge haben ein Recht auf ein Leben im privilegierten Europa oder Deutschland und wir treten für eine Welt ohne Grenzen ein.
No Border – No Nation – Refugees Welcome

Eintritt frei.

zakk
Zentrum für Aktion, Kultur und Kommunikation
Fichtenstraße 40
40233 Düsseldorf

Veranstalter: SJD – die Falken Düsseldorf, zakk & STAY! gefördert vom Programm "Jugend ins Zentrum" der Bundesvereinigung Soziokultureller Zentren im Rahmen des Bundesprogramms „Kultur macht stark“

 

(Quelle: zakk.)

Slowenien: Da staunt der Sarrazin

Freitag, Oktober 29th, 2010

Erster schwarzer Rathauschef Osteuropas ist Slowene

 
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“Slowenien hat einen neuen Politstar: Peter Bossman ist nicht nur neuer Bürgermeister des Küstenorts Piran, sondern auch der erste schwarze Rathauschef Osteuropas. Auch die Kritik an seinem schlechten Slowenisch konnte dem Arzt den Sieg nicht nehmen.

Bossman kam in den 1970er Jahren von Ghana nach Slowenien, um Medizin zu studieren. Nach der Bekanntgabe des Wahlergebnisses sagte der Sozialdemokrat, er sei «glücklich und stolz». Piran liegt an der Adriaküste im Südwesten Sloweniens. Die Stadt hat etwa 17.000 Einwohner.

Bossman setzte sich gegen den amtierenden Bürgermeister und Arztkollegen Tomaz Gantar durch. Der Arzt, der seit 1977 in Slowenien lebt, hatte zuletzt noch Vorwürfe seines Gegenkandidaten parieren müssen, er spreche ein schlechtes Slowenisch: «Ich mache Fehler, aber leider sprechen auch viele Slowenen ein schlechtes Slowenisch», hatte er gekontert.

Der Sieg Bossmans, von seinen Wählern liebevoll «Obama» genannt, ist ein Trostpflaster für den sozialdemokratischen Ministerpräsidenten Borut Pahor, dessen Partei bei den Lokalwahlen starke Verluste hinnehmen musste. Obwohl die Opposition unter dem ehemaligen Regierungschef Janez Jansa landesweit stärkste Partei wurde, konnte sie jedoch in keiner einzigen größeren Stadt den Bürgermeister stellen.

Sozialdemokraten die großer Verlierer

Anders als der Sozialdemokrat Bossman erlitten die größten Parteien der regierenden Mitte-Links-Koalition des sozialdemokratischen Ministerpräsidenten Borut Pahor bei den Lokalwahlen eine deutliche Schlappe. Die Sozialdemokraten, die bei den Parlamentswahlen vor zwei Jahren noch 30 Prozent der Wählerstimmen erhalten hatten, lagen am Sonntag mit knapp über 12 Prozent weit hinter der oppositionellen Slowenischen demokratischen Partei des Oppositionsführer Janez Jansa (19 Prozent).

Obwohl sich die Demokraten des ehemaligen Ministerpräsidenten Janez Jansa bei der landesweiten Stimmenauszählung behaupteten, blieben sie bei den Direktwahlen der Bürgermeister der größten Städte erfolglos. In der Hauptstadt Ljubljana sicherte sich der unabhängige ehemalige Unternehmer Zoran Jankovic mit fast 66 Prozent der Stimmen ein weiteres Mandat. Dasselbe gelang in der zweitgrößten Stadt des Landes Maribor dem Vertreter der oppositionellen Volkspartei Franc Kangler (50,5 Prozent). Auch in der drittgrößten Stadt Celje setzte sich der Kandidat der Volkspartei Bojan Srot (67 Prozent) erneut durch.”

 

(Quelle: Afrikanet.info.)

Schweiz: Der stolze Massai in Winti

Montag, Juni 14th, 2010

“Seit zwanzig Jahren finden in Winterthur die Afro-Pfingsten statt

Von David Signer

Nun verkaufen sie wieder Masken, geschnitzte Giraffen, farbige Wickeltücher und Rastahüte, servieren Fufu und Foutou und trommeln und tanzen. Es ist Afro-Pfingsten in Winterthur, zum zwanzigsten Mal. Schön. Aber haben Afro-Pfingsten und all die verwandten Festivals wirklich zu mehr Verständnis gegenüber den Afrikanern geführt oder sogar zu mehr «Integration», was immer das heissen mag? Immerhin war das doch einmal der Impetus, und eine ähnliche Sommerveranstaltung in Zürich nennt sich ja sogar «Integration».

Da reiht sich also in der Altstadt schon ab Donnerstag Stand um Stand, mit dem immergleichen Sortiment: Djembes und andere Trommeln, Kalebassen, Batikstoffe, Ethnoschmuck, CD von Fela Kuti, Youssou N’Dour und Bob Marley, gewobene Wandbehänge, Klappstühle aus Ebenholz. Und daneben Open-Air-Coiffeursalons, wo sich Winterthurerinnen eine Afrofrisur verpassen lassen können. Und Workshops für Afro-Tanz und Trommeln.

Da soll sich noch jemand beklagen, die Schweizer hätten ein stereotypes Bild von Afrika. Leistet so eine Veranstaltung irgendeinen Beitrag, unsere Vorstellungen zu differenzieren? Nein. Wirklich subversiv wäre es, wenn Malier Philosophievorträge halten und Nigerianerinnen Buchhaltungskurse anbieten würden. Aber Trommeln und Tanzen?

In Senegal und vielen andern afrikanischen Ländern ist das Trommeln einer bestimmten Kaste vorbehalten; alle andern betrachten diese Tätigkeit als unter ihrer Würde, und das ganze Gerede von «ah ja, die haben es halt im Blut» nervt sie. Von uns Schweizern erwartet man schliesslich auch nicht, dass wir bei jedem Besuch im Ausland jodeln.

Die Stände tragen so sprechende Namen wie «Jungle Kitchen» oder «Helping Hand», und ein Verkäufer entblödet sich nicht, sich als Massai zu verkleiden. Authentizität als Verkaufsargument. Da sind die guten, alten Völkerschauen nicht mehr weit, wo an Jahrmärkten echte Hottentotten vorgeführt wurden. Man kann es dem Mann selbst nicht verübeln, offenbar zieht die Nummer mit dem starken, stolzen Krieger, gerade bei den Schweizerinnen, wie wir seit der «Weissen Massai» wissen. Aber jeder solche Auftritt ist ein weiterer Nagel im Image-Sarg.

Das ewige Opfer
Warum organisiert niemand einen Russenmarkt oder ein Chinafestival? In Russland gibt es auch lustige Tänze und Wodka, und die chinesische Küche ist noch vielseitiger als die afrikanische. Die Erklärung ist einfach: Es gäbe politische Erwägungen, die den Genuss trübten. «Was ist mit den Menschenrechten?», würden die Gäste fragen, «mit der Demokratie?» Warum stellt man beim Afrikafestival diese Fragen nicht? Es gibt schon genug negative Berichterstattung über Afrika, sagen die Afrikafans dann jeweils, als ob die schlechte Presse schuld an den Verhältnissen in Sudan, Simbabwe, Guinea-Bissau oder Südafrika wäre.

Diesem traurigen Bild wollen sie ein «positives» Afrika gegenüberstellen: Sonne, Farben und Lebensfreude. Aber handelt es sich wirklich um ein Entweder-oder? Sind es nicht zwei Seiten derselben Medaille? Lautet unser Afrika-Klischee nicht eben: «Arm, aber fröhlich»? Warum übertragen die Journalisten und andern besorgten Zeitgenossen die strengen Massstäbe, die man bei der Beurteilung von Ländern wie Israel oder Iran anwendet, nicht auf Kongo oder Togo? Weil man Afrika gar nicht ernst nimmt.

In der Bewunderung über das afrikanische Savoir-vivre schwingt immer eine gewisse Herablassung mit. Alles Negative in Afrika ist immer nur der Beweis dafür, dass der Kontinent ein einziges Riesenopfer ist, nie Anlass für Kritik. Viele Stände sind denn auch mit einem Hilfsprojekt verbunden. An einem wird «Velos für Afrika» propagiert. Moment – heisst das, Afrikaner sind nicht mal fähig, Velos herzustellen? Natürlich wären sie, wäre bloss der Westen mit seiner «Entwicklungshilfe» nicht so zuvorkommend, indem er jeder Initiative zuvorkommt.

Eine Veranstaltung wie Afro-Pfingsten ist ein Spiegel. Nicht ein Spiegel Afrikas, sondern von uns selbst. Denn die Marktfahrer inszenieren einfach das, was ankommt. Und wir – eigentlich hängen wir immer noch demselben Afrikabild an wie vor zwanzig oder fünfzig Jahren. Kein Wunder, bleiben viele Afrikaner, und gerade die «Integrierten», diesem Spektakel fern. Sie lassen sich nicht gerne diese Labels anhängen, diese wohlgemeinten «Multikulti»-Etiketten, diesen positiven Rassismus, der die Menschen nicht mehr nach Rassen, aber fein säuberlich nach Kulturen ordnet.

Kulturalisierung ist Exotisierung
Dieser Kategorisierungswahn hat ja inzwischen schon in der Schule Einzug gehalten, wo Immigranten-Eltern aufgefordert werden, an einem «Tag der Kulturen» den andern einen «typischen» Tanz vorzuführen oder eine «typische» Mahlzeit zu kochen. Wie wohltuend, dass gerade Kinder «Kultur» oder «Herkunft» einen Deut interessiert. Entweder ist ihnen einer sympathisch oder nicht. Zu oft ist «Kulturalisierung» bloss Exotisierung, die den Mitschüler oder Nachbarn erst zu einem Fremden macht.

Ja gut, sagen die Verfechter der Fress- und Frisierspektakel, das moderne, differenzierte Afrikabild, das wird im Konzert-, Kunst- und Filmprogramm geboten. Zu den Filmen nur so viel: Die afrikanischen Filme, die bei uns in den Studiokinos laufen, interessieren in Afrika nur eine ganz kleine Minderheit.

In den Kinos werden dort die gleichen Hollywood-Schinken gezeigt wie bei uns. Die Afro-Filme laufen in der Alliance Française oder im Goethe-Institut, die vor allem von Expats frequentiert werden. Dieses Filmschaffen kann also nicht als repräsentativ gelten. Es wird für ein weisses Publikum produziert, genau wie die Kunst.

Wer interessiert sich in Afrika für Kunst? 0,000001 Prozent der Bevölkerung. Und dann schaue man sich an, was in Winterthur unter dem Titel «Zeitgenössische afrikanische Kunst» gezeigt wird! Übelster Touristenramsch. Die ewige Mama Afrika, die Hirse stampft, ein Baby auf dem Rücken. Und natürlich der Krieger, Trommeln und viele wilde Tiere. Alles furchtbar authentisch. «Die afrikanische Gegenwartskunst ist dynamischer denn je», heisst es im Programmheft. Papperlapapp. Was hier gezeigt wird, ist das Gegenteil von dynamisch, es bedient die ältesten Klischees. Oder um es mit dem Philosophen Gilles Deleuze zu sagen: «Wer im Traum des andern gefangen ist, ist verloren.»

Diese Märkte mit dem reichen, bunten Angebot täuschen darüber hinweg, dass das eigentliche Problem Afrikas darin besteht, dass es nichts produziert. Es wird nicht ausgebeutet, wie man immer behauptet. Es ist schlimmer: Afrika ist schlichtweg eine quantité negligeable für den Weltmarkt. Und sogar hier in der Schweiz liesse sich fragen: Warum gibt es eigentlich keine afrikanischen Restaurants?

An ein paar Tagen an einem oder mehreren Festivals Poulet Kedjenou oder Thiebou Djeune zu verkaufen, bringt nämlich nichts. Warum schaffen die Afrikaner nicht, was die Chinesen und Türken mit ihren Restaurants und Imbissbuden schon lange geschafft haben? Das sind die echten Fragen und Probleme für die Afrikaner, die ihren angeblich so fröhlichen Kontinent in Heerscharen verlassen oder verlassen möchten. Und da hilft kein Pfingstwunder, kein In-Zungen-Reden und kein Heiliger Geist.

Der Autor ist Ethnologe. Er hat über Kultur und Gebräuche Afrikas bereits mehrere Bücher verfasst.

Copyright © Neue Zürcher Zeitung AG
Alle Rechte vorbehalten.”

(Quelle: Neue Zürcher Zeitung.)

Israel: ÄthiopierInnen beklagen Rassismus

Donnerstag, Juni 3rd, 2010

“Ethiopian Community Rallies against Separation of Preschoolers

Nine months after the state intervened on behalf of dozens of Ethiopian Israeli children who were refused enrollment in Petach Tikva schools, the battle against segregation in schools is, unfortunately, still ongoing.  Israel’s Channel 2 revealed that a preschool in Be’er Sheva, which boasts a large Ethiopian community, kept Ethiopian immigrant children separated from their non-Ethiopian peers.

Immediately after the broadcast, a group of young SHATIL-trained Ethiopian Israeli activists began organizing a response.  Other Ethiopian organizations joined in and a Forum against Racism was established to confront this and related challenges.

‘It’s hard to believe this is happening in 21st century Israel, which takes such pride in its ethnic mosaic,’ said Dvora Dasta, a SHATIL consultant to Ethiopian Israeli organizations in the south, who is helping the activists to organize.  ‘We have to look at the whole issue of racism.  Whether in schools, on busses when people don’t want to sit next to someone of Ethiopian descent, or in employment offices where counselors suggest certain types of work to Ethiopian Israelis – racism happens daily.’

Within days, the Forum – with the help of SHATIL and NIF grantee Tebeka – the Center for Legal Aid and Advocacy for Ethiopian Jews in Israel – organized a demonstration in front of government offices in Be’er Sheva that attracted 200 people and wide media coverage.

Following the demonstration, the activists, accompanied by SHATIL representatives, attended a discussion on the issue in the Knesset Immigration and Absorption Committee.  The Forum also initiated meetings with the mayor of Be’er Sheva and other officials, demanding an end to the segregation at the Otzar Hachayim preschool.

The Forum, which meets in SHATIL’s Be’er Sheva office, has a SHATIL consultant advising their strategies and activities.  They have decided to tackle the issue of racism in Be’er Sheva and will begin by mapping the situation of the Ethiopian population in the city socially, in schools and in places of employment.

‘There is racism in the State of Israel and not just toward Ethiopians,’ said Dasta. ‘We have to unite and fight for equality for everyone.'”

(Quelle: New Israel Fund.)

BRD: Imane predigen ohne Bodenhaftung

Sonntag, Mai 23rd, 2010

“‘Die meisten Predigten gehen an der Lebensrealität der Muslime vorbei’

Imame in Deutschland. Gespräch mit dem Religionswissenschaftler Rauf Ceylan

Von Eren Güvercin 23.05.2010

Rauf Ceylan, Religionswissenschaftler an der Universität Osnabrück, hat für sein neues Buch ‘Die Prediger des Islam’ zahlreiche Interviews mit Imamen geführt. Er gibt in seinem Buch Einblick in das Alltagsleben der Imame, über die in der deutschen Öffentlichkeit kaum etwas bekannt ist (…).”

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(Quelle: Telepolis.)

BRD: Mehr MigrantInnen, bitte!

Sonntag, Mai 23rd, 2010

“In guter Gesellschaft

Die Integration in Deutschland funktioniert – jetzt braucht die Bundesrepublik mehr Zuwanderer

Von Klaus J. Bade

“Deutschland ist eine Einwanderungsgesellschaft – und in dieser Einwanderungsgesellschaft ist es eine Bürgerpflicht, ein gewisses Maß an Unübersichtlichkeit als Normallage ertragen zu lernen. Unübersichtlichkeit bedeutet, dass neue Identitäten wachsen und alte sich wandeln, dass sich unterschiedliche kulturelle Werte, Traditionen, Lebensformen und Alltagspraktiken weiter ausdifferenzieren. Das ist unausweichlich. Denn während die Zuwanderer durchschnittlich jünger sind und mehr Kinder kriegen, wird die Bevölkerung ohne Migrationshintergrund immer älter – und nicht wenige Qualifizierte wandern aus.

Die Gesellschaft wird unübersichtlicher – und dennoch gelingt die Integration in Deutschland, besonders im internationalen Vergleich. Das zeigt das gerade vorgelegte erste Jahresgutachten des Sachverständigenrates deutscher Stiftungen für Integration und Migration (SVR), eine Repräsentativbefragung von mehr als 5600 Menschen mit und ohne Migrationshintergrund. Beide Seiten der Einwanderungsgesellschaft nehmen demnach an der Integration teil: 66 Prozent der Mehrheitsbevölkerung und 67 Prozent der Zuwanderer sagen, sie seien an Integration interessiert, und auch der jeweils anderen Seite bescheinigen nur 20 Prozent der Zuwanderer beziehungsweise 30 Prozent der Befragten ohne Migrationshintergrund eine integrationsverweigernde Haltung.

Zuwanderer sagen, dass sie den Deutschen vertrauen – mehr sogar als diese sich selbst (62 zu 54 Prozent). Und unwohl fühlt sich in dem Land, in dem mittlerweile mehr als 15 Millionen Menschen eine nichtdeutsche Herkunft haben, lediglich jeder 20. befragte Zuwanderer (4,8 Prozent), aber immerhin jeder 15. Befragte ohne Migrationshintergrund (6,5 Prozent).

Die verhalten positiven Ergebnisse ziehen einen Schlussstrich unter die medialen Horrorszenarien einer angeblich ‘gescheiterten Integration’. Ausnahmen in bestimmten Gruppen und Bereichen bestätigen die Regel und relativieren sich zudem im internationalen Vergleich. So liegt zum Beispiel die Arbeitslosigkeit bei Personen mit Migrationshintergrund in Deutschland zwar nach wie vor mehr als anderthalbmal so hoch wie bei der Mehrheitsbevölkerung. In anderen europäischen Einwanderungsländern, wie etwa den Niederlanden und Schweden, ist für Zuwanderer das Risiko, arbeitslos zu werden, aber annähernd dreimal so hoch.

Die friedliche Entwicklung zur Einwanderungsgesellschaft ist im Grunde erstaunlich, denkt man beispielsweise an (…).”

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(Quelle: Die Zeit.)