Archive for the ‘Katastrophe’ Category

Global: 18.800 Tote pro Tag

Sonntag, Juli 27th, 2014

“State of the World’s Mothers:
Die Lebenssituation von Müttern und Kindern im weltweiten Vergleich

900 Millionen Kinder leben inmitten von bewaffneten Konflikten. Jeden Tag sterben etwa 800 Mütter und 18.000 Mädchen und Jungen unter fünf Jahren an vermeidbaren Ursachen. Mehr als die Hälfte davon in Krisenregionen. Diese und weitere erschreckende Zahlen veröffentlicht Save the Children im 15. State of the World´s Mothers Report.

Insgesamt wurde die Lebenssituation von Müttern und Kindern in 178 Ländern verglichen. Bewertet werden: Müttergesundheit, Kindersterblichkeit, Schulbildung und Einkommen sowie der gesellschaftspolitische Status von Frauen. Wie in den Jahren zuvor belegen Finnland, Schweden und Norwegen die ersten Plätze. Alle zehn am schlechtesten platzierten Länder liegen in Afrika. Deutschland hat sich zum Vorjahr um einen Platz verbessert und landet auf Platz 8.

Der Bericht macht die Kluft zwischen arm und reich besonders deutlich. Mütter in Krisengebieten sterben 14-mal so oft, wie bewaffnete Soldaten. In der Demokratischen Republik Kongo ist es statistisch gefährlicher eine Frau oder ein Kind zu sein, als ein bewaffneter Kämpfer. Im Tschad stirbt eine von 15 Frauen, in Sierra Leone stirbt jedes 5. Kind vor seinem fünften Geburtstag.
„Die hohe Mütter- und Kindersterblichkeit in Krisengebieten überrascht uns nicht, bleibt jedoch für Save the Children nicht hinnehmbar. Naturkatastrophen oder Kriege können wir nicht verhindern, aber es ist viel leichter nach Krisen bereits zuvor vorhandene Infrastruktur wieder herzustellen, als völlig neu aufzubauen. So können Menschenleben gerettet werden – das belegt unser Report ganz deutlich“, betont Kathrin Wieland, Geschäftsführerin von Save the Children Deutschland.

Noch schwieriger wird die Situation für Mütter, wenn zu einem bewaffneten Konflikt Naturkatastrophen hinzukommen. Die Mehrzahl der untersten zehn Länder war von genau diesem Schicksal betroffen.

Aber es gibt auch Positivbeispiele. Äthiopien beispielsweise ist Vorreiter für den afrikanischen Kontinent. Kein anderes Land konnte die Müttersterblichkeit um zwei Drittel reduzieren.

„Werden die Lebensumstände für Mütter verbessert, hat dies direkte Auswirkungen auf ihr Überleben. Investieren Regierungen in Mütter- und Kindergesundheit, investieren sie damit zugleich in ihre Zukunft“, erklärt Kathrin Wieland.”

 

(Quelle: Save the Children)

Haiti: Die Republik der Hilfsorganisationen (Radio-Tipp)

Donnerstag, Juli 3rd, 2014

” HAITI CHÉRIE

Das Geschäft mit der Hilfe

Von Jenny Marrenbach

Hunderte Millionen Dollar werden jedes Jahr an Hilfs- und Spendengeldern in Haiti umgesetzt. Und jedes Erdbeben, jeder Hurrikan, jede weitere Überschwemmung treibt neue Helfer auf die kleine Karibikinsel, sie sind allgegenwärtig.

“Wir nennen unser Land die Republik der Hilfsorganisationen”, sagt der haitianische Schriftsteller Lyonell Trouillot. “Wenn es Haiti noch nicht gäbe, die internationale Hilfe würde uns erfinden. Sie kommen alle, denn wir sind der schönste Albtraum der Welt.” Der internationalen Präsenz verdanken viele Einheimische ihr Leben; sie hat ihren Alltag grundlegend verändert, aber nicht unbedingt verbessert. Zwischen Slums und Zeltstädten ist ein Paralleluniversum der Gutwilligen entstanden, eine Welt mit bewachten Wohnkomplexen, Chauffeuren, Personal und teuren Supermärkten. Diese irreale Welt hat die Lebenshaltungskosten im realen Haiti fast auf Florida-Niveau getrieben und sorgt dafür, dass die Masse der Menschen immer ärmer wird.

Produktion: DLF/RBB/WDR 2013 “

Sender:     Deutschlandfunk

Sendedatum: 04.07.2014

Sendezeit:   19:15 – 20:00 Uhr

 

(Quelle: Deutschlandfunk.)

Bangladesch: Ignorante Textil-Multis

Dienstag, September 17th, 2013

“Kampagnen-Leiterin über Textilketten

„Es ist skandalös“

Nur neun Textilketten kamen zu Verhandlungen für die Opfer der eingestürzten Fabrik in Bangladesch. Dennoch ein Meilenstein, sagt Kirsten Clodius.

taz: Frau Clodius, über 1.000 Beschäftigte starben beim Einsturz der Textilfabrik Rana Plaza in Bangladesch, die auch für deutsche Bekleidungsgeschäfte produzierte. Die Verhandlung über Entschädigungen für die Opfer sind nun vertagt worden. Warum?

Kirsten Clodius: Von 29 Textilketten, die in Rana Plaza produzieren ließen, waren nur 9 in Genf präsent – so Bon Marché, El Corte Inglés und KiK aus Deutschland. Deshalb konnten sich die anwesenden Firmen nicht zu konkreten Entschädigungszusagen durchringen. Die Unternehmen wollen nun unter anderem versuchen, weitere Firmen heranzuholen, um die Zahlung pro Firma zu verringern.

Die Internationale Arbeitsorganisation (ILO), die die Verhandlungen moderiert, hat eine Entschädigungssumme von etwa 60 Millionen Euro errechnet. Knapp die Hälfte sollen die Firmen beisteuern. Akzeptieren diese die Summe grundsätzlich?

Ja, das scheint so zu sein. Aber sie beziffern nicht (…).”

Das Interview führte Hannes Koch.

Weiterlesen…

 

(Quelle: taz.de)

Bangladesh: Ethischer Konsum als Lösung?

Sonntag, April 28th, 2013

“Der souveräne Konsument

Von Herbert Schui

Wenn, wie vor kurzem in Bangladesch, eine Textilfabrik ausbrennt und viele Menschen zu Tode kommen, ist die Empörung groß. Das läßt hoffen: Offenbar ist uns nicht alles gleichgültig. In der öffentlichen Debatte wird die Lösung darin gesucht, keine Waren von Herstellern zu kaufen, bei denen die Arbeitsbedingungen schlecht sind und Hungerlöhne gezahlt werden.

Aber wie sieht es tatsächlich aus mit den Kaufmotiven? Die Wirtschaftswoche vom 17. November 2012 berichtet über eine Studie des Konsumforschers Timothy Devinney: Die Menschen neigten dazu, »den Einfluß von ethischen Grundsätzen auf ihr Einkaufsverhalten dramatisch zu überschätzen«. »Der ethisch korrekte Kunde, der die Konzerne zur Nachhaltigkeit zwingt, ist ein Mythos.« Weil es chic sei, ökologisch korrekt einzukaufen, würde das bei Befragungen angegeben. Verhalten würden sich die Leute aber nicht danach.

An der richtigen Einstellung scheint es also nicht zu fehlen. Die Managementberatung Kienbaum und das Center of Automotive Research an der Universität Duisburg Essen (Wirtschaftswoche vom 10. Januar 2012) stellen fest: »94 Prozent der deutschen Verbraucher finden Umweltschutz wichtig und 84 Prozent glauben, daß sie nicht zuletzt durch ihr Konsumverhalten einen persönlichen Beitrag zum Umweltschutz leisten können.« Damit würde das Umweltargument entscheidend für den Verkauf – besonders bei kleineren Anschaffungen, so Bekleidung.

Die Frage ist nun, ob diese Einsichten zu entsprechenden Kaufentscheidungen, zu »politischem Konsum« führen. Haben wir genug richtige Informationen, können wir durchschauen, ob wir getäuscht werden? Und weiter: Was können wir nicht durch unsere Käufe beeinflussen? Was wirkt zuverlässiger? Die Politik, also die Gesetzgebung, oder der politische Konsum, der Boykott? Nun ist es sicherlich schwierig, auf die Gesetzgebung (und die Ausführung von Gesetzen) in einem Billiglohnland einzuwirken. Aber es ist möglich, die jeweiligen Gewerkschaften an Ort und Stelle finanziell zu unterstützen. Und wenn bei Auslandsreisen deutsche Politiker fordern, die Menschenrechte zu respektieren, sollten nicht das Arbeitsrecht, der Arbeitsschutz dazugehören?

Beim Boykott würde der souveräne Konsument mit seinen Entscheidungen zu steuern versuchen, was produziert werden soll und unter welchen Bedingungen. Das entspricht nicht der herkömmlichen Praxis. Denn seit mehr als hundert Jahren kämpft eine in Gewerkschaften und politischen Parteien organisierte Arbeiterschaft für höhere Löhne, weniger Arbeitszeit und bessere Arbeitsbedingungen, also für kollektive, politische Regelungen. Soll sie es nun stattdessen mit der Konsumentensouveränität versuchen? Ludwig von Mises sieht darin das einzig richtige Steuerungsinstrument. In seiner »Nationalökonomie. Theorie des Handelns und Wirtschaftens« schreibt er (S. 259f): »Die Verbraucher sind es mithin, die mittelbar alle Preise und Löhne […] bestimmen. […] Mit jedem Groschen, den sie ausgeben, beeinflussen sie Richtung, Umfang und Art der Produktion […]. Man hat diese Gestaltung der Dinge mit der politischen Demokratie verglichen und davon gesprochen, daß der Markt eine Demokratie bilde, bei der jeder Pfennig einen Stimmzettel darstelle. […] Die demokratische Wahlordnung mag eher als ein unzulänglicher Versuch angesehen werden, im politischen Leben die Marktverfassung nachzubilden. Auf dem Markt geht keine Stimme verloren.« Sein Schüler Friedrich von Hayek, Milton Friedman und die Neoliberalen insgesamt vertreten bekanntlich dieselbe Auffassung.

Alles ist also eine Sache der freien Entscheidung der Konsumenten. Wie ernsthaft und redlich auch die Entrüstung über die Zustände in den Billiglohnländern ist, wie sehr wir uns ärgern über versaute Lebensmittel und unsere Kaufentscheidungen danach auszurichten versuchen: Das allein kann nicht zum Erfolg führen. Die Politik muß dem zur Seite stehen. Sie muß sicherstellen, daß wir überhaupt die Entscheidungen treffen können, die unsere Vorstellungen ausdrücken – und sie muß das besorgen, was durch Kaufentscheidungen nicht zu erreichen ist.

Zuallererst sind hinreichende Informationen gefragt. Wir müssen wissen, unter welchen Arbeitsbedingungen produziert wird. Da geht es nicht nur um billige Bekleidung und Lederwaren oder den billigen Pauschalurlaub. Auch Teures wird unter schlechten Bedingungen hergestellt. (Was verdienen denn die Leute, die in teuren Hotels die Zimmer säubern?) Und wenn es um die Qualität der Produkte geht: Wir müssen wissen, was tatsächlich drin ist in den Lebensmitteln, wie es in der Praxis der Viehzucht aussieht. So berichtet Report Mainz am 5. Februar 2013 über das neue Tierschutzlabel, das der Präsident des Deutschen Tierschutzbundes Mitte Januar in Berlin an der Seite von Landwirtschaftsministerin Ilse Aigner vorstellt hat. Indem der Präsident des Tierschutzbundes mit der Ministerin Aigner zusammen auftrat, sollte wohl deutlich gemacht werden, daß der Tierschutzbund auf freiwilliger Basis das schafft, wozu sich die Politik nicht in der Lage sieht, nämlich wirkliche Verbesserungen etwa in der Schweinehaltung. Tatsächlich weist Report Mainz nach, daß die Veränderungen für die Tiere gering sind und nach Auffassung eines Veterinärs kaum »wesensgerecht«. Es ging also um Greenwashing durch ein neues Label. Das darf nicht überraschen, denn bei diesem Projekt arbeitete der Deutsche Tierschutzbund unter anderem mit dem international bedeutenden Fleischkonzern Vion zusammen. Dieser wirbt mit dem Label. Das kann keine zuverlässigen Informationen garantieren.

Aber auch zutreffende Information müssen nicht zu entsprechenden Entscheidungen führen. Wo das Einkommen niedrig ist und überdies sinkt, kann trotz aller Einsichten nicht »jeder Pfennig ein (richtig ausgefüllter) Stimmzettel« sein. Von 1991 bis 2011 stieg der Index der Lebenshaltung in Deutschland um rund 46 Prozent. Die Kosten für Wohnung, Wasser, Strom, Gas machen hiervon 30 Prozent aus. Diese Kosten sind in der betreffenden Periode um 73 Prozent angestiegen, die Preise für Bekleidungsartikel dagegen nur um 15 Prozent. Das bedeutet: Die billigen Textilien und andere billige Waren ermöglichen es in vielen Fällen, daß bei uns die Wohnung gehalten, die hohen Mieten weiter bezahlt werden können. Wer also zieht letzten Endes den Vorteil aus den Billigimporten – und damit aus den miesen Arbeitsbedingungen und niedrigen Löhnen bei der Herstellung dieser Waren? Die Käufer? Die können bei Nahrung und Kleidung sparen, dafür aber zahlen sie den Wohnungseigentümern höhere Mieten. Fazit: Die Billigimporte subventionieren die Grundrente.”

 

(Quelle: Ossietzky.net)

Siehe auch:

Erschütternd: Über 300 Tote bei Fabrikeinsturz in Bangladesch

Anmerkung

Die aktuelle Ausgabe der Zeitschrift “Ossietzky” kann in unserer Bücherei entliehen werden.

Japan: No Sushi, please!

Montag, März 18th, 2013

“Record Radiation Found in Fukushima Fish

- By Lauren McCauley, staff writer

The port of the Fukushima No. 1 nuclear power plant where the highly radioactive fish was caught. (Photo: Asahi Shimbun)

The port of the Fukushima No. 1 nuclear power plant where the highly radioactive fish was caught. (Photo: Asahi Shimbun)

A fish with record levels of radioactive cesium was caught in the waters outside the Fukushima Daiichi Nuclear Power Station, officials announced Friday.

Tokyo Electric Power Co. (TEPCO) said they detected 740,000 becquerels per kilogram of radioactive cesium in a greenling fish caught the port adjacent to the nuclear site, Kyodo News reports. The amount is 7,400 times the state-set limit deemed safe for human consumption.

According to TEPCO, is the highest yet recorded in its sampling surveys of marine life since the March 2011 disaster.

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This work is licensed under a Creative Commons Attribution-Share Alike 3.0 License “

 

(Quelle: Common Dreams.org)

Haiti: Gebetsmühle

Dienstag, November 6th, 2012

“Lesenswert: Haiti ist die schlechtere Show

schreibt Alexandra Endres auf ZEIT online

Der Link kursiert im medico-Netzwerk. Ein Kommentar von Alexandra Endres über die zynische Verweigerung von Aufmerksamkeit und Wahrnehmung von Haiti. Wir haben ihn mit großem Gewinn gelesen und möchten ihn deshalb weiterempfehlen:

“… Für Haiti sind die Folgen des Sturms viel, viel schlimmer als sie für die New Yorker je sein könnten. Deshalb ist die Geschichte der Haitianer für uns relevant. Ihnen unsere Aufmerksamkeit zu verweigern ist – trotz aller nachvollziehbaren Gründe – eben doch zynisch.

Nun bringt die Warnung der Vereinten Nationen vor einer Hungersnot in Haiti das Land wieder zurück ins öffentliche Bewusstsein. Doch selbst wenn daraus kurzfristige Hilfe resultiert: Es ist ziemlich unwahrscheinlich, dass das die Lage der Haitianer nachhaltig verbessert. Zwar könnten die Spenden, um die jetzt gebeten wird, dazu beitragen, schnell Nahrungshilfe auf die Insel zu bringen, Saatgut an die Bauern zu verteilen oder die Cholerakranken etwas besser zu versorgen. Aber dann?

Haiti hängt schon viel zu lange von ausländischem Geld ab. Auch nach dem Beben von 2010 war die internationale Hilfsbereitschaft groß. Milliarden Dollar wurden zugesagt – für die Haitianer selbst hat sich dennoch wenig zum Besseren gewendet. Vom Wiederaufbau profitierten allenfalls ausländische Unternehmen und reiche Einheimische, sagen Kritiker. 370.000 Haitianer hingegen leben immer noch in Zelten. Die Landwirtschaft liegt am Boden, Port-au-Prince ist immer noch nicht aufgebaut, die haitianischen Behörden verfügen gar nicht über die Mittel, unabhängig zu entscheiden und zu handeln.

Es ist ein alter Hut, dass gute Hilfe es dem Empfängerland ermöglichen sollte, langfristig auf eigenen Beinen zu stehen. Schnelle Spenden wegen Sandy ändern an den strukturellen Problemen Haitis wenig. Es ist deshalb richtig und gut, wenn jetzt die regional asymmetrische Berichterstattung über Sandy kritisiert wird. Haiti wäre schon vor zwei Wochen ein wichtiges Thema gewesen. Doch es reicht nicht aus, das einzusehen. Damit sich wirklich etwas verändert, müsste die Öffentlichkeit – die Medien und ihr Publikum – viel häufiger nach Haiti schauen. Nicht nur, wenn sich dort gerade wieder einmal eine Katastrophe abspielt.”

Den kompletten Artikel “Haiti ist die schlechtere Show” lesen auf: ZEIT online.”

 

(Quelle: medico international.)

Siehe auch:

Haiti: UN and authorities seek $74 million to help farm sector recover from Hurricane Sandy
Hurricane Sandy wreaked havoc on more than just NYC