Archive for the ‘Klima’ Category

Global: Die wunderbare Welt des CO2 (Teil 2)

Dienstag, Dezember 4th, 2012

Share of global emissions (% world total 2010)

 

Klima_2.1

(Tabelle aus: United Nations Environment Programme: The Emissions Gap Report 2012, S. 17, 18
Download des o. g. Reports hier.)

 

(Quelle: United Nations Environment Programme: The Emissions Gap Report 2012)

Global: Die wunderbare Welt des CO2 (Teil 1)

Dienstag, Dezember 4th, 2012

Klima_1.1

(Tabelle aus: United Nations Environment Programme: The Emissions Gap Report 2012, S. 16, 17
Download des o. g. Reports hier.)

 

(Quelle: United Nations Environment Programme: The Emissions Gap Report 2012)

Global: Verantwortung(slosigkeit)

Montag, August 20th, 2012

“Klimawandel und die Landwirtschaft

Von Zoe Heuschkel

Die Landwirtschaft leidet nicht nur unter den Folgen der Klimaveränderungen, sondern beschleunigt diese zugleich und ist mitverantwortlich für die fortschreitende Degradation natürlicher Ökosysteme. Ein fundamentaler Wandel ist daher notwendig, um gleichzeitig drei Herausforderungen zu meistern: die ausreichende Erzeugung von gesunden Nahrungsmitteln, die Anpassung an den Klimawandel und die Verringerung von klimarelevanten Gasen in der Atmosphäre.1

Die globale Steigerung der landwirtschaftlichen Produktion im Verlauf der letzten einhundert Jahre wird als Erfolgsgeschichte derer angesehen, die davon am meisten profitiert haben. Über die sozial-ökologischen Kosten dieses Erfolgs wird dabei häufig hinweggesehen. Gleichermaßen wird die unvorstellbare Zahl von knapp einer Milliarde hungernder Menschen in Kauf genommen, denen wiederum eine weitere Milliarde krankhaft übergewichtiger Menschen gegenüber steht. Welchen Veränderungen der Landwirtschaft unter dem Einfluss des Klimawandels sehen wir entgegen? Ist eine drohende Verringerung der Erntemengen wirklich unser vordringliches Problem? Kann eine weitere Produktionssteigerung in der Landwirtschaft wirklich das Welternährungsproblem lösen?

Wie sonst kein anderer Sektor ist die Landwirtschaft stets abhängig von den Unwägbarkeiten natürlicher Einflüsse wie beispielsweise Niederschlag, Wind und Sonneneinstrahlung und der Regulationsfähigkeit von (Agrar-) Ökosystemen. Seit jeher ist landwirtschaftliche Erzeugung durch Ackerbau, Viehzucht, Forstwirtschaft und Fischerei eingebettet in ihre natürliche Umwelt und hat zu ihrer (Um-) Gestaltung beigetragen. Die klimatischen Bedingungen sind Teil der natürlichen Umwelt, deren Veränderung nun die Landwirtschaft plagt – zu der sie aber auch einen gewissen Teil beiträgt.

Schätzungsweise 30-45% der Treibhausgasemissionen sind auf die landwirtschaftliche Tätigkeit des Menschen direkt oder mittelbar über Landnutzungsänderungen und Transport zurückzuführen (IPCC 2007). Hierbei schlagen vor allem die enormen Energieaufwendungen zur Erzeugung von Stickstoffdünger, die Ausgasung der Abbauprodukte aus dem Boden und die Trockenlegung von Feuchtgebieten zur Ackerlandgewinnung zu Buche. Landwirtschaft ist damit neben dem Abbau von Erzen und fossilen Brennstoffen einer der einflussreichsten Eingriffe des Menschen in natürliche Ökosysteme und deren Regulationsfähigkeit.

Doch Landwirtschaft ist nicht gleich Landwirtschaft, und Landwirtschaft ist auch nicht gleich Ernährung. Internationale Studien warnen vor den drohenden Auswirkungen des Klimawandels, jedoch verweisen sie dabei auf Faktoren wie Dürren oder Überschwemmungen, die sich hauptsächlich auf die Produktionsmengen auswirken (FAO 2009; IFPRI 2009; Hoffmann 2011). Warum die globale Produktion nicht allein ausschlaggebend für die Versorgung mit ausreichenden und hochwertigen Nahrungsmittel ist und warum die Menschheit trotzdem gut daran täte, ihre landwirtschaftliche Produktion umzustellen, soll hier im Weiteren diskutiert werden.

Auswirkungen der Klimaveränderungen

Wissenschaftler schätzen, dass sich bei einem Anstieg der durchschnittlichen Temperatur um zwei Grad Celsius bis 2050 die Getreideernten in den Ländern des Südens um 15-30% verringern werden. Zudem wird eine Verkürzung der Anbauperiode im Nordosten Südamerikas, dem Mittelmeerraum und weiten Teilen Afrikas erwartet (IPCC 2007). Eine erhöhte CO2-Konzentration in der Luft führt zwar zu einer Steigerung der Stoffwechselrate der Pflanzen in den gemäßigten Breiten und bewirkt damit einen Düngeeffekt; Temperaturanstiege können damit in diesen Regionen zu einer Verlängerung der Ernteperiode führen. Im Gegensatz dazu kommen in extremeren Lagen wie bspw. in den Tropen, den Subtropen und besonders ariden Gebieten moderne Industriesorten schon jetzt nah an ihr physiologisches Limit. Damit treffen die klimatischen Veränderungen die Weltregionen am härtesten, die schon heute mit Dürren, Überschwemmungen und Hunger zu kämpfen haben.

Sicher ist außerdem, dass in Zukunft vieles unsicherer ist: Niederschlagsmengen, -häufigkeit und –verteilung oder Häufigkeit und Intensität extremer Wetterereignisse wie Hitzewellen, Starkregen oder Stürme. Die Landwirtschaft wird direkt durch eine schlagartige Vernichtung der Ernten und längerfristig durch die Degradation ökologischer Systeme bedroht. Zusätzlich trägt der allgemeine Temperaturanstieg zur Abschmelzung der Gletscher bei, die die großen, zur Bewässerung genutzten Flüsse v.a. in der Himalaya-Region speisen.

Landwirtschaft ist nicht gleich Landwirtschaft

Die landläufig verwendeten Szenarien zur Berechnung von Erntemengen haben einen grundsätzlichen Schönheitsfehler: Sie legen die industrialisierte Landwirtschaft zugrunde. Eine energieintensive Bewirtschaftungsform, die in Monokulturen auf Hilfsmittel wie Dünger und Pestizide angewiesen ist, trägt vermutlich mehr zum Problem als zur Lösung bei. Die Abhängigkeit von billiger Energie, die bisher fast ausschließlich über die Nutzung fossiler Energieträger und nicht-regenerative Erze erzeugt wird, verursacht damit erhebliche weltweite Emissionen von klimarelevanten Gasen.

Die Integration pflanzlicher und regenerativer Energieträger in den Energiemix steckt noch in den Anfangswehen. Die erste Generation der Pflanzentreibstoffe hat bisher viel Kritik und wenig Erfreuliches zu Tage gefördert: Regenwaldvernichtung zugunsten von Ölpalm- und Zuckerrohr-Plantagen, Landvertreibungen aufgrund großflächiger internationaler Investitionen in die Energiepflanzenerzeugung, Wasserverknappung und die Gefährdung der Ernährungssicherheit (Fritz 2010). Ein Rückgang günstig verfügbarer Energie zeichnet sich deutlich ab, und der verschwenderische Einsatz natürlicher Ressourcen kann keine Zukunft haben. Nach »Peak Oil« folgt »Peak Soil« und schlussendlich »Peak Everything« (Heinberg 2007).

Sinnvoll wäre eine Integration der kleinflächigen Energieerzeugung in den landwirtschaftlichen Prozess und eine stärkere Selbstorganisation der Energieerzeuger und -verbraucher. Ein solcher Ansatz findet sogar außergewöhnliche Unterstützung: In seiner Studie zu »Peak Oil« kommt das Zentrum für Transformation der Bundeswehr zu folgender Empfehlung: „Auf gesellschaftlicher Ebene ist deshalb auch eine Stärkung von Möglichkeiten und Fähigkeiten zur Selbstorganisation von Bürgern auf lokalem Level denkbar […]“ (2010).

Es ist fraglich, ob sich die erwarteten Ernteeinbußen bei Weizen in den Ländern des Südens direkt auf die Ernährungssicherheit auswirken. Rund ein Drittel der Produktion landet nämlich in den Futtertrögen der industrialisierten Tierproduktionsstätten und als Billigfleisch auf den Tellern der Industrieländer. Notwendig ist eine Verabschiedung vom Kraftfutter und eine konsequentere Regelung der Tierhaltungsbestimmungen hin zu artgerechter Haltung und Fütterung. So kann aus dem vermeintlichen »Klimakiller« Kuh (vgl. Idel 2011) wieder ein wertvolles Nutztier werden, das für Menschen unverwertbares Gras in proteinreiche Nahrung verwandelt. Dennoch: Ein verantwortungsbewusster Konsum von Fleisch sollte auch bei einer artgerechten Tierhaltung an erster Stelle stehen.

Auch eine klimatische Verdrängung der allgemein prestigeträchtigeren Getreidearten Weizen und Reis und deren Hochleistungssorten und die Rückkehr zu stresstoleranteren und angepassteren Getreidearten wie Hirse und Sorghum wären denkbar. Die damit verbundene Wiederbelebung traditioneller und vielfach gesünderer Küchen erscheint als Antwort auf das Überernährungsproblem interessant. Das setzt natürlich voraus, dass der rasant voranschreitende Verlust an biologischer Vielfalt schnellstmöglich gestoppt wird. Nicht nur wildlebende Pflanzen und Tiere sind vom Arten- und Sortensterben betroffen, sondern auch Nutzpflanzen und -tiere. Deren Verlust macht es dem Menschen mit jeder verlorenen Sorte und jeder verlorenen Art schwerer, sich an die Klimaveränderungen anzupassen. Gerade in ihrer Angepasstheit an die lokalen Bedingungen und ihrer Anpassungsfreudigkeit an deren Veränderung liegt der große Vorteil der so genannten traditionellen Sorten.

Schließlich verdient die Verortung der Landwirtschaft in der allgemeinen Ökonomie eine genauere Betrachtung. Darf ein Wirtschaftszweig, der der Befriedigung essentieller menschlicher Bedürfnisse dient, der allgemeinen Wachstumslogik unterworfen sein, oder werden hier ganz andere Indikatoren und Maßzahlen benötigt? Auf welcher Basis erfolgt die Effizienzberechnung, und weshalb werden in solche Kalkulationen sehr wohl die Güter, nicht aber die externen Effekte wie Ökosystem, Dienstleistungen oder Umweltzerstörungen berücksichtigt? Trotz ihrer Jahrtausende alten Tradition steht die Landwirtschaft als Dienstleistungszweig und im Hinblick auf die Anerkennung der geleisteten Dienste für die Allgemeinheit erst am Anfang – in der Forschung wie in der Wertschätzung. Gleiches gilt für die Erfassung und Berechnung ihrer langfristigen Schädlichkeit unter anderem für das globale Klima. Über kurz oder lang wird aber gezeigt werden können, dass die industrialisierte Landwirtschaft ein unrentables, nicht nachhaltiges Auslaufmodell ist.

Landwirtschaft ist nicht gleich Ernährung

Der Unterschied zwischen Ernährungssicherheit und Nahrungsmittelverfügbarkeit wird von Frances Moore-Lappé, Trägerin des Right Livelihood Award, sehr treffend formuliert: „Hunger is not caused by a scarcity of food but a scarcity of democracy.“ (Hunger wird nicht durch einen Mangel an Nahrungsmitteln, sondern durch Mangel an Demokratie verursacht.) Zu welchen Folgen ein Mangel an politischen Beteiligungsmöglichkeiten führt, zeigt die Gegenüberstellung zweier Entwicklungen: der weltweiten Hungerstatistik und des Produktionsindex landwirtschaftlicher Produkte.

Der Produktionsindex der globalen Landwirtschaft folgt einem permanenten Aufwärtstrend. Durch technische Innovation, Einsatz von chemischen Wirkstoffen und neue Züchtungsverfahren verzeichnet die industrialisierte landwirtschaftliche Produktion eine stetige Steigerung. Dennoch bleibt die Zahl der Hungernden erschreckend konstant. Die unzureichende Versorgung der Bevölkerung mit Nahrungsmitteln und die Nichtgewährleistung von Nahrungssicherheit gehören mit zu den zuverlässigsten Indikatoren mangelhafter politischer Systeme.

Allein die ungleiche Verteilung von Nahrungsmitteln schafft den Hunger. Es gibt heute genug Nahrungsmittel für alle Menschen auf der Welt, möglicherweise sogar mehr als nötig. Die Beziehung von globaler Nahrungsmittelproduktion und Nahrungsmittelverfügbarkeit sollte immer wieder neu durchdacht werden. Nicht allein die Nachfrage schafft das Angebot. Der Verweis auf die Regulationsmacht des Marktes erscheint in diesem Zusammenhang mehr als zynisch und funktioniert allenfalls dort, wo die Nachfragenden über genügend Kaufkraft für die tägliche Mahlzeit verfügen. Die dann entstehende Abhängigkeit von Importen schafft eine enorme Anfälligkeit für volatile Weltmarktpreise und verursacht neue Probleme.

Analysen der so genannten Hungeraufstände von 2007 und 2008 in einigen afrikanischen Ländern haben zwar gezeigt, dass nicht nur ein hoher Nahrungsmittelpreis und die Knappheit von Nahrungsmitteln für den Ausbruch von gewaltförmigen Ausschreitungen ausreichen, sondern dass auch politische Unfreiheit und ein Mangel an sozialem Kapital relevante Faktoren sind (Berazneva 2011; Scheffran et al. 2012). Damit erklärt sich auch zum Teil, warum es in Indien, der Region, in der es nach Schätzungen von 2003 die meisten Hungernden gibt, vergleichsweise ruhig ist. Dennoch, das milliardenfache Leid bleibt bestehen.

Während vorwiegend Männer in vielen urbanen Zentren Afrikas verzweifelt protestierten, verhungern Frauen und Mädchen auf dem Land völlig lautlos. Das ist so schrecklich wie unverständlich, schließlich werden gerade in den ländlichen Gebieten Nahrungsmittel produziert. Lange Zeit war das jedenfalls so, bis lokale und regionale Märkte im Süden mit subventionsgestützten Billigimporten aus Europa und den USA überschwemmt wurden und lokale Bauern mit den Preisen nicht mehr konkurrieren konnten.

Wer kann, wandert heute in die Stadt und sucht nach einer neuen Arbeit und Einnahmequelle. 2008 war das Jahr, in dem weltweit erstmals mehr Menschen in den Städten lebten als auf dem Land, und der Trend hält an (UN Habitat 2009). Die Frauen bleiben mehrheitlich zu Hause auf dem Land und versuchen, sich und ihre Familien mit der Landwirtschaft durchzubringen. Ihr Mangel an formaler Bildung einerseits und ihre Rolle in der geschlechtlichen Arbeitsteilung, die den Frauen die Hauptlast der Arbeit in der afrikanischen Landwirtschaft zuteilt, andererseits lassen ihnen wenige Wahlmöglichkeiten.

Was wäre verantwortlich zu tun?

Wir müssen die Verantwortung für unser Tun auf diesem Planeten annehmen und die Landwirtschaft als eine Tätigkeit anerkennen, die in natürliche Kreisläufe sowie in soziale und kulturelle Systeme eingebettet ist. Ihre Abhängigkeit von und gleichzeitig ihre Verantwortung für intakte Ökosysteme und deren Regulationsmechanismen müssen akzeptiert und die Konsequenzen daraus getragen werden. Ein komplexes System wie das der Welternährung lässt sich weder durch Klimaveränderungen zerstören noch durch eine »one fits all«-Lösung reparieren. Es braucht vielmehr lokal angepasste, vielfältige landwirtschaftliche Systeme, die sich durch die Annäherung an die natürliche Umwelt stabilisieren und ihre Regulationsmechanismen stärken.

Wir haben den Kampf ums Überleben unserer Spezies schon seit so vielen Generationen gewonnen. Nun sonnen wir uns in einer Allmachtsphantasie und gefährden damit unsere weitere Existenz auf dem Planeten. Ein Wandel in der Landwirtschaft ist notwendig und beinhaltet letztendlich auch einen Friedensschluss mit unserer natürlichen Umwelt.

Literatur

Berazneva, Julia; Lee, David (2011): Explaining the African Food Riots of 2007-2008: An Empirical Analysis. New York: Cornell University.

Food and Agriculture Organization of the United Nations (FAO) (Hrsg.) (2009): Expert Meeting on How to Feed the World in 2050. Rom , 24-26.06.2009, FAO.

Fritz, Thomas (2010): Das Große Bauernlegen – Agrarinvestitionen und der Run aufs Land. Berlin: Forschungs- und Dokumentationszentrum Chile-Lateinamerika (FDCL).

Hoffmann, Ulrich (2011): Assuring Food Security in Developing Countries under the Challenges of Climate Change: Key Trade and Development Issues of a Fundamental Transformation of Agriculture. Genf: United Nations Commission on Trade and Development, UNCTAD Discussion Papers 201.

Idel, Anita (2011): Die Kuh ist kein Klimakiller. Wie die Agrarindustrie die Erde verwüstet und was wir dagegen tun können. Marburg: Metropolis.

International Food Policy Research Institute (IFPRI) (Hrsg.) (2009): Climate Change: Impact on Agriculture and Costs of Adaptation. Washington D.C.: International Food Policy Research Institute.

International Panel on Climate Change (IPCC) (Hrsg.) (2007): Fourth Assessment Report. Genf: IPCC.

Scheffran, Jürgen; Brzoska, Michael; Kominek, Jasmin; Link, Michael; Schilling, Janpeter (2012): Past and Future Research on Climate Change and Violent Conflict. CLISEC-18. Universität Hamburg.

Zentrum für Transformation der Bundeswehr (Hrsg.) (2010): Streitkräfte, Fähigkeiten und Technologien im 21. Jahrhundert. Umweltdimensionen von Sicherheit. Teilstudie 1: Peak Oil. Sicherheitspolitische Implikationen knapper Ressourcen. Strausberg: ZTransfBW.

Anmerkungen

1) Die Autorin dankt PD Dr. Stephan Albrecht herzlich für seinen wissenschaftlichen Rat und die hilfreichen Kommentare.

Zoe Heuschkel ist Ethnologin und Landschaftsökologin und ist als Referentin des Projekts zur Zukunft der Ernährung der Vereinigung Deutscher Wissenschaftler tätig.

 

(Quelle: Wissenschaft und Frieden.)

Anmerkung

Die aktuelle Ausgabe der Zeitschrift “W & F”, aus der dieser Aufsatz stammt, kann in unserer Bücherei entliehen werden.

BRD: Problematischer Fleischkonsum (HINWEIS)

Donnerstag, August 9th, 2012

“Unser täglich Fleisch gib uns heute” – Die Folgen unseres Fleischkonsums

Informations- und Diskussionsveranstaltung im Rahmen der Reihe “Land-/ Agrar- und Ernährungspolitiken

Der Fleischkonsum ist eng an die wirtschaftliche Entwicklung gekoppelt und so ist auch in den nächsten Jahren ein weiterer Anstieg zu erwarten, vor allem in den aufstrebenden Ländern Asiens. Mehr als 60 Kilogramm Fleisch essen wir Deutschen im Jahr durchschnittlich – fast doppelt so viel, wie der durchschnittliche Erdenbürger und fast dreimal so viel wie vor 30 Jahren.
Der gestiegene Fleischkonsum belastet das Klima erheblich. Unsere Essgewohnheiten verursachen mehr als ein Fünftel aller Treibhausgase in Deutschland. Der hohe Verzehr tierischer Lebensmittel hat dabei den größten Anteil. Die Fleischproduktion beinhaltet einen enormen Landverbrauch. Nach einer Studie der Welternährungsorganisation FAO wurden 70% des abgeholzten Amazonaswaldes für Viehweiden verwendet – der größte Teil der restlichen 30% dient dem Futtermittelanbau. In derselben Studie hielt die FAO fest, dass 70% des weltweiten Landwirtschaftslandes für die Viehhaltung verwendet werden.
Durch den Anbau von Futtermitteln für den Export wird der einheimischen Bevölkerung die Ackerflächen für den Anbau von Nahrungsmitteln genommen.

Angesicht dieser Fakten wollen wir über die Frage nach der Zukunft des Fleischkonsums und der unserer Landwirtschaft in einen Dialog treten mit unseren beiden ReferentInnen Berit Thomsen (zu den Folgen des Fleischkonsums) und Francisco Mari (zu den globalen Auswirkungen der industriellen Massentierproduktion).

Datum: Mo., 24. September 2012

Zeit: 16.30 Uhr

Ort: Haus der Kirche, Wilhelmshöher Alle 330, 34131 Kassel

ReferentInnen: Merit Thomsen, Arbeitsgemeinschaft bäuerliche Landwirtschaft/ Agrarkoordination, Hamm | Francesco Mari, Evangelischer Entwicklungsdienst (EED)

Moderation: Helmut Törner-Roos, Kirchlicher Entwicklungsdienst der EKKW”

 

(Quelle: EPN Hessen.)

Siehe auch:

“Fleisch in Massen – Fleisch in Maßen” (PDF)

Indonesien / BRD: Na denn, Prost!

Montag, Juli 2nd, 2012

“Die Spur der Kronkorken

«Saufen für den Regenwald» ist eine der erfolgreichsten Ökoimagekampagnen im deutschsprachigen Raum: Die Krombacher-Brauerei schützt mithilfe des WWF das Klima. Das Imageproblem hat inzwischen der WWF.

Von Bernhard Pötter, Palangka Raya

Bevor am Sonntagabend Mord und Totschlag angesagt ist, gibts noch ein kleines Stück heile Welt: einen paradiesischen See in der Sonne, eine Insel und tiefgrüne Wälder. Zum ARD-«Tatort» wünscht die deutsche Krombacher-Brauerei «spannende Unterhaltung».

Sonne, Wasser und Bäume gibt es auch rund um Franz-Josef Weihrauch. Der Pressesprecher des Bierkonzerns Krombacher steht bis zu den Knien im Schlamm, aus dem Wasser ragen verbrannte Baumstümpfe. Weihrauch steht an einem ganz speziellen Tatort, 11 500  Kilometer südöstlich der ARD-Szenerie: Massakriert worden ist hier der Regenwald. Jetzt ist der Sebangau-Nationalpark im Süden Borneos die Szenerie für die grösste Umwelt- und Werbeaktion im deutschsprachigen Raum. Krombacher, Nummer eins beim deutschen Bier, und der WWF Deutschland, Nummer eins beim Umweltschutz, wollen gemeinsam das Klima schützen. Und ihr Image aufpolieren.

Moore retten in Indonesien

Eine Stunde dauert die Fahrt von Kereng Bengkirai auf dem Sebangau-Fluss bis ins Rasau-Gebiet. Die weite Flusslandschaft sieht aus wie eine grüne Oase. Aber sie ist eine ökologische Trümmerwüste. Hier stand einmal dichter Regenwald, bis die indonesische Regierung Holzlizenzen vergab. Auf einer Fläche fast halb so gross wie die Schweiz wurde das Moorgebiet mit seinem dichten Regenwald entwässert, abgeholzt und niedergebrannt.

Entstanden ist ein gigantischer Klimahotspot: Der Kohlenstoff, der sich über Jahrtausende in den Moorböden angesammelt hat, gast bei Trockenlegung der Gebiete aus. Weltweit steigen aus nur 0,3 Prozent der Landfläche sechs Prozent der menschgemachten Treibhausgase. Und weil überall in Indonesien der Wald für Holz und Palmölplantagen gerodet und die Moorböden trockengelegt werden, ist das Land hinter China und den USA zum drittgrössten Verschmutzer mit Treibhausgasen geworden.

Einen Deckel auf diesen Schlot zu legen, ist relativ einfach, wie Projektleiter Adventus Panda vom WWF Indonesien zeigt. Mitten im Sumpf haben die Umweltschützer eine Holzfällerhütte zu einem Camp umgebaut. Eine Baumschule produziert Setzlinge für die Aufforstung. Auf der Terrasse bewirtet der WWF prominente Gäste wie Arnold Schwarzenegger oder Ban Ki-Moon. Hier können sie den Damm bestaunen, den Panda und seine Helfer in den zehn Meter breiten Entwässerungs­kanal getrieben haben. «Im ganzen Gebiet haben wir 500 Dämme gebaut und den Wasserpegel um einen Meter gehoben.»

Mehr Wasser heisst weniger CO2-Emissionen. Bisher sind das nach WWF-Berechnungen 260 000  Tonnen. Und das zu einem unschlagbaren Preis: Die vermiedene Tonne CO2 in Sebangau kostet etwa 1,50 Euro. Im europäischen Emissionshandel zahlt man dafür sieben Euro, bei Wärmedämmung an Fassaden etwa fünfzig Euro. Um diesen Effekt fürs Klima sicher belegen zu können, leisten sich WWF und Krombacher ein Zertifizierungsverfahren vom deutschen Sicherheitsprüfer Tüv. Tatsächlich gilt die Wiedervernässung von Mooren als eine der günstigsten Massnahmen zum Klimaschutz.

Mehr als ein Greenwashing?

Deutschland ist zur Fussball-EM mit Krombacher-Plakaten gepflastert. Die Kooperation mit dem WWF läuft bereits seit zehn Jahren. Sechs Millionen Euro haben die Brauer als Klimadividende bisher gespendet. «Saufen für den Regenwald», wie das Programm gern bespöttelt wird, begann 2002 in Zentralafrika. Im Dzanga-Sangha-Gebiet, so warb damals TV-Star Günther Jauch, wurde für jeden verkauften Kasten Krombacher ein Quadratmeter Regenwald geschützt. Für die Bier­brauer ein Erfolg, der sich in steigendem Absatz ausdrückt, wie Pressesprecher Weihrauch sagt. Nun will man den erfolgreichen Imagetransfer vom Panda zum Bier im Projekt in Indonesien fortsetzen. Hier ist Klimaschutz dringend nötig – und deutlich billiger: Pro Flasche ein Quadratmeter, verspricht jeder Krombacher-Kronkorken während der Fussball-EM.

Eine ähnlich lukrative Kooperation kann der WWF Schweiz nicht vorweisen. Er lässt sich von der Zürcher Kantonalbank die Jugendarbeit sponsern und bringt Grossunternehmen wie Coop, Migros, Ikea, Swisscom oder die Post in der WWF Climate Group zusammen. Bis zu 150 000  Franken im Jahr zahlen sie dafür, WWF-Wissen und Panda-Logo nutzen zu dürfen. Seither, heisst es vom WWF Schweiz, hätten die Unternehmen ­ihren CO2-Ausstoss um 21 Prozent gesenkt.

Eine solche Vereinbarung gab es zwischen Krombacher und WWF Deutschland nie. Als das Projekt startete, war es eine reine Imagekampagne. «Klassisches Greenwashing», so Jana Gebauer vom Institut für ökologische Wirtschaftsforschung in Berlin: Der Werbung standen keine Ökoanstrengungen des Bierbrauers gegenüber.

Aber dann begann das Greenwashing, das Unternehmen grün durchzuspülen. Kaum bewarb Krombacher sein grünes Image, flatterten Zehntausende Briefe und E-Mails ins Haus: «Was macht ihr eigentlich für die Umwelt in eurem Unternehmen?» Da fehlten ­ihnen erst mal die Antworten, sagt Weihrauch. Nun kann er liefern: Die Brauerei setzt auf Mehrweg statt auf Dosen, hat auf Ökostrom umgestellt, ihren Verbrauch an Energie und Wasser reduziert und einen Ökofussabdruck für ihr Bier errechnen lassen. Ausserdem hat sie einen «Nachhaltigkeitsrat» mit Experten – darunter einen vom WWF – ­berufen.

«Für einen Einsteiger ganz gut», kommentiert Jana Gebauer den ersten Nachhaltigkeitsbericht von Krombacher aus dem Jahr 2011. «Allerdings ergibt das noch kein Bild, wie das gesamte Unternehmen Richtung Nachhaltigkeit steuert.» Auch zur Verantwortung gegenüber den Beschäftigten werde nicht viel gesagt. Und warum setze die Brauerei nicht auf Ökorohmaterial? «Wir brauchen 90 000  Tonnen Gerste im Jahr, die bekommt man nicht in Ökoqualität», so Weihrauch. «Krombacher könnte ja als Nachfrager auftreten und den Markt dafür schaffen», kontert Gebauer. Positiv ist für sie allerdings, wie das Klimaschutzengagement vom Marketingtrick zum Strukturwandler für das Unternehmen geworden ist. «Das war und ist ein langer Lernprozess.»

Schlechtes Image – gute Geschäfte

Auch für den WWF. Die Negativschlagzeilen um die weltgrösste Umweltschutzorgani­sation reissen nicht ab: Der spanische König Juan Carlos, WWF-Ehrenvorsitzender, jagte kürzlich Elefanten. Und das «Schwarzbuch WWF» bezichtigt den WWF des Greenwashings für multinationale Konzerne und deren Umweltzerstörungen (vgl. «Haie zu Vegetariern» im Anschluss an diesen Text). Christoph Heinrich, beim WWF Deutschland als Geschäftsleiter Naturschutz tätig, verteidigt die Politik des WWF auf einer langen Fahrt über die hals­brecherischen Stras­sen von Borneo: Wer wirklich etwas verändern wolle, sagt er, schaffe das nur mit, nicht gegen die Unternehmen. Auch der Vorwurf, der WWF sei zu wirtschaftsfreundlich, gelte heute nicht mehr. «Im Gegenteil: Wir stören den Export der indonesischen Papierkonzerne APP und April nach Deutschland, weil sie sich hier nicht an die Regeln halten.»

Ausserhalb des Sebangau-Projekts muss sich der WWF in Indonesien viel Kritik anhören. Überall roden Konzerne den Regenwald für Palmölplantagen, vertreiben die Einheimischen mit Gewalt und dezimieren die Orang-Utan-Bestände. Während die lokale Umweltorganisation Walhi, Greenpeace oder Robin Wood zum Widerstand aufrufen, rief der WWF den «Runden Tisch für nachhaltiges Palmöl» ins Leben, an dem auch die Regenwaldkiller sitzen. Laut Heinrich «die einzige Chance, Schlimmeres zu verhüten». Arie Rompas von Walhi: «Der WWF kooperiert mit den Firmen, die den Wald zerstören. Er hilft ihnen, ihre Produkte grünzu­waschen.»

Probleme mit dem Image hat inzwischen eher der WWF als Krombacher. Umso mehr freut sich die Organisation über einen Finanzier, der nicht nur verlässlich Geld gibt, sondern auch selbst ein bisschen grüner wird. Mit dem Vorzeige­projekt wirbt der WWF grossflächig im Jahresbericht. Darin lobt der Krombacher-Geschäftsführer, das «faszinierende Naturschutzprojekt» sei ein «Meilenstein für modernes Marketing». In der Tat: Der Imagetransfer funktioniert in beide Richtungen. Erst hat der Panda den Brauern geholfen, ihr Bier grün erscheinen zu lassen. Jetzt hilft der Sponsor mit seinem Projekt dem WWF, Kritik am Panda zu kontern.

Weniger Unterstützung, mehr Geld

Krombacher jedenfalls denkt schon an die nächste Runde im grünen Marketing, denn die Kooperation mit dem WWF ist auf dreissig Jahre angelegt. Die Einsparungen im indonesischen Moor sollten locker reichen, um die Bierproduktion in Deutschland klimaneutral zu machen. Das Engagement soll also bleiben, auch wenn ab 2013 die Krom­bacher-Werbung vor dem «Tatort» ausläuft.

Und der WWF hat erst recht ein Motiv, die lukrative Krombacher-Connection fortzuführen. Er baut auf die Treue seiner kleinen und grossen SpenderInnen. Als im letzten Jahr nach Wilfried Huismanns Fernseh­doku «Der Pakt mit dem Panda» die Vorwürfe gegen den WWF laut wurden, verlor dieser in Deutschland etwa 2000 von 430 000  UnterstützerInnen. Aber die Einnahmen waren 2011 mit gut 50 Millionen Euro so hoch wie noch nie.

Die Pressereise nach Indonesien wurde vom WWF und von Krombacher organisiert.



«Schwarzbuch WWF»

«Haie zu Vegetariern»

Der WWF ist eine der weltweit grössten Lobby­organisationen – für die Umwelt, dachte man bislang. Seit der deutsche Reporter Wilfried Huismann seine Recherchen über «die dunkle Seite des Panda» 2011 als Dokumentarfilm im Fernsehen und im Kino sowie jüngst auch als Buch veröffentlicht hat, zeigt sich immer deutlicher, wie mächtig und in der Tat dunkel das Lobbying des Umweltschutz­riesen ist: Im April hat der WWF ein Sende­verbot gegen «Der Pakt mit dem Panda» erwirkt. Zeitgleich hat er mit einer einstweiligen Verfügung gegen das «Schwarzbuch WWF» massiven Druck auf Verlag, Grossverteiler und Buchhandlungen ausgeübt. Obwohl das Landgericht Köln am 15. Juni zugunsten von Huismann entschieden hat, führen in der Schweiz Thalia und Buch.ch sein Buch noch immer nicht in ihren virtuellen Regalen.

Natürlich ist Huismanns Schwarzbuch eine Polemik. Er zeichnet den WWF als elitäre Organisation mit mangelnder Transparenz im Umgang mit Spenden sowie bezüglich seines Clubs der 1001, eines «elitären Old-Boys-Netzwerks mit viel Einfluss in der Welt der multinationalen Konzerne». Das hilft, wenn man sich zum Ziel setzt, Verträge mit jenen Grosskonzernen abzuschliessen, welche die wichtigsten Rohstoffe der Erde kontrollieren. «Der WWF schwimmt mit den Haien, in der Hoffnung, sie mit seinen moralischen Appellen in Vegetarier zu verwandeln.»

So betreibt der WWF laut Huismann ein «Greenwashing» sondergleichen: Mit seinen Labels für «verantwortungsvolle Soja» und «nachhaltiges Palmöl» hängt er der Vernichtung des Regenwalds und der Vertreibung der UreinwohnerInnen ein grünes Mäntelchen um, und sein «Aquaculture Stewardship Council»-Label soll Lachs-Mastanlagen als nachhaltig qualifizieren – was kompletter Unsinn ist.

Ob die 260 000  Mitglieder des WWF Schweiz das weiter unterstützen wollen?

Franziska Meister


Dieser Artikel wurde ermöglicht durch den Recherchierfonds des Fördervereins ProWOZ. Dieser Fonds understützt Recherchen und Reportagen, die die finanziellen Möglichkeiten der WOZ übersteigen. Er speist sich aus Spenden der WOZ-LeserInnen.

Unterstützen Sie den ProWOZ

 

(Quelle: WOZ.)

Arktis: Betreten verboten – Eltern haften …

Donnerstag, Juni 28th, 2012

“Arctic Sea Ice at Lowest June Level Ever

Recent ice loss rates have been more than double the climatological rate, reports the NSIDC

By Common Dreams staff

The sea ice extent in the Arctic is at its lowest level ever for this time of year, according to the latest information from the National Snow and Ice Data Center (NSIDC).

The NSIDC reports that the recent ice loss rates have been 38,600 to 57,900 square miles — more than double the climatological rate.

"The main contributors to the unusually rapid ice loss to this point in June are the disappearance of most of the winter sea ice in the Bering Sea, rapid ice loss in the Barents and Kara Seas, and early development of open water areas in the Beaufort and Laptev Seas north of Alaska and Siberia," the NSIDC explains.

The NSIDC further notes that the far north's snow cover is "nearly gone, earlier than normal, allowing the coastal land to warm faster."

In its most recent Arctic Report Card, the NOAA reported that changes to the Arctic had been "profound," and that with global warming projected to increase, "it is very likely that major Arctic changes will continue in years to come, with increasing climatic, biological and social impacts."

 
 

 

* * *

 

 

(Quelle: Common Dreams.)