Archive for the ‘Wald’ Category

BRD: Problematischer Fleischkonsum (HINWEIS)

Donnerstag, August 9th, 2012

“Unser täglich Fleisch gib uns heute” – Die Folgen unseres Fleischkonsums

Informations- und Diskussionsveranstaltung im Rahmen der Reihe “Land-/ Agrar- und Ernährungspolitiken

Der Fleischkonsum ist eng an die wirtschaftliche Entwicklung gekoppelt und so ist auch in den nächsten Jahren ein weiterer Anstieg zu erwarten, vor allem in den aufstrebenden Ländern Asiens. Mehr als 60 Kilogramm Fleisch essen wir Deutschen im Jahr durchschnittlich – fast doppelt so viel, wie der durchschnittliche Erdenbürger und fast dreimal so viel wie vor 30 Jahren.
Der gestiegene Fleischkonsum belastet das Klima erheblich. Unsere Essgewohnheiten verursachen mehr als ein Fünftel aller Treibhausgase in Deutschland. Der hohe Verzehr tierischer Lebensmittel hat dabei den größten Anteil. Die Fleischproduktion beinhaltet einen enormen Landverbrauch. Nach einer Studie der Welternährungsorganisation FAO wurden 70% des abgeholzten Amazonaswaldes für Viehweiden verwendet – der größte Teil der restlichen 30% dient dem Futtermittelanbau. In derselben Studie hielt die FAO fest, dass 70% des weltweiten Landwirtschaftslandes für die Viehhaltung verwendet werden.
Durch den Anbau von Futtermitteln für den Export wird der einheimischen Bevölkerung die Ackerflächen für den Anbau von Nahrungsmitteln genommen.

Angesicht dieser Fakten wollen wir über die Frage nach der Zukunft des Fleischkonsums und der unserer Landwirtschaft in einen Dialog treten mit unseren beiden ReferentInnen Berit Thomsen (zu den Folgen des Fleischkonsums) und Francisco Mari (zu den globalen Auswirkungen der industriellen Massentierproduktion).

Datum: Mo., 24. September 2012

Zeit: 16.30 Uhr

Ort: Haus der Kirche, Wilhelmshöher Alle 330, 34131 Kassel

ReferentInnen: Merit Thomsen, Arbeitsgemeinschaft bäuerliche Landwirtschaft/ Agrarkoordination, Hamm | Francesco Mari, Evangelischer Entwicklungsdienst (EED)

Moderation: Helmut Törner-Roos, Kirchlicher Entwicklungsdienst der EKKW”

 

(Quelle: EPN Hessen.)

Siehe auch:

“Fleisch in Massen – Fleisch in Maßen” (PDF)

BRD: Fairer Handel – Wendemanöver in der Sackgasse?

Samstag, Juli 28th, 2012

“Grenzen der Zertifizierung

Bilanz und Ausblick

Von Carolin Callenius und
Francisco Mari

Explosionsartig erleben wir, wie immer mehr Nachhaltigkeits-Siegel Teil unseres Alltags werden. Von Bio, Fair Trade, den Runden Tischen, diversen Biospritplaketten bis zu Pro Planet und MSC (Marine Stewardship Council) hinter den Begriff Nachhaltigkeit verbergen sich die unterschiedlichsten Ziele, Kriterien, Systeme und Akteure. Allen gemein ist, dass sie bei den Importen von Agrarprodukten ansetzen. Diese sollen – je nach selbst gesetztem Zielunterschiedlich – aus einer Produktion kommen, die auf Raubbau am Regenwald verzichtet, in der keine Kinder arbeiten müssen, die Arbeiter gerecht behandelt werden, besonders wenig Treibhausgase verursacht oder/und die Artenvielfalt geschützt wird. Zu Recht wird kritisiert, dass dieses Schildermeer nicht mehr überschaubar ist. Es ist auch zunehmend unklar, welchem Siegel man Glauben schenken kann; da sich bei den meisten Siegeln höchstens eine Hand voll Experten noch auskennen.

In den Expertenzirkeln wird eifrig diskutiert, wie man diese Siegel noch weiter verbessern kann, wie man sie zusammenfassen kann und in ihrer Reichweite umfassender machen könnte und wie unabhängig eine Kontrolle der Zertifizierung sein muss. Zeitgleich wachsen aber auch die Zweifel, ob angesichts der immensen globalen Probleme diese kleinen Reformen am Agrarhandel ausreichen. Reicht das Plus für Menschen und Umwelt im Süden aus, um die Nachhaltigkeitsziele von Umwelt und Entwicklung zu erreichen? Oder dient nicht gar das Ganze nur als Beruhigungspille gegen das schlechte Gewissen? Denn der übermäßige und wachsende Konsum – auch von besiegelten Produkten – hat Folgen für die Menschen und die Umwelt im Süden.

Es besteht kein Zweifel, dass einzelne Produkte − inklusive ihrer Herstellungsprozesse und Folgewirkungen − durch eine Zertifizierung verbessert werden können. Wir aber wollen in diesem Artikel ein paar Fragen aus entwicklungspolitischer Perspektive aufwerfen, die die Grenzen des Instruments thematisieren, und welche Probleme wir wahrnehmen, die mittels der Zertifizierung selbst nicht behoben werden können:

• Ist eine exportorientierte Landwirtschaft oder Landnutzung mit zertifizierten Produkten grundsätzlich ein besserer Entwicklungsweg für die Länder des Südens als die nichtzertifizierten Exporte?

• Wer profitiert von der Zertifizierung und wer hat das Nachsehen?

• Welche ökologischen oder »fairen« Grenzen hat das Instrument der Zertifizierung?

Alle drei Fragen werden von vielen Bauernverbänden und Nichtregierungsorganisationen im Süden zunehmend kontrovers diskutiert.

Exporte von Rohstoffen als richtiger Entwicklungsweg?

Zunächst will die Zertifizierung nichts weiter, als bestehende Agrarhandelsströme qualitativ verbessern. Dabei geht es immer um unsere Ansprüche als KonsumentInnen im Norden. Egal ob für Biosprit, Schokolade, Tropenholz, Palmöl oder Shrimps, gleichgültig ob öko oder fair oder beides – die Standards werden in den Industrieländern gesetzt. Für die lokalen Märkte im Süden spielen diese Zertifizierungen, ja meist auch die Produkte selber, keine Rolle. Keine Verbraucherin in Costa Rica fragt nach öko-fairen Bananen oder in Dakar nach einer MSC-Sardine. Konsequenterweise heißt das, dass aus Sicht der KonsumentInnen im Süden niemand Zertifizierungen oder private Standards braucht.

In den Ländern selbst aber beobachten wir, dass diese Nachfrage häufig zusätzlich erfolgt; während gleichzeitig die natürlichen Ressourcen immer knapper werden. Während also einerseits die durchschnittlichen Ackerflächen pro Betrieb immer kleiner werden, beansprucht der Exportanbau immer größere Flächen und greift meist auf die besten Böden und Wasserressourcen zurück. Diese Knappheit an Land, Wasser, Biodiversität, etc. führt dazu, dass die Eigenversorgung mit Grundnahrungsmitteln in den letzten Jahren drastisch abnimmt. Viele Entwicklungsländer sind zunehmend von Nahrungsmittelimporten abhängig.

Eine Entwicklungsstrategie durch »Rohstoff- oder Agrarexporte« wurde in den letzten Jahrzehnten als der Königsweg propagiert. Sie versprach die gesteigerten Kostenvorteile in der Landwirtschaft und hohe Rohstoffpreise auszunutzen, um mit den Einnahmen Infrastruktur, Energie, Gesundheit und Bildung zu finanzieren. Niedrige Weltmarktpreise für Nahrungsmittel Nahrungsmittel förderten die Illusion man könne mit diesen Einnahmen auch die Ernährung der Bevölkerung sichern. Doch seit 2008 ist dieser Traum ausgeträumt. Die hohen und sehr stark schwankenden Nahrungsmittel- und Rohstoffpreise führten den Ländern ihre Abhängigkeit vom Weltmarkt und die Unsicherheit der Budgetplanung vor Augen. Weder die Armen in den Städten und noch weniger die große- Mehrheit der Landbevölkerung haben davon profitiert.

Im Hinblick auf die Bekämpfung von Armut und Hunger muss hinterfragt werden, ob eine Export-Expansion, auch wenn sie als nachhaltig zertifiziert ist, im Sinne einer ernährungssichernden, landwirtschaftlichen Produktion für die arme ländliche Bevölkerung in den Ländern des Südens zu wünschen und zu unterstützen ist. Letztendlich dient auch sie nur dazu, unsere Versorgung im Norden mit natürlichen Ressourcen abzusichern. Den meisten Zertifizierungen, wie FSC (Forest Stewardship Council) und den Runden Tischen fehlt bereits im Ansatz das Ziel der Armuts- und Hungerbekämpfung. Sie gehen in ihrem Anspruch oft nicht über eine Verringerung der schlimmsten (ökologischen und teilweise sozialen) Probleme hinaus. Auch die wachsende Ernährungsunsicherheit kann durch Zertifizierung nicht erfasst und nicht vermieden werden.

Sind denn die Mengen an zertifizierter Ware überhaupt nachhaltig verfügbar?

Es sind die gleichen Äcker, die gleichen Flüsse und Wälder, die, bisher von bäuerlichen Familien genutzt werden, nun aber von den Investoren in nachhaltige Produktion benötigt werden. Der Zugriff auf das Ackerland aber führt zu neuen ernst zu nehmenden Konkurrenzen, die in Folge auch zu Nahrungsmittelengpässen auf den lokalen Märkten führen können. Nämlich dann, wenn Menschen der Zugang zu den natürlichen Ressourcen geraubt wird oder wenn auf den lokalen Märkten nicht mehr ausreichend Lebensmittel zur Verfügung stehen oder nur zu Preisen, die für die Ärmsten schlicht nicht mehr bezahlbar sind. Zwar lässt sich überprüfen, ob bei der Anlage einer zertifizierten Plantage das Ackerland legal erworben wurde, ob Landkonflikte anhängig sind, oder Regenwald zerstört wurde und damit ausschließen, dass Menschen von ihrem Acker vertrieben, oder ohne ihre Einwilligung umgesiedelt wurden. Doch wird die wachsende Nachfrage nach Agrarimporten aus dem Süden – mit oder ohne Zertifizierung – zu weiteren indirekten Folgen führen. Denn die ursprünglichen Nutzer des Landes werden nun an anderen Orten beginnen zu produzieren, wo sie unter Umständen einen Raubbau an Primärwäldern vornehmen. Im Zuge des Wettlaufs um die natürlichen Ressourcen, wie Land und Wasser haben die besonders Benachteiligten oft das Nachsehen. Nomaden, Hirten, Fischer und Indigene werden in ihren Nutzungsrechten eingeschränkt und sind dann auch Opfer von »politisch korrekten « und zertifizierten Investitionen von landbesitzenden Kleinbauern.

»Die Dosis macht das Gift.« Dies wird in den Diskussionen um Agrotreibstoffe immer wieder deutlich: Denn ob mit oder ohne Zertifizierung, es wird nicht gelingen die steigende Nachfrage nach Agrarprodukten auf nachhaltige Weise zu befriedigen. Bei immer knapper werdenden natürlichen Ressourcen sind vielerorts die Grenzen für eine Produktionserweiterung bereits erreicht oder gar überschritten. Insbesondere dann, wenn immer mehr Energie und Grundstoffe aus Biomasse, Rohstoffe auf Erdölbasis ersetzen sollen. Bioethanol und Biodiesel benötigen jetzt schon zwei Prozent der weltweit verfügbaren Ackerflächen. Die neuen Hoffnungsträger einer »Grünen Technologie« aus nachwachsenden Rohstoffen, wie Biokerosin, Biokunststoff, Baufasern und Schmierstoffe werden diesen Trend fortsetzen.

Partizipation für wen?

Nachhaltigkeitsstandards funktionieren in gewisser Weise wie alle privatwirtschaftlichen Standards, die von Handels- und Industrieverbänden angewendet werden (beispielsweise Standards des Codex Alimentarius, der für die Einhaltung von Hygienestandards sorgt und private Standardnormen wie EUROGAP). Sie führen zu einer dem Agrobusiness genehmen Uniformität der Produkte, der sich alle Produzenten unterwerfen müssen. Da der Vormarsch der Supermärkte auch im Süden voranschreitet, verlieren Kleinproduzenten ihre lokalen Märkte und nur wenige, die in die Standarderfüllung der meist internationalen Handelsketten investieren können, beliefern sie. Alle Anderen müssen auch noch zusehen, wie Billigreste die den Standard nicht erfüllen, sie auch noch von den Straßenmärkten der Armen vertreiben.

Kleinproduzenten können sich die Kosten, die mit der Zertifizierung verbunden sind, oft nicht leisten. Aber auch Landwirte mittelgroßer Betriebe gehen ein hohes Risiko ein. Denn je höher ihre Investition, desto größer die Gefahr durch Markteinbrüche bei nur geringfügigen Nichtstandarderfüllungen. Kurzfristige Erfolgs- und Gewinnbestrebungen aller Beteiligten lassen auch im Geschäft mit zertifizierten Produkten keine Zeit, um die Umwelt der Produzenten langsam und nachhaltig an neue Markterfordernisse anzupassen. Dieses Anliegen wird allein von den Standards des fairen Handels aufgegriffen, die langfristig mit Beratung die Partner unterstützen und die Produzenten an eine soziale, manchmal auch an eine ökologische, Nachhaltigkeit heranführen.

Die Produktionsstrukturen sind mit Ausnahme des fairen Handels meist nicht berücksichtigt. Es werden immer nur das Produkt und die Herstellungsweise zertifiziert; aber nicht ob es von mechanisierten Großbetrieben hergestellt wurde oder in kleinen Strukturen vor Ort. Dagegen wehrt sich beispielsweise die brasilianische Landlosen- Organisation MST. Diese meint, dass Nachhaltigkeit unbedingt die Verteilung der Ressourcen beinhalten müsse, denn sonst gefährde der Anbau in immer größer werdenden Strukturen die Lebensgrundlage der Menschen.

Zertifizierung – nur ein grüner Anstrich?

Seit dem Beginn von Zertifizierungen wird heftig darüber gestritten, was denn unter Nachhaltigkeit verstanden wird. Während die Einen jeden Schritt, den die Industrie sich bewegt, als einen Gewinn ansehen (Statt der Nische soll der Mainstream erobert werden), kritisieren die Anderen, dass dies nur ein grünes Deckmäntelchen sei. Für letztere steht außer Frage, dass man gentechnisch verändertes Soja nicht als »verantwortungsvoll« zertifizieren kann; dass auch Monokulturen, die sich über zehntausende von Hektar erstrecken und große Mengen Pflanzenschutzmittel einsetzen, alles andere als nachhaltig sind. Viele Fragen sind offen: Ist nicht auch eine öko-faire Shrimps-Mast ein Widerspruch in sich? Kann es angesichts der überfischten Meere eine Öko-Aquakultur geben? Schützen Biotreibstoffe zwar das Klima, erzeugen sie aber gleichzeitig Probleme im Bereich des Erhalts von Umwelt und Menschenrechtschutz? Nachhaltigkeitszertifizierungen sind immer nur partiell. Das Wissen um die komplexen Zusammenhänge von Sozial- und Ökosystemen ist begrenzt, und die Wirkungen, die massive Eingriffe haben, sind in Öko- oder Sozialstandards nicht wirklich erfassbar und vorherzusehen.

Was wäre ein Ausweg?

Grundsätzlich muss sich jedes Land, jede Region fragen, in welchem Ausmaß Infrastruktur, Land, Wasser, Energie und Arbeitskraft in die Exportproduktion gehen soll, oder eben in die eigene Nahrungsversorgung und verarbeitende Kleinindustrien eingebracht werden. Den Landwirten, die die Mehrzahl der Hungernden ausmachen, wäre mehr gedient, wenn (…).”

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(Quelle: Forum Umwelt & Entwicklung.)

Indonesien / BRD: Na denn, Prost!

Montag, Juli 2nd, 2012

“Die Spur der Kronkorken

«Saufen für den Regenwald» ist eine der erfolgreichsten Ökoimagekampagnen im deutschsprachigen Raum: Die Krombacher-Brauerei schützt mithilfe des WWF das Klima. Das Imageproblem hat inzwischen der WWF.

Von Bernhard Pötter, Palangka Raya

Bevor am Sonntagabend Mord und Totschlag angesagt ist, gibts noch ein kleines Stück heile Welt: einen paradiesischen See in der Sonne, eine Insel und tiefgrüne Wälder. Zum ARD-«Tatort» wünscht die deutsche Krombacher-Brauerei «spannende Unterhaltung».

Sonne, Wasser und Bäume gibt es auch rund um Franz-Josef Weihrauch. Der Pressesprecher des Bierkonzerns Krombacher steht bis zu den Knien im Schlamm, aus dem Wasser ragen verbrannte Baumstümpfe. Weihrauch steht an einem ganz speziellen Tatort, 11 500  Kilometer südöstlich der ARD-Szenerie: Massakriert worden ist hier der Regenwald. Jetzt ist der Sebangau-Nationalpark im Süden Borneos die Szenerie für die grösste Umwelt- und Werbeaktion im deutschsprachigen Raum. Krombacher, Nummer eins beim deutschen Bier, und der WWF Deutschland, Nummer eins beim Umweltschutz, wollen gemeinsam das Klima schützen. Und ihr Image aufpolieren.

Moore retten in Indonesien

Eine Stunde dauert die Fahrt von Kereng Bengkirai auf dem Sebangau-Fluss bis ins Rasau-Gebiet. Die weite Flusslandschaft sieht aus wie eine grüne Oase. Aber sie ist eine ökologische Trümmerwüste. Hier stand einmal dichter Regenwald, bis die indonesische Regierung Holzlizenzen vergab. Auf einer Fläche fast halb so gross wie die Schweiz wurde das Moorgebiet mit seinem dichten Regenwald entwässert, abgeholzt und niedergebrannt.

Entstanden ist ein gigantischer Klimahotspot: Der Kohlenstoff, der sich über Jahrtausende in den Moorböden angesammelt hat, gast bei Trockenlegung der Gebiete aus. Weltweit steigen aus nur 0,3 Prozent der Landfläche sechs Prozent der menschgemachten Treibhausgase. Und weil überall in Indonesien der Wald für Holz und Palmölplantagen gerodet und die Moorböden trockengelegt werden, ist das Land hinter China und den USA zum drittgrössten Verschmutzer mit Treibhausgasen geworden.

Einen Deckel auf diesen Schlot zu legen, ist relativ einfach, wie Projektleiter Adventus Panda vom WWF Indonesien zeigt. Mitten im Sumpf haben die Umweltschützer eine Holzfällerhütte zu einem Camp umgebaut. Eine Baumschule produziert Setzlinge für die Aufforstung. Auf der Terrasse bewirtet der WWF prominente Gäste wie Arnold Schwarzenegger oder Ban Ki-Moon. Hier können sie den Damm bestaunen, den Panda und seine Helfer in den zehn Meter breiten Entwässerungs­kanal getrieben haben. «Im ganzen Gebiet haben wir 500 Dämme gebaut und den Wasserpegel um einen Meter gehoben.»

Mehr Wasser heisst weniger CO2-Emissionen. Bisher sind das nach WWF-Berechnungen 260 000  Tonnen. Und das zu einem unschlagbaren Preis: Die vermiedene Tonne CO2 in Sebangau kostet etwa 1,50 Euro. Im europäischen Emissionshandel zahlt man dafür sieben Euro, bei Wärmedämmung an Fassaden etwa fünfzig Euro. Um diesen Effekt fürs Klima sicher belegen zu können, leisten sich WWF und Krombacher ein Zertifizierungsverfahren vom deutschen Sicherheitsprüfer Tüv. Tatsächlich gilt die Wiedervernässung von Mooren als eine der günstigsten Massnahmen zum Klimaschutz.

Mehr als ein Greenwashing?

Deutschland ist zur Fussball-EM mit Krombacher-Plakaten gepflastert. Die Kooperation mit dem WWF läuft bereits seit zehn Jahren. Sechs Millionen Euro haben die Brauer als Klimadividende bisher gespendet. «Saufen für den Regenwald», wie das Programm gern bespöttelt wird, begann 2002 in Zentralafrika. Im Dzanga-Sangha-Gebiet, so warb damals TV-Star Günther Jauch, wurde für jeden verkauften Kasten Krombacher ein Quadratmeter Regenwald geschützt. Für die Bier­brauer ein Erfolg, der sich in steigendem Absatz ausdrückt, wie Pressesprecher Weihrauch sagt. Nun will man den erfolgreichen Imagetransfer vom Panda zum Bier im Projekt in Indonesien fortsetzen. Hier ist Klimaschutz dringend nötig – und deutlich billiger: Pro Flasche ein Quadratmeter, verspricht jeder Krombacher-Kronkorken während der Fussball-EM.

Eine ähnlich lukrative Kooperation kann der WWF Schweiz nicht vorweisen. Er lässt sich von der Zürcher Kantonalbank die Jugendarbeit sponsern und bringt Grossunternehmen wie Coop, Migros, Ikea, Swisscom oder die Post in der WWF Climate Group zusammen. Bis zu 150 000  Franken im Jahr zahlen sie dafür, WWF-Wissen und Panda-Logo nutzen zu dürfen. Seither, heisst es vom WWF Schweiz, hätten die Unternehmen ­ihren CO2-Ausstoss um 21 Prozent gesenkt.

Eine solche Vereinbarung gab es zwischen Krombacher und WWF Deutschland nie. Als das Projekt startete, war es eine reine Imagekampagne. «Klassisches Greenwashing», so Jana Gebauer vom Institut für ökologische Wirtschaftsforschung in Berlin: Der Werbung standen keine Ökoanstrengungen des Bierbrauers gegenüber.

Aber dann begann das Greenwashing, das Unternehmen grün durchzuspülen. Kaum bewarb Krombacher sein grünes Image, flatterten Zehntausende Briefe und E-Mails ins Haus: «Was macht ihr eigentlich für die Umwelt in eurem Unternehmen?» Da fehlten ­ihnen erst mal die Antworten, sagt Weihrauch. Nun kann er liefern: Die Brauerei setzt auf Mehrweg statt auf Dosen, hat auf Ökostrom umgestellt, ihren Verbrauch an Energie und Wasser reduziert und einen Ökofussabdruck für ihr Bier errechnen lassen. Ausserdem hat sie einen «Nachhaltigkeitsrat» mit Experten – darunter einen vom WWF – ­berufen.

«Für einen Einsteiger ganz gut», kommentiert Jana Gebauer den ersten Nachhaltigkeitsbericht von Krombacher aus dem Jahr 2011. «Allerdings ergibt das noch kein Bild, wie das gesamte Unternehmen Richtung Nachhaltigkeit steuert.» Auch zur Verantwortung gegenüber den Beschäftigten werde nicht viel gesagt. Und warum setze die Brauerei nicht auf Ökorohmaterial? «Wir brauchen 90 000  Tonnen Gerste im Jahr, die bekommt man nicht in Ökoqualität», so Weihrauch. «Krombacher könnte ja als Nachfrager auftreten und den Markt dafür schaffen», kontert Gebauer. Positiv ist für sie allerdings, wie das Klimaschutzengagement vom Marketingtrick zum Strukturwandler für das Unternehmen geworden ist. «Das war und ist ein langer Lernprozess.»

Schlechtes Image – gute Geschäfte

Auch für den WWF. Die Negativschlagzeilen um die weltgrösste Umweltschutzorgani­sation reissen nicht ab: Der spanische König Juan Carlos, WWF-Ehrenvorsitzender, jagte kürzlich Elefanten. Und das «Schwarzbuch WWF» bezichtigt den WWF des Greenwashings für multinationale Konzerne und deren Umweltzerstörungen (vgl. «Haie zu Vegetariern» im Anschluss an diesen Text). Christoph Heinrich, beim WWF Deutschland als Geschäftsleiter Naturschutz tätig, verteidigt die Politik des WWF auf einer langen Fahrt über die hals­brecherischen Stras­sen von Borneo: Wer wirklich etwas verändern wolle, sagt er, schaffe das nur mit, nicht gegen die Unternehmen. Auch der Vorwurf, der WWF sei zu wirtschaftsfreundlich, gelte heute nicht mehr. «Im Gegenteil: Wir stören den Export der indonesischen Papierkonzerne APP und April nach Deutschland, weil sie sich hier nicht an die Regeln halten.»

Ausserhalb des Sebangau-Projekts muss sich der WWF in Indonesien viel Kritik anhören. Überall roden Konzerne den Regenwald für Palmölplantagen, vertreiben die Einheimischen mit Gewalt und dezimieren die Orang-Utan-Bestände. Während die lokale Umweltorganisation Walhi, Greenpeace oder Robin Wood zum Widerstand aufrufen, rief der WWF den «Runden Tisch für nachhaltiges Palmöl» ins Leben, an dem auch die Regenwaldkiller sitzen. Laut Heinrich «die einzige Chance, Schlimmeres zu verhüten». Arie Rompas von Walhi: «Der WWF kooperiert mit den Firmen, die den Wald zerstören. Er hilft ihnen, ihre Produkte grünzu­waschen.»

Probleme mit dem Image hat inzwischen eher der WWF als Krombacher. Umso mehr freut sich die Organisation über einen Finanzier, der nicht nur verlässlich Geld gibt, sondern auch selbst ein bisschen grüner wird. Mit dem Vorzeige­projekt wirbt der WWF grossflächig im Jahresbericht. Darin lobt der Krombacher-Geschäftsführer, das «faszinierende Naturschutzprojekt» sei ein «Meilenstein für modernes Marketing». In der Tat: Der Imagetransfer funktioniert in beide Richtungen. Erst hat der Panda den Brauern geholfen, ihr Bier grün erscheinen zu lassen. Jetzt hilft der Sponsor mit seinem Projekt dem WWF, Kritik am Panda zu kontern.

Weniger Unterstützung, mehr Geld

Krombacher jedenfalls denkt schon an die nächste Runde im grünen Marketing, denn die Kooperation mit dem WWF ist auf dreissig Jahre angelegt. Die Einsparungen im indonesischen Moor sollten locker reichen, um die Bierproduktion in Deutschland klimaneutral zu machen. Das Engagement soll also bleiben, auch wenn ab 2013 die Krom­bacher-Werbung vor dem «Tatort» ausläuft.

Und der WWF hat erst recht ein Motiv, die lukrative Krombacher-Connection fortzuführen. Er baut auf die Treue seiner kleinen und grossen SpenderInnen. Als im letzten Jahr nach Wilfried Huismanns Fernseh­doku «Der Pakt mit dem Panda» die Vorwürfe gegen den WWF laut wurden, verlor dieser in Deutschland etwa 2000 von 430 000  UnterstützerInnen. Aber die Einnahmen waren 2011 mit gut 50 Millionen Euro so hoch wie noch nie.

Die Pressereise nach Indonesien wurde vom WWF und von Krombacher organisiert.



«Schwarzbuch WWF»

«Haie zu Vegetariern»

Der WWF ist eine der weltweit grössten Lobby­organisationen – für die Umwelt, dachte man bislang. Seit der deutsche Reporter Wilfried Huismann seine Recherchen über «die dunkle Seite des Panda» 2011 als Dokumentarfilm im Fernsehen und im Kino sowie jüngst auch als Buch veröffentlicht hat, zeigt sich immer deutlicher, wie mächtig und in der Tat dunkel das Lobbying des Umweltschutz­riesen ist: Im April hat der WWF ein Sende­verbot gegen «Der Pakt mit dem Panda» erwirkt. Zeitgleich hat er mit einer einstweiligen Verfügung gegen das «Schwarzbuch WWF» massiven Druck auf Verlag, Grossverteiler und Buchhandlungen ausgeübt. Obwohl das Landgericht Köln am 15. Juni zugunsten von Huismann entschieden hat, führen in der Schweiz Thalia und Buch.ch sein Buch noch immer nicht in ihren virtuellen Regalen.

Natürlich ist Huismanns Schwarzbuch eine Polemik. Er zeichnet den WWF als elitäre Organisation mit mangelnder Transparenz im Umgang mit Spenden sowie bezüglich seines Clubs der 1001, eines «elitären Old-Boys-Netzwerks mit viel Einfluss in der Welt der multinationalen Konzerne». Das hilft, wenn man sich zum Ziel setzt, Verträge mit jenen Grosskonzernen abzuschliessen, welche die wichtigsten Rohstoffe der Erde kontrollieren. «Der WWF schwimmt mit den Haien, in der Hoffnung, sie mit seinen moralischen Appellen in Vegetarier zu verwandeln.»

So betreibt der WWF laut Huismann ein «Greenwashing» sondergleichen: Mit seinen Labels für «verantwortungsvolle Soja» und «nachhaltiges Palmöl» hängt er der Vernichtung des Regenwalds und der Vertreibung der UreinwohnerInnen ein grünes Mäntelchen um, und sein «Aquaculture Stewardship Council»-Label soll Lachs-Mastanlagen als nachhaltig qualifizieren – was kompletter Unsinn ist.

Ob die 260 000  Mitglieder des WWF Schweiz das weiter unterstützen wollen?

Franziska Meister


Dieser Artikel wurde ermöglicht durch den Recherchierfonds des Fördervereins ProWOZ. Dieser Fonds understützt Recherchen und Reportagen, die die finanziellen Möglichkeiten der WOZ übersteigen. Er speist sich aus Spenden der WOZ-LeserInnen.

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(Quelle: WOZ.)

Malaysia: Fichtner GmbH & Co. KG, Stuttgart

Dienstag, Juni 19th, 2012

“German engineers plan to flood the rainforest of Borneo

Sarawak’s natives demand the pull out of German Fichtner GmbH & Co. KG from controversial dam project in Malaysia

(BARAM, MALAYSIA / STUTTGART, GERMANY) The consultancy company Fichtner GmbH & Co. KG from Stuttgart has come under international pressure due to their involvement in a controversial dam project in the rainforest of Borneo. In a letter addressed to the company’s founder and chairperson Georg Fichtner, natives from the rainforest of Sarawak are demanding the immediate halt of all activities of Fichtner related to Baram dam.

The Swiss Bruno Manser Fund as well as five other environmental and human rights organizations from Germany and Switzerland support the demand and criticize Fichtner for its close cooperation with power supplier Sarawak Energy, in charge of the implementation of the dam. Sarawak Energy is known for its non-compliance with international social and environmental standards and indigenous rights in the context of the dam project. Copies of the letter have also reached German authorities.

1,200 MW Baram dam would flood a rainforest area of at least 400km2 and displace 20,000 indigenous people. The affected communities have been fighting the construction of the dam with letters and protests. The government of Sarawak, however, denies the local people basic information about the dam and participation, which contravenes international standards such as the UN Declaration on the Rights of Indigenous Peoples.

Fichtner was hired by Sarawak Energy to do feasibility studies for the Baram dam project. Access to the results of these studies has been denied to the affected communities. The local resistance movement, the SAVE Rivers Network, is now directly appealing to Fichtner and wants to bring the non-compliance with international transparency standards to their attention. In addition, the natives point to the already existing power glut in Sarawak, which renders further dams superfluous. The 20,000 affected people vehemently oppose the construction of the Baram dam and the associated resettlement.

The Bruno Manser Fund therefore calls on Fichtner to immediately publish all studies done for Sarawak Energy and to withdraw from the project. Fichtner is jointly responsible for an open and fair information policy towards the affected people and for the acceptance of their rejection of the proposed Baram dam.

– Ends –

Sign the online petition against the disaster dams in Sarawak: www.stop-corruption-dams.org

Please consult us for further information:
Bruno Manser Fund, Socinstrasse 37, CH-4051 Basel / Switzerland
www.bmf.ch, www.stop-corruption-dams.org
Tel. +41 61 261 94 74. Follow us on twitter: @bmfonds
Facebook: http://www.facebook.com/pages/Bruno-Manser-Fonds/171047506268040

 

(Quelle: Stop Corruption Dams.)

Brasilien: Belo Monte

Donnerstag, Juni 14th, 2012

“Offener Brief des Movimiento Xingu Vivo para Sempre an Europäische Zivilgesellschaft

12. Juni 2012 Heute erhielten wir diesen offenen Brief des Mo­vi­men­to Xingu Vivo para Semp­re ("Bewegung lebendiger Xingu für Immer"), in dem sie sich an die Europäische Zivilgesellschaft wenden und uns bitten gegen den Europäischen Firmen aktiv zu werden. (…)

 

Liebe Freunde,

Im Namen der Bewohner des Beckens des Rio Xingu, eines der wichtigsten und mit der größten Biodiversität im brasilianischen Amazonas, schreiben wir Euch mit der Bitte um Hilfe und Solidarität bei einem der größten Kämpfe unserer Geschichte: dem Widerstand gegen das Stauwerk Belo Monte. Als größtes Infrastrukturprojekt der brasilianischen Regierung ist es gleichzeitig das problematischste. Seine Auswirkungen auf die Umwelt sind die Austrocknung von 100 km Flusslauf, die Vernichtung zahlloser Sorten von Fischen und Schildkröten , die hemmungslose Abholzung der Region und die Aussicht auf Epidemien von Denguefieber und Malaria wegen der Trockenlegung des Flusses.

Schon jetzt sind die sozialen Auswirkungen immens. Tausende Menschen wurden bereits aus ihren Häusern oder von ihren Grundstücken vertrieben ,- man rechnet mit mehr als 40.000 ,– zwei indigene Dörfer in der Schleife, wo der Fluss unterbrochen wird, werden ihre Lebensgrundlage verlieren, die indigenen Kinder leiden bereits an Unterernährung aufgrund der Umstellung ihrer Nahrung (sie essen nur noch Fertigprodukte, die das Unternehmen verteilt) ,- die Gewalt in den Städten nimmt in exponentieller Weise zu sowie die Prostitution und die sexuelle Ausbeutung von Kindern und Jugendlichen.

Und was hat Europa mit all dem zu tun? Voith Hydro, Münchner Rück, Andritz und andere europäische Unternehmen sind beteiligt am Bau von Belo Monte und verdienen an der Zerstörung der Wälder und dem Leben der Völker am Xingu.

Hier in Brasilien ist der Kampf gegen Belo Monte an den Unfern des Flusses und in den indigenen Dörfern schon ungewöhnlich und wir haben wenig Kraft, auch noch gegen die europäischen Giganten anzutreten. Deshalb brauchen wir Euch um uns zu helfen. Unser Aufruf geht an Euch als unsere Mitstreiter. Gemeinsam werden wir mehr erreichen und können den Bau von Belo Monte verhindern.

Wir bedanken uns schon jetzt für Eure Solidarität.

Antônia Melo
Koordinatorin der Bewegung „Xingu Vivo Para Sempre“”

 

(Quelle: GegenStrömung.)

Siehe auch:

Belo Monte

BRD: Greenwashing bei Lufthansa

Donnerstag, Juli 14th, 2011

“Lufthansa tankt Regenwald

Fliegen kostet besonders viel Sprit und schadet der Umwelt. Die Lufthansa allein verbraucht pro Tag 30 Millionen Liter Kerosin auf Erdölbasis und bläst dabei massenhaft klimaschädliche Abgase in die Erdatmosphäre. Mit „Biosprit‟ will die Fluglinie ihren schädlichen Emissionen nun einen grünen Anstrich verpassen. Burnfair – gerecht verbrennen – nennt sie ihr Pilotprojekt, das vom Bundeswirtschaftsministerium mit 2,5 Millionen Euro Steuergeldern gefördert wird.

Wie viele Studien brauchen Politiker und Konzerne noch um zu begreifen: Wenn man Treibstoffe aus Pflanzen gewinnt, heizt man das Klima an, weil für die Plantagen Tropenwälder und Savannen gerodet werden. Man vertreibt Millionen von Menschen, rottet Tier- und Pflanzenarten aus und vergiftet Böden und Gewässer mit Pestiziden. Man verschärft den Hunger in der Welt, weil auf den Ackerflächen Energiestatt Nahrungspflanzen wachsen.

Es sind alles bekannte Fakten, doch sie werden von den Entscheidungsträgern ignoriert selbst wenn sie aus den eigenen Reihen kommen. So belegen gleich vier neue von der EU beauftragte Expertenstudien, dass Biotreibstoffe klar die EU-Klimaziele verfehlen. Die Studien waren durchgesickert und wurden am vergangenen Freitag durch die Nachrichtenagentur Reuters zitiert. Darin steht unter anderem: „Biodiesel aus asiatischem Palmöl, aus südamerikanischem Soja und europäischem Raps haben alle insgesamt größere schädliche Auswirkungen auf das Klima als herkömmlicher Diesel.

Auch die Lufthansa schlägt alle wissenschaftlichen Erkenntnisse in den Wind. Ab dem 15. Juli soll ein Airbus 321 der Lufthansa viermal täglich zwischen Hamburg und Frankfurt mit sogenanntem Biosprit fliegen. Sechs Monate wird dabei hoch in der Luft ein Gemisch aus Kerosin, Pflanzenölen und Tierfetten im regulären Linienbetrieb getestet. „Wir wollten ursprünglich Jatrophaöl einsetzen‟, sagt Joachim Buse, Lufthansa-Vizepräsident für den Bereich Biokraftstoff. „Doch die für den Testbetrieb benötigten 800 Tonnen haben wir nicht zusammenbekommen. Deshalb starten wir zunächst mit einem Gemisch aus Palmöl, Jatrophaöl und tierischen Fetten.‟ Das war am 11. März, als die Lufthansa noch auf die Zulassung des Kerosin-Gemisches für den Linienbetrieb warten musste. Inzwischen liegt die Genehmigung vor – aber welche Pflanzenöle jetzt tatsächlich beteiligt sind und woher sie stammen – dieses Geheimnis will die Kranich-Linie erst zum Start lüften.

Klimafreundlicher Sprit ist eine Illusion. Die Alternative heißt: weniger fliegen! Rettet den Regenwald fordert das Unternehmen und das Bundeswirtschaftsministerium dazu auf, das Agrosprit-Projekt sofort einzustellen.

Nach den Lufthansa-Plänen sollen im Jahr 2025 alle Flugzeuge bereits mit 50 Prozent Agrosprit verkehren. Dazu hat die Fluglinie schon mal die benötigten Anbauflächen durchgerechnet: Für Mais betrüge die Anbaufläche 474.000 Quadratkilometer (entspricht den Landesflächen von Deutschland, Österreich und der Schweiz), bei Raps 68.000 km² (entspricht der Fläche Bayerns), für Jatropha 43.000 km² (fast so groß wie Niedersachsen) und bei Palmöl 14.000 km² (fast die Größe Thüringens). Die Zahlen machen deutlich: Die Pläne sind völlig unrealistisch.

Projektpartner und Lieferant des Agrosprits ist der finnische Konzern Neste Oil, der Gewinner des diesjährigen „Public-Eye-Award‟. Mit diesem alljährlich von Umwelt- und Menschenrechtsorganisationen verliehenen Antipreis für die weltweit größten Zerstörer war Neste Oil parallel zum Weltwirtschaftsforum in Davos am 28. Januar ausgezeichnet worden. Denn der Konzern will den europäischen Markt mit seinem neuen Kraftstoff überschwemmen und setzt vor allem auf Palmöl, das Hauptverursacher der Regenwaldrodung und Landvertreibungen in Südostasien ist. Im November 2010 hat Neste in Singapur die mit 800.000 Tonnen Jahresproduktion größte Palmöldieselraffinerie der Welt eröffnet. Zwei ähnliche Anlagen befinden sich in Rotterdam und bei Helsinki im Bau.”

 

(Quelle: Rettet den Regenwald.)

Hinweis

● Der Online-Petiton gegen das „burnfair‟-Projekt können Sie sich hier anschließen.