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BRD: A Rose Is A Rose Is A Rose?

Samstag, Januar 28th, 2012

“Blumengütesiegel Flower Label Program (FLP) vor dem Aus

Köln, Frankfurt, Osnabrück, Stuttgart, Wien, Herne 3. Januar 2012. Mit Wirkung zum 31. Dezember 2011 sind FIAN Deutschland, FIAN Österreich, Brot für die Welt, terre des hommes und das Eine Welt Zentrum Herne als Nichtregierungsorganisationen (NRO) und die IG Bauen-Agrar-Umwelt (IG BAU) als Gewerkschaft aus dem Flower Label Program e.V. (FLP) ausgetreten. Die Organisationen sahen sich dazu durch die Entwicklungen im letzten Jahr und den Zustand des FLP e. V. am Jahresende 2011 gezwungen. Sie ziehen die erforderliche Konsequenz aus den inhaltlichen Veränderungen des Vereins und dem finanziellen Zusammenbruch des Gütesiegels.

FLP war im letzten Jahr wirtschaftlich nicht mehr tragfähig, die Büros in Köln und Quito (Ekuador) wurden bereits geschlossen. Grund dafür war eine große Zahl von Austritten und Dezertifizierungen von FLP-Betrieben. NROs und Gewerkschaften konnten sich gegenüber Produzenten und Händlern nicht mit dem Vorschlag durchsetzen, FLP in Fairtrade zu überführen. Bislang sind Fairtrade-Schnittblumen in Deutschland in verschiedenen Supermärkten zu kaufen und sollen im Laufe des Jahres auch bei Floristen angeboten werden. In Österreich bieten neben Supermärkten auch Floristen bereits Fairtrade-Schnittblumen an.

“Da FLP aufgrund fehlender Finanzen nicht mehr handlungsfähig ist, besteht die Gefahr, dass das Label missbraucht wird. Unternehmen können damit werben, ohne dass tatsächlich geprüft wird, ob sie FLP-Standards einhalten.”, so Joachim Vorneweg von der Menschenrechtsorganisation FIAN. Die Zertifizierung durch FLP basiert auf dem internationalen Verhaltenskodex (ICC, International Code of Conduct) für die Schnittblumenproduktion. Er war von den beteiligten NROs, Gewerkschaften, Produzenten und Handel gemeinsam entwickelt worden und setzt seit 1998 klare Maßstäbe. Der ICC enthält Arbeits-, Sozial- und Umweltkriterien, die auf den UNO-Menschenrechtspakten, den relevanten Konventionen der Internationalen Arbeitsorganisation (ILO) und Umweltnormen beruhen. FLP hat damit für rund 20.000 ArbeiterInnen in Schnittblumen-Plantagen in Afrika, Asien und Lateinamerika bessere Arbeitsbedingungen durchgesetzt, wie etwa feste Arbeitsverträge, Mutterschutz, Arbeits- und Gesundheitsschutz. Das ist ein klarer Verdienst derjenigen Organisationen, die mit Bedauern heute nicht mehr ihren Platz im FLP haben.

FIAN, Brot für die Welt und terre des hommes werden sich weiterhin im Rahmen ihrer Arbeit für soziale Rechte im Blumensektor stark machen. Auch die IG BAU unterstützt in Zukunft die Siegelung durch den Fairen Handel. Die vier Organisationen fordern KonsumentInnen dazu auf, sich beim Kauf für Fairtrade zertifizierte Blumen und Pflanzen zu entscheiden.

Kontakt:

FIAN Deutschland: Joachim Vorneweg, u.hausmann [at] fian.de, Telefon +49 172 8063877

FIAN Österreich: Sophie Veßel, sophie.vessel [at] fian.at, Telefon +43 01 235023912

IG BAU: Sylvia Honsberg, sylvia.honsberg [at] igbau.de, Telefon +49 171 7423450

terre des hommes: Michael Heuer, m.heuer [at] tdh.de, Telefon: +49 541 7101145

Eine Welt Zentrum Herne: Martin Domke ewz-info [at] kk-ekvw.de, Telefon +49 2323 994970

Weitere Informationen:

Ausführliche Stellungnahme von FIAN Deutschland zum Austritt aus dem Flower Label Program

 

(Quelle: FIAN Deutschland e.V.)

BRD: Die 3. Welt im 2. Weltkrieg (AUSSTELLUNG)

Donnerstag, September 22nd, 2011

“Ein vergessenes Kapitel der Geschichte

 

2wk

 
Millionen Soldaten aus Afrika, Asien und Ozeanien haben im Zweiten Weltkrieg gekämpft, um die Welt vom deutschen und italienischen Faschismus sowie vom japanischen Großmachtwahn zu befreien. Sowohl die faschistischen Achsenmächte als auch die Alliierten rekrutierten in ihren Kolonien Hilfstruppen und Hilfsarbeiter oftmals mit Gewalt. Hunderttausende Frauen waren Opfer sexueller Gewalt. Rekruten aus den Kolonien mussten sich mit weniger Sold, schlechteren Unterkünften und geringeren Kriegsrenten als ihre “weißen Kameraden” zufrieden geben. Weite Teile der sogenannten Dritten Welt dienten auch als Schlachtfelder und blieben nach Kriegsende verwüstet und vermint zurück.
Doch so gravierend die Folgen des Zweiten Weltkriegs in der sogenannten Dritten Welt auch waren, in der hiesigen Geschichtsschreibung kommen sie nicht vor.
Dies zu ändern ist das Ziel dieser Ausstellung, die vom Rheinischen JournalistInnenbüro in Köln und vom gemeinnützigen Verein Recherche International e. V. getragen wird und in Essen von der Volkshochschule sowie von EXILE Kulturkoordination e. V. präsentiert wird.
Die Ausstellung umfasst historische Fotos und Dokumente mit erläuternden Texten sowie Hör- und Filmstationen.

Ausstellung und Begleitprogramm
vom 22. September bis 13. November 2011
Volkshochschule Essen, Burgplatz 1
Ausstellungsfoyers 2., 3. und 4. Etage

 

Öffnungszeiten:
22. September bis 13. November 2011, montags bis freitags sowie
am Samstag, 8. Oktober und 12. November, jeweils 9 bis 21 Uhr,

Sonntag, 9. Oktober und 13. November, 9 bis 18 Uhr

 

‣ Den Flyer (PDF) zur Ausstellung erhalten Sie hier.

‣ Eine begleitende Internetseite liefert weitere Informationen.

Siehe auch:

Geschichte der “Geschichtslosen”

Swasiland: Coca-Cola isn’t it!

Montag, September 12th, 2011

“Living on the Coke side of life

Von Peter Kenworthy

Coca-Cola ist nicht nur eine der größten und reichsten Firmen der Welt, sondern auch eine der bekanntesten. Weniger bekannt dürfte hingegen die verzweifelte Situation der von Armut geplagten Zuckerrohrarbeiter in den Feldern von Swasiland sein, die die wichtigste Zutat der Afrikanischen Cola ernten. Ihre Notlage scheint nicht berichtenswert. Dabei leben sie unter einem brutalen und repressiven Regime der absoluten Monarchie, in dem König Mswati III und eine kleine Elite in Luxus schwelgen, während der größte Teil der Bevölkerung in erbärmlicher Armut existieren muss.

Über eine Milliarden Flaschen Coca-Cola werden weltweit jeden Tag konsumiert, was der Firma jedes Jahr gewaltige Gewinne einbringt (2005 waren es über 15 Mrd. Euro). Seit dem Rückgang des Wachstums der westlichen Märkte zielt Coca-Cola immer stärker auf die Märkte der Entwicklungsländer ab, nicht zuletzt auf den afrikanischen. Das Wachstumspotenzial ist bedeutend höher und der Wettbewerb weniger scharf. „Die Wirtschaft wächst, aber nirgendwo wächst sie schneller als in Asien und Afrika“, betont Mutha Kent, Verwaltungsratsvorsitzender, im Coca-Cola-Jahresbericht 2010.

Coca-Cola kann überall in Afrika gekauft werden. Die Firma ist einer der größten Arbeitgeber des Kontinents und unterhält über 160 Fertigungsanlagen mit fast 70.000 Angestellten. Ich habe Coca-Cola schon in den abgelegensten Dörfern gesehen, als ich vor 15 Jahren im östlichen Monze-Distrikt des ländlichen Sambia unterwegs war, und die Versorgung mit dem Getränk ist seitdem nicht schlechter geworden. „In den größten Teilen Afrikas muss niemand überzeugt werden, Cola zu trinken und nicht Pepsi“, sagt Constance Hays, Autorin des Buchs Truth and Power at the Coca-Cola Company. „Aber die Menschen, die so gut wie kein Geld haben und deren Ernährungs- und Gesundheitssituation sich äußert kritisch gestaltet, müssen davon überzeugt werden, ihre letzten Rand oder Schillinge aus der Tasche zu ziehen und sie für Coca-Cola auszugeben.“ Coca-Cola hatte deswegen in den letzten Jahren nicht nur auf die Wirtschaft vieler afrikanischer Länder einen großen Einfluss, sondern auch auf deren Einwohner. In Swasiland generiert Coca-Cola über 40 Prozent des BIP.

Coca-Colonisierung
Die wichtigste Zutat der Coca-Cola, die in Afrika und Teilen Asiens und Australiens konsumiert wird, stammt aus einer riesigen industriellen Fabrik in Mapatsa, Swasiland. Gründe für die Standortwahl waren für die Firma vor allem günstige Steuervereinbarungen sowie das große, stets verfügbare Reservoir an billiger Arbeitskraft und Rohrzucker.

„Coca-Cola kann Swasiland erpressen, wann immer sie Lust darauf haben. Wenn sie ihren Kopf nicht durchsetzen können, dann müssen sie nur damit drohen, ihr Geschäft woanders hin zu verlagern“, erklärt Richard Rooney, ein ehemaliger außerordentlicher Professor der Universität von Swasiland. Und wenn Coca-Cola Swasiland nicht bestraft, dann werden andere es tun. Die liberale Politik der Marktöffnung, die Swasiland eingeführt hat, wirkt selbstverstärkend, da jeder Versuch, sie umzukehren, umgehend vom Markt selbst geahndet wird. Man könnte also sagen, dass Swasiland quasi „Coca-Colonisiert“ worden ist. Nicht, dass Swasilands absolutistischer Herrscher Mswati III gezwungen werden müsste: Ihm wird nachgesagt, gute Beziehungen zur Firma zu unterhalten und das Hauptquartier in Atlanta jährlich zu besuchen. Mswati hat auch dafür gesorgt, dass die immer lauter werdenden Rufe nach Menschenrechten und sozioökonomischer Gerechtigkeit dem Geschäft nicht in die Quere kommen.

Die englische Organisation War on Want, die gegen Armut kämpft und sich für Menschenrechte einsetzt, klagt Coca-Cola in einem Report an, den lokalen Kommunen das Wasser zu entziehen und die Brunnen von Landwirten zum Austrocknen zu bringen, da große Mengen an Wasser für die Produktion in den Fabriken benötigt würde. „Es braucht fast drei Liter Wasser, um einen Liter Coca-Cola herzustellen. Das zerstört die lokale Landwirtschaft.“

Darüber hinaus wirft ein Report des Human Resource Certification Institutes (HRCI) Coca-Cola und seinen Zweiggesellschaften vor, an zahlreichen Fällen von „Verletzung elementarer Menschenrechte“ beteiligt zu sein wie zum Beispiel gewaltsames Vorgehen gegen Gewerkschaften oder diskriminierende Praktiken.

Die transnationalen Wohltäter?
Coca-Cola sieht sich selbst allerdings gerne in einem anderem Licht: als altruistischer Akteur in Afrika, der vor allem durch seine „Coca-Cola-Afrika-Stiftung“ viel Gutes tut. Schirmherr ist König Mswati III.

„Jedes Gut, dass wir für uns selbst sichern, ist nicht sicher, bis es für alle gesichert ist. Das ist der Grundsatz der Coca-Cola-Afrika-Stiftung“, kann man auf der Website der Stiftung nachlesen. Geschäftsführer Fanus Nothnagel betonte 2009 in einem Interview zum Thema Nachhaltigkeit, dass man bedürftige lokale Gemeinden unterstützen würde, um etwas zurückzugeben. Im Jahresbericht 2010 wird betont, das Coca-Cola „eine tiefe Verantwortung dafür empfindet, dass alle Firmentätigkeiten greifbare und konkrete Werte für die Gemeinden, die wir betreuen, schaffen. Es soll ein positiver Unterschied geschaffen werden.“ Die Stiftung spendet auch medizinisches Equipment an die swasische Regierung, unterstützt Gemeindeprojekte, die sich für Bildung einsetzen, und initiierte im letzten Jahr ein „Wasserentwicklungsprojekt“.

Der eigentliche Punkt aber ist die Tatsache, dass Coca-Cola aller Wahrscheinlichkeit nach deswegen in Swasiland ist, weil es eine Diktatur ist, die die Opposition und die Bevölkerung im Allgemeinen unterdrückt. Das sorgt dafür, dass die Löhne niedrig bleiben und die Arbeitslosigkeit hoch. Coca-Cola scheint zweifelsfrei glücklich zu sein mit seiner Beziehung zur autokratischen swasischen Regierung. So drückte Thembinkosi Thwala, einer der Manager der Stiftung, noch letztes Jahr gegenüber Swasilands Premierminister Sibusiso Dlamini seine „aufrichtige Anerkennung für das Königreich Swasiland“ aus und betonte, man freue sich auf eine Fortführung der soliden Beziehungen.

Die Armut der Zuckerrohrarbeiter
Diese „soliden Beziehungen“ machen die „positiven Unterschiede in den Gemeinden“, in denen Coca-Cola arbeitet, anscheinend erst möglich. Dass dies aber nicht die bedrängten Zuckerrohrarbeiter einschließt, wurde mir bei einem Besuch der Zuckerrohrfelder im östlichen Swasiland im September 2010 nur allzu deutlich. „Zuckerrohrschneiden ist Knochenarbeit, und Unfälle gehören zur Tagesordnung“, war das Fazit eines Human Rights Watch-Berichts von 2004. „Von allen landwirtschaftlichen Tätigkeiten ist Zuckerrohrschneiden die gefährlichste.“

Dies trifft zweifelsohne auch auf die Zuckerrohrarbeiter in Swasiland zu. Die Gegend, die ich besucht habe, Vuvulane, wird von der VIF (Vuvulane Irrigated Farms) gemanagt. Die Zuckerrohrfelder hingegen stehen unter der Aufsicht des Water and Agricultural Development Enterprise und der Royal Swasiland Sugar Corporation, die die Felder an Farmer vermieten, die dann wiederum eigene Arbeiter anstellen. In einer kleinen Stadt in Vuvulane arbeiten die meisten Erwachsenen auf den Zuckerrohrfeldern und verdienen damit um die 400-550 Rand monatlich. „Das reicht nicht aus, um Medizin, richtiges Essen und die Schulgebühren unserer Kinder zu bezahlen“, erzählt mir einer der Dorfbewohner. „Manchmal essen wir tagelang nichts. Wir hatten früher unsere eigenen kleinen Gemüsegärten, aber die wurden von der Zuckerfirma konfisziert. Manchmal fischen wir auch in dem nahe gelegenen Staudamm, aber nur Abends, wenn es dunkel ist. Wenn wir erwischt werden, werden wir eingesperrt, da der Damm ebenfalls Eigentum der Zuckerfirma ist“, berichtet mir ein anderer Bewohner. So gut wie keines der Kinder im Dorf, die in kaputten und zerrissenen Sachen herumlaufen und einen unterernährten Eindruck machen, geht zur Schule, und viele der Dorfbewohner empfangen Nahrungsmittelhilfen. Darüber hinaus wird die Wasserversorgung von einer privaten Firma kontrolliert, die die Versorgung stoppt, wenn nicht rechtzeitig gezahlt wird.

Firmen wie Coca-Cola behaupten immer, sie wüssten von nichts, wenn es um die Verletzung von Menschenrechten geht, die durch ihre Produktion verursacht werden. „Die Richtlinien der Firma werden für die direkten Zulieferer der Firma stets angewandt“, teilte Coca-Cola Human Rights Watch 2004 mit. Dieses Argument überzeugt allerdings nicht; es ist vergleichbar mit einer Person, die Sachen auf der Straße kauft, obwohl sie weiß, dass sie gestohlen sind. Leider werden diese Umstände auch noch von den Medien gestützt. Die swasischen Medien, die unbeeinflusst über wichtige Themen wie die immense Macht der Firma Coca-Cola oder die katastrophalen Lebensbedingungen der Zuckerrohrarbeiter berichten sollten, veröffentlichen überschwänglich positive und unkritische Berichte über die Aktivitäten der Firma. So berichtete die The Times of Swasiland am 21. Mai diesen Jahres in einem der typischen Artikel: „Coca-Cola feierte mit dem Rest der Welt den Softdrink, der immens zur internationalen Wirtschaft beigetragen hat.“ Der staatliche Swazi Observer stimmte in das Loblied ein und betonte, dass die „Reinvestitionen in die Gemeinden zu den besten Eigenschaften der Firma Coca-Cola gehören“. Doch auch die internationale Gemeinde in Swasiland ist nicht viel besser. Der US-Botschafter sprach erst im letzten Jahr über die „Hingabe, mit der Coca-Cola die soziale Verantwortung von Firmen erkennt und umsetzt und sich für demokratische Werte einsetzt“.

Aber ist Swasiland wirklich ein Musterbeispiel für die soziale Verantwortung von Firmen und demokratische Werte? Profitiert Swasiland wirklich von der Tatsache, dass Coca-Cola effektiv seine königliche Diktatur stützt? Die Firma mag einen großen Teil von Swasilands jährlichem BIP generieren, aber welchen Nutzen hat das für die verarmten Zuckerrohrbauern oder den durchschnittlichen Einwohner, der auch so kaum über die Runden kommt? Welchen Nutzen hat es, wenn der größte Teil des Bruttoinlandprodukts in den Taschen einer kleinen Elite landet? Als der Vorsitzende des Aufsichtsrats von Coca-Cola, Mukhtar Kent, 2011 sagte, er spüre, dass bessere Tage für die Gesellschaft, die Gemeinden und die Humanität kommen würden, so kann er damit sicherlich nicht Swasiland gemeint haben.

Sozioökonomische Gerechtigkeit gefordert
Die Arbeiter in den Zuckerrohrfeldern sind wohl also auf sich selbst gestellt, genauso wie die Gewerkschaften und die Demokratiebewegungen. Einzige Unterstützung dabei sind einige ausländische Freunde und Solidaritätsorganisationen.

Es gab allerdings in letzter Zeit einige Hinweise darauf, dass es in Swasiland zur Verstärkung des politischen Bewusstseins kommt und dass der Wille, einem brutalen und unterdrückerischem Regime die Stirn zu bieten, zunimmt. Dieses Bewusstsein wurde vor allem durch eine weitreichende Kampagne für Demokratie und zivile Erziehung in den ländlichen Gegenden Swasilands ausgelöst, die von Organisationen wie der Foundation for Socio-Economic Justice durchgeführt wurden. Dieses verbesserte Bewusstsein ermöglicht es den swasischen Arbeitern, eine Verbindung herzustellen zwischen ihrer Armut, den schlechten Arbeitsbedingungen, den niedrigen Löhnen und dem swasischem Regime, der Vernachlässigung durch die Firmen sowie dem Neoliberalismus.

Aus diesen Gründen werden die swasischen Arbeiter in den letzten Jahren offener und deutlicher in ihren Forderungen. Beispiel hierfür sind die heftigen Streiks der 160.000 unterbezahlten und teilweise misshandelten Arbeiterinnen der Textilindustrie im Jahr 2008 sowie die Demonstrationen von historischem Ausmaß im März und April diesen Jahres, die mehr sozioökonomische Gerechtigkeit und Demokratie forderten. Den swasischen Arbeitern mag ihr Kampf gegen Coca-Cola und das Regime in letzter Zeit vielleicht vorgekommen sein wie der Kampf David gegen Goliath. Aber die Ereignisse der letzten Zeit erwecken den Eindruck, dass sie sich langsam wieder daran erinnern, dass es David war, der den Kampf gewonnen hat.

Der Autor ist Soziologe, Afrikareisender und bezeichnet sich als Amateurmusiker und mittelmäßigen Fußballspieler. Er unterhält den Stiff Kitten’s Blog.”

 

(Quelle: afrika süd.)

Anmerkung

Die aktuelle Ausgabe der Zeitschrift “afrika süd”, aus der dieser Aufsatz stammt, kann in unserer Bücherei entliehen werden.

EU: Im Rohstoffrausch

Dienstag, Mai 10th, 2011

“Wie die EU-Handels- und Rohstoffpolitik Entwicklung untergräbt

Von Nicola Jaeger

Der globale Rohstoffverbrauch steigt und steigt. Wir Leben über unsere Verhältnisse – auf Kosten zukünftiger Generationen, der Umwelt und anderer Länder. Statt diese Herausforderung anzunehmen, versucht die EU lieber ihren Zugriff auf die natürlichen Ressourcen zu sichern: Sie drängt Entwicklungsländer ihre Märkte zu öffnen und verlangt zugleich Investitionsschutz für europäische Unternehmen. Ressourcengerechtigkeit sieht anders aus.

Angesichts der zunehmenden Wettbewerber um die Rohstoffvorkommen der Welt riefen Industrievertreter in Europa nach mehr staatlicher Rohstoffpolitik. Und ihr Rufen wurde erhört. Im November 2008 präsentierte der damalige EU-Vizepräsident Günter Verheugen (SPD) die „Raw Materials-Initiative‟ (RMI) der EU. Diese Strategie basiert auf drei Säulen: Sicherung des Zugangs zu Rohstoffen weltweit, Förderung von Rohstoffen aus europäischen Quellen und Reduzierung des europäischen Verbrauchs primärer Rohstoffe. Während die Vorschläge der letzten Säule eher vage Absichtserklärungen bleiben, wird man bei der Exploration und Nutzung von Rohstoffen hierzulande schon konkreter. So soll z.B. die Förderung in Naturschutzgebieten ermöglicht werden.
Genaue Maßnahmen und Ziele finden sich in der ersten Säule. Unter dem Titel “aktive Rohstoffdiplomatie” sollen die verschiedenen Bereiche der EU-Außenpolitik wie Außenbeziehungen, Handel, Entwicklung, Sicherheit usw. koordiniert werden, um den „diskriminierungsfreien Zugang‟ zu Rohstoffen zu sichern. Hauptproblem sind laut der Kommission staatliche Maßnahmen, die den internationalen Rohstoffhandel verzerren. In allen Foren (z.B. WTO) und in allen Verhandlungen – wie den neuen bilateralen Freihandelsabkommen, z.B. mit Korea, Indien, Peru/Kolumbien oder Mittelamerika sowie den Wirtschaftspartnerschaftsabkommen mit den AKP-Staaten (Afrika, Karibik, Pazifik) – werden die Partner daher unter Druck gesetzt.

Keine Hindernisse: Ausfuhrsteuern begrenzen

Ausfuhrsteuern sind kein Allheilmittel, doch sie können eine wichtige Rolle bei der wirtschaftlichen Entwicklung sowie dem Schutz der Umwelt und der natürlichen Ressourcen spielen. Durch die Besteuerung der Ausfuhr bestimmter Rohstoffe können weiterverarbeitende Industrien vor Ort einen komparativen Wettbewerbsvorteil erlangen und temporär vor Konkurrenz geschützt werden. Weiterverarbeitung und Fertigung sowie damit verbundene Dienstleistungen zu fördern, ermöglicht Entwicklungsländern, sich aus ihrer Abhängigkeit als reine Rohstofflieferanten zu befreien. Darüber hinaus können Ausfuhrsteuern Einnahmen für öffentliche Aufgaben generieren. Trotz alledem versucht die EU in den laufenden bilateralen Verhandlungen, Ausfuhrsteuern gänzlich zu verbieten oder zumindest die Möglichkeiten der Nutzung massiv einzuschränken.

Keine Pflichten: Investitionen schützen

Die EU drängt auf eine tiefgreifende Liberalisierung der Investitionspolitik und den maximalen Schutz für europäische Investoren weltweit. Dabei möchte sie im Wesentlichen drei Prinzipien verankern:

Inländerbehandlung: Dadurch erhalten ausländische Investoren dieselben Rechte wie einheimische. Dies nimmt Ent- wicklungsländern die Möglichkeit, lokale Investoren zu bevorzugen oder ausländische Investitionen in gewissen Sektoren einzuschränken.
Investorenschutz: Damit werden ausländische Investitionen rechtlich abgesichert. Streitschlichtungsmechanismen erlauben ausländischen Investoren gegen souveräne Staaten Klage vor internationalen Schiedsgerichten zu erheben – ohne Rücksicht auf inländische Gerichte.
Ungehinderter Kapitalfluss über Staatsgrenzen hinweg: Auf diese Weise können Investoren ihre Gewinne weitestgehend uneingeschränkt ins Ausland transferieren.

Rohstoffabbau stellt meistens einen schweren Eingriff in die Natur dar und wirkt sich negativ auf die Menschen vor Ort aus. Sie sind Umweltbelastungen ausgesetzt, wenn giftige Stoffe wie Uran gefördert werden oder toxische Nebenprodukte beim Abbau entstehen. Oft werden Menschen von ihrem Land vertrieben oder sind anderen Menschenrechtsverletzungen ausgesetzt. Zugleich profitieren sie nicht von den Aktivitäten der Bergbaukonzerne. Denn lokale Arbeitskräfte finden kaum Beschäftigung und wenn, dann häufig zu schlechten Bedingungen. Die Weiterverarbeitung findet in der Regel woanders statt. Mithilfe von Sondersteuerabkommen sichern sich Konzerne riesige Gewinne, während die Staatskasse und lokale Gemeinden leer ausgehen.

Regierungen und Parlamente müssen Investitionen regulieren können. Einerseits um Anreize für Investitionen zu schaffen, die die Entwicklung des Landes fördern und andererseits um alle Investoren zur Einhaltung der Arbeitnehmerlnnen-, Umwelt-, und Menschenrechte sowie anderer Standards zu zwingen.

Handeln – aber anders!

Alles in allem lenkt die Rohstoffstrategie vom eigentlichen Problem ab: dem übermäßigen Ressourcenverbrauch in Europa. Ressourcengerechtigkeit bedeutet, allen Menschen weltweit das gleiche Recht zur Nutzung der natürlichen Ressourcen einzuräumen. Doch der durchschnittliche Rohstoffverbrauch pro Kopf in Europa ist heute dreimal so hoch wie in Asien und mehr als viermal so hoch wie in Afrika. Statt die Entwicklungschancen der Länder des globalen Südens zu untergraben, sollte die EU Wege hin zu einem nachhaltigen Wirtschaftsmodell mit geringem Ressourcenverbrauch finden, das auf Wiederverwertung, mehrfacher Nutzung und Naturverträglichkeit von Produkten basiert.

Nicola Jaeger ist DipL. Geographin und Leitete bis 31. März 2011 den Bereich Internationale Handels- und Investitionspolitik bei WEED. Seit April 2011 arbeitet sie für die Organisation Power-Shift in Berlin.

Dieser Artikel basiert auf dem Bericht “Die neue Jagd nach Ressourcen – Wie die EU-Handets- und Investitionspolitik Entwicklung bedroht” von Mark Curtis, Dezember 2010.

 

(Quelle: FoodFirst.)

Hinweis:

Dieser Artikel entstammt der aktuellen Ausgabe der Zeitschrift “Food First”, die sie in unserer Bücherei entleihen können.

BRD: Tanken oder Essen?

Freitag, März 4th, 2011

“MISEREOR: Biokraftstoffquote muss zurückgenommen werden

(Aachen, 04.03.2011) In der Diskussion um die misslungene Einführung des neuen Biosprits E10 fordert das katholische Hilfswerk MISEREOR die Bundesregierung auf, die Biokraftstoffquote zurückzunehmen.

‘Gerade in den Ländern des Südens trägt die rapide anwachsende Nachfrage nach Agrosprit zur Verknappung der Flächen für Grundnahrungsmittel bei’, so MISEREOR-Geschäftsführer Martin Bröckelmann-Simon. Der Anbau von Nahrungsmitteln stehe eindeutig in Konkurrenz zum Anbau von Energiepflanzen, wie Soja, Mais und Zuckerrohr, und führe daher zu einer Verstärkung der Landnahme (‘Landgrabbing’) in Afrika, Asien und Lateinamerika. Dies treibe die Bodenpreise in die Höhe und verteuere Lebensmittel.’Kleinbauern werden von ihrem Land vertrieben, damit Großinvestoren im Agrotreibstoffgeschäft hohe Renditen erzielen können. Eine erhöhte Nachfrage durch die  europäische Beimischungsquote führt zu einem Kampf um Land und Lebensraum in Entwicklungsländern’, so Bröckelmann-Simon.

Diese Erkenntnisse sind nicht neu. Laut einem Bericht der Weltbank von 2008 hatte die Herstellung von Treibstoff aus Pflanzen die Nahrungsmittel weltweit um bis zu 75  Prozent verteuert. Der Anteil von 10 Prozent in Agrotreibstoffen kann nicht in Deutschland produziert, sondern nur mit erheblichen Importen erreicht werden. Die Einfuhren kämen im Wesentlichen aus Ländern des Südens wie Brasilien, Argentinien, Indonesien oder Malaysia, ohne dass die nötigen sozialen und ökologischen Nachhaltigkeitsstandards überprüfbar garantiert seien. 

‘Wir fordern die Bundesregierung daher auf, die aktuelle Debatte um die misslungene Einführung des Agrosprits E10 zum Anlass zu nehmen, ihre Entscheidung auch aufgrund der sozialen und menschenrechtlichen Situation in den Entwicklungsländern zu revidieren’, so Bröckelmann-Simon. Eine Möglichkeit dazu  böte sich beim geplanten ‘Benzingipfel’, bei dem die Folgen für die Menschen in den Entwicklungsländern ebenso im Mittelpunkt stehen müssten wie die Belange deutscher Verbraucher.”

 

(Quelle: MISEREOR.)

Global: Schildköten – Vom Aussterben bedroht

Montag, Februar 28th, 2011

“Slow, Steady, and Threatened with Extinction

Turtles now world’s most threatened vertebrates

by Michael McCarthy

Turtles and tortoises are now the most endangered group of vertebrate animals, with more than half of their 328 species threatened with extinction, according to a new report.

Their populations are being depleted by unsustainable hunting, both for food and for use in traditional Chinese medicine, by large-scale collection for the pet trade, and by the widespread pollution and destruction of their habitats, according to the study Turtles In Trouble, produced by a coalition of turtle conservation groups.

The result is that their plight has never been greater, and the world’s 25 most endangered tortoises and freshwater turtles will become extinct in a few decades without concerted conservation efforts, the report says.

Asia is the worst affected region; of the 25 most endangered turtles, more than two thirds (17) are from Asia, a result of decades of massive exploitation. ‘For example, in just one market in Dhaka, Bangladesh, close to 100,000 wild caught turtles are butchered for consumption during a one-day religious holiday each year,’ the report adds.

It goes on: ‘Furthering the problem is a lucrative international black market trade in pet turtles and tortoises that has escalated prices of some of the more rare species into the tens of thousands of dollars. Rumours even exist that some of the rarest Asian species are now commanding prices in the hundreds of thousands of dollars.’

The world’s 328 species are divided into 263 fresh water and terrestrial turtles, and 58 species of tortoises (plus seven sea turtles which are not covered in detail by the report). With up to 54 per cent of the total considered threatened, turtles and tortoises are at a much higher risk of extinction, the report says, than other vertebrates such as birds, mammals, sharks and rays or even amphibians – which are usually considered the most endangered grouping.

‘Turtles are disappearing fast and we are dealing with one of the most significant wildlife crises of our lifetime,’ says Rick Hudson, President of the Turtle Survival Alliance (TSA). Several species are down to just a handful of remaining individuals.

No. 1 on the list is the Pinta Island tortoise, one of the Galapagos tortoises species that contributed to Charles Darwin’s theories on ‘natural selection’. Sadly, only a single male of this species, ‘Lonesome George’, remains alive today, and the report comments: ‘Ironically, Darwin and other travellers often ate many of the islands’ tortoises and released rats, goats and other animals, which significantly contributed to their decline.’

Close behind is the Red River giant softshell turtle of China and Vietnam, weighing more than 250lbs with a shell more than three feet long. With only four animals left, the stakes have never been higher. Some species are in danger of disappearing before scientists even find out where they live. Zhou’s box turtle (the 6th most endangered) has occasionally appeared in the turtle markets of China, but to date no one has located a wild population.

The report, Turtles in Trouble, is at www.iucn-tftsg.org/top-25-2011.

Five under threat

Sulawesi forest turtle This semi-aquatic animal is endemic to the Indonesian island of Sulawesi and was originally used in Chinese food in the early 1990s. Habitat destruction has reduced the forest cover on which it depends for survival.

River terrapin With males exhibiting striking seasonal breeding colours, these unusual and attractive turtles have now all but vanished.

Ploughshare tortoise One of the rarest tortoises in the world, there are now only a few hundred left in Madagascar.

Roti island snake-necked turtle This freshwater turtle is found on the tiny island of Roti in south-eastern Indonesia.

Geometric tortoise This small species is found in low-lying sandy areas of the Western Cape in South Africa.”

 

(Quelle: Common Dreams.)