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Global: You gotta move?

Mittwoch, September 25th, 2013

“Nur 3,2 Prozent aller Menschen sind aus ihrem Geburtsland ausgewandert

Nach UN-Schätzungen wandern nicht mehr Menschen aus dem globalen Süden in den reichen Norden als in ein anderes Entwicklungsland, 90 Prozent der Flüchtlinge leben in Entwicklungsländern

Von Florian Rötzer | 24.09.2013

Globalisierung, so könnte man meinen, ist nicht nur die globale Bewegung von Gütern, Vermögen und Informationen, sondern auch der Menschen, die zu Migranten werden. Interessant ist, dass sich zwar viele Menschen zeitweise als Touristen oder beruflich über Grenzen hinweg reisen, aber dass die Migration weiterhin ein ziemlich kleines Phänomen ist.



Durchschnittliche Veränderungsrate der internationalen Migration in Prozent.

Durchschnittliche Veränderungsrate der internationalen Migration in Prozent.

Gerade einmal 3,2 Prozent der Menschheit, das sind 232 Millionen Menschen, leben in Ländern, in denen sie nicht geboren wurden, so der UN-Bericht International Migration 2013[1]. Das ist überraschend wenig, wenn auch 33 Prozent mehr als 2000, zumal die reichen Länder sich in Festungen, in gated nations, verwandeln, um die fantasierten Migrationsströme abzuwehren, die in Krisen wie jetzt beispielsweise im syrischen Bürgerkrieg in die nicht sonderlich reichen Nachbarländer Jordanien, Libanon oder den Irak, aber natürlich auch in die Türkei gelangen. Flüchtlinge machen 2013 mit 15,7 Millionen oder 7 Prozent nur einen kleinen Teil der Migranten aus. Fast 90 Prozent davon leben in Entwicklungsländern!

60 Prozent der internationalen Migranten, zwei Drittel im arbeitsfähigen Alter zwischen 20 und 64 Jahren, weit mehr als die 58 Prozent im weltweiten Durchschnitt, leben in den reichen Ländern des Nordens. 2013 am meisten in den USA, gefolgt von Russland, Deutschland – das wirklich als Einwanderungsland gelten muss -, Saudi-Arabien, die Vereinten Arabischen Emirate, Großbritannien, Frankreich, Kanada, Australien und Spanien. Hingegen sind in Europa Portugal, Polen, Finnland oder Norwegen nicht so interessant.

 

 

Schaut man auf den prozentualen Anteil internationaler Migranten an der Gesamtbevölkerung, dann ist deren Anteil etwa in den USA, Kanada, in der Ukraine, in Saudi-Arabien, Libyen, Australien, Deutschland. Österreich, Schweiz, Frankreich, Belgien oder Norwegen höher als 10 Prozent. In Steueroasen wie Andorra, San Marino oder Monaco ist der Ausländeranteil natürlich wesentlich höher, im Vatikan steigt er sogar auf 100 Prozent. Global leben allerdings zwei Drittel der internationalen Migranten ziemlich gleich verteilt in Europa und in Asien. In China, Indien und einigen afrikanischen Ländern, aber auch in Mexiko oder erstaunlicherweise Brasilien haben Migranten nur einen Anteil von weniger als einem Prozent. Allerdings ist der Eindruck nach den UN-Schätzungen falsch, dass die überwiegende Mehrzahl Migranten aus armen Entwicklungsländern in die reichen Länder auswandert, was man auch Süd-Nord-Migration nennt. Auch wenn in den Industrieländern die Migranten einen durchschnittlichen Anteil von 11 Prozent der Gesamtbevölkerung stellen und in den Entwicklungsländern nur 2 Prozent, aber die Unterschiede sind hier groß, so täuscht der Eindruck.

 

 

Nach neuen Schätzungen, die Geburtsland und Zielland der Migranten einbeziehen, war die Süd-Süd-Migration 1990 am stärksten ausgeprägt. Danach wusch der Anteil der Süd-Nord-Migration stärker, ab 2000 lag die Süd-Nord-Migration in etwa gleich mit der Süd-Süd-Migration, wobei allerdings die Migration vom Süden in den Süden wieder etwas stärker wuchs als die vom Süden in den Norden. 2013 sollen nach den Schätzungen 82,3 Millionen, die in Entwicklungsländern geboren wurden, in anderen Ländern des globalen Süden leben, während mit 81,9 Millionen fast genau so viel aus dem Süden in den Norden abgewandert sind. Die meisten dieser Migranten stammen aus Asien, gefolgt von Menschen aus Lateinamerika. Aus dem Norden in den globalen Süden wandern hingegen nur 13,7 Millionen aus, von Norden nach Norden sind es 53,7 Millionen.

Die “Süd-Süd-Migration” könnte man dadurch erklären, dass Auswanderer und Flüchtlinge nicht die notwendigen Mittel haben, um in die reichen Länder zu gelangen, und/oder den einfacheren, schnelleren und billigeren Weg in die Nachbarländer bevorzugen, wo sie auch leichter in Kontakt mit ihren Familien bleiben können. Möglicherweise wird diese Migration durch wirtschaftliche Fortschritte in den Entwicklungsländern begünstigt, dazu tragen aber auch regionale Konflikte vorbei.

Anhang

Links

NATO: Krieg den Hütten

Montag, Dezember 3rd, 2012

“Militär in den Straßen: Einige Anmerkungen zum NATO-Bericht “Urban Operations in the Year 2020″

Von Nonostante Milano

Elemente der Algebra: Die Müllkippe des Überschusses

Zum ersten Mal in der Geschichte lebt die Mehrheit der Weltbevölkerung in Städten. Und ein Großteil dieser städtischen Bevölkerung ist mit Lebensumständen in absoluter Armut konfrontiert. (…) Der UNO zu Folge leben derzeit fast eine Milliarde Menschen in Slums (auf die gesamte Weltbevölkerung bezogen jeder Sechste, oder jeder dritte Stadtbewohner), es wird davon ausgegangen, dass sich diese Zahl bis 2030 verdoppelt, so dass von einer wachsenden “Verstädterung der Armut” gesprochen wird. Die Weltbank hat bereits Ende der 90er Jahre auf die Auswirkungen dieses Prozesses hingewiesen: “Die städtische Armut wird das wichtigste und politisch explosivste Problem des kommenden Jahrhunderts werden”. (…)
Insgesamt haben die Elendsviertel seit Anfang der 70er Jahre ein größeres Wachstum erlebt, als die Stadtentwicklung an sich.

(…)

Die großen Slums, die chaotisch in den Randbezirken der Städte wachsen, neutralisieren einen großen Teil des übertriebenen Waffenarsenals von Washington und “die genaue Analyse dieses Problems hat dazu geführt, dass die Militärstrategen” – so Mike Davis – “die Aufmerksamkeit auf das Areal, auf die Slums selbst” konzentrieren. Letztlich ist der Feind “weniger von Bedeutung, als das Labyrinth, in dem er sich versteckt”, das einen Raum konstituiert, der in “informellen, dezentralisierten Subsystemen” organisiert ist”, von dem es keine Pläne gibt und in dem die “Schlüsselstellen des Systems nicht leicht ausfindig zu machen sind”.

Auch die RAND-Corporation, ein 1946 von der Air Force gegründeter, nicht profitorientierter Think-Tank, betont, dass die Verstädterung der globalen Armut die “Verstädterung der Revolte” hervorgebracht hat, und bedauert, dass “weder das Wissen, noch die Ausbildung oder die Ausrüstung der USA auf Aufstandsbekämpfung ausgerichtet sind”. Dies ist der Hintergrund der Theorie der Fourth Generation Warfare (4GW), die in den letzten 20 Jahren entwickelt wurde; eine Theorie, die ausdrücklich dafür gemacht zu sein scheint, in einem Weltkrieg niederer Intensität und auf unbestimmte Zeit die kriminalisierten Teile des städtischen Proletariats zu bekämpfen. Laut dieser Theorie werden die Schlachtfelder des 21. Jahrhunderts die ausgehungerten Randbezirke sein. Da der “kurze Traum des ewigen Wohlstands für alle” vorbei ist, wie sogar der ehemalige chief economist und senior vice president der Weltbank Joseph E. Stiglitz zugegeben hat, “ist trotz der wiederholt gemachten Versprechungen, die Armut in den letzten zehn Jahren des 20. Jahrhunderts zu verringern, die effektive Zahl der Menschen, die in Armut leben um fast 100 Millionen gestiegen” (Stiglitz 2003:5).

(…)

Elemente der Geometrie: Die Asymmetrie in Rouen

Der von US-amerikanischen militärstrategischen Studienzentren skizzierte Horizont, den wir auf den vorangegangenen Seiten aufgezeigt haben, macht sich nun auch die NATO zu eigen. Laut dem 2003 von der Nordatlantischen Allianz veröffentlichten Bericht Urban Operations in the Year 2020 (verfasst von der Studiengruppe SAS 30, an der seit 1998 Experten aus sieben Nationen teilnehmen: Italien, Kanada, Frankreich, Deutschland, Großbritannien, Niederlande und USA) könnte sich die Tendenz in Zukunft bedeutend verstärken, dass durch die Existenz von “Slums und Armut” in den Städten “Spannungen entstehen, die möglicherweise zu Aufständen, zivilen Unruhen und Bedrohungen für die Sicherheit führen, die die Intervention der örtlichen Behörden notwendig machen”. (…) Die ganze Geschichte dreht sich im Wesentlichen um die Fähigkeit der Streitkräfte, in Situationen mit asymmetrischen Konflikten zu operieren, in denen der Feind nicht in einer regulären Armee organisiert ist, sondern in einer heterogenen Masse von “Irregulären” besteht, die andererseits in der Lage sein könnten, moderne technologische Ausrüstungen einzusetzen. Der Bericht UO 2020 bezeichnet folglich “asymmetrische Bedrohungen, Technologieentwicklung und Einsätze in Städten” als “grundsätzliche Charakteristika und mögliche Herausforderungen künftiger Einsätze der Allianz”. Es wird besonders betont, dass seit einigen Jahren auffällt, dass “ein Aufständischer in überfüllten Städten freier und effektiver” handeln kann, und “die Ordnungskräfte wiederholt, bei stark reduziertem Risiko angreifen. Guerillas, Aufständische und andere nicht-staatliche Gruppen haben immer Vorteile aus diesen (für sie) günstigen Gegebenheiten gezogen, die durch das Handeln in solch einer Umgebung entstehen und zweifellos werden sie das auch weiterhin tun (zum Beispiel in Belfast, Mogadischu und Bogota)”.

(…)

Die Notwendigkeit einer strategischen Neubewertung geht daher auf den Einfluss von Szenarien der letzten Jahre zurück. Die demografischen Veränderungen, das Zusammentreffen der wachsenden Weltbevölkerung und ihre zunehmende Verstädterung, verweisen darauf, dass “der Prozess der Urbanisierung die nächsten Militärinterventionen notwendigerweise auf städtisches Territorium verlagern wird”.

Daraus entsteht das Bedürfnis nach einem neuen operativen Zugang, “manöveristisch” genannt, dessen Hauptziel darin besteht, “Zusammenhalt und Kampfwillen des Feindes zu brechen”. Unter den von den Analysten angedachten Lösungen sind einige von überwiegend militärischem Charakter, zum Beispiel die Verwendung von Mitteln der Aufklärung mit dem Ziel, taktische Schläge gegen “neuralgische Punkte des Feindes” auszuführen, sowie der Einsatz von Fähigkeiten des Angriffs aus der Distanz, um den Nahkampf zu vermeiden; andere haben eher polizeilich-investigativen Charakter, wie jene, die notwendig sind, um die Informationsflüsse, Personen- und Nachschubbewegungen des Feindes zu kontrollieren; wieder andere sind politisch-diplomatischer Art, da die Streitkräfte fähig sein müssen, Beziehungen der Zusammenarbeit mit den “zahlreichen offiziellen und nicht-offiziellen Einrichtungen” im Territorium aufzunehmen, dem entsprechend, dass kriegerische Operationen im städtischen Raum “nicht allein militärische, sondern auch diplomatische, politische, ökonomische und soziale Probleme” mit sich bringen. Schließlich springen, in voller Übereinstimmung mit der Regierungsperspektive der Inneren Front, die Aufgaben mit propagandistischem Charakter ins Auge: “die Informationen müssen in allen Phasen einer Operation, im Konflikt ebenso wie während der post-konfliktiven Aktivitäten, systematisch und zusammenhängend bearbeitet werden”.

Für all diejenigen, die hartnäckig behaupten, dass die hier angestellten Überlegungen lediglich die Grenzen des Imperiums betreffen, und nicht sein organisches Zentrum, für diejenigen, die den Schauplatz des Konflikts woanders hin verschieben möchten, damit er nicht hier ist, für diejenigen schließlich, die sich weiter “im Frieden” mit dem Existierenden empfinden (und in einer friedlichen Existenz), halten wir es für angebracht, den “Anhang E” des Berichts zu erwähnen, wo eine NATO-Intervention simuliert wird, in dessen operativen Theater als “Städte von strategischem Interesse” weder Teheran, Pjöngjang, noch – als Grenzfall – Peking genannt sind, sondern Rouen, Le Havre, Evreux und Dieppe.

Elemente der operativen Methodologie (der ihren): Der Bericht “UO 2020″

“Die Basis aller neueren konzeptuellen und operativen Entwicklungen in Bezug auf Operationen in Städten” bildet laut NATO-Bericht UO 2020 der Gliederungs-Begriff USECT (Abkürzung für Understand, Shape, Engage, Consolidate, Transition). Stark zusammengefasst könnten die im Konzept USECT vereinten Aktivitäten erlauben, die Natur des Feindes, seine Positionen und Absichten zu “verstehen” – gewonnen in erster Linie durch ISTAR-Fähigkeiten (für Intelligence, Surveillance, Target Acquisition, Reconaissance / Informationsbeschaffung, Überwachung, Zielbestimmung, Aufklärung) – um danach die gesammelten Informationen einzuspeisen in ein “Modellieren” des städtischen Kampfraumes samt zugehöriger taktischer Aspekte. In der Gliederung des USECT-Komplexes gilt die Aufmerksamkeit der Analysten hauptsächlich den ersten drei Begriffen: Understand, Shape, Engage.

UNDERSTAND (VERSTEHEN): In erster Linie besteht die Hauptaktivität von intelligence, d.h von (gegebenenfalls nachrichtendienstlichem) Erkenntnisgewinn darin, detaillierte Informationen über jene städtischen Territorien einzuholen, die sich in Zonen asymmetrischer Kriege verwandeln könnten. Das Konzept des Territoriums umfasst nicht nur die physische Beschaffenheit der Metropole (Gebäude, kulturelle und ökonomische Zentren, logistische Knotenpunkte, kritische Infrastrukturen, Transportsysteme etc.) sowie ihre virtuellen Elemente (die Gesamtheit der im städtischen Raum gegebenen Möglichkeiten, vor allem hinsichtlich Verbindung und Mobilität), sondern auch und vor allem das sozio-kulturelle Gewebe der Stadt, um nationale, internationale und lokale Kontexte (Bevölkerung, Ethnie, Kultur, Politik, Splittergruppen, Sympathien, Einrichtungen, NGOs, etc.) ins Verständnis des Gesamtzusammenhangs einzubeziehen. Wie allgemein bekannt, sind Territorium und Bevölkerung zwei Seiten der gleichen unauflösbaren Realität, in der die Regierenden immer wieder alle möglichen Störungen der Normalität im Blick haben müssen. Daher wird bei der Erkundung und präventiven Kartographierung des städtischen Kontextes nötig sein, die Präsenz der “kriminellen Banden” als Schlüsselfiguren der Kontrolle des Territoriums ebenso zu identifizieren (andererseits, so erlauben wir uns anzumerken, ist die Erschaffung des “Kriminellen” auf innigste Art funktional für diese Kontrolle) wie die Realität der “Aufständischen”, die “inmitten einer Bevölkerung operieren, von der sie kaum zu unterscheiden sind” (heben wir nochmals hervor, dass die Erfindung der Figur des Aufständischen genau dazu dient, diese Ununterscheidbarkeit aufzulösen und zu annullieren). Das Verständnis des sozialen Gewebes des städtischen Territoriums wäre um ein Verzeichnis der psycho-sozialen Profile derjenigen zu ergänzen, die es bewohnen (potentielle Feinde, neutrale Elemente, sozial relevante Figuren) das ihre jeweiligen Bewegungen, Positionen, Bedingungen, Fähigkeiten und Unterstützungsstrukturen identifiziert.

SHAPE (FORMEN): Auf Grundlage der vorangegangenen Informationsbeschaffung können die Militäreinheiten günstige Bedingungen für einen effektiven Einsatz schaffen. Allgemein geht es um die Möglichkeit, den städtischen Raum hinsichtlich der speziellen taktischen Anforderungen umzuformen. Eine der Schlüsselaspekte des shaping betrifft daher die Verwaltung des Raums und der Ströme. Einerseits geht es den Militäreinheiten darum, ihre eigene Mobilität auf dem Land zu optimieren, über wie unter der Erde (die Bewegungsfähigkeit innerhalb der drei Dimensionen), andererseits ist es nötig, die Bewegungen der nicht-kämpfenden Massen zu kontrollieren, anzuregen oder zu verhindern (Vorbereitung von Flüchtlingslagern, Fluchtwegen für Evakuierte, etc.).
Parallel hierzu wird shaping, indem es die alte Praxis der Belagerung einer Stadt aufgibt, versuchen, Teile des städtischen Territoriums zu isolieren, kreisend um den Begriff des Knotens. Dabei geht es wesentlich darum, einige territoriale Nervenknoten von den sie umgebenden Strömen abzutrennen. Und das in zwei Richtungen: Zum einen, um eine selektive Kontrolle über die nicht-militärische Infrastruktur und Kommunikationsmittel zu unterhalten, die es zu “schützen” gilt (indem sie vom umgebenden Kriegsgeschehen abgetrennt werden) zum andern, um die Knotenpunkte des Feindes physisch und virtuell zu isolieren. Aus dieser Perspektive kommt der “informationellen Isolierung” besondere Bedeutung zu: Die Kommunikationsfähigkeit der Revoltierenden zu blockieren, sogar durch Kontrolle der elektromagnetischen Felder, heißt nicht nur, ihre organisatorischen Fähigkeiten zu schwächen, sondern auch, entscheidenden Einfluss auf die Reaktionen der lokalen Bevölkerung und allgemein auf die medialen Auswirkungen auf und über die Einsätze sicherzustellen.

ENGAGE (EINSATZ): Der dritte Faktor von USECT bezieht sich auf den wirksamen Schlag gegen die feindlichen Kräfte: Ein Aktionsfeld, welches – Achtung – “vom Konflikt in großen Maßstab bis zu humanitärer Hilfe im Falle natürlicher, d.h. nicht durch Krieg verursachte Katastrophen reicht”. Insgesamt muss die militärische Aktion, basierend auf den vorbereitenden Aktivitäten des understanding und shaping, immer mehr zu einem chirurgischen Eingriff werden, darauf bedacht, die Zentren der feindlichen Kräfte zielgenau anzugreifen, und so “Kollateralschäden” unter Nicht-Kämpfenden sowie Verluste durch friendly fire so weit als möglich zu verringern. Tatsächlich besteht das Ziel nicht darin, das städtische Territorium unter permanente Kontrolle zu bringen, sondern die Kampfkraft auf die neuralgischen Punkte des Gegners zu konzentrieren, um diesen handlungsunfähig zu machen. Zweifellos wird ein effektiver Kriegseinsatz, trotz “chirurgischer” Bestrebungen der NATO-Strategen, alle Schritte vorsehen müssen, um die Effekte des Einsatzes auf die Bevölkerung zu verwalten: Hilfe für Nicht-Kämpfende, Lebensmittelversorgung, Rekrutierung von Freiwilligen für den Zivilschutz, etc. Schließlich kommt – last, but not least – zur Freude derer, die immer noch von einer etwas schüchternen Technikangst umgetrieben werden, eine besondere Bedeutung dem elektronischen Kampf zu, überwiegend in der Möglichkeit, elektromagnetische Felder zu kontrollieren und Einsätze im cyber-war auszuführen. Bei der Ausarbeitung des Berichts wird den letzten zwei Konzepten (Consolidate und Transition) ein weit geringerer analytischer Wert beigemessen, weshalb auch wir ihm weniger Raum einräumen werden.

CONSOLIDATE (FESTIGEN): Die vierte Phase umfasst, ergänzend zur vorherigen, den Schutz der eingenommenen Stellungen und die Fortsetzung der Initiativen, die darauf zielen, den Gegner zu des-organisieren, um räumliche, psychologische und informationelle Vorteile zu erlangen: Es geht darum, dem Risiko des wiederaufkommenden “Terrorismus” der besiegten Kräfte vorzubeugen, die Formen der Zusammenarbeit mit lokalen Behörden zu stabilisieren, “Säuberungseinsätze” gegen die besiegten Gegner durchzuführen sowie um den Umgang mit Gefangenen. TRANSITION (ÜBERGANG): Die letzte Aufgabe gehört in den Gesamtzusammenhang der exit strategies: Die Rückkehr der Flüchtlinge zu ermöglichen und vor allem ‘the rule of law’ (die Herrschaft des Gesetzes) wiederherzustellen, indem lokale Behörden und Armee wiederaufgebaut werden. “Um die Sicherheit zu garantieren, könnten die Streitkräfte gezwungen sein, lokale und internationale Organisationen anzuleiten, das Gesetz wieder in Kraft zu setzen.” Der Zeitpunkt des Rückzugs hängt von der Geschwindigkeit ab, mit der diese Organisationen eine effektive Präsenz herstellen. Aber wir haben bereits verstanden, dass zwischen den Szenarien des Krieges und des Friedens keine Lösung von Dauer ist: Konsolidierung und Übergang lösen sich sofort im Rauch einer neuerlichen Phase von understanding wieder auf.

Elemente der Optometrie: Was die Augen erhellt

Im Rahmen der sogenannten “neuen” oder “asymmetrischen Kriege”, der “Kriege der vierten Generation” oder “niederer Intensität” etc. (die Terminologie ändert sich je nach Denkrichtung, nicht aber der Sachverhalt) fällt folgendes auf:

- das Ende der traditionellen Unterscheidung zwischen Kämpfenden und Zivilisten, die bereits mit der “totalen Mobilmachung” des Ersten Weltkrieges sowie dem Terrorismus gegen die zivilen Bevölkerungen durch praktisch alle Staaten, “faschistische” wie “demokratische”, im Zweiten Weltkrieg im Wesentlichen verschwunden war;

- das Auftauchen der neuen Figur des “zivil-militärischen”, von “humanitären” NGOs bis hin zu Söldnern

- die verminderte Bedeutung der eigentümlich militärischen Aspekte der Operationen

- die Zersplitterung des Schlachtfeldes und das Fehlen einer Front

- die Neuausrichtung der Rolle von High-Tech-Waffen bei der Kontrolle des Territoriums, die der Infanterie anvertraut wurde (die mit Waffen der letzten Generation und ausgefeiltester Ausrüstung versehen ist).

Der Feind ist immer weniger eine traditionelle Armee, sondern mehr und mehr eine informelle Einheit, in einer radikalen Nicht-Unterscheidbarkeit zwischen internem und externem Krieg: Stadt-Guerilla, “terroristische” Vereinigungen, aber auch weniger organisierte Gruppen, wie jene, die sich in aufständischen Situationen bilden. Die präventive Kontrolle und Repression möglicher Unruhen und Aufstände werden immer mehr zu Aufgaben des Militärs, das aus diesem Grund Aufgaben übernehmen muss, die ursprünglich von der Polizei übernommen wurden, während diese sich “paramilitarisiert”. Neben der Kontrolle des Territoriums muss das Militär in der Verwaltung der Zivilbevölkerung aktiv werden: Physisches Management (Flüchtlinge, Evakuierte etc.), psychologisches Management (Kontrolle und Monopol der Informationen, Beziehungen zu lokalen Behörden, aber auch zu allen anderen Vereinigungen, die bereit sind zu kollaborieren).

In dieser Perspektive wird es notwendig sein, die Streitkräfte angemessen auf städtische Konflikte vorzubereiten, um die historische “Unbeugsamkeit” der “rebellischen Kräfte” im asymmetrischen Krieg zu vermeiden. Zugleich wird es nötig sein, die Leute daran zu gewöhnen, in den Städten patrouillierende Soldaten zu sehen, auf dass niemand, so erfahren oder eingeschüchtert er oder sie auch sein mag, es riskiert, einen Finger krumm zu machen (auch nicht den mittleren). Wir bewegen uns in Richtung eines “militarisierten Staates”.

Der Bericht Urban Operations in the Year 2020 entwirft das Modell für die Benutzung des militärischen Instrumentariums. Es werden tödliche und “nicht-tödliche” Waffen eingesetzt, um jene Unruhen und Revolten zu verhindern, einzudämmen und niederzuschlagen, die in nächster Zukunft unvermeidbar auf uns zukommen werden. Anti-Krawall-Gewehr, Pepper Gun oder Projektile mit weißem Phosphor: Allen das ihre, je nach Niveau von Krise und Aufstand. In jedem Fall ist gegen “Terroristen”, Aufwiegler und Revoltierende alles erlaubt.

(…)

Anmerkung:

Der Original-Artikel wurde sprachlich geglättet und stark gekürzt; bitte folgen Sie für den vollständigen Text dem Link in der unten angegebenen Quelle.

 

(Quelle: translationcollective.)

EU: Von Asien lernen

Freitag, Oktober 26th, 2012

“Global Launch of Asia Floor Wage, October 7 2009

Most of the world’s garments are made in Asia. Yet Asian workers are paid the least.

All garment workers in Asia need a wage increase. But often, when workers struggle to improve their wages and conditions in one country, companies relocate to another country, where wages and conditions are lower.

So workers are afraid to fight for better wages, because they might lose their jobs.

The Asia Floor Wage Campaign is a response to this problem. We propose a floor wage for garment workers in Asia.

The Asia Floor Wage, is different in each country’s national currency, but has the power to buy the same set of goods and services in all countries.

An Asia Floor Wage for the garment industry will help us fight poverty, develop economically with decent labour standards, and improve the lives of workers who are mostly women.”

 

(Quelle: Asia Floor Wage.)

BRD: Problematischer Fleischkonsum (HINWEIS)

Donnerstag, August 9th, 2012

“Unser täglich Fleisch gib uns heute” – Die Folgen unseres Fleischkonsums

Informations- und Diskussionsveranstaltung im Rahmen der Reihe “Land-/ Agrar- und Ernährungspolitiken

Der Fleischkonsum ist eng an die wirtschaftliche Entwicklung gekoppelt und so ist auch in den nächsten Jahren ein weiterer Anstieg zu erwarten, vor allem in den aufstrebenden Ländern Asiens. Mehr als 60 Kilogramm Fleisch essen wir Deutschen im Jahr durchschnittlich – fast doppelt so viel, wie der durchschnittliche Erdenbürger und fast dreimal so viel wie vor 30 Jahren.
Der gestiegene Fleischkonsum belastet das Klima erheblich. Unsere Essgewohnheiten verursachen mehr als ein Fünftel aller Treibhausgase in Deutschland. Der hohe Verzehr tierischer Lebensmittel hat dabei den größten Anteil. Die Fleischproduktion beinhaltet einen enormen Landverbrauch. Nach einer Studie der Welternährungsorganisation FAO wurden 70% des abgeholzten Amazonaswaldes für Viehweiden verwendet – der größte Teil der restlichen 30% dient dem Futtermittelanbau. In derselben Studie hielt die FAO fest, dass 70% des weltweiten Landwirtschaftslandes für die Viehhaltung verwendet werden.
Durch den Anbau von Futtermitteln für den Export wird der einheimischen Bevölkerung die Ackerflächen für den Anbau von Nahrungsmitteln genommen.

Angesicht dieser Fakten wollen wir über die Frage nach der Zukunft des Fleischkonsums und der unserer Landwirtschaft in einen Dialog treten mit unseren beiden ReferentInnen Berit Thomsen (zu den Folgen des Fleischkonsums) und Francisco Mari (zu den globalen Auswirkungen der industriellen Massentierproduktion).

Datum: Mo., 24. September 2012

Zeit: 16.30 Uhr

Ort: Haus der Kirche, Wilhelmshöher Alle 330, 34131 Kassel

ReferentInnen: Merit Thomsen, Arbeitsgemeinschaft bäuerliche Landwirtschaft/ Agrarkoordination, Hamm | Francesco Mari, Evangelischer Entwicklungsdienst (EED)

Moderation: Helmut Törner-Roos, Kirchlicher Entwicklungsdienst der EKKW”

 

(Quelle: EPN Hessen.)

Siehe auch:

“Fleisch in Massen – Fleisch in Maßen” (PDF)

BRD: A Rose Is A Rose Is A Rose?

Samstag, Januar 28th, 2012

“Blumengütesiegel Flower Label Program (FLP) vor dem Aus

Köln, Frankfurt, Osnabrück, Stuttgart, Wien, Herne 3. Januar 2012. Mit Wirkung zum 31. Dezember 2011 sind FIAN Deutschland, FIAN Österreich, Brot für die Welt, terre des hommes und das Eine Welt Zentrum Herne als Nichtregierungsorganisationen (NRO) und die IG Bauen-Agrar-Umwelt (IG BAU) als Gewerkschaft aus dem Flower Label Program e.V. (FLP) ausgetreten. Die Organisationen sahen sich dazu durch die Entwicklungen im letzten Jahr und den Zustand des FLP e. V. am Jahresende 2011 gezwungen. Sie ziehen die erforderliche Konsequenz aus den inhaltlichen Veränderungen des Vereins und dem finanziellen Zusammenbruch des Gütesiegels.

FLP war im letzten Jahr wirtschaftlich nicht mehr tragfähig, die Büros in Köln und Quito (Ekuador) wurden bereits geschlossen. Grund dafür war eine große Zahl von Austritten und Dezertifizierungen von FLP-Betrieben. NROs und Gewerkschaften konnten sich gegenüber Produzenten und Händlern nicht mit dem Vorschlag durchsetzen, FLP in Fairtrade zu überführen. Bislang sind Fairtrade-Schnittblumen in Deutschland in verschiedenen Supermärkten zu kaufen und sollen im Laufe des Jahres auch bei Floristen angeboten werden. In Österreich bieten neben Supermärkten auch Floristen bereits Fairtrade-Schnittblumen an.

“Da FLP aufgrund fehlender Finanzen nicht mehr handlungsfähig ist, besteht die Gefahr, dass das Label missbraucht wird. Unternehmen können damit werben, ohne dass tatsächlich geprüft wird, ob sie FLP-Standards einhalten.”, so Joachim Vorneweg von der Menschenrechtsorganisation FIAN. Die Zertifizierung durch FLP basiert auf dem internationalen Verhaltenskodex (ICC, International Code of Conduct) für die Schnittblumenproduktion. Er war von den beteiligten NROs, Gewerkschaften, Produzenten und Handel gemeinsam entwickelt worden und setzt seit 1998 klare Maßstäbe. Der ICC enthält Arbeits-, Sozial- und Umweltkriterien, die auf den UNO-Menschenrechtspakten, den relevanten Konventionen der Internationalen Arbeitsorganisation (ILO) und Umweltnormen beruhen. FLP hat damit für rund 20.000 ArbeiterInnen in Schnittblumen-Plantagen in Afrika, Asien und Lateinamerika bessere Arbeitsbedingungen durchgesetzt, wie etwa feste Arbeitsverträge, Mutterschutz, Arbeits- und Gesundheitsschutz. Das ist ein klarer Verdienst derjenigen Organisationen, die mit Bedauern heute nicht mehr ihren Platz im FLP haben.

FIAN, Brot für die Welt und terre des hommes werden sich weiterhin im Rahmen ihrer Arbeit für soziale Rechte im Blumensektor stark machen. Auch die IG BAU unterstützt in Zukunft die Siegelung durch den Fairen Handel. Die vier Organisationen fordern KonsumentInnen dazu auf, sich beim Kauf für Fairtrade zertifizierte Blumen und Pflanzen zu entscheiden.

Kontakt:

FIAN Deutschland: Joachim Vorneweg, u.hausmann [at] fian.de, Telefon +49 172 8063877

FIAN Österreich: Sophie Veßel, sophie.vessel [at] fian.at, Telefon +43 01 235023912

IG BAU: Sylvia Honsberg, sylvia.honsberg [at] igbau.de, Telefon +49 171 7423450

terre des hommes: Michael Heuer, m.heuer [at] tdh.de, Telefon: +49 541 7101145

Eine Welt Zentrum Herne: Martin Domke ewz-info [at] kk-ekvw.de, Telefon +49 2323 994970

Weitere Informationen:

Ausführliche Stellungnahme von FIAN Deutschland zum Austritt aus dem Flower Label Program

 

(Quelle: FIAN Deutschland e.V.)

BRD: Die 3. Welt im 2. Weltkrieg (AUSSTELLUNG)

Donnerstag, September 22nd, 2011

“Ein vergessenes Kapitel der Geschichte

 

2wk

 
Millionen Soldaten aus Afrika, Asien und Ozeanien haben im Zweiten Weltkrieg gekämpft, um die Welt vom deutschen und italienischen Faschismus sowie vom japanischen Großmachtwahn zu befreien. Sowohl die faschistischen Achsenmächte als auch die Alliierten rekrutierten in ihren Kolonien Hilfstruppen und Hilfsarbeiter oftmals mit Gewalt. Hunderttausende Frauen waren Opfer sexueller Gewalt. Rekruten aus den Kolonien mussten sich mit weniger Sold, schlechteren Unterkünften und geringeren Kriegsrenten als ihre “weißen Kameraden” zufrieden geben. Weite Teile der sogenannten Dritten Welt dienten auch als Schlachtfelder und blieben nach Kriegsende verwüstet und vermint zurück.
Doch so gravierend die Folgen des Zweiten Weltkriegs in der sogenannten Dritten Welt auch waren, in der hiesigen Geschichtsschreibung kommen sie nicht vor.
Dies zu ändern ist das Ziel dieser Ausstellung, die vom Rheinischen JournalistInnenbüro in Köln und vom gemeinnützigen Verein Recherche International e. V. getragen wird und in Essen von der Volkshochschule sowie von EXILE Kulturkoordination e. V. präsentiert wird.
Die Ausstellung umfasst historische Fotos und Dokumente mit erläuternden Texten sowie Hör- und Filmstationen.

Ausstellung und Begleitprogramm
vom 22. September bis 13. November 2011
Volkshochschule Essen, Burgplatz 1
Ausstellungsfoyers 2., 3. und 4. Etage

 

Öffnungszeiten:
22. September bis 13. November 2011, montags bis freitags sowie
am Samstag, 8. Oktober und 12. November, jeweils 9 bis 21 Uhr,

Sonntag, 9. Oktober und 13. November, 9 bis 18 Uhr

 

‣ Den Flyer (PDF) zur Ausstellung erhalten Sie hier.

‣ Eine begleitende Internetseite liefert weitere Informationen.

Siehe auch:

Geschichte der “Geschichtslosen”