Posts Tagged ‘Atommüll’

Global: Uran – der dreckige Atombrennstoff

Freitag, Mai 13th, 2011

“Die angeblich „saubere“ Atomenergie erzeugt schon am Anfang einen gigantischen Haufen strahlenden Mülls: radioaktiver, giftiger Schlamm, der das Grundwasser bedroht, die Luft verseucht, die Bevölkerung verstrahlt. Die angeblich „umweltfreundliche“ Atomenergie hinterlässt schon vor Produktion der ersten Kilowattstunde „National Sacrifice Areas“, Opferzonen, die radioaktiven Mondlandschaften gleichen. Die angeblich „ungefährliche“ Atomkraft fordert gleich zu Beginn zehntausende von Opfern – ArbeiterInnen, die im radioaktiven Staub von Minen und Gruben ihre Gesundheit oder gar ihr Leben verlieren. Der Grund heißt: Uran.

Kein Atomkraftwerk läuft ohne das radioaktive Schwermetall Uran. Seit Jahrzehnten kann die Fördermenge weltweit den Verbrauch nicht decken. Die Lagerbestände gehen zu Neige. Entsprechend groß ist der Druck, weltweit neue Abbaugebiete zu erschließen. Die Leidtragenden sind in vielen Fällen indigene Bevölkerungsgruppen, auf deren Land das Uran liegt. In der politischen und juristischen Auseinandersetzung um die Abbaurechte ziehen sie oft den Kürzeren. Für die energieverschwendenden Großkraftwerke in anderen Ländern verlieren sie ihre Heimat, büßen sie mit ihrer Gesundheit. Von den Minen bleiben ihnen, von ein paar Jobs abgesehen, vor allem die radioaktiven Emissionen und strahlenden Hinterlassenschaften.

Internationale Bergbaukonzerne profitieren in vielen Fällen von der politisch und wirtschaftlich labilen Lage in den Abbauländern. Arbeitsschutz- und Umweltschutzstandards sind oft haarsträubend niedrig. Viele Minen, aus denen auch das Uran für die hiesigen Atomkraftwerke kommt, dürften hierzulande nie so betrieben werden. Und wie so oft beim Thema Atom bleiben auch beim Abbau der strahlenden Rohstoffe die Folgekosten an der Allgemeinheit hängen.

Wer Leid, Umwelt- und Gesundheitsschäden durch den Uranbergbau verhindern will, der muss vor allem eins: aus der Atomkraft aussteigen. Je schneller, desto besser.

● Fragen und Antworten zur Herkunft des Urans beantwortet die 32-seitige Argumente-Broschüre im Hosentaschenformat zum Bestellen oder Herunterladen

● Der Film “Uranium- is it a country?” begleitet das Uran auf seinem Weg aus dem australischen Outback bis in die europäischen Atomkraftwerke”

 

(Quelle: .ausgestrahlt)

Mongolei: Endlager für Atommüll

Dienstag, Mai 10th, 2011

Von Klaus Wallmann sen.

Vor dem Hintergrund der absolut ungelösten Frage, wie die weltweit ca. 300.000 Tonnen strahlende Mülls der Atomanlagen “endgelagert” werden sollen, verhandeln die japanische und die US-Monopolregierung derzeit mit der Mongolei über den dortigen Bau eines “Endlagers”. Im Gegenzug für die “Hilfe” der beiden Staaten bei der Errichtung von Reaktoren und Brennstofffabriken sowie bei der Erschließung großer Uranvorkommen in der Mongolei, soll dieses Land also für die “Entsorgung” ausländischen Strahlenmülls mißbraucht werden. Das ist “Entwicklungshilfe”, wie sie Imperialisten verstehen.

Dem unter Bush geplanten “Endlager” in Nevada erteilte Obama vor seiner Wahl bereits eine Absage, weil der Widerstand der eigenen Bevölkerung zu groß war. Das Leben und die Gesundheit der mongolischen Bevölkerung ist für ihn und Kan offensichtlich weniger von Interesse.”

 

(Quelle: randzone.)

Angola: Atommacht im Wartestand

Donnerstag, Mai 5th, 2011

“Hunger nach Atom und Macht

Von Emanuel Matondo

Angola ist reich an Naturressourcen und gesegnet mit fruchtbaren Böden, aber die Bevölkerung ist weiter arm und das Land mit Millionen von Landminen verseucht. Doch seine Herrscher befinden sich derzeit im Rausch. Aus den steigenden Erdölpreisen in den Jahren 2004 bis 2007 hat das Land enorme Einnahmen erzielt, so hoch wie nie zuvor, und eine unbekannte Menge an Geldreserven angesammelt. Keiner weiß genau, wo das Geld deponiert ist, keiner außer einer kleinen Gruppe aus der Elite um den Präsidenten José Eduardo dos Santos, den Alleinherrscher Angolas. Diese winzige Minderheit von nicht einmal 3.000 Familien teilt sich die Erdöleinnahmen, und ihre Angehörigen sind über Nacht zu Multimillionären aufgestiegen. Gleichzeitig agieren sie als Großinvestoren bei der Privatisierung von staatlichen Unternehmen, die seit nun mittlerweile fünf Jahren vorangetrieben wird.

Aufstieg zur Atommacht?

Die Machthaber in Luanda hegen große Ambitionen, die über die Rolle Angolas als Regionalmacht hinausgehen. Präsident dos Santos will auch in der Atomfrage Südafrika dessen Rolle streitig machen. Angola will unbedingt die nukleare Technologie importieren und Atomanlagen im Lande aufbauen lassen. Nach bisherigen Beobachtungen laufen die Vorbereitungen dafür in Angola und im Ausland langsam an. Angola scheint auf dem ungehinderten Weg zur zweiten regionalen Nuklearmacht im Südlichen Afrika. Für die Entwicklung, Umsetzung und Zielerreichung kann sich Luanda überwiegend auf China, die USA, Frankreich, Nordkorea und Vietnam verlassen. Aber auch auf die Internationale Atomenergiebehörde in Wien.

Dabei stellt sich auch die Frage, welche Rolle dabei Deutschland spielt. Welche Interessen haben deutsche Konzerne bezüglich des großen Energieprojektes Angolas? In den wichtigen Diskussionsforen zur Energiefrage in Angola taucht auch der Name Areva Technik auf. Areva Technik ist eine Tochtergesellschaft des französischen Unternehmens und weltweit führenden Verbreiters von Atomtechnologie, die zu 34 Prozent der Siemens AG gehört. Nach vorliegenden Informationen ist die “Areva Energietechnik GmbH Sachsenwerk Medium Voltage” (Areva T&D) am angolanischen Flüssiggas-Projekt (Liquified Natural Gas, LNG) beteiligt und wird die Schaltanlagen von 36kV dafür beliefern.

Mit der “Gemeinsamen Absichtserklärung über eine strategische Partnerschaft zur Erweiterung und Vertiefung der wirtschaftlichen Zusammenarbeit zwischen der Republik Angola und der Bundesrepublik Deutschland” vom 27. Februar 2009 haben sich beide Länder in Absatz 1.4. auf einen “konstruktiven Dialog . zu Energiefragen” geeinigt. Als Punkt g) wird der Bereich “Mechanismus für umweltverträgliche Entwicklung (Clean Development Mechanism – CDM) des Protokolls von Kyoto” genannt. Danach “teilen beide Seiten die Auffassung, dass sich auch weitere Bereiche als geeignet erweisen könnten, in die angestrebte Zusammenarbeit im Energiebereich einbezogen zu werden.”

Der Begriff “CDM” wird seit der UN-Klimakonferenz von Kyoto von Atomlobbyisten weltweit in allen Foren immer wieder gerne vorgetragen, um den Regierenden der unterentwickelten Länder eine Pro-Nuklearpolitik schmackhaft zu machen und diese teure und gefährliche Technologie dort verkaufen zu können. Die Vermutung liegt also nahe, dass Deutschland mit dieser Absichtserklärung bereit wäre, den Transfer von Nukleartechnologie oder auch die Lieferung von “Dual-Use”-Materialien nach Angola zu dulden oder durch seine Kontrollbehörden zuzulassen. Mit dem Einstieg von Areva Technik ins Liefergeschäft von Energieanlagen nach Angola wäre es keine Überraschung, wenn die Welt eines Tages über die Verbreitung von Nuklearmaterialen “Made in Germany” in Angola erfahren würde. Die Tatsache, dass die “Motoren” für den Bau der ersten gepanzerten Fahrzeugen für Truppenbewegungen der neu entstandenen Militärindustrie der angolanischen Armee aus Deutschland kamen, lässt schon ahnen, was die strategische Partnerschaft mit der angolanischen Öl-Oligarchie bedeuten könnte: Aufrüstung und Förderung einer Despotie.

Hilfe von Atomexperten aus den USA

Die anderen Areva-Verbindungen zu Angola laufen über die USA. Dort ist der Nuklearkonzern auch Silber-Sponsor von Veranstaltungen der einflussreichen US-Atomlobby-Organisation American Nuclear Society (ANS), die jährlich Messen oder Expo, Ausbildungsseminare und sonstige Treffen für die Zusammenkunft von Experten, Konzernen und Neuankömmlingen organisiert. Hier wird sowohl das Know-How verbreitet als auch die Strategie für Atom-Propaganda erarbeitet.

“Angola braucht unbedingt die Nukleartechnologie, um des Energieproblems im Lande Herr zu werden und den Industrialisierungsprozess voranzutreiben. Das Land wird seine Atomtechnologie nur für friedliche Zwecke gebrauchen”(4), betonen die Regierenden auf allen Veranstaltungen, um die Welt zu beruhigen.

Atom nur für zivile Zwecke? Jeder weiß, dass mit der Aneignung dieser Technologie jeder Besitzer sozusagen zur “virtuellen Nuklearmacht” wird, sagen die Experten. Es ist immer schwierig, diese sensible, aber teure Technologie von militärisch-strategischen Zielen eines Landes zu trennen. Deshalb bleibt sie auch unter Kontrolle des Militärs.

Atomenergie zur Sicherung des Strombedarfs

Im Jahr 1999 trat Angola der Internationalen Atomenergiebehörde IAEA bei, mit dem Ziel, seinen Beitrag zur “atomaren Sicherheit weltweit zu leisten und damit auch die Risiken für Nuklearunfälle zu minimieren.” Gleichzeitig erkannte das Land das “Übereinkommen über nukleare Sicherheit” an. Diese Rhetorik wurde auf allen IAEA-Foren von angolanischen Delegationen immer wieder vorgetragen. Doch mit dem Boom, den die höheren Erdölpreise dem Land bescherten, begann die Elite im Jahr 2003, über die Industrialisierung nachzudenken.

Angesichts der andauernden Stromprobleme, mit denen Angola permanent konfrontiert ist, würde eine ungelöste Energiefrage der Industrialisierung des Landes im Wege stehen. Luanda sieht dabei die Atomenergie als Allheilmittel. Mittlerweile hat man sich die propagandistischen und irreführenden Begriffe der Atomlobbyisten zu eigen gemacht und verkauft die Atomenergie im südwestlichen Afrika als harmlos oder ungefährlich für Mensch und Umwelt, aber auch als die sauberste Energie der Welt mit einem Ausstoß von null CO2. Mit Anspielung auf das Kyoto-Protokoll verharmlosen Luandas Herrscher die Atomenergie nicht nur als menschenfreundlich, sondern auch als klimaschonend. Damit begannen auch die Ministerialberatungen unter der Federführung von dos Santos selbst und der Koordinierung vom Wissenschafts- und Technologieministerium.

“Konzept des Sozialkapitalismus”

Den Entwurf des angolanischen Nuklearprogramms verfassten die Gründer eines Konsortiums im April 2008 mit dem Titel “The Angola Citizen`s Permanent Trust Fund & Industrial Infrastructure Project”. Darin bezeichnen sie ihre Initiative als “ein Konsortium, das mit dem Ziel gegründet worden ist, die Erdöleinnahmen des Landes angemessen zu verwenden, und zwar, um aus Angola eine industrialisierte Gesellschaft im 21. Jahrhundert zu machen.”

Glaubt man den Verfassern des Nuklearprojekts Angolas, “wollen sie sowohl Infrastruktur entwickeln als auch Vermögen bilden”, welche von ihrem “Permanent Trust Fund` kontrolliert und 100-prozentig unter Besitz der angolanischen Bevölkerung stehen werden. “Alles basiert auf dem Konzept des Sozialkapitalismus”.

Eine Rhetorik, die viel zu schön klingt, um wahr zu sein. Ging es nach diesem Konsortium, werden oder wollen sie “mit der Errichtung einer Atomanlage in Angola” zur Stromproduktion “die Armut effektiv bekämpfen” und damit auch den Hunger besiegen. Wenn schon die Regierenden Angolas mit ca. 80 bis 100 Mrd. US-Dollar aus den jährlichen Erdöl- und Diamanteneinnahmen nichts gegen die Massenverelendung der angolanischen Bevölkerung und den permanenten Hunger unternimmt, wie können sie die Armutsbekämpfung allein mit dem Bau von einer oder mehreren Atomanlagen im Lande erreichen und die Ressourcen gerecht umverteilen?

Für den Bau der nuklearen Infrastruktur in Angola nimmt das Konsortium den südafrikanischen “PebbleBed Modular Reactor” (PBMR) als Modell, welchen der MIT-Wissenschaftler Kadak in seinen Ausführungen als eines weltweit innovativsten und revolutionärsten darstellt. Nach den Worten von Kadak scheint ein von Thorium betriebener Reaktor nicht so gefährlich und zugleich kostengünstig für jedes afrikanische Land zu sein. Für ihn gilt Thorium außerdem als vorteilhaft wegen der Minderung der Schwierigkeiten mit seiner Lagerung und weil es unmöglich sei, aus diesem Nuklearprodukt waffenfähige Materialien herzustellen.

Dass aber Thorium ein Abfallprodukt von Uran 235 ist und fast so viel Anteil radioaktives Gift beinhaltet, welcher eine unmittelbare Gefahr für die Menschen und seine Umwelt darstellt, das erwähnen die Verfasser um den MIT-Wissenschaftler erst gar nicht. Die Frage nach dem Atommüll spielen sie herunter und weisen auf die Harmlosigkeit von Thorium hin.

Uran macht begehrlich

Das angolanische Parlament hat im Haushalt 2011 erstmals die Mittel für das Nuklearprogramm der Regierung bereitgestellt. Damit ist Angola seinem ersehnten Ziel zur Atommacht noch näher gekommen. Zielbewusst haben Luandas Machthaber die Zusammenarbeit mit anderen Mächten gesucht: Ende 2007 zeigte sich China bereit für die finanzielle Unterstützung; und Vietnam sagte Angola wissenschaftliche Hilfe zu bei der Ausbildung von angolanischen Wissenschaftlern in Nuklearphysik und dem Aufbau eines entsprechenden Curriculums an der staatlichen Universität Angolas Agostinho Neto.

Es ist wohl auch die Gewissheit, dass Angola über Uran verfügt, was die Supermächte anzieht, die nun ungeduldig auf die Freigabe seiner Ausbeutung warten. So kann sich Angola alles leisten, z.B. als regionale Großmacht gegenüber seinen militärisch schwachen Nachbarn wie die DR Kongo und Kongo-Brazzaville die Muskeln spielen zu lassen und massenhaft Flüchtlinge aus diesen beiden Ländern gewaltsam abschieben zu lassen, ohne je Vorwürfe oder gar Sanktionen seitens der internationalen Gemeinschaft befürchten zu müssen.

Bisher wissen viele Menschen in Angola und in der Region noch nicht, dass Angola nach nuklearer Macht strebt. Dass Angola dann mehr als eine einfache Militärmacht ist, wird sicherlich noch viele Menschen in Aufregung versetzen. Die Stunde der nuklearen Proliferation in Südwestafrika hat erst begonnen. Damit steigt auch die Gefahr für sinnlose Aufrüstung in der Region. Es bleibt die Frage, ob ein armes Land eine so teure Technologie braucht, wenn es sogar seine eigene Bevölkerung nicht mal mit Brot und Medizin versorgen kann?

Der Beitrag ist eine stark gekürzte Fassung eines Artikels, der in der Fachzeitschrift “afrika süd”, 39. Jahrgang, Nr. 5/6, November/Dezember 2010 erschien. Die Originalfassung enthält auch ausführliche Belege.
http://www.issa-bonn.org

Emanuel Matondo ist angolanischer Kriegsdienstverweigerer und Gründer der Angolanischen Antimilitaristischen Menschenrechtsinitiative (IAADH). Seit zehn Jahren arbeitet die Gruppe gegen Krieg und Unterdrückung, gegen Korruption und Menschenrechtsverletzungen in Angola. Er lebt in Deutschland.”

 

(Quelle: Netzwerk Friedenskooperative.)

Hinweis:

● Die o. g. Ausgabe der Zeitschrift “afrika süd” finden Sie zur Ausleihe in unserer Bücherei.

Global: Time for a change!?

Mittwoch, Mai 4th, 2011

“Energie und Wachstum

Wenn der nukleare Zyklus sich schliesst, dann als Explosion, als Super-GAU. Fukushima, mon horreur. Der Zyklus wird durch die Katastrophe geschlossen, und das macht die atomare Technologie so gefährlich.

Von Elmar Altvater

Öffnet der Schrecken von Fukushima uns die Augen? Überdenken wir unser Verhältnis zur Natur, unser Energiemodell, unsere Wachstumswirtschaft? Der Ökonom Elmar Altvater ist skeptisch. Wir scheinen die Diskrepanz zwischen unserem Handeln und dem Wissen um dessen Folgen immer noch nicht wahrhaben zu wollen.

«Wenn alles verstrahlt ist, hilft auch kein Mindestlohn», kommentierte der Deutsche Klaus Ernst, Ko-Vorsitzender der Linkspartei, das gute Abschneiden der Grünen und die Misserfolge der Linkspartei bei den jüngsten Landtagswahlen in Baden-Württemberg und Rheinland-Pfalz Ende März. In der Tat: Die Katastrophe von Fukushima hat politische Konzepte und Strategien nicht nur in Japan obsolet gemacht. Selbst die Weltwirtschaftskrise, die ja weiter höchst virulent ist und inzwischen schon so manchen Staat an den Rand der Pleite und den Euroraum fast zum Kollaps brachte, hat weniger drastisch zum Ausdruck gebracht, was Globalisierung konkret bedeutet, als das nukleare Desaster im 9000 Kilometer entfernten Japan.

Die Globalisierung und vor allem ihr Symbol und Vehikel der Container sind dafür verantwortlich, dass bereits jetzt radioaktives Material aus Japan in alle Welt verstreut wird. Müssen nach der Lockerung von Zoll- und Personen­kontrollen, nach der (Neo-)Liberalisierung der Finanztransaktionen trotz intensiver Migration, trotz Kulturaustausches, Internets und Mobiltelefons, trotz der vielen formellen und informellen Meetings im Rahmen der G8, der G20 und so weiter – müssen nun neue Radioaktivitätskontrollen eingeführt werden? Beenden Lieferstopps die globalisierte Just-in-time-Produktion, die für die überlegene Wettbewerbsfähigkeit des «Standorts Japan» verantwortlich ist?

Kurzum: Sind mit einer Art terrestrischem Urknall Grenzen der Globalisierung entstanden?

Die Antwort ist: Die Grenzen gab es immer, sie sind nur nicht beachtet worden. Sie sind von der Natur errichtet, wie schon Friedrich Engels in der «Dialektik der Natur» weitsichtig ausführte: «Schmeicheln wir uns nicht zu sehr mit unsern menschlichen Siegen über die Natur. Für jeden solchen Sieg rächt sie sich an uns, so werden wir bei jedem Schritt daran erinnert, dass wir keineswegs die Natur beherrschen, sondern dass wir mit Fleisch und Blut und Hirn ihr angehören und mitten in ihr stehn.» Ökonomische Rationalität verkehrt sich, wenn die Produktiv- und Destruktivkräfte weit genug ent­wickelt sind – und dies ist im Atomzeitalter der Fall –, nicht nur in Irrationalität, sondern in Katastrophen.

Die Natur und unser Verhältnis zur Natur rücken weit nach vorn auf der politischen Agenda. Bislang bemühten sich die Parteien, vor allem «ökonomische Kompetenz» zu zeigen; mit diesem Anspruch hat die SPD in Hamburg die Landtagswahl im Februar 2011 gewonnen. Meistens ist dies die Ankündigung eines hemmungslosen wirtschaftspolitischen Opportunismus. Dessen Rationalität besteht darin, dass man mächtige Kapitalgruppen bedient und ihren Medien nach dem Mund redet. Gemessen wurde und wird kompetentes Wirtschaften an der wirtschaftlichen Wachstumsrate eines Landes oder einer Region. Darauf hat sich eine Maxi-Koalition verständigt, in der auch viele Strömungen der Linken mitmachen: Mit Wachstum – und besser noch mit einer «Wachstumsbeschleunigung» – lassen sich die wirtschaftlichen Probleme unserer Zeit bewäl­tigen. In Deutschland gehörte daher ein «Wachstumsbeschleunigungsgesetz» in die Wundertüte der konservativ-liberalen Koalition.

Das könnte wieder einmal ein Plagiat sein, denn Angela Merkel hat wie ihr Ex-Verteidigungsminister abgeschrieben. Von wem? Von der linken Regierung Lula in Brasilien, die ab 2007 ein «Programm zur Beschleunigung des Wachstums» umsetzte – ökonomisch zwar ziemlich erfolgreich, aber mit einer verheerenden ökologischen Bilanz. Die Grünen hingegen versprechen mit einem Green New Deal ein «grünes» und nachhaltiges Wachstum – was auch immer sie darunter verstehen. In Deutschland beharrt zudem die Linke auf der Notwendigkeit von Wachstum, sozial ausgeglichen und ressourcenschonend, wenn auch nicht einhellig. Offenbar ist Wachstum immer noch der ideologische und politische Stabilitätsanker in einer Gesellschaft, die, wie der österreichische Sozial­philosoph Günther Anders in den fünfziger Jahren schrieb, «die Produktion [des] eigenen Untergangs pausenlos betreibt» und meint, diesen Betrieb nur durch immer mehr Ressourcen- und Energieverbrauch, also durch Wachstum, bis zum bitteren Ende fortsetzen zu können.

Die Katastrophe in Permanenz

Doch geht das überhaupt? Zweifel sind angebracht. Denn der «Traum der Vernunft gebiert Ungeheuer», wie der spanische Maler Francisco de Goya sie in seinen «Caprichos» zeichnete. Es ist etwas geschehen, was in keinem Drehbuch der Mainstreamökonomie vorgesehen war: erst die Kernschmelze der Weltfinanzen nach dem Subprime-Hypothekendebakel und dem Bankrott der Lehman-Bank in den USA. Hohn und Spott auf die Theorie der effizienten, weil neoliberalisierten Finanzmärkte. Dann kamen die Pleiten in der «realen Wirtschaft» und die sprunghafte Steigerung der Staatsverschuldung, die den Euroraum erbeben lässt. Die Probleme der Ökonomie lassen sich, so die Hoffnung, mit viel Geld aus öffentlichen Kassen bewältigen. Das ist ein Irrtum, der vor allem jene teuer zu stehen kommt, die nicht mobil genug sind, ihre Steuerzahlungen durch Kapitalflucht «optimieren», das heisst am Fiskus vorbei minimieren zu können. Die Empörung über Steuervermeidung und -hinterziehung oder über ökonomische und soziale Un­gerechtigkeit wird derzeit allerdings von schrillen ökologischen Alarm­glocken übertönt.

An einen Katastrophenalarm hat man sich schon so sehr gewöhnt, dass «der Schlaf der Vernunft» fortgesetzt werden könnte: Der Klimawandel ist als nicht zu änderndes Geschick beinahe ins Alltagsleben der Menschen eingebettet. Doch beruhigen kann das nicht. Denn die Verbrennungsprodukte der fossilen Energieträger verbleiben für etwa 120 Jahre in der Erdatmosphäre und heizen sie auf. Die Naturgesetze sind verantwortlich. Einmal verbrauchte fossile Reserven stehen kein zweites Mal zur Verfügung. Als Energieträger sind sie weg, doch die so nützlichen Kohlenwasserstoffe sind dabei in das so schädliche Kohlendioxid verwandelt worden. Nichts geht in der Natur verloren, sagt der erste Hauptsatz der Thermodynamik («Energie kann weder erzeugt noch vernichtet, sondern nur in andere Energiearten umgewandelt werden»), aber in einem irreversiblen Prozess löst die Konzentration des CO2 in der Atmosphäre die Klimakatastrophe mit ihren Sekundär- und Tertiärfolgen aus, vor denen die Klimawissenschaftler warnen: Überschwemmungen und Dürreperioden zu Zeiten und an Orten, wo sie nicht passieren dürften, Gletscherschmelze und Verschwinden der polaren Eiskappen. Der Meeresspiegel steigt an und flache Inseln und ganze Küstenlandstriche könnten überflutet werden; in einigen Jahrzehnten versinkt vielleicht auch das Kraftwerk von Fukushima im Meer. «Ungewöhnliche Wettereignisse» werden häufiger die Menschen plagen; die Hitze in Russland während des Sommers 2010 hat an die 55 000 Menschenleben gefordert, rechnen die Rückversicherer in ihren jährlichen Schadensbilanzen vor.

An diesem Punkt angelangt, kann man anfangen, das gelernte Einmaleins der Kostenrechnung auf die Klimakatas­trophe anzuwenden, und ökonomisch «rational» entscheiden, ob man den Klimawandel laufen lassen und die Schäden in Kauf nehmen oder mit teuren Vorsorgemassnahmen bekämpfen sollte.

Verantwortung und Vorsorge

Das Vorsorgeprinzip folgt direkt aus der vom Philosophen Hans Jonas in seinem «Prinzip Verantwortung» hervorgehobenen Diskrepanz zwischen der räumlichen und zeitlichen Reichweite unseres Handelns (die ja mit dem wirtschaftlichen Wachstum immer grösser wird) und unserem Wissen über die Folgen dieses Handelns. Das hat die Paradoxie zur Folge, dass einerseits unser Wissen geometrisch wächst wie die Wirtschaft, dass wir andererseits jedoch immer weniger wissen können, welche unbeabsichtigten Nebenfolgen unser absichtsgeleitetes Handeln wann und wo haben wird, weil unser Handeln zeitlich und räumlich immer weiter ausgreift. Der Philosoph Jürgen Habermas hat das als einen Beitrag zur «neuen Unübersichtlichkeit» gedeutet.

Das politische Vorsorgeprinzip ist umkämpft. Niemand wird es unvernünftig finden, aber die zu ziehenden Konsequenzen sind dennoch umstritten, zumindest solange der (Aber-)Glaube vorherrscht, mit der Förderung von Wachstum und Wettbewerbsfähigkeit liessen sich die meisten Welt­probleme bewältigen. Wer dem Vorsorgeprinzip zu politischer Bedeutung verhelfen will, muss gegen die sich alternativlos darstellende Rationalität und Selbstgewissheit der Ökonomie als Wissenschaft vorgehen und die Lobbygruppen bekämpfen, die den kurzfristigen Profit über die langfristige Vorsorge stellen. Die Möglichkeit der Katastrophe als Folge dieser spezifischen «Rationalität», sprich der Umschlag rationaler Handlungsmus­ter in die gesamtgesellschaftliche Irrationalität, wird verdrängt. Das hat die Europäische Umweltagentur in einer Studie vor genau zehn Jahren bereits unter dem Titel «Late lessons from early warnings» (Späte Lehren aus frühen Warnungen) leicht resigniert festgehalten.

Am Ende der fossilen Energiekette

Dass die Katastrophe möglich ist, zeigt sich nicht erst am Ende der fossilen Energiekette, bei der Emission von Treibhaus­gasen, sondern bereits an ihrem Anfang, bei der Erkundung und Förderung der fossilen Energieträger. Auch da sind Katastrophen offensichtlich nicht auszuschliessen. Die Ölverseuchung des Golfs von Mexiko nach der Explosion der Ölplattform Deepwater Horizon vor einem Jahr hat vor Augen geführt, mit welch enormen Risiken die Förderung des sogenannten nicht konventionellen Öls aus der Tiefsee verbunden ist, nachdem das «konventionelle» Öl zur Neige geht. Dem fossilen Zeitalter, das mit der Kohle und der industriellen Revolution gegen Ende des 18. Jahrhunderts begann, geht also der Brennstoff aus. Das ist eine Revolution, ob sie so genannt und wahrgenommen wird oder nicht. Der Energieträger, der die Moderne ebenso wie die Postmoderne angetrieben hat, geht zur Neige, und die fossilen Wandlungs- und Nutzungssysteme werden obsolet. Die das 20. Jahrhundert prägende fossile, fordistische oder auch postfordistische Kultur verschwindet. Sie wird jedoch nicht kampflos aufgegeben. Um den Zugang zu den Resten der Ressourcen und um Einfluss auf Vermarktung und Preisbildung werden mörderische Kriege geführt, im Irak und in Libyen, im Nigerdelta und im Sudan.

Lange wurde geglaubt, das Atomzeitalter sei die Alternative zur Epoche von Kohle, Öl und Gas. Der Schrecken von Hiroshima und Nagasaki im August 1945 hat die ungeheure Zerstörungskraft der Atomkraft ins menschliche Gedächtnis eingegraben. Er hat aber auch die Illusion genährt, diese ungeheure Energie als «Atome für den Frieden» in der Welt nutzbar machen zu können. Das Symbol der ersten Weltausstellung nach dem Zweiten Weltkrieg im Jahr 1958 in Brüssel war das 102 Meter hohe Atomium, ein Nachbau der Eisenkristallstruktur in 165-milliardenfacher Vergrösserung. Das Atom war auf Rolltreppen begehbar, gezähmt und den Menschen zu Diensten.

Doch seit den sechziger Jahren kam immer mehr Skepsis auf, zumal die Zahl der Atommeiler zunahm und für die Entsorgung nuklearer Abfälle keine akzeptable Lösung in Sicht war. Die Entsorgungsfrage wurde immer dringender. Wie sich das Verhältnis zum Atom seit den sechziger Jahren änderte, kann man in Deutschland an der Entwicklung der Zeitschrift «Atomzeitalter» verfolgen. Von der Befürwortung der atomaren «Zukunftstechnologie» entwickelte sich die Zeitschrift zu einem kritischen Organ der Skepsis gegenüber dem Atomzeitalter.

Zur Vorsorge, dem Prinzip, das auf der Konferenz der Vereinten Nationen über Umwelt und Entwicklung von Rio de Janeiro 1992 und dann in der EU-Umweltgesetzgebung verbindlich vereinbart wurde, gehört die sichere Entsorgung des Atommülls. Nur so kann der nukleare Zyklus vom Uranbergbau zur Endlagerung abgebrannter Brennstäbe geschlossen werden: Uran wird aus der Erdkruste gefördert und so angereichert, dass seine Kernenergie kontrolliert in Wärmeenergie umgesetzt werden kann. Diese wiederum kann zur Betreibung von Dampfturbinen und auf diesem Umweg zur Stromerzeugung genutzt werden.

Doch auch hier zeigt sich, dass nach dem ersten thermodynamischen Hauptsatz nichts verloren geht: Die abgebrannten Atombrennstäbe bleiben erhalten und müssen sicher gelagert werden, und zwar über Zehntausende von Jahren. «Entsorgung» heisst vollständige Isolierung gegenüber natürlicher Erosion und menschlichen Eingriffen. Dass das nicht über 10 000, ja noch nicht einmal über 30 Jahre möglich ist, hat die Katastrophe von Fukushima gezeigt. Wenn der nukleare Zyklus sich schliesst, dann also als Explosion mit nuklearem Fallout, als Super-GAU. Der Zyklus wird durch die Katastrophe geschlossen, und das macht die atomare Technologie so gefährlich.

Fukushima. Ein schöner Name für ein ganz grosses Unglück der Menschheitsgeschichte und – anders als der Film «Hiroshima, mon amour» von Alain Resnais nach einem Drehbuch von Marguerite Duras aus dem Jahr 1959 – für eine Liebesgeschichte ein viel zu garstiger, verstrahlter Ort. Ob der «­horreur» von Fukushima uns indes die Augen öffnet, ist nicht gewiss. Das ist ja nach Tschernobyl auch nicht geschehen. Und nach dem Schrecken von Fukushima folgt eine pervers zu nennende Normalisierung des «Weiter so», vergleichbar der Reaktion des Dr. Strangelove, der im gleichnamigen Film von Stanley Kubrick von 1964 begann, die Bombe zu lieben.

US-Präsident Barack Obama hat Ende März trotzig angekündigt, aus energiepolitischen Gründen weitere Atommeiler bauen zu lassen. Die Türkei plant Atomkraftwerke sogar in erdbebengefährdeten Regionen, und Projektnehmer ist das japanische Skandalunternehmen Tepco. Südkorea sieht keinen Anlass, die geplanten vierzehn neuen AKWs nicht zu bauen und die Kapazität nicht von 18,4 Gigawatt bis 2024 auf 35,9 Gigawatt zu verdoppeln. Atomkraftwerke sollen nach Autos, Halbleitern und Schiffen der südkoreanischen Exportoffensive Dampf machen. Frankreich will weiterhin achtzig Prozent seines Stromverbrauchs aus den 58 AKWs des Landes gewinnen. Russland hat neue AKWs in Planung und China auch.

Atomkraftwerke, eine Ware – der Kauf-, Kredit-, Nutzungs- und Wartungsvertrag mag sich auf drei oder vier Jahrzehnte erstrecken, doch für die Folgen von Produktion und Nutzung der Ware AKW ist die menschliche Gesellschaft in ihrer gesamten Geschichte zuständig, die Halbwertszeit von Plutonium-239 beträgt 24 110 Jahre, umfasst also einen Zeitraum, der mehr als doppelt so lang ist wie der von den ersten Anfängen der mesopotamischen Frühgeschichte vor 11 000 Jahren bis in die Gegenwart. In die atomare Halbwertszeit passen also zwei vollständige Geschichten der menschlichen Kultur.

Ein neues Energiemodell ist nötig

Wissen die AtomkraftbefürworterInnen eigentlich, was sie tun? In Deutschland stellt die Regierung Merkel nach der japanischen Katastrophe die Kernenergie infrage, nachdem sie erst im vergangenen Herbst den von der rot-grünen Vorgänger­regierung beschlossenen Ausstieg aus der Atomenergie mit einem Beschluss über die Verlängerung der Laufzeit der deutschen Atomkraftwerke rückgängig gemacht hatte. Nun aber werden die ältesten Reaktoren für drei Monate vom Netz genommen, um während eines befristeten Moratoriums ihre Sicherheit überprüfen zu können. Das ist Augenwischerei. Denn bis auf das AKW Isar 1 sollten alle anderen «stillgelegten» Atomkraftwerke sowieso zur Wartung abgeschaltet werden. Eine Ethikkommission soll diese Überprüfung begleiten. In der Europäischen Union sollen alle 143 Atomkraftwerke einem Stresstest unterworfen werden.

Was die deutsche Regierung von ihrem Beschluss hält, hat Wirtschaftsminister Rainer Brüderle auf einer Besprechung mit dem Bundesverband der Deutschen Industrie ausgeplaudert. Gemäss Gesprächsprotokoll wies Brüderle «erläuternd darauf hin, dass angesichts der bevorstehenden Landtagswahlen Druck auf der Politik laste und die Entscheidungen daher nicht immer rational seien». Das ist das Plädoyer eines «Homunculus oeconomicus» mit einer Rationalität, die noch nicht einmal versucht, die Diskrepanz zwischen Handlungsfolgen und Wissen darum aufzulösen. «Kompetente» Energiepolitik bedient immer nur die kurzfristigen Profitinteressen der Energiekonzerne, sie ist also borniert.

Die atomare Energie ist, anders als von den Brüderles aller Nationen erhofft und versprochen, keine Alternative zu den fossilen Energieträgern Kohle, Öl und Gas. Dies ist die wichtigste Lehre aus der Atomkatastrophe von Fukushima. Sie hat die fast vergessenen oder verdrängten Lektionen von Tschernobyl und Harrisburg bestätigt. Die weltweit agierende Atomlobby verweigert sich ihnen, und die Politik folgt ihr darin, möglicherweise aus einem Grund, den der SPD-Energiepolitiker Hermann Scheer in seinem kurz vor seinem Tod im Oktober 2010 veröffentlichten Buch «Der energethische Imperativ» erwähnt: «Die Atomtechnik ist in allen Atomwaffenstaaten eine ‹Double-­Use-Technik›. Atomare Rüstung ohne eigenes atomtechnologisches Potenzial ist nicht denkbar […]. Die Atomenergienutzung zu beenden bedeutet, die Abrüstung der Atomwaffen realisieren zu müssen.»

Atomkraftwerke schrecken tatsächliche und potenzielle Gegner ab, nicht nur weil sie Zeitbomben sind, sondern weil sie das technische Know-how und das Potenzial zum Bau der Atombombe dokumentieren. Weshalb sonst soll der Iran am Bau eines Atomreaktors gehindert werden?

Das Energiemodell der vergangenen Jahrzehnte, in dessen Zentrum sich Kohle, Erdöl, Erdgas und Atom befinden, muss schleunigst aufgegeben werden. Doch prompte Auswege aus dem fossil-nuklearen System sind schwer zu finden. Natürlich, erneuerbare Energien stehen als Alternative zur Verfügung. Doch wird das nur dann gehen, wenn nicht nur der fossile Treibstoff oder der Atomstrom durch Sprit aus Biomasse und Strom aus Windkraft ersetzt werden, sondern wenn auch die Energiewandlungssysteme und mit ihnen die Lebens- und Produktionsweise, wenn also auch gesellschaftliche und Naturverhältnisse grundlegend umgestaltet werden. Das geht nicht von heute auf morgen. Doch wäre es besser, heute und nicht erst morgen damit zu beginnen.

Fukushima mahnt; eine sozial gerechte Gesellschaft und eine friedliche Zukunft wird es nur mit der Nutzung solarer Energien geben.


Elmar Altvater



(Quelle: WOZ.)

USA: 1. Atomwaffentest vor 60 Jahren

Dienstag, März 1st, 2011

Atom bomb era over, but area still part of defense effort

BY KEITH ROGERS

Sixty years ago, a B-50 Superfortress flew through the pre-dawn darkness 3½ miles above desolate Frenchman Flat and opened its bomb bay doors.

A 1,000-pound atomic bomb, dubbed Able, fell through the chilly winter air and exploded before it hit the dry lake bed. It sent out a blinding white flash, followed by a red-orange glow and a shock wave. A mushroom cloud rose 14,000 feet, and a thunderous burst reverberated across the Mojave Desert.
That explosion on Jan. 27, 1951, marked the beginning of the atomic age in Nevada.

Nobody was killed by Able, about one- twentieth the size of Fat Man, the atomic bomb dropped over Nagasaki, Japan, on Aug. 9, 1945, which killed 39,000 people outright and brought the end of World War II.

Before daybreak that January morning, two cowboys rounding up strays on the bombing range “heard a rumbling sound like a big thunderclap that echoed through the hills,” according to that afternoon’s edition of the Las Vegas Review-Journal.

A second, more powerful atomic blast, Baker, lit up the sky the next day. The newspaper reported that a man at one of the Golden Nugget’s craps tables “felt the shock. He paused and looked around. ‘Must be an A-bomb,’ he said. He turned back to the table and went on with the game.” And a truck driver saw a white glare and a rising red glow from atop a highway grade in California, 100 miles south of Frenchman Flat. He said, “The bright flash blinded me for a few seconds and gave me quite a scare.”

It was clear that Las Vegas, at least the test site 65 miles northwest of it, had become ground zero for the nation’s nuclear efforts. It changed the culture of Las Vegas and ushered the country through the Cold War.

From 1951 until 1992, there were 928 nuclear tests involving 1,021 detonations at the test site. Today the test site still plays a vital role in countering terrorism, training first responders and providing scientists with the tools they need to ensure the nation’s nuclear weapons remain safe and reliable.

Vegas goes atomic

Al O’Donnell, 88, is the last person alive who saw that first test, or “shot,” from the control point. He watched Able through goggles thick as a windshield and dark enough to blot out the midday sun.

“It was the christening of the Nevada Test Site,” said O’Donnell, a Navy veteran who came to the proving ground at age 28. “All of a sudden you see this burst of light and (you) have a tendency to lift up the goggles just a bit. I see this light coming up under the goggles quick. You drop (them) back over your eyes again because you’d burn your eyeballs out if you looked at it with bare eyes.”

The atomic culture quickly exploded in Las Vegas.

For years, the bright flashes and the orange fireballs that lit up the northwestern sky were clearly visible to the city’s 25,000 residents. The shock waves were unforgettable.

“The sky room of the Desert Inn — the lounge up there had glass, and so people would be up there and drink all night long, raise hell and see this goddamned nuclear thing go off in the morning,” former U.S. Sen. and Gov. Richard Bryan said.

Bryan attended Las Vegas High School during the heyday of atmospheric tests; a mushroom cloud graced the cover of his sophomore yearbook.
“Nevadans were very enthusiastic about it,” he said. “We were going to be a part of the nuclear age.”

Atomic tests became a tourist attraction. There were atomic hairdos, atomic drinks and showgirls in mushroom-cloud swimsuits. Elvis Presley was billed as “The Atomic Powered Singer” when he debuted at the New Frontier in 1956.

“Atomic this, atomic that was kind of cutting edge. You were kind of ‘with it,'” said Bryan, who later worked as a billeting clerk at the test site. “This was advertising. You can see the nuclear age before your very eyes. No other place in the country could you do this.”
His teachers saw it as a learning opportunity. He remembered reading assignments about atomic energy and a future with nuclear cars, planes and home reactors.

“I could not grasp math then or now, but we were told the nuclear flash traveled at the speed of light, and I understood that was faster than the speed of sound,” he said. “We were asked to get up early in morning, and from the time we saw that flash on the horizon — you could see it, it was brilliant — until we felt the seismic impact, buildings shook; you could roughly calculate the distance you were from ground zero.”

VIEW FROM GROUND ZERO

Ernie Williams could do the math. A former Air Force special weapons sergeant, he arrived at the test site in 1955. In all, he observed 80 atmospheric detonations during tests on Pacific atolls and at the Nevada Test Site.

“You’ll never see a mushroom cloud alike,” he said. “When I saw my first shot here, it brought sweat pebbles to my forehead because they were awesome, but I didn’t realize how awesome they were. The bright, white light will be seen as far away as roughly 300 miles.”

The site became the place where some of the largest man-made craters were formed and some of the world’s deepest shafts cut; where 9,000 troops trained; where some of the largest and most spirited nuclear protests were held; where some of the nation’s most futuristic technologies were tried out; where astronauts learned to drive lunar buggies for missions on the moon; and where some of the most deadly poisons were released. Part of Yucca Flat also was transformed into mock towns, built only to be blasted into dust.

One blast stands out in Williams’ mind: Apple-2 on May 5, 1955. The 29-kiloton bomb exploded and vaporized most of its 500-foot steel support tower. The test was designed to gauge effects on a makeshift city with mannequins placed at various distances.

Williams, now 80, recalled checking a mannequin almost three- quarters of a mile from ground zero. The heat had transferred the dye from its flower-print dress onto the white slip below.

The blast shattered windows and cracked the brick chimney in a wooden house but only nudged the mannequins inside.

Earlier this month, he walked through the frozen dry lake at Frenchman Flat and spied the rusted steel of an elevated railway bridge twisted by the June 24, 1957, Priscilla shot — a 37-kiloton yield, more than twice that of the atomic bomb that leveled a wide area of Hiroshima, Japan, in World War II.

Not far from the pine benches where goggle-wearing workers had watched the explosion, he recalled, veterinarians examined the animals — including 719 pigs — that had been subjected to the blast.

That afternoon Williams suited up to enter the bank vault. Concrete had been peeled away and steel rebar rods looked like twisted spaghetti. Inside the vault, he found a gold bar intact but silver coins blackened by intense heat and accounting papers so brittle they crumbled on touch.

COLD WAR CHILL

At the Main Street offices of the Atomic Energy Commission in downtown Las Vegas, a set of signal lights above the building let people know a test was about to occur. Blue meant the shot would take place; red signaled the test had been called off, usually because of weather. The force of the bombs, coupled with certain atmospheric conditions, would sometimes surprise scientists, shattering windows on Fremont Street.

By the ’60s, fear was building in the minds of students at West Charleston Elementary School as they rehearsed “duck and cover” drills.

“They had a big siren, a big horn not far from the school,” said Wayne Christensen, who was 10 years old in 1960. “Every so often that big ol’ horn would start wailing. As soon as that happened we were supposed to climb under our desks and put our heads under our arms and try and hide because those nasty Soviet Union persons were going to drop big nuclear bombs on our heads so we had to protect ourselves.”

There was a feeling of impending doom spurred by the Cuban missile crisis, Christensen recalled. His dad thought President John F. Kennedy “was going to blow us off the face of the Earth. My uncle started digging a big hole in his backyard. He was going to put in a bomb shelter.”

Now Christensen teaches history students at Palo Verde High about the test site being “the front lines of the Cold War” and its cultural, political and economic impacts.

“It built the town,” he said. “You have Nellis Air Force Base. You have the test site and you have gambling. The No. 1 employer after the hotels was the test site.”

TOWARD THE THAW

Troy Wade, a mechanical engineer, came to the test site in 1958, about the time President Dwight D. Eisenhower and Soviet leader Nikita Khrushchev were edging toward a moratorium on nuclear tests.

The last atmospheric tests were being set off in plain sight of Las Vegas.

“It’s unbelievable how bright it got,” he said. “You could read. And then later as the sun was coming up you could actually see the cloud. That was atomic Las Vegas. That was something as a city we accepted and the mushroom cloud was an iconic symbol.”

As testing went underground, Wade assembled the Sedan bomb, which erupted on July 6, 1962.

“I remember some rumbling and then you actually see this bubble coming out of the ground,” said Wade, president of the Nevada Test Site Historical Foundation. “It rose a hundred feet or so in the air, this bubble of earth. Then all of a sudden, flames shot out of it, and then the mushroom cloud began to form.”

Sedan was an attempt by physicist Edward Teller, the father of the hydrogen bomb, to find a peaceful use for nuclear bombs, Wade said. “We were trying to walk across this bridge from using them as weapons to destroy people to using this as a means of doing something good.”

Peaceful uses brought Kennedy to the Nevada Test Site on Dec. 8, 1962. The only sitting president to visit the test site came to observe a nuclear-powered rocket. Its engineering problems were solved after Kennedy’s assassination but the Rover rocket program died.

“What couldn’t be resolved were the political problems,” Wade said. “How do you assure people this thing isn’t going to blow up on the launch pad and kill or contaminate everybody around for miles?”

During the Kennedy administration, the test site became a significant Cold War battleground because of the government’s policy of Mutually Assured Destruction.

“We would have enough nuclear weapons to wipe the Soviet Union off the map. Similarly, they had enough to do the same to us. Therefore, there would not be any use of nuclear weapons,” Wade said. “I am absolutely amazed that it worked, but it did. Clearly all the things that happened in the ’60s made the test site one of the major battlefields of the Cold War.”

Kennedy signed the Limited Test Ban Treaty, on Oct. 7, 1963, prohibiting above-ground nuclear tests.

As scientists wanted to test more powerful bombs, they had to drill deep holes for them in the farthest reaches of the test site to avoid severely shaking high-rise buildings on the Las Vegas Strip.

The largest detonation at the site was Boxcar, on April 26, 1968, in Pahute Mesa. It measured 1.3 megatons or the equivalent to detonating 1.3 million tons of TNT. A 5-megaton bomb was detonated in Alaska before the United States and the Soviet Union agreed to a 150-kiloton cap on all nuclear tests in 1974.

Though subsidence craters from below-ground tests — hundreds of which still pockmark the test site — were not as thrilling as fireballs and mushroom clouds, the data generated about the behavior of radioactive materials and force of the explosions gave scientists much to ponder. They learned how to fine-tune weapons, making them more adaptable for accurate delivery to targets.

During the height of the underground testing, Wade watched as scientists tailored such warheads as the neutron bomb and tried to develop the nuclear bomb-pumped X-ray laser. Although the “Star Wars” X-ray laser weapon never became a reality, it challenged the Soviet Union financially to keep up with development of advanced U.S. weapons and hastened the end of the Cold War.

PEACE Protests

From 1986 through 1994, the test site became a magnet for demonstrators protesting nuclear proliferation and the health impacts from developing atomic bombs. Tens of thousands congregated at Peace Camp on the road to Mercury, and more than 15,740 were arrested.

Bryan noted the shift in atomic opinions: “There was not this rhapsodic view, of ‘Wow. It’s great that they’re detonating atomic bombs at the Nevada Test Site.'”

Documents declassified in 1994 showed atmospheric tests continued years after the government knew fallout would likely cause premature deaths. The federal government eventually compensated “downwinders” living in Nevada, Utah and northern Arizona and set up a relief program for test site workers who suffered illnesses because of exposure to radiation and toxic materials.

American Indians continue to object to the test site as government trespassing on their native land.

“For 60 years, the Western Shoshone have endured health effects,” tribe member Ian Zabarte said, emphasizing the tribe’s position against the government entombing the nation’s deadliest nuclear waste inside Yucca Mountain, on the site’s southwestern edge.

CHANGING GOALS

Wade, now 76, went on to become the assistant secretary of energy for defense programs under President Ronald Reagan. During his tenure, something happened that he never dreamed: Soviet scientists came to the test site to participate in an experiment, Kearsarge, for verifying treaties.

“It was tough to grasp,” he said. “I spent my entire life working to kill these kinds of people, armed to be able to defeat them all. And here they are sitting at our test site and we’re about to take them out and show them some of our secrets.”

Despite the gap in political ideology, the Soviets were predictable, Wade said, while would-be nuclear powers, such as North Korea, Iran and Syria, are not.

“That proliferation has made the world a much more dangerous place than it was back in the Cold War.”

The last full-scale nuclear test at the site, Divider, was conducted on Sept. 23, 1992. After that President George H.W. Bush launched a temporary moratorium that was extended indefinitely by President Bill Clinton.

In 1997, scientists conducted the first subcritical nuclear experiment at the test site, using high-explosives to slam tiny amounts of nuclear materials to see how they respond. The high-tech detonations fall short of the chain-reactions that define nuclear weapons. Scientists use modern tools to simulate nuclear tests to see how warheads age.

“It turns out with today’s supercomputers that is a much, much better way to test,” test site veteran Jack Doyle said.

On Aug. 23 last year, the test site’s name was changed to the Nevada National Security Site to reflect the site’s expanded missions on counterterrorism, homeland security and treaty verification. For example, more than 24,000 first responders have trained at the site’s counterterrorism facility.

“Right now we’re doing everything from devising ways to protect soldiers from IEDs (improvised explosive devices) to determining ways to prevent the spread of nuclear weapons,” said Stephen Younger, president of NSTec, the government’s test site contractor.

Employment at the test site peaked at 11,000 workers and the budget reached $1.4 billion in 1989. With 3,000 people working at the site and agency offices in North Las Vegas, the site has a budget of $550 million. Of that, $10 million was spent last year and $45 million is slated for this year at the site’s National Center for Nuclear Security.

Contact reporter Keith Rogers at krogers@reviewjournal.com or 702-383-0308.

 

(Quelle: Las Vegas Review-Journal.)