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BRD: Gemeinsame Erklärung von Roma- und Flüchtlingsorganisationen zur Debatte um angeblichen Asylmissbrauch

Dienstag, Oktober 16th, 2012

“Schluss mit der rassistischen Hetze gegen Roma!

Das Recht auf Asyl duldet keine Unterschiede!

15. Oktober 2012 – In den vergangenen Tagen haben konservative Politiker, aber auch Mitglieder der SPD, wiederholt gefordert, die Visumpflicht für serbische und mazedonische StaatsbürgerInnen, die im Dezember 2009 gelockert wurde, wieder einzuführen. Sie möchten damit den „massiven Zustrom von serbischen und mazedonischen Staatsbürgern“ stoppen. Dabei geht es in erster Linie um Mitglieder der Romaminderheit, die seit Aufhebung der Visumpflicht für Kurzaufenthalte im Schengenraum vermehrt in der EU und anderen Schengener Vertragsstaaten Asyl beantragen.

Die Aufhebung der Visumpflicht für die Staaten des sogenannten westlichen Balkans steht am Ende eines langen Prozesses, bei dem die Staaten im Auftrag der EU tiefgreifende Reformen im Bereich der Gesetzgebung und anderen Bereichen (Dokumentensicherheit, Grenzkontrollen und Kontrolle der Wanderbewegungen, usw.) durchführen mussten. Nur im Bereich Menschenrechte blieben die Reformen weit hinter den Erwartungen zurück. Ende August stellte die EU-Kommission in ihrem dritten Bericht zur Visaliberalisierung erneut fest, dass die Roma in allen Balkanstaaten einer umfassenden Diskriminierung ausgesetzt sind, die sie an der Ausübung grundlegender Rechte wie beispielsweise dem Zugang zu Bildung und Ausbildung, Gesundheitsversorgung und Arbeitsmarkt hindert.

Nach Aussagen der serbischen Regierung leben circa 60 Prozent der geschätzten 450 000 Roma in Serbien in unsicheren und unhygienischen Lebensverhältnissen; 30 Prozent haben keinen Zugang zu Trinkwasser; 70 Prozent keinen Zugang zur Kanalisation. Serbische Studien belegen, dass Romakinder in Sonderschulen mit einem Anteil von mehr als 30 Prozent deutlich überrepräsentiert sind. Umfragen zufolge gelten sie als die meist diskriminierte Bevölkerungsgruppe in Serbien, eine Diskriminierung, die sich insbesondere im Zugang zum Arbeitsmarkt deutlich macht. Die Europäische Kommission gegen Rassismus und Intoleranz (ECRI) stellte in ihrem letzten Länderbericht zu Serbien fest, dass die Mehrheit aller Roma von Gelegenheitsjobs, wie beispielsweise dem Sammeln von Altmetall lebt, und dass kaum Roma in staatlichen Betrieben beschäftigt sind.

Auch in Mazedonien sind Roma einer allumfassenden Diskriminierung ausgesetzt. Ebenso wie in Serbien leben sie in Mazedonien oft in abgeschiedenen Siedlungen, wo sie keinen oder nur beschränkten Zugang zu grundlegenden Diensten haben. Romakinder sind in Sonderschulen und in Sonderklassen deutlich überrepräsentiert, was sowohl auf ungeeignete Einstufungstests, als auch auf eine falsche Orientierung der Eltern zurückgeht, wie das Budapester European Roma Rights Centre kürzlich in einer Studie feststellte. Die Europäische Kommission gegen Rassismus und Intoleranz (ECRI) stellte in einem 2010 veröffentlichten Bericht fest, dass 70 Prozent aller Roma in Mazedonien arbeitslos sind, womit ihre Arbeitslosigkeit deutlich über dem Landesdurchschnitt liegt. ECRI fand auch, dass Roma mit Vorurteilen im Gesundheitssystem konfrontiert sind, was ihren Zugang zu medizinischen Dienstleistungen beeinträchtigt.

Es ist demnach abfällig, wenn Asylanträge von Roma von vorneherein als unbegründet bewertet werden. Laut Handbuch des UN-Flüchtlingswerks von 1951 zu den Prozeduren und Kriterien zur Festlegung des Flüchtlingsstatus, das im Dezember 2011, neu aufgelegt wurde, kann Diskriminierung durchaus als Fluchtgrund gewertet werden. Dies ist insbesondere dann der Fall, wenn sie dazu führt, dass eine Person nur mehr begrenzt in der Lage ist, ihren Lebensunterhalt zu bestreiten. Daneben stellt das UN-Flüchtlingswerk auch fest, dass rassistische Diskriminierung eine der deutlichsten Menschenrechtsverletzung darstellt und folglich bei der Festlegung des Flüchtlingsstatus berücksichtigt werden muss.

Auf Druck von Seiten der EU und ihrer Mitgliedstaaten, allen voran Deutschland, Schweden, Belgien und Luxemburg, haben Serbien und Mazedonien sowie die anderen Balkanstaaten, deren BürgerInnen kürzlich von der Visumpflicht für Kurzaufenthalte entbunden wurden, in den vergangenen zwei Jahren umfassende Maßnahmen getroffen, um den angeblichen Missbrauch der Visumfreiheit und des Rechts auf Asyl zu beenden. Dazu gehört eine Verschärfung der Grenzkontrollen, in deren Folge Tausende von Menschen, zumeist Roma, aufgrund von zum Teil fadenscheinigen Argumenten und willkürlichen Begründungen an der Ausreise gehindert wurden. Abgeschobenen AsylbewerberInnen droht bei der Rückkehr eine Strafe und der Verlust ihres Passes, womit sie an einer erneuten Ausreise gehindert werden sollen. Roma werden in den Medien und im politischen Diskurs unterschiedslos als „lažni azilanti“, als „ScheinasylantInnen“ bezeichnet und für die drohende Aufhebung der Visumfreiheit verantwortlich gemacht. Rassistische Ressentiments gegen Roma erleben einen erneuten Auftrieb. Die Gewaltbereitschaft gegen sie nimmt zu.

Parallel dazu erleben wir in westlichen Ländern eine selektive Aushebelung des Rechts auf Asyl. Schnellverfahren, wie sie jüngst vom bayrischen Innenminister Joachim Herrmann ins Spiel gebracht wurden, bieten oftmals nicht die Gewähr für eine rigorose Überprüfung des Einzelfalls, wie sie die Genfer Flüchtlingskonvention vorschreibt. Roma aus dem Balkan, die in der EU und der Schweiz Asyl beantragen, unterliegen ohnehin einem Generalverdacht, sogenannte WirtschaftsasylantInnen zu sein, der eine objektive Überprüfung ihres Antrags auf Asyl von vorneherein unmöglich macht. Bereits heute werden Anträge von Roma aus Serbien und Mazedonien vielfach vorgezogen, mit dem erklärten Ziel, Roma durch eine zügige Bearbeitung ihres Asylantrags, die in der Regel in der Ablehnung mündet, davon abzuhalten, überhaupt nach Deutschland ein zu reisen und dort Asyl zu beantragen.

In weniger als zwei Wochen wird Bundeskanzelerin Merkel in Berlin das zentrale Mahnmal für die ermordeten Sinti und Roma zur Zeit des Nationalsozialismus einweihen. Die Verfolgung und Ermordung von mehr als einer halben Million Sinti und Roma durch Nazideutschland sollte eine Erinnerung und eine Mahnung sein, wohin Rassismus und Vorurteile führen können. In Serbien wurden mehrere Zehntausende Roma und Juden im Rahmen von sogenannten Vergeltungsaktionen von Wehrmachtsoldaten erschossen. Abertausende starben in den Konzentrationslagern Banjica und Sajmište (Belgrad) und Crveni Krst (Niš).

Es ist demnach völlig gedächtnislos und realitätsfremd, wenn deutsche Politiker heute Schnellverfahren für AsylbewerberInnen aus dem Balkan oder eine Wiedereinführung der Visumpflicht fordern, mit dem ausschließlichen Ziel, Roma an der Einreise nach Deutschland hindern. Sie geben serbischen und mazedonischen PolitikerInnen, die ohnehin keinen Hehl aus ihrer Abneigung gegenüber Roma machen und Roma in Randgebiete abdrängen, wo sie erst recht keine Möglichkeit zum Überleben haben, einen Blankoschein, Roma weiter zu diskriminieren und in der Ausübung ihrer Grundrechte einzuschränken.

Wir fordern ein Ende der rassistischen Hetze gegen Roma! Roma aus dem ehemaligen Jugoslawien dürfen nicht vom Recht auf Asyl ausgeschlossen werden. Sie haben ein Recht auf eine Einzelfallprüfung, innerhalb derer die rassistische Diskriminierung in ihren Heimatländern, in angemessener Weise zu berücksichtigen ist.

Wir fordern ein Ende einer restriktiven Ausländer- und Asylpolitik, die dazu geführt hat, dass tausende von Roma aus dem ehemaligen Jugoslawien, die oftmals Opfer von Krieg und Verfolgung waren, nie eine Möglichkeit hatten, ein dauerhaftes Bleiberecht zu erhalten. Personen, die in Deutschland geboren oder aufgewachsen sind, müssen ein Rückkehrrecht erhalten. Sie überhaupt als Fremde zu betrachten ist zynisch und eine Verkennung ihrer Rechte.

Chachipe a.s.b.l., Luxemburg

Förderverein Roma e.V., Frankfurt am Main

Rom e.V., Köln

Forschungsgesellschaft Flucht und Migration e.V., Berlin

Romane Aglonipe e.V., Hannover

Freiburger Forum aktiv gegen Ausgrenzung

Flüchtlingsrat Berlin e.V., Berlin

Bayerischer Flüchtlingsrat e.V., München

Redaktion des Hinterland-Magazins

Flüchtlingsrat NRW e.V., Essen

Grüne Alternative Freiburg

Roma Center Göttingen e.V., Göttingen

Roma Union Grenzland e.V., Aachen

Hessischer Flüchtlingsrat, Frankfurt am Main

Antirassistische Initiative Rostock

Aktion Bleiberecht Freiburg

Bündnis gegen Abschiebungen (BgA), Mannheim

Flüchtlingsrat Niedersachsen e.V., Hildesheim

Flüchtlingsrat Brandenburg, Potsdam

Flüchtlingsrat Hamburg e.V., Hamburg

Bündnis „MünsteranerInnen für ein Bleiberecht der Roma“

Verein für politische Flüchtlinge, Münster

Gemeinnützige Gesellschaft zur Unterstützung Asylsuchender e.V. (GGUA Flüchtlingshilfe), Münster

Initiative Grenzenlos Karlsruhe

Flüchtlingsrat Sachsen-Anhalt e.V., Magdeburg”

 

(Quelle: Pro Asyl.de)

Siehe auch:

● Ein ausführliches TV-Interview mit Christian Schwarz-Schilling zur Lage in Serbien und Mazedonien findet sich hier :
http://www.hr-online.de/website/fernsehen/sendungen/mediaplayer.jsp?mkey=46348735&rubrik=45534

Offener Brief, wg. Spiegel-TV-Magazin-Sendung vom 11.09.2011

USA/Europa: Banken-Paaaaaarty!

Sonntag, Juli 24th, 2011

“Audit of the Federal Reserve Reveals $16 Trillion in Secret Bailouts

Posted by qu4nt|_|m w0rm

The first ever GAO(Government Accountability Office) audit of the Federal Reserve was carried out in the past few months due to the Ron Paul, Alan Grayson Amendment to the Dodd-Frank bill, which passed last year. Jim DeMint, a Republican Senator, and Bernie Sanders, an independent Senator, led the charge for a Federal Reserve audit in the Senate, but watered down the original language of the house bill(HR1207), so that a complete audit would not be carried out. Ben Bernanke, Alan Greenspan, and various other bankers vehemently opposed the audit and lied to Congress about the effects an audit would have on markets. Nevertheless, the results of the first audit in the Federal Reserve’s nearly 100 year history were posted on Senator Sander’s webpage earlier this morning.

What was revealed in the audit was startling: $16,000,000,000,000.00 had been secretly given out to US banks and corporations and foreign banks everywhere from France to Scotland. From the period between December 2007 and June 2010, the Federal Reserve had secretly bailed out many of the world’s banks, corporations, and governments. The Federal Reserve likes to refer to these secret bailouts as an all-inclusive loan program, but virtually none of the money has been returned and it was loaned out at 0% interest. Why the Federal Reserve had never been public about this or even informed the United States Congress about the $16 trillion dollar bailout is obvious — the American public would have been outraged to find out that the Federal Reserve bailed out foreign banks while Americans were struggling to find jobs.

To place $16 trillion into perspective, remember that GDP of the United States is only $14.12 trillion. The entire national debt of the United States government spanning its 200+ year history is “only” $14.5 trillion. The budget that is being debated so heavily in Congress and the Senate is “only” $3.5 trillion. Take all of the outrage and debate over the $1.5 trillion deficit into consideration, and swallow this Red pill: There was no debate about whether $16,000,000,000,000 would be given to failing banks and failing corporations around the world.

In late 2008, the TARP Bailout bill was passed and loans of $800 billion were given to failing banks and companies. That was a blatant lie considering the fact that Goldman Sachs alone received 814 billion dollars. As is turns out, the Federal Reserve donated $2.5 trillion to Citigroup, while Morgan Stanley received $2.04 trillion. The Royal Bank of Scotland and Deutsche Bank, a German bank, split about a trillion and numerous other banks received hefty chunks of the $16 trillion.

“This is a clear case of socialism for the rich and rugged, you’re-on-your-own individualism for everyone else.” – Bernie Sanders(I-VT)

When you have conservative Republican stalwarts like Jim DeMint(R-SC) and Ron Paul(R-TX) as well as self identified Democratic socialists like Bernie Sanders all fighting against the Federal Reserve, you know that it is no longer an issue of Right versus Left. When you have every single member of the Republican Party in Congress and progressive Congressmen like Dennis Kucinich sponsoring a bill to audit the Federal Reserve, you realize that the Federal Reserve is an entity onto itself, which has no oversight and no accountability.

Americans should be swelled with anger and outrage at the abysmal state of affairs when an unelected group of bankers can create money out of thin air and give it out to megabanks and supercorporations like Halloween candy. If the Federal Reserve and the bankers who control it believe that they can continue to devalue the savings of Americans and continue to destroy the US economy, they will have to face the realization that their trillion dollar printing presses can be stopped with five dollars worth of bullets.

The list of institutions that received the most money from the Federal Reserve can be found on page 131 of the GAO Audit and are as follows..

Citigroup: $2.5 trillion ($2,500,000,000,000)
Morgan Stanley: $2.04 trillion ($2,040,000,000,000)
Merrill Lynch: $1.949 trillion ($1,949,000,000,000)
Bank of America: $1.344 trillion ($1,344,000,000,000)
Barclays PLC (United Kingdom): $868 billion ($868,000,000,000)
Bear Sterns: $853 billion ($853,000,000,000)
Goldman Sachs: $814 billion ($814,000,000,000)
Royal Bank of Scotland (UK): $541 billion ($541,000,000,000)
JP Morgan Chase: $391 billion ($391,000,000,000)
Deutsche Bank (Germany): $354 billion ($354,000,000,000)
UBS (Switzerland): $287 billion ($287,000,000,000)
Credit Suisse (Switzerland): $262 billion ($262,000,000,000)
Lehman Brothers: $183 billion ($183,000,000,000)
Bank of Scotland (United Kingdom): $181 billion ($181,000,000,000)
BNP Paribas (France): $175 billion ($175,000,000,000)
and many many more including banks in Belgium of all places

View the 266-page GAO audit of the Federal Reserve(July 21st, 2011): http://www.gao.gov/new.items/d11696.pdf

Source: http://www.gao.gov/products/GAO-11-696
FULL PDF on GAO server: http://www.gao.gov/new.items/d11696.pdf
Senator Sander’s Article: http://sanders.senate.gov/newsroom/news/?id=9e2a4ea8-6e73-4be2-a753-62060dcbb3c3

 

(Quelle: Unelected.org)

Israel: Auf EU-Demokratiestandard?

Sonntag, Juli 10th, 2011

“Israeli authorities set stringent conditions for release of “Welcome to Palestine” prisoners. The large majority of international visitors are still incarcerated under brutal conditions, begin a hunger strike in Israeli jail

Over 120 internationals attempting to visit Palestine were arrested and are still being illegally detained in two Israeli detention centers, in Ramle and in Beer Al-Saba’ (Beersheva).These friends of Palestine, among which there are minors and elderly persons with medical conditions, have been and are being mistreated and subjected to unnecessary brutality.
For example, Dr. Hikmat Al-Sabty, 57, of Rostock, Germany, is being denied needed medication that is in his suitcase; this was reported to his wife by the German Embassy in Tel Aviv, but his wife has not been allowed to speak with him directly. All of those detained have stated repeatedly that they are non-violent and want only to accept the invitation to visit together with Palestinian friends in the program “Welcome to Palestine.”

The Israeli authorities released two older German men from Bersheeva prison yesterday, but only on condition that they sign an Israeli legal document that was presented to them only in Hebrew and English. One of the two men came to Bethlehem.He is uncertain of the full contents of the Israeli paper he signed because his English is not good, and he was unable to first consult with his attorney in Israel before signing the paper: the Israeli authorities yesterday made attorney access to prisoners very difficult, and large number of those detained can only be seen by their attorneys today and tomorrow.

The German man now in Bethlehem believes that he has agreed in writing not to go to Ramallah, Jenin, and certain other Palestinian cities, but that the Israeli authorities have allowed that he to go to “tourist” areas in the West Bank. Because he is still uncertain of the full content of the Israeli document he signed, he prefers not to give his name at this time. The Israeli authorities refused, in violation of international law, to give him a copy of the paper he signed.His attorney is seeking to obtain a copy of the document he signed from the Israeli authorities.

We received a letter from the Belgian men in Bersheeva prison, who state that they began a hunger strike last night. In the letter, the Belgians demand, on behalf of all the prisoners, to have contact their families and with their attorneys. They demand an international investigation into the behavior of airline companies and Israeli officials. They also demand to be able to have contact with each other in the Israeli prison. For example, because the French and Belgian men and women are separated in the Bersheeva prison, the men do not know whether the women are also aware of the hunger strike. It is believed that the French men have joined the hunger strike. According to the Germans who were released from Bersheeva, the German men and women there are also participating in the hunger strike, but the men and women are not allowed to speak with each other.

Those few international guests who were able to reach Bethlehem on Friday were invited by their Palestinian hosts to go to either to a demonstration in Qalandia at noon or else to attend a gathering in Bilin at 11 am, from which they then joined Palestinian friends in Nebi Saleh. There Israeli soldiers prevented the bus-loads of passengers and local Palestinians and Israeli supporters from holding a peaceful demonstration. The Israeli forces shot stun grenades and at least two kinds of tear gas canisters at them. The nearby agricultural fields were set ablaze by these tear-gas canisters.The Israeli forces illegally detained — kidnapped — four peace activists, including three Israeli citizens and one Brazilian. Several participants were injured.

Events planned continued. Today, there was a gathering in Beit Sahour in front of the Greek Orthodox Church, an event at Aida Refugee Camp and an event in Al-Walaja.

Media Contacts:

GENERAL: info@palestinejn.org

JERUSALEM: Sergio Yahni, sergioyahni@gmail.com, +972(0)526375032

BETHLEHEM: Dr. Mazin Qumsiyeh, mazin@qumsiyeh.org, +972(0)598939532

FRANCE:Nicolas Shahshahani, bienvenuepalestine@orange.fr

GERMANY: Sophia Deeg,sophia_deeg@yahoo.de, +49(0)88 007761, +49(0)1799878414

UK: Sofiah MacLeod, secretary@scottishpsc.org.uk,+44(0)7931 200 36100,+44(0)131 620 0052

USA: Karin Pally, myizzy@gmail.com or kpally@earthlink.net, +1 310-399-1921

International Media Coordination: Elsa Rassbach +49 (0) 30 326 01540 or +49 (0) 170 738 1450 Skype: elsarassbach

Please stay informed through our websites:

- http://palestinianspring.palestinejn.org
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(Quelle: Welcome to Palestine.)

Kenia: Koloniale Kriegsverbrechen weiterhin ungesühnt

Donnerstag, Mai 19th, 2011

British Colonial War Crimes in 1950s Kenya Mau-Mau Rebellion Whitewashed

The western-manipulated International Criminal Court, which has indicted only African leaders, tries to give the world the impression that barbarity descended on the continent when the white colonists left. But four aging Kenyan “Mau Mau” freedom fighters, demanding reparations, are forcing Britain to acknowledge the savagery of white settlers and soldiers. “The generation of Africans who fought against colonialism is dying without recognition of their fight or their suffering at the hands of racist colonialism.”

 

 

Colonial War Crimes in Africa

by Jemima Pierre

At the height of the revolt, it was estimated that 1.5 million Gikuyu and other Kenyan groups had taken secret oaths of unity to fight against white settlers and colonial rule.”

In early April 2011, four elderly Kenyans[i] — three men and one woman — appeared in the High Court in London, accusing England of systematic torture during their siege of the so-called Mau Maus and demanding reparations for their treatment. One of the men was castrated by the British colonial government in Kenya. Handcuffed and pinned to the ground with his legs pulled apart, his genitals were sliced off by the white officers. He was then left for days without medical attention until he was liberated by Kenyan rebels. The one woman claimant was subjected to sexual torture. White soldiers repeatedly inserted bottles of boiling hot water into her vagina. In addition to these cases, thousands of Kenyans were maimed, lynched and brutally murdered by the British during the last century. Thousands of others were subjected to rape, forced labor, and gross abuse and torture in detention camps. It was part of a deliberate policy [1] of the colonial British government to break a civilian population cast as “baboons,” “barbarians,” and “terrorists” and who were seen as a threat to the colonial order in east Africa.

The proper name for the liberation forces that fought against British colonialism and land-grabbing in East Africa was the Kenya Land and Freedom Army.[ii] The movement was derisively called “Mau Mau” by the British propaganda machine in an attempt to depict these African freedom fighters as a primitive and anti-white tribal cult [2]. Against this, the late C. L. R. James [3] described the movement as “an ad hoc body of beliefs, oaths, disciplines newly created for the specific purpose of gathering and strengthening the struggle against British imperialism, its military, political and economic domination and, in particular, the Christianity it sought to inject and impose.” And it was land and white settlers, not African “tribal” beliefs that were at the heart of the so-called Mau Mau revolt against British colonialism.

The movement was derisively called ‘Mau Mau’ by the British propaganda machine in an attempt to depict these African freedom fighters as a primitive and anti-white tribal cult.”

The colonial invasion of Central Kenya began in the late 1880s. It was formalized through military conquest, particularly over the most numerous ethnic group, the Gikuyu, as well as the Embu and the Meru. By 1903, the British colonial government sent in waves of white settlers, from South Africa and England, with the hope of creating another “white man’s country” in Kenya. They stole between 60,000 and 1 million acres of land, settling whites in the most fertile regions with the coolest climates—an area they eventually named the “White Highlands.” By the time the colony of Kenya came into being in 1920, more than 10,000 whites had settled over 25% of Kenya’s best territory. At the same time, the African population, mainly but not entirely the Gikuyu, were driven into reservations or were forced to work as sharecroppers. Then, through hut and poll taxes, restrictions on movement through the issuing of kipande (identity passes), and limits on agricultural production, Africans became systematically entrapped into the racist Kenyan colonial system. Add to this mix the ever-expanding power of the white settlers and Christian missionaries, and Kenya was primed for a revolution.

Though all ethnic groups were affected by British colonial land-grabbing and dispossession, the Gikuyu experienced this most acutely. They did not take lightly the heavy theft of land. When, in 1943, the colonial government threatened groups of Gikuyu with yet another eviction from their lands, they decided to take action. Their struggle began with overt passive resistance but was quickly radicalized. Wings of the movement began armed guerilla attacks on white settler holdings and on Africans who supported the British regime. At the height of the revolt, it was estimated that 1.5 million Gikuyu and other Kenyan groups had taken secret oaths of unity to fight against white settlers and colonial rule. They were met with a brutal armed retaliation. By late 1952, the colonial governor of Kenya declared a state of emergency. The colonial government established and enforced communal punishment, curfews, schemes to confiscate African properties, censors for publications, detention without trial, control of African markets, forced migrations, and detention and labor camps.

By the time the colonial government ended the state of emergency, over 90,000 Kenyans were executed, maimed, or tortured, while 160,000 were held in detention camps.”

By late 1954 the revolt was said to have been militarily defeated by the British army, but the state of the emergency was not lifted until 1960. During the six intervening years, the Mau Mau struggle continued as the British colonial government established a terrorist state. The assault on the Africans continued both through the campaign to arrest and dispose of the alleged Mau Mau leadership, and in detention camps, prisons, and “emergency villages.” The British focused primarily on forcing the Gikuyu to renounce their oath of unity by the most brutal means. According to the Kenya Human Rights Commission, by the time the colonial government ended the state of emergency, over 90,000 Kenyans were executed, maimed, or tortured, while 160,000 were held in detention camps. Others have argued that the numbers were higher. What is well documented is how colonial agents were unrivaled in their barbarity. They castrated and sexually abused, starved, and maimed detainees in order to force the alleged oath takers to confess. They used electric shock, cigarettes and fire, broken bottles, gun barrels, knives, snakes, vermin, and hot eggs were thrust up men’s rectums and women’s vagina. The assault only came to an end when the Gikuyu population was almost physically decimated and psychologically broken.

If not for the legal case brought against the British government by four surviving Kenyans, we would not know about the trove of secret colonial files [4] documenting the systematic nature of their torture of Africans. The generation of Africans who fought against colonialism is dying without recognition of their fight or their suffering at the hands of racist colonialism. In the current context where Africans, through organizations such as the ICC [5], are constructed and targeted as the greatest purveyors of “crimes against humanity,” it is well worth remembering the venal work of Europeans in Africa. The demands for reparations [6] may begin with four elderly Kenyans traveling to the old center of the British empire, but the colonial archive surely documents crimes against the Herero [7], the Congo [8]lese, and many other victims of European colonialism. We should not forget their struggles.

Jemima Pierre can be reached at BAR1804@gmail.com.

[i] Wambugu Wa Nyingi, Jane Muthoni Mara, Paulo Nzili, and Ndiku Mutwiwa Mutua

[ii] For Further Reading: C. L. R. James, A History of Pan-African Revolt (1995); Caroline Elkins, Britain’s Gulag: The Brutal End of Empire in Kenya (2005); Cora Presley, Kikuyu Women, the Mau Mau Rebellion, and Social Change in Kenya (1992); Gerald Horne, Mau Mau in Harlem? The U.S. and the Liberation of Kenya (2009)

 

(Quelle: Black Agenda Report.)

BRD: EADS oder Die Moral des Waffenhandel

Donnerstag, Mai 19th, 2011

“Kriegsprofiteur EADS

Von Jürgen Grässlin

Bei kaum einem rüstungsproduzierenden Unternehmen klaffen Anspruch und Wirklichkeit weiter auseinander als bei EADS. Während die Konzernführung in der Richtlinie »Integrität & Transparenz»[1] ethische Verantwortung zur Grundlage ihres Handelns erklärt, werden selbst Diktatoren und Scheindemokraten hochgerüstet. Zu einem folgenschweren Beispiel einer rein profitorientierten Geschäftspolitik zählen die Rüstungstransfers an Libyen, wo beim Krieg zwischen dem diktatorischen Regime Gaddafi und der westlich dominierten »Allianz der Willigen« auf beiden Seiten EADS-Waffen zum Einsatz kommen. Krieg ist gut fürs Geschäft – bei EADS werden die neuen Bilanzzahlen gefeiert.

Die European Aeronautic Defence and Space Company N.V. (EADS) mit Verwaltungssitz im niederländischen Leiden wurde am 10. Juli 2000 gegründet[2] und avancierte seitdem zum führenden Luft- und Raumfahrtkonzern und zum zweitgrößten Rüstungskonzern in Europa. Die deutsche Daimler AG als größter Einzelanteilseigner sowie ein Zusammenschluss aus der französischen Staatsholding SOGEADE, der Waffenschmiede Lagardère und dem französischen Staat halten je 22,46% der Anteile. Weiterer Großaktionär ist mit 5,47% die spanische Staatsholding SEPI.[3]

In mehr als 45 Staaten arbeiten an den gut 70 Entwicklungs- und Produktionsstandorten und in 35 Außenbüros knapp 120.000 Mitarbeiter (Stand: 31.12.2009).[4] EADS umfasst die Unternehmensbereiche Airbus, Astrium, Cassidian und Eurocopter. »Alles, was fliegt«, so könnte die Produktpalette kurz und knapp gekennzeichnet werden. Dabei reicht das Spektrum der Waffensysteme von Kampf- und Transportflugzeugen über Militärhelikopter bis hin zu Atomwaffenträgersystemen und Weltraumraketen. Ergänzt wird die militärische Produktpalette durch Drohnen, die schon heute als Schlüsseltechnologie bei der Kriegsführung gelten.

In der zweiten Hälfte des vergangenen Jahrzehnts konnte EADS ihre Rüstungstransfers von 12,6 (2006) auf 13,1 Mrd. US-Dollar (2007) und im Folgejahr auf den exorbitant hohen Rekordwert von 17,9 Mrd. US-Dollar (2008) steigern.[5] Damit wurde die selbst gesetzte Zielvorgabe von Verkaufszuwächsen „insbesondere im Verteidigungsgeschäft“ mehr als erfüllt. Zufrieden bilanzierte der damalige EADS-Vorsitzende Rüdiger Grube, mittlerweile Vorsitzender der Deutschen Bahn AG, im Geschäftsjahr 2008 „sehr positive“ Ergebnisse. Gerade „in Krisenzeiten besteht in unserer sich wandelnden Welt stetiger Bedarf an Flugzeugen, Verteidigungs- und Sicherheitssystemen“. Selbstzufrieden meldete die EADS-Führung „volle Auftragsbücher“ sowie eine „starke Nachfrage nach Airbus-Tankflugzeugen“. An diesem Erfolg sind alle Unternehmensbereiche beteiligt.

Airbus verfügt in seinen »Flugzeugfamilien« über eine breite Palette ziviler und militärischer Flugzeuge. Airbus Military fertigt die taktischen Transportflieger C212, CN235 und C295 sowie das militärische Tankflugzeug A330 Multiple Role Tanker Transport (MRTT) und entwickelt den kommenden europäischen Truppen- und Waffentransporter A400M.

Eurocopter gilt als weltweit führender Hersteller ziviler und militärischer Hubschrauber mit einem Marktanteil von mehr als 50%. Zu den zentralen Programmen zählen der Mehrzweck-Militärhubschrauber NH90 und der Kampf- und Unterstützungshubschrauber Tiger. Eurocopter verfüge „über ein stark wachsendes Verteidigungsgeschäft“, freut sich EADS. „Im Einsatz für die französischen Streitkräfte“, so die Kriegswerbung im Geschäftsbericht, „hat der Tiger in Afghanistan beispiellose Zuverlässigkeit und eine hohe Einsatzquote bewiesen“.[6]

Astrium entwickelte sich zum weltweit drittgrößten Raumfahrtkonzern. Die EADS-Unternehmenstochter ist „Marktführer für Satelliten, Trägerraketen und Dienstleistungen der Raumfahrt“[7] und bietet ihre Dienste auch für die militärische Weltraumnutzung an. Bereits 2008 stellte EADS erfreut fest, dass „die neue Generation der ballistischen M51-Rakete ihren letzten Testflug“ absolviert habe.[8] Die M51 ist ein neues Trägersystem für die französischen Nuklearsprengköpfe.

Cassidian (vormals »Verteidigung und Sicherheit«) bietet ebenfalls eine breite Produktpalette: vom Kampfflugzeug Eurofighter – dem teuersten Rüstungsprojekt in der Geschichte der Bundesrepublik Deutschland – über Lenkflugkörpersysteme (z.B. Panzerabwehrraketen) und Verteidigungselektronik bis hin zu unbemannten Luftfahrzeugen, den so genannten Drohnen bzw. UAVs (Unmanned Aerial Vehicles).

Wie Phönix aus der Asche

Im Jahr 2009 musste EADS einen Einbruch bei den Waffenverkäufen hinnehmen. Die »Arms Sales« des Unternehmens sanken laut Berechnung des Stockholmer Friedensforschungsinstituts SIPRI von 17,9 Mrd. US-Dollar (2008) auf 15,9 Mrd. US-Dollar (2009).

Bilanz belastend wirkte sich das Desaster des neuen Militärtransportflugzeuges A400M von Airbus Military aus. Der A400M soll durch erweiterte Ladekapazität, Reichweite und Geschwindigkeit die neu definierten Ansprüche europäischer NATO-Streitkräfte bei außereuropäischen Krisen- und Kriegseinsätzen erfüllen. Zu den ersten Kunden werden neben Deutschland auch Belgien, Frankreich, Großbritannien, Luxemburg, Spanien sowie die Türkei zählen. Sie allein wollen 180 Maschinen ordern. Mittlerweile ist auch Malaysia als Kunde vier weiterer Militärtransporter hinzugekommen – dort, wie in der Türkei, ist die Menschenrechtslage desaströs. Die Kostenexplosion um mehrere Milliarden Euro ließ Südafrika vom Kauf der ursprünglich geplanten acht A400M zurücktreten. Deutschland hat seine Bestellungen aus monetären Gründen von 73 auf 53 A400M-Transporter reduziert.

Dennoch macht sich – eben auch dank bestens florierender Waffengeschäfte – wieder Euphorie bei EADS breit. Auf der Bilanzpressekonferenz im März 2011 präsentierten Konzernchef Louis Gallois und Finanzchef Hans Peter Ring die Zahlen des Vorjahres. Diese können sich aus Konzernsicht sehen lassen: Die Airbus Division verbesserte den EBIT (das ist der Gewinn vor Zinsen und Steuern) nach einem Verlust von 1,371 Mrd. Euro (2009) auf einen Gewinn von 305 Mio. Euro (2010). Während das Zivilgeschäft bei Airbus Commercial einen Rückgang um 95 Mio. Euro verbuchen musste, trug das Waffengeschäft bei Airbus Military entscheidend zur Verbesserung der Finanzsituation bei: Hatte die Militärsparte 2009 noch einen Verlust beim EBIT von immerhin 1,754 Mrd. Euro verzeichnet, so lag dieser 2010 mit 21 Mio. Euro wieder im Plus.[9]

Die Erwartungen der EADS-Führung für das laufende Geschäftsjahr sind formuliert: Der EADS-Umsatz soll 2011 „über dem Niveau von 2010 liegen“, der EBIT mindestens auf dem Niveau von 2010. Im Bereich von Zivilflugzeugen „dürfte die Zahl der Brutto-Bestellungen die Auslieferungen übersteigen“, die bei prognostizierten 520 bis 530 Flugzeugen liegt. „Dank höherer Volumina, besserer Preise und Optimierungen“ beim Programm des Großraumfliegers A380 boomt die zivile Luftfahrt. Für 2012 erwartet das Unternehmen „eine erhebliche Verbesserung des EBIT“. [10]

Während der zivile Sektor zukünftig expandieren und die Profite damit wachsen werden, sieht die EADS-Führung bei der Militärsparte Cassidian „einen weniger vorteilhaften Geschäfts-Mix“.[11] Eine der entscheidenden Fragen wird sein, ob, wann und in welchem Umfang die Serienfertigung des Militärtransporters A400M anläuft und wie hoch die Abverkäufe dann sind.

Kurz vor Jahresende 2010 mühte sich Karl-Theodor zu Guttenberg, CSU, das angeschlagene A400M-Programm zu retten. Vertraglich soll der damalige Verteidigungsminister mehrere kostenträchtige Zugeständnisse festgeschrieben haben. So soll die Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW) EADS »ein bedingt rückzahlbares« Darlehen in Höhe von 500 Mio. Euro eingeräumt haben. Dieses durfte EADS als »Eigenkapital erhöhenden Zuschuss« verbuchen. Der Bundesförderung damit nicht genug: Ohne Gegenleistung soll sich der Bund als A400M-Käufer zum Verzicht auf eine bessere Ausrüstung im Volumen von 667 Mio. Euro bereit erklärt haben – zum Nutzen der EADS und zum Schaden der Steuerzahler.[12]

Und noch ein Problemfall belastet die EADS-Militärsparte: Durch einen gescheiterten Deal in den USA mit A330 MRTT-Tankflugzeugen ist dem Konzern ein äußerst lukrativer Milliardenauftrag entgangen. Im Februar 2011 vergab das Pentagon den 35-Mrd.-Dollar-Auftrag zur Beschaffung von 179 Tankflugzeugen an den US-amerikanischen EADS-Konkurrenten Boeing.

Der Anspruch: ethisch handeln, Export- kontrollrisiken eindämmen

Die EADS-Führung will „Compliance sicherstellen durch ethisches Geschäftsgebaren in allen Bereichen“. Diese positive Zielvorgabe ist festgeschrieben in der »Vision 2020«, dem auf Initiative des Konzernchefs Louis Gallois formulierten „strategischen Fahrplan“ für dieses Jahrzehnt. Die Vorstellung der »Vision 2020« vor dem Vorstand erfolgte bereits im Januar 2008. Seither entwickelte sie sich aus Sicht der EADS „zu einem konzernweiten Aktionsplan weiter, der in allen Geschäftsbereichen umgesetzt wird“.[13]

Wohlige Worte, wunderbar untermalt von dem Verhaltenskodex »Integrität und Transparenz«. Gemäß dessen Vorgaben trage die Luft- und Raumfahrtindustrie „eine besondere Verantwortung“. Dementsprechend verpflichtete sich EADS „zu ethischem Verhalten und Transparenz“. Beim Export „wurde die Compliance-Organisation neu geordnet, um Exportkontrollrisiken einzudämmen“. Das Export Compliance Council, das die Verantwortung für die Überwachung aller exportrelevanten Aktivitäten trägt, hat seine Tätigkeit im Jahr 2009 aufgenommen. Darüber hinaus nahm EADS „an mehreren Initiativen zur Erarbeitung weltweit geltender Standards teil“.[14]

Das klingt zwar gut, doch bei kaum einem anderen rüstungsproduzierenden Unternehmen dürften Anspruch und Wirklichkeit weiter auseinander klaffen als bei EADS. Während die Aktionärinnen und Aktionäre und die kritische Öffentlichkeit bei den Hauptversammlungen in Amsterdam mit Ethik-Richtlinien ruhig gestellt werden, beliefert EADS neben der Bundeswehr und kriegsführenden Staaten wie den USA, Großbritannien oder Frankreich auch Diktatoren und Scheindemokraten in aller Welt mit Waffen und Rüstungsgütern. Pars pro toto sei im Folgenden ein aktuelles Beispiel genannt.

Der Krieg gegen Gaddafi ist gut fürs Geschäft

Dank seiner reichhaltigen Ölreserven ist Libyen in der Lage, Waffenimporte zeitnah zu zahlen. Kein Wunder also, dass das diktatorische Regime von Muammar al Gaddafi zu den Kunden deutscher Rüstungskonzerne zählt. EADS unterhält in der libyschen Hauptstadt Tripolis eigens eine Repräsentanz.

Seit Aufhebung des Waffenembargos 2004 wurden militärische Geländewagen, Störsender, Hubschrauber und Panzerabwehrraketen vom Typ MILAN 3 geliefert. Gefertigt wurden die Missile d’Infanterie Léger ANti-char (MILAN) bei MBDA, einer Beteiligungsgesellschaft, an der EADS 37,5% der Anteile hält. MBDA bewirbt die tragbare Anti-Panzerrakete MILAN 3 als eine besonders präzis schießende Waffe, gekennzeichnet durch ein „verbessertes Tötungspotenzial“.[15]

Die libysche Bestellung von MILAN 3 geht auf die Jahre 2006 und 2007 zurück. Im August 2007 bestätigte das Unternehmen, dass Verhandlungen für einen Vertrag über die Lieferung von MILAN-Systemen durch MBDA „nach 18-monatiger Diskussions- und Verhandlungsdauer abgeschlossen“ worden seien.[16]

Die Abschussanlagen dieser Panzerabwehrraketen wurden von der ebenfalls zum EADS-Konzern gehörenden Firma LFK (Lenkflugkörper) im bayerischen Schrobenhausen gefertigt.[17] Die Waffendeals erfolgten 2009 und 2010 über Frankreich, das die MILAN 3 auch bei den eigenen Streitkräften eingeführt hat.

Moralische Hemmungen bei der EADS-Führung? Ethische Grundsätze für Waffenlieferungen an Diktatoren? Augenscheinlich Fehlanzeige. Seit Jahrzehnten zählte Libyen zu den Staaten, in denen Menschen- und Bürgerrechte massiv verletzt werden: „Die Rechte auf freie Meinungsäußerung, Vereinigungs- und Versammlungsfreiheit blieben stark eingeschränkt“, bilanzierte die Menschenrechtsorganisation amnesty international für das MILAN-Lieferjahr 2009. Menschen, die verdächtigt wurden, „sich illegal im Land aufzuhalten, wurden festgenommen und misshandelt“. Das libysche Regime ließ auch 2009 die Todesstrafe vollstrecken.[18] Viele Regierungskritiker bezahlten ihre öffentlich geäußerten Forderungen nach demokratischer Mitbestimmung mit ihrem Leben. Das Regime Gaddafi überwies für die MILAN-Raketen rund 168 Mio. Euro an EADS.[19]

Als britische Luftwaffe und Alliierte im März 2011 Angriffe gegen Flugbasen und Stellungen der libyschen Armee flogen, waren wiederum EADS-Waffen im Einsatz: Eurofighter- und Tornado-Kampfflugzeuge. Krieg ist bekanntlich gut fürs Geschäft…

Vom Waffenhandel zu ethisch verantwortbarer Produktion?

Seit nunmehr zwei Jahrzehnten fordern die Kritischen AktionärInnen Daimler (KAD) gemeinsam mit der DFG-VK, Ohne Rüstung Leben, pax christi, dem RüstungsInformationsBüro und weiteren Friedensorganisationen bei den Daimler-Hauptversammlungen mit Aktionen, Gegenanträgen und Redebeiträgen den Ausstieg Daimlers aus der Rüstungsproduktion. Moralische Erwägungen spielen – wenn überhaupt – bei den Hauptversammlungen der EADS N.V. und der Daimler AG kaum eine Rolle. Was zählt ist nur der Profit.

Beachtlich erscheint allerdings eines: Anfang 2011 erwog Daimler-Chef Dieter Zetsche öffentlich den Teilverkauf weiterer EADS-Anteile, unterstützt vom Vorsitzenden des Daimler-Betriebsrats, Erich Klemm. Der erwogene Verkauf von 7,5% der rund 22,5% Aktienanteile würde rund 2,5 Mrd. Euro in die Konzernkasse des Auto- und Rüstungsriesen Daimler spülen.[20] In der deutschen Konzernzentrale sorgten Zetsches Gedankenspiele für massive Verunsicherung. In Ottobrunn bei München fürchteten EADS-Manager, dass ihr Hauptquartier „ein schnelles Opfer“ werden könnte und die französische Seite die Kompetenzen in das bislang gleichberechtigte, fortan womöglich alleinige Headquarter verlagern würde. Zudem fürchtet die deutsche Seite durch den Verkauf von Aktienanteilen, zum Beispiel an einen arabischen Staatsfonds, eine massive Störung des im Vertragswerk geradezu minutiös festgelegten deutsch-französischen Gleichgewichts.[21]

Realiter würde der Verkauf von Daimler-Anteilen an EADS an einen anderen Rüstungsprotegé keinen entscheidenden Beitrag zur eigentlichen Problemlösung darstellen. Wer aus der verfehlten Rüstungsproduktion und den menschenverachtenden Rüstungsexporten aussteigen will, der muss Rüstungskonversion – die Umstellung auf eine nachhaltige Fertigung verantwortbarer Zivilprodukte – anstreben und die Waffenfertigung einstellen. Was revolutionär klingt, ließe sich angesichts der hervorragenden Auftragslage im Zivilbereich bei EADS vergleichsweise vorbildlich umsetzen, den entsprechendem Willen der EADS-Geschäftsführung vorausgesetzt.

Die Zukunftsperspektive der EADS erscheint bei einem Auftragsbestand im Wert von 448 Mrd. Euro positiv. Doch während die zivile Luftfahrt eine vergleichsweise sichere Auftragslage verzeichnet, ist diese im Militärbereich äußerst vakant. Angesichts prognostizierter sinkender Verteidigungsetats der USA und weiterer Schüsselstaaten ist mit Stornierungen und Auftragseinbußen zu rechnen.

Militärische Großprojekte der EADS, allen voran der Eurofighter, laufen in den kommenden Jahren aus. Die Zeichen der Zeit stehen auf zukunftsgerichteten Wandel. Dabei könnte den hoch qualifizierten Ingenieuren des Luft- und Raumfahrtriesen das eigene Know-how durchaus zugute kommen, wie das folgende Beispiel nachdrücklich belegt: Gemäß einer Prognose der International Energy Agency wird sich die weltweit installierte Windkraftleistung von 185 Megawatt (2010) auf 573 Megawatt (2030) mehr als verdreifachen. Passend dazu verkündete EADS im Dezember 2010, das EADS-Tochterunternehmen Astrium solle zu einem führenden Fabrikanten von Rotorblättern für Windkraftanlagen aufgebaut werden: „Wir wollen die Nummer eins in Frankreich werden und, warum nicht, auch die Nummer eins in Europa“, so die Astrium-Managerin Valérie Cazes im Gespräch mit der Financial Times Deutschland. „Wir denken auch an Exporte, und natürlich gehört da auch Deutschland dazu.“

Damit tritt EADS in Konkurrenz zum dänischen Markführer LM Glasfiber. Dessen Produktionszentrum in Deutschland spricht für sich: Am Standort des vormaligen EADS/Airbus-Werks in Lemwerder werden heute Rotorblätter für Windkraftanlagen gefertigt. Besser könnte eine sinnvolle Entwicklung nicht symbolisiert werden.[22]

Websites/Links
Informationen über Daimler/EADS siehe www.kritischeaktionaere.de, www.wir-kaufen-keinen-mercedes.de, www.rib-ev.de und www.juergengraesslin.com.

Anmerkungen

[1] Alle in diesem Artikel erwähnten EADS-Dokumente bzw. Sites können von der EADS-Website www.eads.com geladen werden. EADS: Integrität & Transparenz. 18. Juni 2010; deutsche Übersetzung „zur Information“ des englischen EADS-Dokuments »Ethics and Compliance«.

[2] EADS entstand durch Fusion der deutschen DASA, der französischen Aérospatiale-Matra und der spanischen CASA.

[3] EADS: Annual Results 2010. Presentation; 9. März 2011, S.28.

[4] EADS: Welten verbinden. Das Unternehmen im Jahr 2009. S. XVI-XVII. Die Niederlassungen sind auf der EADS-Website unter »Unsere Standorte« aufgelistet.

[5] Stockholm Peace Research Institute: SIPRI Yearbook 2008, 2009 und 2010.

[6] EADS: Welten verbinden. op.cit., S. IV und XI.

[7] EADS-Website »Unser Unternehmen«, dort: »Astrium«; Motto: „All the space you need“.

[8] EADS: Wir haben, was zählt. Das Unternehmen im Jahr 2008. S.49

[9] EADS Annual Results 2010. op.cit., S.14.

[10] EADS Ausblick 2011. 9.3.2011.

[11] Ibid.

[12] DER SPIEGEL 49/2010, S.13.

[13] EADS-Website »Investor Relations«, dort «Finanzzahlen und Ausblick«.

[14] EADS: Welten verbinden. op.cit., S.60 f.

[15] ZEIT ONLINE vom 17.03.2011.

[16] EADS: EADS präzisiert Stand der Diskussion mit Libyen. München, 03.08.2007.

[17] ZEIT ONLINE vom 17.03.2011.

[18] AMNESTY INTERNATIONAL REPORT 2010, Libyen, S.287 f.

[19] SIPRI Arms Transfers Database, Stand März 2011, und Jane’s Infantry Weapons 2011-2012, S.473 f.

[20] Stuttgarter Nachrichten vom 18.02.2011

[21] DIE ZEIT vom 17.03.2011, S.33.

[22] Financial Times Deutschland vom 23.12.2010, S.3.”

 

(Quelle: Wissenschaft & Frieden.)

Hinweis

Die aktuelle Ausgabe der Zeitschrift “Wissenschaft & Frieden”, aus der dieser Aufsatz stammt, kann in unserer Bücherei entliehen werden.

EU: Waffenverkäufe an Bahrain und Jemen nicht gestoppt

Sonntag, Mai 15th, 2011

“[Comment] EU should ban arms sales to Yemen and Bahrain

By LETTA TAYLER

EUOBSERVER / COMMENT – The text message from a Yemeni activist was desperate. Security forces had opened fire on a square occupied by anti-government protesters in the port city of Aden on 30 April, killing two and wounding dozens. “The shooting doesn’t stop,” she wrote. “Please, help us!”

Cries for help have been streaming out of Yemen since February, when security forces and pro-government assailants began brutal crackdowns on peaceful protesters seeking to oust President Ali Abdullah Saleh.

The attacks have killed at least 121 people and injured hundreds, many from gunfire. People are also pleading for help in Bahrain, where security forces shot dead at least a dozen protesters as well as several security agents during demonstrations in February and March.

Yet while European leaders deplore the violence in both Bahrain and Yemen, they have done precious little to stem the flow of weapons that both governments have used against their citizens. Each year, EU states export millions of euros worth of guns, teargas, and other arms to these repressive governments, with scant regard for how these sales make them complicit in the murders of ordinary people demanding their rights.

When EU ministers meet on Friday (13 May) in Brussels, they should ban all arms sales to Yemen, Bahrain, and any other country that is using excessive force to quash legitimate dissent.

EU members already have taken a few important steps, but they fall far short of what is needed to end the brutality. On 6 May, EU foreign ministers agreed to suspend weapons sales to Syria after security forces there killed hundreds of peaceful protesters.

In February, the UK revoked 156 licenses for weapons sales to Tunisia, Egypt, Libya and Bahrain, and ordered a review of weapons sales to Yemen. France swiftly followed suit by announcing it was suspending arms sales to Bahrain and Libya.

This piecemeal approach, though, willfully ignores the EU Code of Conduct on Arms Exports of 1998, which calls on all member states not to sell weapons to countries or regions where there is a clear risk that they will be used for internal repression or other human rights abuses.

The code has been in place in its current form since 2008, when repression was already well documented in countries whose citizens ultimately rose up in this year’s so-called “Arab spring.”

Yet total EU arms exports to north Africa and the Middle East nearly doubled, from €5.8 billion in 2008 to €11.6 billion in 2009, the latest year for which figures are available, according to the EU’s annual report on arms exports.

That included weapons sales of €100 million in 2009 to Yemen. The biggest EU supplier that year was Bulgaria, which sold €85.9 million worth of firearms, ammunition, bombs, rockets or missiles, followed by the Czech Republic, with €7.4 million and France, with €4 million.

In 2008, the UK led the pack in weapons sales to Yemen, its sales that year valued at €17.8 million.

According to a US diplomatic cable released by WikiLeaks, the 2009 Bulgarian sale included 30,000 assault rifles as well as explosives and rocket propelled grenades. The cable expressed concerns that the deal, financed by the United Arab Emirates, would contribute to small arms proliferation in Yemen – a country with an active al-Qaeda branch and where the ratio of weapons to people already approaches 1:2.

The UK was a leading arms exporter to Bahrain in 2010, with £5.7 million [€6.4 million] in sales, according to the UK-based Campaign Against Arms Trade. UK sales to Bahrain in the past five years include sub-machineguns, sniper rifles, smoke canisters, stun grenades, tear gas and riot shields.

In 2009, Bahrain received €39.8 million in weapons from EU member states; France sold it €28 million, Belgium €6.3 million, Sweden €2.4 million, and Germany €2 million, the EU arms report said.

The EU is hardly alone in selling arms to human rights violators. The US is the world’s leading supplier of conventional arms to the Middle East, and hundreds of people suffered severe reactions after security forces in Egypt, Bahrain and Yemen fired US-made tear gas at peaceful protesters. The US in April announced that it is reviewing arms sales to the region on a “case-by-case” basis. The EU can do far better.

The 27 EU member states immediately should ban exports of arms and security equipment to Yemen and Bahrain in response to their brutal repression of peaceful dissent until authorities in the two countries stop their violent crackdowns against citizens, conduct independent investigations into the attacks, prosecute suspected perpetrators, and recognize and compensate victims.

Until the EU matches its words with those actions, the blood of Arab spring protesters will stain its hands.

Letta Tayler is a Yemen researcher at Human Rights Watch”

 

(Quelle: EUobserver.)