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BRD: NGOs und Kirchen fordern mehr Klimagerechtigkeit

Montag, Mai 31st, 2010

“Vor Bonner UN-Konferenz mehr Klimagerechtigkeit gefordert

Vor den am Montag beginnenden UN-Klimaverhandlungen in Bonn haben Kirchen und Entwicklungsorganisationen mehr Unterstützung für den Klimaschutz in Entwicklungsländern gefordert.

Mehr Klimagerechtigkeit verlangten am Sonntagabend Vertreter der beiden großen Kirchen bei einem ‘Abend der Kirchen’ in der Bonner Kreuzkirche. ‘Wir möchten die Verantwortung aller in Politik, Gesellschaft und Kirche anmahnen’, erklärte Prälat Karl Jüsten, der katholische Vorsitzende der Gemeinsamen Konferenz Kirche und Entwicklung (GKKE). Eine neue Dynamik und größere Ernsthaftigkeit in den internationalen Klimaverhandlungen verlangte der westfälische Präses Alfred Buß. Die Zeit dränge, unterstrich auch Rudolf Ficker, Vorstandsmitglied des Evangelischen Entwicklungsdienstes (EED) in Bonn.

Bei der bis zum 11. Juni dauernden Bonner Konferenz soll die kommende Weltklimakonferenz im Dezember im mexikanischen Cancun vorbereitet werden. Dort geht es um ein rechtlich bindendes Abkommen, das das auslaufende Kyoto-Protokoll ersetzen soll.

Im Vorfeld hatte das Welternährungsprogamm der UNO (WFP) gewarnt, dass manche afrikanische Länder aufgrund des Klimawandels bereits 2020 bis zu 50 Prozent ihrer Ernten verlieren könnten. Schon heute zeige sich etwa in Kenia und Äthiopien, wie extreme Dürren und flutartige Regenfälle Millionen Menschen zu Hungernden machten. Das WFP verwies zugleich darauf, dass die Folgen des Klimawandels in Entwicklungsländern mit einfachsten Mitteln abgemildert werden könnten. ‘Wo einfache Dämme die verbleibenden Regenfälle auffangen, werden ganze Regionen wieder fruchtbar. Wo Baum-Setzlinge Hänge neu begrünen, entstehen neue Wälder.’

Die Hilfsorganisation Oxfam mahnte, die von den Industriestaaten zugesagten Klima-Hilfen dürften nicht den Schuldenberg der armen Länder vergrößern. Die reichen Länder sollten ihre in Kopenhagen gemachten finanziellen Zusagen für Klimaschutz und Bewältigung der Folgen des Klimawandels in armen Ländern als Zuschüsse und nicht in Form weiterer Kredite leisten.

Den armen Ländern ist nicht geholfen, wenn ihnen nun einfach neue Kredite untergeschoben werden, um die vor allem von den reichen Ländern verursachten Klimaschäden zu bewältigen’, sagte Oxfam-Klimaexperte Jan Kowalzig. ‘Wenn ich das Auto meines Nachbarn zu Schrott fahre, biete ich ihm ja auch nicht lediglich einen Kredit für die Reparatur an.’

Oxfam sieht in der Bonner Zwischenkonferenz einen ersten Schritt, um ‘das gestörte Vertrauensverhältnis zwischen den Industrieländern und den vom Klimawandel besonders betroffenen Entwicklungsländern wieder herzustellen’. Es gehe auch um die Suche nach Instrumenten, mit denen die Klima-Finanzhilfen für die armen Länder bis 2020 mindestens auf die in Kopenhagen versprochenen 100 Millionen US-Dollar jährlich angehoben werden könnten. Oxfam schlägt dafür unter anderem eine Finanztransaktionssteuer vor.

Auch die Umweltorganisation Greenpeace sieht in der Bonner Konferenz die Chance, nach dem Scheitern von Kopenhagen ein Zeichen für den Klimaschutz zu setzen. Ziel müsse es sein, die Klimaerwärmung in diesem Jahrhundert unter der Schwelle von 2 Grad zu halten. Greenpeace warnte zugleich vor einer alarmierenden Lücke zwischen dem angestrebten Ziel der Verringerung von Treibhausgasen und den bisher zugesicherten Maßnahmen. Im Jahr 2020 dürfe der Treibhausgas-Ausstoß weltweit nicht mehr als 40 Milliarden Tonnen betragen, um die gefährlichsten Folgen des Klimawandels noch zu verhindern. Mit den bisherigen Verpflichtungen lasse sich der Ausstoß von Klimagasen jedoch nur auf 48 bis 54 Milliarden Tonnen im Jahr 2020 verringern.

Der Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) kündigte unterdessen zum Konferenzauftakt eine Demonstration an. Ein ‘Riesenmikado’ in den Nationalfarben der G8-Staaten vor dem UN-Tagungszentrum solle die Forderung ‘Bewegt Euch! Klimaschutz jetzt!’ unterstreichen. Der Umweltverband sieht dabei vor allem die Industriestaaten in der Pflicht, konkrete Klimaschutzziele sowie finanzielle Unterstützung der Entwicklungsländern zur Anpassung an den Klimawandel zuzusagen.”

(Quelle: Blickpunkt Lateinamerika.)