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Bangladesch: Dramatische Folgen der Klimakrise

Donnerstag, Juli 7th, 2011

“Klimawandel und neoliberale Politik: der Fall Bangladesch

Von Danielle Sabaï

Bangladesch liegt mitten im größten Delta der Welt, wo zwei Flüsse aus dem Himalaya, Brahmaputra und Ganges, sich vereinigen und in den Golf von Bengalen ergießen; Klimakatastrophen treten hier fast regelmäßig auf. Die Hälfte des Landes in Bangladesch liegt weniger als 10 Meter über dem Meeresspiegel Es besteht größtenteils aus Lehm, der durch Flüsse, die aus den Himalaya-Gletschern abfließen, entwässert wird. Die Schneeschmelze verursacht regelmäßig kräftige Überschwemmungen. Der Küstenstreifen selbst wiederum ist Wirbelstürmen und Flutwellen ausgeliefert, die die Küstengebiete überschwemmen. Unter extremen klimatischen und geografischen Bedingungen hat Bangladesch im Laufe der Jahrhunderte ein Gleichgewicht entwickelt, das seiner dichten Bevölkerung erlaubt, dort zu leben. Die durch neoliberale Politik noch verstärkte Klimaerwärmung hat dieses empfindliche Gleichgewicht zerstört. Wohl kein Land der Welt ist heute stärker gefährdet, und die Bevölkerung von Bangladesch steht vor immensen Herausforderungen …

BEISPIELLOSE KLIMAÄNDERUNGEN

Keine Region in Bangladesch wird vom Klimawandel verschont.

Im Norden des Landes kann der Sommer, der früher zwei oder drei Monate dauerte, jetzt fünf oder sechs Monate anhalten, verbunden mit einem erheblichen Anstieg der Temperatur. Deshalb vertrocknen die fruchtbaren Böden und die Pflanzen verbrennen. Die Flüsse trocknen aus und die Landwirte sind abhängig von teuren Bewässerungssystemen, die das Grundwasser herauf pumpen und allmählich erschöpfen. Seit den 90er Jahren haben die Bauern auch das Problem der Kontamination des Brunnenwassers mit Arsen, das von Natur aus in den Böden enthalten ist, jetzt aber durch das Abpumpen des Grundwassers an die Oberfläche kommt. Im Winter nehmen Kälte und Nebel immer mehr zu, was zur Zerstörung vieler Gemüse- und Saisonkulturen führt.

Im Süden steigt die Temperatur im Sommer stetig und die Kälte im Winter wird immer heimtückischer. An der Küste treten Wirbelstürme häufiger und heftiger auf. Flutwellen, die das fruchtbare Land an den Küsten überschwemmen, erhöhen dauerhaft den Salzgehalt des Bodens und der Flüsse und machen das Land ungeeignet für die Bewirtschaftung.

Das Land hat nur noch drei Jahreszeiten, einen Sommer, einen Winter und eine Regenzeit, während es früher sechs waren. Während dieser Zeiten scheint das Klima Amok zu laufen: Die Sommer werden immer wärmer und trockener, die Winter immer strenger und die Regenzeiten immer nasser. Überschwemmungen und Wirbelstürme, die es in Bangladesch immer gab, treten nun häufiger und vor allem außerhalb der gewohnten Zeiträume auf.

Der Klimawandel ist definitiv verantwortlich für dieses Chaos, zumindest teilweise. Die Erwärmung der Atmosphäre beschleunigt das Schmelzen der Gletscher am Nord- und Südpol und lässt den Meeresspiegel steigen. Die Küstengebiete von Bangladesch werden nach und nach vom Salzwasser überflutet. Der dritte Bericht des Weltklimarats (IPCC) schätzte, dass das Land 10,9 % seiner Fläche verlieren könnte, wenn der Meeresspiegel um 45 Zentimeter steigt.

Im Norden werden die Flüsse, die Bangladesch durchqueren, vom Schmelzwasser der Himalaya-Gletscher gespeist. Mit der Klimaerwärmung schmelzen die Gletscher schneller ab, als das Eis neu gebildet werden kann. So verringern sich die Abflussmengen allmählich, und wenn das Phänomen anhält, könnten die Flüsse bald versiegen und eine Wüstenbildung im Norden Bangladeschs verursachen.

Aber derzeit erhöht zunächst die Zunahme der Niederschläge im Monsun zusammen mit einer Verstärkung der Gletscherschmelze den Wasserablauf. Der Ablauf dieses Wassers wird aber durch die Erhöhung des Meeresspiegels erschwert. Die Kombination dieser beiden Faktoren macht Überschwemmungen häufiger und kräftiger.

Angesichts des Meeresspiegelanstiegs reichen die in den 60er Jahren gebauten Deiche mit ihrer Höhe von fünf Metern nicht mehr aus, um die Küstenorte vor den Fluten zu schützen. Die Kombination von steigendem Meeresspiegel und Ablagerungen von Milliarden Tonnen von Schlamm durch die Flüsse des Nordens lässt sich das Eindringen von Salzwasser in tiefer liegende Gebiete nicht mehr verhindern. Die Deiche halten das Regenwasser im Landesinneren zurück und verstärken dadurch die Überschwemmungen.

DURCH DIE NEOLIBERALE POLITIK WIRD DIE SITUATION NOCH VERSCHÄRFT

Der Klimawandel ist nicht allein verantwortlich für die Umweltzerstörung, deren ersten Opfer die Menschen in Bangladesch sind. In den 80er Jahren haben die Regierungen eine Wirtschaftspolitik entwickelt, die sowohl auf Exporte als auch auf die Steigerung der Nahrungsmittelproduktion orientiert. Diese Politik wurde angetrieben und gefördert von internationalen Organisationen wie der Weltbank, dem Internationalen Währungsfonds, der Asiatischen Entwicklungsbank, der US-Entwicklungsbehörde und dem britischen Entwicklungshilfeministerium.

Wie auch anderswo haben die Strukturanpassungsmaßnahmen in Bangladesch die Privatisierung großer Staatsbetriebe und die Öffnung des Energiesektors für ausländisches Kapital favorisiert. Es war das Gleiche im Bereich des Bergbaus in den 90er Jahren.

Der Rückzug des Staates hat die Krise in den Bereichen Bildung und Gesundheit beschleunigt und den Weg für private Dienstleistungen geebnet. Im Namen der Entwicklung haben diese Wirtschaftsreformen erlaubt, den Landbesitz zu konzentrieren und Millionen von Menschen zu enteignen. Sie haben einen Teufelskreis der Abhängigkeit geschaffen, aus dem sich die Bäuerinnen und Bauern in Bangladesch nur schwer befreien können.

An der Küste haben sich die Anlagen zur Garnelenzucht für die Bedienung eines explodierenden Marktes in den wohlhabenden Ländern vervielfacht. Bangladesch ist heute weltweit der fünftgrößte Produzent von Garnelen. Etwa 130 Unternehmen teilen sich die Gewinne einer Branche, die fast eine Million bangladeschischer Arbeiterinnen und Arbeiter für weniger als einen Euro pro Tag beschäftigt. 190 000 Hektar von Mangrovenwäldern und fruchtbarem Land wurden in Aquakulturen verwandelt. Das ursprünglich landwirtschaftlich genutzte Gebiet wurde zu niedrigen Preisen den Kleinerzeugern abgekauft und dann in Anlegen zur Garnelenzucht umgewandelt, was die Versalzung des Bodens erhöht und das Land endgültig unbrauchbar für den Anbau macht.

Diese Industrie gefährdet die Existenzgrundlage der Bauern, ohne andere Arbeitsplätze in ausreichender Zahl zu sichern. In den Sundarbans hat die Garnelenzucht das fragile Gleichgewicht, das der örtlichen Bevölkerung erlaubte, von den Ressourcen des größten Mangrovenwalds der Welt zu leben, zerbrochen. Das Ökosystem kann sich an die Versalzung des Wassers und Erhöhung der Temperaturen nicht schnell genug anpassen. Die großen Bäume verschwinden und auch eine große Zahl von Tier- und Pflanzenarten. Die Bauern, die einst Reis angebaut und keine Arbeit in den Aquakulturen gefunden haben, wurden zu Fischern in den Sundarbans. Aber die Mangroven können dem kombinierten Druck der immer bedeutenderen Kleinfischerei und der Garnelen-Industrie, die von der Verschmutzung zerstörte Seen hinterlässt, nicht standhalten. Dies bewirkt eine ökologische Katastrophe und verstärkt die Auswirkungen des Klimawandels, da die Mangroven ein Puffer zwischen Land und Meer sind. Sie schützen gegen die Erosion, die von den auf die Küste treffenden Wirbelstürmen verursacht wird.

Im Binnenland hat der Wille, die landwirtschaftliche Produktivität der Felder rasch zu steigern, zu einem übermäßigen Einsatz von Düngemitteln geführt. Dies verstärkt den Rückgang der Artenvielfalt und die Bodenerosion.

ERNÄHRUNGSSOUVERÄNITÄT UND KLIMAFLÜCHTLINGE

Die sozialen Herausforderungen sind gewaltig für die 150 Millionen Menschen in Bangladesch und insbesondere für die Ärmsten. Ein Drittel der Bevölkerung lebt unterhalb der Armutsgrenze und 70 % sind ohne Land. Klimawandel und neoliberale Politik bedrohen den Lebensstil von Millionen von ihnen. Prognosen gehen davon aus, dass fast 40 Millionen Menschen Klimaflüchtlinge werden könnten. Die Hauptstadt Dhaka wird die massiv verdrängte Bevölkerung nicht absorbieren können, die zu erwarten ist, wenn ein Teil des Landes unbewohnbar ist, weil es überflutet oder zur Wüste geworden ist. Sie nimmt bereits jedes Jahr eine halbe Million Bauern auf, deren traditionelle Umwelt zerstört wurde. Die Lösung kann auch nicht vom benachbarten Indien kommen, das mit Bangladesch eine 4000 km lange gemeinsame Grenze hat und einen doppelten Stacheldrahtzaun von 2,5 Metern Höhe und über 2500 km Länge errichtet hat. Die indische Regierung behauptet, sich so gegen Terrorismus und Menschenhandel schützen zu wollen. Tatsächlich unterbindet er den Strom von Migranten von beiden Seiten der besonders komplexen Grenze. Eine Antwort muss aber auf Zusammenarbeit und gegenseitiger Unterstützung beruhen und ganz sicher nicht auf Sperrung der Grenzen und Repression.

In einem Land, in dem die Landwirtschaft einen Anteil von 20 % des BIP und 65 % der Beschäftigten umfasst, erscheint Ernährungssouveränität als eine der Schlüsselfragen, die es Bauern ermöglicht, den Klimawandel zu mindern und sich an seine Folgen anzupassen, und gleichzeitig eine überwiegend arme Bevölkerung zu ernähren.

Das Paradigma der Ernährungssouveränität ist das Gegenteil des dominierenden Modells des Agrobusiness, bei dem die Jagd nach Profit vor den Nahrungsbedürfnissen der Menschen und der Rücksicht auf die Umwelt kommt. Dieses Paradigma „bekräftigt das Recht der Menschen vor Ort, ihre eigene Agrar- und Ernährungspolitik zu definieren, ihren eigenen Markt zu kontrollieren und die lokale Landwirtschaft durch die Verhinderung des Abfließens der landwirtschaftlichen Überschüsse zu fördern. Es fördert vielfältige und nachhaltige Methoden der Landnutzung, die die Erde respektieren und den internationalen Handel nur als Ergänzung zur lokalen Produktion betrachten. Ernährungssouveränität bedeutet, die Kontrolle der natürlichen Ressourcen wie Boden, Wasser, Saatgut an die lokalen Gemeinschaften zurückzugeben und gegen die Privatisierung des Lebens zu kämpfen.“ [1]

Das Scheitern der Konferenz von Kopenhagen sollte uns an die Unfähigkeit der Regierungen der Großmächte erinnern, konkrete Maßnahmen zu beschließen und durchzuführen. Die bevorstehende Klimakatastrophe wird sich nicht abwenden lassen, ohne sich vom kapitalistischen System zu lösen, das auf der Suche nach Gewinnmaximierung und unbegrenzter Akkumulation basiert – Zielen, die mit der Bewahrung der Umwelt und der Befriedigung sozialer Bedürfnisse unvereinbar sind.

Bauernorganisationen wie Bangladesh Krishok Föderation (BKF) und Kisan Sabha Bangladesch (BKS) [2] organisieren Workshops mit Landwirten, um Auswirkungen des Klimawandels zu beurteilen und zu Fragen des Zugangs zu Land und zur Ernährungssouveränität zu mobilisieren. Für Ende des Jahres 2011 planen die beiden Organisationen eine Karawane für die Ernährungssouveränität, die von Land zu Land ziehen soll. Die Veranstalter wollen die am stärksten gefährdeten Bevölkerungsgruppen informieren und mobilisieren, an den Erfahrungen der bäuerlichen Basisbewegungen teil zu haben und die internationale Solidarität zu Fragen des Klimawandels und der Ernährungssouveränität, vor allem in Südasien, zu entwickeln. Die Rolle dieser fortschrittlichen und unabhängigen Organisationen ist sehr wichtig. Sie sind ein wichtiger Teil beim Aufbau einer radikalen globalen Massenbewegung für Klimagerechtigkeit.

Weitere Artikel zum Thema

Erklärung des Internationalen Komitees der Vierten Internationale: Das Umkippen des Klimas und die globale ökologische Krise, Inprekorr Nr. 3/2011 (Mai/Juni 2011)

Daniel Tanuro: Klimamobilisierung und antikapitalistische Strategie, Inprekorr Nr. 462/463 (Mai/Juni 2010)

Esther Vivas: Antikapitalismus und Klimagerechtigkeit, Inprekorr Nr. 462/463 (Mai/Juni 2010)

Resolution des 16. Weltkongresses der IV. Internationale: Kapitalistische Klimaveränderung und unsere Aufgaben, Inprekorr Nr. 462/463 (Mai/Juni 2010) (nur online)

Michael Löwy: Klimawandel: Ein Beitrag zur Debatte, Inprekorr Nr. 456/457 (November/Dezember 2009)

Daniel Tanuro: Bericht über den Klimawandel an das IK der Vierten Internationale, Teil II, Inprekorr Nr. 454/455 (September/Oktober 2009)

Daniel Tanuro: Bericht über den Klimawandel an das IK der Vierten Internationale, Teil I, Inprekorr Nr. 452/453 (Juli/August 2009)

Daniel Tanuro: Bali schon vergessen?, Inprekorr Nr. 448/449 (März/April 2009)
II. Internationales Manifest: Die ökosozialistische Erklärung von Belém, Inprekorr Nr. 448/449 (März/April 2009)


Dieser Artikel erschien in Inprekorr Nr. 4/2011 (Juli/August 2011).

[1]Siehe den Artikel von Esther Vivas, «Alternatives to the Dominant Agricultural Model», in International Viewpoint.

[2]Bangladesh Krishok Federation (BKF) und Bangladesh Kisani Sabha (BKS) sind zwei Bauernorganisationen, die Via Campesina in Bangladesch vertreten. Siehe http://www.krishok.org/

Übersetzung: Björn Mertens “

 

(Quelle: Inprekorr.)

Hinweis

Die aktuelle Ausgabe der Zeitschrift “Inprekorr”, aus der dieser Aufsatz stammt, kann in unserer Bücherei entliehen werden.

Klima: Ägypten droht zur Wüste zu werden

Montag, Juni 27th, 2011

“Hyper-arid Egypt

A recently issued UN report reveals that desertification is among Egypt’s main environmental threats. Reem Leila leafs through the report

The number of transgression cases on agricultural lands increases by the day
On the occasion of the World Day to Combat Desertification and Drought, marked on 17 June, a UN report entitled Desertification Challenge in Egypt revealed that Egypt ranked first in the rate of desertification. Egypt is facing a serious challenge in its swift loss of agricultural lands. According to the report, Egypt is losing its fertile lands faster than any other country. The report reveals that Egypt is losing 3.5 feddans of its agricultural lands every hour, the equivalent of 30,000 feddans per year due to urban spread- out and construction. This is an unprecedented record in the global rate of deforestation. (One feddan equals 4200.83 metre square, also 0.42 hectares).

The report, authored by Ismail Abdel-Galil, the national coordinator for the UN Convention to Combat Desertification, stated that during the past three months — after the 25 January Revolution — the loss of fertile land has escalated to five feddans per hour due to the state of chaos and lack of security. “Egypt is losing thousands of fertile feddans formed through the accumulation of the River Nile’s alluvium throughout the past thousands of years. This is almost impossible to be repaired due to the decline in land reclamations policies adopted by the government,” stated Abdel-Galil.

According to the report, the reduction of agricultural lands increases the food gap, thus leading to importing more food and agricultural products. This provides decision- makers with a hint about the likely increase in the import bill.

The UN report also pointed out that this month there were 158,000 transgression cases on agricultural lands compared to 128,000 cases last month.

With the situation being what it is, Salah Arafa, physics professor at the American University in Cairo (AUC) and head of the Dialogue Forum for Participation and Development, says there is a dire need to take swift political and legislative decisions in order to keep the country from experiencing famine. “Current laws and regulations governing the process of buying and owning lands in the desert must be properly and closely reported,” said Arafa.

According to Arafa, increasing youth awareness about the importance of leaving the narrow strip of the Nile Valley to the spacious desert is a must. “The government along with all the concerned authorities must provide adequate financial support to youth in order to encourage them to leave their homeland to the desert to build new communities,” stated Arafa.

The population will increase during the coming 30-40 years; accordingly, it is essential that at least 40 million people within the coming few years must leave the valley to the desert. According to Mohamed Deraz, head of the Desertification Research Centre in Egypt, youth must be provided with training courses — for at least a year or two — in order to educate them on the best possible means of leading their lives in the desert. According to Deraz, youth should be provided with proper machinery in order to help them in cultivating the land and digging for water. They must also be trained to live in different circumstances. The government must build schools, universities, hospitals and provide transportation in order to encourage youth to go and live in the desert. “Each of the five million unemployed citizens can be granted 10 feddans for reclamation. Within a few years, Egypt will be covered in green instead of the desert as is the case now,” suggested Deraz.

At the same time, laws must be strictly applied on anyone building over cultivable lands. “The law exists but it is not enforced,” said Deraz.

Deraz raised the other important issue of water desalination utilising solar power might play an essential role to encourage youth to live in the desert. “We are facing a serious problem; this requires immediate intervention by adopting new laws and legislations because this is Egypt’s only way out.” said Deraz.

According to the report, two million feddans are suffering from salination. Some 60 per cent of cultivated lands in the northern part of Egypt are affected by salt due to the misuse of irrigation water and an improper field drainage system.”

 

(Quelle: Al-Ahram Weekly.)

Irak: Tödlicher Kampf um Wasser

Mittwoch, Juni 23rd, 2010

IRAQ: Killing for water




Photo: ACTED
A dry pond in drought-afflicted al-Muthanna Governorate

BAGHDAD, 23 June 2010 (IRIN) – In the early hours of 18 June, gunmen broke into Faisal Hassan’s west Baghdad home killing him, his wife and their two young children. The motive was not sectarian, political or even economic – but water-related.

Forty-year-old Hasan was an employee of a local irrigation department in Abu Ghraib city – 32km west of Baghdad and famed in recent times for scandals surrounding its prison.

The department he worked for supervised government water distribution to farmland in and around Abu Ghraib. His death brings the number of irrigation department employees killed in this city to three in the past three months, Mohammed Khudhair, a police investigator, said.

“All these employees had nothing to do with politics or anti-militant activities, but instead were victims of the nature of their work, which has become a risky one,” he said.

Risk of local feuds

In Iraq’s rural areas, traditional tribes and clans hold much sway and often attract stronger loyalty from members than the national government. Clans have clashed in the past over land resources and water, but with the absence of a strong government since 2003 and the decline in water supplies in recent years, analysts say local water feuds are on the rise and risk becoming armed conflicts.

''Government officials can’t control the regulation of irrigation and stop those who violate their regulations either because of corruption or because they fear for their lives. So we have to solve this issue ourselves.''

“Today, we don’t have a fully functioning government as it is totally preoccupied by the security situation and political wrangling so we don’t have a strong role to deter any possible widespread conflict,” Karbala-based analyst Jaafar Moahmmed Ali said. “Besides, we have an acute shortage of water nationwide and a very bad economic situation that makes it very hard for farmers to do other work.”

Tribal sheikh Ali Ismael al-Zubaidi from Diwaniya Governorate, about 200km south of Baghdad, said he had been having “tough negotiations” over water allocations with another tribe that lives upstream from his.

“We have daily problems with water. They are siphoning water with huge electric water pumps and leave only drops for us,” al-Zubaidi said. “Government officials can’t control the regulation of irrigation and stop those who violate their regulations either because of corruption or because they fear for their lives. So we have to solve this issue ourselves.”

Al-Zubaidi said he needed to hold more meetings with the upstream tribe to resolve the water dispute “but that doesn’t mean that we can wait a long time. We will act swiftly to secure the water we need for our land even if we have to take up weapons.”

Water-scarce nation

Historically, Iraq has been one of the more fertile nations in the region, thanks largely to the Tigris and Euphrates rivers, which flow southeasterly through the entire nation. There used to be a thick, green ribbon of fertile land snaking through the middle of the country, fed by the two rivers.

However, in recent years water levels in the Euphrates and Tigris have steadily fallen due to below-average rainfall and the construction of dams on the rivers in neighbouring Turkey and Syria.

In addition, the country’s agricultural sector has been paralysed by decades of war and insecurity, underinvestment and the unchecked felling of trees for firewood, which has increased soil salinity and caused desertification in some areas. Large tracts of once fertile agricultural land have been transformed into semi-arid desert and are causing an increasing number of sandstorms as soil-binding plants shrivel up.

In response, the government has adopted measures to regulate the amount of water being used for irrigation in each province but has faced difficulties implementing them.

“The farmers didn’t adhere to the water distribution regulations. We advise them to follow the regulations this year because we cannot guarantee the amount of water we’ll have,” Mahdi al-Qaisi, undersecretary at the Ministry of Agriculture, told IRIN.”

(Quelle: IRIN News.)

Syrien: Wird das Land bald eine Wüste?

Mittwoch, Juni 16th, 2010

“SYRIA: Act now to stop desertification, says FAO

Photo: Stephen Starr/IRIN

Desertification threatens Syria

DAMASCUS, 15 June 2010 (IRIN) – An irreversible degeneration of some of Syria’s landmass could occur because of three consecutive years of drought, warns the Food and Agriculture Organization (FAO).

‘If desertification is not controlled, it threatens the land and our heritage,’ Abdulla Tahir Bin Yehia, head of FAO in Syria, said. ‘The situation is terrible in Syria and has been worsened by the past years of low rainfall.’

According to the UN, 80 percent of Syria is susceptible to desertification, defined by FAO as ‘the sum of the geological, climatic, biological and human factors which lead to the degradation of the physical, chemical and biological potential of lands in arid and semi-arid zones, and endanger biodiversity and the survival of human communities’.

Three years of drought have destroyed crops and livestock, ruining the livelihoods of thousands of farmers and displacing some 300,000 rural families to cities.

Drought response faces funding shortfall This year, however, there has been enough rainfall for the FAO to stop describing the situation as a drought, but uneven rainfall distribution has caused continued, widespread crop failure, putting the more than one million people already bordering on the poverty line into further jeopardy.

The World Food Programme (WFP) on 13 June said it had begun distributing food rations to 190,000 people in the eastern provinces of Hasakah, Deir al-Zor and Raqqa, but that another 110,000 people also required emergency food aid. WFP said a lack of funds was preventing it from distributing rice, oil, flour, chickpeas and salt rations.

Causes

Syria’s drought over the past three years and its increasing desertification is due to a combination of man-made and natural factors, experts say.

‘There are natural causes beyond anyone’s control, as well as man-made causes,’ said Douglas Johnson, a desertification expert at Clark University in the US. ‘In the Middle East the cause is almost entirely human activity. But that’s a simplistic statement because there is almost always an interaction with the natural environment. It is normal for the environment to fluctuate; some areas of desert may have no rain for four years, for example,’ he said.

This has been the case in Syria, but has been compounded by poor water planning and management, wasteful irrigation systems, over-grazing, water-intensive wheat and cotton farming and a rapidly growing population.

Agriculture accounts for almost 90 percent of the country’s water consumption, according to the government and private sector, so the policies governing it are critical to the preservation of the land and efficient use of water.

‘Traditionally, communities had methods to avoid desertification, such as rotation or leaving an area unused. This allowed the vegetation to grow back,’ said Bin Yehia. ‘But modernization and centralization takes the decision out of their hands.’

Photo: IFRC
Syria’s drought-affected provinces as of 3 August 2009

Syria’s drought-affected provinces as of 3 August 2009 He said rising demand for meat from a growing and increasingly affluent population was also contributing to land degradation.

‘Syria’s estimated livestock stands at 14-16 million. But it is only that low because many died during the drought. Prior to this the national herd stood at around 21 million. We need to study how much livestock the land can take,’ said Bin Yehia.

Desertification can be irreversible, such as when an aquifer dries out and the land sinks in on itself, destroying the structure. Flora and fauna species that lose their natural habitat can become extinct.

Bin Yehia is optimistic that much of Syria’s desertification can be reversed – but only if action is taken now.

‘It is possible to reclaim pasture and on a large scale. But it is a long-term project that would take five to 10 years,’ he said, adding that it needed more funding, studies and awareness-raising.

Steps taken

As well as reclaiming pasture, experts suggest local communities should be more involved in making land use and herd size decisions. An experimental drip irrigation project in the central district of Salamieh has spread to 52 villages as farmers realized they could use 30 percent less water to produce 60 percent more output.

Syria, a signatory to the 1994 UN Convention to Combat Climate Change, has drawn up a National Programme to Combat Desertification with the support of the UN Development Programme.

The country designates its land according to five zones, where zone five is the driest. Since the early 1990s, cultivation of land in zone five has been banned.

With the support of FAO, protected areas have been created around the eastern settlement of Palmyra, but the pilot project has not been rolled out on a large scale. A future plan, for which FAO is seeking funding, aims to claim back pasture in Homs governorate. ”

(Quelle: IRIN News.)

Tschad: Der vergessene Norden

Mittwoch, Juni 9th, 2010

“CHAD: What’s happening in the north?

“N’DJAMENA, 8 June 2010 (IRIN) – BET, the acronym for the three northern regions of Chad – Borkou, Ennedi and Tibesti – comes up regularly in meetings of international aid agencies frustrated by the lack of information and difficulty of access to the remote territory.

Drought in 2009 triggered the government’s call for international assistance, but no one really knows the full extent of the problem, according to a local NGO.

‘Everything we eat comes from Kanem and Batha [Chad’s west and central regions in the arid Sahelian belt] … why are people not asking how bad things are here? Why is no one coming to assess?’ Mahamat Khamis, president of an NGO in Ennedi, the Association for the promotion of local development initiatives, which began as a Swiss Agency for Development and Cooperation project in 1999.

The state and the international community are barely present in the north. ‘Seventy-five percent of the schools are financed by parents; health centres are scarce – the population in the north has been left to fend for themselves,’ Jean-Robert Moret, head of the Swiss Cooperation in Chad, told IRIN.

He said the problems in the north were not emergencies, but development problems left unattended could turn into emergencies. The Swiss Cooperation has funded schools, health, demining and environmental activities in Ennedi since the 1990s.

Malnutrition

Poor rainfall in 2009 led the government to estimate that it would take an additional 637,000 tonnes of food to feed its population, estimated at almost 11 million in 2009, and prevent two million children aged under five from slipping into greater hunger.

The arid BET regions – home to 264,000 people – primarily produce salt and grow dates around oases, but there is too little rainfall for agriculture. They rely on Chad’s southern and Sahel regions for food, but these have produced 34 percent less than in previous years, according to a multi-agency survey in October 2009.

The study, which did not include the BET regions, estimated that the drought killed 31 percent of livestock. ‘We were not able to access the north, and hope to get there at some point,’ said Mariam Sow Soumaré, technical advisor to the UN Food and Agriculture Organization (FAO).

But Khamis told IRIN that ‘some point’ was growing too late. Neither the government nor international agencies have conducted comprehensive agriculture or health surveys in the north.

Health workers at the five clinics in Ennedi, who were not trained to diagnose malnutrition but could measure weight and height, told IRIN that almost half the children they saw were underweight or too short for their age group – signs of malnutrition.

Michele Falavigna, the UN Humanitarian Coordinator for Chad, told IRIN the north did not raise as much concern as the rest of the country. ‘The region has elected parliamentarians, who represent the regions in the central administration. There are no widespread epidemics; the impact of climate change is not hitting them as hard as the rest of the nation because it has always been a desert region whose residents are resilient to so many factors.’

Landmines

The outgoing World Food Programme programme manager in Chad, Gon Myers, said the threat of landmines and unexploded ordnance had curtailed support of school feeding programmes in the north.

‘The challenge … is accessibility because of the landmines; we cannot invest in areas where we cannot visit schools.’ A visit in February 2010 to four school feeding programmes along the Sudan border in the northeast had required mine-resistant armoured vehicles from the UN peacekeeping mission in the Central African Republic and Chad.

‘We cannot afford to carry out observation missions with such heavy security. We need the government to work alongside us, to ensure safety for us to work in the north,’ Myers said.

A decade of sporadic fighting between Chad and Libya over a sparsely populated strip of land in the north has left the area dotted with at least a million mines, said Saleh Hissein Hassan, coordinator of the national demining centre.

Some 250 communities, or 284,000 people, are thought to live in mined areas, mostly the north, but these estimates do not include the northwestern region of Tibesti, which has not been surveyed because of safety concerns, said Hassan.

‘Development is closely tied to how quickly we can identify where the mines are, and how quickly we can demine and clear roads,’ he said. The centre is preparing to carry out a survey funded by Japan, to create a national landmine map that will also cover Tibesti.

The Ministry of Environment wants to include the north in the ‘Green Wall’, a nationwide reforestation initiative to combat desertification, but has been concerned about mines, said secretary general Saleh Mouhddine Mahamat. ‘No one can say we have abandoned the north; the will is there, but we need more funds and security to add to what is already being done.’

Troublemakers

However, Hassan told IRIN that ‘People think of northerners as troublemakers. When asked about the lack of relief and development projects, agencies and the government will tell you it is lack of security, but many times it is a political bias against the north.’

In April 2010 a dozen rebel factions in the north signed a peace deal with the government, ending years of sporadic fighting over demands for more government services and investment in the region. President Idriss Deby pledged US$54 million to clear roads and develop Tibesti. Barkai Saleh Choua Moussa, a former rebel, now the government-appointed Tibesti focal point, told IRIN: ‘The era of promises for the north needs to translate into action. People say desert residents are survivors, but even they have their limits.'”

(Quelle: IRIN News.)