Posts Tagged ‘Deutsches Reich bis 1945’

BRD / Ägypten: Kulturgutraub

Dienstag, Juli 9th, 2013

“Nofretete will nach Hause!

Was verbindet Käthe Kollwitz mit Helene Weigel und Marlene Dietrich? Sie alle sind berühmte Berlinerinnen. Als die unbestritten berühmteste Berlinerin wird jedoch seit Jahrzehnten Nofretete gefeiert. Ein gewitzter deutscher Archäologe hatte ihre Büste 1912 in Ägypten ausgegraben und nach Berlin gebracht.

 

Nofretete

 

Dort ist sie die Ikone der Stiftung Preußischer Kulturbesitz und für die Werbestrategen offenbar das beste Pferd im Stall. Die Berliner Touristik wirbt mit der Büste in einer Reihe mit dem Brandenburger Tor und der Siegessäule. Damit Nofretete, trotz fehlenden Auges, zu den Berliner Highlights aufschauen kann, wird sie in einer aktuellen Werbeanzeige auch schon mal kurzerhand seitenverkehrt abgebildet. Ebenfalls sehr originell, mit knallgrünen Lippen, musste sie ihren Kopf auch für den Wahlslogan „Starke Frauen für Berlin“ hinhalten. Die lückenlose Vermarktung der Büste geht mit einer immer geistloseren Verramschung einher: In jedem Souvenir-Shop findet man zwischen Mauerbröckchen und Bären ihr Konterfei. Gefeiert als Publikumsmagnet lässt sie auf der Museumsinsel die Kassen klingeln. Hunderttausende Besucher statten ihr jedes Jahr einen Besuch ab. Der jahrelange Streit, ob Nofretete der BRD gehört oder, wie die DDR befand, ihr zustehen müsste, weil sie vor dem Krieg in Ost-Berlin stand, ist mit der Wiedervereinigung erledigt. Berlin kann sich nun wieder ganz entspannt in ihrem Glanze sonnen. Bereits auf die Museumsinsel zurückgekehrt, soll sie ab 2009 im Neuen Museum einen Saal für sich allein bekommen.

Nofretete will nach Hause

Bevor Nofretete auf der Museumsinsel ihren „endgültigen Standort“ bezieht, würden die Ägypter die Büste ihrer bedeutenden Königin jedoch gerne erstmals auf einem Besuch in Ägypten sehen. Dieser Wunsch, den der Chef der Ägyptischen Antikenverwaltung, Zahi Hawass, im Mai 2006 anlässlich der Eröffnung der Unterwasserschätze-Ausstellung im Berliner Gropiusbau geäußert hat, löste gleich eine ganze Welle der Empörung aus. Der Präsident der Stiftung Preußischer Kulturbesitz sah sich genötigt, sofort auf die „eindeutigen und völkerrechtlich klaren, von allen Seiten offiziell anerkannten Verträge über den rechtmäßigen Besitz der Kalksteinbüste“ hinzuweisen. Die angeblich glasklaren Besitzverhältnisse hatte Herr Hawass zwar gar nicht infrage gestellt, sondern erstmals in gewisser Weise sogar akzeptiert, indem er keine Rückgabe verlangte, sondern um eine Ausleihe bat. Das wurde jedoch in Berlin schlicht ignoriert. Sekundiert von der Presse, die sich mit großem nationalen Pathos ereiferte: Neben „Nofretete bleibt“ (Der Tagesspiegel) und „Ich bin eine Berlinerin“ (Hamburger Abendblatt) ließ man aus dem Berliner Museum auch noch klarstellen, „die Dame (sei) nach 3.000 Jahren nicht mehr reisewillig“. Soweit uns bekannt, hat sich Nofretete in keinem Interview in den letzten Jahren gegen das Reisen ausgesprochen. Was wollen die Museumsexperten also mitteilen: Dass die Büste die vielen Transporte in Deutschland nicht heil überstanden hat?

Fest steht momentan nur eins: In Berlin wird kompromisslos gemauert. Auch 95 Jahre, nachdem die Büste unter durchaus fragwürdigen Umständen nach Deutschland gelangte – wie Gert von Paczensky schon 1984 in seinem Buch „Nofretete will nach Hause“ detailliert nachgewiesen hat – beansprucht Berlin die Büste für sich allein.
Paczensky und sein Mitautor, Herbert Ganslmayr, der ehemalige Direktor des Bremer ÜberseeMuseums, hatten schon 1984 vorgeschlagen, dass man die Büste, wenn (…).”

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Mehr Informationen zum “Fall Nofretete” finden Sie hier.

 

(Quelle: Nofretete geht auf Reisen.de)

BRD/Namibia: Völkermord verjährt nicht!

Mittwoch, März 7th, 2012

“Aufruf an die Mitglieder des Deutschen Bundestages zur Anerkennung und Wiedergutmachung des Völkermordes in der ehemaligen Kolonie “Deutsch-Südwestafrika”, der heutigen Republik Namibia

Wir – die unterzeichnenden Schwarzen und weißen Initiativen, Organisationen und Institutionen der Zivilgesellschaft – begrüßen das mit der Namibia-Reise des Afrikabeauftragten des Auswärtigen Amtes Anfang Februar 2012 verbundene Einlenken der Deutschen Bundesregierung und die dabei erfolgte Aufnahme von direkten Gesprächen mit Verbänden der Opfer des deutschen Völkermordes von 1904-08. Wir betrachten diese überfällige Bereitschaft zum Dialog mit den Vertretungen der unmittelbar betroffenen Völker als einen ersten unverzichtbaren Schritt auf dem Weg zur Versöhnung zwischen den Menschen in Namibia und Deutschland.

Mit dieser Resolution bringen wir unser Mitgefühl für das den namibischen Völkern, insbesondere den Herero, Nama, Damara und San zugefügte Leid zum Ausdruck. Wir sind dankbar für ihre großherzige Bereitschaft zum Gespräch mit den Nachfahren der Täter und erklären uns solidarisch mit ihrem Einsatz für “restorative justice” – für eine Gerechtigkeit, die nur aus Deutschlands aufrichtiger Bereitschaft zur Wiedergutmachung erwachsen kann. Wir unterstützen ihr Bemühen um eine offizielle Anerkennung des Völkermordes durch den Deutschen Bundestag und die Bundesregierung. Ausdrücklich stellen wir uns hinter die Forderung der Opferverbände nach ideeller und auch materieller Entschädigung für das ihren Völkern widerfahrene kolonial-rassistische Unrecht sowie für ihre gravierenden Verluste an Hab und Gut.

Die Abgeordneten des Deutschen Bundestages fordern wir auf,

· jeder weiteren Leugnung des nach den Kriterien der UN-Völkermordkonvention von 1948 eindeutig als Genozid zu bewertenden Völkermordes in der ehemaligen Kolonie “Deutsch-Südwestafrika” entgegenzuwirken und sich – wie im Falle des Genozids an den Juden – für seine rückwirkende Anerkennung durch Deutschland einzusetzen;

· die Bundesregierung zu bewegen, den deutschen Selbstverpflichtungen bei der UN-Weltkonferenz gegen Rassismus in Durban 2001 nachzukommen und die Nachfahren der Opfer des deutschen Völkermordes offiziell und unmissverständlich um Entschuldigung für den an ihren Vorfahren verübten Völkermord und die damit einhergehenden Verbrechen gegen die Menschheit zu bitten;

· den intensiven und regelmäßigen Dialog über die mit einer Versöhnung zusammenhängenden Fragen – wie u.a. über die Aufarbeitung und Wiedergutmachung des von Deutschland zu verantwortenden kolonialrassistischen Unrechts und seiner bis heute nicht überwundenen gravierenden Folgen für die Nachfahren der Opfer – mit dem Parlament der Republik Namibia aufzunehmen und auf den Beschluss konkreter Maßnahmen ausgerichtet zu führen;

· die Einrichtung einer Bundesstiftung zur kritischen Aufarbeitung des Genozids und des deutschen Kolonialismus insgesamt sowie zur Förderung postkolonialer Erinnerungskulturen zu beschließen und diese zu beauftragen, u.a.

o die wissenschaftliche Auseinandersetzung mit dem Genozid und seinen Folgen im Rahmen namibisch-deutscher Forschungsprojekte zu fördern;
o die Verbreitung des Wissens über Kolonialismus, Rassismus und ihre Folgen in der deutschen Öffentlichkeit und in den Schulen zu sichern;
o Austauschprojekte, die zur Versöhnung zwischen den Menschen beider Länder und zur Bekämpfung von Rassismus beitragen, zu fördern;
o die Dekolonisierung des öffentlichen Raums in Deutschland zu unterstützen (Stopp der fortgesetzten Ehrung für Kolonialverbrecher mit Straßennamen und Denkmälern, stattdessen Würdigung von Persönlichkeiten des afrikanischen Widerstands);

· die Bundesregierung zur konstruktiven Fortführung der aufgenommenen Gespräche mit der namibischen Regierung und mit den Opferverbänden zu veranlassen;

· die Bundesregierung zu veranlassen, im Dialog mit der namibischen Regierung und mit den Opferverbänden angemessene materielle und strukturelle Wiedergutmachungsleistungen für die gravierenden ökonomischen Verluste der betroffenen Völker an Land, Vieh und anderem Eigentum zu vereinbaren;

· die Bundesregierung zu veranlassen, die vereinbarten Wiedergutmachungsleistungen bedingungslos – d.h. ohne Einmischung in die freien Entscheidungen des namibischen Staates und der Opferverbände über deren Verwendung – zu erbringen.

Berlin, den 07.03.2012

AfricAvenir International
Afrika-Rat Berlin-Brandenburg
Afrika-Rat Nord
AFROTAK TV cyberNomads
Artefakte//anti-humboldt
Berliner Entwicklungspolitischer Ratschlag (BER)
Berlin Postkolonial
Deutsch-Afrikanische Gesellschaft Berlin (DAFRIG)
Initiative Schwarze Menschen in Deutschland (ISD-Bund)
Solidaritätsdienst International (SODI)

Initiativen, Organisationen und Institutionen, die ebenfalls unterzeichnen wollen, wenden sich bitte an info@berlin-postkolonial.de

Weitere Unterzeichner und Infos: www.restitution-namibia.de

Kontaktpersonen: Sharon Dodua Otoo & Christian Kopp Telefon: 01799100976

Hintergrund der Resolution:

Am 30. September 2011 wurden in der Berliner Charité die Gebeine von 20 Herero und Nama – Männer, Frauen und Kinder, die vor mehr als 100 Jahren von weißen Deutschen ermordet wurden – an ihre aus Namibia angereisten Nachfahren übergeben. Es war das erste Mal, dass sich eine deutsche Institution zu einer solchen Herausgabe bereit erklärte. Noch lagern hierzulande Tausende von Gebeinen, die während der Kolonialzeit nach Deutschland verschifft und für menschenverachtende, rassistische und pseudowissenschaftliche Forschungen missbraucht wurden, welche die Gleichwertigkeit von Afrikanerinnen und Afrikanern mit weißen Frauen und Männern negierten.

Wie die meisten der so geraubten Gebeine stammen die im Herbst 2011 zurückgegebenen sterblichen Überreste von Menschen, die sich gegen die Kolonialherrschaft zur Wehr gesetzt haben. Weil sie Widerstand leisteten gegen Unterwerfung, Vergewaltigung, Enteignung und Vertreibung wurde ihnen mit Tausenden weiterer Herero und Nama in den Konzentrationslagern der Kolonie “Deutsch-Südwestafrika” das Leben genommen. Viele Menschen wurden zum Verdursten in die Wüste getrieben, erschossen oder erhängt. Den wenigen Überlebenden wurde ihr Hab und Gut genommen, ihr Land und ihr Vieh wurden konfisziert. In der seriösen historischen Forschung herrscht heute Konsens darüber, dass das Vorgehen der “Kaiserlichen Schutztruppe” als Genozid zu bezeichnen ist, dem der Vorsatz der Vernichtung zugrunde lag.

Die Deutsche Bundesregierung entzieht sich ihrer historischen Verantwortung als Rechtsnachfolgerin des Deutschen Reichs. Zwar räumt sie eine nicht näher bestimmte “historische und moralische Verantwortung gegenüber Namibia” ein. Bislang ist sie jedoch weder bereit, den Genozid offiziell einzugestehen, noch willens, die Nachfahren der Opfer in offizieller Form um Entschuldigung zu bitten. Mit dem Verweis auf eine “intensive” deutsch-namibische Entwicklungszusammenarbeit (Umfang 2010: 15,80 Euro pro Kopf der namibischen Bevölkerung) wurden bisher jegliche Forderungen nach ideeller und materieller Wiedergutmachung (“restorative justice”) für die betroffenen Völker zurückgewiesen. Bis vor kurzem war die Bundesregierung nicht einmal zu direkten Gesprächen mit den Nachfahren der Opfer bereit.

Zum Eklat führte diese verantwortungslose Haltung im Herbst 2011 bei der Übergabezeremonie für die namibischen Gebeine in der Berliner Charité. Nicht nur schob das Auswärtige Amt die Durchführung der Übergabe nahezu komplett an das Universitätsklinikum ab. Als “Gast” war es bei der bewegenden Zeremonie auch nur mit der sichtlich überforderten Staatsministerin des Auswärtigen Amtes, Cornelia Pieper (FDP), vertreten. Selbst im Angesicht der Opfer des deutschen Kolonialismus kamen ihr das Wort “Völkermord” und die Bitte um Vergebung nicht über die Lippen. Ohne den Reden der namibischen Gäste zuzuhören, verließ sie unmittelbar nach ihrem Beitrag den Saal.

Schon während der Veranstaltung wurde deutlich, dass die an der Zeremonie teilnehmende Öffentlichkeit nicht bereit sein würde, das moralisch-ethische Versagen der Staatsministerin des Auswärtigen Amtes unwidersprochen hinzunehmen. Vor allem Vertreterinnen und Vertreter der Afrikanischen Diaspora und Schwarze Deutsche reagierten auf die Rede mit Zwischenrufen und stummem Protest. Nach den bewegenden Worten des namibischen Kulturministers Kazenambo Kazenambo sowie den Reden hochrangiger Nama-und Hererovertreter bat abschließend auch die Vertreterin eines Bündnisses verschiedener Schwarzer und weißer Nichtregierungsorganisationen um Entschuldigung für den von Deutschland verübten Genozid – und für das beschämende Verhalten des Auswärtigen Amtes. Wegen seines Einsatzes für einen offenen Dialog zwischen der namibischen Delegation und der deutschen Politik ist das zivilgesellschaftliche Aktionsbündnis von Mitarbeitern des Auswärtigen Amtes in der Folge mehrfach – u.a. im Bundestag – öffentlich attackiert, zurechtgewiesen und diffamiert worden.”

 

(Quelle: berlin-Postkolonial)

Siehe auch:

Völkermord in Namibia

BRD: Nebel über’m Bendlerblock

Dienstag, Dezember 13th, 2011

“Widerstandskämpfer mit antiziganistischer Vergangenheit

Nur wenige Menschen leisteten entschlossenen Widerstand gegen die nationalsozialistische Herrschaft in Deutschland. Unter diesen Widerstandskämpfern finden sich neben vielen aufrechten Personen auch einige mit zweifelhaften Motiven und Gesinnungen.

Diese Erkenntnis ist nicht ganz neu. Beispielsweise waren die meisten Mitglieder der militärischen Opposition um Stauffenberg herum eher deutschnational als demokratisch motiviert. Im Stauffenberg-Kreis finden sich ehemalige begeisterte Nationalsozialisten und pragmatische Nazis. Ihnen ging es vor allem darum so viel wie möglich von Deutschland über das sich abzeichnende Kriegsende hinaus zu retten.

Auch Stauffenberg war ein Antisemit, so schreibt er 1939 in einem Brief an seine Frau über seine Erlebnisse im von Deutschland besetzten Polen:

    “Die Bevölkerung ist ein unglaublicher Pöbel, sehr viele Juden und sehr viel Mischvolk. Ein Volk, welches sich nur unter der Knute wohl fühlt. Die Tausenden von Gefangenen werden unserer Landwirtschaft recht gut tun.”

Auch Antiziganismus findet sich bei Widerstandskämpfern. Ein Beispiel dafür wäre Wilhelm Leuschner (1890-1944). Der Widerstandskämpfer gegen das NS-Regime hatte in der Weimarer Republik als Innenminister des damaligen „Volksstaates Hessen” (heutiges südliches Hessen am 21. März 1929 das „Gesetz zur Bekämpfung des Zigeunerwesens” in den Landtag eingebracht. In der Begründung für das Gesetz hat er versprochen, die „Zigeunerplage” zu bekämpfen und auszurotten. Das Gesetz wurde am 3. April 1929 verabschiedet und orientierte sich an dem am 16. Juli 1926 im Freistaat Bayern verabschiedete „Gesetz zur Bekämpfung von Zigeunern, Landfahrern und Arbeitsscheuen“. Leuschner war ein langjähriger Sozialdemokrat, er trat bereits 1913 in die SPD ein und engagierte sich weiter in der Gewerkschaft. Im Jahr 1924 zog er als SPD-Abgeordneter in den Landtag des „Volksstaates Hessen“ ein und wurde 1928 Innenminister im „Volksstaat Hessen“.

Leuschner war von Anfang an ein Gegner des Nationalsozialismus. Er wurde im Januar 1933 in den Bundesvorstand des „Allgemeinen Deutschen Gewerkschaftsbunds“ (ADGB) gewählt und trat im April nach der nationalsozialistischen Machtübernahme zum Rücktritt gezwungen, von seinem Amt als hessischer Innenminister zurück. Als Gewerkschaftsfunktionär weigerte er sich mit den Nationalsozialisten zusammenzuarbeiten und wurde deswegen inhaftiert. In den Jahren 1933 und 1934 war er ein Jahr lang in Gefängnissen und Konzentrationslagern gefangen, darunter im berüchtigten Emslandlager Börgermoor.

Nach seiner Entlassung im Juni 1934 aus dem Konzentrationslager, begann er mit dem Aufbau eines Widerstandsnetzwerks, was sich zur Schaltzentrale der illegalen Reichsleitung der deutschen Gewerkschaften entwickelte.

Leuschner kämpfte in gewerkschaftsnahen Widerstandsgruppen und unterhielt Kontakte zum „Kreisauer Kreis“ und ab 1939 auch zur Widerstandsgruppe des deutschnationalen und antisemitischen NS-Gegners Carl Friedrich Goerdeler. Nach dem geplanten Stauffenberg-Putsch war Leuschner im Schattenkabinett Beck/Goerdeler möglicherweise als Vizekanzler vorgesehen. Doch das Stauffenberg-Attentat scheiterte und Leuschner stellte sich am 16. August 1944, nachdem die Nazis seine Ehefrau als Geisel festgenommen hatten, den Behörden. Er wurde danach vom Volksgerichtshof unter dem Vorsitz des berüchtigten Roland Freisler zum Tode verurteilt. Am 29. September 1944 wurde Wilhelm Leuschner im Strafgefängnis von Berlin-Plötzensee hingerichtet.

Wie ist der Antiziganismus und die aktive NS-Gegnerschaft von Leuschner zu verstehen? Ganz einfach, sie stellen gar keinen Widerspruch dar. Man kann einerseits gegen den Nationalsozialismus sein und andererseits auch eine Minderheit diskriminieren und drangsalieren. Mehr noch, die Geschichte von Leuschner veranschaulicht das bereits in der Weimarer Republik Antiziganismus in der Bevölkerung, auch unter Sozialdemokraten, weit verbreitet war. Die Nazis haben den Antiziganismus nicht erfunden, sie konnten sogar auf bereits bestehende Gesetze zurückgreifen und diese radikalisieren bis hin zur Vernichtung.

Dass sich rassistische und sozialdarwinistische Hetze und eine SPD-Mitgliedschaft problemlos miteinander vereinbaren lassen, zeigt dieser Tage Thilo Sarrazin.”

 

(Quelle: Antiziganismus Watchblog.)

BRD: Demenz, Ignoranz oder was?

Dienstag, September 27th, 2011

“Pressemitteilung: Versöhnung braucht Entschädigung

Berlin, 27.9.2011. Bündnis von zivilgesellschaftlichen Organisationen fordert Entschuldigung und offene Verhandlungen über Entschädigung mit den Nachfahren der Opfer des Genozids in Namibia.

Rund 100 Jahre nach dem Völkermord, den deutsche Truppen im damaligen Deutsch-Südwestafrika (heute: Republik Namibia) verübten, werden an diesem Freitag erstmals geraubte Gebeine an Nachfahren der Opfer zurückgegeben. „Dies ist lange überfällig, kann aber nur ein erster Schritt in Richtung Aufarbeitung des grausamen deutschen Kolonialismus sein“, so Yonas Endrias vom Global Afrikan Congress.

Von 1904-1908 führten deutsche Truppen einen Vernichtungskrieg gegen die Herero, Nama und Damara, um den antikolonialen Widerstand im damaligen Deutsch-Südwestafrika zu brechen. Unzählige Gebeine von Opfern des Völkermordes und aus den Konzentrationslagern, welche die deutschen Truppen vor Ort errichteten, wurden „zu Forschungszwecken" nach Deutschland verschickt, um die Überlegenheit der weißen „Rasse“ zu beweisen. Zahlreiche davon übernahm die Berliner Charité, die sie bis heute in ihrer Sammlung aufbewahrt.

„Bis heute warten die Nachfahren der Opfer auf eine Entschuldigung seitens der Bundesrepublik Deutschland. Es ist beschämend wie deutsche Politiker sich seit Jahrzehnten aus der Verantwortung stehlen“, so Armin Massing vom Berliner Entwicklungspolitischen Ratschlag. Aus Angst vor Entschädigungsansprüchen hat es bis jetzt keine offizielle Entschuldigung von deutscher Seite gegeben. „Wir fordern die Anerkennung des Völkermords sowie eine unmissverständliche Entschuldigung seitens der Regierung und des Bundestags“, so Judith Strohm von AfricAvenir. Dies sei ein wichtiger Beitrag zur symbolischen Entschädigung. Ebenso müsse es im deutschen Bildungssystem und in der Forschung eine gründliche Aufarbeitung von Kolonialrassismus und Völkermord geben.

„Selbstverständlich muss aber auch eine materielle Entschädigung für den Völkermord erfolgen, sonst bleibt die immer wieder von der Bundesregierung beschworene „besondere Verantwortung“ gegenüber Namibia ein zynisches Lippenbekenntnis“, so Christian Kopp von Berlin Postkolonial. Dafür solle die Bundesregierung mit der namibischen Regierung sowie mit den Opferverbänden in offene Verhandlungen über Art und Höhe der Reparationen treten.

Erst auf Druck einer kritischen Öffentlichkeit in Deutschland und Namibia hat die Charité mit der Rückführung der geraubten Gebeine an die Nachfahren begonnen. Am 30. September wird nun eine erste Delegation verschiedener namibischer Opferverbände die sterblichen Überreste von 20 Menschen in Empfang nehmen und zurück nach Namibia bringen. „Sämtliche in Deutschland befindlichen geraubten Gebeine aus der Kolonialzeit müssen zurückgeführt werden“, so Yonas Endrias. Anders als im gegenwärtigen Fall müssten die kompletten Kosten dafür vom deutschen Staat übernommen werden.

Pressekontakt:
Armin Massing (BER), Tel.: 030-49855380, E-Mail: beratung(at)ber-ev.de und
Yonas Endrias (GAC), Tel: 030-23186266, 0179-9404690, E-Mail: endriasy(at)aol.com 
Historische Fotos zum Download sowie weitere Informationen: http://www.restitution-namibia.de 

Gemeinsame Pressemitteilung von: AfricAvenir International, AFROTAK TV cyberNomads, Berliner Entwicklungspolitischer Ratschlag (BER), Berlin Postkolonial, Deutsch-Afrikanische Gesellschaft (DAFRIG) Berlin, Global Afrikan Congress, Initiative Schwarze Menschen in Deutschland (ISD-Bund), Solidaritätsdienst International (SODI)”

 

(Quelle: AfricAvenir.)

 

Siehe auch:

Zeugen des deutschen Völkermords – Veranstaltung aus Anlass der Rückführung menschlicher Gebeine aus der Charité nach Namibia

BRD: Die 3. Welt im 2. Weltkrieg (AUSSTELLUNG)

Donnerstag, September 22nd, 2011

“Ein vergessenes Kapitel der Geschichte

 

2wk

 
Millionen Soldaten aus Afrika, Asien und Ozeanien haben im Zweiten Weltkrieg gekämpft, um die Welt vom deutschen und italienischen Faschismus sowie vom japanischen Großmachtwahn zu befreien. Sowohl die faschistischen Achsenmächte als auch die Alliierten rekrutierten in ihren Kolonien Hilfstruppen und Hilfsarbeiter oftmals mit Gewalt. Hunderttausende Frauen waren Opfer sexueller Gewalt. Rekruten aus den Kolonien mussten sich mit weniger Sold, schlechteren Unterkünften und geringeren Kriegsrenten als ihre “weißen Kameraden” zufrieden geben. Weite Teile der sogenannten Dritten Welt dienten auch als Schlachtfelder und blieben nach Kriegsende verwüstet und vermint zurück.
Doch so gravierend die Folgen des Zweiten Weltkriegs in der sogenannten Dritten Welt auch waren, in der hiesigen Geschichtsschreibung kommen sie nicht vor.
Dies zu ändern ist das Ziel dieser Ausstellung, die vom Rheinischen JournalistInnenbüro in Köln und vom gemeinnützigen Verein Recherche International e. V. getragen wird und in Essen von der Volkshochschule sowie von EXILE Kulturkoordination e. V. präsentiert wird.
Die Ausstellung umfasst historische Fotos und Dokumente mit erläuternden Texten sowie Hör- und Filmstationen.

Ausstellung und Begleitprogramm
vom 22. September bis 13. November 2011
Volkshochschule Essen, Burgplatz 1
Ausstellungsfoyers 2., 3. und 4. Etage

 

Öffnungszeiten:
22. September bis 13. November 2011, montags bis freitags sowie
am Samstag, 8. Oktober und 12. November, jeweils 9 bis 21 Uhr,

Sonntag, 9. Oktober und 13. November, 9 bis 18 Uhr

 

‣ Den Flyer (PDF) zur Ausstellung erhalten Sie hier.

‣ Eine begleitende Internetseite liefert weitere Informationen.

Siehe auch:

Geschichte der “Geschichtslosen”

Namibia: Zeugen des deutschen Völkermords

Dienstag, August 16th, 2011

“Berliner Charité gibt geraubte Gebeine an Namibia zurück

 

 

Zur Rückführung der sterblichen Überreste von Herero und Nama, die während des Völkermords 1904-08 von deutschen Truppen umgebracht wurden, wird in Berlin eine offizielle Delegation aus der Republik Namibia erwartet. Die Gebeine sind vor über einhundert Jahren aus den zahlreichen deutschen „Konzentrationslagern“ im ehemaligen „Deutsch-Südwestafrika“ für „wissenschaftliche Messungen“ an das Pathologische Institut zu Berlin und andere deutsche Forschungseinrichtungen versandt worden. „Mittels Glasscherben“, so sagt der originale Untertitel der oben abgebildeten zeitgenössischen Fotografie, mussten die Schädel vor ihrer Verschickung von den Frauen der Ermordeten „vom Fleisch befreit und versandfertig“ gemacht werden.

Nun ist von der Berliner Charité endlich Bereitschaft zur Rückgabe der geraubten Gebeine signalisiert worden. In Namibia wird zurzeit über die Zusammensetzung der Abordnung von Nama- und Herero-Vertreter/innen diskutiert. Die für den Herbst 2011 erwarteten Abgesandten werden mehrere Tage in Deutschland bleiben und auch mit Vertreter/innen der Zivilgesellschaft in Kontakt kommen. Nichtregierungsorganisationen fordern seit Jahren, dass sich Deutschland unmissverständlich zu seiner historischen Verantwortung für den Genozid bekennt und sowohl ideelle als auch materielle Wiedergutmachung leistet. Anlässlich der Rückführung der Gebeine soll den Gästen aus Namibia ein |+| Kondolenzbuch überreicht werden, in dem Menschen aus aller Welt der Toten gedenken.”

|+| Kondolenzbuch

 

(Quelle: AfricAvenir.)