Posts Tagged ‘Dominikanische Republik’

Dominikanische Republik / Haiti: Flüchtlinge als Sündenböcke

Donnerstag, Juli 14th, 2011

“Geflüchtet und jetzt verfolgt

Von Hans-Ulrich Dillmann, Ouanaminthe

Nach dem verheerenden Erdbeben vor eineinhalb Jahren haben Hunderttausende HaitianerInnen in der Dominikanischen Republik Zuflucht gesucht. Dort dienen die MigrantInnen immer öfter als Sündenbock. Blacide Michelin hat eine neue Bleibe gefunden. Ein Holzverschlag, zwei mal drei Meter gross. Eine dünne Holzwand, die mit alten Tüchern verhängt ist, trennt die Unterkunft vom Nachbarraum, in dem eine junge Familie wohnt. «Besser als nichts», sagt sie achselzuckend, «ich hatte keine andere Perspektive.» Die Haitianerin lebt seit dem Erdbeben in ihrer Heimat im Januar 2010 in der Dominikanischen Republik, sechs Autostunden von ihrem alten Haus entfernt. Haina heisst die Vorstadt von Santo Domingo, benannt nach dem Fluss, der das Wohngebiet vom Industriehafen der dominikanischen Hauptstadt trennt. Ein neues Leben liegt vor ihr – so hofft die 43-Jährige wenigstens.

Fünf Menschen teilen sich den winzigen Raum von sechs Quadratmetern und rissigem Betonboden. Umgerechnet zwölf Franken muss Blacide Michelin dafür bezahlen. Einkommen hat sie keines. «Aber ich muss zufrieden sein», findet sie, «ich habe ein Dach über dem Kopf gefunden nach all dem Erlebten.» Essen bekommt sie von NachbarInnen.

Vor dem «grossen Beben» 2010 wohnte Michelin mit ihrem Mann, den Eltern und ihren sieben Kindern in einem bescheidenen, aber geräumigen Haus in der Nähe von Haitis Hauptstadt Port-au-Prince. Drei Zimmer, Küche, Wohnzimmer und das Bad im Haus, die Wände aus Betonsteinen und das Dach aus Zement – in Haiti fast schon Luxus. Aber dann brach die Katastrophe über Blacide Michelin herein. Das Haus stürzte in den ersten Sekunden des Bebens ein und begrub ihre Eltern, ihren Mann und vier Kinder unter sich. Tagelang irrte sie mit den überlebenden Kindern durch Port-au-Prince, auf der Suche nach Essen und Hilfe. «Ich war völlig verrückt. Ich wollte nur noch weg.»

Unterm Zaun durch

Eine von Michelins Schwestern lebt in der Dominikanischen Republik. Sie fand eine Person, die sie in Kontakt mit einem «Passeur», einem Schlepper, brachte. Diese Männer bringen HaitianerInnen illegal über die Grenze, die die beiden Länder der zweitgrössten Karibikinsel Hispaniola trennt.

Ihre Schwester hat sie nicht wiedergefunden. Aber in der nächsten grösseren dominikanischen Stadt nach der Grenze erbarmte sich eine Frau, drückte ihr Fahrgeld in die Hand und empfahl ihr, «in Haina Hilfe zu suchen». Hier wohnen Tausende Menschen – DominikanerInnen und HaitianerInnen – in ärmlichen Hütten, die zwischen Abwasserkanäle, Mülldeponie und das Randgebiet des Industriehafens gequetscht sind.

Der Ort ist eine Drehscheibe für die MigrantInnen aus dem Nachbarland. «Jeder in Haiti kennt den Namen», sagt Maria (Name geändert). Sie gehört einer Organisation an, die den Sans-Papiers hilft. «Nach dem Erdbeben hat sich die Zahl der Haitianos hier verdoppelt.» HaitianerInnen verdienen seit Jahrzehnten beim östlichen Inselnachbar den Lebensunterhalt für ihre Familien. Die Mehrzahl von ihnen kommt über die grüne Grenze: «Ambafil» nennen die Haitianer Innen den Weg in ihrer Landessprache Kreyòl – «unter dem Grenzzaun durch».

Ohne diese illegalen Einwanderer gäbe es in der Dominikanischen Republik keine modernen Hochhäuser, und beim Metro- und Strassenbau sind sie für die ungelernten Tätigkeiten zuständig. Haitianische Frauen gehen den Hausfrauen beim Waschen, Kochen oder der Kinderbetreuung zur Hand. Haitianische Jugendliche stehen vor den Supermärkten und preisen Kochbananen oder Avocados an. Am Strassenrand der TouristInnengemeinden verkaufen sie frisch gepressten Orangensaft oder schlagen Kokosnüsse auf, damit sich die PassantInnen am frischen Kokoswasser laben können – auch rund 28 000 SchweizerInnen machen hier jährlich Ferien. In den landwirtschaftlichen Regionen sorgen die Einwander Innen dafür, dass die Ernte eingefahren wird. Aber während ungelernte einheimische Arbeiter oder Erntehelferinnen zwischen 400 bis 600 dominikanische Pesos pro Tag (neun bis dreizehn Franken) ausbezahlt bekommen, erhalten ihre illegalen KollegInnen nur die Hälfte.

«Früher wurden die meisten Haitianos in der Landwirtschaft eingesetzt, heute wird der Bausektor von ihnen dominiert», sagt Francisco Leonardo, ein Rechtsanwalt der kirchlichen Hilfsorganisation Servicio Jesuita a Refugiados y Migrantes, die die EinwanderInnen berät und unterstützt. «Die haitianische Migration zeichnet sich durch eine starke Rotation aus», sagt Leonardo. «Die Migranten ziehen von Region zu Region der Ernte oder den Bauprojekten hinterher, und dann gehen sie wieder zurück in ihre Dörfer.» Wie viele HaitianerInnen vorübergehend oder ständig im Land leben, weiss niemand so recht. Die dominikanische Einwanderungsbehörde bezifferte ihre Zahl vor dem Erdbeben in Haiti im Januar 2010 auf 800 000 bis 1,2 Millionen. Nach dem Beben seien rund 300 000 zusätzlich gekommen, viele zur medizinischen Behandlung, schätzt Leonardo – und sind geblieben.

Rassismus und Verfolgung

So willkommen sie in Unternehmen und in Agrobetrieben als billige Saisonarbeitskräfte sind, das Thema «Haitianos» lässt in der Dominikanischen Republik immer wieder die Emotionen hochschlagen. «Die nehmen uns die Arbeit weg», schimpft ein fliegender Händler in der Altstadt von Santo Domingo. Der Mann lebt davon, PassantInnen raubkopierte DVDs zu verkaufen. «Die Haitianos haben uns die Cholera ins Land gebracht», ist sich eine Frau sicher, die an der Theke in einem Tante-Emma-Laden ansteht, um sich Brot, Margarine und Oliven zu kaufen.

Oft genug kommt es zu gewaltsamen Konfrontationen: Ende Juni jagten BewohnerInnen von Galván, einem Weiler in der südwestlichen Grenzprovinz Bahoruco, drei Haitianer durchs Dorf und ermordeten sie mit Messerstichen und Machetenhieben, weil sie angeblich einen Dominikaner getötet hatten. Und im Januar hatte eine Menschenmenge unter lautem Jubel vier kleine Hütten von HaitianerInnen abgefackelt, weil einer von ihnen beschuldigt wurde, einen Wachmann angegriffen zu haben. Ein Kleinkind starb in den Flammen. Meldungen wie diese machen auch Blacide Michelin Angst, und so traut sie sich kaum noch aus der näheren Umgebung ihrer Unterkunft. «Ich habe den Leuten doch nichts getan», sagt sie. «Die Haitianer werden für alles verantwortlich gemacht», sagt Sonja Pierre, Gründerin und Direktorin der Organisation Movimiento Mujeres Dominico-Haitianas (Bewegung dominikanisch-haitianischer Frauen), die in den Stadtvierteln, in denen viele haitianischen MigrantInnen leben, arbeitet. Sie unterhält Schulen für die Kinder der Einwander Innen und für jene, die im Land geboren sind, aber keine Papiere haben, um auf eine staatliche Schule zu gehen.

«Der dominikanische Staat hat keine kohärente Einwanderungspolitik», klagt Sonja Pierre. «Es besteht kein Interesse, die Situation zu regeln, denn alle verdienen am Geschäft mit den illegalen Billigarbeitskräften – Schlepper, Polizisten, Militärs und Grenzbeamte.» Die Familie der 47-jährigen Dominikanerin stammt ursprünglich aus Haiti, sie selber wurde in einem Barackenlager für LandarbeiterInnen geboren.

Pater Regino Martínez vom Servicio Jesuita spricht in Bezug auf dominikanische Migrationspolitik gar von Rassismus. «Wer schwarz ist, wird festgenommen und abgeschoben.» Die EinwanderungsbeamtInnen interessiere nicht, ob jemand gültige Aufenthaltspapiere, eine Saisonarbeitserlaubnis oder sogar als im Land geborener Nachkomme von HaitianerInnen die dominikanische Staatsbürgerschaft besitze. «Die Regierung will die Situation gar nicht regeln, denn dann müsste sie den Migranten ja auch Rechte zugestehen.»

Eingespieltes System

Ein gewöhnlicher Sonntagnachmittag auf dem Platz vor der Kirche Notre Dame de l’Assomption im haitianischen Grenzort Oua naminthe. Die Gruppe von vier Frauen und elf Männern fällt auf, sie warten und recken immer wieder die Hälse. Gegen sechzehn Uhr taucht ein dunkler Pritschenwagen auf und verschwindet kurze Zeit später mit ihnen auf der Ladefläche. Wenige Stunden später lädt der Pick-up seine menschliche Fracht in Capotille, südlich des offiziellen Grenzübergangs, ab. Mit Motorrädern geht es weiter auf die dominikanische Seite zur Haltestelle der Minibusse, die nach Santiago, der zweitgrössten Stadt des Landes, fahren.

Sechs bis acht, manchmal sogar zwölf Polizei- und Militärkontrollen gibt es auf dieser Strecke. «Und an allen Checkpoints wird kassiert», erzählt Jacobo (Name geändert) von der Selbsthilfeorganisation Solidarische Vereinigung der ArbeitsmigrantInnen. Das Prozedere sei immer das gleiche: Ein Polizist oder Soldat fragt den Fahrer: «Wie viel hast du?», und dieser drückt ihm entsprechend der Anzahl Passagiere eine Geldsumme in die Hand. «Pro Person und pro Kontrolle werden 100 bis 200 Pesos bezahlt» (zwischen zwei bis vier Franken), versichert Jacobo. «Das ist ein hervorragend eingespieltes System.»

Aber die Preise für die Illegalen sind seit dem Beben und dem Ausbruch der Cholera im letzten Herbst angestiegen. Inzwischen kostet ein Grenzübertritt mit einem Schlepper umgerechnet über 120 Franken – für viele entspricht das etwa einem Monatsgehalt.

Cholera-Epidemie
Von Uno-Soldaten verursacht

Am vergangenen Wochenende mussten die MitarbeiterInnen der dominikanischen Einwanderungsbehörde Sonderschichten einlegen. An den grossen Knotenpunkten und Verbindungsstrassen wurden Busse kontrolliert, und es wurde nach illegalen MigrantInnen gefahndet. Die HaitianerInnen im Land sind verstärkt ins Fadenkreuz der FahnderInnen geraten, seit auch in der Dominikanischen Republik die Zahl der Choleraerkrankten und -toten sprunghaft angestiegen ist. Ende Oktober 2010 waren in Haiti erstmals seit Jahrzehnten in der Region von Artibonite, der Reiskammer des Landes, wieder erste Cholerafälle aufgetreten.

Ausgelöst wurde die Epidemie durch die unsachgemässe Entsorgung der Latrinen eines Lagers von nepalesischen Uno-Soldaten in einen Nebenfluss des Artibonite. Mehrere unabhängige medizinische Gutachten haben dies als Ursache bestätigt. Nachdem die neuen Fälle von Ansteckungen im März zurückgegangen waren, haben sie seit Mitte Mai wieder zugenommen. Mehrere vorübergehend geschlossene Behandlungszentren sind deshalb wieder eröffnet worden. Wegen der anhaltenden Regenfälle auf der ganzen Insel ist kein Ende der Epidemie abzusehen. Bis Ende Juni sind in Haiti nach offiziellen Angaben rund 5500 Menschen an der Infektionskrankheit gestorben und 363 100 daran erkrankt. Auch die Dominikanische Republik ist inzwischen betroffen. Hier gibt es bisher mehr als 10700 Cholerakranke, und die Zahl der Todesopfer liegt nach Informationen internationaler Hilfsorganisationen derzeit bei 71.”

 

(Quelle: WOZ.)

Karibik / Mittelamerika: TouristInnen-Enklaven – auf dem Rücken der ArbeiterInnen

Freitag, Juni 3rd, 2011

“Migration im Bausektor in Mittelamerika und der Karibik

Von Ernest Cañada

In den vergangenen Jahren ist die Region Süd-Mexiko – Mittelamerika – Karibik zu einem der wichtigsten touristischen Zielgebiete geworden. Eines der Phänomene dieser ‘Touristifizierung’ ist die massive Mobilisierung von Arbeitskräften aus verschiedenen Teilen der Region zum Bau der Touristenenklaven. Das Tourismusmodell – vorangetrieben von transnationalem Kapital und großen Unternehmensgruppen in der Region – ist durch Segregation gekennzeichnet und führt zu sozialer Ungleichheit.

Als die neuen Tourismuszentren wie Punta Cana (Bavaro) in der Dominikanischen Republik, Cancún und die Riviera Maya in Mexiko, oder die Küstenzone von Guanacaste in Costa Rica erschlossen wurden, gab es in diesen Gegenden nicht genug Arbeitskräfte für den Bausektor. Deshalb mussten Arbeiter von anderswo geholt werden. Die meisten dieser Arbeiter waren Bauern aus armen Regionen: in der Dominikanischen Republik waren es Haitianer; in Costa Rica Nicaraguaner und in Mexiko Arbeiter aus Mittelamerika und aus dem mexikanischen Bundesstaat Chiapas. Diese Prozesse sozialer Mobilisierung weisen einige Gemeinsamkeiten auf.

Verletzungen von Arbeiterrechten

Die jeweiligen Staaten haben es vernachlässigt, für diese neuen Aktivitäten angemessene Arbeitsstandards aufrechtzuerhalten, und die großen Unternehmen profitieren davon. Auf diese Weise findet ein systematischer Einsatz ausländischer Arbeitskräfte statt. Die Arbeiter werden ohne vorher abgeschlossene Arbeitsverträge rekrutiert, in der Regel unter illegalen Bedingungen. Dadurch sind sie leicht Willkür und Misshandlungen ausgesetzt.

In der Regel erhalten diese Arbeiter niedrige Löhne. Aufgrund ihrer schwachen Position gegenüber den Firmen, die auf eine ganze Reihe von Faktoren zurückzuführen ist, werden sie oft ohne entsprechende Bezahlung oder Leistungen gefeuert. Auch geht die Polizei gegen illegale Einwanderung vor, so dass die Arbeiter in permanenter Unsicherheit leben – zusätzlich zu den rauen, unsicheren und ungesunden Arbeitsbedingungen, unter denen sie ohnehin zu leiden haben.

Arbeitsbedingte Unfälle und Gesundheitsprobleme sind in diesem Sektor keine Seltenheit. Viele der Arbeiter kommen aus ländlichen Gegenden und sind die Arbeit im Bausektor nicht gewöhnt. Auch aufgrund der Höhe einiger der Gebäude sowie der prekären Lebensbedingungen (schlechte Ernährung, unangemessene Unterbringung, Stress), sind ihr Leben und ihre Gesundheit eindeutig in Gefahr.

Bei der Ankunft an ihrem Ziel stellen die Arbeitsmigranten häufig fest, dass es keine Unterkünfte für sie gibt. So leben sie dann entweder direkt auf der Baustelle oder in informellen überfüllten Camps unter extrem unsicheren, menschenunwürdigen Bedingungen und ohne grundlegende Infrastruktur. Dadurch entstehen neue städtische Agglomerationen mit ungesunden Lebensbedingungen. Die meisten Bewohner sind Männer, die ohne ihre Familien hierher gekommen sind. In diesem Arbeits- und Lebensumfeld ist es schwierig, sich in der neuen Umgebung heimisch zu fühlen. Dies führt zu einem steigenden Grad an Alkoholismus und anderen Formen von Drogenabhängigkeit als Flucht aus der Realität.

Da sich große Hotelketten und Immobilienfirmen auf Leiharbeiter verlassen, können die Arbeiter die Großunternehmen nicht verklagen oder auch nur anprangern. Zum Bau eines bestimmten Objekts, oder auch nur einiger Teile davon, arbeiten die Unternehmen üblicherweise mit mehreren verschiedenen einheimischen Firmen zusammen. Derartige Praktiken spalten die Arbeiterschaft und wenn Unfälle passieren, stehlen sich die Unternehmen so aus der Verantwortung.

Ohne staatlichen Schutz

Von staatlicher Seite sind die Arbeiter kaum geschützt. Wie wenig die Arbeitsministerien dieser Länder tätig werden ist erschreckend. Selbst wenn der entsprechende politische Wille vorhanden ist, bewirken diese Ministerien gegenüber den Interessen der großen Unternehmen kaum etwas. Auch gibt es in diesem Sektor nur sehr begrenzte Möglichkeiten, sich gewerkschaftlich zu organisieren. Deshalb sind der Schutz der Arbeiter und ihre Möglichkeiten, ihre Rechte kollektiv zu verteidigen, sehr gering. Die einzigen Schutzmechanismen, die es gibt, sind die in diesen Gegenden ansässigen sozialen Organisationen. Dies sind hauptsächlich die Kirchen, wie im Falle der Caritas oder der ehrenamtlich arbeitenden Gruppe “Pastoral Social de Liberia” in der Hauptstadt der Provinz Guanacaste in Costa Rica.

All diese schlechten Rahmenbedingungen schaffen ein Umfeld, das durch Armut und Menschenrechtsverletzungen charakterisiert ist. Die Tourismuswirtschaft stützt sich auf diese Situation und profitiert davon. Sie kollaboriert mit den staatlichen Strukturen in der Region, um die Baukosten dieser Enklaven zu drücken. Die Paradiese für die Touristen werden unter Missachtung der grundlegenden Rechte der Arbeiter errichtet, die ihren Bau überhaupt erst möglich gemacht haben.

Ernest Cañada ist Koordinator der katalanischen Organisation “Alba Sud – Investigation and Communication for Development” und Mitglied der “Group to Research Sustainability and Territory (GIST)” an der Universität der Balearen.

Übersetzung aus dem Englischen: Christina Kamp”

 

(Quelle: TourismWatch.)

Dominikanische Republik: Ach ja, Puerto Plata…

Donnerstag, Februar 17th, 2011

“Menschenhandel hat zugenommen

Die Zahl von haitianischen Straßenkindern in der Hauptstadt des Nachbarlandes Dominikanische Republik hat nach Angaben der dominikanischen Jesuiten-Organisation ‘Servicio Jesuita al Refugiado (SJR)’ deutlich zugenommen.

Nach einem Bericht der Flüchtlings-Hilfsorganisation sei dies aber nicht auf die direkten Folgen des Erdbebens, sondern eines verstärkten illegalen Menschenhandels zurückzuführen. ‘Die Mehrheit der Jungen und Mädchen, die in das Land kommen und auf der Straße leben, kommen nicht aus den Zonen Haitis, die vom Erdbeben betroffen waren’, heißt es in einer in dieser Woche veröffentlichten Stellungnahme.

Stattdessen liegt der Verdacht nahe, dass diese Kinder und Jugendlichen gegen ihren Willen ins Land gebracht wurden, um dort unter erbärmlichen Bedingungen in Santo Domingo arbeiten zu müssen. Die billigen Arbeitskräfte müssten als fliegende Händler, Putzhilfen, Hausmädchen, Hilfskräfte auf dem Bau oder in der Landwirtschaft arbeiten. Zudem würden die Kinder zum Drogenhandel und zur Prostitution gezwungen.

Auch außerhalb der Hauptstadt Santo Domingo gebe es alarmierende Anzeichen für einen florierenden Menschenhandel. Immer mehr junge Haitianerinnen würden in den Touristenort Puerto Plata gebracht, um dort als ‘Begleiterinnen’ in den Diskotheken und Restaurants zu arbeiten. Die Schlepperbanden würden dafür von den Klubbesitzern Provisionen kassieren.

Bereits vor zwei Jahren hatte eine andere Studie auf diese Form des Menschenhandels hingewiesen. Nach dem Erdbeben habe die Zahl der jungen Frauen aus Haiti in Puerto Plata noch einmal deutlich zugenommen. Einige Haitianerinnen berichteten, dass sie auf der Reise von Haiti in das Nachbarland missbraucht worden seien, um ihren Willen zu brechen. (TK)”

 

(Quelle: Blickpunkt Lateinamerika.)

Haiti: Straßenbarrikaden aus Särgen

Mittwoch, November 24th, 2010

“Proteste gegen mysteriöse Rolle der UNO bei Ausbruch der Cholera

Auf Haiti gehen die Proteste gegen den Ausbruch der Cholera weiter. Über 1 100 Menschen sind bereits an der Seuche gestorben, rund 17 000 wurden infiziert. Am Mittwoch kam es in der Stadt Cap-Haitien den dritten Tag in Folge zu Zusammenstößen zwischen der Bevölkerung und UNO-Truppen. Menschenmassen gehen auf die Straße, um ihrer Wut auf die haitianische Regierung und die UNO zum Ausdruck zu bringen. Diese seien unfähig, die Krankheit unter Kontrolle zu bringen. Wir schalten nun nach Cap-Haitien, um mit dem unabhängigen Journalisten Ansel Herz zu sprechen.

Unser Gast:

Ansel Herz ist ein unabhängiger Journalist, der auf Haiti lebt. Sie erreichen ihn auf der Webseite MediaHacker.org

Juan Gonzalez:

In Haiti gehen die Proteste aufgrund der Cholera-Epidemie weiter. Inzwischen sind mehr als

1 100 Menschen an der Cholera gestorben; über 17 000 wurden infiziert. Am Mittwoch kam es den dritten Tag in Folge zu Zusammenstößen zwischen Bewohnern der Stadt Cap-Haitien und UNO-Truppen. Menschenmengen gehen auf die Straße, um ihrer Wut über die haitianische Regierung und die UNO zu zeigen, die es nicht schaffen, die Krankheit einzudämmen. Nepalesische UNO-Soldaten, die in Cap-Haitien stationiert sind, werden beschuldigt, die Cholera ins Land eingeschleppt zu haben.

Die Proteste sollen auf einem Friedhof begonnen haben, wo Cholera-Opfer in Massengräbern beigesetzt werden. Mindestens zwei Menschen wurden bei den Zusammenstößen getötet, zu denen es zwischen Anwohnern und UNO-Truppen gekommen war. Am Dienstag gab die UN-Mission auf Haiti (MINUSTAH) bekannt, man habe die Hilfsflüge eingestellt und die Wasseraufbereitung sowie die Trainings-Projekte eingeschränkt. In einem Lagerhaus wurden Lebensmittel geplündert bzw. verbrannt.

Amy Goodman:

Die ‘Pan-American Health Organisation’ sagte gegenüber ‘Agence France-Presse’ , bei diesem Cholera-Ausbruch könnten bis zu 10 000 Menschen sterben; im neuen Jahr könnten sich 200 000 Menschen neu infizieren.

Inzwischen hat sich die Krankheit über die Grenzen Haitis hinaus ausgebreitet. Die Dominikanische Republik hat ihren ersten Cholera-Fall bestätigt. Die Behörden in Florida bestätigen den ersten Fall in den USA.

Um mehr zu erfahren, schalten wir nun nach Haiti und sprechen mit dem unabhängigen Journalisten Ansel Herz. Er hält sich derzeit in Cap-Haitien auf, wo es zu Protesten gekommen ist.

Ansel, willkommen bei ‘Democracy Now!’ Sagen Sie uns, was in Cap-Haitien gerade passiert.

Ansel Herz:

Im Moment stehe ich auf einem Platz in der Innenstadt von Cap-Haitien. Die Stadt an der Nordküste ist die zweitgrößte auf Haiti. Hier, wo ich stehe – in der Innenstadt – wirkt die Situation im Moment ziemlich ruhig. Heute ist Feiertag: ‘Der Tag der Nationalflagge’, an dem einer großen Schlacht des haitianischen Unabhängigkeitskrieges (1803) gedacht wird.

Doch als ich gestern in der Stadt ankam, war auf der wichtigsten Schnellstraße nach Cap-Haitien nahezu alle paar hundert Meter eine Barrikade errichtet. Bei vielen Barrikaden standen junge Männer und Frauen. Einige große Steine flogen in meine Richtung. Wenn ich mich näherte, zeigte ich rasch meinen Presseausweis und versuchte zu erklären, dass ich nicht zur UNO-Friedensmission gehöre. Sofort wurde ich durch viele Barrikaden geschleust.

Diese stehen noch immer mitten auf den Straßen. Einige sind zur Zeit nicht bewacht. Die Leute sagen, das liege daran, dass heute Feiertag ist. Man gedenkt des Unabhängigkeitskampfes des Landes. Sie gehen aber davon aus, dass die Menschen in den nächsten Stunden zurückkommen werden.

Ich muss noch anmerken, dass eine dritte Person von den UNO-Truppen – hier, in der Stadt Cap-Haitien – getötet wurde. Das war gestern. Ich befand mich in einer der Seitenstraßen von Cap-Haitien, wo Demonstranten einen Graben – der eigentlich als Barrikade fungieren sollte – ausgegraben hatten. Ein Fahrzeug der MINUSTAH, der UN-Friedensmission, fuhr in diesen Graben hinein. Zeugen und haitianische Journalisten, die den Vorfall beobachtet hatten, berichteten, chilenische Peacekeeper seien angegriffen worden, als das Fahrzeug die Panne hatte und in den Graben fiel. Ich denke, vielleicht hat die Bevölkerung mit einem Hagel aus Flaschen oder Steinen nach ihnen geworfen. Die Peacekeeper sollen mit scharfer Munition zurückgeschossen haben und dabei einen unschuldigen jungen Mann in seinem Haus erschossen haben. Angeblich brachten sie die Leiche zum Bürgermeisteramt und ließen sie dort. Die Straßenbarrikaden sind noch immer da. Einige sind aus Särgen errichtet worden. Mehrere Demonstranten sagten mir, dass Cholera-Leichen in den Särgen lägen.

Amy Goodman:

Wir bitten unsere Hörer/innen bzw. Zuschauer/innen um Verständnis wegen der schlechten Tonqualität, aber diese Informationen aus Cape Haitian bzw. Cap-Haitien sind äußerst wichtig – Juan?

Juan Gonzalez:

Nun, Ansel, falls die UN-Peacekeeper tatsächlich die Seuche eingeschleppt haben – und danach sieht es aus -, haben sie es sicherlich nicht mit Absicht getan. Aber in der haitianischen Bevölkerung herrscht schon seit Jahren wachsender Unmut über die Präsenz der UN-Peacekeeper. Woher kommt dieser Unmut ursprünglich?

Ansel Herz:

Stimmt. Es ist interessant zu sehen, wie die UNO auf die Aufstände hier reagiert… und auf die Proteste, denn (die UNO) behauptet im Grunde, die Leute würden irgendwie manipuliert. Dies sei keine legitime, spontane, politische Bewegung. Vor einem Jahr habe ich genau in dieser Stadt Menschen auf der Straße interviewt. Sie sagten mir… Schon damals gab es Proteste; sie protestierten friedlich gegen die UN-Peacekeeper. Sie sagten mir damals, sie hätten die Nase voll von der Besatzung in ihrem Land. Sie sagten, die Peacekeeper hätten ein enormes Budget, würden aber kaum etwas herausrücken. Wissen Sie, die Leute sagten, dass sie (die Peacekeeper) keine konkreten humanitären Aktivitäten starten würden, die der Bildung und Gesundheit des Landes nützen würden.

Im August wurde ein Junge – ein 16-jähriger Junge – an einem Baum erhängt aufgefunden -innerhalb des Stützpunkts der Peacekeeper in Cap-Haitien. Praktisch alle US-Medien ignorierten diese Story. Die UNO-Truppen behaupten, er habe Selbstmord begangen. Aber Menschen aus einem Hotel, das dem Stützpunkt genau gegenüber liegt, sagten, sie hätten Schreie gehört. Sie sagten, sie hätten gehört, wie er aufgehängt wurde. Es gibt etliche Verdächtigungen, die Friedenssoldaten hätten den Jungen im Grunde ermordet. Vielleicht hat er ja ein wenig Geld gestohlen. Vor kurzem schrieb eine Gruppe von Organisationen der Zivilgesellschaft einen Brief an die UN-Peacekeeper, in dem sie eine unabhängige Untersuchung des Vorfalles fordern. Sie schreiben, sie verurteilten die “Behinderung der Justiz durch die UNO” in diesem Fall. Nach dem tödlichen Vorfall kam es zu wochenlangen Protesten – friedlichen Protesten – in Cap-Haitien. Zu glauben, die aktuellen Proteste seien manipuliert, dass die Menschen sich nur vor irgendeinen Karren spannen lassen, ist meiner Ansicht nach nicht sehr glaubhaft. Anschuldigungen gegen die Peacekeeper-Mission gibt es schon seit langem. Man wirft ihnen vor, Haitianer zu misshandeln. Außerdem wird ihnen vorgeworfen, keinen der Vorfälle, bei denen – so der Vorwurf – gegen Menschenrechte verstoßen wurde, transparent untersucht zu haben.

Juan Gonzalez:

Was ist mit den bevorstehenden Wahlen und den Schwierigkeiten, die sich daraus ergeben – angesichts der vielen Probleme, die Haiti 2010 hatte und hat?

Ansel Herz:

Vor kurzem veröffentlichte CARICOM einen Bericht, in dem es heißt, dass Abertausende, die bei dem Erdbeben umkamen, noch immer in den Wählerregistern aufgeführt seien. Hinzu kommt natürlich die sich ausbreitende Cholera-Epidemie. Im Grunde ist es inzwischen eine landesweite Epidemie. Man hat nicht verhindert, dass die Krankheit sich über die zentral betroffene Region, in der sie ursprünglich auftrat, hinaus ausbreiten konnte. Jetzt ist sie in allen zehn Provinzen Haitis. Wissen Sie, bereits vor Ausbruch der Cholera kam es in Port-au-Prince häufig zu regelmäßigen Protesten der Bewohner/innen der Zelt-Camps. Diese Leute sind seit zehn Monaten vertrieben, ihre Häuser wurden bei dem Erdbeben zerstört. Es wurden ihnen keine neuen Behausungen – irgendwelcher Art – angeboten. Ihre Parole bei den Demonstrationen, ihr Schlachtruf, lautet: “Wir werden nicht wählen gehen, solange wir in Zelten und unter Planen leben”. Daher glaube ich, die Chancen für eine glaubwürdige Wahl mit einer ansehnlichen Wahlbeteiligung stehen ziemlich schlecht.

Natürlich kommt noch hinzu, dass die größte Partei Haitis – Fanmi Lavalas – die Partei des geputschten Präsidenten Jean-Bertrand Aristide, der 2004 durch einen Staatsstreich gestürzt wurde, von der Wahl absolut ausgeschlossen ist. Man hat so getan, als hätte dies ausschließlich politische Gründe, aber es ist Teil der Isolierung der gesamten Bewegung – seit dem Putsch gegen Aristide. Daher glaube ich, die Wahl ist wohl nur ein Feigenblatt. Doch die Kandidaten und die haitianischen Regierung – und die UNO – beharren darauf, die Wahl werde am 28. November stattfinden.

Amy Goodman:

Letzter Punkt: Die USA halten nach wie vor… der US-Kongress hält nach wie vor mehr als eine Milliarde Dollar an Haiti-Hilfsgeldern zurück. Welche Folgen hat das, Ansel?

Ansel Herz:

Nun, es hat die Folge, dass immer noch mindestens 1,3 Millionen Menschen in… Zeltlagern leben. Unabhängige Untersuchungen – zum Beispiel vom ‘Institute for Justice and Democracy in Haiti’ aber auch von anderen – zeigen, dass es in 30 bis 40 Prozent dieser Lager weder regelmäßig sauberes Wasser noch Toiletten gibt. Wissen Sie, ich höre, wie manche sagen, es war Pech, dass Haiti von der Cholera heimgesucht wurde, dass es eben tragisch war und nicht zu verhindern gewesen wäre. Tatsache aber ist, dass die NGOs und private karitative Organisationen nach dem Erdbeben vom 12. Januar Spenden in Milliardenhöhe eingenommen haben – Hilfsgelder für die Erdbebenopfer, und sehr wenig davon ist angekommen.

Um nur ein Beispiel zu nennen: Es gibt einen ‘Clinton Bush Haiti Fund’, der von den beiden ehemaligen US-Präsidenten geleitet wird. Präsident Obama hatte ihn kurz nach dem Erdbeben angeregt. Sie haben rund $50 Millionen eingenommen, von denen sie bislang nur $6 Millionen ausgegeben haben. Langfristigen Folge: eine massive humanitäre Krise. Hinzu kommt die generelle Armut, die auf Haiti seit Jahrzehnten herrscht. Sieht nicht so aus, als ob dies in naher Zukunft vorbei sein würde, es sei denn, die Arbeit der NGOs – Hand in Hand mit der UNO – wird wirklich ernsthaft überprüft und neu bewertet.

Amy Goodman:

Ansel Herz, vielen Dank, dass Sie uns zugeschaltet waren. Herz ist ein unabhängiger Journalist, der seit mehr als einem Jahr auf Haiti lebt. Er war uns aus Cap-Haitien auf Haiti zugeschaltet.

(Quelle: ZNet Deutschland.)

Dominikanische Republik: Abschiebung von HaitianerInnen angekündigt

Sonntag, Juli 4th, 2010

“Dominikanische Republik/Haiti: Widersprüchliche Angaben zur Auswanderung

Nach Angaben des dominikanischen Migrationsministers, Sigfrido Pared Pérez, lebt derzeit rund eine Million Haitianer in der Dominikanischen Republik, rund 15 Prozent mehr als vor dem Erdbeben am 12. Januar in Haiti. Damit widerspricht der Minister den Aussagen des dominikanischen Botschafters in Port-au-Prince, Ruben Silie Valdez, der in einem Radiointerview gesagt hatte, dass die Öffnung der haitianisch-doiminikanischen Grenze nach dem Erdbeben keine massive Auswanderung nach sich gezogen habe.

Wie Minister Pared weiter berichtete, hätten die Migrationsbehörden und die dominikanische Armee zahlreiche illegale Migranten nach Haiti zurückschicken müssen. Von der Abschiebung seien nur Neuankömmlinge betroffen gewesen, nicht aber Haitianer, die schon seit längerer Zeit ohne Papiere in der Dominikanischen Republik lebten. Die Abschiebungen hätten dazu beigetragen, dass die haitianische Emigration in die Dominikanische Republik nicht noch höher ausfalle, so der Minister. Da Haiti sich langsam von der Notstandssituation erhole, sei dieser „illegale Zustrom‟ nicht mehr gerechtfertigt.

Im Juni hatte Igor Bosc, ein Vertreter der Vereinten Nationen (UNFPA) in Haiti, geschätzt, dass rund 70.000 Haitianer nach dem Erdbeben ihr Land verlassen haben.

Quelle: Radio Métropole”

 

(Quelle: Blickpunkt Lateinamerika.)

Haiti: ZahnpromotorInnen aus Guatemala im Einsatz

Sonntag, Mai 30th, 2010

“Große Lücken bei den Lücken

Guatemaltekische ZahnpromotorInnen im haitianischen Erdbebengebiet im Einsatz

Von Dieter Müller

Am vergangenen Samstag, den 22. Mai, ist die Dentalbrigade aus Guatemala in Leogane eingetroffen: 1 Dentalpromotorin, Vidalia Linares, und 5 Dentalpromotoren: Nicolás López Tzun, Sebastián Bartolo, Santos Chen Yat, Juan Alberto Jiménez und Francisco Santiago, sowie die Projektkoordinatorin unseres guatemaltekischen Gesundheits-Partners ACCSS, Elizabeth Ibarra.

Permanente Zahnpraxis

Im Camp von Ayuda a Haiti, unserem Projektpartner aus der Dominikanischen Republik, wurde eine permante Zahnpraxis eingerichtet. Zusätzlich besuchen zwei mobile Teams aus je zwei PromotorInnen verschieden Stadtviertel, Dörfer und Waisenhäuser in Leogane und Umgebung. Nach der Lösung einiger technischer Probleme, steht nun auch eine zusätzliche Behandlungseinheit zur Verfügung, die in entlegeneren Regionen eingesetzt werden soll.

Eines wurde in den wenigen Tagen vor Ort deutlich, es besteht ein enormer Bedarf an zahnmedizinischer Versorgung. ‘Jugendliche mit 15 bis 18 kariösen Zähnen waren keineswegs vereinzelte Fälle’, so berichtet Elizabeth Ibarra aus Leogane. Ausgebildet wurden die guatemaltekischen Promotoren von ACCSS in verschiedenen Phasen eines Programmes, dass seit Mitte der 90er Jahre von medico international finanziert wird. Unmittelbar nach dem Erdbeben in Haiti boten ACCSS und die PromotorInnen spontan ihre Hilfe an. Die PromotorInnen kommen allesamt aus den ländlichen Regionen Guatemalas, vier von ihnen bestreiten ihren Unterhalt überwiegend aus der eigenen Landwirtschaft und betreuten zusätzlich die Dentalkliniken, die von ACCSS und medico aufgebaut wurden.

Lateinamerikanische Solidarität

Nachdem wir die Rahmenbedingungen vor Ort klären konnten, begannen die Vorbereitung. Die gesamte Ausstattung und das komplette Bedarfsmaterial mußten in Guatemala und der Dominikanischen Republik beschafft und nach Haiti überführt werden. Dank der sehr guten Anbindung von Ayuda a Haiti an die lokalen Komitees und Selbsthilfeorgansiationen in Leogane ist gewährleistet, dass die Arbeit der PromotorInnen an der Basis ansetzen kann. Gleichzeitig ergänzen sie die Arbeit des haitianischen Arztes und des hatianischen Psychologen, die in dem von medico unterstütztem Projekt von Ayuda a Haiti tätig sind. Es gibt zwar viele medizinische Soforthilfeprojekte, eine zahnmedizinische Komponente ist aber meist nicht vorgesehen. ‘Die epidemiologischen Daten zur Zahngesundheit, die wir gerade erheben, zeigen die gravierenden Mängel der Gesundheitsvorsorge und -versorgung, die bereits vor dem Erdebeben bestanden’, so Elizabeth.

Wir werden diese Informationen an unsere Kontakte in Haiti weiter geben, die im Rahmen der Planung für den Wiederaufbau, insbesondere im Bereich Gesundheit, aus der Perspektive der Zivilgesellschaft engagiert sind, damit sie Berücksichtigung finden, im Sinne des Recht auf Gesundheit, für das medico mit seinen Partner weltweit streitet. Die guatemaltekischen PromotorInnen werden in dem Monat vor Ort einiges erreichen können, die Herausforderung wird aber darin liegen, lokale Kapazitäten zu schaffen. ‘Die Situation hier erinnert mich an die Zeit, als wir in Guatemala mit der Arbeit begonnen haben’ sagt Elizabeth keineswegs resigniert, sondern mit dem ihr eigenen Enthusiasmus, und ergänzt ‘Ich habe schon erste Ideen, lass uns in den nächsten Tagen wieder sprechen’.”

(Quelle: medico international.)