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BRD: A Rose Is A Rose Is A Rose?

Samstag, Januar 28th, 2012

“Blumengütesiegel Flower Label Program (FLP) vor dem Aus

Köln, Frankfurt, Osnabrück, Stuttgart, Wien, Herne 3. Januar 2012. Mit Wirkung zum 31. Dezember 2011 sind FIAN Deutschland, FIAN Österreich, Brot für die Welt, terre des hommes und das Eine Welt Zentrum Herne als Nichtregierungsorganisationen (NRO) und die IG Bauen-Agrar-Umwelt (IG BAU) als Gewerkschaft aus dem Flower Label Program e.V. (FLP) ausgetreten. Die Organisationen sahen sich dazu durch die Entwicklungen im letzten Jahr und den Zustand des FLP e. V. am Jahresende 2011 gezwungen. Sie ziehen die erforderliche Konsequenz aus den inhaltlichen Veränderungen des Vereins und dem finanziellen Zusammenbruch des Gütesiegels.

FLP war im letzten Jahr wirtschaftlich nicht mehr tragfähig, die Büros in Köln und Quito (Ekuador) wurden bereits geschlossen. Grund dafür war eine große Zahl von Austritten und Dezertifizierungen von FLP-Betrieben. NROs und Gewerkschaften konnten sich gegenüber Produzenten und Händlern nicht mit dem Vorschlag durchsetzen, FLP in Fairtrade zu überführen. Bislang sind Fairtrade-Schnittblumen in Deutschland in verschiedenen Supermärkten zu kaufen und sollen im Laufe des Jahres auch bei Floristen angeboten werden. In Österreich bieten neben Supermärkten auch Floristen bereits Fairtrade-Schnittblumen an.

“Da FLP aufgrund fehlender Finanzen nicht mehr handlungsfähig ist, besteht die Gefahr, dass das Label missbraucht wird. Unternehmen können damit werben, ohne dass tatsächlich geprüft wird, ob sie FLP-Standards einhalten.”, so Joachim Vorneweg von der Menschenrechtsorganisation FIAN. Die Zertifizierung durch FLP basiert auf dem internationalen Verhaltenskodex (ICC, International Code of Conduct) für die Schnittblumenproduktion. Er war von den beteiligten NROs, Gewerkschaften, Produzenten und Handel gemeinsam entwickelt worden und setzt seit 1998 klare Maßstäbe. Der ICC enthält Arbeits-, Sozial- und Umweltkriterien, die auf den UNO-Menschenrechtspakten, den relevanten Konventionen der Internationalen Arbeitsorganisation (ILO) und Umweltnormen beruhen. FLP hat damit für rund 20.000 ArbeiterInnen in Schnittblumen-Plantagen in Afrika, Asien und Lateinamerika bessere Arbeitsbedingungen durchgesetzt, wie etwa feste Arbeitsverträge, Mutterschutz, Arbeits- und Gesundheitsschutz. Das ist ein klarer Verdienst derjenigen Organisationen, die mit Bedauern heute nicht mehr ihren Platz im FLP haben.

FIAN, Brot für die Welt und terre des hommes werden sich weiterhin im Rahmen ihrer Arbeit für soziale Rechte im Blumensektor stark machen. Auch die IG BAU unterstützt in Zukunft die Siegelung durch den Fairen Handel. Die vier Organisationen fordern KonsumentInnen dazu auf, sich beim Kauf für Fairtrade zertifizierte Blumen und Pflanzen zu entscheiden.

Kontakt:

FIAN Deutschland: Joachim Vorneweg, u.hausmann [at] fian.de, Telefon +49 172 8063877

FIAN Österreich: Sophie Veßel, sophie.vessel [at] fian.at, Telefon +43 01 235023912

IG BAU: Sylvia Honsberg, sylvia.honsberg [at] igbau.de, Telefon +49 171 7423450

terre des hommes: Michael Heuer, m.heuer [at] tdh.de, Telefon: +49 541 7101145

Eine Welt Zentrum Herne: Martin Domke ewz-info [at] kk-ekvw.de, Telefon +49 2323 994970

Weitere Informationen:

Ausführliche Stellungnahme von FIAN Deutschland zum Austritt aus dem Flower Label Program

 

(Quelle: FIAN Deutschland e.V.)

Bolivien / Ecuador: Andere Welt(an)sichten

Donnerstag, November 24th, 2011

“Vivir Bien – Gut leben! Brief aus Bolivien und Ecuador (I)

von Veronika Bennholdt-Thomsen

Seit 2007 und 2008 haben Bolivien und Ecuador neue Verfassungen, in denen “gut leben” (vivir bien) und das “Recht von Mutter Erde” (Madre Tierra, Madre Naturaleza, Pachamama) als Inhalte dieses neuen staatlichen Gesellschaftsvertrags festgeschrieben sind. Einige Wochen schon reise ich nun durch Bolivien und bin sehr beeindruckt von dem gesellschaftlichen Prozess, dem “proceso social”, wie man hier sagt, der auf allen Ebenen spürbar stattfindet.

Die beiden zentralen Pfeiler des Vertrags haben ihre Wurzeln im Weltverständnis der indigenen Völker (“cosmovision”). Buen Vivir und der Respekt vor Pachamam richten sich explizit gegen das Wachstumsparadigma der Entwicklungspolitik und besonders gegen die Mechanismen der neoliberalen Globalisierung. Wir brauchen weltweit ein neues zivilisatorisches Paradigma, sagt man, und uns hier in Bolivien gibt die nach wie vor bestehende nicht-okzidentale Orientierung der indigenen Völker (“pueblos originarios”) die Richtung an. Obwohl nicht der Anspruch erhoben wird, dass die Weltsicht der andinen und amazonischen Voelker auch fuer alle anderen die gleiche erkenntnisleitende Bedeutung haben sollte – man glaubt an die Vielfalt und hat genug von der einzig seligmachenden, aufgezwungenen Entwicklungsvision – so ist man doch der Meinung, dass der Rest der Welt durchaus etwas davon lernen kann. Der Meinung bin ich auch.

Prinzipien einer anderen Weltanschauung

“Gut leben” heißt im Konkreten jeweils fuer die Leute im Hochland etwas anderes als fuer die im Tiefland, in der Stadt, fuer Junge, fuer Alte, fuer Leute auf dem Land. Aber es gibt einige grundlegende, alle verbindende Ueberzeugungen.

  • Die Menschen sind ein Teil des Ganzen des Lebensprozesses. Weder stehen sie im Zentrum (Anthropozentrismus), noch koennen sie die Herrschaft ueber die anderen Wesen und Naturgegebenheiten beanspruchen.
  • Die Erde ist ein Lebewesen und ihre Unversehrtheit ist ein Recht, genauso wie es das Menschenrecht gibt.
  • Es gibt nicht nur eine einzige Wahrheit, sondern vielfaeltige Wahrheiten, abhaengig vom jeweiligen gesellschaftlichen und oekologischen Umfeld. Damit wendet man sich gegen das Modelldenken, den Monokulturalismus sowie den Monotheismus und spricht sich fuer die Vielfalt der Kulturen und der Naturgegebenheiten aus (siehe die Biodiversitaet).
  • Die Menschen denken sich nicht als Individuen sondern als Gemeinschaften; zumindest bemuehen sich auch die anderen, es darin den Indigenen in den ‘comunidades’ gleichzutun.

Das sind große Worte, mag man denken, auch dass man Aehnliches schon mal gehoert hat. Und: Wie wollen die das wohl umsetzen? Tatsaechlich weisen westliche BeobachterInnen gerne auf die Ungereimtheiten in den Verfassungen sowie die Widersprueche zur politischen Praxis hin, nach dem Motto: Sowas kann gar nicht funktionieren. M. E. wirft diese Reaktion mehr Licht auf die Psyche und die Denke von uns Westlern als auf das, was in Bolivien – und auch in Ecuador, wo ich inzwischen angekommen bin – vor sich geht. Womoeglich schimmert da die weiße Ueberheblichkeit durch? Oder der Mono-Anspruch linken Avantgardedenkens? Oder schlicht der eingefleischte Glaube an die Entwicklung und den Fortschritt, was im Endeffekt alles dasselbe ist.

Das absolut Spannende aber hier in den Anden ist, dass wirklich alle Menschen die Fragen diskutieren und fuer sich hin- und herwaelzen. Ich habe den Eindruck, einem Volk von PhilosophInnen zu begegnen. Beeindruckend ist dabei, wie gelaeufig jede und jeder tiefschuerfende Gedanken aeußert, mit welch ungetruebtem Selbstverstaendnis, mit eigenwilligen, bildreichen Worten. Die Debatte wird in gar keiner Weise irgendwelchen ExpertInnen ueberlassen.

Bedeutung der Sprache

Die breite Beteiligung wird durch die Praesenz der einheimischen indigenen Sprachen gestaerkt. Die Schluesselbegriffe des neuen Verfassungs- und Gesellschaftsvertrages stammen aus dem Quechua (Sumak Kawsay), Aymara (Suma Qamaña), dem Guarani (tekoporâ) und werden auch in den vielen anderen einheimischen Sprachen der weniger volkreichen Gruppen ausgedrueckt. In Bolivien gilt ueber die Haelfte der Bevoelkerung als indigen, in Ecuador sind es knapp ein Viertel. Dadurch dass die Verfassungen der beiden Laender die Weltanschauung(en) der originaeren Voelker als richtungsweisend anerkennen, sind diese sozusagen zum historischen Subjekt des Wandlungsprozesses geworden. Sie uebernehmen diese Aufgabe mit großem Verantwortungsbewusstsein. Eingelaeutet hat den Prozess die breite Rekrutierung fuer die verfassungsgebende Versammlung. Alle Gruppen der Gesellschaft wurden aufgefordert, VertreterInnen in die Constituyente zu entsenden. Das gelang in Bolivien noch besser als in Ecuador. Nichtsdestotrotz war die Empoerung mancher weißer und mestizischer Bildungsbuerger mal wieder gross, als indigene Gemeinden ihre traditionellen Autoritaeten entsandten, manche erstaunlich jung, viele weiblich und die meisten in der oralen Tradition ihrer indigenen Gruppe erzogen. Gerade sie aber haben, gestaerkt durch indigene und mestizische Intellektuelle die entscheidenden Akzente gesetzt.

Die Welle dieser quasi plebiszitaeren neuen Verfassungen hatte sich von Venezuelas Praesident Hugo Chavez ausgehend, nach Ecuador und Bolivien fortgesetzt. Es spricht allerdings einiges dafuer, dass die Regierenden anders als die Mehrheit der BuergerInnen den Verfassungsprozess weit mehr vom Staat her gedacht hatten, sozusagen als Bestaetigung ihrer Machtbasis. Die inhaltliche Aussage der indigenen Weltanschauung aber ist ‘down to earth’ und schließt ‘top down’ Methoden aus.

Sumak Kawsay / Suma Qamaña meinen die konkreten Ebenen des Lebens: essen, feiern, frisches Wasser, usw. Sie sind in einem sehr elementaren Sinne materiell, der weit entfernt ist vom so genannten Materialismus des Geldes. Denn in Wirklichkeit ist nichts materiell unkonkreter und abstrakter als das Geld. In den Anden weiß man das. “Geld kann man nicht essen”, sagen Indígenas vom Titicacasee, die sich gegen den Bergbau in ihrem Gebiet zur Wehr setzen, “der nur Geld bringt, aber kein gutes Leben”(http://vimeo.com/29369576). “Das Geld ist eine perverse menschliche Erfindung”, sagt Oswaldo, ein Cayambi aus dem Hochland von Ecuador. “Jetzt fliegen sie zum Mond, um dort Rohstoffe ausbeuten zu koennen. Aber der Mond gehoert niemandem, wie kann man daraus Geld machen? Das Geldsystem ueberrollt alles wie eine riesige Gehirnwaesche-Maschine”. “Sumak Qamaña aber ist ganz alltaeglich, unmittelbar gemeint”, sagt Javier Medina aus La Paz, “und hoechst spirituell zugleich, naemlich in einem animistischen Sinn, als der Geist in den Dingen, Elementen, Pflanzen, Tieren, Wolken und den menschlichen Koerpern.”

Anders leben im 21. Jahrhundert

Dass die indigenen Gemeinden und Organisationen alles andere als rueckwaertsgewandt von einer mystischen Vergangenheit traeumen, wie manche meinen, sondern fest in der Wirklichkeit des 21. Jahrhunderts verankert sind, zeigt ihr politischer Realitaetssinn. Sie haben dafuer gesorgt, dass ihre Rechte grundgesetzlich festgeschrieben werden: Bolivien wie auch Ecuador wurden durch die Verfassungen zu “plurinationalen” und “plurikulturellen” Staaten erklaert, die den indigenen Voelkern eigene Territorialitaet, eigene Gerichtsbarkeit und Entfaltung der eigenen Kulturen (Sprache, Kommunikationsmittel) zusprechen. Wie ernst es ihnen mit der Verwirklichung dieser Rechte ist, beweisen die amazonischen Voelker aus einer Region des Tieflandes von Bolivien gerade. Sie ziehen mit einem Protestmarsch gegen den Bau einer Straße durch ihr Territorium – zu allem Ueberfluss ist es auch noch ein zum Naturpark erklaertes Gebiet (TIPNIS) – gen La Paz. Die Argumente gegen die Straße sind zum einen rechtlicher Art – die indigene Bevoelkerung ist nicht konsultiert worden, wie die Verfassung es vorschreibt. Zum anderen sind sie oekologischer und oekonomischer Art – man wehrt sich gegen die weitere monokulturelle landwirtschaftliche Kolonisierung (Kokaanbau) des indigenen Territoriums. Und halb, wenn nicht ganz Bolivien gibt ihnen Recht: “Wir stuetzen unsere indigenen Brueder und Schwestern.”

In Ecuador protestierten die indigenen Organisationen 2006 gegen den geplanten Freihandelsvertrag suedamerikanischer Staaten, einschließlich Ecuadors, mit den USA (ALCA/TLC). Sie marschierten zu Tausenden nach Quito und blockierten Straßen und die Zugaenge zu verschiedenen Staedten. Die Argumente waren u.a.: Wir lassen nicht zu, dass unsere Territorien mit hybridem und GMO-Saatgut verseucht werden und dass unsere Handwerkserzeugnisse von importiertem Billigramsch verdraengt werden. Benjamin Inuca, einer der aktivsten Streiter gegen den Freihandelsvertrag, sagt, dass die dem Protest voraufgehende Diskussion ueber die Werte der eigenen materiellen und spirituellen Kultur in den indigenen Gemeinschaften fuer die Selbtbesinnung entscheidend war. “Wir haben analysiert, was wir haben und nicht, was wir nicht haben, wie es die Entwicklungsorganisationen tun, die uns zu Armen erklaeren”. So tauchte in den Diskussionen immer wieder die Beobachtung auf, dass die Alten wesentlich gesuender waren, als die juengere Generation, die angeblich dank der internationalen und nationalen Entwicklungsleistungen weniger arm ist. “Die Bedeutung der eigenstaendigen Versorgung mit Lebensmitteln von unseren Feldern und aus unserem Saatgut wurde uns bewusst. Das Essen war absolut zentral in unserer Diskussion”.

Gedanken und Bilder, die in mir aufsteigen …….

Schon laenger sprechen einige von uns vom Ziel des ¨guten Lebens¨ anstelle der wachstumsoekonomischen Fixierung unserer Gesellschaft. Dennoch enthaelt der Begriff laengst nicht die magische Kraft, die fuer die Leute in Bolivien und Ecuador von Sumak Kawsay und Suma Qamaña ausgeht. Uns in Europa ist die kulturelle, d.h. spirituelle wie materielle Verbindung zum großen Ganzen der Erde verloren gegangen. Ausrufe wie “eine andere Welt ist moeglich” oder Begriffe wie “Postwachstumsoekonomie” sind zwar richtig, aber mit so viel kalkulierendem Rationalismus beladen, dass sie kaum unsere Herzen wirklich hoeher schlagen lassen. Da beruehrt der Ausdruck “indignados” schon eher den ganzen Menschen und seine menschliche Integritaet, denn er enthaelt ein Bild von der Wuerde – dignidad – der Menschen, die durch die Reduzierung auf geldkalkulierende Idioten verletzt wird, und zwar sowohl die Wuerde derjenigen, die glauben davon zu profitieren, als auch derjenigen, die politisch dazu gezwungen werden sollen, an der Idiotie mitzuwirken. Auch in uns steckt Anderes! Vermutlich taete uns ebenfalls ein gesellschaftlicher Diskussionsprozess gut, der die Frage nach dem Sinn des Lebens auf diesem Planeten in den Mittelpunkt stellt. Das Geld kann es nicht sein.”

 

(Quelle: Social Innovation Network.)

Siehe auch:

Vivir Bien – Gut leben! Brief aus Bolivien und Ecuador (II)

Europa: Privat vor Staat…

Donnerstag, Mai 19th, 2011

Investment Treaties Undemocratic

By Daan Bauwens

A proposal to put an end to the highly anti-democratic nature of the European Union’s Bilateral Investment Treaties was heavily watered down by a plenary voting in the European Parliament. However, in their current form the treaties may pose a serious risk for European democracy.

Bilateral Investment Treaties (BITs) establish the conditions for private investment by companies of one state in another state. The treaty can be signed by any two nations but in most cases BITs are agreed upon by EU member states and developing countries. Without BITs, many investments would not be done in insecure environments that need economic development.

During the last couple of months, BITs have become the subject of heavy debate at the European headquarters here. Since the Lisbon Treaty came into force in 2009, foreign investment has become a European Union competence instead of a national one. Subsequently, the question had to be answered what should happen to the existing national BITs while Europe was developing its own investment policy.

INTA, the Committee on international trade, was commissioned to find a solution. As rapporteur of the Committee, Carl Shlyter of the European Greens (EGP) took the opportunity to try to change the highly problematic nature of existing BITs.

“BITs were invented to protect your investment,” Carl Shlyter tells IPS, “but in reality, they are much stronger: they are used throughout the world by companies to challenge democratic decisions of a state, whenever the company thinks this democratic decision could harm its profits.”

Nathalie Bernasconi-Osterwalder is an international lawyer and leads the investment programme of the International Institute on Sustainable Development (IISD). She was called upon by INTA in November 2010 as an international expert on investment. “In these cases the investor instead of a state implements the treaty,” she tells IPS. “Investors are less hesitant than stated to challenge a democratic decision because they themselves can’t be challenged for the same issues.”

According to recent UN data, last year 25 new investor-state cases were filed, bringing the total number of known investor-state cases before UN tribunals to 390. One emblematic case is the case of Chevron vs. Ecuador. In 2003, Ecuadorian Amazon residents sued Chevron because of environmental harm and personal injuries caused by the company’s operations.

Chevron filed a lawsuit against the state of Ecuador, based on a BIT between the United States and Ecuador, arguing that the Ecuadorian court’s handling of the lawsuit between the Amazon residents and Chevron was unfair. This would constitute a violation of Chevron’s rights under the BIT. The international arbitrary tribunal awarded Chevron 700 million dollars damages.

“Investor-state disputes have a chilling effect,” says Shlyter. “Politicians might not even dare to proceed with a new law out of fear they will be challenged by companies and will have to pay the compensation. They are very harmful for policy-making,” he tells IPS.

Shlyter suggests that the EU should have the power to challenge existing BITs when they are in conflict with the Lisbon Treaty provisions on equal opportunities, human rights, social and environmental development.

But there are more reasons why the current form of BITs is troublesome. “The cases are decided on by an ad-hoc arbitrary tribunal, not by a permanent panel of judges,” Nathalie Osterwalder-Bernasconi tells IPS.

“The arbitrators mostly are lawyers working for a private law firm. In one case, they can be arguing for the investor or the state. In the next case, they will be the arbitrators. In investment treaties, you just have a few recurring legal questions that keep coming up. If you’re an arbitrator, you can make a decision knowing that can help you in your next case you’re doing as a lawyer.”

Next to that, the decisions of the tribunal are not made public. “The investor-state disputes remain completely unknown to the public,” says Shlyter. “Not even the European Commission has access to the documents of the cases.”

Next to the conflict of interest and the lack of transparency, there is a reversal of the burden of proof. “While the investor can bring a claim, the state can never bring a claim,” Bernasconi-Osterwalder tells IPS. “States have no real rights under these treaties, only obligations.”

In the proposal Carl Shlyter wrote for the EU Commission on International Trade, he proposed that future BITs should should contain a clause to prevent the watering down of social and environmental laws. He also proposed to end the existing investor-state dispute system and suggested improvements in transparency.

Shlyter’s proposals were defeated at the Committee vote on Apr. 13. Because the Committee vote was very close, the Committee decided to put the report to a plenary vote in the European Parliament. But also in the plenary vote last week Tuesday, the proposals did not make it through.

However, in their current form, the BITs also pose a threat to European democracy. Seventeen percent of all known investor-state disputes are against EU member states. In 2009, Swedish energy giant Vattenfall sued the German government for 1.4 billion euros because of new environmental laws. According to the most recent U.N. data, the case has been settled. The terms of the settlement, however, remain unknown.

But it is the emerging economies Europe has failed to take into account while voting on the proposal. “Nowadays, there are big Indian and Chinese private investors,” says Nathalie Bernasconi-Osterwalder. “China will have more and more private investment in the future, I think that is part of their strategy. The investment flows are really going in both directions and I’m sure it will increase. In that sense, the danger exists European states will get increasingly challenged,” she tells IPS. (END)”

 

(Quelle: IPS News.)

Lateinamerika: Sexuelle Gewalt an Schulen

Mittwoch, Mai 18th, 2011

Von Tatiana Félix

(Fortaleza, 13. Mai 2011, adital).- “Kinder und Jugendliche erleben auch weiterhin in vielen Ländern Lateinamerikas sexuelle Gewalt. Die Bedrohung sei für Eltern, ExpertInnen und Behörden besorgniserregend. Das erklärte Katherine Romero, Leiterin des Programms für sexuelle und reproduktive Rechte in Lateinamerika der Organisation Women’s Link World Wide. Die Menschenrechtsexpertin nahm Ende April an einer Konferenz in Mexiko teil und bezeichnete die sexuelle Gewalt als ein konstantes Phänomen in öffentlichen Schulen des Kontinents.

Dabei sei, so Romero, gerade die Aufklärung von Eltern und Kindern ein wichtiges Instrument, um sexuelle Gewalt im Schulbereich zu verhindern und Gefahren rechtzeitig erkennen zu können. Abgesehen von gravierenden Fällen von Missbrauch und Vergewaltigung sei es für die Lehrkräfte wichtig, schon bei Berührungen, Schlägen, Beschimpfungen oder Angeboten aufmerksam zu sein. Diese Anzeichen können oftmals schon auf eine Gefährdung hinweisen.

Keine AnsprechpartnerInnen außerhalb der Schulen

Jorge Luis Silva Méndez, Professor an der Juristischen Fakultät des Technisches Instituts von Mexiko erklärte bei dieser Konferenz, dass ein erschwerender Faktor die Behandlung des Problems innerhalb desselben schulischen Umfeldes sei. Außerhalb der Schule fehle es den Opfern an Ansprechstrukturen. SchülerInnen in Mexiko können Übergriffe bei der Beratungsstelle zu Misshandlung und sexuellen Missbrauch von Kindern der Bundeschulbehörde in Mexico D.F. anzeigen. Erst kürzlich wurde in Mexiko der Fall des vierjährigen Luis aus Oaxaca bekannt. Er wies deutliche Spuren sexueller Gewalt auf. Es wird vermutet, dass ein Lehrer und ein weiterer Mann die Tat an einer Schule in Oaxaca begangen haben.

Als weitere exemplarische Fälle für Lateinamerika werden zudem die Beispiele von Patricia Flores aus Bolivien und Paola Guzmán aus Ecuador genannt. Das Mädchen Patricia Flores wurde ermordet, nachdem sie vergewaltigt, gefoltert und stranguliert worden war. Paola Guzmán beging Selbstmord, nachdem sie zwei Jahre lang vom stellvertretenden Schuldirektor sexuell missbraucht worden war.

ExpertInnen beklagen zudem, dass die zuständigen Gerichtsbehörden in ihrem Handeln weiterhin durch Geschlechterstereotypen geleitet werden, wenn die Opfer Mädchen oder Frauen sind. Zu diesen Stereotypen zählen, die Schuld für die Tat den Opfern oder ihren Familien zuzuweisen, die Übergriffe nicht mit der notwendigen Priorität zu verfolgen, sowie eine mangelhafte Qualifizierung der Justizbeamten.

Unsicherheit an Schulen in El Salvador

In El Salvador sind sich Regierung und Polizei uneins, wie die Sicherheit der SchülerInnen garantiert werden soll. Vor einigen Wochen war eine Minderjährige verhaftet worden, die bewaffnet in eine Schule in San Miguel gegangen war. Sowohl Eltern als auch das Lehrpersonal befürchten, dass sich solche Fälle wiederholen. Obwohl nach Aussagen der Polizei bereits sowohl in den Schulen selbst wie auch in deren Umfeld Maßnahmen vorgeschlagen wurden, um die Sicherheit zu verbessern, sind diese Vorschläge den Schulbehörden bislang unbekannt. Auch die Lehrergewerkschaft BMES (Bases Magisteriales de El Salvador) forderte die Polizei auf, die Sicherheitslage in den Schulen zu verbessern. Insbesondere in den Randgebieten seien besondere Maßnahmen notwendig, um die Kriminalität einzugrenzen.

Sensibilisierungskampagne in Guatemala

Nachdem die guatemaltekische Staatsanwaltschaft 45 Fälle von sexueller Gewalt in schulischen Einrichtungen des Landes registriert hatte, wurde seitens der Interinstitutionellen Koordinatorin gegen sexuelle Gewalt in Alta Verapaz eine Kampagne lanciert, um die SchülerInnen auf diese Form der Gewalt aufmerksam zu machen und sie zu sensibilisieren. In Abstimmung mit dem Büro für Öffentlichkeitsarbeit im Präsidialamt werden über 5.000 SchülerInnen aus Cobán und Carchá an einer Sensibilisierungskampagne zu den Risiken sexueller Gewalt teilnehmen. Eine der Hauptforderungen dieser Kampagne ist es, Frauen zu respektieren.

Die Kampagne ist eine gemeinsame Maßnahme des Gesundheits- und Sozialministeriums, der Polizei, des Instituts für öffentlichen Rechtsschutz und der Behörde für Mentale Gesundheit. Sie wird in verschiedenen öffentlichen wie privaten schulischen Einrichtungen umgesetzt. Standardisierte Lerneinheiten sollen dazu dienen, den SchülerInnen eine Orientierung über sexuelle Gewalt zu geben. Die Kampagne ist gleichzeitig Teil einer Strategie der Interinstitutionellen Koordinatorin gegen sexuelle Gewalt in Alta Verapaz. So sollen wiederkehrende Faktoren für sexuelle Gewalt identifiziert und die Erkenntnisse auf weitere schulische Einrichtungen in Guatemala angewendet werden.

(Mit Informationen von Cerigua, Notiese und La Prensa Gráfica)”

 

(Quelle: poonal.)

Cuba: Bestnoten für den Waldschutz

Donnerstag, Mai 5th, 2011

“FAO vergibt Bestnoten für Kubas Waldschutz

(Lima, 20. April 2011, noticias aliadas).- Kuba hat in Lateinamerika und der Karibik die meisten als Schutzgebiete ausgewiesenen Wälder. Dies geht aus der Studie „Situation der Wälder in der Welt 2011‟ hervor, die von der UN-Ernährungs- und Landwirtschaftsorganisation FAO vor kurzem veröffentlicht wurde.

Wiederaufforstungsprogramm seit 1990

Die Karibikinsel verfolgt bereits seit 1998 ein Wiederaufforstungsprogramm mit dem es gelungen ist, die Waldfläche der Insel auf 100.000 Hektar zu erhören. Gegenwärtig sind rund 26 Prozent der Landesfläche von Wald bedeckt. Jährlich sollen 57.000 Hektar neu bepflanzt werden, so dass die bewaldeten Flächen der Insel im Jahr 2015 mehr als 29 Prozent betragen wird. Damit ist Kuba eines von zwölf Ländern, die weltweit die meisten Bäume pflanzen.

Nach den Worten von Carlos Alberto Díaz Maza, Direktor des Nationalen Forstamtes und Leiter der Nationalen Kommission für die Wiederaufforstung, stünden 60 Prozent der Wälder unter Schutz, „und dienen dem Erhalt unserer Küsten, unserer Wassereinzugsgebiete und Böden sowie der Naturschutzgebiete‟. Trotzdem man im weltweiten Vergleich gut dastehe, sei es jedoch wichtig, die Wälder weiter zu pflegen und vor Waldbränden zu schützen, so der Experte.

Mehr Schutzgebiete in der Karibik

Die größten Waldflächen in Lateinamerika und der Karibik gibt es laut der FAO-Studie in Kolumbien, Peru und Venezuela, mit 84 Prozent der Gesamtfläche. Trotzdem gingen aufgrund von Verstädterung und landwirtschaftlicher Nutzung in Mittel- und Südamerika große Waldflächen verloren. In der Karibik sind die Waldflächen seit 1990 insgesamt gleich geblieben – was laut FAO auf die Aufforstung in Kuba zurückzuführen ist.

„Die Waldgebiete, die dem Bodenschutz und dem Erhalt von Wasserressourcen dienen, machen sieben Prozent der gesamten Waldgebiete der Region [Lateinamerika und Karibik] aus, während es weltweit acht Prozent sind. Diese Gebiete haben leicht zugenommen zwischen 1990 und 2010 (0,83 Prozent); die Ursache für den Anstieg insgesamt ist die Zunahme von Schutzgebieten in der Karibik auf 64 Prozent. Die Länder mit den größten Anteilen an Wäldern, die Schutzfunktionen dienen, sind Kuba, Chile, Ecuador, Trinidad und Tobago sowie Honduras‟, heißt es in dem Bericht der FAO.”

 

(Quelle: Poonal.)

USA: Öl-Konzern Chevron startet neue Image-Kampagne

Donnerstag, Oktober 28th, 2010

Der US-Ölkonzern Chevron versucht sich dieser Tage mittels einer millionenschweren PR-Kampagne (“We agree”) ein neues, umwelt- und menschenfreundliches Image zu geben. Wohl auch, um so seine Aktivitäten in Ecuador vergessen zu machen:

 
 

 
 

Neben zahlreichen Umweltorganisationen erheben dagegen jetzt auch die Yes Men ihre Stimme. Ihre Strategie lautet Aufklärung und – Satire.

 
 
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(Quelle: Chevron Thinks We’re Stupid.)