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BRD: Die 3. Welt im 2. Weltkrieg (AUSSTELLUNG)

Donnerstag, September 22nd, 2011

“Ein vergessenes Kapitel der Geschichte

 

2wk

 
Millionen Soldaten aus Afrika, Asien und Ozeanien haben im Zweiten Weltkrieg gekämpft, um die Welt vom deutschen und italienischen Faschismus sowie vom japanischen Großmachtwahn zu befreien. Sowohl die faschistischen Achsenmächte als auch die Alliierten rekrutierten in ihren Kolonien Hilfstruppen und Hilfsarbeiter oftmals mit Gewalt. Hunderttausende Frauen waren Opfer sexueller Gewalt. Rekruten aus den Kolonien mussten sich mit weniger Sold, schlechteren Unterkünften und geringeren Kriegsrenten als ihre “weißen Kameraden” zufrieden geben. Weite Teile der sogenannten Dritten Welt dienten auch als Schlachtfelder und blieben nach Kriegsende verwüstet und vermint zurück.
Doch so gravierend die Folgen des Zweiten Weltkriegs in der sogenannten Dritten Welt auch waren, in der hiesigen Geschichtsschreibung kommen sie nicht vor.
Dies zu ändern ist das Ziel dieser Ausstellung, die vom Rheinischen JournalistInnenbüro in Köln und vom gemeinnützigen Verein Recherche International e. V. getragen wird und in Essen von der Volkshochschule sowie von EXILE Kulturkoordination e. V. präsentiert wird.
Die Ausstellung umfasst historische Fotos und Dokumente mit erläuternden Texten sowie Hör- und Filmstationen.

Ausstellung und Begleitprogramm
vom 22. September bis 13. November 2011
Volkshochschule Essen, Burgplatz 1
Ausstellungsfoyers 2., 3. und 4. Etage

 

Öffnungszeiten:
22. September bis 13. November 2011, montags bis freitags sowie
am Samstag, 8. Oktober und 12. November, jeweils 9 bis 21 Uhr,

Sonntag, 9. Oktober und 13. November, 9 bis 18 Uhr

 

‣ Den Flyer (PDF) zur Ausstellung erhalten Sie hier.

‣ Eine begleitende Internetseite liefert weitere Informationen.

Siehe auch:

Geschichte der “Geschichtslosen”

Afghanistan: Wie viel kostet ein toter deutscher Soldat?

Samstag, Mai 22nd, 2010

“Wie viel kostet ein toter Soldat?

Kriege sind umstritten – nicht nur weil Menschen sterben, auch weil sie die Staatsbudgets stark belasten. Neue Zahlen zeigen: Amerikaner werten ein Leben dreimal höher als Deutsche

Dass die Amerikaner über die Kosten des Irak-Krieges auf dem Laufenden gehalten werden, ist normal. Fast hundert Milliarden Dollar jährlich werden vom amerikanischen Kongress als laufende Kosten für die Einsätze in Afghanistan und dem Irak gesprochen. Das Volk nimmts hin, im Parlament gibt es zwar Widerstand, trotzdem wurde den amerikanischen Kriegsgenerälen im fernen Asien der Griff in die Kriegskasse noch nie verwehrt. Man hat ja auch keine andere Wahl. Als Angreifer sowohl im Irak als auch in Afghanistan fühlt man sich moralisch verpflichtet, den «Job» zu Ende zu bringen. Das heisst, die Länder erst zu verlassen, wenn diese sich selber schauen können.

Ganz anders die Voraussetzung der Deutschen. In den Afghanistan-Krieg wurde man hineingezogen. Als Nato-Mitglied und Partner der USA musste man mitziehen. Wenn auch «nur» in sogenannten Friedenseinsätzen. Das heisst aber nicht, dass die Deutschen von kriegerischen Auseinandersetzungen verschont bleiben. Schmerzhaft musste das Deutschland erfahren, als in den letzten Wochen bei zwei schweren Angriffen gegen die Bundeswehr sieben Soldaten getötet wurden. 43 sind es bereits seit dem Beginn des Einsatzes in Afghanistan vor sieben Jahren.

Wie lange macht das deutsche Volk hier noch mit?

In den politischen Lagern ist man sich bislang noch immer einig über den Einsatz am Hindukush. Ist ja auch klar. Gestartet wurde die Mission von der Rot-Grünen Regierung unter Gerhard Schröder. Und nun in der Opposition werden sie das nicht absägen. Zumindest vorläufig.

Steigt aber der Blutzoll, wird das die deutsche Politik immer mehr unter Druck setzen. Nicht vergessen sind die Worte von Verteidigungsminister Theodor zu Guttenberg, als er an einer bewegenden Beerdigungszeremonie sagte: «Tod und Verwundung sind Begleiter unserer Einsätze geworden, und sie werden es auch in den nächsten Jahren sein.» Wie lange macht das deutsche Volk hier noch mit?

2,3 Millionen pro Soldat

Genau in diese Phase des erhöhten Blutzolls kommt nun eine deutsche Studie, welche die Kosten des Kriegseinsatzes in Afghanistan benennt. Und das im Detail. 2,3 Millionen Euro soll ein toter deutscher Soldat kosten, so die Berechnungen des vielbeachteten Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW). Auf insgesamt drei Milliarden Euro veranschlagen die Studienautoren die jährlichen Ausgaben für den Krieg am Hindukusch. Deutschlands Regierung ging bislang von einer Milliarde Euro aus.

Doch wie kommt man auf die 2,3 Millionen Euro Kosten für einen gefallenen Soldaten? «Der Betrag (…) entspricht dem, was in der EU auch in anderen Kosten-Nutzen-Analysen als Preis für ein Menschenleben veranschlagt wird – etwa bei Investitionen in die Verkehrssicherheit», so einer der Forscher gegenüber Spiegel Online. Dass solche Berechnungen nicht nur «zynisch», sondern auch vage sein können, zeigt die Tatsache, dass der US-Ökonom und Nobelpreisträger Joseph Stieglitz in früheren Berechungen einen Betrag von 7,2 Millionen Dollar pro toten amerikanischen Soldaten errechnet hat. Diese Zahl lehnt sich demnach an Entscheidungen amerikanischer Gerichte für Entschädigungszahlungen an.

«Transparente» Grundlage für Debatte

Alles nur Zahlenspielerei also? Nein. Die Studienautoren wollen eine «transparente» Grundlage für die politische Debatte: «Nur wenn die Kosten eines Kriegs offengelegt werden, kann eine aufgeklärte öffentliche Debatte darüber beginnen, ob der politische Nutzen des Kriegs den hohen Preis rechtfertigt», so einer der Forscher gegenüber Spiegel Online. Auch sie rechnen mit einer schärfer werdenden öffentlichen Debatte. Und die wird angesichts der milliardenschweren Belastung für den Deutschen Haushalt im Zuge der Euro-Krise unweigerlich auch über die Kosten geführt werden.

(Quelle: Basler Zeitung.)