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BRD: Bezahlbare Energie – für wen?

Sonntag, Juni 12th, 2011

“Dass auch Bioenergie Kosten und Probleme verursacht, darf bei der Energiewende nicht vergessen werden

Von László Maráz, Forum Umwelt & Entwicklung

Unser flotter Lebenswandel verschlingt Ressourcen. Auch, wenn die Energie aus nachwachsenden Rohstoffen stammt, denn billige Energiepreise schließen die Zerstörungskosten nicht ein. Um ökologische und soziale Nebenwirkungen kümmert sich der durchschnittliche Autofahrer weniger als um sein Gefährt. Verbindliche Zertifikate sind hilfreich, aber nicht allein selig machend.

Bioenergien stehen seit der Atomkatastrophe von Fukushima wieder höher im Kurs. Dass ihr Potenzial begrenzt ist, war schon vorher bekannt, doch diese Erkenntnis wird gern vergessen. Die Probleme, die mit der Intensivierung der Biomasseproduktion verbunden sind, lassen sich nicht mehr bestreiten. Doch an den Reden und Taten der Politik lässt sich erkennen, welche Interessen Vorrang genießen. Da wird der Atomausstieg davon abhängig gemacht, ob die Energie „bezahlbar‟ bleibt, und auch die Förderung von Biokraftstoffen wird meist mit dem Argument begründet, dass Autofahren oder Treibstoffe „bezahlbar‟ bleiben müssten.

Heute nutzen, morgen bezahlen

Bezahlbar – aber für wen? Damit können nur die gemeint sein, die Energie heute im großen Stil verbrauchen, und Politiker, die sich von ihrer Fürsorge für Billigenergie ihre Wiederwahl oder wenigstens hohe Umfragewerte versprechen. Und natürlich die Konzerne, die es sich im gegenwärtigen Energiesystem gut eingerichtet haben.

Nicht gemeint sind aber diejenigen, die in Zukunft mit den Folgen unseres hohen Energie- und Rohstoffverbrauches leben müssen. Mit sogenannten Endlagern, mit dem Mangel an fruchtbarem Ackerland, Naturgebieten und Wasserreserven, mit den Folgen des Klimawandels und der Verarmung der biologischen Vielfalt. Nicht gemeint sind die Menschen, die schon heute ihr Land an Bodenspekulanten verlieren oder ihre Arbeitskraft und ihre Gesundheit opfern, um etwa billiges Palmöl oder Zuckerrohr-Ethanol zu erzeugen, damit wir uns unseren flotten Lebenswandel leisten können. Von Verzicht auf Unnötiges und den Zerstörungen für die Erhaltung billiger Energie- und Rohstoffpreise wird kaum gesprochen. Zu viele tun so, als ob Energiesparen mit einem grauenhaften Rückschritt in Richtung Steinzeit verbunden ist. Die Frage, was wirklich wichtig ist für eine zukunftsfähige Gesellschaft, bleibt dabei unbeantwortet.

Auch die Erzeugung nachwachsender Rohstoffe führt zur Beanspruchung von Ressourcen. Die Flächen könnten auch anders genutzt werden, etwa für den Anbau von Nahrungsmitteln oder von Biomasse für die stoffliche Nutzung, für den Naturschutz oder Siedlungen. Nur eine umfassende Landnutzungsplanung könnte festlegen, welche Flächen für welche Zwecke verwendet werden, und sicherstellen, dass für alle Bedürfnisse ausreichend vorgesorgt ist. Hierfür gibt es zwar bereits Strategien und Kriterienkataloge, es fehlt aber ein umfassendes Konzept für ihre Umsetzung.

Unterschiedliche Prioritäten

Die Debatte um E10, den Ottokraftstoff mit einer Beimischung von zehn Prozent Ethanol, zeigt aber auch, wo für viele Beteiligte die Prioritäten liegen. Auf der einen Seite warnen Umwelt- und Entwicklungsorganisationen vor der massiven Verwendung von Ethanol, weil damit große Mengen von Stärke- und Zuckerrohstoffen nicht für Nahrungsmittel, sondern für die Mobilität aufgebraucht werden. Auch der Beitrag des Ethanol-Einsatzes zum Klimaschutz bleibt umstritten: Zwar soll etwa der Anbau von Zuckerrohr dank der hohen Ernteerträge deutlich weniger Treibhausgase erzeugen, als dies beim fossilen Sprit der Fall ist. Laut Nachhaltigkeitsverordnung sind mindestens 35 Prozent Einsparung nachzuweisen. Solange aber der genaue Einfluss von indirekten Landnutzungsänderungen noch ungeklärt ist und die Bewertungen dazu von „verschlechtert die Treibhausgasbilanz kaum‟ bis zu „macht Biosprit klimaschädlicher als Benzin‟ reichen, ist der Klimaschutzbeitrag der Biokraftstoffförderung infrage zu stellen.

Auf der anderen Seite kümmern sich nur wenige Autofahrer um ökologische und soziale Nebenwirkungen. Neben der sicheren Versorgung und bezahlbaren Preisen ist es vor allem die Sorge um das eigene Auto und nicht für das Klima, die viele dazu bewegt, erst einmal den teureren fossilen Sprit zu tanken. Für eine häufig als Autofahrernation bezeichnete Republik ist es kein Ruhmesblatt, dass nicht einmal aus technisch-wissenschaftlicher Sicht Klarheit darüber herrscht, ob der E10-Kraftstoff für Motoren nun schädlich ist oder nicht. Dabei ist das Problem nicht neu: Schon Ex-Umweltminister Sigmar Gabriel sah sich im April 2008 dazu gezwungen, die für 2009 geplante Einführung von E10 aus technischen Gründen zu stoppen.

Zertifizierung nachhaltiger Biomasse

Die EU-Kommission hat in ihrer Erneuerbare-Energien-Richtlinie versucht, mit Nachhaltigkeitskriterien für die Förderung des Einsatzes flüssiger Biomasse für Treibstoffe und Stromerzeugung wenigstens die gröbsten Schäden zu vermeiden, die bei einer Steigerung der Bioenergieproduktion zu erwarten sind. Und in Deutschland ist es seit Beginn des Jahres gesetzlich vorgeschrieben, die Bedingungen der Nachhaltigkeitsverordnungen für Biomassestrom und Biokraftstoffe einzuhalten. Dafür gibt es Zulassungs- und Zertifizierungssysteme, kontrolliert durch die Bundesanstalt für Landwirtschaft und Ernährung (BLE). Während die ökologischen Kriterien hierfür einigermaßen brauchbar sind, fehlt es vor allem an verbindlichen Sozialstandards. Deshalb ist zu befürchten, dass unser Durst nach flüssigen Bioenergieträgern die Nahrungsmittelknappheit, die Verdrängung von Kleinbauern und die Missstände bei der Beschäftigung der Arbeiter auf den Zuckerrohrplantagen verschärft.

Man kann über die Wirksamkeit und Glaubwürdigkeit von Zertifizierungssystemen trefflich streiten. Immerhin ist das deutsche System für flüssige Bioenergieträger verbindlich und unterscheidet sich schon dadurch von der Vielzahl freiwilliger Zertifizierungsinitiativen, bei denen vor allem die Kunden darüber entscheiden, ob sie das Produkt kaufen oder nicht. Werden die Kriterien für ein freiwilliges Label nicht eingehalten, ist „nur‟ der Werbevorteil weg. Strafzahlungen oder andere empfindliche Sanktionen sind nicht vorgesehen. Der Druck, die Regeln einzuhalten, ist also nicht groß.

Bei den Nachhaltigkeitsverordnungen für flüssige Bioenergieträger ist das anders. Es gibt gesetzlich vorgeschriebene Beimischungsquoten von derzeit 6,25 Prozent der Treibstoffmenge bei Otto- und Dieselkraftstoff, die an die Verwendung von zertifizierter Biomasse gebunden sind. Auch Biomassestrom wird nur dann durch das Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG) gefördert, wenn ein Nachhaltigkeitszertifikat vorliegt. Die Mineralölwirtschaft muss also zertifizierte Ware kaufen, ebenso Kraftwerke, die eine EEG-Förderung wollen. Gute Voraussetzungen also für ein funktionierendes Regelwerk, könnte man meinen.

Die EU macht ihre Hausaufgaben nicht

Doch die im Aufbau und quasi in der Erprobungsphase befindliche Biomassezertifizierung könnte aus ganz anderen Gründen scheitern. So sind derzeit Deutschland und Österreich die einzigen der 27 EU-Mitgliedstaaten, in denen eine Zertifizierung bereits vorgeschrieben ist. Die anderen Länder arbeiten noch an entsprechenden Regelungen. Wie lange die Wirtschaft eine solche Ungleichbehandlung tolerieren wird, ist fraglich.

Das nächste Problem sind die ungeklärten technischen Fragen. So ist bis heute nicht geregelt, ob und inwieweit die Effekte der indirekten Landnutzungsänderungen in die Treibhausgasbilanzen eingerechnet werden müssen. Das kann die Klimaschutzwirkung des Biokraftstoffeinsatzes in vielen Fällen zunichtemachen. Ebenso wenig ist geklärt, was unter den Begriffen „Grünland‟ und „kohlenstoffreiche Ökosysteme‟ zu verstehen ist. Damit wird den Zertifizierern die Arbeit unnötig erschwert. Und nicht zuletzt hat die EU-Kommission viel zu wenige Mitarbeiter für die Regulierung der Bioenergienutzung abgestellt. So fehlt etwa eine Clearingstelle, eine Art Zentralregister, das sicherstellt, dass zum Beispiel nach Frankreich importierte und als nachhaltig zertifizierte Biomasse beim Export nach Deutschland nicht doppelt gezählt wird.

Atomausstieg ist kein Freibrief

Nachhaltigkeitskriterien müssen überall gelten, auch beim Einsatz von Biomasse für energetische Zwecke. Die Notwendigkeit, schnellstmöglich aus Atomkraft und fossiler Energiewirtschaft auszusteigen, darf nicht zum Freibrief für die erneuerbaren Energien werden, sonst kommen wir vom Regen in die Traufe. Wenn die Politik, allen voran die Europäische Kommission, und die Marktteilnehmer nicht dafür sorgen, dass die Regeln verbessert und vor allem flächendeckend eingehalten werden, wird es mit der Akzeptanz der Bioenergie ein schnelles Ende haben.

Der Forstwirt László Maráz koordiniert seit 2008 von Berlin aus die Plattform Nachhaltige Biomasse beim Forum Umwelt und Entwicklung.

Kontakt:
Tel. +49 (0)30 / 678177589
E-Mail: maraz@forumue.de
www.forumue.de/161.html

 

(Quelle: DNR.)

CO₂: Vergraben hilft wohl auch nicht

Dienstag, Mai 11th, 2010

“Not enough space for carbon in the ground?

The capture and the long-term storage of CO₂ is now central to plans for reducing CO₂ emissions from large-scale fossil fuel uses. But new and controversial research argues the storage potential of CO₂ may have been overestimated.

Carbon Capture and Storage (CCS) involves the capture of the greenhouse gas CO₂ produced from the combustion of fossil fuels. The captured and compressed CO₂ is then transported to a location for long-term storage. While several proposals for the storage phase exist, geological storage has received the most attention. This is partly because it is believed to have the least logistical constraints.

Carbon Capture and Storage (CCS) involves the capture of the greenhouse gas CO2 produced from the combustion of fossil fuels. The captured and compressed CO₂ is then transported to a location for long-term storage. While several proposals for the storage phase exist, geological storage has received the most attention. This is partly because it is believed to have (…).”

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(Quelle: nef triple crunch blog.)