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BRD: Geschlechtsspezifische Tötungen – “typisch Islam”?

Samstag, Juni 23rd, 2012
 

Manjoo

 

“Geschlechtsspezifische Tötungen in Deutschland: Tödliche Partnerschaftsgewalt gegen Frauen

Eingabe an die UN Sonderberichterstatterin gegen Gewalt gegen Frauen, Rashida Manjoo, Feb. 2012

Geschlechtsspezifische Tötungen von Frauen und tödlich endende Partnerschaftsgewalt sind auch in Deutschland Realität. Tötungen von Frauen durch Partner bilden dabei häufig die Spitze einer Gewalteskalation und jahrelanger Gewalt in der Beziehung (WAVE 2011: 7).1 Besonders gefährdet sind Frauen während oder nach einer durch sie veranlassten Trennung. Eine repräsentative Umfrage unter Frauen in Deutschland zeigt, dass 14 % der gewaltbetroffenen Frauen von ernstzunehmenden Morddrohungen als einem Teil ihrer Gewalterfahrung berichteten (Schröttle/Müller 2004: 40)2.

Geschlechtsspezifische Tötungen von Frauen in (Ex)Partnerschaften geschehen in Form von Mord, Totschlag, Vergewaltigung und sexuelle Nötigung mit Todesfolge sowie Körperverletzung mit Todesfolge. Erfahrungen aus der Praxis von Fachberaterinnen legen nahe, dass auch so genannte “erweiterte Suizide” als eine Form von geschlechtsspezifischer Tötung betrachtet werden müssen. In diesen Fällen werden vor einem (versuchten) Suizid des Täters zunächst die Frau und/oder Kinder umgebracht.

Der vorliegende Bericht benennt Problemlagen und Lücken bei der Prävention und im Umgang mit geschlechtsspezifischen Tötungen von Frauen in Deutschland.

1. Mangel an Daten

Nichtregierungsorganisationen (NROs) fordern seit Jahren aussagekräftige Statistiken zu geschlechtsspezifischen Tötungen von Frauen in (Ex)Partnerschaften. Bis heute existiert jedoch keine bundesweite Statistik, die den Beziehungshintergrund zwischen Opfer und Täter aussagekräftig erfasst. In der polizeilichen Kriminalstatistik sind erst im Jahr 2011 entsprechende Voraussetzungen in der Datenerhebung geschaffen worden, so dass zu erwarten ist, dass zeitnah erste Daten vorliegen werden.

Tötungen von Frauen in (Ex)Partnerschaften werden – ohne die systematische Heranziehung von Daten als Einzelfälle bewertet, die nicht durch präventive Maßnahmen oder gezielte Interventionen verhindert werden könnten. Infolge dessen gibt es auch nur vereinzelt Konzepte und Instrumente zur Gefährdungseinschätzung und Identifizierung von Hochrisikofällen und keine gezielte Ausbildung von Polizeibeamten und Polizeibeamtinnen für Interventionen zum Schutz hochgefährdeter Frauen und ihrer Kinder.

2. Unzureichender Schutz: Erfahrungen und Fälle aus der Praxis von Fachberaterinnen
2.1 Auswirkungen des Umgangsrechts

Eine nähere Betrachtung der Reformen des Umgangsrechts (1998) und des Familienverfahrensgesetzes (2009) macht deutlich, dass ein verbesserter Schutz von Frauen und Kindern vor häuslicher Gewalt im Zuge der Reformen nicht im Mittelpunkt der öffentlichen Diskussion stand. Die Reformen zielten darauf ab, das Recht des Kindes auf Kontakt mit beiden Elternteilen zu stärken. Das gemeinsame Sorgerecht als Standard und das sogenannte “beschleunigte Verfahren” sind die Ergebnisse dieser Reformen. Gerichte sind damit angehalten, innerhalb der ersten 4 Wochen nach der Trennung eine vorläufige Entscheidung über das Umgangsrecht vorzulegen, um den fortlaufenden Kontakt des Kindes mit beiden Elternteilen zu gewährleisten. Dies ist für Familien ohne Gewaltvorkommnisse zu begrüßen. Die Regelungen sind jedoch problematisch für Frauen, die häusliche Gewalt erfahren haben, da die Tatsache außer Acht gelassen wird, dass sie vor allem in den ersten Wochen und Monaten nach der Trennung dem Risiko einer Gewalteskalation ausgesetzt sind. Dies trifft auch zu für die Phase, in der Umgangsregelungen getroffen werden bzw. im Rahmen der Ausübung des Umgangsrechts. Eine Studie des Bundesministeriums für Familie, Senioren, Frauen und Jugend zeigt, dass 41% der Frauen und 15 % der Kinder während des Besuchskontakts angegriffen wurden; bei 27-29% drohten die Väter mit der Entführung der Kinder und ca. 9% der Kinder wurden tatsächlich entführt. 11% der Frauen berichteten, dass der Angreifer versuchte, sie umzubringen und 27% berichteten über verschiedene andere Formen von Gewalt und Drohungen während der Besuchskontakte (Schröttle/Müller 2004:291f).

Die folgenden Beispiele aus der Praxis veranschaulichen die Risiken, denen Frauen infolge von Sorgerechtsentscheidungen ausgesetzt sind:

Frau C. und Frau D.: Die beiden Frauen freundeten sich im Frauenhaus an. Der Ehemann von Frau C. bekam das Umgangsrecht zugesprochen. Frau C. wurde verpflichtet, die Kinder zu ihm zu bringen und bei ihm zu Hause wieder abzuholen. Ihre Freundin begleitete sie, da Frau C. Angst hatte. Beide Frauen wurden in der Wohnung des Mannes getötet.

Frau E. floh mit ihrer Tochter in ein Frauenhaus. Der Vater der Tochter bedrohte sie weiterhin. Obwohl sie dies den zuständigen Behörden mitteilte, erteilte der Richter dem Vater das Umgangsrecht. Von einem Besuch kam das Kind nicht zurück. Der Vater hatte die Tochter ermordet.

Frau F. suchte mit ihren Kindern (Tochter 11, Söhne 4 &5) Schutz in einem Frauenhaus. Ihr Ehemann drohte (öffentlich), sie umzubringen, wenn sie nicht zurückkäme. Die Tochter hatte Angst vor ihrem Vater und weigerte sich, Kontakt mit ihm zu haben. Die beiden Söhne gingen ihn jedes zweite Wochenende besuchen. Unmittelbar nach einem Besuch beim Vater versuchte einer der Söhne, seine Mutter mit einem Messer anzugreifen. Der psychologische Gutachter hatte Umgangsrecht empfohlen, damit die Söhne ein männliches Vorbild haben.

2.2 Versuchte Tötungen

Nicht nur erfolgte Tötungen, sondern insbesondere versuchte Tötungen stellen ein Sicherheitsrisiko für Frauen dar; problematisch ist hierbei, dass diese häufig nicht als solche wahrgenommen werden. Eine Studie von WAVE (Women against Violence Europe) zeigt, dass die Risikowahrnehmung betroffener Frauen bzgl. einer neuerlichen Gewaltanwendung ihres Partners ein sehr verlässlicher Bewertungsmaßstab ist (WAVE 2011: 9)3. Auch weist dieselbe Studie darauf hin, dass sich “in einer Untersuchung von Femiziden in elf Städten (Campbell, 2003) zeigte, dass nur 47 Prozent der getöteten Frauen und 54 Prozent der Opfer von Tötungsversuchen zuvor die Situation so eingeschätzt hatten, dass sie tatsächlich in Lebensgefahr schwebten”(Roehl et al., 2005 in WAVE 2011:9f).

Fachberaterinnen aus Frauenberatungseinrichtungen und Frauenhäusern berichten von zahlreichen Fällen, in denen Hinweise auf Tötungsabsichten vorliegen insbesondere sind dies “Angriffe gegen den Hals” die jedoch häufig nicht als solche bewertet und verfolgt werden. Gründe dafür sind, dass sie entweder durch einen glücklichen Zufall nicht zum Tod der betroffenen Frau führten oder durch das Einschreiten Dritter oder durch ein Entkommen der Frau verhindert werden konnten. Selbst wenn Gutachter_innen bzw. Rechtsmediziner_innen bestätigen, dass die Frau nur durch einen glücklichen Zufall überlebt hat, ist dies kein Garant für die juristische Wertung als versuchte Tötung.

Fall I

X erlebte fortlaufende und massive Gewalt durch ihren Ehemann und Vater ihrer Kinder (3 und 4 Jahre alt). Nach verschiedenen erfolglosen Versuchen ihn zu verlassen, zog sie in ihre eigene Wohnung. Ihr Exmann stellte ihr weiterhin nach und konnte trotz einer Anzahl von polizeilichen Interventionen nicht gestoppt werden. Nachdem sie den Scheidungsantrag gestellt hatte, wurden ihm Umgangsrechte erteilt, um seine Kinder zu sehen. Im Mai 2011, als er seine Kinder abholte, griff er sie an und versuchte, sie in Anwesenheit der beiden Kinder zu erwürgen. Das ältere Kind griff in die Situation ein, indem es seinen Vater mit einem Spielzeug schlug und so der Mutter half, sich aus dessen Griff zu befreien. Ein Gutachten bestätigte, dass X ohne das Eingreifen des Kindes gestorben wäre. X´s Exmann wurde angeklagt und wegen Mordes vor Gericht gestellt. Die Anklage wurde fallengelassen, da nicht bewiesen werden konnte, dass er aufgrund des Eingreifens seiner Tochter von der Frau abgelassen hatte.
Deshalb musste das Gericht annehmen, dass er bewusst von seinem Tötungsversuch an X zurückgetreten war. Er wurde lediglich wegen schwerer Körperverletzung zu 3 Jahren Gefängnisstrafe verurteilt. Er ging in Revision.

Fall II

Y wurde von ihrem Expartner vergewaltigt und dann bewusstlos geschlagen. Der Gerichtsmediziner bestätigte bei Gericht, dass die Einblutungen in den Bindehäuten der Augen der Frau so massiv seien,dass das Stadium des Erstickens schon erreicht war. Er erklärte, dass er solche Verletzungen zuvor nur an Leichen gesehen habe. Y´s Ex-Partner wurde nicht für versuchten Totschlag verurteilt, da er mit strafbefreiender Wirkung von der Tat zurückgetreten sei. Er wurde lediglich für schwere Körperverletzung mit 5 Jahren Gefängnis bestraft.

3. Rolle der Medien

Da es keine aussagekräftigen Berichte und Datenerfassungen zu geschlechtsspezifischen Tötungen bzw. Tötungsversuchen an Frauen gibt, ist die Berichterstattung der Medien in der Regel die einzige Quelle um Informationen hierüber zu bekommen. Die Folge ist häufig eine Darstellung, die eher einer Mediendynamik als einer adäquaten Realitätsbeschreibung folgt. Sind zum Beispiel Migranten als Täter in Fälle tödlicher häuslicher Gewalt involviert, findet dies große Aufmerksamkeit in der Berichterstattung der Presse. In dieser Berichterstattung wird die Gewaltausübung häufig kulturalisiert und die Fälle werden zu sogenannten “Ehrenmordfällen” deklariert.
Im Jahr 2011 veröffentlichte das Bundeskriminalamt eine Studie zu Fällen, die als “Ehrenmorde” klassifiziert waren und kam zu dem Ergebnis, dass jährlich ungefähr 100 Frauen in Deutschland von ihren Männern getötet werden; nur 3 dieser Fälle könnten als “ehrbezogen” bezeichnet werden (Oberwittler/Kasselt 2011: 40 & 167)4. Reneé Römkens und Esmah Lahlah kommen bei der Analyse der holländischen Situation zu ähnlichen Ergebnissen, sie stellen fest, dass “von 603 Partnerinnentötungen zwischen 1992 und 2006 nicht ein Fall eines tatsächlichen Ehrenmords war”(Nieubeerta und Leistra 2007 in Römkens/Lahlah 2011: 87)5.

4. Instrumentalisierung des Themas zur Verhinderung von Migration

Es besteht die Sorge, dass in Fällen geschlechtsspezifischer Tötungen von Frauen in (Ex)Partnerschaften der Fokus weiterhin auf Communities gerichtet bleibt, die als muslimisch betrachtet oder konstruiert werden. Dieser Fokus kann zu einer politischen Instrumentalisierung und damit zu restriktiven Maßnahmen für Migrant_innen führen, die beispielsweise die Einwanderung bestimmter Gruppen beschränken – wie es im Rahmen der Gesetzgebung zur Bekämpfung der Zwangsheirat geschehen ist. Im August 2007 hat die deutsche Regierung Gesetze verabschiedet, wonach Heiratswillige nichtdeutscher Herkunft ein Mindestalter von 18 Jahren haben müssen. Aus einer menschenrechtlichen Perspektive ist dies problematisch, da Personen, die in Deutschland leben mit elterlicher Einwilligung ab dem Alter von 16 Jahren heiraten können; die Begrenzung der Einwanderung zur Eheschließung auf ein Mindestalter von 18 verletzt damit das Gleichbehandlungsprinzip. Auch wird nunmehr von Heiratswilligen gefordert, dass sie vor Einreise einfache Deutschkenntnisse erwerben müssen. Dies ist ein schwerer Eingriff in die freie Partner_innenwahl – ebenfalls ein Menschenrecht. All diese Maßnahmen wurden eingeführt, um Zwangsehen zu verhindern, tatsächlich verhindern sie jedoch die Einwanderung bestimmter Gruppen von Migranten und Migrantinnen.”

Fußnoten:

1 WAVE (Hrsg.) 2011: PROTECT – Identifizierung und Schutz hochgefährdeter Opfer geschlechtsspezifischer Gewalt. Ein Überblick.

2 Schröttle Monika/Müller, Ursula (2004) ” Lebenssituation, Sicherheit und Gesundheit von Frauen in Deutschland”, Berlin BMFSJ. http://www.bmfsfj.de/RedaktionBMFSFJ/Abteilung4/Pdf-Anlagen/langfassung-studie-frauen-teileins,property=pdf,bereich=bmfsfj,sprache=de,rwb=true.pdf (letzter Zugriff 15.2.2012)

3 WAVE – WOMEN AGAINST VIOLENCE EUROPE: PROTECT – Identifizierung und Schutz hochgefährdeter Opfer geschlechtsspezifischer Gewalt. Ein Überblick. Zweite, überarbeitete Ausgabe, Wien 2011.

4 Dietrich Oberwittler,/Julia Kasselt: Ehrenmorde in Deutschland 1996-2005; Studie herausgegeben vom Bundeskriminalamt (BKA), Luchterhand 2011 in english: Honour related killings in Germany 1996 – 2005; study relased by the German federal Police (BKA), Luchtehand 2011

5 Reneé Römkens with Esmah Lahlah: Particularly Violent? The Construction of Muslim Culture as a Risk Factor for Domestic Violence. In: Thiara, Ravi K./Condon, Stephanie A./Schröttle, Monika (eds.): Violence against Women and Ethnictiy: Commonalites and Differences across Europe, Opladen, Berlin and Farmington Hills 2011

 

(Quelle: Der Der PARITÄTISCHE Landesverband Rheinland-Pfalz/Saarland e. V..)

Mexiko: Der stille Femizid

Samstag, Januar 28th, 2012

“The Drug War’s Invisible Victims

By Laura Carlsen, January 27, 2012

Laura CarlsenThere are many kinds of war. The classic image of a uniformed soldier kissing mom good-bye to risk his life on the battlefield has changed dramatically. In today’s wars, it’s more likely that mom will be the one killed.

UNIFEM states that by the mid-1990s, 90% of war casualties were civilians– mostly women and children.

Mexico’s drug war is a good example of the new wars on civilian populations that blur the lines between combatants and place entire societies in the line of fire. Of the more than 50,000 people killed in drug war-related violence, the vast majority are civilians. President Felipe Calderón claims that 90% of the victims were linked to drug cartels. But how does he know? In a country where only 2% of crimes are investigated, tried, and sentenced, the government pulled this figure out of its sleeve.

There is no official information on why these thousands were killed. When their bodies are found in unmarked mass graves, no one even knows who they were. With violence the norm, executions can—and do–target grassroots leaders, human rights defenders, indigenous peoples, and rebellious youth under the cloak of the drug war.

Not Just Homicide

There are also war tolls beyond the body counts. The homicide number misses the disappeared, the thousands whose bodies–dead or alive–are never found to be counted. And it hides the mutilation of lives caused by “collateral damage”: the loss of loved ones, families forced from their homes, permanent injury, orphans and widows, sexual abuse, lives lived in fear.

These costs fall primarily on the shoulders of women–the mothers, daughters, and sisters who are left with the nearly impossible task of seeking answers and redress in a justice system outpaced by the violence and overrun by the corruption. They are often re-victimized by government agencies that ignore, reject, or stifle their pleas for justice.

“Families that demand that our children be found face all kinds of threats… the loss of our property, isolation, rejection by our own families,” said Araceli Rodríguez, a mother whose son, a young policeman, was disappeared on the job. His police unit refuses to give information on his disappearance.  “I wake up and find that it’s not a nightmare, that his absense is real and the impunity is also real.”

It’s rare to hear the voices of the women who bear the brunt of the drug war. Their pain doesn’t make headlines. Some need anonymity to remain alive. Many have been granted protective measures by the government or international human rights organizations because of the extreme threats they face.

Telling Stories

Despite all these difficulties, some 70 women told their stories amid tears and despite fear for their lives in Mexico City on January 22. The meeting called by the Nobel Women’s Initiative brought an international delegation led by Nobel Peace Prize winner Jody Williams together with Mexican women victims of the violence and women human rights defenders.

From the sketchy statistics available, women make up a relatively small proportion of the murdered in Mexico, but they are the majority of citizens who denounce disappearances, murders, and human rights violations in the drug war. They work on the front lines of defending communities and human rights. For their efforts, they become targets themselves. In Mexico, six prominent women human rights defenders have been murdered in the past two years.

The last report by the UN Special Rapporteur on the situation of human rights defenders recognized that threats and especially “explicit death threats against women human rights defenders are one of the main forms of violence in the region, with more than half coming from Latin America, most of those (27) from Mexico.”

Sometimes it’s the drug cartels that seek to silence women activists. But a recent survey  of Mexican women human rights defenders revealed that they cite the government (national, state, and local) and its security forces as responsible in 55% of cases of violence and threats of violence to women defenders. Among government officials charged with public saftey and justice, they encounter at best indifference and at worst death threats and attacks. A human rights defender from the state of Coahuila explained that searching for a disappeared loved one implies “always having to be in the hell of the institutions, which are often infiltrated by crime.”

Gender-based violence including femicide has skyrocketed in the context of the overall violence. The number of femicides in Chihuahua since sending the army in has risen to 837 for the period 2008-2011 June—nearly double the total femicides in 1993-2007. Women rights defenders report that the vast majority of threats and acts of violence against them include gender-based violence.

Silent No More

Olga Esparza, whose daughter Monica disappeared in Ciudad Juarez in 2009, explains through her tears that the government simply doesn’t care. “We’re the ones who have to carry out the investigations, with our own resources.” She adds that government officials often add insult to injury, “They say she’s probably just gone off with her boyfriend or she’s a prostitute or drug addict.” In her case, as with so many others, there’s no investigation, no results, no justice.

Another woman described how her work with indigenous communities led to her rape and torture by police agents. She continues to live in terror due to threats against her life and her family.

Alma Gomez of the Center for the Human Rights of Women in Chihuahua summed up what she sees in the center, “Women are the invisible victims, we are always at risk in this military and police occupation. We know of gang rapes by security forces that the women don’t even report; arbitary arrests; women who make the rounds between army barracks and city morgues searching for their sons, fathers, or husbands… We are the spoils of war in a war we didn’t ask for and we don’t want.”

“Victim” is really the wrong word for these women. The mother whose son disappeared more than two years ago said, “In the struggle to find my son, I joined the peace movement. I learned that I can transform my pain into a collective force and together we can help more people to have a voice and to now be empowered to defend their rights.”

Valentina Rosendo, a Me’phaa indigenous woman from the State of Guerrero, was raped by soldiers and took her case all the way up to the Interamerican Court of Human Right. She sums up the reason for participating in the Nobel Women’s forum, “It’s really hard to speak out, but it’s more painful to keep quiet.” 

Foreign Policy In Focus columnist Laura Carlsen is director of the Americas Program for the Center for International Policy in Mexico City.
 

(Quelle: FPIF.)

Mexiko: Ermordet weil sie Frauen sind

Dienstag, Juni 21st, 2011

“Noch immer bleibt Gewalt an Frauen in Mexiko und Zentralamerika weitgehend unbestraft

Solange die Gesellschaft schweigt, ändert sich nichts

Von Anna Schulte & Olga Burkert

In Zentralamerika und Mexiko werden Frauen (all)täglich Opfer von Gewalt. In den noch immer machistisch geprägten Gesellschaften der Region werden jährlich Hunderte Frauen getötet – weil sie Frauen sind. Weit mehr werden Opfer von häuslicher Gewalt und Diskriminierung im Alltag. Staat und Justiz bieten den betroffenen Frauen nur ungenügend Schutz und Unterstützung. Ein Großteil der Täter bleibt unbestraft. Doch starke Frauenrechtsorganisationen finden sich damit nicht ab und kämpfen gegen die bestehenden Gewaltstrukturen sowie die Benachteiligung von Frauen in der Gesellschaft.

Sie werden diskriminiert, geschlagen, vergewaltigt und oft sogar getötet. Für einen Großteil der Frauen in Zentralamerika und Mexiko gehört psychische und/oder physische Gewalt zum Alltag – und das oftmals von klein auf. Viele Mädchen und Frauen kennen es nicht anders; widerfährt doch ihren Müttern, Schwestern und Freundinnen oftmals das Gleiche. In den noch immer patriarchal und machistisch geprägten Gesellschaften Lateinamerikas gehört Gewalt gegen Frauen zum Alltag.

Weltweit werden jedes Jahr zwei bis drei Millionen Frauen ermordet, weil sie Frauen sind. Laut den Vereinten Nationen gehört Zentralamerika dabei zu den Regionen, in denen es am häufigsten zu Femizid und Gewalt gegen Frauen kommt. Der so genannte Femizid ist nicht „einfach nur‘ ein anderes Wort für den Mord an einer Frau. Von Femizid (auf spanisch Feminicidio oder Femicidio; siehe zur Definition den Kasten in dieser Einleitung) wird gesprochen, wenn Männer Frauen aufgrund ihres Geschlechts töten. Oft werden die Opfer zuvor brutal misshandelt und vergewaltigt. Mit inbegriffen in der Definition ist die staatliche Duldung und Förderung dieser Verbrechen.

In El Salvador wurden beispielsweise laut einer Statistik der Nationalen Polizei, die Amnesty International in ihrem Menschenrechtsbericht 2011 dokumentiert, im Jahr 2010 477 Frauenmorde registriert, in Guatemala waren es laut AI-Bericht 565. Die Dunkelziffer dürfte indes in fast allen Ländern weitaus höher liegen, werden doch immer wieder Frauenmorde als Suizid oder andere Gewaltverbrechen vertuscht oder gar nicht erst angezeigt. Amnesty kritisiert darüber hinaus, dass gesetzliche Maßnahmen zum Schutz der Frauen in der Praxis häufig nicht angewendet wurden oder nicht dazu geeignet waren „Frauen zu schützen oder sicherzustellen, dass die Täter zur Verantwortung gezogen wurden.‟

Besondere internationale Aufmerksamkeit erfahren seit den 1990er Jahren die Frauenmorde im nordmexikanischen Ciudad Juárez. Allein hier wurden 2010 knapp 300 Frauen getötet. In der von Maquilaindustrie, Drogenhandel und Migration geprägten Stadt an der Grenze zur USA werden viele der zumeist jungen Frauen vergewaltigt, misshandelt und verstümmelt an abgelegenen Orten in der Wüste gefunden. Ein Geflecht aus Drogenkartellen, Polizei und Politik scheint systematisch junge Frauen zu entführen und zu töten. Die Täter werden fast nie gefunden – zumeist aber auch nicht ernsthaft gesucht. Dank einer engagierten und gut vernetzten Frauenbewegung ist es gelungen, internationale Aufmerksamkeit auf die Frauenmorde in Ciudad Juárez zu lenken – auch wenn das noch lange kein Ende der Gewalt bedeutet.

Doch Ciudad Juárez ist trotz seiner traurigen Bekanntheit kein Einzelfall. In zentralamerikanischen Ländern wie Guatemala und El Salvador gehen die skandalös hohen Zahlen von Gewaltverbrechen an Frauen in der Regel auch nicht auf „mörderische Gewaltverbrecher der Drogenkartelle‟ auf der „Jagd nach Frauen‟, zurück, wie es in den Medien oft reißerisch dargestellt wird. Gewalt gegen Frauen findet – in Zentralamerika wie auch in Mexiko – vor allem innerhalb des direkten Umfelds der Betroffenen statt. Die meisten Frauenmorde werden von Angehörigen, wie dem Vater, einem (Ex-)Freund, Partner oder anderen Mann des familiären Umfelds der Frau begangen. Viele der Opfer sind junge Frauen aus ärmeren und bildungsfernen Schichten. Besonders in ländlichen Regionen stehen Frauen, die häusliche Gewalt erfahren, meist ohne jegliche Unterstützung da.

Im vorliegenden Dossier widmen sich die Lateinamerika Nachrichten dem Femizid und der strukturellen, häuslichen Gewalt gegen Frauen in der gesamten Region Zentralamerika und Mexiko. Mit Beiträgen zu den verschiedenen Ländern sollen Besonderheiten der jeweiligen lokalen Kontexte und die verschiedenen Ursachen für die Frauenmorde, aber gleichzeitig auch Parallelen der strukturellen Gewalt gegen Frauen in den Gesellschaften der Region aufgezeigt werden.

Eine Gemeinsamkeit ist, dass staatliche Behörden wie Polizei oder Justiz oft untätig bleiben. Obwohl die Zahl der Frauenmorde in allen Ländern der Region jährlich zunimmt, werden diese nicht in angemessener Form aktiv – Polizei und Richter schützen oftmals sogar die Täter anstatt die Opfer. Behörden dokumentieren Frauenmorde nicht oder lückenhaft, Beweise „gehen verloren‟, Anzeigen werden unzureichend aufgenommen und Zeugenaussagen in Frage gestellt. Hinzu kommt, dass die Berichterstattung in den Massenmedien oftmals den getöteten Frauen selbst die Schuld für ihren gewaltsamen Tod zuweist.

So kommt es, dass noch immer ein Großteil der Täter nicht bestraft, oft nicht einmal strafrechtlich verfolgt wird. Straflosigkeit jedoch senkt die Hemmschwelle zur Gewaltanwendung nachweislich und so machen sich alle Staaten der Region zu Mittätern – sowohl an den grausamen Verbrechen als auch an den strukturellen Ungleichheiten, unter denen Frauen tagtäglich leiden. Keine Regierung der Region geht angemessen gegen Frauenmorde vor, auch wenn in El Salvador und Mexiko der Tatbestand des Femizids mittlerweile immerhin in die Strafgesetzgebung aufgenommen worden ist. Doch von einem juristisch durchdachten Gesetz ist es noch immer ein weiter Weg hin zu einer praktisch funktionierenden Strafverfolgung – und besonders zu (präventivem) Schutz der Frauen. Statt den Frauen Schutz zu bieten, werden Opfer von Gewalt oftmals stigmatisiert und ausgegrenzt. Staatliche Frauenhäuser gibt es kaum, schon gar nicht in den häufig besonders betroffenen ländlichen Regionen der Länder.

Wie kann es sein, dass Männer so weitgehend ungestraft Gewalt ausüben können? Dass Frauen ermordet werden und statt Hilfe Schuld zugewiesen bekommen? Dass Justiz und Polizei oft Täter statt Opfer schützen? Die Ursachen für diese Situation sind vielschichtig. Besonders staatliche Stellen innerhalb der Länder schieben die Gründe für die erschreckenden Zahlen der Frauenmorde meist auf die generell hohe Gewaltbereitschaft und Kriminalitätsrate in Zentralamerika und Mexiko. Ursachen dafür sehen sie in der durch Bürgerkriege gekennzeichneten Vergangenheit sowie den aktuell bestehenden Drogenkonflikten und der Kriminalität von Jugendbanden.
Darüber hinaus wird die Gewalt gegen Frauen von weiten Teilen der Gesellschaften in der Region oftmals heruntergespielt, ja als etwas normales betrachtet. Eben darin liegt aber der Unterschied zwischen generell hoher Gewaltbereitschaft und den Ursachen für die so weit verbreitete Gewalt gegen Frauen: Entscheidende Ursache des Femizids ist das noch immer von Macho-Denken und patriarchalen Strukturen geprägte Rollenverständnis in den Gesellschaften der Region. Das Bild der Frau ist geprägt von Unterordnung und Minderwertigkeit. Wird die patriarchalische Geschlechterrolle des Mannes und die daraus resultierende Machtverteilung zwischen den Geschlechtern infrage gestellt – sei es durch emanzipatorisches Verhalten oder eine Betätigung der Frauen, die ihnen wirtschaftliche Autonomie ermöglicht – ist die Gefahr groß, dass es zu Konflikten (innerhalb der Familien) und Gewaltanwendung kommt.

Wie stark diese Macho-Kultur noch immer in den Gesellschaften verwurzelt ist, lässt sich daran ablesen, welche Rollenbilder durch Musik, Internet, Radio, Zeitungen oder Fernsehen vermittelt werden. In der populären Musik beispielsweise wird – teilweise auch von Frauen selbst – in unglaublich diskriminierender, sexistischer Form von der Unterordnung der Frau unter den Mann gesungen. Diese werden auf ein Objekt, das „dem Mann zu dienen hat‘ reduziert. Auch Fernsehen, Internet und Werbung vermitteln ununterbrochen Rollenbilder, die den Mann als das starke Geschlecht darstellen, der zur Durchsetzung seines Willens Gewalt anwenden darf.
Die Berichterstattung in Zeitungen und Radiosendungen, die ohnehin nur spärlich zum Thema Gewalt gegen Frauen stattfindet, stößt ebenfalls weitestgehend in dasselbe Horn: Weiblichen Opfern von Gewalt wird die Schuld an den Verbrechen zugewiesen. Die Medien präsentieren ihre Geschichten eher als blutige Horrorgeschichten, anstatt dass sie über die gesellschaftlichen Hintergründe berichten und die Menschen für die noch immer bestehende Ungleichheit sensibilisieren würden.

Es sind die Frauen selbst, die sich nicht abfinden mit dieser Situation der Ungleichheit und Demütigung. Daher legt das Dossier sein Augenmerk vor allem auf die Aktivistinnen und ihre Strategien, gegen Gewalt und Diskriminierung im Alltag vorzugehen. Engagierte Feministinnen und Frauenrechtsorganisationen machen seit Jahren lautstark auf die steigenden Frauenmordraten in ihren Ländern aufmerksam. Oftmals begleitet von Anfeindungen und Morddrohungen arbeiten unzählige Frauen in Zentralamerika und Mexiko daran, den Opfern von Gewalt eine Stimme zu geben. Sie führen Frauenmorde in unabhängigen Registern auf, begleiten die Angehörigen im Kampf mit den Behörden und versuchen, durch Proteste und Kampagnen die Gesellschaft zu sensibilisieren.
So wollen wir vor allem Menschen und Organisationen vorstellen, deren tägliches Engagement sich gegen diese systematische Gewalt an Frauen richtet. Dabei lassen wir Anwältinnen, Aktivistinnen, Journalistinnen und Künstlerinnen zu Wort kommen und versuchen damit einen Einblick in die wichtige Arbeit zu geben, die Frauenorganisationen in Zentralamerika und Mexiko leisten. Ihre Stimme soll auch hier in Europa gehört werden – denn Frauenmorde und Gewalt gegen Frauen sind kein regionales Phänomen, das „vor Ort zu lösen‘ ist. Deshalb ist dieses Dossier auch als Anstoß gedacht, um Unterstützung zu mobilisieren und Informationen weiter zu verbreiten. Wir möchten einen kleinen Beitrag dazu leisten, dem Ziel der unermüdlichen und nicht selten lebensgefährlichen Arbeit der Frauenbewegungen in der Region ein Stück näher zu kommen: Das Schweigen brechen! Denn ohne ein gesamtgesellschaftliches Umdenken wird es kein Ende der Gewalt geben.

Infokasten:

Femicidio und Feminicidio
Im Spanischen beschreiben die Begriffe femicidio oder feminicidio, wenn eine Frau aufgrund ihres Geschlechts getötet wird. Es ist die extremste Form der Anwendung von Gewalt gegen Frauen, wobei die die Täter nahezu immer Männer sind. Beide Termini schließen explizit staatliche Duldung und Förderung dieser Verbrechen mit ein. Einige Feministinnen verwenden den Begriff des feminicidio, um die Straflosigkeit der Täter und die daraus resultierende Mitverantwortung des Staates an den Verbrechen noch mehr zu betonen. Innerhalb des Dossiers haben wir bewusst auf eine einheitliche Verwendung der Begriffe femicidio und feminicidio verzichtet, da jede Autorin eine eigene Definition für dessen Verwendung haben kann und die Begriffe in den jeweiligen regionalen Kontexten anders verwendet werden. Und schlussendlich geht es uns nicht um die Unterschiede, sondern um die Gemeinsamkeiten der Begrifflichkeiten: Die Beschreibung der gezielten Ermordung von Frauen, allein wegen ihres Geschlechts, die häufig in Verbindung mit Sexualverbrechen begangen und vom Staat geduldet oder gar gefördert werden.

 

Text: // Anna Schulte, Olga Burkert
Lateinamerika Nachrichten, Nummer 444 – Juni 2011

Weitere Artikel zum Thema Frauenmorde:

„Ich krächze die Namen der Täter heraus‟
„Das Organisierte Verbrechen ist Teil des Staates‟
Wer schweigt, macht sich zum Mittäter
Schlingerkurs bei Frauenrechten
Hilfe zur Selbsthilfe

 

(Quelle: Linksnet.)

Hinweis

Die o. g. Ausgabe der Zeitschrift “Lateinamerika Nachrichten” kann in unserer Bücherei entliehen werden.

Indien: Fortschreitender Femizid?

Donnerstag, April 14th, 2011

Saving the girl child, and brides and prejudice

Posted by Mari Marcel Thekaekara

Next week, there’s a national Stop Female Foeticide workshop in Panipat, Haryana.

A few years ago I was shocked to hear that female foeticide has wiped out a generation of girls in the two Indian states of Haryana and Punjab.

I’ve used female foeticide statistics in lectures and articles. The starkest one was that, of 1,000 foetuses aborted in a Mumbai abortion clinic, researchers discovered 999 were female. This led to the campaign to stop sex determination tests throughout the country. Amniocentesis is now illegal, but of course it goes on in shady sex-detection centres in every small town, in almost every part of India.

The North East is an exception; girls are preferred to boys in matriarchal societies. But, as long as girls remain bad news, as is the case in our ‘little Maharaja’ society, women, with or without pressure from husbands and in-laws, will continue to abort them till the long-awaited male heir arrives.

Still, reading about the falling sex ratio in India and China does not prepare you for the shock of visiting one of these miserable states where girls have disappeared. Haryana and Punjab are among the wealthiest states in India. Slowly, it’s sinking in. No girls to marry!!! No local brides for love or money!

Men from Haryana and Punjab are being forced to go in search of brides to distant West Bengal and Bihar. The language is different, the customs are different, the food is different. But the brides, poor girls, travel to these distant states because they are poor. Their parents can’t afford the dowry demands in their home states. Now for a Bengali or Keralite girl to marry a Haryanvi groom is like a Sicilian girl being dispatched to Siberia. Everything is different. It’s a whole new country.

But for the girls, apparently, it’s not all gloom and doom. If you ask people questions without a preconceived agenda, the answers will often surprise you. They certainly stunned me.

A group of girls from Kerala, where dowry demands are huge, decided ‘to screw Keralite men and their avaricious families. Why allow your parents to be humiliated and pauperized with dowry and wedding demands when there are families desperate for girls elsewhere? These North Indian families are willing to give our parents money to take us into their families as brides. First of all, that was unbelievable. We thought, why go through the degrading, shaming practice of parading yourself before arrogant Kerala grooms and their revolting parents.’

So these girls opted to be daring. To fly away, over a thousand kilometres north, and settle in a new land. And although the food is different and the language and customs strange, they’ve adapted. They’ve decided this is definitely not worse than a dog’s life with no dowry back home. What’s more, they write home and tell others it’s not such a bad deal, come join us.

Girls from Bihar and Bengal say: ‘We were starving at home. These people gave our parents large sums of money to bring us here. At home there was not enough food for one meal, here, we eat huge meals everyday, and drink enormous glasses of milk and lassi.’ The milk and lassi of the north is legendary and delicious.

I heard a few horror stories too. That in some poorer Northern families, one bride was required to service several brothers and the father, if necessary. Much has been written about these things. But it was news to me.

I was completely baffled by Haryana and Punjab. I really didn’t know what to think. And I can’t comprehend the social and psychological problems these women might go through. But it occurred to me that a hundred years from now, this mixture of cultures and people – Punjabis are hugely different from Bengalis or Keralites – will change Indian society completely. Whether that’s good or bad I have no idea.”

 

(Quelle: New Internationalist blog.)

Guatemala: Indigene Frauen Motor des gesellschaftlichen Fortschritts

Sonntag, Mai 23rd, 2010

Indigenious Women take on a big fight in Guatemala

By Saulo Araujo

Last week, I met with representatives from the National Women’s Commission of the Via Campesina – Guatemala. The Commission comprises women from four different peasant and indigenous organizations. As I entered the small office, I quickly recognized familiar faces from my last meeting with them in 2009, except for one young woman sitting in the corner with an open notebook: Julieta. The new National Coordinator for Women of our partner the National Coordination of Indigenous People’s and Campesinos (CONIC), Julieta is a soft-spoken leader facing the enormous task of coordinating rural women from 475 Mayan communities. The courage and political skills of individuals, such as Julieta, are all the more impressive considering the fact they are up against formidable challenges – old and new – with minimal resources and support.

After introductions, I learned that Emilia, the general coordinator of the National Coalition of Guatemalan Widows (CONAVIGUA), was unable to participate in the meeting. Instead, she had the difficult task of announcing the assassination of a colleague, a reality that has become frighteningly common in Guatemala and throughout the region.

Evelinda Miranda, a 25-year-old Mayan community organizer, had been killed the day before in an ambush. Evelinda and seven other community representatives were attacked as they returned from a meeting with congressmen to discuss tensions between the government and local communities. Evelinda was one of the leaders in the negotiation process to solve the conflict. The case, according to my colleagues here, grew into a conflict because the government neglected the complaints from families in San Marcos, a community in northwest Guatemala, about the scandalous increase in the electricity fees. Without any response from the government, communities started boycotting the electrical company and began interrupting the electrical service.

Evelinda’s death dominated our conversation. The women of the Via Campesina wanted to talk about solutions to the growing repression and threats to “human right defenders.” These front-line community organizers are being unjustly targeted for defending indigenous communities’ territorial rights against the invasion of transnational operations. Seneida, the national secretary of the women’s sector of the Committee for Campesino Unity (CUC), put it this way: “In Guatemala, people are being prevented from defending their rights. But we women will continue speaking up, demanding an end to the violence, the repression and evictions from our land.”

The women of the Via Campesina – Guatemala have denounced the national government for neglecting the results of 40 community referendums, each demanding the immediate halt to mining and agribusiness operations in their native indigenous territory. These transnational companies hope to confuse or sedate communities with false promises of development. In fact, however, foreign investments in mining, hydro-power dams and agribusinesses threaten to uproot families from their native land and destroy local environments, all without the full and informed consent of local communities.

Women representatives of the Via Campesina – Guatemala are leading the way for an overall change in the development policies for Guatemala.

Their first step is to overcome challenges in male-dominated decision-making spaces in their own organizations, as well as society at large. For instance, women leaders often find it difficult to participate actively in decisions when high ranking male colleagues offer little recognition or support for their work. Outside of their organizations, journalists often prefer to interview men than women, thus preventing female organizers from expressing their views and perspectives to a broader audience.

Women of the Via Campesina – Guatemala have set high goals for themselves. For Irene Barrientos, another member of CUC, “the frustration we, women of CUC, feel is the same as women from CONIC. We use different methods in our struggle, but we understand that our suffering is the same when our land is being taken away. We are united against social programs that offer crumbs instead of our rights. The handouts that the government offers end up in the hands of the men, instead of benefiting us all.”

To advance their coordinated work, the National Women’s Commission organized two workshops in different areas. The results were immediate. Other women showed interest in participating in learning exchanges and wanted to organize together in their communities as women, regardless of  their ethnic group or organizational affiliation.

Boosted by their energy, the National Commission has put forward a work plan to address the following issues:

  • Immediate enforcement of Article 169 of the International Labor Organization. Women of Via Campesina – Guatemala are demanding that the government of Guatemala, as signatory of the ILO Convention, cease all mining operations in indigenous territories. They have organized marches and workshops to educate other women about their territorial rights.
  • Better schools and universal quality health care. They are demanding quality education and health care for all.
  • Protection of Creole seeds as a heritage of humankind. Mayan representatives are working to stop the erosion of biodiversity created by commercial seeds and the growing monopolization of seeds and food production by transnational corporations such as Monsanto. Via Campesina – Guatemala’s women are organizing seed saving trainings, seed banks and seed swap fairs.
  • End to the political manipulation of communities through government handouts. .
  • End of all forms of violence against women. The group is leading the implementation of the global campaign to end violence against women in the country. Guatemala has one of the highest rates of femicide in the region. Women of the Via Campesina – Guatemala want to end all forms of violence against women – from domestic violence to human rights violations to threats against economic, cultural and social rights.

It is worth noting that other women’s organizations in Mesoamerica are working together to push forward those same demands. The courage and determination of the women of the Via Campesina – Guatemala is impressive. They are an inspiration for all of us who believe in social justice.

(Quelle: Grassroots International.)