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Island: China hilft!

Mittwoch, Juni 16th, 2010

“Winkingererben schließen mit der Volksrepublik Verträge über Währungs-Swap und Kraftwerksbau

Weitsichtige Chinesen

Von Wolfgang Pomrehn

China und Island haben dieser Tage ein paar interessante Verträge unterzeichnet. Zum einen ist das Land der Mitte an den isländischen Erfahrungen mit der Nutzung der Erdwärme interessiert. Nirgendwo sonst auf der Welt wird bisher so viel Strom und Heizenergie mit Wärmeenergie aus dem Erdinneren gewonnen. Die Wikinger-Nachfahren haben es allerdings auch besonders leicht: Sie sitzen auf einem sogenannten Hotspot und gleichzeitig auch noch auf dem Mittelatlantischen Rücken. Entsprechend nah unter der Erdoberfläche liegen Gesteinsschichten, die für die geothermische Nutzung heiß genug sind. Hierzulande muss man dagegen mehrere Kilometer tief bohren. China und Island arbeiten bereits seit 2005 auf diesem Gebiet zusammen.

Zum anderen haben die beiden ungleichen Nationen einen Austausch von Währungen vereinbart. Die chinesische Zentralbank bekommt 66 Milliarden Islandkronen, die Isländer erhalten 3,5 Milliarden chinesischen Yuan. Umgerechnet sind das etwa 415 Millionen Euro, ein eher symbolischer Betrag. Dennoch wird er für den Handel zwischen den beiden Ländern nützlich sein. Außerdem demonstriert Beijing (Peking) damit erneut, dass es den Isländern in der gegenwärtigen Krise beistehen will. Im Mai 2008 hatte es einen ähnlichen, umfangreicheren Tausch mit den anderen nordischen Ländern gegeben, doch im Herbst des gleichen Jahres war Island von einem ähnlichen Abkommen zwischen den USA und den anderen Skandinaviern ausgeschlossen worden.

Der Deal soll zunächst über drei Jahre laufen und hat für die beteiligten Länder den Vorteil, dass sie Handel in ihren Landeswährungen treiben können. Das macht sie, das heißt, vor allem Island, von Kursschwankungen unabhängig. China hält seine nicht frei konvertierbare Währung ja weitgehend gegenüber dem US-Dollar stabil, der sonst als die übliche Handelswährung in Frage käme. Der isländische Notenbankgouverneur Mar Gudmundsson hofft, durch den Vertrag könne sich der Warenaustausch zwischen den beiden Ländern entwickeln. Im Augenblick gehen 2,3 Prozent der isländischen Exporte nach China, von wo fünf Prozent der Import stammen.

Andrew Ward weist in der Financial Times darauf hin, dass China ganz im Gegensatz zu einigen europäischen Ländern seit dem Zusammenbruch der isländischen Banken wiederholt seine Hilfe angeboten hat. Linda Jakobson vom Stockholm International Peace Research Institute meint, China denke vielleicht schon an die Zeit, in der Handelsschiffe im Sommer regelmäßig durch den polaren Ozean fahren können. Dann würde Island für chinesiche Frachter auf dem direkten Wege nach Europa und an die US-Ostküste liegen und könnte vielleicht als Logistik-Stützpunkt dienen.

Gudmundsson sieht Chinas Interessen allerdings pragmatischer. Den Partnern gehe es vor allem um isländisches Know-how in der Geothermie und in Wasserkraft. Immerhin ist der Währungsdeal aber ein weiterer Schritt in Richtung Diversifizierung und Etablierung des Yuans als eine internationale Währung. In letzter Zeit hat die Volksrepublik ähnliche Verträge in Höhe von insgesamt 79 Milliarden Euro bereits mit Argentinien, Weißrußland, Südkorea, Indonesien und Malaysia abgeschlossen.”

(Quelle: Telepolis.)