Posts Tagged ‘GEPA’

BRD: Vor allem nicht fairblöden!

Donnerstag, Juli 12th, 2012

“Wie fair ist Fairtrade?

Gepa und andere Importeure für fair gehandelte Produkte distanzieren sich vom Fairtrade-Siegel. Sie erheben den Vorwurf, dass die Organisation niedrigere Standards akzeptiert, um mehr Umsatz zu machen

Von Claudia Mende

Der faire Handel ist im Umbruch. Während die Produkte beim Verbraucher immer beliebter werden, spitzt sich der Streit um die Ziele des fairen Handels zu. Jetzt hat die Gepa, Europas größter Importeur fair gehandelter Produkte, entschieden, nach und nach das Fairtrade-Siegel von den meisten ihrer Waren zu entfernen und es durch ein »Fair-plus«-Zusatzzeichen zu ersetzen. Fair-plus ist zwar kein Label, es soll aber dem Verbraucher signalisieren, dass die Gepa ihren Produzenten einen höheren Standard garantiert als Fairtrade.

Vier Fünftel aller fair gehandelten Waren in Deutschland tragen das TransFair-Siegel

Für die Siegelorganisation TransFair ist das ein herber Schlag. Denn nicht nur die Gepa, immer mehr Importeure distanzieren sich von dem Siegel Fairtrade und vermarkten eigene, höhere Standards. Dadurch gerät TransFair in den Verdacht, die eigenen Standards um eines höheren Umsatzes willen aufzuweichen. Dabei ist der faire Handel angetreten, damit sich Produzenten in Afrika, Asien und Lateinamerika durch eigene, gerecht bezahlte Arbeit aus der Armut befreien können. Das bedeutet vor allem Mindestpreise, die in der Regel über dem Weltmarktpreis liegen, und feste, langfristige Abnahmeverträge (…) .”

Weiterlesen…

 

(Quelle: Publik-Forum.)

Global: Ausweg FairTrade?

Donnerstag, Mai 19th, 2011

“Fairer Handel, Kakao und das Menschenrecht auf gute Arbeit

von Thomas Guthmann

Neben den klassischen Menschenrechten, wie dem Recht auf körperliche Unversehrtheit und Freiheitsrechten, wie dem Recht auf freie Meinungsäußerung, gibt es die sozialen Menschenrechte. Dazu gehört das Recht auf Arbeit bei angemessener Entlohnung. Die Umsetzung sozialer Menschenrechte gestaltet sich in den Ländern schwierig, in denen ein erheblicher Teil der Bevölkerung im informellen Sektor arbeitet. Hier gibt es keine etablierten Arbeitsverhältnisse und viele müssen ein Geschäft „erfinden“ mit dem sie versuchen, sich über Wasser zu halten. Ein Recht auf Einkommen ist hier unbekannt.

Informellen Job „Erfinden“

Deutlich wird dies in El Alto, der ärmsten Stadt Boliviens. Wenn man sich in die Ceja – den großen Markt im Zentrum der Stadt – begibt, fallen einem immer wieder alte Männer, junge Frauen mit Kindern auf dem Rücken oder Kinder auf, die Papiertaschentücher päckchenweise verkaufen oder Kaugummis und Zigaretten einzeln anbieten. Mit dem Verkauf von Kleinigkeiten versuchen sie, sich über Wasser zu halten. Viele von ihnen verdienen damit weniger als einen Euro pro Tag und kommen kaum über die Runden.

Zwei Drittel der Bevölkerung ist in El Alto in der informellen Ökonomie beschäftigt. Sie schlagen sich mit Gelegenheitsarbeiten durch, versuchen hier und da was zu verkaufen oder verdingen sich als TagelöhnerInnen. Für sie gibt es keine Altersvorsorge, keine Möglichkeiten zur Fortbildung und keinen Zugang zu ausreichender Gesundheitsvorsorge. Fünfzig Prozent der Bevölkerung haben keinen oder nur einen unzureichenden Zugang zu sauberem Wasser, etwa zwei Drittel verfügen über einen unzureichenden Zugang zur Gesundheitsversorgung und ungefähr 50 Prozent EinwohnerInnen haben unzulängliche Bildungschancen. Arbeitsplätze, deren Einkommen zum Leben ausreicht, sind in El Alto Mangelware.

Angemessene Entlohnung bei El Ceibo

Nur wenige Meter vom lauten Treiben im Zentrum der Ceja entfernt, an der Autopista hinab zum Regierungssitz La Paz, findet man ein modernes Geschäftsgebäude. An der Fassade des Gebäudes finden sich Referenzen an die Architektur der alten Kulturen des Landes. Der repräsentative Bau ist angeschrägt und erinnert an eine Pyramide aus Tiwanaku, dem alten spirituellen Zentrum der Aymaras. Im Gebäude befindet sich die Zentrale des Schokoladenproduzenten El Ceibo, dem größten Exporteur von biologisch angebauter Kakaomasse Boliviens. El Ceibo ist ein Zusammenschluss von rund 40 Kakao-Kooperativen in Bolivien.

Mit Hilfe des fairen Handels haben die Kooperativen ein Vorzeigeunternehmen geschaffen. Im Gegensatz zu den prekären Arbeitsverhältnissen in der wenige hundert Meter entfernten Ceja, werden die Menschen hier für ihre Arbeit angemessen entlohnt. El Ceibo versteht sich als soziales und ökologisches Unternehmen, wie der Vorstand Francisco Reinaga betont: „Zu unseren Unternehmenszielen gehört es ein führender Produzent von Kakao zu sein, aber auch die Umwelt zu achten, die Artenvielfalt und die Natur, oder soziale Werte, wie die Gleichheit der Geschlechter. Das sind einige unserer Prinzipien, die uns zu dem gemacht haben, was wir heute sind.“

Alternative zur Unsicherheit des informellen Sektors

Der faire Handel stellt eine Alternative zum informellen Sektor dar. Insbesondere kleinen ProduzentInnen von Kaffee, Kakao oder Quinoa bietet er die Möglichkeit, der Unsicherheit des informellen Sektors zu entkommen. Mit direkten Handelsbeziehungen versuchen Fair Trade-Unternehmen wie die GEPA den ProduzentInnen bessere Produktionsbedingungen zu ermöglichen und andere Formen des Handels zu etablieren.

Bietet der faire Handel Bolivien Entwicklungschancen, um mehr Menschen zu einer angemessenen Entlohnung zu verhelfen? Immerhin gibt es neben El Ceibo noch andere Organisationen, die mit Hilfe der Fair Trade-Idee zu Erfolgsmodellen wurden. So gelang es ANAPQUI (Asociacion Nacional de Productores de Quinua), einem Zusammenschluss kleiner LandwirtInnen, das Hochlandgetreide Quinoa bekannt zu machen. Der faire Handel erschloss den ProduzentInnen die Märkte in Europa und den USA. Der Export hat sich im vergangenen Jahrzehnt hier nahezu verdreifacht.

Gut entlohnte Arbeit bleibt Ausnahme

Dennoch sieht Julio Prado – Außenhandelsexperte aus La Paz – keine Möglichkeit, dass in Bolivien durch den fairen Handel mehr gut entlohnte Arbeitsplätze entstehen: „Es gibt zwar sehr erfolgreiche Modelle, wie El Ceibo und ANAPQUI. Das Phänomen, dass das Wachstum einiger Kooperativen ermöglicht hat, hat aber zu geschlossenen Kreisläufen geführt, von denen nur einige wenige profitieren. Diejenigen, die sich außerhalb des fairen Handels befinden haben wenig davon.“

Solange sich die Rahmenbedingungen nicht ändern, bleiben ANAPQUI und El Ceibo eine Ausnahme. Volkswirtschaftlich spielen sie für Bolivien nur eine untergeordnete Rolle. Erst wenn sich die Rahmenbedingungen ändern würden und die bolivianischen Vorzeigebeispiele nicht nur als ProduzentInnen operieren, sondern auch zu HändlerInnen ihrer Produkte würden, könne sich das ändern. Bisher wird die klassische Arbeitsteilung auch im fairen Handel reproduziert. In Europa und Nordamerika sitzen die Handelsorganisationen und die Firmen, die die Rohstoffe veredeln. In Lateinamerika die ProduzentInnen, die Kakaomasse oder ungerösteten Kaffee – den Rohstoff – in den Norden liefern: „Erst wenn sich das ändert“ merkt Julio Prado an „wird sich auch entscheidend was im Verhältnis verändern“.

Vom fairen Handel zur Schokoladenmesse

Bei El Ceibo schickt man sich mittlerweile an, seine eigene Schokolade zu produzieren und auch in Europa zu verkaufen. 2009 war das Unternehmen erstmals mit einem eigenen Stand auf der französischen Schokoladenmesse vertreten. Demnächst will es zudem eine eigene Verkaufsvertretung in Europa eröffnen. Damit würde das Unternehmen sich vom fairen Handel emanzipieren und vielleicht ein Mosaikstein bilden hin zu einer Welt in der das Recht auf gute Arbeit zu angemessener Bezahlung verwirklicht ist.

Tipp: Den Audiobeitrag von Thomas Guthmann zum Thema anhören. Der Beitrag gehört zu unserer Kampagne “Menschen. Rechte. Stärken!”, und kann unter der URL http://www.npla.de/de/onda/serien/menschenrechte/content/1118 kostenlos angehört oder heruntergeladen werden kann.

Dieser Artikel ist erschienen in Poonal Nr. 922″

 

(Quelle: poonal.)

Siehe auch:

Wie fair ist „Fair“ gehandelter Kaffee?
Nueva Vida Fair Trade Zone: Selbstverwaltet statt fremdbestimmt