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Kasachstan: Glänzende Gewinne im Tabakgeschäft – dank Kinderarbeit

Donnerstag, Juli 15th, 2010

“Big Tobacco Profits from Kazakh Child Labour, Report Says

By Amanda Bransford

NEW YORK, Jul 14, 2010 (IPS) – Hoping for better opportunities than they can find at home, many families from Kyrgyzstan travel to find work. Neighbouring Kazakhstan has the strongest economy in Central Asia, and tobacco farms attract workers fleeing Kyrgyzstan’s high unemployment.

Upon arriving at their new employers’ farms, however, many find hardship and exploitation instead of the advantages they’d hoped for, as a new report by Human Rights Watch reveals.

Kyrgyz workers travel to Kazakhstan for the nine-month growing and harvesting season, often with their children in tow. Those interviewed by Human Rights Watch reported that they performed difficult physical labour far more hours per day than permitted under Kazakhstan’s labour laws, and received very little rest, often not getting time off for weekends or holidays.

Many migrants arrive at their destinations already behind, forced to pay the intermediaries who transported them.

They usually have little or no cash and will not receive payment until the end of the season, rendering them dependent on their employers for food, housing, and medical care – the cost of which will be deducted from their final wages.

Wages for the entire family are paid in a lump sum to the head of household, usually the family’s adult male.

This pay structure, along with the widespread requirement that workers hand their passports over to the landowner for the duration of the season, make it very difficult to leave an abusive situation, the report says.

‘Of course there was a desire to leave and throw it all away, but how?’ said one worker quoted in the report. ‘Our passports were with the landowner, and we had no money. If we left, then all of our work would be for nothing. And without money, how would we even get back home from there?’

A few workers interviewed by Human Rights Watch experienced debt bondage in Kazakhstan. They were charged so much for their transport and living costs that they ended the season in debt to their employers, and were forced to work another season instead of receiving payment.

Others were made to do additional work for the landowners without pay.

Of particular concern to Human Rights Watch is the situation of children, who often work alongside their parents, missing school in the process. Tobacco cultivation is both physically demanding and potentially hazardous, and should not be performed by children under 18. Many parents expected children to work, but those that wished for their children to attend school did not always have access.

Forced labour and child labour are illegal under Kazakh as well as international law. Most migrant workers lack legal status in Kazakhstan, however, and are often unwilling to seek help from authorities.

Human Rights Watch believes that Phillip Morris International, the company that buys the tobacco grown in Kazakhstan, has an important role to play in ensuring that human rights standards are met.

‘Philip Morris International and its subsidiaries have responsibilities to protect human rights under international standards of corporate responsibility as well as under national laws of the jurisdictions in which they operate,’ Human Rights Watch’s Jane Buchanan told IPS.

‘Recent experience in the apparel industry has brought to light an international consensus that companies have responsibilities for the labor practices that take place in their supply chains. No company should benefit or profit from exploitative practices at any point in the supply chain,’ she said.

Representatives from Phillip Morris International met with Human Rights Watch to discuss the situation and have vowed to put a stop to abusive labor practices.

Human Rights Watch hopes the report will lead to national policy changes in Kazakhstan as well.

Among other changes, says Buchanan, the organisation advocates the creation of complaint mechanisms through which abused migrant workers can seek redress. The country must recognise migrant workers’ rights, says Buchanan, and make stronger efforts to prevent child labour, including by guaranteeing access to education for all school-age children in Kazakhstan.

‘It’s time for the government to stop acting as if migrant workers don’t have rights and take decisive action against abusive employers,’ she said. “

 

(Quelle: IPS News.)

 

Siehe auch:

Tobacco giant Philip Morris sold cigarettes made using child labour
Kasachstan: Wanderarbeiter auf Tabakplantagen betrogen und ausgebeutet

BRD / Frankreich / Grossbritannien: Folter – bitte jetzt wieder die “Rechtstaatsplatte” auflegen

Mittwoch, Juni 30th, 2010

Frankreich/Deutschland/Großbritannien: Falsches Signal bei Folter

Geheimdienstinformationen aus Folter in Drittstaaten dürfen nicht angenommen werden


© Human Rights Watch

(London, 28. Juni 2010) – Frankreich, Deutschland und Großbritannien verwenden Informationen von ausländischen Geheimdiensten, die im Kampf gegen den Terrorismus unter Folter gewonnen wurden, so Human Rights Watch in einem heute veröffentlichten Bericht.

Der 69-seitige Bericht „Ohne nachzufragen – Geheimdienstliche Zusammenarbeit mit Ländern, in denen gefoltert wird“ untersucht die fortwährende Zusammenarbeit der Regierungen Frankreichs, Deutschlands und Großbritanniens mit den Geheimdiensten von Staaten, die Folter routinemäßig einsetzen. Die drei Regierungen verwenden durch Folter erlangte Informationen zu nachrichtendienstlichen und polizeilichen Zwecken. Das Völkerrecht verbietet Folter jedoch absolut und ohne jede Ausnahme.

„Berlin, Paris und London sollen sich für die Abschaffung der Folter einsetzen, statt sich auf geheimdienstliche Informationen zu verlassen, die im Ausland durch Folter gewonnen wurden“, so Judith Sunderland, Westeuropa-Expertin von Human Rights Watch. „Informationen aus Folterstaaten entgegenzunehmen ist rechtswidrig und schlichtweg falsch.“

Die französischen, deutschen und britischen Geheimdienste verfügen nicht über klare Richtlinien für die Beurteilung von und den Umgang mit Informationen aus Staaten, in denen bekanntermaßen gefoltert wird. Zudem ist die parlamentarische Kontrolle der Geheimdienste in allen drei Ländern unzureichend.

Die Geheimdienste aller drei Staaten behaupten, es sei unmöglich festzustellen, welche Quellen und Methoden hinter den übermittelten Informationen stünden. Doch haben Vertreter der Regierungen in Großbritannien und Deutschland öffentlich die Ansicht geäußert, dass die Verwendung von ausländischen Geheimdienstinformationen in manchen Fällen zulässig sei, selbst wenn das Material eindeutig durch Folter erlangt wurde. Solche Erklärungen senden ein falsches Signal an Regierungen, die die Menschenrechte verletzen.

In Frankreich und Deutschland wurde Beweismaterial, das durch Folter erlangt wurde, in Strafprozessen und anderen Verfahren verwendet, obwohl internationale wie auch nationale Gesetze den Einsatz solcher Informationen in allen Verfahren verbieten.

Der Bericht schildert den Fall von Djamel Beghal, der in Frankreich wegen der Planung eines Terroranschlags angeklagt wurde. In dem Verfahren wurden Aussagen gegen Beghal verwendet, die dieser in den Vereinigten Arabischen Emiraten unter Folter abgegeben hatte. In einem weiteren Fall wurde in einem französischen Verfahren das angebliche Geständnis eines gewissen Abu Attiya als Beweismittel gegen Terrorverdächtige zugelassen, das dieser in Jordanien unter Folter abgelegt hatte. In Deutschland erklärten Gerichte schriftliche Zusammenfassungen von Verhören mit drei hochrangigen Terrorverdächtigen für zulässig, die geführt worden waren, während diese sich in amerikanischer Isolationshaft befanden. Zudem wurden vor Gericht Beweismittel verwendet, die infolge von Aussagen von Aleem Nasir, einem Terrorverdächtigen Pakistani mit deutschem Pass, gewonnen wurden, die er im Gewahrsam des berüchtigten pakistanischen Geheimdiensts gemacht hatte.

Informationen, die durch Folter im Ausland erlangt wurden, können vor allem deshalb in Gerichtsverfahren verwendet werden, weil der Angeklagte zum Ausschluss solcher Informationen selbst den Nachweis erbringen muss, dass das Material durch Folter gewonnen wurde. In der Praxis ist es jedoch nahezu unmöglich, diesen Beweis zu führen.

„Die Regeln, durch die ‚Folter-Informationen‘ aus den Gerichtssälen verbannt werden sollen, funktionieren nicht“, so Sunderland. „Es sollte die Pflicht der Staatsanwaltschaft sein, nachzuweisen, dass Beweismittel aus Ländern, in denen bekanntermaßen gefoltert wird, nicht durch Folter gewonnen wurden.“

Durch die Verwendung fragwürdiger Informationen im Antiterrorkampf beschädigen Frankreich, Deutschland und Großbritannien die Glaubwürdigkeit der Europäischen Union. Die Praktiken dieser führenden EU-Staaten widersprechen den Antifolterleitlinien der EU, die der Beseitigung von Folter und Misshandlung einen hohen außenpolitischen Stellenwert geben. Nach Ansicht von Human Rights Watch verschärfen Menschenrechtsverletzungen im Namen der Terrorismusbekämpfung auf lange Sicht Missstände, die der politischen Radikalisierung und der Rekrutierung zum Terrorismus Vorschub leisten.

Aus dem völkerrechtlich festgeschriebenen weltweiten Verbot von Folter gehen eindeutige Verpflichtungen für alle Staaten hervor: Sie dürfen niemals foltern oder sich an Folter mitschuldig machen. Jeder Staat muss sich für die weltweite Verhütung und Beseitigung von Folter einsetzen. Regierungen dürfen Folter weder innerhalb ihres Hoheitsgebiets zulassen noch die Folter in anderen Staaten unterstützen oder gutheißen. Die grenzüberschreitende Geheimdienstzusammenarbeit ist zweifellos ein wichtiger Bestandteil des internationalen Kampfes gegen den Terrorismus, sie darf jedoch nicht im Widerspruch zu diesen völkerrechtlichen Verpflichtungen erfolgen.

Nach Ansicht von Human Rights Watch können Frankreich, Deutschland und Großbritannien auch weiterhin notwendige geheimdienstliche Kooperationen betreiben, ohne das weltweite Folterverbot zu untergraben. Dazu müssen sie ernst gemeinte Nachforschungen in den Herkunftsländern der Informationen durchführen, um festzustellen, ob diese durch Folter gewonnen wurden und welche Schritte die Behörden ergriffen haben, um die Verantwortlichen für bekannt gewordene Misshandlungen zur Rechenschaft zu ziehen.

Die Zusammenarbeit sollte abgebrochen werden, wenn Grund zu der Annahme besteht, dass zur Gewinnung der übermittelten Informationen Folter und Misshandlungen eingesetzt wurden. Zudem sind eine strengere parlamentarische Kontrolle der geheimdienstlichen Kooperationen und eindeutige Gesetze erforderlich, die verhindern, dass durch Folter gewonnenes Material in den Rechtsprozess einbezogen wird.

„Europa wurde gezwungen, sich mit seiner Komplizenschaft bei Misshandlungen im Antiterrorkampf der USA auseinanderzusetzen“, so Sunderland. „Es ist an der Zeit, dass auch Frankreich, Deutschland und Großbritannien sich zu ihrer Rolle bei Misshandlungen in Drittstaaten bekennen und dafür sorgen, dass ihre geheimdienstliche Kooperation nicht zu einer Weiterführung der Verstöße beiträgt.“

Human Rights Watch appelliert an die Regierungen von Frankreich, Deutschland und Großbritannien:

• die Verwendung von Geheimdienstmaterial, das in anderen Staaten durch den Einsatz von Folter oder durch grausame, unmenschliche oder herabwürdigende Behandlung erlangt wurde, öffentlich abzulehnen;
• das absolute Verbot der Verwendung von „Folter-Informationen“ in allen Verfahren zu bekräftigen;
• klare Verfahrensregeln zum Ausschluss von „Folter-Beweisen“ in Zivil- und Strafrechtsprozessen zu schaffen, die eindeutig festlegen, dass bei Folterverdacht die Staatsanwaltschaft die Beweislast trägt und nachweisen muss, dass die betreffenden Aussagen nicht unter Folter gewonnen wurden;
• dafür zu sorgen, dass ihre nationalen Geheimdienste über klare Richtlinien verfügen, die die Zusammenarbeit mit Partner-Diensten regeln, die bekanntermaßen Folter einsetzen;
• Vereinbarungen zur Zusammenarbeit mit Geheimdiensten anderer Staaten sollen klare Bestimmungen zum Schutz der Menschenrechte enthalten, einschließlich der Selbstverpflichtung, die Zusammenarbeit abzubrechen, wenn glaubwürdige Foltervorwürfe erhoben werden;
• die parlamentarische Kontrolle der Geheimdienste zu stärken;
• dafür zu sorgen, dass jede Form der Komplizenschaft bei Folter im nationalen Recht als Straftat geahndet wird und dass Staatsbeamte, die sich im Ausland mitverantwortlich machen, strafrechtlich verfolgt werden;
•letzteres soll auch für Beamte gelten, die systematisch Informationen von Staaten und Behörden annehmen, die bekanntermaßen foltern.

 

Verwandte Artikel:

Trotz diplomatischer Zusicherung: Terrorismusverdächtigen droht Folter bei Abschiebung
Deutschland soll diplomatische Zusicherungen ablehnen
Diplomatische Zusicherungen gegen Folter

 

Zusätzliches Material:

Zum vollständigen Bericht.”

 
 

(Quelle: Human Rights Watch.)

Äthiopien: Parlamentswahl 2010

Dienstag, Mai 25th, 2010

“Äthiopier wählen ein neues Parlament

In Äthiopien ist das Volk aufgerufen ein neues Parlament zu wählen. Seit den Unruhen bei der letzten Wahl vor fünf Jahren herrscht Angst unter der Bevölkerung.

Von Thomas Mukoya/Reuters

In Äthiopien hat am Sonntag die Parlamentswahl begonnen. Rund 32 Millionen Einwohner sind zur Stimmabgabe aufgerufen. Der seit 19 Jahren in dem nordostafrikanischen Land regierende Ministerpräsident Meles Zenawi hat gute Chancen, im Amt bestätigt zu werden. Erste Ergebnisse sollen am Montag bekannt werden. Ein Endergebnis wird aber erst am 21. Juni feststehen.

Bürgerrechtler werfen der Partei Zenawis, der Äthiopischen Revolutionären Demokratischen Volksfront (EPRDF) vor, politische Gegner und die Medien einzuschüchtern. Die Abstimmung wird von Beobachtern der Europäischen Union und der Afrikanischen Union verfolgt. Bei der Parlamentswahl im Jahr 2005 hatten die EU-Beobachter Unregelmäßigkeiten angeprangert.

Dem Regierungslager der EPRDF steht das Forum für den Demokratischen Dialog in Äthiopien (Medrek) gegenüber, in dem sich acht Oppositionsparteien zusammengeschlossen haben. Auch Medrek ist nach Angaben von Human Rights Watch Bedrohungen und Einschüchterungsversuchen ausgesetzt. Die EPRDF versuche (…).”

Weiterlesen…

(Quelle: Die Zeit.)

Siehe auch:

Ethiopia: Government Repression Undermines Poll

Ethiopia election marred by intimidation, say rights group