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Afrika: Vor dem AKW-Run?

Donnerstag, Juni 6th, 2013

“Atomic Africa

Dokumentarfilm von Marcel Kolvenbach

Seit Jahren schon sind es afrikanische Staaten, die weltweit die Riege der Länder mit dem stärksten Wirtschaftswachstum anführen. Doch der neue Boom braucht Energie, Stromausfälle sind an der Tagesordnung. Immer mehr afrikanische Regierungen wollen deshalb auf Atomkraft setzen. Nach einer Prognose der Internationalen Atomenergie-Organisation IAEA sollen bis 2050 in Afrika 40 neue Atomkraftwerke gebaut werden, ganz nach dem Motto: “We want power, no arms” (“Strom statt Waffen”).

Zwei Jahre lang reiste der Filmemacher Marcel Kolvenbach durch Afrika und recherchierte im Zeichen dieser neuen afrikanischen Atompolitik – vom Osten des Kontinents nach Südafrika, weiter in den Kongo und von dort in die Sahara.

Stets nah bei den betroffenen Menschen zeigt der Filmemacher, wie sich der Konflikt um die Uranvorkommen des Kontinents verschärft. Vom Krieg in Mali bis hin zum Raubbau an der Natur in Tansania prägen die Interessen mächtiger Konzerne wie dem französischen Stromriesen Areva immer mehr das Schicksal ganzer Regionen.

Zugleich zeigt der Film eindrucksvoll, welche Folgen der Einstieg in die Atomkraft für die Umwelt und Sicherheit eines Kontinents haben dürfte, auf dem die wenigen Atomkraftgegner um ihr Leben fürchten müssen. “Atomic Africa” wird so zum politischen Road-Movie durch das nukleare Afrika (…).”

Sender:     WDR Fernsehen

Sendedatum: 06.06.2013

Sendezeit:   23:15 – 00:40 Uhr

 

(Quelle: programm.ARD.de)

UN: Was kümmert uns unser Geschwätz von gestern

Donnerstag, Februar 16th, 2012

“Resolution 487 (1981)

of 19 June 1981

The Security Council,

Having considered the agenda contained in document
S/Agenda/2280,

Having noted the contents of the letter dated 8 June 1981 from the Minister for Foreign Affairs of Iraq,54

Having heard the statements made on the subject at its 2280th through 2288th meetings,

Taking note of the statement made by the Director-General of the International Atomic Energy Agency to the Agency’s Board of Governors on the subject on 9 June 1981 and his statement to the Security Council at its 2288th meeting on 19 June 1981,

Taking note also of the resolution adopted by the Board of Governors of the Agency on 12 June 1981 on the “military attack on Iraqi nuclear research centre and its implications for the Agency”,55

Fully aware of the fact that Iraq has been a party to the Treaty on the Non-Proliferation of Nuclear Weapons56 since it came into force in 1970, that in accordance with that Treaty Iraq has accepted Agency safeguards on all its nuclear activities, and that the Agency has testified that these safeguards have been satisfactorily applied to date,

Noting furthermore that Israel has not adhered to the Treaty on the Non-Proliferation of Nuclear Weapons,

Deeply concerned about the danger to international peace and security created by the premeditated Israeli air attack on Iraqi nuclear installations on 7 June 1981, which could at any time explode the situation in the area, with grave consequences for the vital interests of all States,

Considering that, under the terms of Article 2, paragraph 4, of the Charter of the United Nations, “all members shall refrain in their international relations from the threat or use of force against the territorial integrity or political independence of any State, or in any other manner inconsistent with the purposes of the United Nations“,

1. Strongly condemns the military attack by Israel in clear violation of the Charter of the United Nations and the norms of international conduct;

2. Calls upon Israel to refrain in the future from any such acts or threats thereof;

3. Further considers that the said attack constitutes a serious threat to the entire safeguards régime of the International Atomic Energy Agency, which is the foundation of the Treaty on the Non-Proliferation of Nuclear Weapons;

4. Fully recognizes the inalienable sovereign right of Iraq and all other States, especially the developing countries, to establish programmes of technological and nuclear development to develop their economy and industry for peaceful purposes in accordance with their present and future needs and consistent with the internationally accepted objectives of preventing nuclear-weapons proliferation;

5. Calls upon Israel urgently to place its nuclear facilities under the safeguards of the International Atomic Energy Agency;

6. Considers that Iraq is entitled to appropriate redress for the destruction it has suffered, responsibility for which has been acknowledged by Israel;

7. Requests the Secretary-General to keep the Security Council regularly informed of the implementation of the present resolution.

Adopted unanimously at the 2288th meeting.

54Official Records of the Security Council. Thirty-sixth Year. Supplement for April, May and June 1981, document S/14509.
55Ibid., document S/14532
56General Assembly resolution 2373 (XXII) of 12 June 1968″

 

(Quelle: UN – SECURITY COUNCIL RESOLUTIONS – 1981.)

Iran: Phantom statt Atom

Freitag, November 11th, 2011

“IAEA Report on Iran: a further step towards war

Von Ludwig Watzal

 

Die Öffentlichkeit hat erwartungsvoll der Veröffentlichung des Berichts der Internationalen Atomenergiebehörde (IAEA) über die angeblichen Pläne Irans zum Bau von Nuklearwaffen entgegengefiebert. Um es kurz zu machen: Der Bericht ist ein peinliches politisch motiviertes Pamphlet, das der Glaubwürdigkeit der IAEA großen Schaden zufügt. Die Organisation unter ihrem Generaldirektor Yukiya Amano ist zu einem Instrument US-amerikanischer Politik herabgesunken.

Wie amerikahörig Amano ist, zeigt sein Besuch im Weißen Hause einige Tage vor Veröffentlichung des Berichtes, wie die “New York Times” vom 8. November 2011 berichtet. Wie heikel dieser Besuch von Seiten der Obama-Administration gesehen wird, zeigt die Tatsache, dass es keine Bestätigung des Besuches gab. Sollte Amano die US-Regierung vorab über den Inhalt berichten und warum? Wurden dort Ideen ausgetauscht, wie der Bericht auszusehen hat? Wie kommt es, dass nur die USA vorab in Kenntnis gesetzt werden?

Der Bericht enthält nichts Greifbares oder Konkretes, deshalb bedient er sich Worte wie “dürfte”, “könnte”, “möge” und anderer unkonkreter Floskeln. Er strotzt von Halbwahrheiten, Unterstellungen, Spekulationen, und er beruft sich auf geheime, dubiose Quellen, so genannte “Intelligence” aus einigen Mitgliedstaaten. Wer sind diese? Welche Geheimdienste haben ihr Bunkerwissen geoffenbart? Sind es die gleichen, die an der Lüge über die nigerianischen Uranlieferungen an Saddam Hussein beteiligt waren? Seit wann ist in einem demokratischen Staat “Geheimwissen” justiziabel? Ein solches ist nur vor “kangaroo courts” zugelassen. Die einzige “illegale” Aktion, die Iran begangen hat, sind Computersimulationen. Dies sei gleichbedeutend mit Nukleartests. Bravo, endlich hat der Westen den Beweis und kann ihn als casus belli missbrauchen! Und mit einer Neuigkeit wartet dieser Bericht auch noch auf: Angeblich habe der Iran noch bis 2010 an Nuklearwaffen gearbeitet, und das pakistanische A. Q. Khan-Netzwerk habe Hilfestellung beim Aufbau des Atomprogramms geleistet. Diese Unterstellung könnten die USA bei einem Überfall auf Iran benutzen, um mit Pakistan abzurechnen, das immer wieder gegen Obamas Drohnenkrieg protestiert.

Zu Recht weist Justin Raimondo von “antiwar.com” auf den Schlüssel zum Verständnis dieses fragwürdigen Berichtes hin, der sich im ersten Paragraph der Zusammenfassung findet: “While the Agency continues to verify the non-diversion of declared nuclear material at the nuclear facilities and LOFs declared by Iran under its Safeguards Agreement, as Iran is not providing the necessary cooperation, including by not implementing its Additional Protocol, the Agency is unable to provide credible assurance about the absence of undeclared nuclear material and activities in Iran, and therefore to conclude that all nuclear material in Iran is in peaceful activities.” Übersetzt in Umgangssprache heißt dies, dass Iran kein geeignetes spaltbares Material besitzt. Weil das Land nicht bereit ist, auf seine Souveränität zu verzichten und der Westen nicht seine Atomanlagen besetzen kann, sind die Aussagen des Iran nicht glaubhaft. Iran ist schuldig und muss seine Unschuld beweisen. In iranischen Fall wird die übliche Beweislast umgekehrt.

Der Westen nimmt in der Tat diesen fragwürdigen Bericht zum Anlass, massiv gegen Iran vorzugehen, obgleich seit dem letzten seriösen Bericht der 17 US-Geheimdienste aus dem Jahr 2007 kein neues Detail hinzugekommen ist. Laut diesem Bericht gilt immer noch die damalige Feststellung, dass Iran sein Atomprogramm seit 2003 nicht mehr weiter verfolge.

Nach dem Überfall auf Libyen scheint Paris Blut geleckt zu haben. Außenminister Alain Juppé forderte “Sanktionen von nie gekanntem Ausmaß” gegen Iran. Dass Israel von seinem aggressiven Konfrontationskurs nicht abgeht, versteht sich von selbst. Das Land wird den Druck mit Hilfe der “Israellobby” und des US-Kongresses auf den angeschlagenen Obama weiter erhöhen, bis er seine Einwilligung für einen Überfall auf das Land erteilen wird. Den Anfang hat die israelische Oppositionsführerin Zipi Livni bereits gemacht, die alarmistisch erklärte. “Jetzt, wo die Wahrheit vor den Augen der Welt aufgedeckt wurde, muss Israel die freie Welt mobilisieren, um den Iran zu stoppen.” Von Wahrheit finden sich in dem IAEA-Bericht allerdings nur Spurenelemente. Ein unsäglicher Mix aus “Iranian Terror Plot” und IAEA-Bericht könnte dazu beitragen, dass im Westen die Kriegsbefürworter die Oberhand gewinnen.

Der westlichen Politik liegt eine Ressentiment-geladene Grundhaltung gegenüber der islamischen Welt, insbesondere dem Iran gegenüber zugrunde: Rassismus. Gleichgültig, was der Präsident und die politische und geistliche Klasse dieses Landes auch sagen, man glaubt ihnen nicht. Alle haben versichert, dass das Land nicht nach Atomwaffen strebe und nur zivile Ziele mit seinem Nuklearprogramm verfolge, ein Besitz von Atomwaffen wurde sogar als “unislamisch” verworfen. Diese Beteuerungen hält der Westen für Lüge. Ebenso betitelt er die iranische Führung als “irrational”, “fanatisch” und “gefährlich”, obgleich das Kriegsgeschrei und die aggressiven Drohungen allesamt aus dem “rationalen” und “aufgeklärten” Westen stammen.

Solange der Westen Israel nicht zwingt, seine Atomanlagen für IAEA-Inspektoren zu öffnen, bleibt er unglaubwürdig. Anstatt sich über die israelische Verweigerungshaltung zu echauffieren, ergeht man sich in wilden Drohungen gegenüber einem Land, das gar keine Atomwaffen besitzt und besitzen will. Dieser doppelte Standard des Westens ist ebenfalls rassistisch motiviert. Darüber hinaus habe er dazu beigetragen, dass die Nichtverbreitung von Atomwaffen “lost its legitimacy in the eyes of Arab public opinion because of the perceived double standard” im Falle Israels, so der ehemalige Generaldirektor der IAEA, der Ägypter Mohamed El Baradei. Diesem wird jetzt von Seiten Israels vorgeworfen, er habe über Jahre das iranische Atomprogramm gedeckt, obgleich er es besser gewusst habe.

Wenn sich der UN-Sicherheitsrat mit diesem IAEA-Bericht befasst, sollten Russland und China den kriegswilligen Staaten des Westens ihr klares Nein, verbunden mit einer klaren Androhung von Gegenmaßnahmen, entgegensetzen. Das Gebot der Stunde lautet: Die Aggressionen, irrationalen Emotionen und Drohungen einiger verrückter Militaristen zurückzufahren, um zu verhindern, dass durch einen Überfall eine ganze Region in Flammen aufgeht, die niemand mehr eindämmen kann. Nur Verhandlungen zwischen Iran und den USA auf gleicher Augenhöhe können einen bevorstehenden Krieg noch verhindern. Dafür muss US-Präsident Obama wieder zum Ausgangspunkt seiner Präsidentschaft zurückkehren, als er für einen Neuanfang in den Beziehungen zur islamischen Welt aufrief – Präsidentschaftswahlen hin oder her. Und um noch einmal El Baradei zu zitieren: “Israel would be utterly crazy to attack Iran.” ‘

 

(Quelle: Between The Lines.)

Global: Renaissance der Atomkraft?

Freitag, Mai 13th, 2011

“Neue Kernkraft – Die Ökonomie sagt nein

Im November des vergangenen Jahres veröffentlichten Analysten der Citibank eine Studie unter dem knackigen Titel “New Nuclear – The Economics say no” (Neue Kernkraft – Die Ökonomie sagt nein, siehe https://www.citigroupgeo.com/pdf/SEU27102.pdf).

Die Zahlen der IAEA (Internationale Atomenergieagentur) zum 30.6.10 zeigen Erfreuliches: Weltweit sind im ersten Halbjahr 2010 nur zwei neue Atomkraftwerke ans Netz gegangen. Da viele der laufenden 438 AKW alt, abgenutzt und abgeschrieben sind, und deswegen in den kommenden Jahren stillgelegt werden, können auch die sieben zusätzlichen AKW-Baustellen den weltweiten Bestand nicht sichern. Der Anteil der Atomenergie an der Welt-Energieversorgung sinkt immer tiefer. Zur Zeit liegt er bei rund zwei Prozent.

Explodierende Kosten beim Bau der neuen Reaktorlinie im finnischen Olkiluoto bzw. dem französischen AKW-Standort Flamanville und die lange Bauzeit dämpften die Erwartungen der Branche auf eine “Renaissance”. 5,3 Mrd. Euro Mehrkosten sind in Olkiluoto zu erwarten, statt 2009 wird es voraussichtlich erst 2013 ans Netz gehen.

Wer sich die Liste der Länder, in denen es AKW-Neubauten gibt, genau ansieht, der stellt leicht fest: Ausbauprogramme gibt es in Ländern mit staatlicher Lenkung und Subvention der Atomkraft sowie in “Schwellenländern”, bei denen die Nutzung der Atomkraft die Möglichkeit impliziert, diese auch militärisch zu nutzen. Eine Sonderrolle spielt dabei das finnische Atomprogramm – das Land setzt auf den Stromexport.

Im ersten Halbjahr 2010 hat je ein Kernkraftwerk in Russland und in Indien den Dauerbetrieb begonnen. Eines in Frankreich wurde endgültig stillgelegt. Sieben AKW-Baustellen wurden eröffnet: vier in China, zwei in Russland und eine in Brasilien. (http://www.iaea.org/programmes/a2/index.html)

Seit dem Jahr 2000 haben in folgenden Ländern AKW-Neubauten begonnen: China (26), Russland (9), Indien (8), Südkorea (6), Japan (3), Finnland (1), Frankreich (1), Pakistan (1), Brasilien (1)”

 

(Quelle: Friedenskooperative.)

“Die iranische Gefahr”

Mittwoch, Juli 14th, 2010

Von Noam Chomsky

Eine brandgefährliche Bedrohung durch den Iran sei die schwerwiegendste außenpolitische Krise der Obama-Administration. Davon gehen weite Kreise aus. Soeben hat der US-Kongress die Sanktionen gegen den Iran verschärft – sie beinhalten noch härtere Strafen gegen ausländische Unternehmen. Auf der afrikanischen Insel Diego Garcia baut die Obama-Administration ihre Offensivkapazitäten rapide aus. Die Insel wird von Großbritannien beansprucht. Die Bevölkerung wurde vertrieben, damit die USA eine immense Basis errichten konnten – um im Mittleren Osten und in Zentralasien anzugreifen. Wie die US-Navy berichtet, wurde ein U-Boot-Begleitschiff nach Diego Garcia entsandt, um die atombetriebenen Unterseeboote – geeignet für Fernlenkwaffen -, mit Tomahawk-Raketen auszustatten  Tomahawks können zudem mit nuklearen Gefechtsköpfen ausgestattet werden. Jedes dieser U-Boote, so heißt es, besitze die Schlagkraft eines typischen Kampfverbandes mit Trägerschiff (carrier battle group). Die Zeitung ‘Sunday Herald’ (Glasgow) gelangte in den Besitz eines Frachtbriefes der US-Navy, aus dem hervorgeht, dass zu den wichtigsten militärischen Rüstungsgütern, die Obama verschickt hat, auch so genannte ‘Bunkerknacker’ (‘bunker busters’) gehören, die eingesetzt werden, um harte, unterirdische Strukturen in die Luft zu jagen. Sie sind die stärksten Bomben im Arsenal – abgesehen von den Atomwaffen. Die Planungen für die ‘massiv schlagkräftigen Penetratoren’ waren bereits von der Bush-Administration in die Wege geleitet worden. Allerdings hatte sich die Sache in die Länge gezogen. Kaum war Obama im Amt, beschleunigte er die Umsetzung. Diese Waffen sollen nun einige Jahre früher verlegt werden als geplant und sind speziell gegen den Iran gerichtet.

Dan Plesch, Direktor des ‘Center for International Studies and Diplomacy’ an der University of London, sagt: ‘Die Aufrüstung wird total beschleunigt, um den Iran zu zerstören’. Und weiter: ‘Schon heute sind US-Bomber und -Langstreckenraketen in der Lage, 10 000 Ziele im Iran binnen weniger Stunden zu zerstören’, so Plesch. ‘Die Feuerkraft der US-Streitkräfte hat sich seit 2003 vervierfacht’. Unter Obama hat sich diese Entwicklung beschleunigt.

Die arabische Presse berichtet, dass eine amerikanische Flotte (inklusive eines israelischen Schiffes) durch den Suezkanal gekreuzt sei und sich nun auf dem Weg in den Persischen Golf befinde. Sie habe die Aufgabe, ‘die Sanktionen gegen den Iran umzusetzen und die Schiffe in den Iran und aus dem Iran zu kontrollieren’. In britischen und israelischen Medien wird berichtet, dass Saudi-Arabien einen Luftkorridor für israelische Bombenflüge gegen den Iran zur Verfügung stellen will (was von Saudi-Arabien bestritten wird). Der Vorsitzende des US-Generalstabs ( ‘Joint Chiefs of Staff’ (JCS)), Admiral Michael Mullen, hat soeben Afghanistan besucht, um den Nato-Verbündeten zu versichern, dass die USA nicht von ihrem Kurs abrücken werden – nachdem General McChrystal durch seinen Vorgesetzten General Petraeus, ersetzt worden ist. Danach machte Mullen noch einen Abstecher nach Israel, um sich mit dem Generalstabschef der IDF, Gabi Ashkenazi und weiteren hochrangigen Militärs sowie mit Geheimdienst- und Planungseinheiten zu treffen. Dies fand im Rahmen des alljährlichen Strategiedialogs zwischen Israel und den USA, in Tel Aviv, statt. Im Mittelpunkt des Treffens standen, so die ‘Haaretz’, ‘Vorbereitungen, die sowohl Israel als auch die USA’, treffen würden, ‘hinsichtlich eines Irans mit möglicherweise nuklearen Kapazitäten’. Wie die ‘Haaretz’ berichtet, habe Mullen betont: ‘Ich versuche, Herausforderungen immer aus israelischer Sicht zu sehen’. Mullen und Ashkenazi stehen in regelmäßigem Kontakt zueinander und verfügen über eine sichere Leitung.

Die zunehmenden Drohungen mit einer Militäraktion gegen den Iran stellen natürlich einen Verstoß gegen die Charta der Vereinten Nationen dar. Insbesondere verstoßen sie gegen UN-Sicherheitsratsresolution 1887, die im September 2009 verabschiedet wurde. Sie bekräftigt jenen an alle Staaten gerichteten Appell, Atomstreitigkeiten friedlich beizulegen – gemäß der Charta der Vereinten Nationen, die den Einsatz von Gewalt, aber auch DIE DROHUNG mit Gewalt, verbietet.

Mehrere renommierte Analysten schildern die angebliche iranische Bedrohung in einer geradezu apokalyptischen Begrifflichkeit. So warnt Amitai Etzioni: ‘Die USA müssen den Iran konfrontieren oder den Mittleren Osten aufgeben’ – darunter geht es nicht. Falls das Atomprogramm des Iran Fortschritte mache, so betont Etzioni, würden sich die Türkei, Saudi-Arabien und weitere Staaten auf die neue iranische ‘Supermacht zubewegen’. Etwas weniger aufgeregt könnte man es auch so formulieren: Vielleicht würde sich ein regionales Bündnis herausformen, das unabhängig wäre von den USA. Im amerikanischen Armeejournal ‘Military Review’ drängt Etzioni auf einen Angriff der USA – nicht nur gegen iranische Nuklearanlagen sondern auch gegen die nicht nuklearen Militäranlagen und gegen die Infrastruktur (sprich: gegen die Zivilgesellschaft). ‘Eine Militäraktion dieser Art wäre das Gleiche wie Sanktionen – (sie würde) ‘Schmerzen’, mit dem Ziel einer Verhaltensänderung, verursachen – allerdings durch sehr viel mächtigere Mittel’, so Etzioni.

Lassen wir die grauenhafte Sprache einmal beiseite und fragen uns: Worin besteht die Bedrohung durch den Iran eigentlich? Eine maßgebliche Antwort liefert eine Studie des ‘International Institute of Strategic Studies’ vom April 2010. Sie trägt den Titel: ”Military Balance 2010′. Zweifellos stellt das brutale klerikale Regime des Iran eine Gefahr für seine eigene Bevölkerung dar. Allerdings rangiert es in dieser Hinsicht nicht sonderlich weit oben auf der Skala, verglichen mit anderen (Regimen) in der Region, die Verbündete der USA sind. Doch darum geht es dem oben erwähnten Institut nicht. Vielmehr macht es sich Sorgen, ob der Iran der Region und der Welt gefährlich werden könnte.

Die Studie stellt klar, dass vom Iran keine militärische Gefahr ausgeht. Die iranischen Militärausgaben seien ‘relativ niedrig – im Vergleich zu denen der restlichen Region’ – und betragen nur 2 Prozent dessen, was Amerika in dieser Hinsicht ausgibt. Die iranische Militärdoktrin sei strikt ‘defensiv…. darauf abzielend, eine Invasion abzubremsen und bei Hostilitäten diplomatische Lösungen durchzusetzen’. Der Iran sei ‘nur eingeschränkt fähig, jenseits seiner Grenzen Gewalt einzusetzen’. Was die nuklearen Möglichkeiten des Iran angeht, heißt es in der oben erwähnten Studie: ‘Das iranische Atomprogramm und der Wille (des Iran), sich die Möglichkeit offen zu halten, Atomwaffen zu entwickeln, sind ein zentraler Bestandteil seiner Abschreckungsstrategie’.

Der Iran stellt also keine militärische Gefahr dar. Das heißt jedoch noch lange nicht, dass Washington ihn tolerieren kann. Mit seinem Abschreckungspotential übt der Iran eine illegitime Souveränität aus, die den globalen Zielen der USA in die Quere kommt. Vor allem gefährdet es die Kontrolle der USA über die Energieressourcen des Mittleren Ostens – denen (US-)Planer schon seit dem Zweiten Weltkrieg hohe Priorität einräumen, da sie die ‘substantielle Kontrolle über die Welt’ garantieren, wie A. A. Berle, eine dieser einflussreichen Figuren, einmal als Ratschlag angeführt hat.

Aber die Bedrohung durch den Iran geht nicht allein von dessen Abschreckungspotential aus. Der Iran versucht, seinen Einfluss auszuweiten. In der oben genannten Studie wird dies so formuliert: Der Iran ‘destabilisiert’ die Region. Wenn die USA in Nachbarstaaten des Iran einmarschieren und sie militärisch besetzen, nennt man das ‘Stabilisierung’. Wenn der Iran seinen Einfluss auf Nachbarländer auszudehnen versucht, ist das ‘Destabilisierung’ und schlichtweg illegal. An dieser Stelle ist anzumerken, dass diese vielsagende Wahl der Begriffe bereits Routine ist. So gebrauchte der prominente außenpolitische Analyst James Chace (ein ehemaliger Redakteur des wichtigsten Journals des Establisments: ”Foreign Affairs’), den Begriff ‘Stabilität’ technisch durchaus korrekt, als er erläuterte, man müsse Chile ‘destabilisieren’ (indem man die gewählte Regierung Allende stürzt und die Pinochet-Diktatur installiert), um für das Land ‘Stabilität’ zu erreichen.

Was die Verbrechen des Iran angeht, so heißt es in der oben genannten Studie weiter, der Iran unterstütze den Terrorismus, indem er den wichtigsten politischen Kräften (falls Wahlen überhaupt zählen) im Libanon und in Palästina – nämlich Hisbollah und Hamas – den Rücken stärke. Bei den letzten allgemeinen Wahlen im Libanon (2009) konnte das Bündnis rund um die Hisbollah einen bequemen Sieg heimfahren. Die Hamas gewann 2006 die Wahlen in Palästina. Die USA und Israel sahen sich daraufhin gezwungen, eine harsche und brutale Belagerung über Gaza zu verhängen – um jene ‘Kretins’ zu bestrafen, weil sie bei einer freien Wahl falsch gewählt hatten. Es war die einzige relativ freie Wahl in der arabischen Welt. Wenn die Eliten durch Meinungsäußerungen zum Ausdruck bringen, dass sie sich durch Demokratie bedroht fühlen und etwas dagegen unternehmen, ist das normal. Doch dies (Gaza) ist ein reichlich krasser Fall – vor allem angesichts der massiven Unterstützung der USA für die Diktaturen in der Region und angesichts Obamas Lobhudelei für den brutalen ägyptischen Diktator Mubarak, während Obamas Reise nach Kairo, um seine berühmte Rede an die muslimische Welt zu halten.

Die terroristischen Aktivitäten, die der Hamas bzw. der Hisbollah zugeschrieben werden, verblassen im Vergleich mit dem amerikanisch-israelischen Terror in der Region. Dennoch sollte man einen Blick darauf werfen.

Am 25. Mai feiert der Libanon seinen Nationalfeiertag – den ‘Tag der Befreiung’. Man gedenkt des israelischen Rückzugs aus dem Südlibanon, der nach 22 Jahren erfolgt war. Dieser Rückzug war das Resultat des Hisbollah-Widerstands. Israelische Autoritäten (wie Ephraim Sneh) sprechen in diesem Zusammenhang von ‘iranischer Aggression’ gegen Israel – im israelisch besetzten Libanon. Auch das entspricht dem normalen imperialen Sprachgebrauch. Präsident John F. Kennedy verurteilte den ‘Angriff von Innen – (und) der wird vom Norden manipuliert’. Damit war der Angriff des südvietnamesischen Widerstands gegen Kennedys Bomber, gegen die chemische Kriegsführung, gegen die Vertreibung vietnamesischer Bauern (in Lager, die praktisch Konzentrationslager waren) und andere gutartige Maßnahmen dieser Art gemeint. Selbst Kennedys damaliger UN-Botschafter Adlai Stevenson, ein Held der Liberalen, kritisierte die ‘interne Aggression’. Wenn also Nordvietnamesen ihre Landsleute im von den USA besetzten Süden unterstützten, war das ‘Aggression’ und daher eine nicht zu tolerierende Einmischung in Washingtons gerechte Mission. Auch die Kennedys-Berater, Arthur Schlesinger und Theodore Sorenson, die als Tauben galten, priesen Washingtons Intervention, um die ‘Aggression’ in Südvietnam zurückzuwerfen. Diese so genannte ‘Aggression’ wurde vom indigenen Widerstand durchgeführt (was die beiden Berater wissen mussten – zumindest, wenn sie die Berichte des amerikanischen Geheimdienstes lasen). 1955 gab der amerikanische Generalstab (JCS) mehrere Definitionen von ‘Aggression’ heraus, darunter die Definition für ‘Aggression ohne Waffen, wie zum Beispiel politische Kriegsführung oder Subversion’. Wenn es im Innern eines Landes zum Aufstand gegen einen von den USA verordneten Polizeistaat kommt, ist das so ein Beispiel – oder eben jene Wahlen mit dem falschen Ergebnis. Auch in Akademikerkreisen und in politischen Kommentaren ist dieser Sprachgebrauch normal. Er macht auch Sinn – unter der vorherrschenden Annahme, dass Wir Die Welt Besitzen.

Die Hamas widersetzt sich der israelischen Militärbesatzung und den illegalen, brutalen Aktionen der Israelis in den besetzten Gebieten. Man wirft der Hamas vor, sie anerkenne Israel nicht  (politische Parteien pflegen keine Staaten anzuerkennen). Dagegen verweigern die USA und Israel nicht nur die Anerkennung Palästinas, sondern sorgen seit Jahrzehnten dafür, dass Palästina nicht wirklich Gestalt annehmen und somit existieren kann; das Wahlprogramm der israelischen Regierungspartei von 1999 schließt die Existenz eines Palästinenserstaates aus.

Man wirft der Hamas vor, Raketen auf israelische Grenzsiedlungen abzufeuern. Das sind zweifellos kriminelle Akte. Allerdings entsprechen sie nur einem Bruchteil dessen, was Israel Gaza an Gewalt antut (von anderen Orten ganz zu schweigen). An dieser Stelle ist es wichtig, im Hinterkopf zu behalten, dass die USA und Israel sehr genau wissen, wie sie jenen Terror stoppen könnten, den sie so leidenschaftlich bejammern. So gibt Israel offiziell zu, dass 2008 keine Hamas-Raketen gegen Israel abgefeuert wurden, solange Israel den Waffenstillstand mit der Hamas, zumindest teilweise, einhielt. Israel lehnte das Angebot der Hamas ab, diesen Waffenstillstand zu erneuern und zog es vor, die mörderische, zerstörerische ‘Operation Bleigießen’ (Operation Cast Lead) gegen Gaza durchzuführen. Das war im Dezember 2008. Die USA standen ohne Wenn und Aber hinter dieser überschäumend mörderischen Aggression – für die es nicht die geringste glaubwürdige rechtliche oder moralische Rechtfertigung gab.

Innerhalb der muslimischen Welt stellt die Türkei das Demokratiemodell dar – wenngleich mit ernsthaften Mängeln behaftet. Die Wahlen in der Türkei sind relativ frei. Die Türkei wurde/wird von den USA harsch kritisiert. Der extremste Fall war wohl, als die türkische Regierung sich weigerte, beim Einmarsch in den Irak mitzumachen und damit der Haltung von 95% ihrer Bevölkerung Rechnung trug. Die Türkei erntete harsche Kritik aus Washington: Sie habe nicht begriffen, wie eine demokratische Regierung sich verhalten soll, hieß es. Schließlich verstehen wir unter Demokratie, dass der Meister die Politik bestimmt und nicht die (fast einstimmige) Meinung des Volkes.

Erneut zog sich die Türkei den Zorn der US-Regierung zu – diesmal unter Obama – als sie, gemeinsam mit Brasilien, einen Deal mit dem Iran arrangierte, mit dem Ziel, die iranische Urananreicherung einzuschränken. Obama hatte diese Initiative in einem Brief an den brasilianischen Präsidenten Lula da Silva gelobt – offensichtlich in der Annahme, sie würde scheitern und dieses Scheitern wäre eine Propagandawaffe gegen den Iran. Als die Initiative allerdings erfolgreich war, rasten die USA vor Zorn und beeilten sich, die Initiative zu untergraben, indem sie im UN-Sicherheitsrat eine Resolution durchdrückten, die neue Sanktionen gegen den Iran enthielt und so bedeutungslos war, dass China fröhlich mitmachte (unter der berechtigten Annahme, dass die Sanktionen allenfalls den westlichen Interessen schaden würden (im Wettbewerb mit China um iranische Ressourcen)). Wieder einmal hatte Washington frontal agiert – um sicherzustellen, dass niemand sich in die Kontrolle der USA über diese Region einmischt.

Es war nicht überraschend, dass die Türkei (und Brasilien) im Sicherheitsrat gegen die US-Sanktionen stimmte. Der Libanon, das zweite Land aus der Region mit einem Sitz im Sicherheitsrat, enthielt sich der Stimme. Diese Aktionen konsternierten Washington zusätzlich. Philip Gordon, Top-Diplomat der Obama-Regierung für europäische Angelegenheiten, warnte die Türkei, ihre Handlungsweise würde in Amerika nicht verstanden werden. Die Türkei müsse nun ‘demonstrieren, dass sie zu einer Partnerschaft mit dem Westen’ stehe, so Associated Press (AP). Dies sei eine ‘selten harte Rüge gegen einen entscheidenden Nato-Bündnispartner’ gewesen, so AP.

Auch bei der politischen Klasse ist der Groschen gefallen. Für Steven A. Cook – Akademiker, des ‘Council on Foreign Relations -‘, lautet die kritische Frage: ‘Wie können wir die Türken im Zaum halten?’ Damit sie – wie gute Demokraten – Befehle befolgen. Eine Schlagzeile der ‘New York Times’ brachte die weit verbreitete Stimmung auf den Punkt: ‘Iran Deal Seen As Spot on Brazilian Leader’s Legacy’ (Iran-Deal wird als Makel im Vermächtnis des brasilianischen Regierungschefs betrachtet). Oder anders gesagt: Tu’, was wir dir sagen, oder…

Nichts weist darauf hin, dass andere Länder in der Region die US-Sanktionen mehr begrüßen würden als die Türkei. Vor kurzem trafen sich Vertreter des Iran und des gegenüberliegenden Nachbarn Pakistan in der Türkei und unterzeichneten ein Abkommen über eine neue Pipeline. Noch mehr beunruhigen dürfte Amerika allerdings die Tatsache, dass diese Pipeline bis nach Indien führen könnte. 2008 unterzeichneten die USA mit Indien einen Vertrag, in dem die USA eine Förderung des indischen Atomprogramms – und indirekt auch des indischen Atomwaffenprogramms – zusagen. Damit wollte Amerika erreichen, dass Indien sich nicht an eben dieser Pipeline  beteiligt – meint Südostasien-Berater Moeed Yusuf, der für das ‘United States Institute of Peace’ tätig ist. Diese Sicht ist weit verbreitet. Indien und Pakistan sind zwei von drei Atommächten (der dritte ist Israel), die sich weigern, dem Atomwaffensperrvertrag (NPT) beizutreten. Alle Drei haben ihre Atomwaffen mit amerikanischer Unterstützung entwickelt – und diese Unterstützung dauert weiter an.

Kein Mensch mit gesundem Menschenverstand wünscht sich, dass der Iran Atomwaffen entwickelt – oder irgend ein anderes Land. Ein offensichtlich möglicher Weg, um diese Gefahr zu reduzieren oder gar zu eliminieren, wäre die Einrichtung einer Atomwaffenfreien Zone (Nuclear Weapons Free Zone (NWFZ)) im Nahen/Mittleren Osten. Auf der Konferenz zum Atomwaffensperrvertrag Anfang Mai 2010, die im Hauptsitz der Vereinten Nationen stattfand, kam das Thema (erneut) zur Sprache. Ägypten hat derzeit den Vorsitz der 118 Blockfreien Staaten und schlug in dieser Funktion vor, die Konferenz solle einen Plan unterstützen, der zur Aufnahme von Verhandlungen über eine NWFZ im Nahen/Mittleren Osten im Jahr 2011 aufrufen würde. Der Westen – einschließlich die USA – hatte einer solchen Zone bereits 1995, auf der damaligen Review-Konferenz zum Atomwaffensperrvertrag, zugestimmt.

Formal hält sich Washington an seine Zusage, verlangt allerdings, dass Israel ausgeklammert wird – und deutete nicht an, dass es sich selbst angesprochen fühlt. Auf der Konferenz zum Atomwaffensperrvertrag sagte Außenministerin Hillary Clinton, die Zeit für eine solche Zone sei noch nicht reif. Gleichzeitig bestand Washington darauf, dass kein Antrag, der von Israel verlangt, sein Atomwaffenprogramm unter die Aufsicht der Internationalen Atomenergieaufsichtsbehörde (IAEA) zu stellen, zu akzeptieren sei. Ebenso wenig akzeptabel sei ein solcher Antrag, wenn er an die Unterzeichner des Atomwaffensperrvertrages (vor allem aber an die USA), appelliere, Informationen über ‘Israels Atomanlagen und -Aktivitäten, einschließlich Informationen über Atomlieferungen an Israel, die in jüngster Zeit erfolgten’, preiszugeben. Obamas Taktik, solchen Dingen aus dem Weg zu gehen, besteht darin, die Position Israels zu übernehmen. Und die sieht so aus: All diese Vorschläge sind davon abhängig, ob ein umfassendes Friedensabkommen zustande kommt – etwas, das Amerika bis in alle Ewigkeit hinauszögern kann (wie es das in den letzten 35 Jahre getan hat (mit einigen wenigen, zeitlich begrenzten Ausnahmen)).

Zur gleichen Zeit, so berichtete AP, rief Yukiya Amano, der Chef der Internationalen Atomenergieaufsichtsbehörde (IAEA), die Außenminister der 151 Mitgliedsstaaten dazu auf, ihre Meinung zu sagen, wie man eine Resolution zustande bringen könnte, die Israel dazu auffordert, dem Atomwaffensperrvertrag beizutreten und seine Nuklearanlagen für die Inspektionen der IAEA zu öffnen.

Wenig berichtet wird allerdings darüber, dass die USA und Großbritannien bereits die Sonderverpflichtung eingegangen sind, sich für die Einrichtung einer Atomwaffenfreien Zone im Nahen/Mittleren Osten einzusetzen. Es war vor dem Irak-Einmarsch 2003. Beim Versuch, den Einmarsch – notdürftig – legal abzusichern, beriefen sie sich auf die Sicherheitsratsresolution 687 aus dem Jahr 1991, mit der der Irak zur Beendigung der Entwicklung von Massenvernichtungswaffen aufgefordert wurde. Später behaupteten die USA und Großbritannien, dies nicht getan zu haben. Wir brauchen uns hier nicht mit ihren Ausflüchten abzugeben. Jedenfalls verpflichtet die Resolution alle Unterzeichner dazu, sich für eine Atomwaffenfreie Zone (NFWZ) im Nahen/Mittleren Osten einzusetzen.

Nebenbei sei noch erwähnt, dass die Atomwaffenfreie Zone (NFWZ), die von der Afrikanischen Union eingerichtet wurde, untergraben wird, indem die USA trotzig auf die Stationierung von Atomwaffen auf der Insel Diego Garcia beharren. Ebenso blockiert Amerika eine NFWZ im Pazifik, weil es seinen ‘Dependance’-Inseln nicht gestattet, bei einer solchen Zone mitzumachen. Obamas rhetorische Verpflichtung zu atomaren Abrüstung wurde sehr gelobt – er bekam sogar den Friedensnobelpreis. Ein praktischer Schritt in diese Richtung wäre die Einrichtung von Atomwaffenfreien Zonen. Eine weitere Option wäre die Streichung der Unterstützung für die Atomprogramme jener drei Staaten, die den Atomwaffensperrvertrag nicht unterzeichnet haben (Israel, Pakistan, Indien). Doch wie so oft, sind Worte und Taten zwei Paar Stiefel. In diesem Fall handelt es sich sogar um ein gegensätzliches Paar Schuhe. Doch diese Tatsachen finden wenig Gehör.

Anstatt die eigentliche, große Gefahr (Weiterverbreitung von Atomwaffen) mit praktischen Schritten zu verringern, unternehmen die USA große Schritte, um ihre Kontrolle über die vitalen, Öl produzierenden Regionen im Mittleren Osten zu verstärken. Und wenn kein anderes Mittel hilft, werden sie es mit Gewalt tun. Sie müssen es tun. Das ist verständlich und sogar sinnvoll –  vorausgesetzt, man glaubt an die vorherrschende Imperialdoktrin.


Noam Chomsky
Noam Chomsky ist Professor für Linguistik am Massachusetts Institute of Technologie (MIT) und hat in den 60er Jahren die Vorstellungen über Sprache und Denken revolutioniert. Zugleich ist er einer der prominentesten und schärfsten Kritiker der gegenwärtigen Weltordnung und des US-Imperialismus.

Orginalartikel: The Iranian Threat
Übersetzt von: Andrea Noll”

 

(Quelle: ZNet.)

Iran: Uran-Anreicherung außer Landes

Montag, Mai 17th, 2010

“Iran will Uran in der Türkei austauschen

Atomstreit: Die überraschende Vereinbarung zwischen Iran, Brasilien und der Türkei macht es für die USA schwieriger, härtere Sanktionen durchzusetzen

Die Durchsetzung schärferer Sanktionen gegen Iran, für die sich die USA im UN-Sicherheitsrat stark machen, werden nach diesem Überraschungsmanöver schwieriger. Wie der iranische Außenminister heute morgen mitteilte, hat sich Iran nach längeren Verhandlungen mit hohen Regierungsvertretern Brasiliens und der Türkei darauf geeinigt, 1200 Kiliogramm schwach angereichertes Uran in der Türkei gegen 120 Kilogramm höher angereicherte Brennelemente zu tauschen. Der Umtausch würde damit Bedingungen erfüllen, die von der IAEA bereits vorgeschlagen wurden. Iran hatte sich bislang geweigert, dem Umtausch auf russischem oder französischen Boden zuzustimmen.

Innerhalb einer Woche, erklärte Außenminister Manutschehr Mottaki, werde man einen Brief mit allen nötigen Details der Vereinbarung an die Internationale Atomenergiebehörde (IAEA) schicken. Man werde die Behörde darum bitten, Personal in der Türkei abzustellen, um die Sicherheit des dort deponierten iranischen Urans zu gewährleisten. Sollten ‘Russland, Frankreich, die USA und die IAEA’ auf den Vorschlag positiv reagieren, so Mottaki, würde man weitere Details schriftlich ausarbeiten. Iran würde dann das schwach angereicherte Uran binnen eines Monats in die Türkei schaffen. Der Westen soll die 120 Kilogramm höher angereichertes Uran dann in spätestens einem Jahr bereitstellen. Sollten die Abmachungen nicht eingehalten werde, werde man die Türkei veranlassen, das iranische Uran sofort zurückzuschicken.

Darüberhinaus verwies der iranische Außenminister erneut darauf, dass (…).”

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(Quelle: Telepolis.)