Posts Tagged ‘Islamismus’

BRD: Überall Fundis

Donnerstag, Mai 31st, 2012

“Wird Deutschland islamisch?

Von Wolfgang Brauer

Scharia

»Scharia«
(Plakat: Inamo.)

In den letzten Wochen verteilten Angehörige der wohl konservativsten Strömung des Islam, der Salafisten, in einigen deutschen Großstädten kostenlos Exemplare des Koran. Salafisten zeichnen sich dadurch aus, dass sie den Koran und die Sunna (die Summe der beispielgebenden Taten des Propheten in allen Lebensbereichen) als einzige Richtschnur menschlichen Handelns akzeptieren und keinerlei „moderne‟ oder gar wissenschaftlichen Maßstäben genügende Auslegung beider zulassen. Salafisten sind durchweg religiöse Fundamentalisten. Solch Fundamentalismus gibt es in allen Religionen. Auch im modernen Deutschland findet man Gegenden, in denen eine „Mischehe‟ gleichsam als Sünde gilt. Gemeint sind hier nicht Verbindungen zwischen einer Bayerin und einem Vietnamesen – gemeint sind solche zwischen Protestanten und Katholiken „deutscher Herkunftssprache‟. Die katholische Kirche verweigert Wiederverheirateten Geschiedenen immer noch die Kommunion und seitens der evangelischen Theologie wird nach wie vor der schützende Madonnenmantel über dem Sakrament der Neugeborenentaufe ausgebreitet. Wenn das man kein Fundamentalismus ist …

Kaum erschienen nun die bärtigen Gottesstreiter auf den deutschen Marktplätzen, ging ein großes Feldgeschrei los. Die üblichen Bannerträger der abendländischen Werte witterten die brutalstmögliche Islamisierungskampagne und die wachsame Medienlandschaft brodelte auf. Die Salafisten – in Deutschland gibt es höchsten zwischen 3.000 und 5.000 – wird es gefreut haben. Schien dies doch der wahrhaft handgreifliche Beleg dafür zu sein, dass schon die bloße Berührung des heiligen Buches der Muslime zur Konversion führe. Gewalttätige Auseinandersetzungen waren nur noch ein Frage der Zeit und sie kamen dann auch nicht zufällig im Vorfeld der NRW-Wahlen. „Die Politik‟ reagierte wie gewohnt mit grobem Kaliber. Bundesinnenminister Hans-Peter Friedrich (CSU) schwadronierte von einer ideologischen Nähe der Koran-Freunde zu al-Quaida – über deren geistige Nähe und mögliche Finanzierungsströme zum und vom wahabitischen Saudi-Arabien wird gleichsam ein dicker Teppich öligen Schweigens gelegt; al-Quaida rief übrigens kürzlich zum Sturz des saudischen Regimes nach dem Beispiel des „arabischen Frühlings‟ auf. In der Rheinischen Post erklärte Friedrich martialisch: (…)”

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(Quelle: Das Blättchen.)

Algerien: Revolutionsfeiern…

Sonntag, Mai 20th, 2012

“Boualem Sansal [Algerien]: Wo die Welt aufhört, fängt Algerien an

Eine Annäherung an den Friedenspreisträger des deutschen Buchhandels 2011

Von Regina Keil-Sagawe

“Und so entdeckte ich, dass man den Krieg nur am Frieden, zu dem er führt, erkennt, so wie man den Baum an seiner Frucht erkennt. Wenn der Krieg nicht zu einem besseren Frieden führt, dann ist es kein Krieg, sondern blanke Gewalt, die man Gott und der Menschheit antut und die, immer finsterer, immer feiger, immer neu ausbrechen wird, um jene zu strafen, die ihn begonnen haben, ihn aber nicht zu führen und zu beenden wussten, wie ein Krieg enden muss: mit einem besseren Frieden für alle.”

Ob die Jury, die Boualem Sansal im Juni 2011 den Friedenspreis des Deutschen Buchhandels zuerkannt hat, wohl vorab einen Blick geworfen hat in das Manuskript seines jüngsten Romans, der im August 2011 in Paris erschienen ist und den Bogen über drei Generationen Krieg und Frieden spannt?

Wie ein warnendes Fanal zum Arabischen Frühling klingen die Zeilen aus Boualem Sansals sechstem Roman, Rue Darwin, einer prallen algerischen Familiensaga, die von den 1930er Jahren bis in die Gegenwart reicht und im Kern aus einer Meditation über den Krieg besteht, über all die Kriege und Vertreibungen, Repressionen und Revolten, die der algerische Autor, Jahrgang 1949, miterlebt hat und die ihn spät, doch mit umso größerem Eklat, zur Literatur geführt haben.

Diese war ihm nicht in die Wiege gelegt, die in Teniet el-Had, einem kleinen Bergdorf zwischen Zedernnationalpark und Sahara stand, über 200 km südwestlich von Algier. Er wächst vaterlos mit drei Brüdern im nahen Vialar (heute Tissemsilt) auf; 1956 zieht die Familie nach Algier um, in eben die “Rue Darwin” im Arme-Leute-Viertel Belcourt, in der auch Camus mit seiner Mutter lebte und die Sansals neuem Roman den Titel gab; 1972 macht er sein Diplom in Maschinenbau, promoviert 1975 zum Industrieökonom, wird Hochschuldozent, Wirtschaftsberater und Unternehmenschef; bekleidet ab 1992 diverse hohe Posten im algerischen Handels- und Industrieministerium, im Wirtschafts- und Sozialrat. Und lebt seit Jahrzehnten in Boumerdès, einem kleinen Küstenort östlich von Algier, zwischen Wäldern, in denen sich bis heute versprengte Terroristen tummeln, und Stränden, von denen algerische Bootsflüchtlinge nach Europa aufbrechen.

Dort, in Boumerdès, lernt er auch Rachid Mimouni (1945–1995) kennen, den Romancier, der zum 20. Jahrestag der algerischen Revolution mit seinem Roman Le fleuve détourné (1982; dt. 2001: Der Fluß nahm einen anderen Lauf) eine zynische Bilanz der Unabhängigkeit vorlegt und Sansal immer wieder zum Schreiben ermutigt. Doch erst 1996, ein Jahr nach Mimounis tragischem Tod im marokkanischen Exil, greift Sansal tatsächlich zur Feder. Und wer ihn liest, möchte meinen, er führe Mimounis Vermächtnis fort. Den Impuls zum Schreiben gibt der furchtbare Bürgerkrieg, jener “Krieg der Cliquen und Clans”, der von 1992 bis 1999 in Algerien wütet und über 200 000 Opfer fordert. “Ich musste einfach reagieren”, so Sansal, “die Gewalt war unerträglich.”

Eine Gewalt, die, lange angestaut, sich eruptiv in Sansals voluminösen Erstling ergießt, den Politkrimi Der Schwur der Barbaren (Merlin 2003, Übers. Regina Keil-Sagawe), die “vulkanische Selbstfindung eines Schriftstellers”, wie Peter von Matt in seiner Laudatio in der Paulskirche anmerkt. In sich türmenden Satzkaskaden lässt Sansal ein bildersprühendes, erfahrungsgesättigtes Fresko Algeriens erstehen: ein satirisches Porträt von Justiz und Industrie, Bildungssektor und Gesundheitswesen; ein pittoreskes Panorama algerischer Dörfer, Städte und Landschaften; ein flirrendes Potpourri historischer Mythen und Legenden – Bestandsaufnahme eines versunkenen, sich selbst den Todesstoß versetzenden Algerien.”So schnell und so brillant ist selten ein historisches Drama in Literatur aufgegangen”, schrieb die FAZ über den Schwur der Barbaren, der mit Omar Sharif nach einem Drehbuch von Jorge Semprún verfilmt worden ist.

Sogar ins Arabische wurde er übersetzt. Doch während Frankreichs Literaturwelt den 50-jährigen Senkrechtstarter, von dem man bislang nur Texte über Turboreaktoren und Produktivitätssteigerung kannte, als Erneuerer der französischen Sprache feiert, wird er in Algerien als Kolonialnostalgiker gerügt, 1999 beurlaubt und 2003, nach harscher Regimekritik – er hatte vorgeschlagen, den Religionsunterricht an den Schulen abzuschaffen – von seinem Posten als Generaldirektor im Industrieministerium entbunden. Was seiner literarischen Produktivität indes keinen Abbruch tut: “Eine Sturzflut, die wohl tut. Buch für Buch legt er erst unsere Narben frei und verbindet dann unsere Wunden”, so charakterisierte ihn im August 2011 die algerische Tageszeitung El Watan. “Seine Monster sind die unseren: ein hybrides Regime und Mörder, die im Namen Allahs Kehlen aufschlitzen. Und die bisweilen in eins verschmelzen.”

Wenn Albert Memmi (*1920), der große tunesische Soziologe, 2004 in seinem Portrait du décolonisé betont, “einem Volk die Wahrheit zu sagen, heißt nicht, sein Elend zu vergrößern, selbst wenn andere das hören und sich zunutze machen können, sondern im Gegenteil, es zu achten und ihm zu helfen”, so hat Boualem Sansal genau das umgesetzt: Roman für Roman, Essay für Essay seziert er den Filz aus Polit- und Finanzmafia, der die Algerier um die Früchte ihrer Revolution betrügt, präsentiert er Gegenentwürfe zum Diktat einer ethnisch und religiös, sprachlich und kulturell gesäuberten Identität, auf einer Linie mit Assia Djebar (*1936), Anouar Benmalek (*1956) oder Kateb Yacine (1929–1989), dem verfemten Kultautor, von dem der berühmte Slogan stammt, der bis heute vielen Algeriern aus der Seele spricht:”Ni Arabe ni musulman, mais Berbère et rebelle / weder Araber noch Muslim, sondern Berber und Rebell”.

So lässt er im Essay Petit éloge de la mémoire. Quatre mille et une années de nostalgie (Kleines Lob der Erinnerung, 2007) seinen imaginären Ich-Erzähler durch vier Jahrtausende algerischer Geschichte geistern, räumt er im Essay Postlagernd: Algier. Zorniger und hoffnungsvoller Brief an meine Landsleute (Merlin 2008, Übers. Ulrich Zieger) mit den “nationalen Konstanten” auf, jener (R)Einheit von Rasse, Religion und Sprache, die das Regime den Algeriern übergestülpt hat wie eine Zwangsjacke. Poste restante: Alger, das als Reaktion auf die umstrittene Generalamnestie von 2005 entstand, die den Terroristen der 1990er Straffreiheit einräumt und alles mit dem Mantel des Schweigens zudeckt, unterliegt in Algerien der Zensur. Sansal, der gegen die “Blockade des Denkens” anschreibt, hat es wohl schon so kommen sehen: “Am besten ist es, nichts zu schreiben und schon gar nicht das, was alle denken.” Jenen schrankenlosen Gedankenaustausch, zu dem er in seinen Essays aufruft, demonstriert Sansal quasi live in seinen Romanen, Wälzern von überbordender Fabulierlust. 2000 erscheint Das verrückte Kind im hohlen Baum (Merlin, Übers. Riek Walther), der Dialog zweier Todeskandidaten, eines Algerienfranzosen und eines Islamisten, in einem Gefängnis im algerischen Süden; 2003 dann Erzähl mir vom Paradies (Merlin 2004, Übers. Regina Keil-Sagawe), ein vielstimmiger Bar- und Bistro-Roman, der ein Algerien zwischen Traum und Alptraum skizziert; schließlich Harraga (Merlin 2007, Übers. Riek Walther), ein Roman, der um zwei unkonventionelle Frauenschicksale kreist und auch das Thema der “Harraga” aufgreift, jener algerischen Bootsflüchtlinge, die alles hinter sich lassen: “Wir werden den Weg finden und die Zeit. Und wir werden lernen zu leben und wir werden lernen zu lachen. Davon träumen die Harragas.” Mit diesem Zitat aus dem Roman sind die Flugblätter einer Gruppe junger Leute vor der Frankfurter Paulskirche bestückt, die am Sonntag, dem 16. Oktober, kurz vor der Verleihung des Friedenspreises, für “Freiheit statt Frontex” demonstrieren. Jenes Preises, den Boualem Sansal – als zweiter Algerier nach Assia Djebar (2000) – deshalb erhält, weil er, so die Urkunde des Börsenvereins, ein “leidenschaftlicher Erzähler” ist, “geistreich und mitfühlend”, der “die Begegnung der Kulturen in Respekt und wechselseitigem Verstehen” befördere, “offen Kritik an den sozialen und politischen Verhältnissen” im Lande übe, sich “hartnäckig” für das “freie Wort und den öffentlichen Dialog in einer demokratischen Gesellschaft” einsetze und letztlich “gegen jede Form von doktrinärer Verblendung, Terror und politischer Willkür” auftrete, in Algerien und weltweit.

Seine Dankesrede gerät zur Liebeserklärung an ein Algerien, wie es sein könnte, wenn es nicht wäre, wie es ist: “eine Summe unauflöslicher Paradoxien, von denen die meisten tödlich sind. Als da wären: ein reiches Land mit furchtbar armer Bevölkerung – Stichwort Verschwendung, Stichwort Korruption; ein Land mit demokratischen Grundstrukturen – Stichwort Parteienvielfalt, Stichwort Pressefreiheit –, aber orientalisch-despotischer Alltagspraxis; ein Land mit kosmopolitischer Vergangenheit, das an Gedächtnisverlust und Selbsthass leidet, bis hin zur Selbstzerstörung …” Diese Paradoxien sind der Stoff, aus dem sich Boualem Sansals sagenhaftes Œuvre speist. Doch obwohl es beinahe komplett und in geradezu bibliophiler Ausstattung auf Deutsch vorliegt, kennt man den Autor hierzulande vorrangig als Autor von Das Dorf des Deutschen (Merlin 2009, Übers. Ulrich Zieger). Einem Roman, der Parallelen zwischen Nazitum und Islamismus zieht und seinen Autor in Deutschland so geschätzt werden ließ (Platz 2 der “Weltempfänger”-Bestenliste 2/2009) wie in Algerien zum Nestbeschmutzer: Denn dort kratzt die Historie vom Nazi-Schergen, der sich nach Algerien absetzt und zum Freiheitshelden mutiert, gewaltig am nationalen Gründungsmythos: der algerischen Revolution (1954–1962), die sich im Jahr 2012 zum 50. Mal jährt.

“Die Befreiung brachte keine Freiheit. Und Freiheiten schon gar nicht.” Lakonisch fällt Sansals Urteil zum Jubeljahr in seiner Dankesrede aus. Den Roman zur Revolution, den hat er schon geschrieben: Rue Darwin lautet er, und der Titel ist nachgerade Chiffre für eine Revolution, die ihre Kinder frisst. Keine Frage, Boualem Sansals neuer und sehr persönlicher Roman, der alle Gewissheiten und Zugehörigkeiten radikal in Frage stellt, empfiehlt sich als Vademecum für den Arabischen Frühling.”

Regina Keil-Sagawe ist Spezialistin für maghrebinische Literatur und Vorstandsmitglied im Deutsch-Algerischen Kulturverein YEDD e.V.; sie hat zwei Romane von Boualem Sansal ins Deutsche übersetzt. (…)

 

(Quelle: Literatur Nachrichten.)

Anmerkung

Die aktuelle Ausgabe der Zeitschrift “Literatur Nachrichten” kann in unserer Bücherei entliehen werden.

Ägypten: Muslimbruderschaft sieht sich verunglimpft

Montag, Juni 7th, 2010

“TV-Doku über die Muslimbrüder: Aufruhr in Ägypten

Von Dominik Peters

Die Anhänger der ägyptischen Muslimbrüder befürchten, dass die geplante Ausstrahlung einer Dokumentation über deren Gründer Hassan al-Banna im Staatsfernsehen – wenige Monate vor den Parlamentswahlen – ihre Gemeinschaft verunglimpfen könnte. Besonders der Sohn Hassan al-Bannas, Ahmed Seif al-Islam, ist aufgebracht. Nach Angaben der LA Times moniert er, dass der prominente Drehbuchautor Waheed Hamed sich bisher geweigert hat, ihm Einblicke in das Skript zu gewähren.

Er werde keine Veröffentlichung erlauben, die das Leben seines Vaters verfilme, ohne, dass er sie vorher gesehen habe, erklärte al-Banna. Notfalls, so der berühmte Spross, werde er vor Gericht ziehen, um eine Verfügung zu erwirken, die die Ausstrahlung untersage. Auch der ehemalige stellvertretende Bruderschaftsführer, Muhammad Habib, kritisierte die geplante Veröffentlichung: »Das Problem ist, dass Hamed nicht mit denjenigen Gruppenmitgliedern zusammenarbeitet, die lange genug dabei sind und die Geschichte kennen«, sagte er. Doch der viel gescholtene Waheed Hamed, weist die Vorwürfe zurück, ist sich keiner Schuld bewusst und sieht in der Doku-Reihe mit dem Titel »al-Gamiya«, zu Deutsch die Gemeinschaft, lediglich eine authentische Darstellung des jungen Hassan al-Banna, die zugegebenermaßen filmreif ist.

»Aufbruch zum Licht«

1906 wird Hassan al-Banna in Mahmudiya in der Nähe von Alexandria geboren. Sein Vater, ein Gelehrter an der al-Azhar Universität und Imam an der örtlichen Moschee, verdient sich seinen Lebensunterhalt als Uhrmacher und über ihn kommt der junge Hassan schon als Kind mit der Salafiya-Bewegung – die sich dafür einsetzt, den Islam durch eine Rückkehr zu den Traditionen zu erneuern – in Berührung. Al-Banna gründet, obgleich er selbst noch Schüler ist, die »Gemeinschaft zur Vermeidung des Verbotenen«, darauf folgt die »Gemeinschaft für islamische Ethik« und schließlich die »Vereinigung junger Muslime«. Bereits als 13-Jähriger unterstützt er Studenten bei der Organisation von Demonstrationen während der ägyptischen Revolution und fühlt sich – als die Türkei nach dem Ersten Weltkrieg das Kalifat sowie die arabische Schrift abschafft – in seiner Annahme bestätigt, dass sich sein Heimatland von der koranischen Botschaft ab- und zum Westen hinwendet.

Er sieht es als seine Pflicht, dagegen aufzubegehren und möchte Lehrer werden, um der Jugend die wahren Werte zu vermitteln. Und so schreibt sich der 14-jährige al-Banna, nachdem er die Schule beendet hat, in einem Berufskolleg für Lehrer ein und wechselt nach der vierjährigen Ausbildung zum Studium an die Universität Dar al-Ulum in Kairo. Diese Zeit prägt ihn nachhaltig, die westlichen Einflüsse und Bewegungen treffen al-Banna in Kairo mit voller Wucht und er sieht von nun an seine Aufgabe vor allem darin, die westliche Beeinflussung durch Gegenmaßnahmen zu verhindern.

Mit dieser Meinung steht der junge Islamist nicht alleine. An der Universität trifft al-Banna auf Gleichgesinnte, die sich darauf vorbereiten, in den Moscheen von Kairo zu predigen. Sie beginnen aktiv zu werden, halten Reden in den Kaffeehäusern und auf öffentlichen Plätzen, schließen sich mit Studenten der al-Azhar Universität zusammen und versuchen schließlich die islamische Botschaft nicht nur in der »Mutter aller Städte«, sondern auch in den Dörfern und auf dem Land zu verbreiten.

Auch als er die Universität beendet, löst sich der junge Mann nicht von seiner Kernidee, die »Renaissance« des Islam voranzutreiben. 1922 nimmt er seine erste Stelle als Lehrer in Ismailiya, einer Stadt in der Suezkanal-Zone, an, die aufgrund ihrer geopolitisch vorteilhaften Lage im Interesse der Britischen Krone liegt. Die europäischen Einwohner dominieren und prägen das Stadtbild in jenen Tagen und al-Banna entgeht die Kluft zwischen den ägyptischen Arbeitern, die in ärmlichen Häusern wohnen, und den Europäern, die in luxuriösen Bungalows leben, nicht.

Für ihn ist diese Situation ein unhaltbarer Zustand, die kurze Zeit später, im Jahr 1928, seinen Entschluss begünstigt, die Muslimbruderschaft zu gründen, um seine islamischen Moralvorstellungen zu verbreiten, die Armen zu unterstützen und gleichzeitig in den Kampf gegen kapitalistische Ausbeutung und westliche Dekadenz zu ziehen, wie er es in seinem Traktat »Aufbruch zum Licht« acht Jahre später formuliert.

»Tumor im Volkskörper«

Das Image als Widerstandsbastion gegen soziale Ungerechtigkeit, Korruption und eine als allzu westlich empfundene Modernisierung pflegt die Muslimbruderschaft seit ihren Gründungstagen bis heute. Mit einem Netz aus Bildungseinrichtungen, einer straffen Organisationsstruktur und großen finanziellen Ressourcen hat es die Bewegung geschafft, das Vertrauen vieler Menschen in Ägypten zu gewinnen. Die offiziell verbotene Oppositionsbewegung, die in ihren Kadern einen Ethos persönlicher Rechtschaffenheit im Dienst der Gemeinschaft kultiviert hat, schaffte es so – trotz Manipulation und Repression seitens des Mubarak-Regimes – bei den letzten Parlamentswahlen im Jahr 2005 ihr bislang bestes Resultat zu erzielen: Der Urnengang bescherte den Islamisten 454 Parlamentssitze, davor waren es nur 88 gewesen.

Zwar ist man gewohnt, das die regierungsnahen Zeitungen die Muslimbruderschaft als einen »Tumor im Volkskörper« bezeichnen, aber die Ausstrahlung eines kritischen Films über die eigene Bewegung, so kurz vor den Wahlen, will man nicht hinnehmen – zumal viele der Muslimbrüder den Staat als Auftraggeber der Doku sehen. »Beide, der Informations- und der Kulturminister stehen hinter der Produktion, die die Gruppe diffamieren soll«, erklärte Mohsen Radhi, ein Mitglied der Bewegung.

Die Behauptung konnte er freilich nicht belegen, feststeht jedoch, dass der Drehbuchautor Waheed Hamed der Bruderschaft ein Dorn im Auge ist, seitdem er die Gruppe als gewalttätig beschrieben hat und ihr vorwarf, eigene Interessen im Namen des Islam zu bedienen. Und deshalb feuerte der Drehbuchautor nach den diversen Anschuldigungen auch provokant zurück, als er sich öffentlich fragte: »Wenn die Bruderschaft solch eine weiße Geschichtsweste hat, wie sie behauptet, warum ist sie dann jetzt schon so ängstlich vor dem Film, bevor sie ihn gesehen hat?«””

(Quelle: zenithonline.)

Gaza: Militante zerstören Sommer-Camp für Kinder

Sonntag, Mai 23rd, 2010

“Gaza children’s camp destroyed

Armed men attack and torched a UN-run summer camp for boys and girls of the Gaza Strip

Dozens of masked men have broken into a UN-run Gaza summer camp for children and set it on fire, after beating up the guard and destroying the plastic tents.

The men blocked Gaza Strip’s main coastal highway on Sunday before destroying the facility, one of the largest of several summer camps across the occupied Palestinian territory run by UN Relief and Works Agency (UNRWA).

‘The militants gave the guard three bullets and a letter warning the UN to stop having summer camps like these,’ Al Jazeera’s Nicole Johston, reporting from Gaza, said.

John Ging, UNRWA’s Gaza director, said: ‘UNRWA will not be intimidated by these attacks. UNRWA will repair this location.’

He said that the attack was carried out by people with an ‘extremist mentality’ and vowed to continue his agency’s work in Gaza.

No one claimed the attack, but it appeared to have been carried out by Muslim groups who may be opposed to the camps because they allow boys and girls to mingle.

Gaza’s police force was investigating the incident, and Ihab al-Ghussein, the interior ministry spokesman, said ‘the action is strongly condemned and those behind it will be held accountable’.

Our correspondent said that although this was the first time the camp had been attacked, there was concern that parents may not send their children to the camp due to safety concerns (…).”

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(Quelle: Al Jazeera.)

Siehe auch:

Uno-Sommerlager in Gaza verwüstet