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Israel: Auf der Mauer (NACHRUF)

Dienstag, April 5th, 2011

In Erinnerung an Juliano Mer Khamis

 

Juliano Mer Khamis während einer Diskussion nach dem Auftritt des Freedom Theatre
in Frankfurt/Main im Jahr 2009. Foto: Bärbel Högner

 

Am Montag-Nachmittag, den 4. April 2011, ist unser Freund, Kollege und Projektpartner Juliano Mer Khamis auf offener Straße im palästinensischen Flüchtlingslager Jenin erschossen worden. Der Schauspieler und Filmemacher Juliano Mer Khamis war Direktor des Freedom Theatre in Jenin – einem Ort der künstlerischen und politischen Freiheit, der der israelischen Besatzung ebenso widersteht wie den patriarchalen und religiös verbrämten lokalen Machtsstrukturen. Juliano war ein unerschrockener Vorkämpfer für einen gerechten Frieden zwischen Israel und Palästina. Er kritisierte die israelische Kriegs- und Besatzungspolitik aufs Schärfste. Genauso schloss seine Solidarität mit den entrechteten Palästinensern die Kritik am politischen Irrwitz und an der Rückwärtsgewandtheit einer vermeintlichen palästinensischen Selbstbehauptung ein. Juliano war schonungslos mit sich und mit den politischen Kräften, die die strikte Trennung und die Unversöhnlichkeit zwischen beiden Lagern auf ewig zu zementieren suchen. Sohn zweier israelischer Kommunisten – einer jüdischen Mutter und einem palästinensischen Vater – verweigerte er sich mit all seiner Kraft und persönlichen Präsenz ethnischen, politischen, religiösen Zuschreibungen, die den Einzelnen nicht mehr die Wahl einer freien Entscheidung und einer eigenen politischen Haltung lassen, die Unrecht als Unrecht erkennt.

In diesem Sinne hat er die Schauspielschule und das Theater in Jenin betrieben. Und er hat dabei mit großer Vehemenz die künstlerische Freiheit verteidigt und dies nicht als eine künstlerische sondern als eine politische Herausforderung verstanden. Immer wieder erhielt er Morddrohungen. Gegen das Theater wurden mehrere Anschläge verübt. In einem Interview 2009 in der taz sagte er auf die Frage, ob er sich in Jenin bedroht fühle: „Manchmal mehr, manchmal weniger. Aber das ist immer noch besser als in Tel Aviv den Entertainer zu spielen.“ Er war kein Hasardeur, sondern ein Künstler und ein politisch denkender und handelnder Mensch, der sich widersetzte. Keiner verkörperte wie er den Brückenschlag zwischen Juden und Palästinensern. Er gehörte zu denen auf beiden Seiten, die die Universalität der Menschenrechte und das kritische Denken gegen die Mehrheitsmeinungen in ihren Gesellschaften verteidigen. Für sie und uns alle ist der Mord an Juliano eine persönliche und politische Tragödie.

Bei der Tournee des Freedom Theatres in Deutschland 2009 sagte er von sich: „Ich sitze auf der Mauer.“ Ein Bild der Freiheit und des Selbstbewusstseins. Aber in Zeiten wie diesen ein todgefährlicher Ort. Juliano Mer Khamis wurde 53 Jahre alt. Er hinterlässt seine Frau Jenny und zwei Kinder.

Zu seiner Haltung und seiner Handlung gibt es keine Alternative. Wir werden, so gut es geht, in seinem Sinne die Arbeit fortsetzen.

Das Team von medico international

Hier weitere Informationen zur Person Juliano Mer Khamis und zu seiner Arbeit im Freedom Theatre

Interview mit Juliano Mer Khamis

Bericht über die Arbeit des Freedom Theatre

Auftritt Freedom Theatre und Juliano in Frankfurt/M.

 

(Quelle: medico international.)

 

Update:

Thousands expected for funeral of slain Theater Director Juliano Mer-Khamis

Israel: Juliano Mer-Khamis ist tot!

Montag, April 4th, 2011

“Israeli actor Juliano Mer-Khamis shot dead in Jenin

 

Juliano mer khamis

Bildquelle: wikipedia.

 

By Jack Khoury, Avi Issacharoff, Anshel Pfeffer and Haaretz Service

Israeli actor and political activist Juliano Mer-Khamis, 53, was shot dead on Monday outside a theater which he founded in a refugee camp in the West Bank city of Jenin.

Jenin police chief Mohammed Tayyim said Mer-Khamis was shot five times by masked Palestinian militants, but that Israeli security forces were still investigating the circumstances of his murder. A Palestinian ambulance took his body to a nearby checkpoint to be transferred into Israel.

Mer-Khamis’ mother, Arna Mer, was an Israeli Jewish activist for Palestinian rights. His father, Saliba Khamis, was a Christian Palestinian. Mer-Khamis was born and raised in Nazareth.

Mer-Khamis was well-known as an actor for his film and theater roles, both in Israel and abroad, and had made a name for himself as a director and a political activist, as well.

Based in Israel, Mer-Khamis was affiliated with the local theater in Jenin, established by his mother in the 1980s. In 2006, Mer-Khamis opened the Freedom Theater in Jenin, along with Zakariya Zubeidi, the former military leader of the Al-Aqsa Martyr Brigades in that West Bank city.

Zubeidi was appointed co-theater director in an attempt to subdue the ongoing threats voiced against both the institution and Mer-Khamis. The theater itself was torched twice in the past, and the threats persisted despite Zubeidei’s appointment.

Some of the criticism focused on the fact that the theater offered co-ed activities, despite prohibition in the Islamic moral code.

Objectors were also outraged when Mer-Khamis staged the play ‘Animal Farm’, in which the young actors played the part of a pig, which Islam considers an impure animal.

Mer Khamis said he had planned to stage The Lieutenant of Inishmore, a satire of armed resistance, but shelved the idea after someone smashed the window of his car.

Jenin governor Qadura Moussa called Mer Khamis a great supporter of the Palestinian people. He said Palestinian President Mahmoud Abbas told him to bring those responsible for his death to justice.

Michael Handesaltz, senior editor and theater critic for Haaretz, described Mer-Khamis as a ‘great actor, an extraordinary human being whose life-story is part of the tragic reality of this country’, who in his death became ‘another tragic victim of life in the Middle East’.”

(Quelle: Haaretz.)

Update:

Director shot dead outside Jenin theater