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Pazifik: Die sozialen Folgen des Klimawandels

Dienstag, Juni 12th, 2012

“Klimawandel im Pazifikraum:
Neue Lösungen für Umweltmigranten in Kiribati?

(gekürzte Fassung)

Von Dr. Silja Klepp, Bremen

1. Einleitung

Derzeit existiert auf der globalen Ebene kein rechtlicher Schutzstatus für Umwelt- bzw. Klimamigranten. Auch in näherer Zukunft ist dies nicht zu erwarten, da der politische Wille der Regierungen bisher fehlt und es sich bei Umwelt- bzw. Klimamigration um ein komplexes und politisch aufgeladenes Thema handelt, das in Terminologie, Umfang und politischen Lösungsansätzen umstritten ist. Zu erwarten sind hingegen Verhandlungen rund um Umweltmigration in vom anthropogenen Klimawandel betroffenen Gebieten, die in informellen und formellen Foren und auf unterschiedlichen Ebenen realisiert werden. Vor allem im Pazifikraum, wo einige der am meisten durch Umweltveränderungen und Klimawandel gefährdeten Inselstaaten liegen, ist es zu einem regen Aushandlungsprozess rund um Migration als Anpassungsstrategie gekommen.

Kiribati, ein aus 32 Atollinseln bestehender Inselstaat im zentralen Pazifik mit ca. 110.000 Einwohnern, hat dabei bislang die konkretesten Migrationsstrategien auf internationaler Ebene entwickelt und führt verschiedene Verhandlungen, um diese umzusetzen. Die Regierung plant auf Grund der Zukunftsprognosen einen langfristigen Auszug aus der Insel, der schon jetzt begonnen hat und der trotz der etwaigen Notwendigkeit, Kiribati zu verlassen und die Staatsangehörigkeit aufzugeben, „in Würde‟ und selbstbestimmt geschehen soll: „migrate with dignity‟ heißt die Devise und die Strategie der Regierung.

2. Umstrittene Dimensionen des Themas Klimawandel und Migration

Verknüpft mit Gerechtigkeitsdebatten im Zusammenhang mit den Folgen des Klimawandels und den globalen Nord-Süd-Beziehungen werden Diskussionen rund um das Ausmaß der Auswirkungen des Klimawandels und Migrationsbewegungen mit großem Eifer geführt. In Debatten um Begrifflichkeiten und die Einordnung des Phänomens der Umweltmigration werden Faktoren wie die Abhängigkeit der Migrationsentscheidung von Umweltursachen, mehr oder weniger angenommene Freiwilligkeit, temporäre oder permanente Migration sowie Fragen der Reichweite und der Überquerung internationaler Grenzen diskutiert (siehe z. B. Biermann/Boas 2007).

Zwei grundsätzlich unterschiedliche Positionen bestimmen dabei die Debatten: Zum einen Wissenschaftler, die sich vor allem um Norman Myers gruppieren, der Prognosen zu den zukünftigen Zahlen von Umweltmigranten erstellt. Er hält Umweltveränderungen für den Hauptauslöser künftiger Migrationsbewegungen und hat schon im Jahr 1995 25 Millionen „Klimaflüchtlinge‟ gezählt (Myers 2002: 609). Im Gegensatz dazu sehen Black (Black 2001) und andere keine Hinweise, dass Umweltveränderungen alleiniger Auslöser von Migrationsbewegungen sind, hingegen seien politische und sozioökonomische Faktoren bei den Migrationsmotiven und die Anpassungsleistungen der verschiedenen Gesellschaften bei Umweltveränderungen zu berücksichtigen. Nach Richard Black ist der Terminus des „Umweltflüchtlings‟ irreführend und dürfe deshalb nicht verbreitet werden.

Die Debatten um Begrifflichkeiten und Zahlen, die zum Teil einen skandalisierenden Unterton tragen und mit wirkmächtigen Bildern unterlegt werden, zeigen, dass fundierte empirische Forschungen zu Auswirkungen des Klimawandels auf die unterschiedlichen Lebenswelten von Menschen erforderlich sind (Dietz 2009: 218). Diese könnten auch zu mehr konzeptueller und terminologischer Klarheit beitragen, die für verantwortliches politisches Handeln in diesem Bereich nötig ist (Parks/Roberts 2010: 154). Behindert das Fehlen eines konzeptuellen Einvernehmens in der Terminologie die Forschung, so sind die Fragmentierung der wissenschaftlichen Diskurse und die widersprüchlichen Forschungsergebnisse auch mitverantwortlich dafür, dass politische und rechtliche Forderungen für Umwelt- und Klimaflüchtlinge in den letzten Jahren delegitimisiert wurden, so McNamara (2007: 16). Die Betonung der komplexen Kombination von Faktoren, die zu Migration führen, und die Tatsache, dass selten Umweltfaktoren alleine für Migrationsentscheidungen oder Flucht verantwortlich sind, hätten die oftmals schwierige Lebenssituation und Fluchtbedingungen von Umweltflüchtlingen verharmlost und rechtliche Forderungen erschwert (ebd.).

Sicherlich sind es jedoch originär politische Faktoren, die dazu geführt haben, dass auch einige Jahrzehnte nach Aufkommen der Debatten um Umweltmigranten und der Beschreibung des Phänomens auf globaler Ebene kein Schutzstatus geschaffen wurde, der umweltinduzierte Fluchtursachen abdeckt. So schließt das international wichtigste Instrument zum Schutze von Flüchtlingen, die Genfer Flüchtlingskonvention (GFK) von 1951, Umweltphänomene als Fluchtursache aus. Im Diskurs um die Freiwilligkeit von Migration auf Grund von Umweltphänomen vertritt UNHCR die Haltung, nur originär politische, also GFK-Flüchtlinge seien „echte‟ Flüchtlinge. Die Organisation hat damit die Wahrnehmung von Umweltmigranten als „illegitime‟ Migranten noch verstärkt (McNamara 2007: 19).

An dieser Stelle muss betont werden, dass einige Inselstaaten, die von Umweltveränderungen auf Grund des anthropogen verursachten Klimawandels existentiell bedroht sind, den Flüchtlingsstatus für ihre Bürger grundsätzlich ablehnen. Länder wie z.B. Kiribati fordern eine Lösung für eine eventuelle Zukunft außerhalb ihres Staatsgebiets, der ihnen das Recht auf staatliche Souveränität und ihre Bürgerrechte nicht abspricht (McNamara/Gibson 2009: 479).

3. Der Pazifikraum als Aushandlungsarena

Umweltveränderungen und die angenommenen und antizipierten Auswirkungen des anthropogenen Klimawandels führen im Pazifikraum bereits heute zu Migrationsbewegungen und Umsiedlungen. Die Region des südlichen und zentralen Pazifik scheint dabei besonders stark von Umweltveränderungen betroffen. Einige Veränderungen sind vor allem zukünftig zu erwartende häufigere und stärkere Sturmfluten, die Überschwemmung und Erosion der Küsten und die Versalzung der Süßwasservorräte wie auch der landwirtschaftlich genutzten Böden (Mimura et. al. 2007). Der zeitliche Horizont und die Vorhersage genauer ökologischer Auswirkungen sind jedoch auch von Unsicherheiten und möglichen Abweichungen geprägt (Storey/ Hunter 2010: 172). Dies ist einer der Gründe, warum die angestrebten Lösungen für Umweltmigranten im Pazifikraum nicht nur in die Zukunft weisen, sondern auch eine gegenwärtige nachhaltige Entwicklung auf den Inseln anstreben sollten. Bei der Suche nach Lösungen für betroffene Migranten in der Region werden unterschiedliche rechtliche und politische Ebenen diskutiert und staatliche und nicht-staatliche Akteure einbezogen. Um die Bedürfnisse heutiger und zukünftiger Umwelt- und Klimamigranten abzudecken, werden verschiedene rechtliche Felder wie Menschenrechte oder die Rechte indigener Völker, aber auch soft-law-Ansätze wie z.B. humanitäre Appelle und Deklarationen herangezogen. Ebenso werden unterschiedliche politische Instrumente wie die Gründung von Anpassungs- und Flüchtlingsfonds oder regionale Programme zur Arbeitsmigration verhandelt. Als Beispiel für eine Deklaration, die die Bedeutung regionaler Lösungsansätze für Umweltmigranten betont, sei hier z.B. die Niue Decleration on Climate Change des Pacific Island Forum (PIF) von 2008 genannt. Dieser regionale Aushandlungsprozess im Pazifikraum, die Möglichkeiten und Grenzen verschiedener Strategien und Allianzen, wurde mit Hilfe empirischer Forschung in Vanuatu, Kiribati und Neuseeland in den Jahren 2010 und 2011 untersucht. Im Folgenden sollen nun verschiedene Aspekte der internationalen Verhandlungsbemühungen der Regierung von Kiribati vorgestellt werden.

3.1 „Migrate with dignity“

Die Inselgruppe Kiribati erstreckt sich mit seinen drei Inselgruppen (Gilbert-, Phoenix-, Line-Inseln) entlang des Äquators über ein Gebiet von über 5 Millionen km2. Die Einwohner Kiribatis leben zumeist von Subsistenzwirtschaft. Das Land ist wie andere Inselstaaten im Südpazifik von Zahlungen internationaler Geber und von Auslandsüberweisungen internationaler Migranten abhängig. Kiribatis Ökonomie wird deshalb, wie auch die seiner Nachbarstaaten, häufig als MIRAB-Ökonomie beschrieben: Das Kürzel, das für Migration, Remittances, Aid, und Bureaucracy steht, verweist auf die hohe Abhängigkeit von internationalen Gebern, internationalen Migranten und auf einen aufgeblähten öffentlichen Sektor (Bertram 2006).

Die Anpassungsleistungen, die die Bewohner Kiribatis z.B. in der Landwirtschaft im Kontext von Dürren oder Salzwasserintrusion seit langem erbringen, könnten in Zukunft nicht mehr ausreichend sein, um ihre Existenz auf der Insel zu sichern. Die Unbewohnbarkeit des Territoriums muss mittel- oder langfristig angenommen werden (Barnett/Adger 2003: 326, Risse 2009). Neben rechtlichen und politischen Fragen und Konflikten rund um Migrations- und Umsiedlungsprojekte der Bewohner Kiribatis, sind hier auch Fragen der Souveränität und der Zukunft der Ausschließlichen Wirtschaftszone (Exclusive Economic Zone – EEZ) Kiribatis völlig offen (siehe dazu z.B. Esteban/ Yamamoto 2010). Die Regierung arbeitet schon jetzt aktiv an verschiedenen Wegen, heutigen und zukünftigen Umweltmigranten Migrationsmöglichkeiten zu erschließen und ihnen in Zukunft ein gutes Lebensumfeld und Auskommen zu ermöglichen. Diese Möglichkeiten beziehen sich auf interne Umsiedlungsmaßnahmen und externe internationale Migration. Im Folgenden sollen vor allem die internationalen Bemühungen Kiribatis vorgestellt werden.

Seit einigen Jahren sendet der seit 2003 regierende Präsident der Insel, Anote Tong, in unterschiedlichen globalen und regionalen Foren Appelle an die Weltgemeinschaft, ihre Treibhausgase zu vermindern und Verantwortung für die Geschicke der Insel als „Opfer des Klimawandels‟ und für die Klimaflüchtlinge Kiribatis zu übernehmen (BBC 2009). So sagte Tong am Weltumwelttag der Vereinten Nationen im Juni 2008 in Wellington, Neuseeland: „None of the atolls that make up our country are more than two metres above sea level. We will be submerged by the end of the century, as things stand right now. […] But what happens before is equally devastating. Entire villages are being relocated as the sea encroaches upon the land. People are being asked to move from places that have been home for them. It’s a human tragedy.‟ (Times of India 2008)

Einen humanitär begründeten Flüchtlingsstatus als Grundlage für ihre Zukunft lehnen die Menschen in Kiribati und deren Regierung um Präsident Tong ab, ein Leben in Flüchtlingszentren und in Abhängigkeit der Aufnahmegesellschaft halten sie für nicht hinnehmbar.1 Bei den Lösungsansätzen Kiribatis setzt Tong hingegen auf langfristige Planung, „so that when people migrate, they will migrate on merit and with dignity,‟ (zitiert nach Risse 2009: 281). Die verhandelten Optionen bestehen neben den Anpassungsleistungen und Migrationsprojekten einzelner Einwohner auch in direkten Appellen an Anrainerländer des Pazifiks wie Australien und Neuseeland, um Migrationsprogramme in die Wege zu leiten. Keines dieser Länder hat jedoch formelle Zugeständnisse an Kiribati gemacht. Neuseeland hat seit 2002 unter dem Namen Pacific Access Category eine jährliche Quote für die Pazifikinseln Kiribati, Tuvalu und Tonga zur Arbeitsmigration geschaffen. Jährlich können auf diese Weise 75 Migranten aus Kiribati nach Neuseeland übersiedeln (Immigration New Zealand 2005). Auf der offiziellen Homepage des neuseeländischen Außenministeriums wird jedoch jede Verbindung zu Zugeständnissen auf Grund des Klimawandels ausdrücklich dementiert: „New Zealand does not have an explicit policy to accept people from Pacific island countries due to climate change. […] New Zealand has no such arrangement with any […] Pacific Island.‟ (Immigration New Zealand 2005)

Des Weiteren wurden Arbeitsprogramme aufgelegt, vor allem im Bereich der Erntearbeit (Recognised Seasonal Employment – RSE). Die hier saisonal arbeitenden I-Kiribati haben perspektivisch die Möglichkeit, sich in Neuseeland niederzulassen. Anders als in Europa wird hier diese Form der zirkulären Migration als ein Weg zur dauerhaften Migration anerkannt.2 Zwischen den Volkszählungen 2001 und 2006 stieg die Anzahl der in Neuseeland lebenden I-Kiribati auf diese Weise um 72 Prozent auf 1.116 an (Bedford/Bedford 2010: 107). In Australien, das insgesamt noch zögerlicher als Neuseeland auf die Appelle Kiribatis reagiert (Interview NS), wurde ein Ausbildungsprogramm für Krankenschwestern aus Kiribati geschaffen, die anschließend in Australien arbeiten können (Kiribati Australia Nursing Initiative – KINA). Kiribati bezeichnet diese Migrationsprogramme als Strategie zur Anpassung an den Klimawandel,3 die Aufnahmeländer möchten jedoch explizit keinen Bezug zwischen diesen Programmen und Umweltmigration herstellen. Weitere Vereinbarungen und Programme sind geplant, so wird zurzeit auch mit Kroatien für ein Arbeitsprogramm im Tourismusbereich und mit Kanada im Dienstleistungsbereich verhandelt.4

In Bezug auf Umsiedlungsprojekte, die größere Gemeinden umfassen könnten, hat Fidschi am Rande der UNFCCC Verhandlungen in Kopenhagen 2009 angekündigt, dass es bereit sei, Menschen aus Kiribati aufzunehmen (Bedford/Bedford 2010: 90). Ein Vorteil könnte hier sein, dass ein Erhalt kultureller Dimensionen Kiribatis’ auch außerhalb des Staatsgebiets durch die gemeinsame Umsiedlung und auf Grund ähnlicher Klima- und Lebensverhältnisse in Fidschi gewährleistet werden könnte, was in den Debatten immer wieder als wichtig hervorgehoben wird. Noch für das Jahr 2011 war ein Memorandum of Understanding bezüglich des Themas Migration und Klimawandel mit der Regierung von Fidschi geplant. Die Regierung von Fidschi, die als Diktatur gilt, hat damit bezüglich regionaler Lösungen für Umweltmigranten eine führende Rolle in der Debatte eingenommen. Die Regierung erhofft sich von dieser Geste in Richtung Kiribati und der Region wohl auch mehr regionale und internationale Anerkennung.5

Wie die Verhandlungen mit Fidschi zeigen, schließen die Strategien Kiribatis’ damit zum Teil an schon bestehende Migrationsbewegungen und historische Umsiedlungen an. Historisch war der Pazifik, der im Gegensatz zu einem isolierten, abgelegenen Bild von den Inselstaaten auch als „sea of islands‟ beschrieben wird (Hau’ofa 1993), ein Handels-, Heirats- und Begegnungsraum, in dem rege Reise- und Umsiedlungstätigkeiten erst durch die Kolonialmächte stark eingeschränkt wurden. Anderseits wurden durch die Kolonialregierungen auch einige Umsiedlungen von Inselgemeinden durchgeführt, auch auf Grund von Umweltveränderungen wie Vulkanausbrüchen, aber vor allem im Rahmen von anthropogenen Eingriffen wie Atomtests. Die britische Regierung der Gilbert Inseln, heute Kiribati, siedelte auf Grund des starken Phosphatabbaus die Einwohner der Insel Banaba nach Fidschi um. Die nun auf der Fidschi-Insel Rabi lebenden ehemaligen Einwohner Kiribatis haben in Kiribati noch immer Sonderrechte, wie z.B. ein Mitspracherecht und einen Vertreter im Parlament (Campbell 2010: 40). Zudem gilt internationale Migration im pazifischen Inselraum heute als weitverbreitete Strategie, um zusätzliches Haushaltseinkommen zu generieren (Pellinga/ Uittob 2001: 56). Wenn auch seit Einführung des nationalstaatlich geprägten Systems internationale Migrationsbewegungen als Anpassung an Umweltveränderungen ungleich schwieriger geworden sind, so schließen Migrationslösungen dennoch gerade auf regionaler Ebene unter heute veränderten Vorzeichen an historische Modelle an. Im folgenden Abschnitt soll nun diskutiert werden, welche Auswirkungen die verhandelten Migrationsprogramme auf Kiribati haben.

3.2 Effekte der Migrationsprogramme auf eine nachhaltige Entwicklung Kiribatis’

Da die Effekte der aktuell verhandelten und durchgeführten Migrationsprogramme noch jung sind, bisher unzureichend erforscht wurden und das Forschungsprojekt noch am Anfang steht, lassen sich an dieser Stelle zum Teil lediglich Hypothesen formulieren, die in Zukunft überprüft werden müssen.
Zunächst lässt sich feststellen, dass der Bevölkerungsdruck vor allem auf der Hauptinsel Tarawa durch internationale Migration gesenkt wird. Kiribati hat auf der Hauptinsel South Tarawa eine der höchsten weltweiten Bevölkerungsdichten mit 2558 Einwohnern/m2 (Pareti 2007). Die rasch wachsende Bevölkerung hat sich in den letzten Jahrzehnten vervielfacht (Erhebung im Jahr der Unabhängigkeit 1979: 56.213 Einwohner, 2005: 92.533 Einwohner, 2010: 103.466) Dies bringt Infrastruktur-Probleme wie die Gewährleistung der Wasserversorgung und eine funktionierende Müllentsorgung mit sich. Die Verschmutzung der Lagune ist als dramatisch zu bezeichnen (Storey/ Hunter 2010: 168). Die hohen Zuzugszahlen zur Hauptinsel South Tarawa hängen vor allem mit interner Migration zusammen. Viele Bewohner der Outer Islands sind in den letzten Jahrzehnten auf die Hauptinsel umgezogen, weil sie sich hier Arbeitsplätze und durch Zugang zur Gesundheitsversorgung einfachere Lebensbedingungen erhoffen.

Die Remittances-Zahlungen, von denen Kiribati, wie oben erwähnt, abhängig ist, werden durch die Migrationsprogramme steigen, was für den Inselstaat, der zu den Least Developed Countries gezählt wird und sehr hohe Lebenshaltungskosten aufweist, von großer Bedeutung ist. Neben den oben genannten Programmen, die ausdrücklich als Klimawandelmigration verhandelt werden, unterhält Kiribati eine Trainingsschule für Seefahrer (Kiribati Marine Training School), in der in den letzten Jahrzehnten tausende Seeleute für die internationale Schifffahrt ausgebildet wurden, und die nun Zahlungen an ihre Familien leisten. Mit den neu aufgelegten Programmen werden die individuellen Migrationsprojekte der I-Kiribati gefördert und ein weiterer Anstieg der Remittances ist zu erwarten.

Zukünftige Entwicklungen werden von der Regierung pro-aktiv angegangen und möglichst vorausschauend gemanagt. Hier besteht auch ein Unterschied zu den Nachbarländern, wie zum Beispiel dem Inselstaat Tuvalu, die kaum konkrete Strategien für die Zukunft ihrer Bürger entwickelt haben. Die frühe Reaktion und vorausschauende Planung gibt der Regierung die Möglichkeit, verschiedene Strategien zu verfolgen und parallel unterschiedliche individuelle und kollektive Migrationsprogramme aufzulegen.

Bei den als eher negativ bewerteten Auswirkungen der Migrationsdebatten und Migrationsprogramme kritisieren verschiedene Autoren den verstärkten Fokus auf Migration als Anpassungsstrategie. So merken beispielsweise Barnett und Adger an, eine zu einseitige Ausrichtung auf Migration könne andere mögliche Formen der Anpassung untergraben (2003: 330). Auch wäre bei einem verstärkten Auszug aus der Insel und einer möglichen Aufgabe die optimale Ausbeutungsrate der begrenzten natürlichen Ressourcenbasis im nicht nachhaltigen Bereich, da zukünftige Generationen in den Überlegungen keine Rolle mehr spielen würden (Barnett/ Adger 2003: 328).

Die von Kiribati als Klimamigration etikettierten Programme zielen zumeist auf junge, gut ausgebildete Menschen ab. Die Pacific Access Category, ein Programm Neuseelands für den erleichterten Zuzug von Menschen aus pazifischen Inseln, lässt sogar ausdrücklich nur Menschen im Alter zwischen 18 und 45 zu, die über eine gewisse Bildung verfügen. Das sogenannte brain drain-Phänomen, das junge, gut ausgebildete Bewohner als Erstes abwandern lässt, könnte das Inselleben durch eine Gefährdung der Institutionen wie Behörden, Schulen und Gesundheitswesen lange vor den möglichen Auswirkungen des Meeresspiegelanstiegs bedrohen, so Barnett und Adger (2003: 329).

Die diskutierten Aspekte haben vielschichtige Auswirkungen auf eine nachhaltige Entwicklung Kiribatis. Die von Kiribati verhandelten Migrationsprogramme wie auch die Debatten, die um den Auszug der Insel kreisen, sind von vielen Faktoren abhängig und produzieren Nebeneffekte, die von der Regierung nur schwer zu kontrollieren sind. Die Herausforderung besteht dabei darin, möglichst positive Bedingungen für die großen Veränderungen in der Zukunft Kiribatis zu schaffen, die sich gleichzeitig nicht negativ auf die heutige Entwicklung Kiribatis auswirken.

4. Ausblick

Die Regierung Kiribatis’ hat sich entschlossen, die sozialen Folgen des Klimawandels, die für den Inselstaat als verheerend diskutiert werden, frühzeitig anzugehen und für die Zukunft seiner Bürger ein Leben außerhalb Kiribatis zu planen. Dabei ist es entscheidend, dass Inseln wie Kiribati, die sich auf eine, wenn wohl auch ferne, Zukunft einstellen müssen, in der ihre Staatsterritorien nicht mehr bewohnbar sein werden, verschiedene Strategien zur Umsiedlung und Migration ihrer Bürger verfolgen. Dies bedeutet eine Kombination von Vorgehensweisen, die die Unterstützung freiwilliger, individueller Migrationsprojekte von Staatsbürgern ebenso einschließt wie staatlich geplante Umsiedlungen von Communities (Bedford/ Bedford: 93). Die Verhandlungsbemühungen, die vor allem auf ein Leben der heutigen und zukünftigen Migranten ohne Fremdbestimmung abzielen, stehen dabei noch ganz am Anfang und werden von der oftmals ablehnenden Haltung potentieller Aufnahmeländer, vor allem den reicheren OECD-Ländern in der Region Neuseeland und Australien, geprägt. Dabei bleibt auch zu diskutieren, ob und in welcher Weise regionale Antworten und Lösungen für Klimamigranten, die zurzeit forciert werden, überhaupt die beste Migrationsmöglichkeit darstellen. Die oben erwähnten Debatten um Klimagerechtigkeit unterstreichen hingegen immer wieder den originär globalen Charakter des Themas anthropogener Klimawandel und seiner sozialen Auswirkungen (Boncour/ Burson 2009: 19) und diskutieren Mechanismen, Verantwortlichkeiten „gerecht‟ zu verteilen. Dennoch sind auch Erfolge Kiribatis’ zu verzeichnen und statt sich ausschließlich in eine Rolle als Opfer des Klimawandels zu fügen, gelingt es der Regierung, Effekte durch die verhandelten Migrationsprogramme zu erzielen, die auch positive Auswirkungen auf die Situation der I-Kiribati haben, wie z.B. die genannten Rücküberweisungen.

Dr. Silja Klepp arbeitet als Wissenschaftliche Mitarbeiterin am artec | Forschungszentrum Nachhaltigkeit der Universität Bremen. Ihr derzeitiges Projekt befasst sich mit innovativen, rechtlichen Lösungen für und Diskursen um Umweltmigranten im Pazifikraum. Für ihre Doktorarbeit „Europa zwischen Grenzkontrolle und Flüchtlingsschutz. Eine Ethnographie der Seegrenze auf dem Mittelmeer“ erhielt sie den Christiane-Rajewsky-Preis 2012 der Arbeitsgemeinschaft Friedens- und Konfliktforschung (AFK) und den Preis der Research Academy Leipzig für eine „herausragende Dissertation“. Info unter: http://www.artec.uni-bremen.de/projekte/zeige_projekt.php?id=110

Info: Das bibliographische Verzeichnis zum Artikel von Dr. Silja Klepp kann bei Interesse in der Infostelle angefordert werden. E-Mail: heike.groeschel-pickel@pazifik-infostelle.org oder Tel.(montags): 09874/91221

Fußnoten

1 Interview mit Scott Leckie, Direktor der NGO Displacement Solutions, am 04.04.2011 in Melbourne, Australien. Displacement Solutions berät die Regierungen von Kiribati und Papua-Neuguinea zu Fragen der Klimawandelmigration.

2 Interview mit Ken Graham, neuseeländischer Parlamentsabgeordneter, Green Party am 18.05.2011 in Wellington, Neuseeland.

3 Interview mit Baatetake Tatoa, Referatsleiterin im Arbeitsministerium Kiribati, am 20.04.2011 in Bairiki, South Tarawa, Kiribati.

4 Ebd.

5 Interview mit Scott Leckie, Direktor der NGO Displacement Solutions, am 04.04.2011 in Melbourne, Australien.”

 

(Quelle: Pazifik-Informationsstelle – Rundbrief Mai 2012 (88))

Siehe auch:

Climate Refugees – Today’s New Reality

Bangladesch: Dramatische Folgen der Klimakrise

Donnerstag, Juli 7th, 2011

“Klimawandel und neoliberale Politik: der Fall Bangladesch

Von Danielle Sabaï

Bangladesch liegt mitten im größten Delta der Welt, wo zwei Flüsse aus dem Himalaya, Brahmaputra und Ganges, sich vereinigen und in den Golf von Bengalen ergießen; Klimakatastrophen treten hier fast regelmäßig auf. Die Hälfte des Landes in Bangladesch liegt weniger als 10 Meter über dem Meeresspiegel Es besteht größtenteils aus Lehm, der durch Flüsse, die aus den Himalaya-Gletschern abfließen, entwässert wird. Die Schneeschmelze verursacht regelmäßig kräftige Überschwemmungen. Der Küstenstreifen selbst wiederum ist Wirbelstürmen und Flutwellen ausgeliefert, die die Küstengebiete überschwemmen. Unter extremen klimatischen und geografischen Bedingungen hat Bangladesch im Laufe der Jahrhunderte ein Gleichgewicht entwickelt, das seiner dichten Bevölkerung erlaubt, dort zu leben. Die durch neoliberale Politik noch verstärkte Klimaerwärmung hat dieses empfindliche Gleichgewicht zerstört. Wohl kein Land der Welt ist heute stärker gefährdet, und die Bevölkerung von Bangladesch steht vor immensen Herausforderungen …

BEISPIELLOSE KLIMAÄNDERUNGEN

Keine Region in Bangladesch wird vom Klimawandel verschont.

Im Norden des Landes kann der Sommer, der früher zwei oder drei Monate dauerte, jetzt fünf oder sechs Monate anhalten, verbunden mit einem erheblichen Anstieg der Temperatur. Deshalb vertrocknen die fruchtbaren Böden und die Pflanzen verbrennen. Die Flüsse trocknen aus und die Landwirte sind abhängig von teuren Bewässerungssystemen, die das Grundwasser herauf pumpen und allmählich erschöpfen. Seit den 90er Jahren haben die Bauern auch das Problem der Kontamination des Brunnenwassers mit Arsen, das von Natur aus in den Böden enthalten ist, jetzt aber durch das Abpumpen des Grundwassers an die Oberfläche kommt. Im Winter nehmen Kälte und Nebel immer mehr zu, was zur Zerstörung vieler Gemüse- und Saisonkulturen führt.

Im Süden steigt die Temperatur im Sommer stetig und die Kälte im Winter wird immer heimtückischer. An der Küste treten Wirbelstürme häufiger und heftiger auf. Flutwellen, die das fruchtbare Land an den Küsten überschwemmen, erhöhen dauerhaft den Salzgehalt des Bodens und der Flüsse und machen das Land ungeeignet für die Bewirtschaftung.

Das Land hat nur noch drei Jahreszeiten, einen Sommer, einen Winter und eine Regenzeit, während es früher sechs waren. Während dieser Zeiten scheint das Klima Amok zu laufen: Die Sommer werden immer wärmer und trockener, die Winter immer strenger und die Regenzeiten immer nasser. Überschwemmungen und Wirbelstürme, die es in Bangladesch immer gab, treten nun häufiger und vor allem außerhalb der gewohnten Zeiträume auf.

Der Klimawandel ist definitiv verantwortlich für dieses Chaos, zumindest teilweise. Die Erwärmung der Atmosphäre beschleunigt das Schmelzen der Gletscher am Nord- und Südpol und lässt den Meeresspiegel steigen. Die Küstengebiete von Bangladesch werden nach und nach vom Salzwasser überflutet. Der dritte Bericht des Weltklimarats (IPCC) schätzte, dass das Land 10,9 % seiner Fläche verlieren könnte, wenn der Meeresspiegel um 45 Zentimeter steigt.

Im Norden werden die Flüsse, die Bangladesch durchqueren, vom Schmelzwasser der Himalaya-Gletscher gespeist. Mit der Klimaerwärmung schmelzen die Gletscher schneller ab, als das Eis neu gebildet werden kann. So verringern sich die Abflussmengen allmählich, und wenn das Phänomen anhält, könnten die Flüsse bald versiegen und eine Wüstenbildung im Norden Bangladeschs verursachen.

Aber derzeit erhöht zunächst die Zunahme der Niederschläge im Monsun zusammen mit einer Verstärkung der Gletscherschmelze den Wasserablauf. Der Ablauf dieses Wassers wird aber durch die Erhöhung des Meeresspiegels erschwert. Die Kombination dieser beiden Faktoren macht Überschwemmungen häufiger und kräftiger.

Angesichts des Meeresspiegelanstiegs reichen die in den 60er Jahren gebauten Deiche mit ihrer Höhe von fünf Metern nicht mehr aus, um die Küstenorte vor den Fluten zu schützen. Die Kombination von steigendem Meeresspiegel und Ablagerungen von Milliarden Tonnen von Schlamm durch die Flüsse des Nordens lässt sich das Eindringen von Salzwasser in tiefer liegende Gebiete nicht mehr verhindern. Die Deiche halten das Regenwasser im Landesinneren zurück und verstärken dadurch die Überschwemmungen.

DURCH DIE NEOLIBERALE POLITIK WIRD DIE SITUATION NOCH VERSCHÄRFT

Der Klimawandel ist nicht allein verantwortlich für die Umweltzerstörung, deren ersten Opfer die Menschen in Bangladesch sind. In den 80er Jahren haben die Regierungen eine Wirtschaftspolitik entwickelt, die sowohl auf Exporte als auch auf die Steigerung der Nahrungsmittelproduktion orientiert. Diese Politik wurde angetrieben und gefördert von internationalen Organisationen wie der Weltbank, dem Internationalen Währungsfonds, der Asiatischen Entwicklungsbank, der US-Entwicklungsbehörde und dem britischen Entwicklungshilfeministerium.

Wie auch anderswo haben die Strukturanpassungsmaßnahmen in Bangladesch die Privatisierung großer Staatsbetriebe und die Öffnung des Energiesektors für ausländisches Kapital favorisiert. Es war das Gleiche im Bereich des Bergbaus in den 90er Jahren.

Der Rückzug des Staates hat die Krise in den Bereichen Bildung und Gesundheit beschleunigt und den Weg für private Dienstleistungen geebnet. Im Namen der Entwicklung haben diese Wirtschaftsreformen erlaubt, den Landbesitz zu konzentrieren und Millionen von Menschen zu enteignen. Sie haben einen Teufelskreis der Abhängigkeit geschaffen, aus dem sich die Bäuerinnen und Bauern in Bangladesch nur schwer befreien können.

An der Küste haben sich die Anlagen zur Garnelenzucht für die Bedienung eines explodierenden Marktes in den wohlhabenden Ländern vervielfacht. Bangladesch ist heute weltweit der fünftgrößte Produzent von Garnelen. Etwa 130 Unternehmen teilen sich die Gewinne einer Branche, die fast eine Million bangladeschischer Arbeiterinnen und Arbeiter für weniger als einen Euro pro Tag beschäftigt. 190 000 Hektar von Mangrovenwäldern und fruchtbarem Land wurden in Aquakulturen verwandelt. Das ursprünglich landwirtschaftlich genutzte Gebiet wurde zu niedrigen Preisen den Kleinerzeugern abgekauft und dann in Anlegen zur Garnelenzucht umgewandelt, was die Versalzung des Bodens erhöht und das Land endgültig unbrauchbar für den Anbau macht.

Diese Industrie gefährdet die Existenzgrundlage der Bauern, ohne andere Arbeitsplätze in ausreichender Zahl zu sichern. In den Sundarbans hat die Garnelenzucht das fragile Gleichgewicht, das der örtlichen Bevölkerung erlaubte, von den Ressourcen des größten Mangrovenwalds der Welt zu leben, zerbrochen. Das Ökosystem kann sich an die Versalzung des Wassers und Erhöhung der Temperaturen nicht schnell genug anpassen. Die großen Bäume verschwinden und auch eine große Zahl von Tier- und Pflanzenarten. Die Bauern, die einst Reis angebaut und keine Arbeit in den Aquakulturen gefunden haben, wurden zu Fischern in den Sundarbans. Aber die Mangroven können dem kombinierten Druck der immer bedeutenderen Kleinfischerei und der Garnelen-Industrie, die von der Verschmutzung zerstörte Seen hinterlässt, nicht standhalten. Dies bewirkt eine ökologische Katastrophe und verstärkt die Auswirkungen des Klimawandels, da die Mangroven ein Puffer zwischen Land und Meer sind. Sie schützen gegen die Erosion, die von den auf die Küste treffenden Wirbelstürmen verursacht wird.

Im Binnenland hat der Wille, die landwirtschaftliche Produktivität der Felder rasch zu steigern, zu einem übermäßigen Einsatz von Düngemitteln geführt. Dies verstärkt den Rückgang der Artenvielfalt und die Bodenerosion.

ERNÄHRUNGSSOUVERÄNITÄT UND KLIMAFLÜCHTLINGE

Die sozialen Herausforderungen sind gewaltig für die 150 Millionen Menschen in Bangladesch und insbesondere für die Ärmsten. Ein Drittel der Bevölkerung lebt unterhalb der Armutsgrenze und 70 % sind ohne Land. Klimawandel und neoliberale Politik bedrohen den Lebensstil von Millionen von ihnen. Prognosen gehen davon aus, dass fast 40 Millionen Menschen Klimaflüchtlinge werden könnten. Die Hauptstadt Dhaka wird die massiv verdrängte Bevölkerung nicht absorbieren können, die zu erwarten ist, wenn ein Teil des Landes unbewohnbar ist, weil es überflutet oder zur Wüste geworden ist. Sie nimmt bereits jedes Jahr eine halbe Million Bauern auf, deren traditionelle Umwelt zerstört wurde. Die Lösung kann auch nicht vom benachbarten Indien kommen, das mit Bangladesch eine 4000 km lange gemeinsame Grenze hat und einen doppelten Stacheldrahtzaun von 2,5 Metern Höhe und über 2500 km Länge errichtet hat. Die indische Regierung behauptet, sich so gegen Terrorismus und Menschenhandel schützen zu wollen. Tatsächlich unterbindet er den Strom von Migranten von beiden Seiten der besonders komplexen Grenze. Eine Antwort muss aber auf Zusammenarbeit und gegenseitiger Unterstützung beruhen und ganz sicher nicht auf Sperrung der Grenzen und Repression.

In einem Land, in dem die Landwirtschaft einen Anteil von 20 % des BIP und 65 % der Beschäftigten umfasst, erscheint Ernährungssouveränität als eine der Schlüsselfragen, die es Bauern ermöglicht, den Klimawandel zu mindern und sich an seine Folgen anzupassen, und gleichzeitig eine überwiegend arme Bevölkerung zu ernähren.

Das Paradigma der Ernährungssouveränität ist das Gegenteil des dominierenden Modells des Agrobusiness, bei dem die Jagd nach Profit vor den Nahrungsbedürfnissen der Menschen und der Rücksicht auf die Umwelt kommt. Dieses Paradigma „bekräftigt das Recht der Menschen vor Ort, ihre eigene Agrar- und Ernährungspolitik zu definieren, ihren eigenen Markt zu kontrollieren und die lokale Landwirtschaft durch die Verhinderung des Abfließens der landwirtschaftlichen Überschüsse zu fördern. Es fördert vielfältige und nachhaltige Methoden der Landnutzung, die die Erde respektieren und den internationalen Handel nur als Ergänzung zur lokalen Produktion betrachten. Ernährungssouveränität bedeutet, die Kontrolle der natürlichen Ressourcen wie Boden, Wasser, Saatgut an die lokalen Gemeinschaften zurückzugeben und gegen die Privatisierung des Lebens zu kämpfen.“ [1]

Das Scheitern der Konferenz von Kopenhagen sollte uns an die Unfähigkeit der Regierungen der Großmächte erinnern, konkrete Maßnahmen zu beschließen und durchzuführen. Die bevorstehende Klimakatastrophe wird sich nicht abwenden lassen, ohne sich vom kapitalistischen System zu lösen, das auf der Suche nach Gewinnmaximierung und unbegrenzter Akkumulation basiert – Zielen, die mit der Bewahrung der Umwelt und der Befriedigung sozialer Bedürfnisse unvereinbar sind.

Bauernorganisationen wie Bangladesh Krishok Föderation (BKF) und Kisan Sabha Bangladesch (BKS) [2] organisieren Workshops mit Landwirten, um Auswirkungen des Klimawandels zu beurteilen und zu Fragen des Zugangs zu Land und zur Ernährungssouveränität zu mobilisieren. Für Ende des Jahres 2011 planen die beiden Organisationen eine Karawane für die Ernährungssouveränität, die von Land zu Land ziehen soll. Die Veranstalter wollen die am stärksten gefährdeten Bevölkerungsgruppen informieren und mobilisieren, an den Erfahrungen der bäuerlichen Basisbewegungen teil zu haben und die internationale Solidarität zu Fragen des Klimawandels und der Ernährungssouveränität, vor allem in Südasien, zu entwickeln. Die Rolle dieser fortschrittlichen und unabhängigen Organisationen ist sehr wichtig. Sie sind ein wichtiger Teil beim Aufbau einer radikalen globalen Massenbewegung für Klimagerechtigkeit.

Weitere Artikel zum Thema

Erklärung des Internationalen Komitees der Vierten Internationale: Das Umkippen des Klimas und die globale ökologische Krise, Inprekorr Nr. 3/2011 (Mai/Juni 2011)

Daniel Tanuro: Klimamobilisierung und antikapitalistische Strategie, Inprekorr Nr. 462/463 (Mai/Juni 2010)

Esther Vivas: Antikapitalismus und Klimagerechtigkeit, Inprekorr Nr. 462/463 (Mai/Juni 2010)

Resolution des 16. Weltkongresses der IV. Internationale: Kapitalistische Klimaveränderung und unsere Aufgaben, Inprekorr Nr. 462/463 (Mai/Juni 2010) (nur online)

Michael Löwy: Klimawandel: Ein Beitrag zur Debatte, Inprekorr Nr. 456/457 (November/Dezember 2009)

Daniel Tanuro: Bericht über den Klimawandel an das IK der Vierten Internationale, Teil II, Inprekorr Nr. 454/455 (September/Oktober 2009)

Daniel Tanuro: Bericht über den Klimawandel an das IK der Vierten Internationale, Teil I, Inprekorr Nr. 452/453 (Juli/August 2009)

Daniel Tanuro: Bali schon vergessen?, Inprekorr Nr. 448/449 (März/April 2009)
II. Internationales Manifest: Die ökosozialistische Erklärung von Belém, Inprekorr Nr. 448/449 (März/April 2009)


Dieser Artikel erschien in Inprekorr Nr. 4/2011 (Juli/August 2011).

[1]Siehe den Artikel von Esther Vivas, «Alternatives to the Dominant Agricultural Model», in International Viewpoint.

[2]Bangladesh Krishok Federation (BKF) und Bangladesh Kisani Sabha (BKS) sind zwei Bauernorganisationen, die Via Campesina in Bangladesch vertreten. Siehe http://www.krishok.org/

Übersetzung: Björn Mertens “

 

(Quelle: Inprekorr.)

Hinweis

Die aktuelle Ausgabe der Zeitschrift “Inprekorr”, aus der dieser Aufsatz stammt, kann in unserer Bücherei entliehen werden.

Global: Klimawandel in der Südsee – schon heute eine Frage von Leben und Tod

Montag, Juli 19th, 2010

“CLIMATE CHANGE IN THE PACIFIC – A MATTER OF SURVIVAL

By Sonia Smallacombe


Kiribati (Photo taken by Roisterer/Wikipedia).

Indigenous peoples in the Pacific region are among the first to face the direct adverse consequences of climate change, due to their dependence upon and close relationship with the environment and its resources. While they are amongst the lowest emitters of greenhouse gases, they are also amongst the most vulnerable to the impacts of climate change due to their small size, coastal populations, high dependence on natural resources and the low-lying nature of their lands. As a result, indigenous peoples in many Pacific Island countries feel particularly helpless. Further, they realize that there are climate change threats that cannot be reduced, mitigated or eliminated and they are therefore forced to accept that adaptation is the only responsive option available to them.

Impacts of climate change

On average, more than 90% of the population of the Pacific region are indigenous. This includes Vanuatu, the Solomon Islands, Fiji, Samoa, Tuvalu, Rapa Nuie (Easter Island), Papua New Guinea etc. Most of the Pacific region comprises small island states and indigenous peoples are heavily impacted by climate-induced warming: their islands are inundated by rising sea levels, increasing erosion occurs from intense storms, and saltwater intrudes into freshwater supplies. These changes are affecting livelihood activities such as hunting and fishing, and impacting on island infrastructure, access to water resources, food and housing availability, and even the very health of indigenous peoples. There is also concern that climate change will result in revenue loss across important economic sectors such as agriculture, forestry, tourism, energy and other industry-related sectors.

Rising sea levels

Many Pacific Islands have low land masses and, as a result of the rise in sea levels, are experiencing damage to buildings and infrastructure. Crops and causeways linking villages are being flooded, forcing cars, buses and trucks to drive through seawater. This has been particularly noticeable in Kiribati and a number of other small Pacific Island nations, which could completely disappear beneath the waves at some point this century. The small island of Tebua in Tarawa used to be a landmark for fishermen but today it is knee-deep under water. Kiribati suffers the effects of king tides that wash through the islands from one side to the other with great ease. It is now a common factor in Kiribati to have king tides with waves 2.8 metres in height.[1]
High tides and stormy seas have also recently caused problems in the Marshall Islands, Cook Island, Tuvalu and low-lying islands of Papua New Guinea. In Tuvalu, fresh groundwater mixes with salty seawater, forcing some farmers to grow their root crops in tin containers. These damaging effects of climate change are likely to intensify if sea levels rise as predicted.

Damage to Pacific ecosystems

In the Pacific region, environmental changes are prominent on islands where volcanoes build and erode; coral atolls submerge and reappear and the islands’ biodiversity is in flux. The region has suffered extensively from human-made disasters and hazards resulting from nuclear testing, pollution including shipping-related pollution, hazardous chemicals and hazardous wastes (Persistent Organic Pollutants or POPs), and solid waste management and disposals. These issues, as well as the threats of climate change, have severely affected the ability of island ecosystems to maintain a healthy and pristine environment for the economic, social and cultural viability of indigenous communities.[2]
   Warmer temperatures have led to the bleaching of the Pacific Islands’ main source of survival – the coral reefs. Bleaching occurs when reef-building corals, reacting to stress such as warmer waters, loosen the algae that help feed them. Because the algae give them colour, the starved corals look pale, hence the term “bleaching”. Continued bleaching ultimately kills corals. Reef-building corals provide most of the primary productivity of coral reefs and are also an important shelter for a diversity of marine organisms. Reduced abundance and diversity of reef-building corals is thus very likely to have a major influence on the surrounding biodiversity. Coral reefs are home to much of the seafood that is enjoyed by indigenous peoples in the region.[3]

Food and water security

Agriculture in the Pacific region, especially in small island states, is becoming increasingly vulnerable due to heat stress on plants and salt water incursions. Crops with low tolerance to climate hazards such as bananas, one of the main staple crops, are severely threatened. Soil erosion from destructive wave activity, frequent storm surges and landslides causes land loss to many indigenous communities. Plantations and livestock are the major sources of subsistence farming, and are now faced with serious threats from new diseases and pests linked to flooding, drought and other climatic variations. Threats to food security are thus of great concern to the region.
   A significant impact of climate change and climate variability on indigenous peoples in the Pacific region is unreliable water availability. In many places, there is often a lack of water storage systems such as water tanks. If improvements were made to water supplies and accessibility systems, indigenous peoples would not have to rely on unpredictable and untreated river sources. Hence, sustainable water sources, maintaining and improving water quality and minimizing the spread of water-borne diseases is an important issue for indigenous peoples in the Pacific.

Drought

Some 2,000 miles to the west of the Pacific is Australia, which is experiencing the worst drought in 100 years, even with the flooding that occurred in late 2007 and early 2008. Scientists are not certain that climate change is to blame but it is the most popular theory. One concern is that when there is rain in the northeast coastal regions, soil washes into the Great Barrier Reef, the world’s largest coral reef. This process is damaging the coral, and warmer waters are also killing parts of the reef.

Carbon emissions trading

In the Pacific, like in most other regions, indigenous peoples are not only affected by climate change but also by the initiatives developed to address it. Carbon emissions trading is an area of concern for many indigenous peoples. At the same time, however, some indigenous peoples see the potential economic benefits of taking part in carbon trading projects, especially when indigenous communities have already developed, over thousands of years, sustainable, neutral and carbon negative livelihoods. A unique agreement, which claims to be the first of its kind in the world, was recently negotiated in Australia. In June 2007,
when a giant new natural gas refinery was constructed in Darwin, ConocoPhillips agreed to pay the Aboriginal people of the Western Arnhem Land region of Australia AUD 1 million (USD 850,000) per year, for 17 years, to offset 100,000 tons of the refinery’s own greenhouse emissions (The Western Arnhem Fire Management Agreement). The Aboriginal people concerned will use traditional fire management practices, which have been scientifically shown to reduce greenhouse gas emissions as compared to naturally occurring wildfires.[4]
   Carbon trading continues to be a hugely contentious issue, however, mainly due to its inherent problems. The main concern is that, while companies do not have to actually reduce their emissions, they can pay other companies and groups, mostly from nonindustrialized countries, to reduce emissions or to absorb CO2 from the atmosphere, and thus account for these as their own reductions. The big benefit to companies is that, when paying others, they pay only a fraction of what they would need to invest at home to achieve the same goal.[5]

Adapting to climate change through migration

As people begin to feel the heavy impact of climate change on the quality of life in the Pacific, migration will become a major issue, particularly as a result of flooding from the rising sea level. Forced adaptation is already underway, with some communities being displaced from their traditional lands and territories due to coastal and land erosion caused by large stormdriven waves. Dislocation is already a reality in Samoa and Vanuatu, where flooding from extreme weather and rising sea levels have become the norm and thus have serious implications for people residing in the region. People living in Papua New Guinea’s Bougainville atoll island of Cartaret have asked to be moved to higher ground on the mainland. The people of Sikaiana Atoll in the Solomon Islands have also been migrating away from their atoll, primarily to Honiara, the capital. Similarly, there has been internal migration from the outer islands of Tuvalu to the capital, Funafuti. In the case of Tuvalu, this migration has brought almost half of the national population to Funafuti atoll, with the inherent negative environmental consequences, including an intensified demand for local resources.[6] New Zealand has agreed to take 75 Tuvaluans per year, in a slow evacuation process of the island.
   Migration as a solution is, however, highly problematic. It is a violation of the right of countries to exist as peoples, a threat to cultures and tradition, causes loss of lives, loss of biodiversity, loss of spiritual connectivity and loss of settlement.[7] It is therefore crucial that the issue of “environmental refugees” is seriously discussed and that indigenous peoples become genuinely involved in designing and implementing responses to climate change.

Adapting by applying traditional knowledge

Traditional knowledge and practices are important to sustaining and managing the environment. In a coastal village on Vanua Levu, Fiji, the philosophy of vanua (which refers to the connection of people with the land through their ancestors and guardian spirits) has served as a guiding principle for the management and sustainable use of the rainforest, mangrove forest, coral reefs and village gardens.
   In other parts of the Pacific, indigenous peoples have supported mangrove conservation along the coastline to protect against natural disasters such as cyclones and tsunamis. It is seen as a cheaper undertaking than seawalls, which are funded from external sources. Mangrove conservation involves the community in the management process as well as the inclusion of women in the replanting activities. Other activities include the provision of a water drainage system as well as banning tree clearing. However, it is recognized in the Pacific that enhancing adaptive capacity involves more than local options, which will only be successful if they are integrated with other strategies such as disaster preparation, land-use planning, environmental conservation and national plans for sustainable development.[8]
   Grants from United Nations agencies, such as the International Fund for Agricultural Development (IFAD), promote the development and dissemination of appropriate crops and technologies in the Pacific region. The merging of indigenous and atoll technologies through action research and documentation is designed to support agriculture and fisheries. A similar activity, managed by the Solomon Island Development Trust, is due to take place through a small grant from IFAD’s Indigenous Peoples’ Assistance Facility (IPAF). Indigenous populations will be assisted to improve post-crisis resilience by merging traditional with scientific knowledge.
   Institutional barriers that prevent adaptation exist in the Pacific region. For example, adaptive capacity and resilience in the Pacific is hampered by limited resources and lack of access to technology. On the other hand, the application of traditional knowledge and past experiences has been strengthened in various ways, such as the implementation of traditional marine social institutions, as exemplified in the Ra’ui in Rarotonga, Cook Islands. This is an effective conservation management tool aimed at improving coral reef health. Indigenous peoples’ ecological knowledge and customary sea tenure is also integrated with marine and social science to conserve some of the wildlife, such as the bumphead parrotfish in Roviana Lagoon, Solomon Islands. Changes in sea tenure, back to more traditional roles, have also taken place in Kiribati.[9]

What needs to be done

While there is scientific consensus, notably through the Intergovernmental Panel on Climate Change (IPCC), with regard to the threats that climate change poses, governments have been slow to respond. The vulnerability of the whole Pacific region to disasters poses a real threat to achieving economic stability, social development, environment conservation and cultural diversity. In September 2007, Mr. Elisara-La’ulu, Director of Ole Siosimaga Society (OLSSI) in Samoa, said that bystanders who knew that the world was in crisis but did nothing were just as bad as the architects of the crisis. He urged government leaders to ask indigenous peoples about the effects of climate change before taking any decisions, and that indigenous peoples should not act when under pressure from global processes driven by big governments.[10] During a meeting in April 2008, Mr. Elisara noted that:

For us Pacific peoples, the discussion on climate change is not just a theoretical issue that we talk about when we come to these global meetings! It is there and we see the effects in our daily lives. For us it is a matter of life and death! In many cases we have to decide whether to stay on our islands or leave our homes. As sovereign countries, our rights as countries are protected under the Charter of the United Nations. We plead accountability against those causing these violations of our rights to exist as peoples, as countries, and as sovereign nations. Someone must bear responsibility for our demise when we lose our cultures, when our traditional ways of lives are trashed, and we are denied our freedom to exist as peoples. This is an issue of climate justice that we are calling for here and will continue to do so in every opportunity that comes our way![11]

There are two important issues that some of the small island states, such as Samoa, are highlighting. The first issue is the importance of allowing communities themselves to prioritize and pursue their adaptation needs. Community representatives need to work with policymakers to identify solutions that take account of cultural values in order to protect the livelihood and well-being of indigenous peoples. The second issue is the urgent need to put early warning systems in place to ensure that indigenous communities have the information they need to respond to each hazard and potential threat. This in turn will go some considerable way towards implementing sustainable community activities to adapt to, and minimize, the adverse impacts of climate change.
   At the Pacific Regional Civil Society Organization Forum held in Tonga in October 2007, the following recommendations were made:

• That regional contingency plans be developed to accommodate environmental refugees in a manner that maintains their national identity and indigenous cultural integrity;
• Engage indigenous peoples’ organizations in the development of programmes that involve measures to deal with the effects of climate change;
• Promote forest conservation, energy efficiency and renewable energy; and
• Involve indigenous peoples in programs that support community-level mitigation and aptation measures and, at the same time, recognize the value of the traditional knowledge of indigenous peoples, which has enabled them to maintain and interact with their environment in a sustainable way.[12]

 

Notes

[1] Fiu Mataese Elisara. Effects of Climate Change on Indigenous Peoples. A Pacific presentation during the International Expert Group Meeting on Indigenous Peoples and Climate Change, Darwin, Australia April 2-4, 2008.
[2] Ema G. Tagicakibau. Pollution in Paradise: The Impact of Nuclear Testing and Radio-Active Pollution on Indigenous Peoples in the Pacific and Strategies for Resolution. Pacific Concerns Resource Centre, August 2007.
[3] Robert W. Buddemeier, Joan A. Kleypas, Richard B. Aronson. Coral Reefs and Global Climate Change: Potential Contributions of Climate Change to Stresses on Coral Reef Ecosystems. Pew Centre, January 2004, page 25.
[4] Victo Mugarura. Aborigines burn the way to climate control. BBC, September 18, 2007 http://news.bbc.co.uk/2/hi/asia-pacific/6726059.stm
[5] D. Wysham. A Carbon Rush at the World Bank. Foreign Policy in Focus, February 2005. See www.fpif.org
[6] Intergovernmental Panel on Climate Change (IPCC). Report of Intergovernmental Panel on Climate Change, Working Group 2: Climate Change Impacts, Adaptation and Vulnerability, 2007, page 708.
[7] Fiu Mataese Elisara. Effects of Climate Change on Indigenous Peoples. A Pacific presentation during the International Expert Group Meeting on Indigenous Peoples and Climate Change, Darwin, Australia April 2-4, 2008.
[8] Intergovernmental Panel on Climate Change (IPCC). Report of Intergovernmental Panel on Climate Change, Working Group 2: Climate Change Impacts, Adaptation and Vulnerability, 2007, page 709.
[9] Ibid, page 708.
[10] Meetings Coverage, DPI/NGO Annual Conference, NGO/626, PI/1794, Department of Public Information, UN, New York, 6 September 2007.
[11] Fiu Mataese Elisara. Effects of Climate Change on Indigenous Peoples. A Pacific presentation during the International Expert Group Meeting on Indigenous Peoples and Climate Change, Darwin, Australia April 2-4, 2008.
[12] Communiqué of the Pacific Regional Civil Society Organization Forum held in Tonga in October 2007, pages 4-5.

 

Sonia Smallacombe is a member of the Maramanindji people in the Daly River region of the Northern Territory in Australia. She is currently working in the United Nations Secretariat of the Permanent Forum on Indigenous Issues (UNPFII) and is the focal person on climate change.
   The views expressed in this paper do not necessarily represent those of the United Nations or the Secretariat of the Permanent Forum on Indigenous Issues.”

 

(Quelle: Indigenious Affairs.)

 

Hinweis:

Eine deutsche Übersetzung dieses Artikels finden Sie in der Zeitschrift “Bumerang” – und diese wiederum in unserer Bücherei.

Klimawandel: Südsee-Inseln verlangen nach politischem Handeln

Freitag, Mai 28th, 2010

“Drowning Islands Demand Action On Climate Change

News Release

Permanent Mission of the Republic of Nauru to the United Nations
New York, N.Y.
May 20, 2010

DROWNING ISLANDS DEMAND ACTION ON CLIMATE CHANGE

The Pacific Small Island Developing States (Pacific SIDS) at the United Nations called on the Security Council to immediately address the security threats of climate change in a letter sent to Security Council members today. ‘Climate change can devastate a country just as thoroughly as an invading army. We urgently need the Security Council to take this issue seriously,’ said Ambassador Moses, Permanent Representative of Nauru to the United Nations and Chair of thePacific SIDS.
Climate change is already contributing to severe food and water shortages in the Pacificand has led to the forced to displacement of individuals and communities in Vanuatu, Micronesia, Papua New Guinea, Tuvalu and the Solomon Islands. Sea level rise is the most dire security threat to the region. Recent projections by scientists indicate that a rise in sea level of two meters by the end of the century cannot be ruled out. Such a scenario would redraw political borders and devastate low-lying islands in the Pacific.

If international community fails to take immediate action, then it will be complicit in the extinction of entire nations,’ said Ambassador Moses. ‘We can no longer be silent on the failure of the Security Council to meaningfully take action on this issue.’ Within the United Nations system, the Security Council holds primary responsibility for the maintenance of international peace and security. The letter, sent by the Permanent Representatives of eleven Pacific island nations, contends that the Security Council has a duty to use the powers granted to it under the UN Charter to respond to the security threats posed by climate change. ‘While the UNFCCC should be the primary forum for developing a global response to climate change, the negotiations are not keeping pace with the severity of the impacts.

Many of the responses that may be required are beyond the mandate of the UNFCCC,’ said Ambassador Elisaia, Permanent Representative of Samoa to the United Nations. ‘Climate refugees, conflict over increasingly scarce resources and the loss of territory are all impacts caused by climate change that will threaten global peace and security.’ Mexico holds the presidency of the Security Council for the month of June and is also host of COP16 in Cancun later this year. The Pacific SIDS are hoping Mexico shows the same leadership on the Security Council as they have been at the UNFCCC negotiations. Ambassador Moses reiterated the appeal for Security Council action in a statement delivered on behalf of the Pacific SIDS during a formal debate of the General Assembly on human security held today.

The Pacific SIDS work together at the United Nations to raise issues unique to the countries in their region. The Pacific SIDS comprises the missions of Fiji, Federated States of Micronesia, Marshall Islands, Nauru, Palau, Papua New Guinea, Samoa, Solomon Islands, Tonga, Tuvalu and Vanuatu.”

(Quelle: Aboriginal News Group.)