Posts Tagged ‘Klimawandel’

Pazifik: Die sozialen Folgen des Klimawandels

Dienstag, Juni 12th, 2012

“Klimawandel im Pazifikraum:
Neue Lösungen für Umweltmigranten in Kiribati?

(gekürzte Fassung)

Von Dr. Silja Klepp, Bremen

1. Einleitung

Derzeit existiert auf der globalen Ebene kein rechtlicher Schutzstatus für Umwelt- bzw. Klimamigranten. Auch in näherer Zukunft ist dies nicht zu erwarten, da der politische Wille der Regierungen bisher fehlt und es sich bei Umwelt- bzw. Klimamigration um ein komplexes und politisch aufgeladenes Thema handelt, das in Terminologie, Umfang und politischen Lösungsansätzen umstritten ist. Zu erwarten sind hingegen Verhandlungen rund um Umweltmigration in vom anthropogenen Klimawandel betroffenen Gebieten, die in informellen und formellen Foren und auf unterschiedlichen Ebenen realisiert werden. Vor allem im Pazifikraum, wo einige der am meisten durch Umweltveränderungen und Klimawandel gefährdeten Inselstaaten liegen, ist es zu einem regen Aushandlungsprozess rund um Migration als Anpassungsstrategie gekommen.

Kiribati, ein aus 32 Atollinseln bestehender Inselstaat im zentralen Pazifik mit ca. 110.000 Einwohnern, hat dabei bislang die konkretesten Migrationsstrategien auf internationaler Ebene entwickelt und führt verschiedene Verhandlungen, um diese umzusetzen. Die Regierung plant auf Grund der Zukunftsprognosen einen langfristigen Auszug aus der Insel, der schon jetzt begonnen hat und der trotz der etwaigen Notwendigkeit, Kiribati zu verlassen und die Staatsangehörigkeit aufzugeben, „in Würde‟ und selbstbestimmt geschehen soll: „migrate with dignity‟ heißt die Devise und die Strategie der Regierung.

2. Umstrittene Dimensionen des Themas Klimawandel und Migration

Verknüpft mit Gerechtigkeitsdebatten im Zusammenhang mit den Folgen des Klimawandels und den globalen Nord-Süd-Beziehungen werden Diskussionen rund um das Ausmaß der Auswirkungen des Klimawandels und Migrationsbewegungen mit großem Eifer geführt. In Debatten um Begrifflichkeiten und die Einordnung des Phänomens der Umweltmigration werden Faktoren wie die Abhängigkeit der Migrationsentscheidung von Umweltursachen, mehr oder weniger angenommene Freiwilligkeit, temporäre oder permanente Migration sowie Fragen der Reichweite und der Überquerung internationaler Grenzen diskutiert (siehe z. B. Biermann/Boas 2007).

Zwei grundsätzlich unterschiedliche Positionen bestimmen dabei die Debatten: Zum einen Wissenschaftler, die sich vor allem um Norman Myers gruppieren, der Prognosen zu den zukünftigen Zahlen von Umweltmigranten erstellt. Er hält Umweltveränderungen für den Hauptauslöser künftiger Migrationsbewegungen und hat schon im Jahr 1995 25 Millionen „Klimaflüchtlinge‟ gezählt (Myers 2002: 609). Im Gegensatz dazu sehen Black (Black 2001) und andere keine Hinweise, dass Umweltveränderungen alleiniger Auslöser von Migrationsbewegungen sind, hingegen seien politische und sozioökonomische Faktoren bei den Migrationsmotiven und die Anpassungsleistungen der verschiedenen Gesellschaften bei Umweltveränderungen zu berücksichtigen. Nach Richard Black ist der Terminus des „Umweltflüchtlings‟ irreführend und dürfe deshalb nicht verbreitet werden.

Die Debatten um Begrifflichkeiten und Zahlen, die zum Teil einen skandalisierenden Unterton tragen und mit wirkmächtigen Bildern unterlegt werden, zeigen, dass fundierte empirische Forschungen zu Auswirkungen des Klimawandels auf die unterschiedlichen Lebenswelten von Menschen erforderlich sind (Dietz 2009: 218). Diese könnten auch zu mehr konzeptueller und terminologischer Klarheit beitragen, die für verantwortliches politisches Handeln in diesem Bereich nötig ist (Parks/Roberts 2010: 154). Behindert das Fehlen eines konzeptuellen Einvernehmens in der Terminologie die Forschung, so sind die Fragmentierung der wissenschaftlichen Diskurse und die widersprüchlichen Forschungsergebnisse auch mitverantwortlich dafür, dass politische und rechtliche Forderungen für Umwelt- und Klimaflüchtlinge in den letzten Jahren delegitimisiert wurden, so McNamara (2007: 16). Die Betonung der komplexen Kombination von Faktoren, die zu Migration führen, und die Tatsache, dass selten Umweltfaktoren alleine für Migrationsentscheidungen oder Flucht verantwortlich sind, hätten die oftmals schwierige Lebenssituation und Fluchtbedingungen von Umweltflüchtlingen verharmlost und rechtliche Forderungen erschwert (ebd.).

Sicherlich sind es jedoch originär politische Faktoren, die dazu geführt haben, dass auch einige Jahrzehnte nach Aufkommen der Debatten um Umweltmigranten und der Beschreibung des Phänomens auf globaler Ebene kein Schutzstatus geschaffen wurde, der umweltinduzierte Fluchtursachen abdeckt. So schließt das international wichtigste Instrument zum Schutze von Flüchtlingen, die Genfer Flüchtlingskonvention (GFK) von 1951, Umweltphänomene als Fluchtursache aus. Im Diskurs um die Freiwilligkeit von Migration auf Grund von Umweltphänomen vertritt UNHCR die Haltung, nur originär politische, also GFK-Flüchtlinge seien „echte‟ Flüchtlinge. Die Organisation hat damit die Wahrnehmung von Umweltmigranten als „illegitime‟ Migranten noch verstärkt (McNamara 2007: 19).

An dieser Stelle muss betont werden, dass einige Inselstaaten, die von Umweltveränderungen auf Grund des anthropogen verursachten Klimawandels existentiell bedroht sind, den Flüchtlingsstatus für ihre Bürger grundsätzlich ablehnen. Länder wie z.B. Kiribati fordern eine Lösung für eine eventuelle Zukunft außerhalb ihres Staatsgebiets, der ihnen das Recht auf staatliche Souveränität und ihre Bürgerrechte nicht abspricht (McNamara/Gibson 2009: 479).

3. Der Pazifikraum als Aushandlungsarena

Umweltveränderungen und die angenommenen und antizipierten Auswirkungen des anthropogenen Klimawandels führen im Pazifikraum bereits heute zu Migrationsbewegungen und Umsiedlungen. Die Region des südlichen und zentralen Pazifik scheint dabei besonders stark von Umweltveränderungen betroffen. Einige Veränderungen sind vor allem zukünftig zu erwartende häufigere und stärkere Sturmfluten, die Überschwemmung und Erosion der Küsten und die Versalzung der Süßwasservorräte wie auch der landwirtschaftlich genutzten Böden (Mimura et. al. 2007). Der zeitliche Horizont und die Vorhersage genauer ökologischer Auswirkungen sind jedoch auch von Unsicherheiten und möglichen Abweichungen geprägt (Storey/ Hunter 2010: 172). Dies ist einer der Gründe, warum die angestrebten Lösungen für Umweltmigranten im Pazifikraum nicht nur in die Zukunft weisen, sondern auch eine gegenwärtige nachhaltige Entwicklung auf den Inseln anstreben sollten. Bei der Suche nach Lösungen für betroffene Migranten in der Region werden unterschiedliche rechtliche und politische Ebenen diskutiert und staatliche und nicht-staatliche Akteure einbezogen. Um die Bedürfnisse heutiger und zukünftiger Umwelt- und Klimamigranten abzudecken, werden verschiedene rechtliche Felder wie Menschenrechte oder die Rechte indigener Völker, aber auch soft-law-Ansätze wie z.B. humanitäre Appelle und Deklarationen herangezogen. Ebenso werden unterschiedliche politische Instrumente wie die Gründung von Anpassungs- und Flüchtlingsfonds oder regionale Programme zur Arbeitsmigration verhandelt. Als Beispiel für eine Deklaration, die die Bedeutung regionaler Lösungsansätze für Umweltmigranten betont, sei hier z.B. die Niue Decleration on Climate Change des Pacific Island Forum (PIF) von 2008 genannt. Dieser regionale Aushandlungsprozess im Pazifikraum, die Möglichkeiten und Grenzen verschiedener Strategien und Allianzen, wurde mit Hilfe empirischer Forschung in Vanuatu, Kiribati und Neuseeland in den Jahren 2010 und 2011 untersucht. Im Folgenden sollen nun verschiedene Aspekte der internationalen Verhandlungsbemühungen der Regierung von Kiribati vorgestellt werden.

3.1 „Migrate with dignity“

Die Inselgruppe Kiribati erstreckt sich mit seinen drei Inselgruppen (Gilbert-, Phoenix-, Line-Inseln) entlang des Äquators über ein Gebiet von über 5 Millionen km2. Die Einwohner Kiribatis leben zumeist von Subsistenzwirtschaft. Das Land ist wie andere Inselstaaten im Südpazifik von Zahlungen internationaler Geber und von Auslandsüberweisungen internationaler Migranten abhängig. Kiribatis Ökonomie wird deshalb, wie auch die seiner Nachbarstaaten, häufig als MIRAB-Ökonomie beschrieben: Das Kürzel, das für Migration, Remittances, Aid, und Bureaucracy steht, verweist auf die hohe Abhängigkeit von internationalen Gebern, internationalen Migranten und auf einen aufgeblähten öffentlichen Sektor (Bertram 2006).

Die Anpassungsleistungen, die die Bewohner Kiribatis z.B. in der Landwirtschaft im Kontext von Dürren oder Salzwasserintrusion seit langem erbringen, könnten in Zukunft nicht mehr ausreichend sein, um ihre Existenz auf der Insel zu sichern. Die Unbewohnbarkeit des Territoriums muss mittel- oder langfristig angenommen werden (Barnett/Adger 2003: 326, Risse 2009). Neben rechtlichen und politischen Fragen und Konflikten rund um Migrations- und Umsiedlungsprojekte der Bewohner Kiribatis, sind hier auch Fragen der Souveränität und der Zukunft der Ausschließlichen Wirtschaftszone (Exclusive Economic Zone – EEZ) Kiribatis völlig offen (siehe dazu z.B. Esteban/ Yamamoto 2010). Die Regierung arbeitet schon jetzt aktiv an verschiedenen Wegen, heutigen und zukünftigen Umweltmigranten Migrationsmöglichkeiten zu erschließen und ihnen in Zukunft ein gutes Lebensumfeld und Auskommen zu ermöglichen. Diese Möglichkeiten beziehen sich auf interne Umsiedlungsmaßnahmen und externe internationale Migration. Im Folgenden sollen vor allem die internationalen Bemühungen Kiribatis vorgestellt werden.

Seit einigen Jahren sendet der seit 2003 regierende Präsident der Insel, Anote Tong, in unterschiedlichen globalen und regionalen Foren Appelle an die Weltgemeinschaft, ihre Treibhausgase zu vermindern und Verantwortung für die Geschicke der Insel als „Opfer des Klimawandels‟ und für die Klimaflüchtlinge Kiribatis zu übernehmen (BBC 2009). So sagte Tong am Weltumwelttag der Vereinten Nationen im Juni 2008 in Wellington, Neuseeland: „None of the atolls that make up our country are more than two metres above sea level. We will be submerged by the end of the century, as things stand right now. […] But what happens before is equally devastating. Entire villages are being relocated as the sea encroaches upon the land. People are being asked to move from places that have been home for them. It’s a human tragedy.‟ (Times of India 2008)

Einen humanitär begründeten Flüchtlingsstatus als Grundlage für ihre Zukunft lehnen die Menschen in Kiribati und deren Regierung um Präsident Tong ab, ein Leben in Flüchtlingszentren und in Abhängigkeit der Aufnahmegesellschaft halten sie für nicht hinnehmbar.1 Bei den Lösungsansätzen Kiribatis setzt Tong hingegen auf langfristige Planung, „so that when people migrate, they will migrate on merit and with dignity,‟ (zitiert nach Risse 2009: 281). Die verhandelten Optionen bestehen neben den Anpassungsleistungen und Migrationsprojekten einzelner Einwohner auch in direkten Appellen an Anrainerländer des Pazifiks wie Australien und Neuseeland, um Migrationsprogramme in die Wege zu leiten. Keines dieser Länder hat jedoch formelle Zugeständnisse an Kiribati gemacht. Neuseeland hat seit 2002 unter dem Namen Pacific Access Category eine jährliche Quote für die Pazifikinseln Kiribati, Tuvalu und Tonga zur Arbeitsmigration geschaffen. Jährlich können auf diese Weise 75 Migranten aus Kiribati nach Neuseeland übersiedeln (Immigration New Zealand 2005). Auf der offiziellen Homepage des neuseeländischen Außenministeriums wird jedoch jede Verbindung zu Zugeständnissen auf Grund des Klimawandels ausdrücklich dementiert: „New Zealand does not have an explicit policy to accept people from Pacific island countries due to climate change. […] New Zealand has no such arrangement with any […] Pacific Island.‟ (Immigration New Zealand 2005)

Des Weiteren wurden Arbeitsprogramme aufgelegt, vor allem im Bereich der Erntearbeit (Recognised Seasonal Employment – RSE). Die hier saisonal arbeitenden I-Kiribati haben perspektivisch die Möglichkeit, sich in Neuseeland niederzulassen. Anders als in Europa wird hier diese Form der zirkulären Migration als ein Weg zur dauerhaften Migration anerkannt.2 Zwischen den Volkszählungen 2001 und 2006 stieg die Anzahl der in Neuseeland lebenden I-Kiribati auf diese Weise um 72 Prozent auf 1.116 an (Bedford/Bedford 2010: 107). In Australien, das insgesamt noch zögerlicher als Neuseeland auf die Appelle Kiribatis reagiert (Interview NS), wurde ein Ausbildungsprogramm für Krankenschwestern aus Kiribati geschaffen, die anschließend in Australien arbeiten können (Kiribati Australia Nursing Initiative – KINA). Kiribati bezeichnet diese Migrationsprogramme als Strategie zur Anpassung an den Klimawandel,3 die Aufnahmeländer möchten jedoch explizit keinen Bezug zwischen diesen Programmen und Umweltmigration herstellen. Weitere Vereinbarungen und Programme sind geplant, so wird zurzeit auch mit Kroatien für ein Arbeitsprogramm im Tourismusbereich und mit Kanada im Dienstleistungsbereich verhandelt.4

In Bezug auf Umsiedlungsprojekte, die größere Gemeinden umfassen könnten, hat Fidschi am Rande der UNFCCC Verhandlungen in Kopenhagen 2009 angekündigt, dass es bereit sei, Menschen aus Kiribati aufzunehmen (Bedford/Bedford 2010: 90). Ein Vorteil könnte hier sein, dass ein Erhalt kultureller Dimensionen Kiribatis’ auch außerhalb des Staatsgebiets durch die gemeinsame Umsiedlung und auf Grund ähnlicher Klima- und Lebensverhältnisse in Fidschi gewährleistet werden könnte, was in den Debatten immer wieder als wichtig hervorgehoben wird. Noch für das Jahr 2011 war ein Memorandum of Understanding bezüglich des Themas Migration und Klimawandel mit der Regierung von Fidschi geplant. Die Regierung von Fidschi, die als Diktatur gilt, hat damit bezüglich regionaler Lösungen für Umweltmigranten eine führende Rolle in der Debatte eingenommen. Die Regierung erhofft sich von dieser Geste in Richtung Kiribati und der Region wohl auch mehr regionale und internationale Anerkennung.5

Wie die Verhandlungen mit Fidschi zeigen, schließen die Strategien Kiribatis’ damit zum Teil an schon bestehende Migrationsbewegungen und historische Umsiedlungen an. Historisch war der Pazifik, der im Gegensatz zu einem isolierten, abgelegenen Bild von den Inselstaaten auch als „sea of islands‟ beschrieben wird (Hau’ofa 1993), ein Handels-, Heirats- und Begegnungsraum, in dem rege Reise- und Umsiedlungstätigkeiten erst durch die Kolonialmächte stark eingeschränkt wurden. Anderseits wurden durch die Kolonialregierungen auch einige Umsiedlungen von Inselgemeinden durchgeführt, auch auf Grund von Umweltveränderungen wie Vulkanausbrüchen, aber vor allem im Rahmen von anthropogenen Eingriffen wie Atomtests. Die britische Regierung der Gilbert Inseln, heute Kiribati, siedelte auf Grund des starken Phosphatabbaus die Einwohner der Insel Banaba nach Fidschi um. Die nun auf der Fidschi-Insel Rabi lebenden ehemaligen Einwohner Kiribatis haben in Kiribati noch immer Sonderrechte, wie z.B. ein Mitspracherecht und einen Vertreter im Parlament (Campbell 2010: 40). Zudem gilt internationale Migration im pazifischen Inselraum heute als weitverbreitete Strategie, um zusätzliches Haushaltseinkommen zu generieren (Pellinga/ Uittob 2001: 56). Wenn auch seit Einführung des nationalstaatlich geprägten Systems internationale Migrationsbewegungen als Anpassung an Umweltveränderungen ungleich schwieriger geworden sind, so schließen Migrationslösungen dennoch gerade auf regionaler Ebene unter heute veränderten Vorzeichen an historische Modelle an. Im folgenden Abschnitt soll nun diskutiert werden, welche Auswirkungen die verhandelten Migrationsprogramme auf Kiribati haben.

3.2 Effekte der Migrationsprogramme auf eine nachhaltige Entwicklung Kiribatis’

Da die Effekte der aktuell verhandelten und durchgeführten Migrationsprogramme noch jung sind, bisher unzureichend erforscht wurden und das Forschungsprojekt noch am Anfang steht, lassen sich an dieser Stelle zum Teil lediglich Hypothesen formulieren, die in Zukunft überprüft werden müssen.
Zunächst lässt sich feststellen, dass der Bevölkerungsdruck vor allem auf der Hauptinsel Tarawa durch internationale Migration gesenkt wird. Kiribati hat auf der Hauptinsel South Tarawa eine der höchsten weltweiten Bevölkerungsdichten mit 2558 Einwohnern/m2 (Pareti 2007). Die rasch wachsende Bevölkerung hat sich in den letzten Jahrzehnten vervielfacht (Erhebung im Jahr der Unabhängigkeit 1979: 56.213 Einwohner, 2005: 92.533 Einwohner, 2010: 103.466) Dies bringt Infrastruktur-Probleme wie die Gewährleistung der Wasserversorgung und eine funktionierende Müllentsorgung mit sich. Die Verschmutzung der Lagune ist als dramatisch zu bezeichnen (Storey/ Hunter 2010: 168). Die hohen Zuzugszahlen zur Hauptinsel South Tarawa hängen vor allem mit interner Migration zusammen. Viele Bewohner der Outer Islands sind in den letzten Jahrzehnten auf die Hauptinsel umgezogen, weil sie sich hier Arbeitsplätze und durch Zugang zur Gesundheitsversorgung einfachere Lebensbedingungen erhoffen.

Die Remittances-Zahlungen, von denen Kiribati, wie oben erwähnt, abhängig ist, werden durch die Migrationsprogramme steigen, was für den Inselstaat, der zu den Least Developed Countries gezählt wird und sehr hohe Lebenshaltungskosten aufweist, von großer Bedeutung ist. Neben den oben genannten Programmen, die ausdrücklich als Klimawandelmigration verhandelt werden, unterhält Kiribati eine Trainingsschule für Seefahrer (Kiribati Marine Training School), in der in den letzten Jahrzehnten tausende Seeleute für die internationale Schifffahrt ausgebildet wurden, und die nun Zahlungen an ihre Familien leisten. Mit den neu aufgelegten Programmen werden die individuellen Migrationsprojekte der I-Kiribati gefördert und ein weiterer Anstieg der Remittances ist zu erwarten.

Zukünftige Entwicklungen werden von der Regierung pro-aktiv angegangen und möglichst vorausschauend gemanagt. Hier besteht auch ein Unterschied zu den Nachbarländern, wie zum Beispiel dem Inselstaat Tuvalu, die kaum konkrete Strategien für die Zukunft ihrer Bürger entwickelt haben. Die frühe Reaktion und vorausschauende Planung gibt der Regierung die Möglichkeit, verschiedene Strategien zu verfolgen und parallel unterschiedliche individuelle und kollektive Migrationsprogramme aufzulegen.

Bei den als eher negativ bewerteten Auswirkungen der Migrationsdebatten und Migrationsprogramme kritisieren verschiedene Autoren den verstärkten Fokus auf Migration als Anpassungsstrategie. So merken beispielsweise Barnett und Adger an, eine zu einseitige Ausrichtung auf Migration könne andere mögliche Formen der Anpassung untergraben (2003: 330). Auch wäre bei einem verstärkten Auszug aus der Insel und einer möglichen Aufgabe die optimale Ausbeutungsrate der begrenzten natürlichen Ressourcenbasis im nicht nachhaltigen Bereich, da zukünftige Generationen in den Überlegungen keine Rolle mehr spielen würden (Barnett/ Adger 2003: 328).

Die von Kiribati als Klimamigration etikettierten Programme zielen zumeist auf junge, gut ausgebildete Menschen ab. Die Pacific Access Category, ein Programm Neuseelands für den erleichterten Zuzug von Menschen aus pazifischen Inseln, lässt sogar ausdrücklich nur Menschen im Alter zwischen 18 und 45 zu, die über eine gewisse Bildung verfügen. Das sogenannte brain drain-Phänomen, das junge, gut ausgebildete Bewohner als Erstes abwandern lässt, könnte das Inselleben durch eine Gefährdung der Institutionen wie Behörden, Schulen und Gesundheitswesen lange vor den möglichen Auswirkungen des Meeresspiegelanstiegs bedrohen, so Barnett und Adger (2003: 329).

Die diskutierten Aspekte haben vielschichtige Auswirkungen auf eine nachhaltige Entwicklung Kiribatis. Die von Kiribati verhandelten Migrationsprogramme wie auch die Debatten, die um den Auszug der Insel kreisen, sind von vielen Faktoren abhängig und produzieren Nebeneffekte, die von der Regierung nur schwer zu kontrollieren sind. Die Herausforderung besteht dabei darin, möglichst positive Bedingungen für die großen Veränderungen in der Zukunft Kiribatis zu schaffen, die sich gleichzeitig nicht negativ auf die heutige Entwicklung Kiribatis auswirken.

4. Ausblick

Die Regierung Kiribatis’ hat sich entschlossen, die sozialen Folgen des Klimawandels, die für den Inselstaat als verheerend diskutiert werden, frühzeitig anzugehen und für die Zukunft seiner Bürger ein Leben außerhalb Kiribatis zu planen. Dabei ist es entscheidend, dass Inseln wie Kiribati, die sich auf eine, wenn wohl auch ferne, Zukunft einstellen müssen, in der ihre Staatsterritorien nicht mehr bewohnbar sein werden, verschiedene Strategien zur Umsiedlung und Migration ihrer Bürger verfolgen. Dies bedeutet eine Kombination von Vorgehensweisen, die die Unterstützung freiwilliger, individueller Migrationsprojekte von Staatsbürgern ebenso einschließt wie staatlich geplante Umsiedlungen von Communities (Bedford/ Bedford: 93). Die Verhandlungsbemühungen, die vor allem auf ein Leben der heutigen und zukünftigen Migranten ohne Fremdbestimmung abzielen, stehen dabei noch ganz am Anfang und werden von der oftmals ablehnenden Haltung potentieller Aufnahmeländer, vor allem den reicheren OECD-Ländern in der Region Neuseeland und Australien, geprägt. Dabei bleibt auch zu diskutieren, ob und in welcher Weise regionale Antworten und Lösungen für Klimamigranten, die zurzeit forciert werden, überhaupt die beste Migrationsmöglichkeit darstellen. Die oben erwähnten Debatten um Klimagerechtigkeit unterstreichen hingegen immer wieder den originär globalen Charakter des Themas anthropogener Klimawandel und seiner sozialen Auswirkungen (Boncour/ Burson 2009: 19) und diskutieren Mechanismen, Verantwortlichkeiten „gerecht‟ zu verteilen. Dennoch sind auch Erfolge Kiribatis’ zu verzeichnen und statt sich ausschließlich in eine Rolle als Opfer des Klimawandels zu fügen, gelingt es der Regierung, Effekte durch die verhandelten Migrationsprogramme zu erzielen, die auch positive Auswirkungen auf die Situation der I-Kiribati haben, wie z.B. die genannten Rücküberweisungen.

Dr. Silja Klepp arbeitet als Wissenschaftliche Mitarbeiterin am artec | Forschungszentrum Nachhaltigkeit der Universität Bremen. Ihr derzeitiges Projekt befasst sich mit innovativen, rechtlichen Lösungen für und Diskursen um Umweltmigranten im Pazifikraum. Für ihre Doktorarbeit „Europa zwischen Grenzkontrolle und Flüchtlingsschutz. Eine Ethnographie der Seegrenze auf dem Mittelmeer“ erhielt sie den Christiane-Rajewsky-Preis 2012 der Arbeitsgemeinschaft Friedens- und Konfliktforschung (AFK) und den Preis der Research Academy Leipzig für eine „herausragende Dissertation“. Info unter: http://www.artec.uni-bremen.de/projekte/zeige_projekt.php?id=110

Info: Das bibliographische Verzeichnis zum Artikel von Dr. Silja Klepp kann bei Interesse in der Infostelle angefordert werden. E-Mail: heike.groeschel-pickel@pazifik-infostelle.org oder Tel.(montags): 09874/91221

Fußnoten

1 Interview mit Scott Leckie, Direktor der NGO Displacement Solutions, am 04.04.2011 in Melbourne, Australien. Displacement Solutions berät die Regierungen von Kiribati und Papua-Neuguinea zu Fragen der Klimawandelmigration.

2 Interview mit Ken Graham, neuseeländischer Parlamentsabgeordneter, Green Party am 18.05.2011 in Wellington, Neuseeland.

3 Interview mit Baatetake Tatoa, Referatsleiterin im Arbeitsministerium Kiribati, am 20.04.2011 in Bairiki, South Tarawa, Kiribati.

4 Ebd.

5 Interview mit Scott Leckie, Direktor der NGO Displacement Solutions, am 04.04.2011 in Melbourne, Australien.”

 

(Quelle: Pazifik-Informationsstelle – Rundbrief Mai 2012 (88))

Siehe auch:

Climate Refugees – Today’s New Reality

Global: Agrar-Kraftstoffe – schaden viel und nützen wenig

Mittwoch, Oktober 20th, 2010

“Agrar-Kraftstoffe stoppen!

Agrar-Kraftstoffe sind keine Lösung für Klimaprobleme

Interview mit Adrian Bebb (in: GID – Der Gen-ethische Informationsdienst, Nr. 201)
 

Agrar-Kraftstoffe schaden in vielen Fällen dem Klima mehr, als sie ihm nützen. Die Freunde der Erde starteten 2007 eine Kampagne gegen Produktion und Nutzung von Agrar-Kraftstoffen.

In der Europäischen Union sind Kraftstoffe, die aus Pflanzen gewonnen werden, Teil einer Strategie, die dem Klimawandel Einhalt gebieten soll. Die meisten Umweltorganisationen sind mittlerweile dagegen. Warum?

Eine Reihe von Organisationen stand den Agrar-Kraftstoffen zunächst sehr positiv gegenüber. Man ging davon aus, dass es einen guten Einfluss auf das Klima haben könnte, wenn weniger fossiles Öl genutzt würde. Inzwischen ist aber deutlich geworden, dass Agrar-Kraftstoffe nicht die Lösung für Klimaprobleme darstellen. Das liegt an der großen Fläche, die für die Produktion der Pflanzen der so genannten ersten Generation [siehe Kasten] notwendig wäre, um den fossilen Kraftstoffverbrauch tatsächlich reduzieren zu können. Diese Einsicht kam zunächst den europäischen Nichtregierungsorganisationen, nach und nach hat sich aber die Mehrheit der zivilgesellschaftlichen Akteure diesem Argument angeschlossen. Mittlerweile ist es offensichtlich, dass es sich bei der Nutzung von Agrar-Kraftstoffen nicht um einen Königsweg handelt.

Welche negativen Auswirkungen hat die Verwendung von Agrar-Kraftstoffen?

Als vor zwei Jahren über dieses Thema diskutiert wurde, war der Ölpreis sehr hoch. Das führte zu einem großen Push für Agrar-Kraftstoffe, der wiederum eine starke Nachfrage auslöste. Diese führte zu Spekulationen auf dem Weltmarkt. Zeitgleich kollabierte das Finanzsystem. Es wurde zunehmend mit Land und mit landwirtschaftlichen Produkten spekuliert. Kraftstoffpreise kletterten in die Höhe. In dieser Zeit fand auch die Debatte in Europa statt, ob mehr Nutzpflanzen zur Herstellung von Kraftstoffen eingesetzt werden sollten – das ist nur ein Teil eines weitaus größeren Bildes.
Für die Landwirtschaft steht nur eine begrenzte Fläche zur Verfügung. Die entscheidende Frage ist nun, wie diese genutzt wird, wer dort anbaut und wer sie besitzt. Die Debatte um die Nutzung der Agrar-Kraftstoffe hat diese Punkte ins Scheinwerferlicht gerückt. Wir haben versucht, unsere Abhängigkeit vom Öl zu überwinden und eine Bioökonomie zu entwickeln. In Zukunft wird die Konkurrenz um die Flächen und die Nutzung des Landes zunehmen. Dabei werden internationale Landbesitzer und Investoren eine große Rolle spielen, wodurch die Nahrungsmittelpreise in die Höhe getrieben werden.

Und die Auswirkungen auf das Klima?

Der zweite Aspekt dreht sich um die frei werdenden Treibhausgase. Agrar-Kraftstoffe wurden eingeführt, um diese Emissionen zu reduzieren. In den meisten Fällen werden jedoch zusätzliche Mengen an Treibhausgasen freigesetzt. Die Auswirkungen der Produktion und der Nutzung von „Bio-Kraftstoffen‟, wie sie ja auch genannt werden, sind in den meisten Fällen verheerender als bei fossilem Öl. Dies wird deutlich, wenn man die damit zusammenhängenden Faktoren berücksichtigt.
In vielen Ländern gibt es Zielgrößen für die Anteile, die in der Zukunft durch Agrar-Kraftstoffe abgedeckt oder bereitgestellt werden sollen. Es gibt verschiedene Möglichkeiten, um diese zu erreichen. Die Landwirtschaft kann insgesamt intensiviert werden, um den benötigten Ertrag auf der schon existierenden landwirtschaftlichen Nutzfläche zu gewinnen oder man versucht, die nutzbare Fläche auszuweiten. Dies kann erstens bedeuten, dass Land von minderer Qualität intensiver genutzt wird, wie zum Beispiel in Afrika, wo auf Flächen, auf denen nie Nutzpflanzen angebaut wurden, mit Pflanzen wie Jatropha experimentiert wird.[1] Zweitens kann die landwirtschaftliche Nutzfläche durch Entwaldung erweitert werden. Besonders die Tropen sehen sich mit der Erweiterung der Anbaufläche von Nutzpflanzen konfrontiert – vor allem durch den Anbau von Ölpalmen zur Herstellung von Agrar-Kraftstoffen.[2]
Wissenschaftler weisen heute darauf hin, dass noch etwas viel Wesentlicheres passiert: die indirekte Änderung der Landnutzung.[3] Diese ist verantwortlich für den Anstieg der Emission von Treibhausgasen. Wenn eine Fläche, die bereits zur Produktion von Pflanzen genutzt wurde, zur Herstellung von Agrar-Kraftstoffen beitragen soll, dann muss die vorhergehende Nutzung an einen anderen Ort verlagert werden, was nicht selten zur Entwaldung führt. Die Bilanz der beispielsweise nun mit Ölpalmen bepflanzten Fläche – allein betrachtet – kann ok sein. Wenn jedoch die Änderung der Landnutzung und deren Folgen miteinbezogen werden, sieht das Bild gleich ganz anders aus: Die Freisetzung von Treibhausgasen nimmt zu.

Im Juli diesen Jahres wurde ein Abkommen zwischen Mosambik, Brasilien und der Europäischen Union über den Ausbau der Produktion und Nutzung von Agrar-Kraftstoffen unterzeichnet. Wie kommt es zu derartigen Allianzen?

Brasilien ist weltweit der größte Produzent von Ethanol, dabei wird vor allem Zuckerrohr eingesetzt. Es gibt Handelsschranken für den Export von Ethanol nach Europa. Entsprechend ist Brasilien daran interessiert, sein Wissen und seine Technologie in andere Länder zu verkaufen, um so Zugang zum europäischen Markt zu bekommen. Für Europa und Deutschland geht es in diesem Zusammenhang darum, die Ressourcen für die zukünftigen hohen Beimischungen von Agrar-Kraftstoffen in andere Kraftstoffe des Transportsektors zu sichern.
Vielleicht ist die Regierung von Mosambik mit an Bord. Wer aber definitiv nicht mit an Bord ist, das sind die kleinen Bauern des Landes. Das haben wir schon in den vergangenen Jahren beobachtet: Kleinbauern werden von ihrem Land verdrängt – nicht selten, damit dort Agrar-Kraftstoffe für den europäischen Markt produziert werden können.[4]

Sie haben die Beimischung von Agrar-Kraftstoffen erwähnt. In welcher Höhe sollen in Zukunft Agrar-Kraftstoffe konventionellen Kraftstoffen beigemischt werden?

Die bisherige EU-Regelung setzte das Ziel auf 5,6 Prozent, aber in der neuen EU-Richtlinie für erneuerbare Energien wird ein Ziel von zehn Prozent für das Jahr 2020 genannt. Allerdings wird in der Richtlinie nicht von Agrar-Kraftstoffen gesprochen, sondern von erneuerbaren Ressourcen. Dafür hatten wir uns sehr stark eingesetzt. So ist es zum Beispiel auch möglich, dass Elektroautos, die mit erneuerbaren Energien betrieben werden, in diese Rechnung mitaufgenommen werden.
Die Untersuchungen der EU-Kommissionen, die im März dieses Jahres veröffentlicht wurden[5], zeigen, dass es bereits ab einer Beimischung von 4,6 Prozent zu einer Steigerung der Emission von Treibhausgasen kommt. Wenn Agrar-Kraftstoffe längerfristig produziert werden sollen, zerstört schon ein Ziel von 5,6 Prozent ihre Nachhaltigkeit in Bezug auf die Umwelt. Und nun fordert die Kommission ein Ziel von 10 Prozent!
Die Kommission hat zudem bestätigt, dass die Beimischungen nur mit den Energiepflanzen der ersten Generation produziert werden.

Da das Ziel erst in zehn Jahren erreicht werden muss, bleibt ein bisschen Zeit, es wieder zu ändern. Sehen Sie dafür eine Bereitschaft?

Im Jahre 2014 wird es eine Prüfung der europäischen Regeln geben. Aber das ist nach unserem Dafürhalten zu spät. Bis dahin werden wir Hunger, Entwaldung und mehr Treibhausgase produziert haben. Deshalb drängen wir die Mitgliedsstaaten der EU dazu, ihre Positionen zu ändern. Dazu besteht Gelegenheit, wenn sie der Kommission – alle zwei Jahre – über ihre Fortschritte bei der Umsetzung der Regulierung berichten.
Die Kommission muss bis zum Ende dieses Jahres einen Vorschlag erarbeiten, wie sie sich den Umgang mit der indirekten Änderung der Landnutzung vorstellt. Das ist der Schlüssel! Wenn sie das in Bezug auf die Emission von Treibhausgasen ordentlich macht, wird dies automatisch eine neue Begutachtung der Beimischungen nach sich ziehen. Es ist wirklich offensichtlich, dass Agrar-Kraftstoffe nicht in der Lage sein werden, die Klimaschutz-Ziele zu bedienen.

Was ist die Rolle der Gentechnik in dieser Debatte? In den USA gibt es gentechnisch veränderten Mais, der zu Ethanol verarbeitet wird. Sie erwähnten außerdem die zweite Generation von Energiepflanzen…

Im Moment ist das meiste noch im Experimentierstadium, wie zum Beispiel gentechnisch veränderte Mikroorganismen, die in großen Anlagen produziert werden sollen. Niemand weiß, ob das jemals funktioniert – technisch, wie ökonomisch. Beispielsweise müsste Biomasse in großen Mengen zu den Fabriken gebracht werden, was schnell sehr teuer werden könnte. Denn auch diese Organismen benötigen Nahrung – Biomasse irgendeiner Art. Hier kann nur von Fall zu Fall bewertet werden, ob dies funktioniert und sich rechnet oder eben nicht. Nutzen wir zum Beispiel die Wurzelstöcke und andere Reste von Bäumen, nachdem ein Wald gerodet wurde, dann bleibt das nicht ohne Konsequenzen für die Biodiversität.

Das heißt, es kommt vorrangig auf eine vernünftige Bewertung an, ob nun Gentechnik zum Einsatz kommt oder nicht?

Die Umwandlung von Energiepflanzen der ersten Generation und die Nutzung des Kraftstoffs ist für das Klima schädlicher als die Nutzung von konventionellem Öl. Wir wären nicht in einer so misslichen Lage, wenn wir zu einem früheren Zeitpunkt eine fundierte Bewertung vorgenommen hätten. Ich fordere die PolitikerInnen und die Menschen in den Verwaltungen dringend dazu auf, einen solchen Fehler bei der zweiten Generation nicht zu wiederholen.

Was geschieht im Rahmen der Kampagne der Freunde der Erde gegen Produktion und Nutzung von Agrar-Kraftstoffen?

Zunächst einmal ist es sehr wichtig, die Folgen unserer jetzigen Politik aufzuzeigen. Dazu gehört das Land-grabbing, das heißt die Übernahme der Kontrolle von landwirtschaftlichen und anderen Flächen in Afrika und anderen Teilen der Welt. Damit ist übrigens sehr oft auch die Übernahme der Kontrolle über Wasserressourcen verbunden. Das Land wird lokalen Gemeinschaften, die nur selten über verbriefte Landrechte verfügen, schlicht weggenommen. Ein anderer wichtiger Punkt ist natürlich die Entwaldung und die Tatsache, dass der Bedarf nach Agrar-Kraftstoffen in Europa aus den Erträgen ebendieser entwaldeten Flächen gedeckt werden soll.
Unsere Rolle dabei ist es, diese Folgen an die europä ische Öffentlichkeit zu bringen. Dazu nutzen wir unser europäisches Netzwerk der Freunde der Erde. Zudem bilden wir Koalitionen mit Entwicklungsorganisationen, Umweltgruppen und Bündnissen von Bauern, um die Beziehungen zwischen der indirekten Änderung in der Landnutzung und dem negativen Einfluss der Agrar-Kraftstoffe auf das Klima aufzuzeigen. Wenn uns das gelingt, dann können wir diesen Wahnsinn stoppen.

Vielen Dank für das Gespräch!

Das Gespräch führte Christof Potthof.

Erste und zweite Generation von Agrar-Kraftstoffen

Der Wissenschaftliche Beirat der Bundesregierung Globale Umweltveränderungen charakterisiert für die verschiedenen Generationen von Agrar-Treibstoffen, dort „Biokraftstoffe” genannt, die folgenden Unterscheidungsmerkmale: „Unter Biokraftstoffen versteht man flüssige oder gasförmige Brennstoffe, die aus Biomasse hergestellt und hauptsächlich im Verkehr als Antriebsmittel, aber auch zur Strom- und Wärmeerzeugung z.B. in Blockheizkraftwerken eingesetzt werden. Es wird zwischen 1. und 2. Generation von Biokraftstoffen unterschieden. Zur 1. Generation zählen Pflanzenöl, Biodiesel und Bioethanol, die aus etablierten physikalisch-chemischen (Pressung, Extraktion, Veresterung) oder biochemischen (Alkoholgärung) Verfahren gewonnen werden. Zur 2. Generation zählen synthetische Biokraftstoffe wie Fischer-Tropsch-Diesel, Biomethan oder Bio-Wasserstoff, die über thermochemische Verfahren (Vergasung, Pyrolyse) hergestellt werden.“

Quelle:
Wissenschaftlicher Beirat der Bundesregierung Globale Umweltveränderungen (2008): Welt im Wandel – Zukunftsfähige Bioenergie und nachhaltige Landnutzung. Im Netz unter www.wbgu.de.


[1] Siehe dazu auch den Bericht „The Jatropha Trap? The Realities of Farming Jatropha in Mozambique“ von Friends of the Earth International, veröffentlicht im Mai 2010. Im Netz unter: www.foei.org > resources > publications > agrofuels.
[2] Siehe auch den Beitrag „Holzplantagen-Kolonialismus“ von Birgit Peuker in diesem Schwerpunkt.
[3] Siehe dazu auch das Gutachten des Wissenschaftlichen Beirates der Bundesregierung Globale Umweltveränderungen (2008): Welt im Wandel – Zukunftsfähige Bioenergie und nachhaltige Landnutzung. Im Netz unter www.wbgu.de.
[4] Tatsächlich ist in der Pressemitteilung der EU-Kommission vom 14. Juli von einer Partnerschaft für die Nachhaltige Entwicklung von Bioenergien die Rede, die mit Mosambik verabredet worden sei.
[5] Europäische Kommission (2010): Global Trade and Environmental Impact Study of the EU Biofuels Mandat – Final Report. AutorInnen: Perrihan Al-Riffai (IFPRI), Betina Dimaranan (IFPRI), David Laborde (IFPRI) ATLASS Consortium. Im Netz unter: http://trade.ec.europa.eu/doclib/docs/2010/march/tradoc_145954.pdf.”

 

(Quelle: Linksnet.de.)

Global: Etikettenschwindel „erhaltende Landwirtschaft‟

Samstag, Juli 24th, 2010

“Landwirtschaft ohne Pflug – Gewinn für die Industrie

Von Uwe Hoering, Juli 2010

Die Debatten um die Klimakrise haben längst auch die Agrarpolitik erreicht. Die Anhänger bäuerlicher Landwirtschaft unterstreichen deren positiven Beitrag zu Klimaschutz und Verringerung von Treibhausgasen und zeigen mit dem Finger auf industrielle Land- und Viehwirtschaft als Klimasünder. Die wiederum verweisen auf Effizienzgewinne und Technologien, die angeblich helfen würden im Kampf gegen den Treibhauseffekt. Seit einigen Jahren propagiert die Industrie eine weitere Methode, um ihr grünes Image aufzupeppen – die Conservation Agriculture. Dabei wird sie tatkräftig unterstützt durch scheinbar neutrale Instanzen wie die UN-Landwirtschafts- und Ernährungsorganisation FAO. Besonders attraktiv an der „erhaltenden Landwirtschaft‟: Sie könnte sich für die Agrarindustrie als zusätzlicher Profittriebsatz erweisen und Gensoja zum Klimaretter stilisieren.

Chemie statt Pflug

Conservation Agriculture, kurz: CA, erfreut sich mittlerweile bei Agrarberatern und Politikern großer Beliebtheit – von FAO[i] über das deutsche Agrarministerium bis hin zu Entwicklungsorganisationen wie der Gesellschaft für Technische Zusammenarbeit, GTZ. Wenn der Boden nicht gepflügt wird, so der Ansatz, verringert sich die Bodenerosion, knappe Wasserressourcen werden besser genutzt, die Erträge steigen, der Einsatz von Maschinen und Arbeitskraft sinkt. Damit würde der Verzicht auf den Pflug nicht nur helfen, Böden und Wasser, Wälder und biologische Vielfalt zu erhalten und die Bauern vom Pflügen, die Bäuerinnen vom Jäten zu entlasten, so die Lobeshymnen. Er würde auch auf vielfältige Weise Emissionen verringern, etwa durch weniger Treibstoff oder durch die Bindung von CO2 im Boden. Damit würde er, hokuspokus, auch zu einem Lösungsbeitrag für das Problem Klimawandel, eine Behauptung, die unter Experten durchaus umstritten ist.

Aber auch als Umweltschutzmethode gibt es einen gravierenden Schönheitsfehler: Die Landwirtschaft ohne Pflug ist meist mit einem erhöhten Einsatz von Unkrautvernichtungsmitteln verbunden. Nicht ohne Grund war es der US-Agrarkonzern Monsanto, der die geschäftsfördernden Vorzüge dieser Anbaumethode erkannte und entsprechend propagierte, um den Absatz seines Herbizids RoundupReady im Paket mit gentechnisch verändertem Soja zu fördern. Inzwischen werden in Argentinien, Brasilien, den USA und Kanada riesige Flächen nach der Devise „no-till‟, dafür aber mit Gensoja, Agrargiften und Mineraldünger bebaut. Und das ist alles andere als umweltfreundlich, ganz abgesehen von der Ausweitung der Sojaflächen auf Kosten von Wäldern und biologischer Vielfalt.

Klimabonus für Gensoja?

Inzwischen hat die Industrie die Absatzfördernde Idee weiter entwickelt. Wegen ihres positiven Beitrags zur CO2-Emissionsminderung, so die Argumentation, wären Betriebe, die auf den Pflug verzichten, doch würdig, in den Genuss von Emissionsgutschriften etwa im Rahmen des Clean Development Mechanism CDM zu kommen. Das würde enorme Zusatzgewinne und Anreize für Bauern bedeuten, auf die Methode umzusteigen, auch in Regionen in Afrika oder Europa, die bislang der Conservation Agriculture noch skeptisch oder gar ablehnend gegenüber stehen. Und es würde dem großflächigen Anbau von Gensoja und anderen gentechnisch veränderten Pflanzen das Etikett „Klimaretter‟ verschaffen. Um das zu erreichen, setzt die Agrarindustrie seit einigen Jahren ihre Lobby-Maschinerie in Gang, und die FAO und die zahlreichen landwirtschaftlichen Entwicklungsprojekte, in denen der Verzicht auf den Pflug gefördert wird, sind ein Teil dieser Maschinerie.[ii]

Noch allerdings zieren sich FAO oder GTZ. Von dem, was die Industrie unter erhaltender Landwirtschaft versteht, „reden wir hier gar nicht‟, so Theodor Friedrich von der FAO jüngst bei einer Tagung.[iii] Ihr Konzept von Conservation Agriculture sei ‘etwas ganz anderes’. Neben dem Verzicht auf den Pflug gehöre dazu zum Beispiel auch Fruchtwechsel. Daher die vollmundige Versicherung von Friedrich: Auf Herbizide könne langfristig verzichtet werden! Auch Monsanto werde deshalb bald das Interesse an der Methode verlieren, so seine kühne Prognose. Außerdem würden sie Monokulturen wie im Sojaanbau grundsätzlich ablehnen, weil sie nicht nachhaltig seien. Und während Monsanto prahlt, die Popularität der Landwirtschaft ohne Pflug „führen Experten auf Herbizid-resistente Biotech-Pflanzen wie Soja, Baumwolle und Canola zurück‟[iv], beteuert Friedrich unbeirrt, zwischen gentechnisch veränderten Pflanzen und Conservation Agriculture bestehe überhaupt kein Zusammenhang.

Solche begrifflichen Differenzierungen und Abgrenzungen mögen in der entwicklungspolitischen Diskussion möglich sein und das eigene Gewissen rein halten – in der Praxis bedeutet die Förderung der Conservation Agriculture durch FAO und andere Entwicklungsorganisationen genau das, was sie angeblich verhindern will: Umweltschäden durch die Ausbreitung von Giften und gv-Pflanzen, Belastungen von Wasser und Böden. Denn faktisch, so die Erfahrungen, fungiert CA für die Bauern als Einstieg in den höheren Einsatz von Agrarchemie.[v] Ihre betriebswirtschaftlichen Vorzüge wie geringere Kosten für Maschinen und Arbeitskraft entfalten sich vor allem für Großbetriebe, während für Kleinbauern die Umstellung problematisch und schwierig ist.[vi] Stutzig macht auch, dass die FAO ausgerechnet durch Monsanto vor einigen Jahren auf den Trichter mit CA gebracht wurde und die beiden seither gemeinsam kräftig die Werbetrommel für den Verzicht auf den Pflug rühren – und für den geldwerten Klimabonus.

Auch wenn ein GTZ-Sprecher erklärt, es sei zum jetzigen Zeitpunkt ‘schwierig, zur Einbeziehung von CA in den CDM-Mechanismus eine klare Position zu formulieren’ – es dürfte nur eine Frage der Zeit sein, bis sich die FAO und andere Entwicklungsorganisationen offen dafür einsetzen, Conservation Agriculture als eine Methode anzuerkennen, für die Emissionsgutschriften in Anspruch genommen werden können – und damit für die Profitinteressen der Industrie. Den Boden dafür haben sie ja bereits mit ihren Lobeshymnen auf die angebliche Umweltverträglichkeit, Klimafreundlichkeit und Nachhaltigkeit der Conservation Agriculture vorbereitet. (6.500 Zeichen)

Anmerkungen:

[i] Siehe zum Beispiel die Website zu Conservation Agriculture:
http://www.fao.org/ag/ca/

[ii] Javeria Rulli, South American GM Soy close to get Carbon Credits – Agribusiness Lobby in the Climate Negotiations. September 2009. http://gmwatch.org/index.php?option=com_content&view=article&id=11538:carbon-credits-for-gm-soy

[iii] Conservation Agriculture. Nachhaltiger wirtschaften ohne Pflug? Dokumentation eines Fachgesprächs vom 29. April 2010 in Bonn. Herausgeber: GTZ, Eschborn 2010. www.gtz.org

[iv] www.monsanto.com/responsibility/sustainable-ag/notill_farming.asp

[v] Siehe Jost Maurin, Gift statt Pflug. In: Die Tageszeitung, 1. Juli 2010

[vi] Siehe zum Beispiel den Beitrag von Christian Thierfelder, CIMMYT, in:
Conservation Agriculture. Nachhaltiger wirtschaften ohne Pflug?”

 

(Quelle: Globe Spotting.)

Kamerun: Indigene als die besseren WaldschützerInnen

Samstag, Juli 24th, 2010

“Pygmy peoples issue warning on climate change policies


© Kate Eshelby/Survival
Lush forests are key to the Pygmy sense of identity. Their land informs their culture and provides their livelihood.

Members of ‘Pygmy’ communities in Cameroon have issued a clear message in the wake of the Copenhagen climate change talks: their rights to their forests must be respected.

According to the Forest Peoples Programme , the Baka, Bagyeli and Bakola peoples fear that climate change mitigation projects will further exclude them from their forest homes and that climate change is already affecting their forests.

A central plank of current international climate change talks is REDD – reducing emissions from deforestation and forest degradation. REDD projects could help to protect forests and the communities that depend on them, but only if they are developed with the full involvement of the peoples concerned and have the protection of land rights at the core.

The latest incarnation of REDD is REDDplus, but it is the ‘plusses’ – conservation, forest management and enhancement of carbon stocks – that are causing concern for indigenous peoples. Pygmy peoples have suffered both from the deforestation of their lands and from conservation programmes which have excluded them.

Pygmy communities in Cameroon, state they will only accept REDD if their rights to their forests and to free, prior informed consent over projects are respected and if they get an equal share in any benefits from the projects.

‘If we are talking about conservation, then the Baka are the best conservationists. We have been living here since time immemorial, and the forest has not disappeared. Those who now claim they are conserving the forest are the same people pillaging our forests. We see sawmills felling large portions of our forest every day. Is it not this same government that authorises the felling?’ Daniel Njanga, Cameroon.”

 

(Quelle: Survival International.)

Nachrichten-Überblick 22.07.2010

Donnerstag, Juli 22nd, 2010

[22.07.2010 – 09:59]

 

* BRD: “I’m not a pirate – I’m a fisherman”

Zehn Jungen und Männern aus Somalia soll wegen Angriffs auf den Seeverkehr sowie versuchten erpresserischen Menschenraubs vor dem Landgericht Hamburg der erste Piratenprozess seit 400 Jahren gemacht werden.

Weiterlesen…

* HAITI: Wiederaufbau in Eigenregie als einzige Chance

It appears that Haiti’s “15 minutes of fame” are up. With few exceptions, the journalists who flooded the zone following the earthquake are nowhere to be seen. And the U.S. Senate Foreign Relations Committee’s harsh criticism of the rebuilding effort six months after the earthquake is a sign that patience is wearing thin. Meanwhile, the lives of Haitians on the ground are still appalling — over a million in tent cities and squatter villages, rain flooding their streets, rape on the rise, too many basic services not restored.

Weiterlesen…

* MALAYSIA: Debate on Sex Education Rises with Teen Pregnancies

The prospect of motherhood filled 17-year-old Fatimah’s heart with dread.

Weiterlesen…

* BOTSWANA: Wasser ist kein Menschenrecht

San bushmen in Botswana have lost a court case to allow them to re-open a vital waterhole in the centre of the Kalahari desert. Diamonds were found in the Central Kalahari Game Reserve, traditional home to the bushmen, in the 1980s – and the government asked them to leave.

Weiterlesen…

* COSTA RICA: Die USA bringen sich in ihrem “Hinterhof” in Stellung

With votes secured from the official National Liberation Party (PLN), the Libertarian Movement, and Justo Orozco, the evangelical congressman from the Costa Rican Renovation party, on July 1st, the Costa Rican Congress authorized the entry into that country of 46 warships from the U.S. Navy, 200 helicopters and combat aircraft and 7,000 Marines.

Weiterlesen…

* AFRIKA: “Marktwirtschaft” zerstört kleinbäuerliche Landwirtschaft

As evidenced by USAID administrator Rajiv Shah’s recent speech to the US Global Leadership Coalition (USGLC), the US and the Green Revolution’s ‘solutions’ for African agriculture remain more of the same, rooted in a corporate-funded, GMO-oriented and market-based system designed entirely in the interests of Western business. While US development aid fasts becomes simply ‘an investment subsidised by US taxpayers with high returns for US corporations’, African farmers’ groups such as COPAGEN, LEISA and PELUM continue to organise in defence of self-determination and genetic biodiversity, writes Richard Jonasse.

Weiterlesen…

* GROSSBRITANNIEN: Vor dem Irak-Krieg wurden Märchen erzählt

Britische Geheimdienstchefin bestätigt, dass Saddam Hussein keine Bedrohung darstellte und mit den Anschlägen vom 11.9. nichts zu tun hatte.

Weiterlesen…

* GLOBAL: Tödlicher Staub – der globale Handel mit Asbest

A global network of lobby groups has spent nearly $100 million since the mid-1980s to preserve the international market for asbestos, a known carcinogen that’s taken millions of lives and is banned or restricted in 52 countries, the International Consortium of Investigative Journalists has found in a nine-month investigation.

Weiterlesen…

* ISRAEL: Neues Raketenabwehrsystem erfolgreich getestet

“Iron Dome” soll Raketen-Angriffe aus Gaza und dem Südlibanon abwehren. Kritiker bemängeln die Reichweite.

Weiterlesen…

* MALAYSIA: Indigene Frauen Vergewaltigungsopfer der Holfäller-Mafia

A new report has exposed an ‘environment of violence’ against tribeswomen in Borneo. According to the report, released by a coalition of Malaysian human rights groups called the Penan Support Group, there have been repeated cases of rape and sexual assault against Penan women by the loggers who are destroying the tribe’s forests.

Weiterlesen…

* MONGOLEI: Ist die Kultur der NomadInnen am Ende?

Herders leave the steppe after losing a fifth of their livestock. Now foreign firms are to exploit Mongolia’s vast resources.

Weiterlesen…

* PAZIFIK: Kleine Inselstaaten drängen zur Eile bei Klimafinanzierung

Die Vereinten Nationen haben in diesem Jahr zwar eine hochkarätige Gruppe für die Finanzierung der Maßnahmen zur Bekämpfung und Anpassung des Klimawandels ins Leben gerufen. Doch die kleinen unmittelbar von der Erderwärmung bedrohten Inselstaaten im Pazifik fürchten, dass ihnen auch mit einem solchen Gremium die notwendigen Gelder nicht rechtzeitig zufließen werden.

Weiterlesen…

* BRD: Tod und Verwundung treffen Bundeswehr

Auf ihrem Internet-Portal kündigt die Bundeswehr am 20. Juli 2010 ein Arbeitspapier zum “Umgang mit Verwundung, Tod und Trauer im Einsatz” an, dass “Mitte August” von Bundeswehrangehörigen im Intranet der Bundeswehr eingesehen werden kann.

Weiterlesen…

* REPUBLIK SÜDAFRIKA: Militärpolizei zum Schutz der MigrantInnen

South Africa’s military joined police on Tuesday to patrol a Johannesburg township after assaults on foreign migrants injured at least 11 and increased concerns of a fresh wave of xenophobic attacks.

Weiterlesen…

* EU: “Kleiner Kreis entscheidet über die Zukunft der Landwirtschaft in Europa”

Das Europäische Patentamt muss eine Grundsatzentscheidung über die Patentierbarkeit von Pflanzen treffen.

Weiterlesen…

* NIGERIA: Ölquelle von ExxonMobil leck…

Fishermen in Ibeno, Southern Akwa Ibom, said they have reported the discharge of liquid suspected to be crude oil at the Qua Iboe oil fields in the Atlantic Ocean. Chief Inyang Ekong, the Secretary of the Artisan Fishermen Association of Nigeria in Akwa Ibom disclosed this to the News Agency of Nigeria (NAN) in Ibeno, Akwa Ibom.
Ekong said that some fishermen noticed the discharge near the offshore oil production platforms operated by Mobil Producing Nigeria, an affiliate of the U.S. oil firm, ExxonMobil.

Weiterlesen…

* KANADA: Regierung verabschiedet sich leise von der Biodiversitäts-Konvention

The spirit of international negotiations in Montreal on a draft protocol on Access and Benefit Sharing (ABS) of natural resources were marred by Canada’s insistence on a decentralised approach to ABS, Peigi Wilson, a Métis lawyer present at the meeting in support of the Quebec Native Women.

Weiterlesen…

 

[Update: 12:14]

* BURKINA FASO / NIGER: Grenzfrage soll friedlich entschieden werden

The West African countries of Burkina Faso and Niger have submitted a dispute over their common border to the United Nations International Court of Justice (ICJ) as part of a wider agreement by the two States to resolve the situation peacefully.

Weiterlesen…

* USA: Bald nanotechnologisch veränderte Lebensmittel?

Nanotechnology involves the ability to control matter at the scale of a nanometer—one billionth of a meter. The world market for products that contain nanomaterials is expected to reach $2.6 trillion by 2015.

Weiterlesen…

* BOLIVIEN: Neue Verfassung

Letztes Rahmengesetz verabschiedet: Verfassungsreform kann umgesetzt werden. Blockaden der Opposition blieben ohne Wirkung.

Weiterlesen…

* MEXIKO: US-Bank Wachovia hilft bei Drogengeldwäsche

The bank, now a unit of Wells Fargo, leads a list of firms that have moved dirty money for Mexico’s narcotics cartels–helping a $39 billion trade that has killed more than 22,000 people since 2006.

Weiterlesen…

* SOMALIA: Der “Krieg gegen den Terror” bedroht nicht nur Uganda

The U.S. war against Somalia expands outwards and “has now blown back to Uganda,” the U.S. ally that, “along with the minority Tutsi dictatorship in Rwanda, is America’s most reliable mercenary force in Black Africa.” Ethiopia and Kenya prepare to join Uganda in an offensive against the Somali resistance, to save America’s puppet mini-state in Mogadishu.

Weiterlesen…

* BRASILIEN: Hat sich die Landlosenbewegung von Lula kaufen lassen?

Tagelang herrschte Verwirrung auf allen Seiten rund um den parlamentarischen Untersuchungsausschuss zur öffentlichen Finanzierung der Landlosenbewegung MST. Für die Regierung war die Arbeit des Ausschusses mit dem Stichtag 17. Juli beendet. Nicht so für die Opposition, die mit einem überraschenden Schachzug in letzter Minute die Verlängerung des Ausschusses um weitere sechs Monate durchsetzte. Mitten im Wahlkampf um die Nachfolge von Präsident Lula da Silva könnte die regierende Arbeiterpartei PT damit ein Problem bekommen. Der Ausschuss war Ende letzten Jahres auf Drängen der Opposition eingerichtet worden, um die öffentliche Finanzierung des MST durch die Regierung zu untersuchen.

Weiterlesen…

* GAZA: Wer hat das Licht ausgemacht?

The Gaza Strip presently experiences 8-12 hours of scheduled power outages per day, which disrupt the normal functioning of humanitarian infrastructure, including health and education institutions and water and sewage systems, as well as the agricultural sector. The power outages also take a toll in human lives of people killed or injured by using generators, which are brought into Gaza through the tunnels, are of poor quality, and are not always used according to safety instructions. How was this shortage created and what can be done to resolve it?

Weiterlesen… (PDF)

* KASCHMIR: Brutale Gewalt durch indische Truppen

Indian troops and police have killed fifteen people in Kashmir since June, sparking widespread protests. The Indian government has imposed a strict military curfew in the area as well as a media gag order on local journalists. The international community has remained silent on the human rights abuses in Kashmir.

Weiterlesen…

* GLOBAL: Krieg gegen die Erde

If you live on the Gulf Coast, welcome to the real world of oil — and just know that you’re not alone. In the Niger Delta and the Ecuadorian Amazon, among other places, your emerging hell has been the living hell of local populations for decades.

Weiterlesen…

* USA: Krieg gegen den Terror kostet bislang 1 Billion US-Dollar

A Congressional Research Service report on the costs of America’s assorted wars has put the global war on terror since September 11, 2001 at over $1 trillion, making it the second most expensive military action in American history, adjusting for inflation.

Weiterlesen…

* BRD: Gegen höhere Schutzstandards beim Asylrecht

Deutschland blockiert aus Sorge vor einer vermeintlichen «Sogwirkung» den Aufbau eines europäischen Asylsystems. Dies machte Innenstaatssekretär Ole Schröder am Donnerstag auf einem EU-Justiz- und Innenministertreffens in Brüssel klar. (…) Die von der EU-Kommission vorgeschlagenen höheren Rechtsschutzstandards würden die deutsche Praxis der Schnellabschiebungen an Flughäfen aber «aushöhlen», sagte der CDU-Politiker.

Weiterlesen…

* JORDANIEN: Stimmungsmache gegen PalästinenserInnen

Robert Fisk: Why Jordan is occupied by Palestinians
A powerful group of ex-army leaders say their country is being overrun – and they blame King Abdullah.

Weiterlesen…

* GLOBAL: Menschen hungern, weil zu wenig Nahrung produziert wird! – Ach, wirklich?

2008, the world witnessed an unprecedented food crisis. Food prices skyrocketed, and staple food disappeared from the market shelves. The resulting tremors were felt across the globe, with some 37 countries facing food riots.
Was the food crisis an outcome of the drought in Australia? Or was it because wheat production had fallen? Or was it because quite a sizable area under foodgrains had been diverted for biofuel production? The world had debated these options, but what emerged clearly was that much of it was triggered because of speculation in the futures trade. In fact, it was much worse than what was earlier anticipated.

Weiterlesen…

* NAHER / MITTLERER OSTEN: Run auf die Atomkraft (und damit auf Atomwaffen)

“Saudi Arabia’s decision last week to sign a nuclear cooperation pact with France marks a major step forward for a pan-Arab drive toward nuclear power,” reports UPI. “All told, 13 Middle Eastern states, including Egypt, have announced plans — or dusted off old plans — to build nuclear power stations since 2006. All say they have no intention of seeking to develop nuclear weapons. But there is concern that once they’ve mastered the technology they’ll seek to counter Iran’s alleged push to acquire such weapons by doing so themselves.”

Weiterlesen…

* KAMBODSCHA: SexarbeiterInnen werden illegal festgenommen und inhaftiert

Die kambodschanische Regierung soll umgehend Maßnahmen einleiten, um die Gewalt gegen SexarbeiterInnen zu beenden sowie die Regierungseinrichtungen schließen, in denen die Betroffenen illegal inhaftiert und missbraucht wurden, so Human Rights Watch.

Weiterlesen…

* BRD: Schützenhilfe für die Atomindustrie

Die Ärzteorganisation IPPNW kritisiert die heute von der Universität Mainz der Presse vorgestellte Studie “Kinder und Kernkraft” (KuK-Studie) zu angeborenen Fehlbildungen in der Umgebung von Atomkraftwerken als argumentative Schützenhilfe zu Gunsten der Atomindustrie. Die Mainzer Studie hat aufgrund geringer Fallzahlen eine zu geringe statistische Nachweisstärke (power), um einen Effekt in ähnlicher Größenordnung wie in der vorangegangenen Studie zu Kinderkrebs um Atomkraftwerke (KiKK-Studie) nachzuweisen.

Weiterlesen…

* LIBANON: Frauen-Hilfsschiff will Gaza-Blockade durchbrechen

The ‘Maryam’, an all-female Lebanese aid ship, currently docked in the northern Lebanese port of Tripoli, is getting ready to set sail for Gaza in the next few days. The ship, which aims to break Israel’s siege on the Palestinian territory, will carry about 50 aid workers, including some U.S. nuns keen to deliver aid to the long-suffering women and children of Gaza.

Weiterlesen…

 

[Update: 14:17]

* AFGHANISTAN: Kein Zutrauen ins Parlament

Afghans Disillusioned with Candidate Choice. Most current parliamentarians plan to stand again, despite widespread public mistrust and disappointment.

Weiterlesen…

* GLOBAL: Funktioniert das Wirtschaftssystem ohne Wachstum?

Is De-Growth Compatible with Capitalism? A serious campaign in favor of “de-growth” has been going on for some time and has made important contributions. This movement has opened new avenues for debate and analysis on technology, credit, education and other important areas. It’s an effort that needs support and attention, and we must applaud their initiators and promoters for their boldness and dedication.

Weiterlesen…

* ECUADOR:: Regierungskritische Positionen der Indigenen Völker

On July 5, I sat down with Marlon Santi, President of the Confederation of Indigenous Nationalities of Ecuador (CONAIE), in his office in Quito. We discussed the increasing contradictions between the demands of the indigenous movement, on the one hand, around water rights and anti-mining resistance, and the positions of the government of Rafael Correa, on the other, which has labelled indigenous resistance to large-scale mining and oil exploitation as “terrorism and sabotage.”

Weiterlesen…

* DACH: Antimuslimische Ressentiments

Die westliche Zivilisation wird in deutschsprachigen Zeitungen von Leuten wie Broder und Sarazin verteidigt, als ob SIE wieder vor Wien ständen. Die barbarischen Seiten des Westens werden beim Islam-Bashing gerne und schnell unter den Teppich gekehrt. Die deutsche Integrationspolitik schrumpft über die Symbolpolitik à la Islamkonferenz auf religiöse Fragen zusammen, Aspekte von sozialer Ungleichheit werden ausgeklammert.

Weiterlesen…

* USA: Kritik an Obamas Gesetz zur Finanzmarktreform

“In den USA ist die größte Finanzmarktreform seit der Weltwirtschaftskrise in den 30er Jahren beschlossen worden”, schreibt die taz. Klingt groß, heißt wenig: die US-Finanz-Gesetzgebung ist seit Ende der 1960er Jahre eine Geschichte der De-Regulierung. Selbst diesmal konnte die Finanzlobby wichtige Regeln abschwächen – wie die taz an anderer Stelle kritisch berichtet.
Die US-Reform wird häufig als Erfolg der Politik bewertet – aber selbst angesichts der dramatischen Krise konnte die Finanzbranche durch massive Lobbyarbeit das “Dodd-Frank Financial Reform Bill” an wichtigen Stellen verwässern. So gibt es zahlreiche kritische Einschätzungen.

Weiterlesen…

* INDONESIEN: Weltbank finanziert zerstörerische Nickel-Mine

An international civil society coalition today condemned the World Bank for approving support for a destructive nickel mine that would displace Indigenous Peoples, destroy vast areas of intact tropical forest, and threaten rivers and the ocean with sediment and toxic chemicals.

Weiterlesen…

* USA: Historiker warnt vor dem plötzlichen Zusammenbruch des “US-Imperiums”

Der Harvard-Professor und erfolgreiche Autor Niall Ferguson eröffnete am Montag das Festival der Ideen 2010 des Aspen-Institutes mit der ernst gemeinten Warnung, wegen seiner ständig steigenden Verschuldung werde ein plötzlicher Zusammenbruch des “US-Imperiums” immer wahrscheinlicher.
“Ich denke, dass dieses Problem sehr bald eintritt,” sagte Ferguson. “Damit meine ich innerhalb der
nächsten zwei Jahre, weil sich die Situation finanziell und in anderer Hinsicht immer mehr dem Chaos nähert. Wir haben gerade in Griechenland erlebt, was geschieht, wenn der Kapitalmarkt das Vertrauen in die Finanzpolitik eines Landes verliert.” Ferguson erinnerte daran, dass Imperien – wie die ehemalige Sowjetunion und das römische Reich – ganz schnell kollabieren können und der Wendepunkt häufig dann eintritt, wenn die Zinsen für die Schulden eines Imperiums höher werden als seine Verteidigungsausgaben.

Weiterlesen…(PDF)

* INDIEN: Diplomatische Verrenkungen beim Atomwaffensprerrvertrag

The recently concluded Nuclear Non-proliferation Treaty (NPT) Review Conference (RevCon) has renewed the call for the universalisation of the treaty. The NPT RevCon has asked India along with Pakistan and Israel – the three non-signatory states to the NPT- to unilaterally disarm and join the treaty as Non-Nuclear Weapon States (NNWS). However, India possesses nuclear weapons.

Weiterlesen…

* RUSSLAND: Umweltschützer verhindern Wald-Rodung

Die russischen UmweltschützerInnen, die zu Dutzenden, teilweise sogar mit 300 Personen die Rodungsarbeiten in der Nähe des Moskauer Flughafens Scheremetjewo behindert haben, haben die Rodungen – vorerst – verhindert.

Weiterlesen…

* GUATEMALA: Königsgrab der Maya entdeckt

Luftdicht verschlossene Grabkammer konservierte prächtige Grabbeigaben und Knochen. Ein bisher unbekanntes Königsgrab der Maya haben ArchäologInnen in der Maya-Stadt El Zotz im Dschungel Guatemalas entdeckt. Es enthielt ungewöhnlich gut erhaltene, 1.600 Jahre alte Schnitzereien, Keramiken und Stoffe sowie die Knochen von einem Erwachsenen und sechs möglicherweise geopferten Kindern. Das prächtig ausgestattete Grab gehört wahrscheinlich einem Herrscher, möglicherweise dem Gründer einer Dynastie der präklassischen Maya.

Weiterlesen…

* GROSSBRITANNIEN: Kriegsdienstverweigernder Soldat aus Haft entlassen

Joe Glenton, the soldier who refused to return to fight in Afghanistan and who spoke out against the war, was released from military prison.

Weiterlesen…

* VIETNAM: Einbürgerung von Flüchtlingen aus Kambodscha

Ho-Chi-Minh-Stadt – Mit einem Festakt hat die vietnamesische Regierung 287 ehemalige Flüchtlinge aus Kambodscha eingebürgert. UNHCR begrüßt diesen Schritt außerordentlich. Vietnam gibt dadurch ein wichtiges Signal, die Staatenlosigkeit für insgesamt mehr als 2.300 ehemalige Flüchtlinge aus Kambodscha endgültig ad acta zu legen. Die meisten Kambodschaner waren 1975 vor Pol Pots blutigem Regime nach Vietnam geflohen.

Weiterlesen…

* KIRGISIEN: “Millionär werden, das ist Demokratie!”

In Kirgistan trägt die Marktwirtschaft ganz eigene Züge: Nach dem Ende der “Sozialistischen Sowjetrepublik” wurden Fettschwanzschafe, Wallnussbäume und Spitzmorcheln privatisiert. Seitdem greifen viele Kirgisen uralte Nomadentraditionen wieder auf: Sie pendeln auf dem Pferd zwischen Wäldern, Wiesen und Hochalmen und leben im Sommer in Jurten. Das klingt romantisch, doch die meisten Kirgisen müssen heute ums Überleben kämpfen oder erinnern sich wehmütig an die Sowjetzeit mit ihren großen Betrieben und festen Arbeitsplätzen. Andere sind weniger nostalgisch: „Jetzt kann jeder Millionär werden, das ist Demokratie“, lobt ausgerechnet die bettelarme Gulnara, deren Familie allein vom Erlös gesammelter Nüsse lebt.

Weiterlesen…

* AFGHANISTAN: Unendliche Besatzung?

The international foreign ministers conference held in Kabul Tuesday formally endorsed President Hamid Karzai’s proposed 2014 target for Afghan forces to assume the lead responsibility for the country’s security, while acknowledging that the foreign occupation will continue indefinitely.

Weiterlesen…

* BRD: Niebels Zaudern im Kampf gegen AIDS

Der Entwicklungshilfeminister gefährdet die internationale Aids-Hilfe. Deutschland könnte als drittgrößter Geldgeber bald ausfallen. Ein fatales Signal, meint H. Albrecht.

Weiterlesen…

* ZENTRALAFRIKANISCHE REPUBLIK: Friedensprozess gerät ins Stocken

A Sudanese led rebel faction in the Central African Republic has engaged the armies of the Central African Republic (CAR) over a disarmament, demobilization and reintegration (DDR) process- under a peace agreement signed ahead of national elections in CAR, military and rebel sources said.

Weiterlesen…

* USA: Die Wiederkehr der Sklaverei

For the first time, the U.S. government acknowledges modern-day slavery in the United States.
One-hundred-and-fifty years after the abolition of slavery, the State Department has acknowledged that people in the United States continue to be bought and sold as property. The department’s 2010 “Trafficking in Persons” (TIP) report, a global review of human trafficking and civic and legal responses to it, lists the United States for the first time among the nations that harbor modern-day slavery.

Weiterlesen…

Global: Drohende Wasserkrise – aber nur 1 Milliarde Menschen betroffen

Dienstag, Juli 20th, 2010

“Im Himalaya schmelzen die Gletscher schneller als an jedem anderen Ort dieser Erde

Von den Folgen könnten eine Milliarde Menschen verheerend betroffen sein

Von Juan Gonzalez

Unser Gast:

Syed Iqbal Hasain – Vorsitzender der ‘Glacier and Climate Change Commission’, die von der Regierung des indischen Bundesstaates Sikkim eingerichtet wurde

Das Interview führten: Juan Gonzalez und Amy Goodman

 

Amy Goodman:

Wir machen weiter mit dem Thema ‘Klimawandel’ – Juan?

 

Juan Gonzalez:

Wir wenden uns nun der Himalaya-Region in Asien zu, um zu sehen, welche Auswirkungen der Klimawandel auf diese Region hat. Wissenschaftler warnen, das Abschmelzen der Gletscher könnte verheerende Folgen für über eine Milliarde Menschen haben.

Die Gletscher des Himalaya werden als die ‘Wassertürme Asiens’ bezeichnet, denn de wichtigsten Flusssysteme Asiens beziehen ihr Wasser hauptsächlich aus dieser Region. Es sind Flüsse, die durch Afghanistan, Pakistan, Bangladesh, Bhutan, China, Indien, Burma und Nepal fließen.

 

Amy Goodman:

Wissenschaftler behaupten, die Gletscher des Himalaya würden schneller schmelzen als die an jedem anderen Ort dieser Erde. Am Ende des Jahrhunderts könnten 75% der Gletscher des Himalaya verschwunden sein.

 

Wir sind nun mit dem prominenten indischen Wissenschaftler und Gletscherforscher Syed Iqbal Hasnain verbunden. Er ist Vorsitzender der ‘Climate Change Commission’, die von der Regierung des indischen Bundesstaates Sikkum eingerichtet wurde. Er sprach mit uns gestern Abend, anlässlich einer Veranstaltung der ‘Asia Society mit dem Thema ‘The Himalayan Glaciers and Asia’s Looming Water Crisis’ (Die Gletscher des Himalaya und die drohende Wasserkrise in Asien).

 

Wir haben nur wenige Minuten Zeit, aber können Sie uns bitte erläutern, um was für eine Art Krise es sich handelt und was im Himalaya vor sich geht?

 

Syed Iqbal Hasnain:

Vielen Dank, dass ich mich in Ihrer Sendung haben.

 

Wie bereits erwähnt, hängt es damit zusammen, dass sich die Erde um mehr als 2 Grad Celsius erwärmt hat. Wenn Rechnen Sie das mal in Watt per Meter um – dann sehen Sie, dass wir es mit einer um 20% erhöhten Strahlungsenergie zu tun haben. Für die Politiker ist das ein großes Dilemma. Wie können sie diese Entwicklung stoppen? Schließlich war auch Kopenhagen ein Schlag ins Wasser – wie wir bereits gesehen haben. Denn es wurde kein klares, verifizierbares Abkommen zu diesem Thema getroffen. Ich denke, die globale – die ganze – Welt sollte etwas unternehmen.

 

Was die Gletscher des Himalaya betrifft, so schmelzen sie sehr schnell – und nicht nur die Gletscher auf der Tibetanischen Hochebene. Wir haben Gletscher, und wir haben den Permafrost. Der Permafrost schmilzt und ebenso die Gletscher. Aber da es sich um eine ungeheure Zahl von Objekten handelt (wie am Nord- und Südpol), dauert es eine Weile, bis sie alle abgeschmolzen sind. Wegen des Schmelzvorgangs ist auch der Wasserstand in sämtlichen Flusssystemen erhöht – ob es sich nun um den Indus oder den Brahmaputra handelt. In den kommenden Jahren wird der Wasserstand wieder abnehmen. Auf alle Gemeinden, die dort leben, wird sich dies äußerst katastrophal auswirken. Wir reden von über 1,5 bis 2 Milliarden Menschen, die in direkter Weise von den Wasserressourcen der Hochebene von Tibet und der großen Gebirgsketten des Himalaya abhängen.

 

Juan Gonzalez:

Wie schnell werden – Ihrer Meinung nach – die Gletscher zurückgehen?

 

Syed Iqbal Hasnain:

Wissen Sie, im Himalaya gibt es unterschiedliche klimatische Zonen – wenn man den gesamten Himalaya-Bogen sieht. Die östlichen (Gletscher) bekommen im Sommer den Monsunregen ab und schmelzen wesentlich schneller als die Gletscher auf der westlichen Seite, wo Winterzeit herrscht. Im Himalaya finden wir ein kompliziertes Klimasystem vor. Sie (die Gletscher) reagieren zu unterschiedlichen Zeiten. Insgesamt jedoch ziehen sich alle Gletscher des Himalaya zurück. Da Abschmelzen vollzieht sich nur zu unterschiedlichen Zeiten.

 

Amy Goodman:

Sprechen wir nun über die Bedeutung der Gletscher. Sie erwähnten die Flüsse, die vom Abschmelzen der Gletscher und dem Auftauen des Permafrostes betroffen sind. Was erwarten Sie für die kommenden Jahrzehnte?

 

Syed Iqbal Hasnain:

Wissen Sie, ich konstatiere, dass wir nichts gegen die Treibhausgase und unser regionales Problem unternommen haben. Letzteres ist der schwarze Kohlenstoff (Ruß). Er sorgt dafür, dass sich das Abschmelzen in dieser Region schneller vollzieht. Der schwarze Kohlenstoff wirkt sich vor allem im Himalaya aus.

Ich sehe (voraus), dass das Abschmelzen immer weitergehen wird. Nach einiger Zeit wird der Wasserspiegel steigen, dann wird er wieder sinken. Aktuelle Studien von Wissenschaftlern, die sich mit unserer Erde beschäftigt haben, ergeben schon heute, dass das Wasser des Indus überwiegend aus Schmelzwasser (Schnee und Eis des Himalaya) besteht: Die Ratio zwischen dem Schmelzwasser im Fluss und dem Regenwasser im Fluss betrage 151 Prozent, denn die Niederschlagsmenge im Gebiet des Indus hat abgenommen. Das alles hängt mit den Treibhausgasen und dem Ruß zusammen…. Das Entscheidende an der Gletscherschmelze ist nicht die Wassermenge, die dadurch freigesetzt wird, sondern wann dies geschieht, in welcher Jahreszeit. Denn das Wasser fließt in die Gemeinden, die flußabwärts gelegen sind sowie in die landwirtschaftlichen Ökosysteme und hält sie während der Sommerzeit, während der trockenen Zeit, am Leben.

 

Amy Goodman:

Was sollte jetzt geschehen?

 

Syed Iqbal Hasnain:

Ich denke, das ist ein sehr wichtiges Thema. Sobald sich die globale Gemeinschaft wieder in Cancun trifft, muss sie Begrenzungen beschließen…

 

Amy Goodman:

In Cancun findet der nächste Gipfel zum Klimawandel statt.

 

Syed Iqbal Hasnain:

Ja, das nächste Treffen zum Klimawandel.

 

Amy Goodman:

… im Dezember.

 

Syed Iqbal Hasnain:

Sie müssen die Sache sehr ernst nehmen. Mit Gerede ist es einfach nicht getan. Sie müssen bestimmte Grenzen setzen, auf globaler wie auf regionaler Ebene. Die Länder Süd(ost)asiens – einschließlich China – müssen ihre Ruß-Emissionen begrenzen, der durch Dieselemissionen und die Verbrennung von Biomasse entsteht. Sie müssen das ändern. Andere Kochherde für die Menschen müssen her – solche Dinge. Das betrifft Millionen von Menschen. Es gilt, die Emissionen des schwarzen Kohlenstoffes zu reduzieren. Ebenso müssen Filter (Katalysatoren) in die Lastwagen eingebaut werden. Im Himalaya ist das ein großes Problem – aufgrund der Armeegefängnisse in China, Indien und Pakistan. Das alles muss reduziert werden. Dann werden wir eine Veränderung in der Atmosphäre über Süd(ost)asien erkennen.

 

Amy Goodman:

Vielen Dank, dass Sie bei uns waren. Syed Iqbal Hasnain – indischer Wissenschaftler, der die Folgen des Klimawandels für die Gletscher untersucht. Mr. Hasnain ist Vorsitzender der ‘Glacier and Climate Change Commission’, die von der Regierung des indischen Bundesstaates Sikkim eingerichtet wurde.

 

 

Orginalartikel: Himalyan Glaciers Melting Faster Than Anywhere Else in World; Impact Could Devastate Over 1 Billion People
Übersetzt von: Andrea Noll”

 

(Quelle: ZNet.)