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BRD: Migrantinnen in den Medien

Donnerstag, Juli 7th, 2011

“Weg vom Kopftuchklischee

Von Bärbel Röben

„Knüppel im Kreuz – Kind im Bauch“ betitelte der „Spiegel“ 1990 einen Artikel über die unterdrückte „ Kopftuchtürkin“. Zwanzig Jahre später ist sie immer noch der Prototyp der Migrantin in deutschen Medien. Aber mittlerweile gibt es neben dem Opfer viele andere Typen, die ein positiveres, facettenreicheres Bild von Migrantinnen zeigen. Und es gibt immer mehr Journalistinnen mit Zuwanderungshintergrund. Bewegt sich etwas in Medien und Köpfen?

Ende der 80er Jahren waren die türkischstämmige Schauspielerin Renan Demirkan in der ZDF-Serie „Die Reporter“ oder die in Indien geborene Moderatorin des ARD-„Weltspiegel“ Navina Sundaram noch Ausnahmeerscheinungen in deutschen Medien. Das gesellschaftliche Klima damals spiegelt sich in einem Leserbrief, den die Weltspiegel-Redaktion erhielt: „Sehr geehrte Herren! Es ist ein Skandal, dass diese Sendung von einer Ausländerin moderiert wird. Es ist weiter ein trauriges Zeichen, dass sich bei Euch kein Mann findet, der das macht. Diese Dame soll doch in ihr Kaffernland gehen.“
Inzwischen ist Deutschland Einwanderungsland. Die Medien stellen sich darauf ein und einige suchen gezielt Personal mit Migrationshintergrund. Einige Beispiele: Die Frankfurter Rundschau stellte 1999 Canan Topcu ein, um besseren Zugang zur türkischen Community zu erhalten. Seit 2004 gibt es eine „Integrationsoffensive“ beim WDR, um Menschen mit Zuwanderungsgeschichte zu gewinnen. Das ZDF entschied sich 2007 bewusst für die Irakischstämmige Dunja Hayali als neue Moderatorin für die „heute“-Nachrichtenredaktion. Die angestrebte „Normalität“ ist dennoch nicht erreicht. „Jeder fünfte Einwohner im Land besitzt einen sogenannten Migrationshintergrund, aber nur jeder fünfzigste Journalist“, kritisiert Marjan Parvand, Vorsitzende des Vereins „Neue deutsche Medienmacher“ (s. Seite 10/11).

In der Tat sind Migranten und Migrantinnen im Vergleich zu ihrem Bevölkerungsanteil in den Medien weiterhin stark unterrepräsentiert. In Zeitungsredaktionen stellen sie nach einer Erhebung des Soziologieprofessors Rainer Geißler Ende 2008 nur 1,2 Prozent des Personals. Lediglich bei der Datenauswertung der Altersgruppen hat er nach Geschlecht unterschieden. Danach machen Frauen bis 35 Jahre mehr als die Hälfte der migrantischen Mitarbeitenden in den Redaktionen aus.

Die jüngeren Migrantinnen scheinen also – zumindest zahlenmäßig – auf dem Vormarsch zu sein. Das lassen auch zwei wissenschaftliche Fallstudien vermuten, die bei der Erhebung der Repräsentation des Personals mit Zuwanderungshintergrund erstmals explizit zwischen Männern und Frauen differenzieren. Nach meiner Befragung in Frankfurter Medien 2005 liegt der Anteil des migrantischen Personals insgesamt bei drei bis 16 Prozent. Dabei kommt auf drei Migranten eine Migrantin. 2009 stellte Katharina Fritsche in ihrer Magistraarbeit fest, dass in den Berliner Radioredaktionen dagegen die Frauen unter den Medienschaffenden mit Migrationshintergrund dominieren, die insgesamt auf 10,1 Prozent kommen. Migrantinnen haben aber in seltensten Fällen Führungsaufgaben und stellen das Gros der Freien.

„Normalität“, die gesellschaftliche Vielfalt spiegelt, fehlt nicht nur in den Redaktionen, sondern auch in den Medienbildern, die Menschen unterschiedlicher Herkunft oder verschiedenen Geschlechts nicht gleichberechtigt präsentieren. So ist eine geschlechtersensible Sprache in deutschen Medien immer noch die Ausnahme. Wen wundert es da, dass Zugewanderte bis Ende der 70er Jahre pauschal als (männliche) „Gastarbeiter“ präsentiert wurden, obwohl Frauen bereits ab 1965 als Arbeitsmigrantinnen nach Deutschland kamen? In den 70er Jahren setzte man „Migrantin“ – als Anhängsel ihres Mannes – gleich mit der türkischen Hausfrau, die als „Opfer patriarchalischer Unterdrückung“ galt, analysiert Christine Huth-Hildebrandt, Frankfurter Professorin für soziale Arbeit.

Zumeist negative Darstellung

Als „Gastarbeiter“ in den 80er Jahren sprachlich zu „Ausländern“ oder wohlmeinend schönredend zu „ausländischen Mitbürgern“ mutierten, erschienen Migrantinnen als „kulturell rückständig“ im Gegensatz zu den „emanzipierten“ deutschen Frauen. Nach Huth-Hildebrandt wurden sie als Folie benutzt, um im beginnenden Integrationsdiskurs „Fremdheit“ zu markieren, d.h. das Anderssein der Ausländer und das „hierarchische Verhältnis von Mehrheitsgesellschaft und Minderheiten erklären und festschreiben zu können.“ Das bestätigt die Soziologin Stanislawa Paulus in einer Studie zu muslimischen Frauen in Fernsehdokumentationen öffentlich-rechtlicher Sender aus den Jahren 2000 bis 2006: Das „Motiv der Kopftuch tragenden Muslima“ fungiere „als Sinnbild eines Modernitätsdefizits und einer damit verbundenen unüberbrückbaren Differenz zur Mehrheitsgesellschaft.“

Inzwischen kursieren unterschiedliche Medienbilder von Migranten und Migrantinnen, die je nach Sozialstatus, Herkunft, Geschlecht variieren. Männer werden eher aktiv und bedrohlich dargestellt – zunächst im Zusammenhang mit Kriminalität, Gewalt, Drogenhandel. Seit dem Anschlag auf das World Trade Center 2001 dominiert das Bild des „Terroristen“ – vor allem von zugewanderten Männern aus arabischen Ländern. Frauen erscheinen dagegen vor allem als schutzbedürftige Opfer im Kontext von Prostitution, Menschenhandel, in der „Kopftuchdebatte“ als unterdrückte Muslima. Gemeinsam ist beiden Geschlechtern eine zumeist negative Darstellung im Zusammenhang mit Islam, Parallelgesellschaft, Asyl. So weigert die Bundesregierung sich zurzeit, Flüchtlinge aus Nordafrika aufzunehmen – mit dem Argument, sie belasteten das deutsche Sozialsystem. Daneben gibt es aber zunehmend mediale Präsentationen von erfolgreich Integrierten, deren ökonomischer und demografischer Nutzen für die deutsche Gesellschaft betont wird.

Das sind Ergebnisse verschiedener Studien über Zugewanderte in den Medien – zumeist vermeintlich geschlechtsneutral als „Migranten“ gefasst. In ersten Arbeiten seit Mitte der 90er Jahre findet sich zwar auch eine Thematisierung der Doppeltdiskriminierung von Migrantinnen qua Herkunft und Geschlecht, die später auf andere Differenzsetzungen wie Schichtzugehörigkeit erweitert wurde. Doch Forschungsgelder für größere systematische und repräsentative Untersuchungen zum Themenkomplex flossen erst in diesem Jahrtausend.

Musterbeispiele für Integration

So konnte die Berliner Journalistikprofessorin Margreth Lünenborg 2008 das Projekt „Migrantinnen in den Medien“ starten, das vom nordrhein-westfälischen Integrations-Ministerium gefördert wird. Lünenborg analysierte mit ihrem Team erstmalig auf breiter empirischer Basis die Repräsentation von Migrantinnen in deutschen Tageszeitungen und befragte junge Frauen mit und ohne Zuwanderungshintergrund zu Bildern von Migrantinnen in ihren Köpfen und den Medien. Nach den Befunden dominiert zwar weiterhin das Bild des hilfsbedürftigen Opfers. Aber es gibt auch andere Rollen. So tauchen Migrantinnen in der alltagsnäheren Lokalberichterstattung von Tageszeitungen ganz gleichberechtigt als „Nachbarin“ auf – z.B. im Kollegenkreis oder als Fan des örtlichen Fußballvereins. Eine weitere durchweg positive Rolle ist die der „Erfolgreichen“, die – auch vor allem im Lokalen – als „Musterbeispiel für Integration“ präsentiert wird. Erste Ergebnisse sind in dem gerade erschienenen Buch „Migrantinnen in den Medien“ publiziert (s. Interview S. 12/13).
In der Berliner Studie nannten die befragten Migrantinnen immer wieder ein Vorbild, das bei ihnen allen unumstritten war: Die TV-Moderatorin Nazan Eckes, deren Eltern aus der Türkei stammen. Auf sie seien sie stolz, sie biete positive Identifikationsmöglichkeiten. Eckes ist eines von insgesamt 32 Mitgliedern des Bundesbeirates für Integration, der am 23. Mai 2011 erstmals unter Vorsitz von Staatsministerin Maria Böhmer zusammenkam. 2010 sagte Eckes in einem Interview mit der Neuen Westfälischen: „Es ist unmöglich, wenn man in zwei Kulturen aufwächst, sich festzulegen. Ich finde diese Zwischenwelt ganz schön, darin fühle ich mich wohl. Heute, wo sich Kulturen und Religionen vermischen, kann man überall zu Hause sein. Und ich bin es dort, wo ich mich menschlich und beruflich entfalten kann.“

Doch in einer solchen kosmopolitischen Zwischenwelt können nur wenige leben, denn berufliche und menschliche Entfaltungsmöglichen sind immer noch ungleich verteilt – entlang sozialer, ethnischer, geschlechtlicher, kultureller, religiöser Grenzziehungen. Eine Hürde für qualifizierte Migranten und Migrantinnen ist z.B. ihr Aufenthaltsstatus. So müssen internationale Studierende innerhalb eines Jahres nach ihrem Examen eine Stelle finden, um in Deutschland bleiben zu können und haben keine Chance, sich wie deutsche Staatsangehörige hartnäckig mehrmals zu bewerben. Auch sind KandidatInnen mit Migrationshintergrund oft älter als deutsche, weil sie im Bildungssystem höhere Hürden zu überwinden haben oder aus finanziellen Gründen länger für die Erfüllung der Qualifizierungsvoraussetzungen brauchen. Bei Frauen verzögert die Familienphase zuweilen die berufliche Karriere.

In Anbracht dieser Benachteiligungen hilft nur eine starke Lobby. Die Interessen und Forderungen von Migrantinnen decken sich einerseits mit denen deutscher Frauen, anderseits mit denen von Männern, die auch eine Zuwanderungsgeschichte haben. Bis in die 90er Jahre wurde die doppelte Diskriminierung der Migrantinnen in den Medien qua Geschlecht und Herkunft von deutschen Frauen kaum thematisiert. Zunächst setzten sich einzelne Gleichstellungsbeauftragte wie Pari Niemann beim NDR in Hannover für die Belange von Migrantinnen ein, dann leisteten auch Journalistinnenverbände Lobbyarbeit. Der Journalistinnenbund veranstaltete 2002 eine Tagung zu Gender und Diversity. Die Medienfrauen von ARD und ZDF forderten bei ihrem Herbsttreffen im November 2003 erstmals, MigrantInnen in Sendungen und Personalpolitik stärker zu berücksichtigen.

In der Berliner Befragung kritisieren die jungen Migrantinnen eine „mangelnde Solidarität unter Frauen“. Ihre nicht-deutsche Herkunft scheint für migrantische Journalistinnen bisher ein stärkeres Band zu sein als ihre Geschlechtszugehörigkeit. So gab es seit den 90er Jahren auch verschiedene Anläufe, eine gemeinsame Interessenvertretung von männlichen und weiblichen Medienschaffenden mit Migrationshintergrund aufzubauen. Einige Beispiele aus dem breiten Spektrum dieser Initiativen: Zusammen mit anderen internationalen Studierenden des Dortmunder Instituts für Journalistik initiierte Pantea Bahrami 1996 das Migranten Medien Zentrum MMZ, das über zehn Jahre lang Projekte wie „NRW gegen Rassismus“ und größere Veranstaltungen zu MigrantInnen und Vielfalt in den Medien organisierte.
1999 gründete der Schauspieler Tayfun Bademsoy in Berlin die Agentur „Foreign faces“ – als Lobby für Kollegen und Kolleginnen mit ausländischen Wurzeln, die in deutschen Produktionen mitwirken. Als er 2004 als Geschäftsführer ausschied, leitete Rudolf Oshege die Agentur unter dem Namen „International Actors“ weiter. 2005 schlossen sich Akteure aus Film und Fernsehen, Kultur, Medien- und Migrationsforschung in der Bundesinitiative Fernsehen und Integration zusammen – unter ihnen neben Tayfun Bademsoy andere renommierte Schauspieler und Drehbuchautoren wie Hussi Kutlucan und Feridun Zaimoglu. Inzwischen ist es ruhig geworden um die beim Zentrum für Kunst und Medientechnologie Karlsruhe (ZKM) angesiedelte Initiative, die sich für Unterhaltungsformate einsetzt, in denen die Lebensverhältnisse der zugewanderten Bevölkerungsgruppen authentisch dargestellt werden.

In die Debatte einmischen

Die zurzeit wohl stärkste Lobby für Medienschaffende mit Migrationshintergrund ist der Verein „Neue deutsche Medienmacher“, der 2008 entstand. Bundesweit aufgestellt, zählt er mittlerweile über 300 Mitglieder. Er will sich „in die Debatten einmischen und für eine ausgewogenere Berichterstattung und mehr Kolleginnen und Kollegen mit einem so genannten Migrationshintergrund einsetzen – nicht nur vor und hinter der Kamera, dem Mikrophon und an den Redaktionstischen, sondern auch in den Planungsstäben, Führungsetagen und Aufsichtsgremien,“ heißt es auf der Website. So unterstützen die Neuen Medienmacher mit einem Mentorenprogramm die überwiegend migrantischen Studierenden, die beim Bildungswerk Kreuzberg crossmedial für Radio, Fernsehen und Online ausgebildet werden. Der Verein sucht Leute, die in den kooperierenden Redaktionen in relativ hohen Positionen sitzen und bereit sind, als Mentor oder Mentorin aufzutreten.

Auch in Gewerkschaften finden Medienschaffende mit Migrationshintergrund Unterstützung. 2006 wurde im Journalistenverband Berlin-Brandenburg das „Interkulturelle Netzwerk“ gegründet, das „einen Erfahrungsaustausch und die Entwicklung von Forderungen für mehr Interkulturalität in den Medien ermöglichen“ sollte. Koordinatorin Minou Amir-Sehhi organisiert Roundtablegespräche – am 25. Mai z.B. mit Sawsan Chebli, Grundsatzreferentin für Interkulturelle Angelegenheiten des Berliner Senats. Die mittlerweile in der Gewerkschaft ver.di aufgegangene IG Medien hatte bereits 1994 versucht, einen Arbeitskreis Medien und Migranten zu etablieren, der aber wieder auseinander fiel. Etwas Ähnliches gebe es bei ver.di „ jetzt leider nicht“, beschreibt Migrationsbeauftragte Sonja Marko den Status quo und fügt hinzu: „Die Journalisten und Journalistinnen mit Migrationshintergrund sind in der Personengruppe der Freien oder im Fachbereich Medien organisiert. Der Beruf ist für sie wohl eher handlungsleitend als ihr Migrationsstatus“. Das sei im Kampf gegen Diskriminierung hier möglicherweise auch „die hilfreichere Variante“.

So gibt es viele verschiedene Wege zum gleichen Ziel: Menschen in ihrer Individualität zu respektieren – jenseits sozialer, ethnischer, geschlechtlicher, kultureller, religiöser Zuordnungen oder wie es Sonja Marko ausdrückt: „Ich bin ich!“ ‘

 

(Quelle: «M» – Menschen – Machen – Medien.)

Siehe auch:

Gegengift zu Sarrazin. Marjan Parvand ist Vorsitzende der „Neuen deutschen Medienmacher!

Die Prominente und das Opfer. Professorin Margreth Lünenborg über Migrantinnen in den Medien

Nordafrika / Naher Osten: Revolution ist Handarbeit!

Mittwoch, Mai 11th, 2011

“Mediale Middle-East-Facebook-Romantik

Comandante Claus Kleber ist der Gruppe „Wir wollen Parlamentarismus und W-LAN“ beigetreten. Über den medialen Tunnelblick auf der Datenautobahn.

Von Marcus Munzlinger

Der Weltspiegel und das Auslandsjournal haben es deutlich gemacht: Es sind wissenshungrige, nach Information lechzende junge Kreativköpfe, die die arabischen Massen in den Kampf gegen ihre Diktatoren führen – inspiriert durch den Hort der digitalen Freiheit. Das letzte Gefecht, es scheint eines um und mit den vielzitierten „neuen Kommunikationsmitteln“ zu sein – entsprechend dem „Qualifikationsniveau“ des revolutionären Subjekts: dem gesellschaftlichen ‚User’. Dieser ist als globale Erscheinung Hauptprotagonist der sich seriös nennenden Nachrichtensendungen. Claus Kleber rüffelt im ‚bescheiden’ aufgemotzten ZDF-Nachrichtenstudio die mangelnde Partizipation der Berliner Bevölkerung an einer Facebook-Aktion zur Befreiung des chinesischen Künstlers Wei Wei, Tom Burow bewundert hinsichtlich der tunesischen Revolution das politische Bewusstsein der globalen Internetklasse. Egal was auf der Welt passiert, die hiesigen Medien durchdringen in atemberaubender Geschwindigkeit Motivation und Ziele der involvierten Menschen, und arbeiten ihre Softskills heraus. Die Welt strebt ihrem Zustand als Social Network entgegen, immer geupdated, reaktionsschnell, entscheidungsfreudig. Das Fernsehen hat den Wettlauf mit dem Internet abgebrochen und versteht sich nun als Teil einer community, die vorgeblich allen offen steht. Zu allem und jedem kann gevotet, jedes Thema in einem virtuellen Stammtisch endlos weitergetragen werden.

Wer führt die globale Volksfront?

Die Freiheits-Community der schönen neuen Welt, die ARD und ZDF am Horizont aufziehen sehen, sie verlangt in der Diktion ihrer medialen Inszenierung nach der Durchsetzung der modernen Gesellschaft entgegen allen veralterten Hindernissen, die da wären Despotismus, religiöser Fundamentalismus, wirtschaftliche Eigenständigkeit und Klassenbewusstsein. Denn die fleißigen Organizer als angebliche Köpfe der „Demokratiebewegungen“, die uns das Fernsehen aus Damaskus, Gaza, Kairo, Tunis und auch Peking immer wieder in einer Art Starschnitt präsentiert, sie alle, wirklich alle sprechen wahnsinnig gut Englisch, haben im Ausland studiert, sind Software-Experten und manchmal auch Expertinnen, und entnehmen ihre Erfahrungen bei der Aufstandsplanung direkt den „low hierarchy“-Konzepten schlanker Internetfirmen. Die New York Times spricht bei einem jungen Palästinenser von einer Mischung aus „Apple Gründer Steve Jobs und Ghandi“. Der pure Wahnsinn. Allein: Die Akteure der Aufstände zwischen Tunis, Sana und Damaskus verfügen in ihrer klaren Mehrheit nicht über eigene Computer, oftmals noch nicht mal über die Möglichkeit zu einem Internetanschluss. Während die ARD noch über eine Anti-Mubarak-Facebook-Seite mit 10.000 „Gefällt mir“-Klicks berichtet, stehen in den Armenvierteln Kairos hunderttausende Mitglieder einer ganz anderen Community bereit, sich gegen Armee und Polizei aufzulehnen. Denn von den „sozialen Netzwerken“, die noch auf real-life-Versammlungen in Echt-Zeit setzten, nehmen unsere Medien kaum Notiz. Wie auch – bei der Jagd nach „O-Tönen“ und „Background Stories“ zählt jede Sekunde, und der Besuch in einem ägyptischen Slum in Zeiten des Aufruhrs bedarf schon etwas genauerer Planung. Eine google-Recherche oder Facebook-Suche fördert dagegen leicht Erreichbares sowie leicht Verdauliches zu Tage: Junge Studierende, JournalistInnen und KünstlerInnen, die bisher so einigermaßen auskamen und die im Notfall zumindest die vage Chance haben, sich als hochqualifizierte Einwanderer in die westlichen Industrienationen absetzen zu können.

Revolution und Aufruhr als Feierabend-Snack

Dass sich die Medien aus diesen Kreisen ihre Helden und Heldinnen der Revolutionen und Aufstände zimmern, hat aber noch einen anderen Grund als den einer bequemlichkeitsbedingten Verkürzung durch die jeweiligen KorrespondentInnen. Nachrichten sind ein Value, also gleich einem Produkt – und dieses muss an den Markt gebracht werden. Konsumierbar sind die Informationen jedoch nur, wenn es ein klares Angebot zur Identifikation bzw. Antipathie gibt. Das Aufspalten und Differenzieren der Aufstandsbewegungen ist da nur eine Sache, die für sich schon zu viel ist: für 3 Minuten „Tagesschau“, 15 Minuten „Weltspiegel“ oder 30 Minuten „Brennpunkt Spezial“. Verunmöglicht wird die Angelegenheit aber dann, wenn die Inhalte komplett unkompatibel zu den sonstigen Wertmaßstäben sind, die das Fernsehen vermittelt – etwa Streiks gegen die prototypisch neoliberale Arbeitsmarktpolitik Mubaraks. Die Produzenten und Produzentinnen der Nachrichtensendungen müssen also auf eine das gesamte Senderkonzept mit einbeziehende inhaltliche Konsistenz achten: Entweder es wird auf Antipathie gesetzt und festgefahrene Klischees bedient – so hat etwa der jemenitische Staat jahrelang, bis zum Zeitpunkt der Aufstände, laut Medien zusammen mit Saudi-Arabien einen Krieg nicht gegen die eigene Bevölkerung, sondern gegen Al Quaida geführt – oder aber die Identifikation muss komplett sein. Dafür ist Voraussetzung, dass den Zuschauenden suggeriert wird, sie könnten die Aufständischen klar einordnen, dass es für sie ein Leichtes wäre, deren Lebenshintergründe, Motivationen und Mittel nachzuvollziehen. Den jung-dynamischen Facebook-Revoluzzer kann das deutsche Publikum genauso gut verstehen wie es einen islamistischen Selbstmordattentäter nicht zu verstehen braucht, beide medialen Angebote sind klar in ihrer Ausrichtung und bescheiden in ihrem Anspruchsniveau an die andere Seite des Bildschirms. Die Masse derjenigen, die aus diesen Bildern herausfallen, lässt sich jedoch nicht in kurzen schnellen MAZen einfangen und darstellen, und würde zudem eine derart eingehende Beschäftigung mit den gesellschaftlichen Verhältnissen verlangen, dass sich das Ganze eh nicht mehr in kleinen Happen servieren lassen würde.

Politisches Bewusstsein der medialen Klasse

Schließlich aber sind es nicht bloß äußere und innere Zwänge der journalistischen Ökonomie, die zur Produktion des Stückes „Wissensgesellschaft vs. Diktatorzombies reloaded“ (als Fortsetzung des Kassenschlagers „Das Ende der Geschichte: Der Fall des eisernen Vorhangs“) führen. Vielmehr kann wohl tatsächlich bewusstes Handeln bei den medialen Akteuren unterstellt werden, auch wenn sich dabei womöglich gefährlich nah an einer Verschwörungstheorie bewegt wird. Doch statt von einem manipulativen Geheimbund in dunklen Kutten im fackelbeleuchteten Untergrund, soll hier vielmehr von einem industriellen Konglomerat gesprochen werden, welches die Bewusstseinbildung seiner Subjekte direkt mit der eigenen Reproduktion verbindet: Ob Henri-Nannen-Journalismus-Schule, Bertelsmann Stiftung oder der in einer solchen Aufzählung unvermeintliche Axel-Springer-Verlag, all sie produzieren nicht bloß Medien und Nachrichten, sondern nicht zuletzt eben auch Journalisten und Journalistinnen. Das Erlernen des Handwerks, die Anwendung des selben in einer Konkurrenzsituation und schließlich das „Sich Einrichten“ in der nimmer müden Diskursmaschinerie der modernen Medienwelt – die Produktionsverhältnisse sind den Inhalten klar vorgelagert. Da sowohl die privaten Mediengiganten als auch das öffentlich-rechtliche Fernsehen trotz aller Bewunderung für die losen liberalen LeistungsträgerInnen der Facebook-Bewegung sich selbst ultra hierarchisch organisieren – auf der einen Seite der Staat, auf der anderen die Hauptaktionäre und -aktionärinnen, hier die Intendanten, dort die Geschäftsführung – werden die strategischen Positionen schließlich von denen ausgefüllt, die das aus den Bedingungen für die Produktion von Medien gewonnene Bewusstsein am effizientesten während ihrer Karriere anzuwenden wussten. Flankiert von einer nicht von der Hand zu weisenden Verschmelzung mit der politischen Kaste – Parteien und Medien arbeiten seit jeher bei der Generierung von Nachrichten Hand in Hand – folgen die Verantwortlichen der Medienwelt einem klar politischen Selbstbild. Sie sehen sich als „vierte Gewalt“, Säule des bürgerlichen Staates, schreiben sich einen „Bildungsauftrag“ zu und gehen immer unverhohlener dazu über, Wahrheiten zu postulieren (das „Heute Journal“ ist dafür das vielleicht aggressivste Beispiel).

Großväterchen Sokrates, sprich zu uns!

Eine Kritik an der medialen Rezeption des gesellschaftlichen Umbruchs in der arabischen Welt soll natürlich nicht vulgär-marxistischen Ideologien im Gewand sogenannter „Gegeninformation“ das Wort reden. In den unzähligen Texten, die deutsche Linke in den letzten Monaten zu den Revolutionen verfasst haben, werden die Aufständischen meist genauso zu haarsträubenden Stereotypen zusammengefasst, wie es in dem Märchen der Mainstream-Medien von den Laptop-FreiheitskämpferInnen der Fall ist. Die einen sehen eine „bürgerliche Revolution“ am Werk, die die Machtübernahme durch das Proletariat vorbereite, andere ein antiimperialistisches Aufbegehren, und wieder andere können nicht anders als allem und allen eine antisemitische Grundmotivation zu attestieren. Dabei greifen die Schreiberlinge wohl fast immer lediglich auf ein paar Internetartikel, die Bilder des Fernsehens und ihr festgefahrenes Weltbild zurück. Was die Richtung der angestoßenen Entwicklung in der arabischen Welt angeht, wäre vielleicht ein entschlossenes „Ich weiß, das ich nichts weiß“ angebrachter. Der Rest ist eine politische Entscheidung: Wer es nicht hinnehmen will, dass die neuen Militärregierungen in Tunesien und Ägypten zwar RepräsentantInnen der internet-affinen Mittelschicht mit einbinden, gleichzeitig aber Demonstrations- und Streikverbote aussprechen – und dafür von der deutschen Presse in einem absurden Vergleich als positives Gegenbeispiel zu Gaddafis Regime in den Himmel gelobt werden –, sollte Mittel und Wege finden, diese spezifische Kritik unmissverständlich zu äußern. Doch egal ob mit oder ohne Facebook-Account, auf die freundliche Unterstützung durch Claus Kleber & Co. sollte sich dabei nicht verlassen werden.

 

(Quelle: Direkte Aktion.)

Hinweis:

Dieser Artikel entstammt der aktuellen Ausgabe der Zeitschrift “Direkte Aktion”, die sie in unserer Bücherei entleihen können.

BRD: Die arabische Revolten oder Klischees in den Köpfen

Freitag, April 15th, 2011

Klischees in den Köpfen

Stereotypen in der deutschen Berichterstattung

Von Markus Bickel*

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“Als der Kreis arabischer Revolten Ende Februar in Tunis zu seinem Ausgangspunkt zurückkehrte, war wieder nur ein Sender live dabei, der sich ohne Arabischkenntnisse verfolgen ließ: Al Jazeera English. Rund um die Uhr berichtete der Nachrichtenkanal aus Qatar über die Fortsetzung der von vielen mit der Flucht Zine Abidine Ben Alis Mitte Januar schon beendet geglaubten „Jasmin-Revolution‘. Auf Beiträge deutschsprachiger Journalisten hingegen, die vor Ort über den Rücktritt Ministerpräsident Mohammed Ghannouchis und die von Sicherheitskräften getöteten Demonstranten informiert hätten, wartete man in Radio und Fernsehen vergebens; selbst in den großen überregionalen Tageszeitungen fanden sich nur Agenturmeldungen. Die Karawane der Krisenreporter war zu dem Zeitpunkt längst weitergezogen nach Kairo oder, Ende Februar dann, ins von Aufständischen befreite libysche Benghasi. Allein die „Berliner Zeitung‟ hatte nochmal einen eigenen Mann nach Tunis geschickt.

Das Manko der meisten deutschen Medien, in Nordafrika, wenn überhaupt, nur mit einem Korrespondenten vertreten zu sein, tritt in diesen Tagen arabischen Aufruhrs deutlich zutage. Die festen Mitarbeiter in Kairo sind mit der Berichterstattung aus einem Brennpunkt völlig ausgelastet. Ohnehin richtet sich ihr Augenmerk meist nach Osten, auf die traditionellen Krisenherde des arabischen Mashregh: Israel/Palästina also, Irak und Libanon. Den Maghreb haben sie kaum im Blick; nur sporadisch widmeten sich die Kollegen aus Madrid oder den Redaktionen in Berlin, München und Frankfurt in den vergangenen Jahren Tunesien, Algerien, Libyen und Marokko. Dass kontinuierliche Berichterstattung möglich ist, zeigen „Le Monde‟, „Figaro‟ und „Libération‟: In Frankreich sorgten Medienberichte über ihren von Ben Ali gesponserten Tunesienurlaub sogar zum Rücktritt der Außenministerin Michèle Alliot- Maries.

In Deutschland undenkbar. Innenpolitische Debatten lösen Entwicklungen in Nordafrika hier allenfalls aus, wenn von „Flüchtlingsströmen‟ Richtung EU-Europa berichtet wird. Und seien es nur 5.000 auf Lampedusa, wie im Februar, als sich ein ZDF-Spezial mit dem Titel „Was nun, Nahost?‟ den arabischen Aufständen widmete. Die Sendung geriet zum abschreckenden Beispiel eurozentrischer Betrachtungsweise: „Die Probleme der arabischen Welt könnten zu unseren Problemen werden, dazwischen liegt nur das Mittelmeer‟, gab ein Sprecher den Ton vor. Als der einzige Studiogast arabischer Herkunft, der Schriftsteller Hamed Abdel-Samad, darum bat, „die millionenfachen Hoffnungen‟ der Menschen in Tunesien und Ägypten stärker zu berücksichtigen, unterbrach ihn ZDF-Chefredakteur Peter Frey mit Verweis auf die Gefahren für Europas Sicherheit. Nur um dem gerade vom Kairoer Tahrir-Platz zurückgekehrten Abdel-Samad später paternalistisch das Recht zuzugestehen „stolz zu sein mit allem, was Sie mitgemacht haben‟.

Allzuoft in den vergangenen Wochen erzählte der verunsicherte Blick in die Ferne mehr über die Klischees in den eigenen Köpfen als über die Gründe für den arabischen Aufruhr. Das findet auch der Berliner Büroleiter Al Jazeeras, Aktham Suliman. So seien die Ängste vor Ägyptens Muslimbrüdern und anderen Islamisten letztlich „durch mediale Darstellung‘ erzeugt: Angesichts der ungewissen Entwicklungen hielten Journalisten lieber an vertrauten Vorstellungen fest – die von „Freund-Feind-Denken‟ geprägte westliche Sichtweise verleihe ihnen und den Zuschauern Sicherheit.

*Markus Bickel ist Politik-Redakteur der F.A.Z. Von 2005 bis 2008 arbeitete er als Nahostkorrespondent in Beirut.”

(Quelle: medico international.)

Frankreich: Der Rassismus des Nicolas Sarkozy

Samstag, Juli 17th, 2010

Afrikanische Antworten auf europäische Bevormundung

Eine Buchrezension von Lisa Ndokwu

“Selten gibt es tagespolitische Ereignisse, die internationales Aufsehen erregen, und noch seltener regen Reden von Politikern zu ausgiebigen Debatten an. Nicolas Sarkozy hielt am 26. Juli 2007 an der Universität Cheikh Anta Diop in Dakar eine der meist diskutierten Politikerreden. Als selbst ernannter „Freund‟ adressierte er die Rede an die „Jugend Afrikas‟, standen doch die Zukunftsperspektiven des Kontinents auf seiner Agenda.  Inhaltlich war die Rede ganz im Zeichen der Vergangenheit gehalten. 

Sein Ghostwriter, Henri Guaino, bediente sich willkürlich bei zahlreichen europäischen Gelehrten des 18. und 19. Jahrhunderts, die allesamt kein Hehl aus ihren rassistisch motivierten Einstellungen gemacht hatten: Montesquieu, Voltaire, Hume, Kant, Hegel. Dieses Sammelsurium an  Ungeheuerlichkeiten projezierte Sarkozy durch vorurteilsbehaftete Feststellungen in der 1. Person in die von ihm entworfene Zukunft Afrikas. Wie und was der „afrikanische Mensch‟ seiner Meinung nach sei und wie sich Afrika ändern müsse, schleuderte Sarkozy mit Eindringlichkeit in das von Würdenträgern und senegalesischen StudentInnen besetzte Auditorium. 

Während die westlichen Medien verhalten reagierten, publizierten die Intellektuellen des Kontinents zahlreiche vehemente Gegendarstellungen. Elf Beiträge des von Makhily Gassama herausgegebenen Sammelbands ‘L’Afrique répond à Sarkozy’ sind nun dem deutschsprachigen Lesepublikum unter dem Titel  „Der undankbare Kontinent?‟ zugänglich. 

Die AutorInnen verorten die Rede des französischen Präsidenten zwischen Paternalismus und Überheblichkeit. Der rassistische Grundtenor dieser Aneinanderreihung von Klischees überraschte selbst kritische Stimmen wie den Historiker Achille Mbembe. In seinem Beitrag demaskiert er minutiös die Pseudowissenschaft und Ethnophilosophie des „Monologs von Dakar‟.  Die vollkommene Negation von Forschungsergebnissen afrikanischer Wissenschafter, die unter anderem durch finanzielle Unterstützung französischer Regierungen durchgeführt wurden, interpretiert Achille Mbembe als konsequente „Politik der Ignoranz‟.   

Diese Doppelbödigkeit und den „Geschichtsschacher‟ prangert die Linguistin Zahra Bouchentouf-Siagh in ihrem gleichnamigen Essay an. Ihre semantische Textanalyse der Rede summiert die strapazierten Zuordnungen von Afrika als „begriffsarmen Kontinent‟ und Europa als positives Pendant. 

Die schonungslose Aufdeckung von Tautologien, Unwahrheiten und Widersprüchen charakterisiert den Beitrag des Literaturwissenschafters Lye M. Yoka zum Konzept der Frankophonie.  Der Sprachwissenschafter Mwatha Musanji Ngalasso bezeichnet die Diktion von N. Sarkozy als Kautschuksprache. Langatmige Erzählungen, schmeichelnde Einwände, wie etwa die Zitate von Leopold Sénghor, gefolgt von Abmahnungen, die in einer fernen Zukunft angesiedelt werden.

Unter welchen wirtschaftlichen Bedingungen sich die „Jugend Afrikas‟ gemäß Herrn Sarkozy „eine Zukunft aufbauen‟ solle, erörtert der Wirtschaftswissenschafter Demba Moussa Dembélé. In seiner brillanten Analyse der Verflechtungen von europäischer und afrikanischer Wirtschaftspolitik wird deutlich, wie die Abhängigkeitsverhältnisse der südlichen Hemisphäre systematisch erweitert wurden. Ergänzend dazu analysiert der Politkwissenschafter Mahamadou Siribié das Währungssystem des CFA-Franc, der Währungseinheit der frankophonen Länder.

Die Impertinenz und Arroganz der „Rede von Dakar‟ wird im Beitrag der Literaturwissenschafterin Odile Tobner besonders deutlich. Sie analysiert die Reden zu Afrika aller französischen Präsidenten von de Gaulle bis Sarkozy. Dass es dem französischen Präsidenten nicht möglich war, die Minimalanforderungen der internationalen Höflichkeit zu respektieren, beklagt der Sozialwissenschafter E. H. Ibrahima Sall. Er liefert eine exakte Quellenanalyse des von N. Sarkozy postulierten Afrikabildes.

Cheikh Anta Diop, dessen Namen die Universität trägt, die Herrn Sarkozy als Gast empfangen hat, hat durch seine Forschungen zur ägyptischen Zivilisation bedeutende Teile der europäischen Geschichtsschreibung revidiert. Der Ägypotologe Théophile Obenga analysiert in seinem Beitrag die eurozentrischen Afrikadeutungen, deren Mythos sich im westlichen wissenschaftlichen Repertoire bis in die Gegenwart spiegelt. 

Von der hochtrabenden Rede an die „Jugend Afrikas‟ bleibt letztendlich kein einziges Wort, das einen winzigen Wahrheitsgehalt für sich beanspruchen könnte. Der Kampf um demokratische Prinzipien, den Nicolas Sarkozy einfordert, ist längst in den Köpfen der Jugend Afrikas angekommen. Allein die Texte der Rapper Alpha Blondy oder Tiken Jah Fakoly manifestieren die Gedanken und den Kampf der „Jugend Afrikas‟.

Weil sich Herr Sarkozy so gern in der Vergangenheit aufhält, hätte auch ein Blick in die zahlreichen Überlieferungen seines Gastgebers geholfen: „Ich misstraue dem Fremden, der an meiner statt über Lösungen für Probleme in meinem Kornspeicher entscheidet‟ (Senegalesisches Sprichwort).

——–

Der undankbare Kontinent? Afrikanische Antworten auf europäische Bevormundung. Herausgegeben von Peter Cichon, Reinhart Hosch, Fritz Peter Kirsch Argument- Verlag GmbH, Oktober 2009″

(Quelle: Afrikanet.info..)

BRD: Rassismus? Hier?!? Ja, wo denn?!

Mittwoch, Juni 30th, 2010

“SIXT Sommerloch: Supremacy als Werbegag

Veröffentlicht am 30. Juni 2010 von Red. der braune mob

Offensichtlich hat SIXT kein Interesse daran, an Schwarze Menschen zu vermieten – sonst würden sie sie weniger unverschämt instrumentalisieren. Das kann man sch ja für die nächste Mietwagensuche vormerken.

Diese Mail -und damit verbundene Werbung- erreichte uns heute:

quelle: sixt, FAZ

Einsendung dazu:

—— Weitergeleitete Nachricht
Von: Mekonnen Mesghena
Datum: Mon, 28 Jun 2010 11:10:43 +0200
An: Werberat
Betreff: Sixt-Werbung in der Süddeutschen Zeitung vom 23.06.2010

Sehr geehrte Damen und Herren,

die Sixt-Werbung in der Süddeutschen Zeitung vom 23.06.2010 (siehe Anlage) verkörpert eine ethnozentrische Weltsicht, die rassistisch und chauvinistisch ist. Sixt benutzt die Wohlstandsgefälle zwischen Reich (Deutschland) und Arm (Ghana), um die Überlegenheit Deutschlands gegenüber Ghana zu demostrieren. Diese ewigen Klischees eines armen, chaotischen und unterlegenen Afrikas sind es genau die Bilder, die die Denkweise der Mehrheitsbevölkerung über den Kontinent Afrika prägen. Bei aller Freiheit und Kreativität der Werbung bleibt der ständige Rückgriff auf solche alten und chauvinistischen Klischees abgeschmackt und beleidigend.

Gegen eine solche ethnozentrische Weltsicht in der besagten Sixt-Werbung protestiere ich aufs Schärfste. Den Deutschen Werberat möchte ich deshalb dringend dazu ermutigen, sich mit dem Inhalt der Werbung auseinander zu setzen.

Mit freundlichen Grüßen

Mekonnen Mesghena

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Mekonnen Mesghena
Department Head
Migration & Diversity

Heinrich Boell Stiftung
10117 Berlin, Germany

www.boell.de
www.migration-boell.de
diversity@boell.de
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Kontakt zu SIXT:

Mailadresse: InvestorRelations@sixt.de

Sixt GmbH & Co Autovermietung KG , Zugspitzstr. 1 ,D-82049 Pullach

Vorsitzender des Vorstands: Erich Sixt
Vorstand: Dr. Julian zu Putlitz, Detlev Pätsch

Vorsitzender des Aufsichtsrats: Dr. Gunter Thielen
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Anmerkung des Mob:

Da der ‘Werberat’ sich offensichtlich vor allem aus Menschen zusammensetzt, die keine Vorbildung in den Bereichen ’struktureller Rassismus’, ‘dominanter Diskurs’ oder ‘critical whiteness studies’ besitzen, und darüber hinaus ein Gremium der Werbewirtschaft selbst ist (also nicht unabhängig), erkennen wir seine Entscheidungen in Diskriminierungs-Angelegenheiten nicht an.

Unsere Erfahrungen mit dem “Werberat”, was eigene Positionierung und Aufklärungsversuche angeht, sind entsprechend. Siehe: http://www.derbraunemob.info/deutsch/content/sogehtsnicht/content_daneben_hoerzu.htm

Auch findet sich auf der Homepage des Werberates die “Rasse“.

Dies hatten wir (gut erklärt) moniert, es kam keine Antwort.

Eine vielsagende ‘Entscheidung’ des Werberates kann man auch hier nachlesen.

Es bleibt natürlich trotzdem allen ungenommen, sich an diese Gruppe zu wenden. Wir halten direktes Verbraucher_innen-Feedback an die Firmen jedoch für mindestens ebenso wichtig und erfolgversprechend. Ohne Zuschriften der “Verbraucher_innen” bzw Zielgruppe gibt es für die betreffenden Gewerbetreibenden keinen Grund zur Auseinandersetzung mit dem Grad der Demokratie oder des Diskriminierungsgehaltes ihrer Außendarstellung.

Wir sind allerdings auch der Ansicht, dass es beim Konsument_innenfeedback nicht darauf ankommt, die Firmen von der eigenen Meinung zu überzeugen, sondern ihnen diese einfach nur deutlich mitzuteilen. Der Sinn von Feedback ist ja nicht unbedingt “Einsicht beim Gegenüber” sondern zunächst, sich selbst mit diskriminierender Werbung nicht einverstanden zu zeigen, und danach, die Firma zu anderem Handeln zu bewegen. Dies machen Firmen meistens ohnehin ganz unabhängig von “Überzeugung”, sondern einfach aus ökonomischen oder Publicity-Gründen. Je mehr Menschen sagen/schreiben, dass sie etwas daneben finden, desto wahrscheinlicher ist auch ein Erfolg – egal wie diese Menschen sich ausdrücken.”

 

(Quelle: Der braune Mob.)

USA: Die Immigration ist weiblich

Samstag, Juni 26th, 2010

Surprise! Immigration Is A Woman’s Issue!

By Gloria Steinem and Pramila Jayapal

In the wake of the recent passing of the harsh anti-immigrant law in Arizona, Gloria Steinem, writer, feminist organizer and cofounder of the Women’s Media Center, and Pramila Jayapal, an immigrant herself, and founder and executive director of OneAmerica, a national organization that works for civil and human rights for immigrants, consider the unique impact of immigration on women.


Gloria Steinem


Pramila Jayapal

Close your eyes and conjure up the image of an “illegal immigrant.” If you see a male farm worker, petty criminal or even a drug dealer and potential terrorist, you’re not alone. Those often threatening and always-male images are the most common not only in anti-immigrant rhetoric, but in mainstream news media and movies. Fear of immigrants has all but eclipsed even the cherished symbolism of the Statue of Liberty.

In the wake of Arizona’s SB1070—the harsh anti-immigrant law that not only condones but promotes racial profiling that endangers entire groups of the innocent—all sides seem to agree that the Federal government has abdicated its responsibility to institute a fair and just immigration system that meets our values and our needs, as families, businesses and communities. Republicans have used SB1070 to coalesce around “border security first” in spite of the fact that it is the underlying system that is broken and needs to be fixed first. Democrats have been caught red-handed with inaction and unwilling to lead on introducing a meaningful reform bill less they stir up a jingoistic hornet’s nest on the right.

In fact, both parties have closed their eyes to the millions of immigrant voters across the country who are watching closely to see who takes leadership, and which party (perhaps for generations to come)these voters will embrace or spurn.

Meanwhile, workplaces are raided, families are divided, and the situation of real life immigrants grows ever more Kafka-esque. Today, the Obama Administration deports approximately 1,000 immigrants each day, even more than during the Bush Administration. Businesses—afraid of the I9 audits, called “paper raids”—fear losing hundreds of workers with no real reform in sight. And in a lesser reported but crucial consequence, even tourists, diplomats and visiting experts now reconsider trips here, leading to losses for the United State of experts, tourist income, and global goodwill everyday. The fearful and irrational procedures at our borders and in the interior have even become subjects of global hit movies such as “My Name is Khan” or “The Visitor.”

Of course, even a stopped clock is right twice a day. All the factions in this immigration debate have a point or two. But the truth is that the debate on immigration would be easier and far more accurate if the American public understood who immigrants really are — and why they come to America. The reality is that immigration is, in large part, about women and children. It’s time to wake up to this fact.
Consider the following:

- The super majority of both documented and undocumented immigrants – whether newly arrived or resident in this country — are women and children.

- Many female immigrants are fleeing domestic violence, female genital mutilation, and other human rights abuses against females in their own countries. Female immigrants are much more likely to have been the victims of violence than to be its perpetrators — just as are females in general.

- Of the immigrants who endure this broken system long enough to become permanent legal U.S. residents, 54.6% are women. Due to bureaucratic delays and restrictions on family visas, they still must wait between six and twenty-two years to bring even one family member into this country.

- Female immigrants suffer even more workplace wage discrimination than do their male counterparts. The threat of deportation makes them fearful of reporting sexual assault, sexual harassment, domestic violence and other punishments that are overwhelmingly female.

- Women and children make up more than 90% of the thousands of unwilling immigrants brought here every year by sex traffickers, yet such victims are far more likely to end up in prison than are the traffickers.

- The average immigrant woman is better educated than her male counterpart, even when both are in low-paying jobs. Women are also more likely to be students in English language classes – many classrooms are as much as 70% female – because they want to instruct or to keep up with their children.

- Though immigrants who are permanent legal residents pay the same taxes as do citizens, they are not allowed to receive Medicaid for five years. This punishes women disproportionately because they are child bearers and caregivers It also endangers the public in general by reducing the level of health in schools and workplaces. Nonetheless, this prohibition was enshrined in the recent healthcare reform bill.

For all these reasons and many more, immigration is a women’s issue. That’s why mainstream women’s organizations like the National Organization for Women have passed well-informed and valuable resolutions on immigration policy, yet Congress has yet to ask for their testimony. Most immigrant advocacy organizations are also led by women, yet the mainstream media rarely feature spokeswomen in immigration debates. Indeed, the popular image of immigrants is so far from their reality that even immigrant groups and the women’s movement have yet to harness their collective power together. Imagine how much both movements would gain if they worked in a coordinated fashion to move comprehensive immigration reform?

The truth is that millions more Americans would be the natural allies of immigrants if they were presented with an accurate picture of who immigrants really are. That number of supporters would be increased still more by knowing how important a part of the economy female immigrants are. While there are no statistics breaking out the economic contributions of women immigrants, economists estimate that giving them stability by passing immigration reform would increase the gross domestic product of the U.S. by $1.5 trillion over the next ten years — and women are a key part of that contribution.

As for the border debate, no country on earth has succeeded in sealing off a border effectively, from the Berlin Wall to the Bamboo Curtain, and those that have done the best job — say, North Korea — have only isolated and punished themselves.

In the U.S., punitive measures that threaten the circular flow of immigrant seasonal workers have actually meant that more remain here. They fear returning home because they may die or fail to cross the border again. Indeed, if the biased and the fearful were to succeed in deporting the estimated 12 million undocumented immigrants now living here, it would not only decrease our GNP, but the process itself would cost more than the Iraqi and Afghan wars combined.

It’s hard to imagine how this broken system could get worse. However, it’s clear where the mending must start: See immigrants as they really are. Then make policy that fits reality.

The views expressed in this commentary are those of the author alone and do not represent WMC. WMC is a 501(c)(3) organization and does not endorse candidates.

(Quelle: Women’s Media Center.)