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Demokratische Republik Kongo: Erste Schritte aus der Armut

Dienstag, Juni 22nd, 2010

“Seit 2008 unterstützt ▸PAIF, Partnerorganisation von medica mondiale, Überlebende sexualisierter Gewalt im Osten der Demokratischen Republik Kongo. PAIF steht ihnen mit medizinischer Hilfe zur Seite, mit Sozialarbeit und bei dem Aufbau einer wirtschaftlichen Existenz. In dieser Region gibt es immer wieder blutige Konflikte, sowohl Militär als auch Milizen vergewaltigen weiterhin Frauen und Mädchen – allein im vergangenen Jahr zählte die UN knapp 8.000 gemeldete Fälle, nur ein Bruchteil der tatsächlichen Vergewaltigungen.


Photo: medica mondiale

„Seit ich angefangen habe, mit Nähen mein Geld zu verdienen, habe ich meine Familie nicht mehr um Geld bitten müssen. Im Gegenteil: Ich kaufe jetzt Öl für sie. Und meine Kleidung und mein Essen kann ich jetzt selbst bezahlen.“ Die 27-jährige Faida, alleinerziehende Mutter von zwei Kindern, gehört zu den insgesamt 177 Absolventinnen eines achtmonatigen Nähkurses. Dieser Kurs ist Bestandteil eines Ausbildungs- und Starthilfen-Programms von PAIF.

Teilnehmerinnen des Programms nehmen zunächst an ebenfalls achtmonatigen Alphabetisierungskursen teil. Danach entscheiden sie sich für das Erlernen der Schneiderei, des Brotbackens oder der Saftproduktion oder aber ihre wirtschaftliche Eigenständigkeit wird mit Starthilfen gefördert: Sie bekommen Ziegen und Saatgut oder im Rahmen von Kleinstkrediten geringe Geldsummen zum Aufbau eines Geschäfts. Am Kleinstkredit-Programm nahmen bislang rund 180 Frauen teil; dazu haben sie sich zu insgesamt 17 Gruppen zusammengeschlossen. Rund 100 US-Dollar beträgt die Höchstsumme pro Kopf bei der ersten Förderung, die Rückzahlung erfolgt innerhalb weniger Monate.

Was gefördert wird, entscheidet PAIF mit jeder Frau individuell: Das kann der Aufbau eines Kiosk sein, der Grundstock für ein Kohle-Geschäft oder der Ersteinkauf für den Handel mit Second-Hand-Kleidung. Beim Aufbau ihres Geschäfts werden die Frauen von PAIF begleitet, ein „Business-Training“ gibt ihnen Grundlagen für die Berechnung von Einnahmen und Ausgaben. Ziel des Projekts: Die Frauen lernen mit Geld umzugehen, sie nehmen am öffentlichen Leben teil und sie gehören zu einer Gruppe, die sie stärkt. „Mit dem Startkapital ist alles anders geworden, denn Arbeit und Einkommen verändern alles“, so eine Teilnehmerin, “PAIF hat mir Zukunft geschenkt.“ ‘

(Quelle: medica mondiale.)

Afghanistan: Frauenrechte stärken!

Freitag, Juni 11th, 2010

“medica mondiale Afghanistan: Vermitteln zugunsten von Frauen

Seit 2007 bieten die Rechtsanwältinnen und Sozialarbeiterinnen von medica mondiale Afghanistan Frauen und ihren Angehörigen Vermittlungsgespräche an, um Konflikte in den Familien friedlich beizulegen – und dabei auch den Frauen zu ihrem Recht zu verhelfen. Seit Anfang des Jahres schult medica mondiale Afghanistan auch MitarbeiterInnen staatlicher und anderer Institutionen im Mediationsverfahren.

Gegen Unrecht strafrechtlich vorzugehen, beispielsweise Vergewaltiger und Gewalttäter anzuzeigen, stellt Frauen meist vor große Hürden. Zu verhärtet ist das nachhaltig vom islamischen Ehrenkodex beeinflusste, frauenfeindliche afghanische Rechtssystem. Nicht selten werden Ehefrauen anstelle ihrer prügelnden Ehemänner bestraft, landen Frauen statt ihres Vergewaltigers im Gefängnis und müssen bei Konflikten zwischen Familien als Wiedergutmachung herhalten, werden verstoßen oder bedroht, wenn sie Gleichberechtigung für sich fordern.

Ein Leben außerhalb der Familie ist für Afghaninnen kaum denkbar. Daher sind Vermittlungen durch eine Mediation in vielen Fällen häufig besser als beispielsweise eine Scheidung. Außerdem kann mit einer außergerichtlichen Beilegung von Streitigkeiten möglicherweise eine drohende Anklage gegen die Frau verhindert und die oftmals schwierige Wiedereingliederung aus der Haft entlassener Frauen – sie gelten als Schande bei den Angehörigen – in ihre Familien unterstützt werden.

Im Februar und März 2010 führte medica mondiale erstmals ein Mediationstraining mit rund 80 TeilnehmerInnen in Kabul durch. Unter ihnen waren, neben Mitarbeiterinnen von medica mondiale Afghanistan, AnwältInnen und SozialarbeiterInnen des afghanischen Frauenministeriums, des Ministeriums für Arbeit und Soziales, des Justizministeriums sowie lokaler Frauen- und Rechtshilfeorganisationen. Sie wurden in vier Gruppen je eine Woche lang geschult.

Die Mehrzahl der TeilnehmerInnen äußerte nach dem Training, dass sie künftig verstärkt darauf achten wollen, Frauen im Vermittlungsprozess mehr darin zu unterstützen, ihre eigenen Wege bei der Konfliktlösung zu gehen. Denn oberstes Gebot einer Konfliktvermittlung ist es, dass die Konfliktparteien selber eine Einigung finden, die MediatorIn steuert lediglich das Verfahren. Umso wichtiger ist es, dass beide Seiten gleichermaßen zu Wort kommen und Frauen mit ihren Anliegen, ihren Sorgen und Nöten respektiert werden.

Einig waren sich die Teilnehmerinnen auch darin, dass eine Mediation nur dann Erfolg und Nutzen für die Frau haben kann, wenn die Vereinbarung in Zukunft bei Gericht registriert und kontinuierlich überwacht würden. Bislang ist dies noch sehr schwierig, weil viele Familien sich davor scheuten, ihre familiären Probleme nach außen zu tragen und Fälle gerichtlich zu erfassen so die Erfahrung der TeilnehmerInnen. medica mondiale plant weitere Trainings in Herat und Mazar.”

(Quelle: medica mondiale.)