Posts Tagged ‘Meer’

BRD: Mehr Meeresschutz

Freitag, Dezember 14th, 2012

“Meeresschutzorganisationen wenden sich gegen Privatisierung der Hochsee

– UN-Seerechtskonvention erhalten und stärken

Pressemitteilung | 10. Dezember 2012

Heute, am 10. Dezember 2012, jährt sich zum dreißigsten Male die Unterzeichnung der “United Nations Convention on the Law of the Sea” (UNCLOS). Die UN-Seerechtskonvention ist eines der für die Entwicklungs- und Umweltpolitik bedeutendsten internationalen Übereinkommen. Aus diesem Anlass hat am 8. Dezember 2012 in Bremen eine überregionale Tagung stattgefunden, auf der die Teilnehmenden über den Einfluss der UN-Konvention auf die Meerespolitik diskutierten. Mit dieser Presseerklärung möchten die an der Tagung beteiligten und unterzeichnenden Organisationen für eine Reform der UN-Seerechtskonvention eintreten, die den Grundsatz, die Meere seien das “gemeinsame Erbe der Menschheit”, fortschreibt und die die Rolle internationaler Organisationen und der Zivilgesellschaft im Meeresschutz stärkt.

Die United Nations Convention on the Law of the Sea hat mit ihrem Inkrafttreten eine ganze Reihe internationaler Streitfragen auf See geklärt bzw. die Grundlagen dazu geschaffen. In den 1970er Jahren verhandelt und 1982 verabschiedet, gilt UNCLOS als die entscheidende vertragliche Basis für die Meerespolitik. Die Konvention regelt die Grenzen auf See, gibt die Nutzungsbedingungen für die Ressourcen des Meeresbodens in internationalen Gewässern vor, verlangt Umweltschutzmaßnahmen und kooperative Ansätze in der Fischerei. Grundlage des UN-Übereinkommens ist der unter anderem auf Elisabeth Mann Borgese zurückgehende Gedanke, dass die Meere das gemeinsame Erbe der Menschheit sind – ein Gemeingut, dessen Reichtümer global gerecht zu verteilen und nachhaltig zu nutzen sind. Jürgen Maier vom Forum Umwelt und Entwicklung bewertet dies so: “Die UN-Seerechtskonvention ist mit ihrem Verständnis von globaler Kooperation immer noch allen anderen internationalen Abkommen weit voraus. Die Ozeane als ein Gemeingut zu betrachten, das gerecht und nachhaltig von Nord und Süd gemeinsam verwaltet wird, mit eigens dafür geschaffenen Institutionen, war und ist wegweisend.”

Die heute zunehmend intensivere Nutzung der Meere ebenso wie die globale Verknappung der Ressourcen sorgen dafür, dass die Grundsätze der Seerechtskonvention immer häufiger in Frage gestellt werden. Im Rahmen der Globalisierung nimmt der Stellenwert der Meerespolitik beständig zu und an vielen Orten hat ein Goldrausch eingesetzt. Ressourcenförderung im Meer, Energiegewinnung vor den Küsten und die Erschließung neuer Fischgründe führen zu Konflikten um Seegrenzen und Nutzungsrechte. Eine Überarbeitung des Vertragswerks in bestimmten Bereichen scheint deshalb durchaus notwendig geworden zu sein. Es stellen sich eine Reihe konkreter Probleme, die es zu lösen gilt, wie die Kontrolle der Tiefseefischerei, die Einrichtung von Schutzgebieten auf Hoher See oder den Schutz der Kleinfischerei und ihres Beitrags zur Ernährungssicherheit. In Hinsicht auf diese Situation führt Kai Kaschinski von Fair Oceans aus: “Wir halten es für falsch, die Grundsätze der UN-Seerechtskonvention, insbesondere den, der die Meere als Gemeingut festschreibt, in Frage zu stellen. Reformen sind notwendig, aber diese sollten auf der Konvention aufbauen und ihren Ansatz stärken. Eine Privatisierung der Meere weist in die falsche Richtung und wird Fehlentwicklungen nur bestärken.”

“Angesichts der fortschreitenden Industrialisierung der Meere ist jetzt die Zeit, um internationale Regelungen zu vereinbaren, die verhindern, dass auf See die gleichen Fehler gemacht werden wie es an Land geschehen ist. Die Förderung von Ressourcen im Meer darf auf keinen Fall zu einem Wettrennen werden, das die Schnellsten und Hemmungslosesten für sich entscheiden”, so Onno Groß von Deepwave. Insbesondere für den Erhalt Tiefsee ist es notwendig, zunächst das Wissen über die Ökologie der Meeresgebiete und die Konsequenzen möglicher Eingriffe soweit zu vervollständigen, dass die Folgen einschätzbar werden. Das gleiche gilt aber auch für die Offshore-Projekte in den Küstengewässern. Soziale und ökologische Auswirkungen dürfen den wirtschaftlichen Interessen nicht untergeordnet werden. Zur Zeit versuchen mehr und mehr Staaten, ihre Ausschließlichen Wirtschaftszonen, in denen sie eigenständig die Förderrechte verwalten dürfen, per Antrag bei der zuständigen UN-Einrichtung zu erweitern. “Küstengemeinden, Zivilgesellschaft und internationale Organisationen müssen in die politischen Prozesse zur Neugestaltung der Meere einbezogen werden. Unter nationaler Oberhoheit Fakten zu schaffen, widerspricht nicht nur der UN-Seerechtskonvention, sondern ebenso vielen anderen Abkommen. Weitaus sinnvoller wäre es, den Ressourcenverbrauch zu drosseln und im Sinne der Seerechtskonvention über eine gerechte Verteilung der Meeresschätze nachzudenken, um künftige Konflikte zu vermeiden und einen umfassenden Schutz der Meere zu gewährleisten”, unterstreicht Burkhard Ilschner für die Redaktion der Zeitschrift WATERKANT.”

Meer

 

(Quelle: Forum Umwelt & Entwicklung.)

Pazifik: Die sozialen Folgen des Klimawandels

Dienstag, Juni 12th, 2012

“Klimawandel im Pazifikraum:
Neue Lösungen für Umweltmigranten in Kiribati?

(gekürzte Fassung)

Von Dr. Silja Klepp, Bremen

1. Einleitung

Derzeit existiert auf der globalen Ebene kein rechtlicher Schutzstatus für Umwelt- bzw. Klimamigranten. Auch in näherer Zukunft ist dies nicht zu erwarten, da der politische Wille der Regierungen bisher fehlt und es sich bei Umwelt- bzw. Klimamigration um ein komplexes und politisch aufgeladenes Thema handelt, das in Terminologie, Umfang und politischen Lösungsansätzen umstritten ist. Zu erwarten sind hingegen Verhandlungen rund um Umweltmigration in vom anthropogenen Klimawandel betroffenen Gebieten, die in informellen und formellen Foren und auf unterschiedlichen Ebenen realisiert werden. Vor allem im Pazifikraum, wo einige der am meisten durch Umweltveränderungen und Klimawandel gefährdeten Inselstaaten liegen, ist es zu einem regen Aushandlungsprozess rund um Migration als Anpassungsstrategie gekommen.

Kiribati, ein aus 32 Atollinseln bestehender Inselstaat im zentralen Pazifik mit ca. 110.000 Einwohnern, hat dabei bislang die konkretesten Migrationsstrategien auf internationaler Ebene entwickelt und führt verschiedene Verhandlungen, um diese umzusetzen. Die Regierung plant auf Grund der Zukunftsprognosen einen langfristigen Auszug aus der Insel, der schon jetzt begonnen hat und der trotz der etwaigen Notwendigkeit, Kiribati zu verlassen und die Staatsangehörigkeit aufzugeben, „in Würde‟ und selbstbestimmt geschehen soll: „migrate with dignity‟ heißt die Devise und die Strategie der Regierung.

2. Umstrittene Dimensionen des Themas Klimawandel und Migration

Verknüpft mit Gerechtigkeitsdebatten im Zusammenhang mit den Folgen des Klimawandels und den globalen Nord-Süd-Beziehungen werden Diskussionen rund um das Ausmaß der Auswirkungen des Klimawandels und Migrationsbewegungen mit großem Eifer geführt. In Debatten um Begrifflichkeiten und die Einordnung des Phänomens der Umweltmigration werden Faktoren wie die Abhängigkeit der Migrationsentscheidung von Umweltursachen, mehr oder weniger angenommene Freiwilligkeit, temporäre oder permanente Migration sowie Fragen der Reichweite und der Überquerung internationaler Grenzen diskutiert (siehe z. B. Biermann/Boas 2007).

Zwei grundsätzlich unterschiedliche Positionen bestimmen dabei die Debatten: Zum einen Wissenschaftler, die sich vor allem um Norman Myers gruppieren, der Prognosen zu den zukünftigen Zahlen von Umweltmigranten erstellt. Er hält Umweltveränderungen für den Hauptauslöser künftiger Migrationsbewegungen und hat schon im Jahr 1995 25 Millionen „Klimaflüchtlinge‟ gezählt (Myers 2002: 609). Im Gegensatz dazu sehen Black (Black 2001) und andere keine Hinweise, dass Umweltveränderungen alleiniger Auslöser von Migrationsbewegungen sind, hingegen seien politische und sozioökonomische Faktoren bei den Migrationsmotiven und die Anpassungsleistungen der verschiedenen Gesellschaften bei Umweltveränderungen zu berücksichtigen. Nach Richard Black ist der Terminus des „Umweltflüchtlings‟ irreführend und dürfe deshalb nicht verbreitet werden.

Die Debatten um Begrifflichkeiten und Zahlen, die zum Teil einen skandalisierenden Unterton tragen und mit wirkmächtigen Bildern unterlegt werden, zeigen, dass fundierte empirische Forschungen zu Auswirkungen des Klimawandels auf die unterschiedlichen Lebenswelten von Menschen erforderlich sind (Dietz 2009: 218). Diese könnten auch zu mehr konzeptueller und terminologischer Klarheit beitragen, die für verantwortliches politisches Handeln in diesem Bereich nötig ist (Parks/Roberts 2010: 154). Behindert das Fehlen eines konzeptuellen Einvernehmens in der Terminologie die Forschung, so sind die Fragmentierung der wissenschaftlichen Diskurse und die widersprüchlichen Forschungsergebnisse auch mitverantwortlich dafür, dass politische und rechtliche Forderungen für Umwelt- und Klimaflüchtlinge in den letzten Jahren delegitimisiert wurden, so McNamara (2007: 16). Die Betonung der komplexen Kombination von Faktoren, die zu Migration führen, und die Tatsache, dass selten Umweltfaktoren alleine für Migrationsentscheidungen oder Flucht verantwortlich sind, hätten die oftmals schwierige Lebenssituation und Fluchtbedingungen von Umweltflüchtlingen verharmlost und rechtliche Forderungen erschwert (ebd.).

Sicherlich sind es jedoch originär politische Faktoren, die dazu geführt haben, dass auch einige Jahrzehnte nach Aufkommen der Debatten um Umweltmigranten und der Beschreibung des Phänomens auf globaler Ebene kein Schutzstatus geschaffen wurde, der umweltinduzierte Fluchtursachen abdeckt. So schließt das international wichtigste Instrument zum Schutze von Flüchtlingen, die Genfer Flüchtlingskonvention (GFK) von 1951, Umweltphänomene als Fluchtursache aus. Im Diskurs um die Freiwilligkeit von Migration auf Grund von Umweltphänomen vertritt UNHCR die Haltung, nur originär politische, also GFK-Flüchtlinge seien „echte‟ Flüchtlinge. Die Organisation hat damit die Wahrnehmung von Umweltmigranten als „illegitime‟ Migranten noch verstärkt (McNamara 2007: 19).

An dieser Stelle muss betont werden, dass einige Inselstaaten, die von Umweltveränderungen auf Grund des anthropogen verursachten Klimawandels existentiell bedroht sind, den Flüchtlingsstatus für ihre Bürger grundsätzlich ablehnen. Länder wie z.B. Kiribati fordern eine Lösung für eine eventuelle Zukunft außerhalb ihres Staatsgebiets, der ihnen das Recht auf staatliche Souveränität und ihre Bürgerrechte nicht abspricht (McNamara/Gibson 2009: 479).

3. Der Pazifikraum als Aushandlungsarena

Umweltveränderungen und die angenommenen und antizipierten Auswirkungen des anthropogenen Klimawandels führen im Pazifikraum bereits heute zu Migrationsbewegungen und Umsiedlungen. Die Region des südlichen und zentralen Pazifik scheint dabei besonders stark von Umweltveränderungen betroffen. Einige Veränderungen sind vor allem zukünftig zu erwartende häufigere und stärkere Sturmfluten, die Überschwemmung und Erosion der Küsten und die Versalzung der Süßwasservorräte wie auch der landwirtschaftlich genutzten Böden (Mimura et. al. 2007). Der zeitliche Horizont und die Vorhersage genauer ökologischer Auswirkungen sind jedoch auch von Unsicherheiten und möglichen Abweichungen geprägt (Storey/ Hunter 2010: 172). Dies ist einer der Gründe, warum die angestrebten Lösungen für Umweltmigranten im Pazifikraum nicht nur in die Zukunft weisen, sondern auch eine gegenwärtige nachhaltige Entwicklung auf den Inseln anstreben sollten. Bei der Suche nach Lösungen für betroffene Migranten in der Region werden unterschiedliche rechtliche und politische Ebenen diskutiert und staatliche und nicht-staatliche Akteure einbezogen. Um die Bedürfnisse heutiger und zukünftiger Umwelt- und Klimamigranten abzudecken, werden verschiedene rechtliche Felder wie Menschenrechte oder die Rechte indigener Völker, aber auch soft-law-Ansätze wie z.B. humanitäre Appelle und Deklarationen herangezogen. Ebenso werden unterschiedliche politische Instrumente wie die Gründung von Anpassungs- und Flüchtlingsfonds oder regionale Programme zur Arbeitsmigration verhandelt. Als Beispiel für eine Deklaration, die die Bedeutung regionaler Lösungsansätze für Umweltmigranten betont, sei hier z.B. die Niue Decleration on Climate Change des Pacific Island Forum (PIF) von 2008 genannt. Dieser regionale Aushandlungsprozess im Pazifikraum, die Möglichkeiten und Grenzen verschiedener Strategien und Allianzen, wurde mit Hilfe empirischer Forschung in Vanuatu, Kiribati und Neuseeland in den Jahren 2010 und 2011 untersucht. Im Folgenden sollen nun verschiedene Aspekte der internationalen Verhandlungsbemühungen der Regierung von Kiribati vorgestellt werden.

3.1 „Migrate with dignity“

Die Inselgruppe Kiribati erstreckt sich mit seinen drei Inselgruppen (Gilbert-, Phoenix-, Line-Inseln) entlang des Äquators über ein Gebiet von über 5 Millionen km2. Die Einwohner Kiribatis leben zumeist von Subsistenzwirtschaft. Das Land ist wie andere Inselstaaten im Südpazifik von Zahlungen internationaler Geber und von Auslandsüberweisungen internationaler Migranten abhängig. Kiribatis Ökonomie wird deshalb, wie auch die seiner Nachbarstaaten, häufig als MIRAB-Ökonomie beschrieben: Das Kürzel, das für Migration, Remittances, Aid, und Bureaucracy steht, verweist auf die hohe Abhängigkeit von internationalen Gebern, internationalen Migranten und auf einen aufgeblähten öffentlichen Sektor (Bertram 2006).

Die Anpassungsleistungen, die die Bewohner Kiribatis z.B. in der Landwirtschaft im Kontext von Dürren oder Salzwasserintrusion seit langem erbringen, könnten in Zukunft nicht mehr ausreichend sein, um ihre Existenz auf der Insel zu sichern. Die Unbewohnbarkeit des Territoriums muss mittel- oder langfristig angenommen werden (Barnett/Adger 2003: 326, Risse 2009). Neben rechtlichen und politischen Fragen und Konflikten rund um Migrations- und Umsiedlungsprojekte der Bewohner Kiribatis, sind hier auch Fragen der Souveränität und der Zukunft der Ausschließlichen Wirtschaftszone (Exclusive Economic Zone – EEZ) Kiribatis völlig offen (siehe dazu z.B. Esteban/ Yamamoto 2010). Die Regierung arbeitet schon jetzt aktiv an verschiedenen Wegen, heutigen und zukünftigen Umweltmigranten Migrationsmöglichkeiten zu erschließen und ihnen in Zukunft ein gutes Lebensumfeld und Auskommen zu ermöglichen. Diese Möglichkeiten beziehen sich auf interne Umsiedlungsmaßnahmen und externe internationale Migration. Im Folgenden sollen vor allem die internationalen Bemühungen Kiribatis vorgestellt werden.

Seit einigen Jahren sendet der seit 2003 regierende Präsident der Insel, Anote Tong, in unterschiedlichen globalen und regionalen Foren Appelle an die Weltgemeinschaft, ihre Treibhausgase zu vermindern und Verantwortung für die Geschicke der Insel als „Opfer des Klimawandels‟ und für die Klimaflüchtlinge Kiribatis zu übernehmen (BBC 2009). So sagte Tong am Weltumwelttag der Vereinten Nationen im Juni 2008 in Wellington, Neuseeland: „None of the atolls that make up our country are more than two metres above sea level. We will be submerged by the end of the century, as things stand right now. […] But what happens before is equally devastating. Entire villages are being relocated as the sea encroaches upon the land. People are being asked to move from places that have been home for them. It’s a human tragedy.‟ (Times of India 2008)

Einen humanitär begründeten Flüchtlingsstatus als Grundlage für ihre Zukunft lehnen die Menschen in Kiribati und deren Regierung um Präsident Tong ab, ein Leben in Flüchtlingszentren und in Abhängigkeit der Aufnahmegesellschaft halten sie für nicht hinnehmbar.1 Bei den Lösungsansätzen Kiribatis setzt Tong hingegen auf langfristige Planung, „so that when people migrate, they will migrate on merit and with dignity,‟ (zitiert nach Risse 2009: 281). Die verhandelten Optionen bestehen neben den Anpassungsleistungen und Migrationsprojekten einzelner Einwohner auch in direkten Appellen an Anrainerländer des Pazifiks wie Australien und Neuseeland, um Migrationsprogramme in die Wege zu leiten. Keines dieser Länder hat jedoch formelle Zugeständnisse an Kiribati gemacht. Neuseeland hat seit 2002 unter dem Namen Pacific Access Category eine jährliche Quote für die Pazifikinseln Kiribati, Tuvalu und Tonga zur Arbeitsmigration geschaffen. Jährlich können auf diese Weise 75 Migranten aus Kiribati nach Neuseeland übersiedeln (Immigration New Zealand 2005). Auf der offiziellen Homepage des neuseeländischen Außenministeriums wird jedoch jede Verbindung zu Zugeständnissen auf Grund des Klimawandels ausdrücklich dementiert: „New Zealand does not have an explicit policy to accept people from Pacific island countries due to climate change. […] New Zealand has no such arrangement with any […] Pacific Island.‟ (Immigration New Zealand 2005)

Des Weiteren wurden Arbeitsprogramme aufgelegt, vor allem im Bereich der Erntearbeit (Recognised Seasonal Employment – RSE). Die hier saisonal arbeitenden I-Kiribati haben perspektivisch die Möglichkeit, sich in Neuseeland niederzulassen. Anders als in Europa wird hier diese Form der zirkulären Migration als ein Weg zur dauerhaften Migration anerkannt.2 Zwischen den Volkszählungen 2001 und 2006 stieg die Anzahl der in Neuseeland lebenden I-Kiribati auf diese Weise um 72 Prozent auf 1.116 an (Bedford/Bedford 2010: 107). In Australien, das insgesamt noch zögerlicher als Neuseeland auf die Appelle Kiribatis reagiert (Interview NS), wurde ein Ausbildungsprogramm für Krankenschwestern aus Kiribati geschaffen, die anschließend in Australien arbeiten können (Kiribati Australia Nursing Initiative – KINA). Kiribati bezeichnet diese Migrationsprogramme als Strategie zur Anpassung an den Klimawandel,3 die Aufnahmeländer möchten jedoch explizit keinen Bezug zwischen diesen Programmen und Umweltmigration herstellen. Weitere Vereinbarungen und Programme sind geplant, so wird zurzeit auch mit Kroatien für ein Arbeitsprogramm im Tourismusbereich und mit Kanada im Dienstleistungsbereich verhandelt.4

In Bezug auf Umsiedlungsprojekte, die größere Gemeinden umfassen könnten, hat Fidschi am Rande der UNFCCC Verhandlungen in Kopenhagen 2009 angekündigt, dass es bereit sei, Menschen aus Kiribati aufzunehmen (Bedford/Bedford 2010: 90). Ein Vorteil könnte hier sein, dass ein Erhalt kultureller Dimensionen Kiribatis’ auch außerhalb des Staatsgebiets durch die gemeinsame Umsiedlung und auf Grund ähnlicher Klima- und Lebensverhältnisse in Fidschi gewährleistet werden könnte, was in den Debatten immer wieder als wichtig hervorgehoben wird. Noch für das Jahr 2011 war ein Memorandum of Understanding bezüglich des Themas Migration und Klimawandel mit der Regierung von Fidschi geplant. Die Regierung von Fidschi, die als Diktatur gilt, hat damit bezüglich regionaler Lösungen für Umweltmigranten eine führende Rolle in der Debatte eingenommen. Die Regierung erhofft sich von dieser Geste in Richtung Kiribati und der Region wohl auch mehr regionale und internationale Anerkennung.5

Wie die Verhandlungen mit Fidschi zeigen, schließen die Strategien Kiribatis’ damit zum Teil an schon bestehende Migrationsbewegungen und historische Umsiedlungen an. Historisch war der Pazifik, der im Gegensatz zu einem isolierten, abgelegenen Bild von den Inselstaaten auch als „sea of islands‟ beschrieben wird (Hau’ofa 1993), ein Handels-, Heirats- und Begegnungsraum, in dem rege Reise- und Umsiedlungstätigkeiten erst durch die Kolonialmächte stark eingeschränkt wurden. Anderseits wurden durch die Kolonialregierungen auch einige Umsiedlungen von Inselgemeinden durchgeführt, auch auf Grund von Umweltveränderungen wie Vulkanausbrüchen, aber vor allem im Rahmen von anthropogenen Eingriffen wie Atomtests. Die britische Regierung der Gilbert Inseln, heute Kiribati, siedelte auf Grund des starken Phosphatabbaus die Einwohner der Insel Banaba nach Fidschi um. Die nun auf der Fidschi-Insel Rabi lebenden ehemaligen Einwohner Kiribatis haben in Kiribati noch immer Sonderrechte, wie z.B. ein Mitspracherecht und einen Vertreter im Parlament (Campbell 2010: 40). Zudem gilt internationale Migration im pazifischen Inselraum heute als weitverbreitete Strategie, um zusätzliches Haushaltseinkommen zu generieren (Pellinga/ Uittob 2001: 56). Wenn auch seit Einführung des nationalstaatlich geprägten Systems internationale Migrationsbewegungen als Anpassung an Umweltveränderungen ungleich schwieriger geworden sind, so schließen Migrationslösungen dennoch gerade auf regionaler Ebene unter heute veränderten Vorzeichen an historische Modelle an. Im folgenden Abschnitt soll nun diskutiert werden, welche Auswirkungen die verhandelten Migrationsprogramme auf Kiribati haben.

3.2 Effekte der Migrationsprogramme auf eine nachhaltige Entwicklung Kiribatis’

Da die Effekte der aktuell verhandelten und durchgeführten Migrationsprogramme noch jung sind, bisher unzureichend erforscht wurden und das Forschungsprojekt noch am Anfang steht, lassen sich an dieser Stelle zum Teil lediglich Hypothesen formulieren, die in Zukunft überprüft werden müssen.
Zunächst lässt sich feststellen, dass der Bevölkerungsdruck vor allem auf der Hauptinsel Tarawa durch internationale Migration gesenkt wird. Kiribati hat auf der Hauptinsel South Tarawa eine der höchsten weltweiten Bevölkerungsdichten mit 2558 Einwohnern/m2 (Pareti 2007). Die rasch wachsende Bevölkerung hat sich in den letzten Jahrzehnten vervielfacht (Erhebung im Jahr der Unabhängigkeit 1979: 56.213 Einwohner, 2005: 92.533 Einwohner, 2010: 103.466) Dies bringt Infrastruktur-Probleme wie die Gewährleistung der Wasserversorgung und eine funktionierende Müllentsorgung mit sich. Die Verschmutzung der Lagune ist als dramatisch zu bezeichnen (Storey/ Hunter 2010: 168). Die hohen Zuzugszahlen zur Hauptinsel South Tarawa hängen vor allem mit interner Migration zusammen. Viele Bewohner der Outer Islands sind in den letzten Jahrzehnten auf die Hauptinsel umgezogen, weil sie sich hier Arbeitsplätze und durch Zugang zur Gesundheitsversorgung einfachere Lebensbedingungen erhoffen.

Die Remittances-Zahlungen, von denen Kiribati, wie oben erwähnt, abhängig ist, werden durch die Migrationsprogramme steigen, was für den Inselstaat, der zu den Least Developed Countries gezählt wird und sehr hohe Lebenshaltungskosten aufweist, von großer Bedeutung ist. Neben den oben genannten Programmen, die ausdrücklich als Klimawandelmigration verhandelt werden, unterhält Kiribati eine Trainingsschule für Seefahrer (Kiribati Marine Training School), in der in den letzten Jahrzehnten tausende Seeleute für die internationale Schifffahrt ausgebildet wurden, und die nun Zahlungen an ihre Familien leisten. Mit den neu aufgelegten Programmen werden die individuellen Migrationsprojekte der I-Kiribati gefördert und ein weiterer Anstieg der Remittances ist zu erwarten.

Zukünftige Entwicklungen werden von der Regierung pro-aktiv angegangen und möglichst vorausschauend gemanagt. Hier besteht auch ein Unterschied zu den Nachbarländern, wie zum Beispiel dem Inselstaat Tuvalu, die kaum konkrete Strategien für die Zukunft ihrer Bürger entwickelt haben. Die frühe Reaktion und vorausschauende Planung gibt der Regierung die Möglichkeit, verschiedene Strategien zu verfolgen und parallel unterschiedliche individuelle und kollektive Migrationsprogramme aufzulegen.

Bei den als eher negativ bewerteten Auswirkungen der Migrationsdebatten und Migrationsprogramme kritisieren verschiedene Autoren den verstärkten Fokus auf Migration als Anpassungsstrategie. So merken beispielsweise Barnett und Adger an, eine zu einseitige Ausrichtung auf Migration könne andere mögliche Formen der Anpassung untergraben (2003: 330). Auch wäre bei einem verstärkten Auszug aus der Insel und einer möglichen Aufgabe die optimale Ausbeutungsrate der begrenzten natürlichen Ressourcenbasis im nicht nachhaltigen Bereich, da zukünftige Generationen in den Überlegungen keine Rolle mehr spielen würden (Barnett/ Adger 2003: 328).

Die von Kiribati als Klimamigration etikettierten Programme zielen zumeist auf junge, gut ausgebildete Menschen ab. Die Pacific Access Category, ein Programm Neuseelands für den erleichterten Zuzug von Menschen aus pazifischen Inseln, lässt sogar ausdrücklich nur Menschen im Alter zwischen 18 und 45 zu, die über eine gewisse Bildung verfügen. Das sogenannte brain drain-Phänomen, das junge, gut ausgebildete Bewohner als Erstes abwandern lässt, könnte das Inselleben durch eine Gefährdung der Institutionen wie Behörden, Schulen und Gesundheitswesen lange vor den möglichen Auswirkungen des Meeresspiegelanstiegs bedrohen, so Barnett und Adger (2003: 329).

Die diskutierten Aspekte haben vielschichtige Auswirkungen auf eine nachhaltige Entwicklung Kiribatis. Die von Kiribati verhandelten Migrationsprogramme wie auch die Debatten, die um den Auszug der Insel kreisen, sind von vielen Faktoren abhängig und produzieren Nebeneffekte, die von der Regierung nur schwer zu kontrollieren sind. Die Herausforderung besteht dabei darin, möglichst positive Bedingungen für die großen Veränderungen in der Zukunft Kiribatis zu schaffen, die sich gleichzeitig nicht negativ auf die heutige Entwicklung Kiribatis auswirken.

4. Ausblick

Die Regierung Kiribatis’ hat sich entschlossen, die sozialen Folgen des Klimawandels, die für den Inselstaat als verheerend diskutiert werden, frühzeitig anzugehen und für die Zukunft seiner Bürger ein Leben außerhalb Kiribatis zu planen. Dabei ist es entscheidend, dass Inseln wie Kiribati, die sich auf eine, wenn wohl auch ferne, Zukunft einstellen müssen, in der ihre Staatsterritorien nicht mehr bewohnbar sein werden, verschiedene Strategien zur Umsiedlung und Migration ihrer Bürger verfolgen. Dies bedeutet eine Kombination von Vorgehensweisen, die die Unterstützung freiwilliger, individueller Migrationsprojekte von Staatsbürgern ebenso einschließt wie staatlich geplante Umsiedlungen von Communities (Bedford/ Bedford: 93). Die Verhandlungsbemühungen, die vor allem auf ein Leben der heutigen und zukünftigen Migranten ohne Fremdbestimmung abzielen, stehen dabei noch ganz am Anfang und werden von der oftmals ablehnenden Haltung potentieller Aufnahmeländer, vor allem den reicheren OECD-Ländern in der Region Neuseeland und Australien, geprägt. Dabei bleibt auch zu diskutieren, ob und in welcher Weise regionale Antworten und Lösungen für Klimamigranten, die zurzeit forciert werden, überhaupt die beste Migrationsmöglichkeit darstellen. Die oben erwähnten Debatten um Klimagerechtigkeit unterstreichen hingegen immer wieder den originär globalen Charakter des Themas anthropogener Klimawandel und seiner sozialen Auswirkungen (Boncour/ Burson 2009: 19) und diskutieren Mechanismen, Verantwortlichkeiten „gerecht‟ zu verteilen. Dennoch sind auch Erfolge Kiribatis’ zu verzeichnen und statt sich ausschließlich in eine Rolle als Opfer des Klimawandels zu fügen, gelingt es der Regierung, Effekte durch die verhandelten Migrationsprogramme zu erzielen, die auch positive Auswirkungen auf die Situation der I-Kiribati haben, wie z.B. die genannten Rücküberweisungen.

Dr. Silja Klepp arbeitet als Wissenschaftliche Mitarbeiterin am artec | Forschungszentrum Nachhaltigkeit der Universität Bremen. Ihr derzeitiges Projekt befasst sich mit innovativen, rechtlichen Lösungen für und Diskursen um Umweltmigranten im Pazifikraum. Für ihre Doktorarbeit „Europa zwischen Grenzkontrolle und Flüchtlingsschutz. Eine Ethnographie der Seegrenze auf dem Mittelmeer“ erhielt sie den Christiane-Rajewsky-Preis 2012 der Arbeitsgemeinschaft Friedens- und Konfliktforschung (AFK) und den Preis der Research Academy Leipzig für eine „herausragende Dissertation“. Info unter: http://www.artec.uni-bremen.de/projekte/zeige_projekt.php?id=110

Info: Das bibliographische Verzeichnis zum Artikel von Dr. Silja Klepp kann bei Interesse in der Infostelle angefordert werden. E-Mail: heike.groeschel-pickel@pazifik-infostelle.org oder Tel.(montags): 09874/91221

Fußnoten

1 Interview mit Scott Leckie, Direktor der NGO Displacement Solutions, am 04.04.2011 in Melbourne, Australien. Displacement Solutions berät die Regierungen von Kiribati und Papua-Neuguinea zu Fragen der Klimawandelmigration.

2 Interview mit Ken Graham, neuseeländischer Parlamentsabgeordneter, Green Party am 18.05.2011 in Wellington, Neuseeland.

3 Interview mit Baatetake Tatoa, Referatsleiterin im Arbeitsministerium Kiribati, am 20.04.2011 in Bairiki, South Tarawa, Kiribati.

4 Ebd.

5 Interview mit Scott Leckie, Direktor der NGO Displacement Solutions, am 04.04.2011 in Melbourne, Australien.”

 

(Quelle: Pazifik-Informationsstelle – Rundbrief Mai 2012 (88))

Siehe auch:

Climate Refugees – Today’s New Reality

Global: Die Rechnung, bitte oder Ozeane versauern

Freitag, März 2nd, 2012

“Ocean Acidification Rate May Be Unprecedented, Study Says

Few Parallels in 300-Million Year Geologic Record

“The world’s oceans may be turning acidic faster today from human carbon emissions than they did during four major extinctions in the last 300 million years, when natural pulses of carbon sent global temperatures soaring, says a new study in Science. The study is the first of its kind to survey the geologic record for evidence of ocean acidification over this vast time period.

“What we’re doing today really stands out,” said lead author Bärbel Hönisch, a paleoceanographer at Columbia University’s Lamont-Doherty Earth Observatory. “We know that life during past ocean acidification events was not wiped out—new species evolved to replace those that died off. But if industrial carbon emissions continue at the current pace, we may lose organisms we care about—coral reefs, oysters, salmon.”

The oceans act like a sponge to draw down excess carbon dioxide from the air; the gas reacts with seawater to form carbonic acid, which over time is neutralized by fossil carbonate shells on the seafloor. But if CO2 goes into the oceans too quickly, it can deplete the carbonate ions that corals, mollusks and some plankton need for reef and shell-building.

That is what is happening now. In a review of hundreds of paleoceanographic studies, a team of researchers from five countries found evidence for only one period in the last 300 million years when the oceans changed even remotely as fast as today: the Paleocene-Eocene Thermal Maximum, or PETM, some 56 million years ago. In the early 1990s, scientists extracting sediments from the seafloor off Antarctica found a layer of mud from this period wedged between thick deposits of white plankton fossils. In a span of about 5,000 years, they estimated, a mysterious surge of carbon doubled atmospheric concentrations, pushed average global temperatures up by about6 degrees C, and dramatically changed the ecological landscape.

The result: carbonate plankton shells littering the seafloor dissolved, leaving the brown layer of mud. As many as half of all species of benthic foraminifers, a group of single-celled organisms that live at the ocean bottom, went extinct, suggesting that organisms higher in the food chain may have also disappeared, said study co-author Ellen Thomas, a paleoceanographer at Yale University who was on that pivotal Antarctic cruise. “It’s really unusual that you lose more than 5 to 10 percent of species over less than 20,000 years,” she said. “It’s usually on the order of a few percent over a million years.” During this time, scientists estimate, ocean pH—a measure of acidity–may have fallen as much as 0.45 units. (As pH falls, acidity rises.)

In the last hundred years, atmospheric CO2 has risen about 30 percent, to 393 parts per million, and ocean pH has fallen by 0.1 unit, to 8.1–an acidification rate at least 10 times faster than 56 million years ago, says Hönisch. The Intergovernmental Panel on Climate Change predicts that pH may fall another 0.3 units by the end of the century,to 7.8, raising the possibility that we may soon see ocean changes similar to those observed during the PETM.

More catastrophic events have shaken earth before, but perhaps not as quickly. The study finds two other times of potential ocean acidification: the extinctions triggered by massive volcanism at the end of the Permian and Triassic eras, about 252 million and 201 million years ago respectively. But the authors caution that the timing and chemical changes of these events is less certain. Because most ocean sediments older than 180 million years have been recycled back into the deep earth, scientists have fewer records to work with.

 During the end of the Permian, about 252 million years ago, massive volcanic eruptions in present-day Russia led to a rise in atmospheric carbon, and the extinction of 96 percent of marine life. Scientists have found evidence for ocean dead zones and the survival of organisms able to withstand carbonate-poor seawater and high blood-carbon levels, but so far they have been unable to reconstruct changes in ocean pH or carbonate.

At the end of the Triassic, about 201 million years ago, a second burst of mass volcanism doubled atmospheric carbon. Coral reefs collapsed and many sea creatures vanished. Noting that tropical species fared the worst, some scientists question if global warming rather than ocean acidification was the main killer at this time.

The effects of ocean acidification today are overshadowed for now by other problems, ranging from sewage pollution and hotter summer temperatures that threaten corals with disease and bleaching. However, scientists trying to isolate the effects of acidic water in the lab have shown that lower pH levels can harm a range of marine life, from reef and shell-building organisms to the tiny snails favored by salmon. In a recent study, scientists from Stony Brook University found that the larvae of bay scallops and hard clams grow best at pre-industrial pH levels, while their shells corrode at the levels projected for 2100. Off the U.S. Pacific Northwest, the death of oyster larvae has recently been linked to the upwelling of acidic water there.

In parts of the ocean acidified by underwater volcanoes venting carbon dioxide, scientists have seen alarming signs of what the oceans could be like by 2100. In a 2011 study of coral reefs off Papua New Guinea, scientists writing in the journal Nature Climate Change found that when pH dropped to 7.8, reef diversity declined by as much as 40 percent. Other studies have found that clownfish larvae raised in the lab lose their ability to sniff out predators and find their way home when pH drops below 7.8.

“It’s not a problem that can be quickly reversed,” said Christopher Langdon, a biological oceanographer at the University of Miami who co-authored the study on Papua New Guinea reefs. “Once a species goes extinct it’s gone forever. We’re playing a very dangerous game.”

It may take decades before ocean acidification’s effect on marine life shows itself. Until then, the past is a good way to foresee the future, says Richard Feely, an oceanographer at the National Oceanic and Atmospheric Administration who was not involved in the study. “These studies give you a sense of the timing involved in past ocean acidification events—they did not happen quickly,” he said. “The decisions we make over the next few decades could have significant implications on a geologic timescale.”

 

The study was funded by the U.S. National Science Foundation.

 

Media Inquiries:
Kim Martineau
kmartine@ldeo.columbia.edu
Office:(845) 365-8708
Cell: (646)-717-0134″

 

(Quelle: Colombia University|Earth Institute.)

Indonesien: “Das verdünnt sich doch”

Mittwoch, Dezember 28th, 2011

“PNG rejects appeal to block Ramu nickel sea dumping

A Papua New Guinea court has rejected an appeal by local landowners to block deep sea dumping of waste from the Ramu nickel mine, junior partner Highlands Pacific said on Thursday.

Posted: Thursday , 22 Dec 2011

SYDNEY – A move to block deep sea dumping of waste from the Ramu nickel mine in Papua New Guinea has been rejected in an appeals court, ending a lengthy legal battle delaying the Chinese-backed project, junior partner Highlands Pacific said on Thursday.

The $1.5 billion project, one the biggest Chinese investments ever in the impoverished South Pacific nation, has been plagued by protests over plans to dump 100 million tonnes of waste into the Bismarck Sea.

A court in Papua New Guinea had already approved the dumping, but an appeal by local landowners was lodged against the decision in September.

“It is now time to get on with the commissioning and operation of the project and for the benefits to start flowing through to all stakeholders,” Highlands Managing Director John Gooding said.

Highlands holds an 8.56 percent stake in the project. Metallurgical Corp of China leads a Chinese consortium that owns 85 percent, with the rest held by the Papua New Guinea government. The project, the first of its kind for Papua New Guinea, is being designed to yield 31,150 tonnes of nickel and 3,300 tonnes of cobalt a year for at least 20 years.

The partners expect the mine to be running at maximum capacity by late 2013.

(Reporting by James Regan; Editing by Lincoln Feast)

© Thomson Reuters 2011 All rights reserved”

 

(Quelle: Mineweb.com)

Bangladesch: Dramatische Folgen der Klimakrise

Donnerstag, Juli 7th, 2011

“Klimawandel und neoliberale Politik: der Fall Bangladesch

Von Danielle Sabaï

Bangladesch liegt mitten im größten Delta der Welt, wo zwei Flüsse aus dem Himalaya, Brahmaputra und Ganges, sich vereinigen und in den Golf von Bengalen ergießen; Klimakatastrophen treten hier fast regelmäßig auf. Die Hälfte des Landes in Bangladesch liegt weniger als 10 Meter über dem Meeresspiegel Es besteht größtenteils aus Lehm, der durch Flüsse, die aus den Himalaya-Gletschern abfließen, entwässert wird. Die Schneeschmelze verursacht regelmäßig kräftige Überschwemmungen. Der Küstenstreifen selbst wiederum ist Wirbelstürmen und Flutwellen ausgeliefert, die die Küstengebiete überschwemmen. Unter extremen klimatischen und geografischen Bedingungen hat Bangladesch im Laufe der Jahrhunderte ein Gleichgewicht entwickelt, das seiner dichten Bevölkerung erlaubt, dort zu leben. Die durch neoliberale Politik noch verstärkte Klimaerwärmung hat dieses empfindliche Gleichgewicht zerstört. Wohl kein Land der Welt ist heute stärker gefährdet, und die Bevölkerung von Bangladesch steht vor immensen Herausforderungen …

BEISPIELLOSE KLIMAÄNDERUNGEN

Keine Region in Bangladesch wird vom Klimawandel verschont.

Im Norden des Landes kann der Sommer, der früher zwei oder drei Monate dauerte, jetzt fünf oder sechs Monate anhalten, verbunden mit einem erheblichen Anstieg der Temperatur. Deshalb vertrocknen die fruchtbaren Böden und die Pflanzen verbrennen. Die Flüsse trocknen aus und die Landwirte sind abhängig von teuren Bewässerungssystemen, die das Grundwasser herauf pumpen und allmählich erschöpfen. Seit den 90er Jahren haben die Bauern auch das Problem der Kontamination des Brunnenwassers mit Arsen, das von Natur aus in den Böden enthalten ist, jetzt aber durch das Abpumpen des Grundwassers an die Oberfläche kommt. Im Winter nehmen Kälte und Nebel immer mehr zu, was zur Zerstörung vieler Gemüse- und Saisonkulturen führt.

Im Süden steigt die Temperatur im Sommer stetig und die Kälte im Winter wird immer heimtückischer. An der Küste treten Wirbelstürme häufiger und heftiger auf. Flutwellen, die das fruchtbare Land an den Küsten überschwemmen, erhöhen dauerhaft den Salzgehalt des Bodens und der Flüsse und machen das Land ungeeignet für die Bewirtschaftung.

Das Land hat nur noch drei Jahreszeiten, einen Sommer, einen Winter und eine Regenzeit, während es früher sechs waren. Während dieser Zeiten scheint das Klima Amok zu laufen: Die Sommer werden immer wärmer und trockener, die Winter immer strenger und die Regenzeiten immer nasser. Überschwemmungen und Wirbelstürme, die es in Bangladesch immer gab, treten nun häufiger und vor allem außerhalb der gewohnten Zeiträume auf.

Der Klimawandel ist definitiv verantwortlich für dieses Chaos, zumindest teilweise. Die Erwärmung der Atmosphäre beschleunigt das Schmelzen der Gletscher am Nord- und Südpol und lässt den Meeresspiegel steigen. Die Küstengebiete von Bangladesch werden nach und nach vom Salzwasser überflutet. Der dritte Bericht des Weltklimarats (IPCC) schätzte, dass das Land 10,9 % seiner Fläche verlieren könnte, wenn der Meeresspiegel um 45 Zentimeter steigt.

Im Norden werden die Flüsse, die Bangladesch durchqueren, vom Schmelzwasser der Himalaya-Gletscher gespeist. Mit der Klimaerwärmung schmelzen die Gletscher schneller ab, als das Eis neu gebildet werden kann. So verringern sich die Abflussmengen allmählich, und wenn das Phänomen anhält, könnten die Flüsse bald versiegen und eine Wüstenbildung im Norden Bangladeschs verursachen.

Aber derzeit erhöht zunächst die Zunahme der Niederschläge im Monsun zusammen mit einer Verstärkung der Gletscherschmelze den Wasserablauf. Der Ablauf dieses Wassers wird aber durch die Erhöhung des Meeresspiegels erschwert. Die Kombination dieser beiden Faktoren macht Überschwemmungen häufiger und kräftiger.

Angesichts des Meeresspiegelanstiegs reichen die in den 60er Jahren gebauten Deiche mit ihrer Höhe von fünf Metern nicht mehr aus, um die Küstenorte vor den Fluten zu schützen. Die Kombination von steigendem Meeresspiegel und Ablagerungen von Milliarden Tonnen von Schlamm durch die Flüsse des Nordens lässt sich das Eindringen von Salzwasser in tiefer liegende Gebiete nicht mehr verhindern. Die Deiche halten das Regenwasser im Landesinneren zurück und verstärken dadurch die Überschwemmungen.

DURCH DIE NEOLIBERALE POLITIK WIRD DIE SITUATION NOCH VERSCHÄRFT

Der Klimawandel ist nicht allein verantwortlich für die Umweltzerstörung, deren ersten Opfer die Menschen in Bangladesch sind. In den 80er Jahren haben die Regierungen eine Wirtschaftspolitik entwickelt, die sowohl auf Exporte als auch auf die Steigerung der Nahrungsmittelproduktion orientiert. Diese Politik wurde angetrieben und gefördert von internationalen Organisationen wie der Weltbank, dem Internationalen Währungsfonds, der Asiatischen Entwicklungsbank, der US-Entwicklungsbehörde und dem britischen Entwicklungshilfeministerium.

Wie auch anderswo haben die Strukturanpassungsmaßnahmen in Bangladesch die Privatisierung großer Staatsbetriebe und die Öffnung des Energiesektors für ausländisches Kapital favorisiert. Es war das Gleiche im Bereich des Bergbaus in den 90er Jahren.

Der Rückzug des Staates hat die Krise in den Bereichen Bildung und Gesundheit beschleunigt und den Weg für private Dienstleistungen geebnet. Im Namen der Entwicklung haben diese Wirtschaftsreformen erlaubt, den Landbesitz zu konzentrieren und Millionen von Menschen zu enteignen. Sie haben einen Teufelskreis der Abhängigkeit geschaffen, aus dem sich die Bäuerinnen und Bauern in Bangladesch nur schwer befreien können.

An der Küste haben sich die Anlagen zur Garnelenzucht für die Bedienung eines explodierenden Marktes in den wohlhabenden Ländern vervielfacht. Bangladesch ist heute weltweit der fünftgrößte Produzent von Garnelen. Etwa 130 Unternehmen teilen sich die Gewinne einer Branche, die fast eine Million bangladeschischer Arbeiterinnen und Arbeiter für weniger als einen Euro pro Tag beschäftigt. 190 000 Hektar von Mangrovenwäldern und fruchtbarem Land wurden in Aquakulturen verwandelt. Das ursprünglich landwirtschaftlich genutzte Gebiet wurde zu niedrigen Preisen den Kleinerzeugern abgekauft und dann in Anlegen zur Garnelenzucht umgewandelt, was die Versalzung des Bodens erhöht und das Land endgültig unbrauchbar für den Anbau macht.

Diese Industrie gefährdet die Existenzgrundlage der Bauern, ohne andere Arbeitsplätze in ausreichender Zahl zu sichern. In den Sundarbans hat die Garnelenzucht das fragile Gleichgewicht, das der örtlichen Bevölkerung erlaubte, von den Ressourcen des größten Mangrovenwalds der Welt zu leben, zerbrochen. Das Ökosystem kann sich an die Versalzung des Wassers und Erhöhung der Temperaturen nicht schnell genug anpassen. Die großen Bäume verschwinden und auch eine große Zahl von Tier- und Pflanzenarten. Die Bauern, die einst Reis angebaut und keine Arbeit in den Aquakulturen gefunden haben, wurden zu Fischern in den Sundarbans. Aber die Mangroven können dem kombinierten Druck der immer bedeutenderen Kleinfischerei und der Garnelen-Industrie, die von der Verschmutzung zerstörte Seen hinterlässt, nicht standhalten. Dies bewirkt eine ökologische Katastrophe und verstärkt die Auswirkungen des Klimawandels, da die Mangroven ein Puffer zwischen Land und Meer sind. Sie schützen gegen die Erosion, die von den auf die Küste treffenden Wirbelstürmen verursacht wird.

Im Binnenland hat der Wille, die landwirtschaftliche Produktivität der Felder rasch zu steigern, zu einem übermäßigen Einsatz von Düngemitteln geführt. Dies verstärkt den Rückgang der Artenvielfalt und die Bodenerosion.

ERNÄHRUNGSSOUVERÄNITÄT UND KLIMAFLÜCHTLINGE

Die sozialen Herausforderungen sind gewaltig für die 150 Millionen Menschen in Bangladesch und insbesondere für die Ärmsten. Ein Drittel der Bevölkerung lebt unterhalb der Armutsgrenze und 70 % sind ohne Land. Klimawandel und neoliberale Politik bedrohen den Lebensstil von Millionen von ihnen. Prognosen gehen davon aus, dass fast 40 Millionen Menschen Klimaflüchtlinge werden könnten. Die Hauptstadt Dhaka wird die massiv verdrängte Bevölkerung nicht absorbieren können, die zu erwarten ist, wenn ein Teil des Landes unbewohnbar ist, weil es überflutet oder zur Wüste geworden ist. Sie nimmt bereits jedes Jahr eine halbe Million Bauern auf, deren traditionelle Umwelt zerstört wurde. Die Lösung kann auch nicht vom benachbarten Indien kommen, das mit Bangladesch eine 4000 km lange gemeinsame Grenze hat und einen doppelten Stacheldrahtzaun von 2,5 Metern Höhe und über 2500 km Länge errichtet hat. Die indische Regierung behauptet, sich so gegen Terrorismus und Menschenhandel schützen zu wollen. Tatsächlich unterbindet er den Strom von Migranten von beiden Seiten der besonders komplexen Grenze. Eine Antwort muss aber auf Zusammenarbeit und gegenseitiger Unterstützung beruhen und ganz sicher nicht auf Sperrung der Grenzen und Repression.

In einem Land, in dem die Landwirtschaft einen Anteil von 20 % des BIP und 65 % der Beschäftigten umfasst, erscheint Ernährungssouveränität als eine der Schlüsselfragen, die es Bauern ermöglicht, den Klimawandel zu mindern und sich an seine Folgen anzupassen, und gleichzeitig eine überwiegend arme Bevölkerung zu ernähren.

Das Paradigma der Ernährungssouveränität ist das Gegenteil des dominierenden Modells des Agrobusiness, bei dem die Jagd nach Profit vor den Nahrungsbedürfnissen der Menschen und der Rücksicht auf die Umwelt kommt. Dieses Paradigma „bekräftigt das Recht der Menschen vor Ort, ihre eigene Agrar- und Ernährungspolitik zu definieren, ihren eigenen Markt zu kontrollieren und die lokale Landwirtschaft durch die Verhinderung des Abfließens der landwirtschaftlichen Überschüsse zu fördern. Es fördert vielfältige und nachhaltige Methoden der Landnutzung, die die Erde respektieren und den internationalen Handel nur als Ergänzung zur lokalen Produktion betrachten. Ernährungssouveränität bedeutet, die Kontrolle der natürlichen Ressourcen wie Boden, Wasser, Saatgut an die lokalen Gemeinschaften zurückzugeben und gegen die Privatisierung des Lebens zu kämpfen.“ [1]

Das Scheitern der Konferenz von Kopenhagen sollte uns an die Unfähigkeit der Regierungen der Großmächte erinnern, konkrete Maßnahmen zu beschließen und durchzuführen. Die bevorstehende Klimakatastrophe wird sich nicht abwenden lassen, ohne sich vom kapitalistischen System zu lösen, das auf der Suche nach Gewinnmaximierung und unbegrenzter Akkumulation basiert – Zielen, die mit der Bewahrung der Umwelt und der Befriedigung sozialer Bedürfnisse unvereinbar sind.

Bauernorganisationen wie Bangladesh Krishok Föderation (BKF) und Kisan Sabha Bangladesch (BKS) [2] organisieren Workshops mit Landwirten, um Auswirkungen des Klimawandels zu beurteilen und zu Fragen des Zugangs zu Land und zur Ernährungssouveränität zu mobilisieren. Für Ende des Jahres 2011 planen die beiden Organisationen eine Karawane für die Ernährungssouveränität, die von Land zu Land ziehen soll. Die Veranstalter wollen die am stärksten gefährdeten Bevölkerungsgruppen informieren und mobilisieren, an den Erfahrungen der bäuerlichen Basisbewegungen teil zu haben und die internationale Solidarität zu Fragen des Klimawandels und der Ernährungssouveränität, vor allem in Südasien, zu entwickeln. Die Rolle dieser fortschrittlichen und unabhängigen Organisationen ist sehr wichtig. Sie sind ein wichtiger Teil beim Aufbau einer radikalen globalen Massenbewegung für Klimagerechtigkeit.

Weitere Artikel zum Thema

Erklärung des Internationalen Komitees der Vierten Internationale: Das Umkippen des Klimas und die globale ökologische Krise, Inprekorr Nr. 3/2011 (Mai/Juni 2011)

Daniel Tanuro: Klimamobilisierung und antikapitalistische Strategie, Inprekorr Nr. 462/463 (Mai/Juni 2010)

Esther Vivas: Antikapitalismus und Klimagerechtigkeit, Inprekorr Nr. 462/463 (Mai/Juni 2010)

Resolution des 16. Weltkongresses der IV. Internationale: Kapitalistische Klimaveränderung und unsere Aufgaben, Inprekorr Nr. 462/463 (Mai/Juni 2010) (nur online)

Michael Löwy: Klimawandel: Ein Beitrag zur Debatte, Inprekorr Nr. 456/457 (November/Dezember 2009)

Daniel Tanuro: Bericht über den Klimawandel an das IK der Vierten Internationale, Teil II, Inprekorr Nr. 454/455 (September/Oktober 2009)

Daniel Tanuro: Bericht über den Klimawandel an das IK der Vierten Internationale, Teil I, Inprekorr Nr. 452/453 (Juli/August 2009)

Daniel Tanuro: Bali schon vergessen?, Inprekorr Nr. 448/449 (März/April 2009)
II. Internationales Manifest: Die ökosozialistische Erklärung von Belém, Inprekorr Nr. 448/449 (März/April 2009)


Dieser Artikel erschien in Inprekorr Nr. 4/2011 (Juli/August 2011).

[1]Siehe den Artikel von Esther Vivas, «Alternatives to the Dominant Agricultural Model», in International Viewpoint.

[2]Bangladesh Krishok Federation (BKF) und Bangladesh Kisani Sabha (BKS) sind zwei Bauernorganisationen, die Via Campesina in Bangladesch vertreten. Siehe http://www.krishok.org/

Übersetzung: Björn Mertens “

 

(Quelle: Inprekorr.)

Hinweis

Die aktuelle Ausgabe der Zeitschrift “Inprekorr”, aus der dieser Aufsatz stammt, kann in unserer Bücherei entliehen werden.

Global: Artensterben im Meer

Donnerstag, Juni 23rd, 2011

“Multiple ocean stresses threaten ‘globally significant’ marine extinction

An international panel of experts warns in a report released today that marine species are at risk of entering a phase of extinction unprecedented in human history.

The preliminary report arises from a ‘State of the Oceans’ workshop co-hosted by IUCN in April, the first ever to consider the cumulative impact of all pressures on the oceans. Considering the latest research across all areas of marine science, the workshop examined the combined effects of pollution, acidification, ocean warming, over-fishing and hypoxia (deoxygenation).

The scientific panel concluded that the combination of stresses on the ocean is creating the conditions associated with every previous major extinction of species in Earth’s history. And the speed and rate of degeneration in the ocean is far greater than anyone has predicted.

The panel concluded that many of the negative impacts previously identified are greater than the worst predictions. As a result, although difficult to assess, the first steps to globally significant extinction may have begun with a rise in the extinction threat to marine species such as reef-forming corals.

The world’s leading experts on oceans are surprised by the rate and magnitude of changes we are seeing,” says Dan Laffoley, Marine Chair of IUCN’s World Commission on Protected Areas, Senior Advisor on Marine Science and Conservation for IUCN and co-author of the report. “The challenges for the future of the ocean are vast, but unlike previous generations, we know what now needs to happen. The time to protect the blue heart of our planet is now, today and urgent.”

The findings are shocking,” says Dr Alex Rogers, Scientific Director of the International Programme on the State of the Ocean (IPSO) which convened the workshop. “As we considered the cumulative effect of what humankind does to the ocean, the implications became far worse than we had individually realized. This is a very serious situation demanding unequivocal action at every level. We are looking at consequences for humankind that will impact in our lifetime, and worse, our children’s and generations beyond that.”

Marine scientists from institutions around the world gathered at Oxford University under the auspices of IPSO and the IUCN. The group reviewed over 50 of the most recent research papers by world ocean experts and found firm evidence that the effects of climate change, coupled with other human-induced impacts such as over-fishing and nutrient run-off from farming, have already caused a dramatic decline in ocean health.

Increasing hypoxia and anoxia (absence of oxygen, known as ocean dead zones) combined with warming of the ocean and acidification are the three factors which have been present in every mass extinction event in Earth’s history.

There is strong scientific evidence that these three factors are combining in the ocean again, exacerbated by multiple severe stresses. The panel concluded that a new extinction event was inevitable if the current trajectory of damage continues, and could be said to have already begun.

Facts highlighted by the panel include:

• The levels of carbon being absorbed by the ocean are already far greater now than at the time of the last mass extinction of marine species, some 55 million years ago, when up to 50% of some groups of deep sea animals were wiped out.

• A single mass coral bleaching event in 1998 killed 16% of all the world’s tropical coral reefs.

• Overfishing has reduced some commercial fish stocks by more than 90%.

• New science also suggests that pollutants including flame retardant chemicals and synthetic musks found in detergents are being traced in the Polar Seas, and that these chemicals can be absorbed by tiny plastic particles in the ocean which are in turn eaten by marine creatures.

The experts agreed that adding these and other threats together means that the ocean and the ecosystems within it are unable to recover, being constantly bombarded with multiple attacks.

The report sets out a series of recommendations and calls on states, regional bodies and the United Nations to implement measures to better conserve ocean ecosystems, and in particular demands the urgent adoption of better governance of the largely unprotected high seas which make up the majority of the ocean.

For more information contact:
James Oliver, james.oliver@iucn.org

About the report’s authors

Alex Rogers is Professor of Conservation Biology at the Department of Zoology, University of Oxford and a Fellow of Somerville College. He is a marine biologist with special expertise on deep-sea ecosystems, particularly cold-water coral habitats, seamounts and hydrothermal vents and has recently led scientific expeditions to the Indian and Southern Oceans. He also has a special interest in sustainable use of the oceans and human impacts on marine ecosystem. Professor Rogers is also Scientific Director of the International Programme on State of the Ocean, an NGO that is specifically analysing current impacts on marine ecosystems globally (see below).

Professor Dan Laffoley is a key figure at the global scale on marine conservation, and widely recognized for his leadership on Marine Protected Areas and innovative conservation approaches. For over 25 years he has been involved in leading marine protection efforts at UK, European and global scales creating many of the key initiatives and concepts that underlie our modern approaches to protecting the ocean.”

RELATED DOWNLOADS
State of the Ocean report June 2011 (265KB)

(Quelle: IUCN – News.)