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Pazifik: Die sozialen Folgen des Klimawandels

Dienstag, Juni 12th, 2012

“Klimawandel im Pazifikraum:
Neue Lösungen für Umweltmigranten in Kiribati?

(gekürzte Fassung)

Von Dr. Silja Klepp, Bremen

1. Einleitung

Derzeit existiert auf der globalen Ebene kein rechtlicher Schutzstatus für Umwelt- bzw. Klimamigranten. Auch in näherer Zukunft ist dies nicht zu erwarten, da der politische Wille der Regierungen bisher fehlt und es sich bei Umwelt- bzw. Klimamigration um ein komplexes und politisch aufgeladenes Thema handelt, das in Terminologie, Umfang und politischen Lösungsansätzen umstritten ist. Zu erwarten sind hingegen Verhandlungen rund um Umweltmigration in vom anthropogenen Klimawandel betroffenen Gebieten, die in informellen und formellen Foren und auf unterschiedlichen Ebenen realisiert werden. Vor allem im Pazifikraum, wo einige der am meisten durch Umweltveränderungen und Klimawandel gefährdeten Inselstaaten liegen, ist es zu einem regen Aushandlungsprozess rund um Migration als Anpassungsstrategie gekommen.

Kiribati, ein aus 32 Atollinseln bestehender Inselstaat im zentralen Pazifik mit ca. 110.000 Einwohnern, hat dabei bislang die konkretesten Migrationsstrategien auf internationaler Ebene entwickelt und führt verschiedene Verhandlungen, um diese umzusetzen. Die Regierung plant auf Grund der Zukunftsprognosen einen langfristigen Auszug aus der Insel, der schon jetzt begonnen hat und der trotz der etwaigen Notwendigkeit, Kiribati zu verlassen und die Staatsangehörigkeit aufzugeben, „in Würde‟ und selbstbestimmt geschehen soll: „migrate with dignity‟ heißt die Devise und die Strategie der Regierung.

2. Umstrittene Dimensionen des Themas Klimawandel und Migration

Verknüpft mit Gerechtigkeitsdebatten im Zusammenhang mit den Folgen des Klimawandels und den globalen Nord-Süd-Beziehungen werden Diskussionen rund um das Ausmaß der Auswirkungen des Klimawandels und Migrationsbewegungen mit großem Eifer geführt. In Debatten um Begrifflichkeiten und die Einordnung des Phänomens der Umweltmigration werden Faktoren wie die Abhängigkeit der Migrationsentscheidung von Umweltursachen, mehr oder weniger angenommene Freiwilligkeit, temporäre oder permanente Migration sowie Fragen der Reichweite und der Überquerung internationaler Grenzen diskutiert (siehe z. B. Biermann/Boas 2007).

Zwei grundsätzlich unterschiedliche Positionen bestimmen dabei die Debatten: Zum einen Wissenschaftler, die sich vor allem um Norman Myers gruppieren, der Prognosen zu den zukünftigen Zahlen von Umweltmigranten erstellt. Er hält Umweltveränderungen für den Hauptauslöser künftiger Migrationsbewegungen und hat schon im Jahr 1995 25 Millionen „Klimaflüchtlinge‟ gezählt (Myers 2002: 609). Im Gegensatz dazu sehen Black (Black 2001) und andere keine Hinweise, dass Umweltveränderungen alleiniger Auslöser von Migrationsbewegungen sind, hingegen seien politische und sozioökonomische Faktoren bei den Migrationsmotiven und die Anpassungsleistungen der verschiedenen Gesellschaften bei Umweltveränderungen zu berücksichtigen. Nach Richard Black ist der Terminus des „Umweltflüchtlings‟ irreführend und dürfe deshalb nicht verbreitet werden.

Die Debatten um Begrifflichkeiten und Zahlen, die zum Teil einen skandalisierenden Unterton tragen und mit wirkmächtigen Bildern unterlegt werden, zeigen, dass fundierte empirische Forschungen zu Auswirkungen des Klimawandels auf die unterschiedlichen Lebenswelten von Menschen erforderlich sind (Dietz 2009: 218). Diese könnten auch zu mehr konzeptueller und terminologischer Klarheit beitragen, die für verantwortliches politisches Handeln in diesem Bereich nötig ist (Parks/Roberts 2010: 154). Behindert das Fehlen eines konzeptuellen Einvernehmens in der Terminologie die Forschung, so sind die Fragmentierung der wissenschaftlichen Diskurse und die widersprüchlichen Forschungsergebnisse auch mitverantwortlich dafür, dass politische und rechtliche Forderungen für Umwelt- und Klimaflüchtlinge in den letzten Jahren delegitimisiert wurden, so McNamara (2007: 16). Die Betonung der komplexen Kombination von Faktoren, die zu Migration führen, und die Tatsache, dass selten Umweltfaktoren alleine für Migrationsentscheidungen oder Flucht verantwortlich sind, hätten die oftmals schwierige Lebenssituation und Fluchtbedingungen von Umweltflüchtlingen verharmlost und rechtliche Forderungen erschwert (ebd.).

Sicherlich sind es jedoch originär politische Faktoren, die dazu geführt haben, dass auch einige Jahrzehnte nach Aufkommen der Debatten um Umweltmigranten und der Beschreibung des Phänomens auf globaler Ebene kein Schutzstatus geschaffen wurde, der umweltinduzierte Fluchtursachen abdeckt. So schließt das international wichtigste Instrument zum Schutze von Flüchtlingen, die Genfer Flüchtlingskonvention (GFK) von 1951, Umweltphänomene als Fluchtursache aus. Im Diskurs um die Freiwilligkeit von Migration auf Grund von Umweltphänomen vertritt UNHCR die Haltung, nur originär politische, also GFK-Flüchtlinge seien „echte‟ Flüchtlinge. Die Organisation hat damit die Wahrnehmung von Umweltmigranten als „illegitime‟ Migranten noch verstärkt (McNamara 2007: 19).

An dieser Stelle muss betont werden, dass einige Inselstaaten, die von Umweltveränderungen auf Grund des anthropogen verursachten Klimawandels existentiell bedroht sind, den Flüchtlingsstatus für ihre Bürger grundsätzlich ablehnen. Länder wie z.B. Kiribati fordern eine Lösung für eine eventuelle Zukunft außerhalb ihres Staatsgebiets, der ihnen das Recht auf staatliche Souveränität und ihre Bürgerrechte nicht abspricht (McNamara/Gibson 2009: 479).

3. Der Pazifikraum als Aushandlungsarena

Umweltveränderungen und die angenommenen und antizipierten Auswirkungen des anthropogenen Klimawandels führen im Pazifikraum bereits heute zu Migrationsbewegungen und Umsiedlungen. Die Region des südlichen und zentralen Pazifik scheint dabei besonders stark von Umweltveränderungen betroffen. Einige Veränderungen sind vor allem zukünftig zu erwartende häufigere und stärkere Sturmfluten, die Überschwemmung und Erosion der Küsten und die Versalzung der Süßwasservorräte wie auch der landwirtschaftlich genutzten Böden (Mimura et. al. 2007). Der zeitliche Horizont und die Vorhersage genauer ökologischer Auswirkungen sind jedoch auch von Unsicherheiten und möglichen Abweichungen geprägt (Storey/ Hunter 2010: 172). Dies ist einer der Gründe, warum die angestrebten Lösungen für Umweltmigranten im Pazifikraum nicht nur in die Zukunft weisen, sondern auch eine gegenwärtige nachhaltige Entwicklung auf den Inseln anstreben sollten. Bei der Suche nach Lösungen für betroffene Migranten in der Region werden unterschiedliche rechtliche und politische Ebenen diskutiert und staatliche und nicht-staatliche Akteure einbezogen. Um die Bedürfnisse heutiger und zukünftiger Umwelt- und Klimamigranten abzudecken, werden verschiedene rechtliche Felder wie Menschenrechte oder die Rechte indigener Völker, aber auch soft-law-Ansätze wie z.B. humanitäre Appelle und Deklarationen herangezogen. Ebenso werden unterschiedliche politische Instrumente wie die Gründung von Anpassungs- und Flüchtlingsfonds oder regionale Programme zur Arbeitsmigration verhandelt. Als Beispiel für eine Deklaration, die die Bedeutung regionaler Lösungsansätze für Umweltmigranten betont, sei hier z.B. die Niue Decleration on Climate Change des Pacific Island Forum (PIF) von 2008 genannt. Dieser regionale Aushandlungsprozess im Pazifikraum, die Möglichkeiten und Grenzen verschiedener Strategien und Allianzen, wurde mit Hilfe empirischer Forschung in Vanuatu, Kiribati und Neuseeland in den Jahren 2010 und 2011 untersucht. Im Folgenden sollen nun verschiedene Aspekte der internationalen Verhandlungsbemühungen der Regierung von Kiribati vorgestellt werden.

3.1 „Migrate with dignity“

Die Inselgruppe Kiribati erstreckt sich mit seinen drei Inselgruppen (Gilbert-, Phoenix-, Line-Inseln) entlang des Äquators über ein Gebiet von über 5 Millionen km2. Die Einwohner Kiribatis leben zumeist von Subsistenzwirtschaft. Das Land ist wie andere Inselstaaten im Südpazifik von Zahlungen internationaler Geber und von Auslandsüberweisungen internationaler Migranten abhängig. Kiribatis Ökonomie wird deshalb, wie auch die seiner Nachbarstaaten, häufig als MIRAB-Ökonomie beschrieben: Das Kürzel, das für Migration, Remittances, Aid, und Bureaucracy steht, verweist auf die hohe Abhängigkeit von internationalen Gebern, internationalen Migranten und auf einen aufgeblähten öffentlichen Sektor (Bertram 2006).

Die Anpassungsleistungen, die die Bewohner Kiribatis z.B. in der Landwirtschaft im Kontext von Dürren oder Salzwasserintrusion seit langem erbringen, könnten in Zukunft nicht mehr ausreichend sein, um ihre Existenz auf der Insel zu sichern. Die Unbewohnbarkeit des Territoriums muss mittel- oder langfristig angenommen werden (Barnett/Adger 2003: 326, Risse 2009). Neben rechtlichen und politischen Fragen und Konflikten rund um Migrations- und Umsiedlungsprojekte der Bewohner Kiribatis, sind hier auch Fragen der Souveränität und der Zukunft der Ausschließlichen Wirtschaftszone (Exclusive Economic Zone – EEZ) Kiribatis völlig offen (siehe dazu z.B. Esteban/ Yamamoto 2010). Die Regierung arbeitet schon jetzt aktiv an verschiedenen Wegen, heutigen und zukünftigen Umweltmigranten Migrationsmöglichkeiten zu erschließen und ihnen in Zukunft ein gutes Lebensumfeld und Auskommen zu ermöglichen. Diese Möglichkeiten beziehen sich auf interne Umsiedlungsmaßnahmen und externe internationale Migration. Im Folgenden sollen vor allem die internationalen Bemühungen Kiribatis vorgestellt werden.

Seit einigen Jahren sendet der seit 2003 regierende Präsident der Insel, Anote Tong, in unterschiedlichen globalen und regionalen Foren Appelle an die Weltgemeinschaft, ihre Treibhausgase zu vermindern und Verantwortung für die Geschicke der Insel als „Opfer des Klimawandels‟ und für die Klimaflüchtlinge Kiribatis zu übernehmen (BBC 2009). So sagte Tong am Weltumwelttag der Vereinten Nationen im Juni 2008 in Wellington, Neuseeland: „None of the atolls that make up our country are more than two metres above sea level. We will be submerged by the end of the century, as things stand right now. […] But what happens before is equally devastating. Entire villages are being relocated as the sea encroaches upon the land. People are being asked to move from places that have been home for them. It’s a human tragedy.‟ (Times of India 2008)

Einen humanitär begründeten Flüchtlingsstatus als Grundlage für ihre Zukunft lehnen die Menschen in Kiribati und deren Regierung um Präsident Tong ab, ein Leben in Flüchtlingszentren und in Abhängigkeit der Aufnahmegesellschaft halten sie für nicht hinnehmbar.1 Bei den Lösungsansätzen Kiribatis setzt Tong hingegen auf langfristige Planung, „so that when people migrate, they will migrate on merit and with dignity,‟ (zitiert nach Risse 2009: 281). Die verhandelten Optionen bestehen neben den Anpassungsleistungen und Migrationsprojekten einzelner Einwohner auch in direkten Appellen an Anrainerländer des Pazifiks wie Australien und Neuseeland, um Migrationsprogramme in die Wege zu leiten. Keines dieser Länder hat jedoch formelle Zugeständnisse an Kiribati gemacht. Neuseeland hat seit 2002 unter dem Namen Pacific Access Category eine jährliche Quote für die Pazifikinseln Kiribati, Tuvalu und Tonga zur Arbeitsmigration geschaffen. Jährlich können auf diese Weise 75 Migranten aus Kiribati nach Neuseeland übersiedeln (Immigration New Zealand 2005). Auf der offiziellen Homepage des neuseeländischen Außenministeriums wird jedoch jede Verbindung zu Zugeständnissen auf Grund des Klimawandels ausdrücklich dementiert: „New Zealand does not have an explicit policy to accept people from Pacific island countries due to climate change. […] New Zealand has no such arrangement with any […] Pacific Island.‟ (Immigration New Zealand 2005)

Des Weiteren wurden Arbeitsprogramme aufgelegt, vor allem im Bereich der Erntearbeit (Recognised Seasonal Employment – RSE). Die hier saisonal arbeitenden I-Kiribati haben perspektivisch die Möglichkeit, sich in Neuseeland niederzulassen. Anders als in Europa wird hier diese Form der zirkulären Migration als ein Weg zur dauerhaften Migration anerkannt.2 Zwischen den Volkszählungen 2001 und 2006 stieg die Anzahl der in Neuseeland lebenden I-Kiribati auf diese Weise um 72 Prozent auf 1.116 an (Bedford/Bedford 2010: 107). In Australien, das insgesamt noch zögerlicher als Neuseeland auf die Appelle Kiribatis reagiert (Interview NS), wurde ein Ausbildungsprogramm für Krankenschwestern aus Kiribati geschaffen, die anschließend in Australien arbeiten können (Kiribati Australia Nursing Initiative – KINA). Kiribati bezeichnet diese Migrationsprogramme als Strategie zur Anpassung an den Klimawandel,3 die Aufnahmeländer möchten jedoch explizit keinen Bezug zwischen diesen Programmen und Umweltmigration herstellen. Weitere Vereinbarungen und Programme sind geplant, so wird zurzeit auch mit Kroatien für ein Arbeitsprogramm im Tourismusbereich und mit Kanada im Dienstleistungsbereich verhandelt.4

In Bezug auf Umsiedlungsprojekte, die größere Gemeinden umfassen könnten, hat Fidschi am Rande der UNFCCC Verhandlungen in Kopenhagen 2009 angekündigt, dass es bereit sei, Menschen aus Kiribati aufzunehmen (Bedford/Bedford 2010: 90). Ein Vorteil könnte hier sein, dass ein Erhalt kultureller Dimensionen Kiribatis’ auch außerhalb des Staatsgebiets durch die gemeinsame Umsiedlung und auf Grund ähnlicher Klima- und Lebensverhältnisse in Fidschi gewährleistet werden könnte, was in den Debatten immer wieder als wichtig hervorgehoben wird. Noch für das Jahr 2011 war ein Memorandum of Understanding bezüglich des Themas Migration und Klimawandel mit der Regierung von Fidschi geplant. Die Regierung von Fidschi, die als Diktatur gilt, hat damit bezüglich regionaler Lösungen für Umweltmigranten eine führende Rolle in der Debatte eingenommen. Die Regierung erhofft sich von dieser Geste in Richtung Kiribati und der Region wohl auch mehr regionale und internationale Anerkennung.5

Wie die Verhandlungen mit Fidschi zeigen, schließen die Strategien Kiribatis’ damit zum Teil an schon bestehende Migrationsbewegungen und historische Umsiedlungen an. Historisch war der Pazifik, der im Gegensatz zu einem isolierten, abgelegenen Bild von den Inselstaaten auch als „sea of islands‟ beschrieben wird (Hau’ofa 1993), ein Handels-, Heirats- und Begegnungsraum, in dem rege Reise- und Umsiedlungstätigkeiten erst durch die Kolonialmächte stark eingeschränkt wurden. Anderseits wurden durch die Kolonialregierungen auch einige Umsiedlungen von Inselgemeinden durchgeführt, auch auf Grund von Umweltveränderungen wie Vulkanausbrüchen, aber vor allem im Rahmen von anthropogenen Eingriffen wie Atomtests. Die britische Regierung der Gilbert Inseln, heute Kiribati, siedelte auf Grund des starken Phosphatabbaus die Einwohner der Insel Banaba nach Fidschi um. Die nun auf der Fidschi-Insel Rabi lebenden ehemaligen Einwohner Kiribatis haben in Kiribati noch immer Sonderrechte, wie z.B. ein Mitspracherecht und einen Vertreter im Parlament (Campbell 2010: 40). Zudem gilt internationale Migration im pazifischen Inselraum heute als weitverbreitete Strategie, um zusätzliches Haushaltseinkommen zu generieren (Pellinga/ Uittob 2001: 56). Wenn auch seit Einführung des nationalstaatlich geprägten Systems internationale Migrationsbewegungen als Anpassung an Umweltveränderungen ungleich schwieriger geworden sind, so schließen Migrationslösungen dennoch gerade auf regionaler Ebene unter heute veränderten Vorzeichen an historische Modelle an. Im folgenden Abschnitt soll nun diskutiert werden, welche Auswirkungen die verhandelten Migrationsprogramme auf Kiribati haben.

3.2 Effekte der Migrationsprogramme auf eine nachhaltige Entwicklung Kiribatis’

Da die Effekte der aktuell verhandelten und durchgeführten Migrationsprogramme noch jung sind, bisher unzureichend erforscht wurden und das Forschungsprojekt noch am Anfang steht, lassen sich an dieser Stelle zum Teil lediglich Hypothesen formulieren, die in Zukunft überprüft werden müssen.
Zunächst lässt sich feststellen, dass der Bevölkerungsdruck vor allem auf der Hauptinsel Tarawa durch internationale Migration gesenkt wird. Kiribati hat auf der Hauptinsel South Tarawa eine der höchsten weltweiten Bevölkerungsdichten mit 2558 Einwohnern/m2 (Pareti 2007). Die rasch wachsende Bevölkerung hat sich in den letzten Jahrzehnten vervielfacht (Erhebung im Jahr der Unabhängigkeit 1979: 56.213 Einwohner, 2005: 92.533 Einwohner, 2010: 103.466) Dies bringt Infrastruktur-Probleme wie die Gewährleistung der Wasserversorgung und eine funktionierende Müllentsorgung mit sich. Die Verschmutzung der Lagune ist als dramatisch zu bezeichnen (Storey/ Hunter 2010: 168). Die hohen Zuzugszahlen zur Hauptinsel South Tarawa hängen vor allem mit interner Migration zusammen. Viele Bewohner der Outer Islands sind in den letzten Jahrzehnten auf die Hauptinsel umgezogen, weil sie sich hier Arbeitsplätze und durch Zugang zur Gesundheitsversorgung einfachere Lebensbedingungen erhoffen.

Die Remittances-Zahlungen, von denen Kiribati, wie oben erwähnt, abhängig ist, werden durch die Migrationsprogramme steigen, was für den Inselstaat, der zu den Least Developed Countries gezählt wird und sehr hohe Lebenshaltungskosten aufweist, von großer Bedeutung ist. Neben den oben genannten Programmen, die ausdrücklich als Klimawandelmigration verhandelt werden, unterhält Kiribati eine Trainingsschule für Seefahrer (Kiribati Marine Training School), in der in den letzten Jahrzehnten tausende Seeleute für die internationale Schifffahrt ausgebildet wurden, und die nun Zahlungen an ihre Familien leisten. Mit den neu aufgelegten Programmen werden die individuellen Migrationsprojekte der I-Kiribati gefördert und ein weiterer Anstieg der Remittances ist zu erwarten.

Zukünftige Entwicklungen werden von der Regierung pro-aktiv angegangen und möglichst vorausschauend gemanagt. Hier besteht auch ein Unterschied zu den Nachbarländern, wie zum Beispiel dem Inselstaat Tuvalu, die kaum konkrete Strategien für die Zukunft ihrer Bürger entwickelt haben. Die frühe Reaktion und vorausschauende Planung gibt der Regierung die Möglichkeit, verschiedene Strategien zu verfolgen und parallel unterschiedliche individuelle und kollektive Migrationsprogramme aufzulegen.

Bei den als eher negativ bewerteten Auswirkungen der Migrationsdebatten und Migrationsprogramme kritisieren verschiedene Autoren den verstärkten Fokus auf Migration als Anpassungsstrategie. So merken beispielsweise Barnett und Adger an, eine zu einseitige Ausrichtung auf Migration könne andere mögliche Formen der Anpassung untergraben (2003: 330). Auch wäre bei einem verstärkten Auszug aus der Insel und einer möglichen Aufgabe die optimale Ausbeutungsrate der begrenzten natürlichen Ressourcenbasis im nicht nachhaltigen Bereich, da zukünftige Generationen in den Überlegungen keine Rolle mehr spielen würden (Barnett/ Adger 2003: 328).

Die von Kiribati als Klimamigration etikettierten Programme zielen zumeist auf junge, gut ausgebildete Menschen ab. Die Pacific Access Category, ein Programm Neuseelands für den erleichterten Zuzug von Menschen aus pazifischen Inseln, lässt sogar ausdrücklich nur Menschen im Alter zwischen 18 und 45 zu, die über eine gewisse Bildung verfügen. Das sogenannte brain drain-Phänomen, das junge, gut ausgebildete Bewohner als Erstes abwandern lässt, könnte das Inselleben durch eine Gefährdung der Institutionen wie Behörden, Schulen und Gesundheitswesen lange vor den möglichen Auswirkungen des Meeresspiegelanstiegs bedrohen, so Barnett und Adger (2003: 329).

Die diskutierten Aspekte haben vielschichtige Auswirkungen auf eine nachhaltige Entwicklung Kiribatis. Die von Kiribati verhandelten Migrationsprogramme wie auch die Debatten, die um den Auszug der Insel kreisen, sind von vielen Faktoren abhängig und produzieren Nebeneffekte, die von der Regierung nur schwer zu kontrollieren sind. Die Herausforderung besteht dabei darin, möglichst positive Bedingungen für die großen Veränderungen in der Zukunft Kiribatis zu schaffen, die sich gleichzeitig nicht negativ auf die heutige Entwicklung Kiribatis auswirken.

4. Ausblick

Die Regierung Kiribatis’ hat sich entschlossen, die sozialen Folgen des Klimawandels, die für den Inselstaat als verheerend diskutiert werden, frühzeitig anzugehen und für die Zukunft seiner Bürger ein Leben außerhalb Kiribatis zu planen. Dabei ist es entscheidend, dass Inseln wie Kiribati, die sich auf eine, wenn wohl auch ferne, Zukunft einstellen müssen, in der ihre Staatsterritorien nicht mehr bewohnbar sein werden, verschiedene Strategien zur Umsiedlung und Migration ihrer Bürger verfolgen. Dies bedeutet eine Kombination von Vorgehensweisen, die die Unterstützung freiwilliger, individueller Migrationsprojekte von Staatsbürgern ebenso einschließt wie staatlich geplante Umsiedlungen von Communities (Bedford/ Bedford: 93). Die Verhandlungsbemühungen, die vor allem auf ein Leben der heutigen und zukünftigen Migranten ohne Fremdbestimmung abzielen, stehen dabei noch ganz am Anfang und werden von der oftmals ablehnenden Haltung potentieller Aufnahmeländer, vor allem den reicheren OECD-Ländern in der Region Neuseeland und Australien, geprägt. Dabei bleibt auch zu diskutieren, ob und in welcher Weise regionale Antworten und Lösungen für Klimamigranten, die zurzeit forciert werden, überhaupt die beste Migrationsmöglichkeit darstellen. Die oben erwähnten Debatten um Klimagerechtigkeit unterstreichen hingegen immer wieder den originär globalen Charakter des Themas anthropogener Klimawandel und seiner sozialen Auswirkungen (Boncour/ Burson 2009: 19) und diskutieren Mechanismen, Verantwortlichkeiten „gerecht‟ zu verteilen. Dennoch sind auch Erfolge Kiribatis’ zu verzeichnen und statt sich ausschließlich in eine Rolle als Opfer des Klimawandels zu fügen, gelingt es der Regierung, Effekte durch die verhandelten Migrationsprogramme zu erzielen, die auch positive Auswirkungen auf die Situation der I-Kiribati haben, wie z.B. die genannten Rücküberweisungen.

Dr. Silja Klepp arbeitet als Wissenschaftliche Mitarbeiterin am artec | Forschungszentrum Nachhaltigkeit der Universität Bremen. Ihr derzeitiges Projekt befasst sich mit innovativen, rechtlichen Lösungen für und Diskursen um Umweltmigranten im Pazifikraum. Für ihre Doktorarbeit „Europa zwischen Grenzkontrolle und Flüchtlingsschutz. Eine Ethnographie der Seegrenze auf dem Mittelmeer“ erhielt sie den Christiane-Rajewsky-Preis 2012 der Arbeitsgemeinschaft Friedens- und Konfliktforschung (AFK) und den Preis der Research Academy Leipzig für eine „herausragende Dissertation“. Info unter: http://www.artec.uni-bremen.de/projekte/zeige_projekt.php?id=110

Info: Das bibliographische Verzeichnis zum Artikel von Dr. Silja Klepp kann bei Interesse in der Infostelle angefordert werden. E-Mail: heike.groeschel-pickel@pazifik-infostelle.org oder Tel.(montags): 09874/91221

Fußnoten

1 Interview mit Scott Leckie, Direktor der NGO Displacement Solutions, am 04.04.2011 in Melbourne, Australien. Displacement Solutions berät die Regierungen von Kiribati und Papua-Neuguinea zu Fragen der Klimawandelmigration.

2 Interview mit Ken Graham, neuseeländischer Parlamentsabgeordneter, Green Party am 18.05.2011 in Wellington, Neuseeland.

3 Interview mit Baatetake Tatoa, Referatsleiterin im Arbeitsministerium Kiribati, am 20.04.2011 in Bairiki, South Tarawa, Kiribati.

4 Ebd.

5 Interview mit Scott Leckie, Direktor der NGO Displacement Solutions, am 04.04.2011 in Melbourne, Australien.”

 

(Quelle: Pazifik-Informationsstelle – Rundbrief Mai 2012 (88))

Siehe auch:

Climate Refugees – Today’s New Reality

Global: Klimawandel in der Südsee – schon heute eine Frage von Leben und Tod

Montag, Juli 19th, 2010

“CLIMATE CHANGE IN THE PACIFIC – A MATTER OF SURVIVAL

By Sonia Smallacombe


Kiribati (Photo taken by Roisterer/Wikipedia).

Indigenous peoples in the Pacific region are among the first to face the direct adverse consequences of climate change, due to their dependence upon and close relationship with the environment and its resources. While they are amongst the lowest emitters of greenhouse gases, they are also amongst the most vulnerable to the impacts of climate change due to their small size, coastal populations, high dependence on natural resources and the low-lying nature of their lands. As a result, indigenous peoples in many Pacific Island countries feel particularly helpless. Further, they realize that there are climate change threats that cannot be reduced, mitigated or eliminated and they are therefore forced to accept that adaptation is the only responsive option available to them.

Impacts of climate change

On average, more than 90% of the population of the Pacific region are indigenous. This includes Vanuatu, the Solomon Islands, Fiji, Samoa, Tuvalu, Rapa Nuie (Easter Island), Papua New Guinea etc. Most of the Pacific region comprises small island states and indigenous peoples are heavily impacted by climate-induced warming: their islands are inundated by rising sea levels, increasing erosion occurs from intense storms, and saltwater intrudes into freshwater supplies. These changes are affecting livelihood activities such as hunting and fishing, and impacting on island infrastructure, access to water resources, food and housing availability, and even the very health of indigenous peoples. There is also concern that climate change will result in revenue loss across important economic sectors such as agriculture, forestry, tourism, energy and other industry-related sectors.

Rising sea levels

Many Pacific Islands have low land masses and, as a result of the rise in sea levels, are experiencing damage to buildings and infrastructure. Crops and causeways linking villages are being flooded, forcing cars, buses and trucks to drive through seawater. This has been particularly noticeable in Kiribati and a number of other small Pacific Island nations, which could completely disappear beneath the waves at some point this century. The small island of Tebua in Tarawa used to be a landmark for fishermen but today it is knee-deep under water. Kiribati suffers the effects of king tides that wash through the islands from one side to the other with great ease. It is now a common factor in Kiribati to have king tides with waves 2.8 metres in height.[1]
High tides and stormy seas have also recently caused problems in the Marshall Islands, Cook Island, Tuvalu and low-lying islands of Papua New Guinea. In Tuvalu, fresh groundwater mixes with salty seawater, forcing some farmers to grow their root crops in tin containers. These damaging effects of climate change are likely to intensify if sea levels rise as predicted.

Damage to Pacific ecosystems

In the Pacific region, environmental changes are prominent on islands where volcanoes build and erode; coral atolls submerge and reappear and the islands’ biodiversity is in flux. The region has suffered extensively from human-made disasters and hazards resulting from nuclear testing, pollution including shipping-related pollution, hazardous chemicals and hazardous wastes (Persistent Organic Pollutants or POPs), and solid waste management and disposals. These issues, as well as the threats of climate change, have severely affected the ability of island ecosystems to maintain a healthy and pristine environment for the economic, social and cultural viability of indigenous communities.[2]
   Warmer temperatures have led to the bleaching of the Pacific Islands’ main source of survival – the coral reefs. Bleaching occurs when reef-building corals, reacting to stress such as warmer waters, loosen the algae that help feed them. Because the algae give them colour, the starved corals look pale, hence the term “bleaching”. Continued bleaching ultimately kills corals. Reef-building corals provide most of the primary productivity of coral reefs and are also an important shelter for a diversity of marine organisms. Reduced abundance and diversity of reef-building corals is thus very likely to have a major influence on the surrounding biodiversity. Coral reefs are home to much of the seafood that is enjoyed by indigenous peoples in the region.[3]

Food and water security

Agriculture in the Pacific region, especially in small island states, is becoming increasingly vulnerable due to heat stress on plants and salt water incursions. Crops with low tolerance to climate hazards such as bananas, one of the main staple crops, are severely threatened. Soil erosion from destructive wave activity, frequent storm surges and landslides causes land loss to many indigenous communities. Plantations and livestock are the major sources of subsistence farming, and are now faced with serious threats from new diseases and pests linked to flooding, drought and other climatic variations. Threats to food security are thus of great concern to the region.
   A significant impact of climate change and climate variability on indigenous peoples in the Pacific region is unreliable water availability. In many places, there is often a lack of water storage systems such as water tanks. If improvements were made to water supplies and accessibility systems, indigenous peoples would not have to rely on unpredictable and untreated river sources. Hence, sustainable water sources, maintaining and improving water quality and minimizing the spread of water-borne diseases is an important issue for indigenous peoples in the Pacific.

Drought

Some 2,000 miles to the west of the Pacific is Australia, which is experiencing the worst drought in 100 years, even with the flooding that occurred in late 2007 and early 2008. Scientists are not certain that climate change is to blame but it is the most popular theory. One concern is that when there is rain in the northeast coastal regions, soil washes into the Great Barrier Reef, the world’s largest coral reef. This process is damaging the coral, and warmer waters are also killing parts of the reef.

Carbon emissions trading

In the Pacific, like in most other regions, indigenous peoples are not only affected by climate change but also by the initiatives developed to address it. Carbon emissions trading is an area of concern for many indigenous peoples. At the same time, however, some indigenous peoples see the potential economic benefits of taking part in carbon trading projects, especially when indigenous communities have already developed, over thousands of years, sustainable, neutral and carbon negative livelihoods. A unique agreement, which claims to be the first of its kind in the world, was recently negotiated in Australia. In June 2007,
when a giant new natural gas refinery was constructed in Darwin, ConocoPhillips agreed to pay the Aboriginal people of the Western Arnhem Land region of Australia AUD 1 million (USD 850,000) per year, for 17 years, to offset 100,000 tons of the refinery’s own greenhouse emissions (The Western Arnhem Fire Management Agreement). The Aboriginal people concerned will use traditional fire management practices, which have been scientifically shown to reduce greenhouse gas emissions as compared to naturally occurring wildfires.[4]
   Carbon trading continues to be a hugely contentious issue, however, mainly due to its inherent problems. The main concern is that, while companies do not have to actually reduce their emissions, they can pay other companies and groups, mostly from nonindustrialized countries, to reduce emissions or to absorb CO2 from the atmosphere, and thus account for these as their own reductions. The big benefit to companies is that, when paying others, they pay only a fraction of what they would need to invest at home to achieve the same goal.[5]

Adapting to climate change through migration

As people begin to feel the heavy impact of climate change on the quality of life in the Pacific, migration will become a major issue, particularly as a result of flooding from the rising sea level. Forced adaptation is already underway, with some communities being displaced from their traditional lands and territories due to coastal and land erosion caused by large stormdriven waves. Dislocation is already a reality in Samoa and Vanuatu, where flooding from extreme weather and rising sea levels have become the norm and thus have serious implications for people residing in the region. People living in Papua New Guinea’s Bougainville atoll island of Cartaret have asked to be moved to higher ground on the mainland. The people of Sikaiana Atoll in the Solomon Islands have also been migrating away from their atoll, primarily to Honiara, the capital. Similarly, there has been internal migration from the outer islands of Tuvalu to the capital, Funafuti. In the case of Tuvalu, this migration has brought almost half of the national population to Funafuti atoll, with the inherent negative environmental consequences, including an intensified demand for local resources.[6] New Zealand has agreed to take 75 Tuvaluans per year, in a slow evacuation process of the island.
   Migration as a solution is, however, highly problematic. It is a violation of the right of countries to exist as peoples, a threat to cultures and tradition, causes loss of lives, loss of biodiversity, loss of spiritual connectivity and loss of settlement.[7] It is therefore crucial that the issue of “environmental refugees” is seriously discussed and that indigenous peoples become genuinely involved in designing and implementing responses to climate change.

Adapting by applying traditional knowledge

Traditional knowledge and practices are important to sustaining and managing the environment. In a coastal village on Vanua Levu, Fiji, the philosophy of vanua (which refers to the connection of people with the land through their ancestors and guardian spirits) has served as a guiding principle for the management and sustainable use of the rainforest, mangrove forest, coral reefs and village gardens.
   In other parts of the Pacific, indigenous peoples have supported mangrove conservation along the coastline to protect against natural disasters such as cyclones and tsunamis. It is seen as a cheaper undertaking than seawalls, which are funded from external sources. Mangrove conservation involves the community in the management process as well as the inclusion of women in the replanting activities. Other activities include the provision of a water drainage system as well as banning tree clearing. However, it is recognized in the Pacific that enhancing adaptive capacity involves more than local options, which will only be successful if they are integrated with other strategies such as disaster preparation, land-use planning, environmental conservation and national plans for sustainable development.[8]
   Grants from United Nations agencies, such as the International Fund for Agricultural Development (IFAD), promote the development and dissemination of appropriate crops and technologies in the Pacific region. The merging of indigenous and atoll technologies through action research and documentation is designed to support agriculture and fisheries. A similar activity, managed by the Solomon Island Development Trust, is due to take place through a small grant from IFAD’s Indigenous Peoples’ Assistance Facility (IPAF). Indigenous populations will be assisted to improve post-crisis resilience by merging traditional with scientific knowledge.
   Institutional barriers that prevent adaptation exist in the Pacific region. For example, adaptive capacity and resilience in the Pacific is hampered by limited resources and lack of access to technology. On the other hand, the application of traditional knowledge and past experiences has been strengthened in various ways, such as the implementation of traditional marine social institutions, as exemplified in the Ra’ui in Rarotonga, Cook Islands. This is an effective conservation management tool aimed at improving coral reef health. Indigenous peoples’ ecological knowledge and customary sea tenure is also integrated with marine and social science to conserve some of the wildlife, such as the bumphead parrotfish in Roviana Lagoon, Solomon Islands. Changes in sea tenure, back to more traditional roles, have also taken place in Kiribati.[9]

What needs to be done

While there is scientific consensus, notably through the Intergovernmental Panel on Climate Change (IPCC), with regard to the threats that climate change poses, governments have been slow to respond. The vulnerability of the whole Pacific region to disasters poses a real threat to achieving economic stability, social development, environment conservation and cultural diversity. In September 2007, Mr. Elisara-La’ulu, Director of Ole Siosimaga Society (OLSSI) in Samoa, said that bystanders who knew that the world was in crisis but did nothing were just as bad as the architects of the crisis. He urged government leaders to ask indigenous peoples about the effects of climate change before taking any decisions, and that indigenous peoples should not act when under pressure from global processes driven by big governments.[10] During a meeting in April 2008, Mr. Elisara noted that:

For us Pacific peoples, the discussion on climate change is not just a theoretical issue that we talk about when we come to these global meetings! It is there and we see the effects in our daily lives. For us it is a matter of life and death! In many cases we have to decide whether to stay on our islands or leave our homes. As sovereign countries, our rights as countries are protected under the Charter of the United Nations. We plead accountability against those causing these violations of our rights to exist as peoples, as countries, and as sovereign nations. Someone must bear responsibility for our demise when we lose our cultures, when our traditional ways of lives are trashed, and we are denied our freedom to exist as peoples. This is an issue of climate justice that we are calling for here and will continue to do so in every opportunity that comes our way![11]

There are two important issues that some of the small island states, such as Samoa, are highlighting. The first issue is the importance of allowing communities themselves to prioritize and pursue their adaptation needs. Community representatives need to work with policymakers to identify solutions that take account of cultural values in order to protect the livelihood and well-being of indigenous peoples. The second issue is the urgent need to put early warning systems in place to ensure that indigenous communities have the information they need to respond to each hazard and potential threat. This in turn will go some considerable way towards implementing sustainable community activities to adapt to, and minimize, the adverse impacts of climate change.
   At the Pacific Regional Civil Society Organization Forum held in Tonga in October 2007, the following recommendations were made:

• That regional contingency plans be developed to accommodate environmental refugees in a manner that maintains their national identity and indigenous cultural integrity;
• Engage indigenous peoples’ organizations in the development of programmes that involve measures to deal with the effects of climate change;
• Promote forest conservation, energy efficiency and renewable energy; and
• Involve indigenous peoples in programs that support community-level mitigation and aptation measures and, at the same time, recognize the value of the traditional knowledge of indigenous peoples, which has enabled them to maintain and interact with their environment in a sustainable way.[12]

 

Notes

[1] Fiu Mataese Elisara. Effects of Climate Change on Indigenous Peoples. A Pacific presentation during the International Expert Group Meeting on Indigenous Peoples and Climate Change, Darwin, Australia April 2-4, 2008.
[2] Ema G. Tagicakibau. Pollution in Paradise: The Impact of Nuclear Testing and Radio-Active Pollution on Indigenous Peoples in the Pacific and Strategies for Resolution. Pacific Concerns Resource Centre, August 2007.
[3] Robert W. Buddemeier, Joan A. Kleypas, Richard B. Aronson. Coral Reefs and Global Climate Change: Potential Contributions of Climate Change to Stresses on Coral Reef Ecosystems. Pew Centre, January 2004, page 25.
[4] Victo Mugarura. Aborigines burn the way to climate control. BBC, September 18, 2007 http://news.bbc.co.uk/2/hi/asia-pacific/6726059.stm
[5] D. Wysham. A Carbon Rush at the World Bank. Foreign Policy in Focus, February 2005. See www.fpif.org
[6] Intergovernmental Panel on Climate Change (IPCC). Report of Intergovernmental Panel on Climate Change, Working Group 2: Climate Change Impacts, Adaptation and Vulnerability, 2007, page 708.
[7] Fiu Mataese Elisara. Effects of Climate Change on Indigenous Peoples. A Pacific presentation during the International Expert Group Meeting on Indigenous Peoples and Climate Change, Darwin, Australia April 2-4, 2008.
[8] Intergovernmental Panel on Climate Change (IPCC). Report of Intergovernmental Panel on Climate Change, Working Group 2: Climate Change Impacts, Adaptation and Vulnerability, 2007, page 709.
[9] Ibid, page 708.
[10] Meetings Coverage, DPI/NGO Annual Conference, NGO/626, PI/1794, Department of Public Information, UN, New York, 6 September 2007.
[11] Fiu Mataese Elisara. Effects of Climate Change on Indigenous Peoples. A Pacific presentation during the International Expert Group Meeting on Indigenous Peoples and Climate Change, Darwin, Australia April 2-4, 2008.
[12] Communiqué of the Pacific Regional Civil Society Organization Forum held in Tonga in October 2007, pages 4-5.

 

Sonia Smallacombe is a member of the Maramanindji people in the Daly River region of the Northern Territory in Australia. She is currently working in the United Nations Secretariat of the Permanent Forum on Indigenous Issues (UNPFII) and is the focal person on climate change.
   The views expressed in this paper do not necessarily represent those of the United Nations or the Secretariat of the Permanent Forum on Indigenous Issues.”

 

(Quelle: Indigenious Affairs.)

 

Hinweis:

Eine deutsche Übersetzung dieses Artikels finden Sie in der Zeitschrift “Bumerang” – und diese wiederum in unserer Bücherei.

Internet: Aufstand gegen ACTA

Donnerstag, Juni 24th, 2010

“Why The Firm, Simple Declaration Against ACTA

By Richard Stallman

ACTA (1), a treaty designed to attack the rights of computer users in some 40-odd countries — and others later — is encountering increasing opposition. ACTA threatens, in a disguised way, to punish Internet users with disconnection if they are accused of sharing, and requires countries to prohibit software that can break Digital Restrictions Management (DRM), also known as digital handcuffs (2).

In advance of a secret meeting of government representatives to plan the attack, New Zealand citizens organized their own public meeting, PublicACTA, to criticize it. The attendees published the Wellington Declaration, calling on the ACTA negotiators to reject several injustices that they suspected might appear in the treaty.

This event was a milestone in the fight against ACTA. But even though I would support each of the declaration’s objections to ACTA, it makes two major concessions that I cannot put my name to.

The Wellington Declaration properly condemns the plan for ACTA to prohibit devices that can break digital handcuffs. It then undermines that position by suggesting that a limited prohibition, along the lines of Article 11 of the WIPO Internet Treaty, might be acceptable. This limited prohibition would give government backing to certain kinds of digital handcuffs. To accept this much — without even a fight — almost begs the ACTA negotiators to try for more.

The decision might have been intended to minimize the alteration requested in ACTA. That approach would be appropriate for a different kind of situation, but not for this one.

When we ask a favor of someone that doesn’t owe us one, it behooves us to make it as small and easy as possible. That also usually increases the chance it will be granted. But that is not the case here. When we oppose ACTA, we are not asking our governments for a favor. Defending our freedom is their reason for being, and we demand it by right. We should not “compromise” by volunteering to cede some of our freedom so that they have less to do.

The other point I cannot bring myself to accept is the declaration’s praise of WIPO as a “public, inclusive and transparent” forum for negotiating agreements about copyrights and various other unrelated laws. I don’t recall seeing WIPO become a force for good in the world.

It is true that WIPO’s procedures are not as bad as ACTA’s mostly secret negotiations, but that’s the best thing one can say about WIPO. Its use of the propaganda term “intellectual property” (3) reflects its tendency to frame issues with a view towards restricting people more. Its actions follow that tendency: WIPO treaties about copyright in recent decades have specifically targeted the freedom of people who use published works. To transfer the ACTA negotiations to WIPO would perhaps make the result less bad, but would hardly ensure it is good. Let us not ask to be taken out of the fire and put back into the frying pan.

Any time there is a proposal to change things for the worse, the obvious way to oppose it is to campaign for the status quo. To campaign for the status quo suggests the approach of singing its praises; thus, praising WIPO is a natural way to highlight how ACTA is a step for the worse.

However, where there have been previous changes for the worse, lauding the status quo tends to legitimize them. The past 20 years have seen global waves of harmful changes in copyright law — some promoted by WIPO. To confront a further assault by presenting the status quo as ideal means we stop fighting to reverse them. It means that our adversaries need only propose a further affront to our rights to gain our acceptance of their last affront.

Instead of making the status quo our ideal, we should demand positive changes to recover freedoms already lost. For instance, many countries already have laws restricting devices that can break digital handcuffs; these must be repealed. WIPO treaties demand such laws; countries that have signed these treaties must withdraw from them. To stop ACTA from requiring such laws is just one battle in the fight to eliminate them.

The two points mentioned above are the only substantive points I disagree with, but they are very important points.

Aside from these points of substance, there are also points of wording. The Wellington declaration repeats some of the copyright industry’s propaganda terms; it says “protection” for restrictions, for example referring to digital handcuffs as “technical protection measures”. In spelling out the official name of WIPO, it repeats the term “intellectual property” without anything to reject its implications. These points of terminology are not as important as the substance, but they influence the public’s thinking, and that makes a difference.

They also affect the tone of the declaration. Use of these terms caters to the way the supporters of a repressive ACTA frame the issues. The overall tone avoids a forceful confontation with the politicians who seek to impose unjust laws through ACTA.

Those politicians serve the big music and movie companies. They intend to impose what those companies want — first on 40-odd countries, then on the world. They won’t heed civic-minded suggestions offered in a reasonable spirit that assumes their good will; their response to the Wellington Declaration shows that. We will have to stop them. To build a movement to stop them, we need to say, “Join us and fight!” Therefore I have written a firm and clear declaration of opposition to the aspects of ACTA that threaten our freedom.

Whether or not you have signed the Wellington Declaration, I invite you to sign this declaration calling for firm, simple limits on ACTA.

Part of ACTA is intended to take stronger action against commercial international trade in goods that infringe copyrights or trademarks. I am not in general opposed to that. Other parts of ACTA propose repression against the public. That must not be allowed.

Current copyright law is too restrictive, and so in some fields is patent law. They interfere with or prohibit activities that ought to be allowed. We must aim to abolish these restrictions, but if ACTA stays away from these issues, we can let it pass.

Thus, this declaration calls for removing the repression from ACTA, or rejecting it entirely.

See and sign the declaration here.

Footnotes:

  1. ACTA’s official name is “Anti-Counterfeiting Trade Agreement”, but the term “counterfeiting” in this context is a distortion of the word and a misrepresentation of the issues. Copies of files made when users share may be prohibited unjustly in some countries, but they are not “counterfeit” in any sense. We should not legitimize that misrepresentation by referring to ACTA by its official propaganda name. Therefore I refer to it only as “ACTA”.

  2. For the campaign against Digital Restrictions Management, see DefectiveByDesign.org.

  3. For an explanation of the propaganda term “intellectual property” and why we should reject the term, see http://www.gnu.org/philosophy/not-ipr.html.

(Quelle: Free Software Foundation.)

Siehe auch:

Überschiessende Effekte

Frieden ist billiger!

Dienstag, Juni 8th, 2010

“Gewalt kostet die Welt 1,8 Billionen Dollar pro Jahr

Der Global Peace Index misst, wie friedfertig Länder sind und was Gewalt der Wirtschaft kostet. Neuseeland ist demnach das friedlichste Land, Österreich liegt weltweit auf Platz vier

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Gewalt in der Welt ist das zweite Jahr in Folge gestiegen. Das ergab der alljährlich erscheinende Global Peace Index (GPI). Die steigende Gewalt kostet der Welt 1,8 Billionen Dollar. Ein 25-prozentiger Rückgang der weltweiten Gewaltrate würde jährlich genug Geld sparen, um
Griechenlands Schulden zu decken, die Vollendung der Millennium Development Goals (MDG) zu finanzieren sowie  die Klima- und Energieziele zu erreichen, ergab die Rechnung des Index.

Der starke Anstieg ist der Studie zufolge auf den wirtschaftlichen Abstieg zurückzuführen. Dieser führte in einigen Ländern zu stark gestiegenen Mordraten, einer wachsenden Zahl gewalttätiger Demonstrationen sowie zunehmender Angst vor Kriminalität.

149 Staaten geprüft

Der GPI, der das vierte Mal erhoben wurde, geht vom Institute for Economics and Peace (IEP) aus. Es ist die einzige Studie, welche die globale Friedensbereitschaft misst. 149 unabhängige Staaten werden dabei nach 23 qualitativen und quantitativen Indikatoren bewertet. Darunter sind die Militärausgaben, die Beziehungen zu Nachbarstaaten sowie die Schwere der jeweiligen Gewalttaten und das Niveau der Gewaltkriminalität.

“Die Recherchen des IEP, basierend auf dem GPI – Daten der vergangenen  vier Jahre, erbringen den bezifferbaren Beweis, dass die Förderung der  Friedfertigkeit die globale Wirtschaft verändern kann und jene Reichtümer  freisetzt, die gebraucht werden, um Schulden zu begleichen, wirtschaftliche  Expansion zu finanzieren und ein nachhaltigeres Umfeld zu schaffen”, so Steve  Killelea, Gründer des GPI.

(Quelle: DiePresse.)