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UN: Frauenrechte in bewaffenten Konflikten

Dienstag, April 9th, 2013

“Die Rechte von Frauen im bewaffneten Konflikt nach der 57. Sitzung der UNO-Frauenstatuskonferenz

Am 17. März 2013 ging die 57. jährliche Sitzung der UNO-Frauenstatuskonferenz zu Ende. Während das Abschlussdokument allgemein als große Errungenschaft in Bezug auf Frauenrechte gefeiert wurde, enthält es nach genauerer Analyse nur wenig Neues in Bezug auf die Rechte von Frauen in bewaffneten Konflikten.

Von Rieke Arendt, LL.M. (Cantab)

Am 23.03.2013 ging die 57. Sitzung der UNO-Frauenstatuskonferenz zu Ende. Entgegen aller Erwartungen kam es in letzter Minute doch noch zu der Verabschiedung eines Abschlusspapiers. Dies war bis zum Schluss unsicher geblieben, da verschiedene Staaten wie der Vatikan, islamische Länder wie Iran, Saudi- Arabien, Katar, Libyen, Nigeria und Sudan, aber auch Russland versuchten, ein Abschlusspapier zu blockieren. Kritikpunkt der islamischen Länder war vor allem die Formulierung, dass Frauenrechte nicht durch Sitten, Traditionen oder religiöse Ansichten relativiert werden könnten (Punkt 14 des Abschlusspapiers). Außerdem kritisiert wurde der (indirekte) Verweis darauf, dass Vergewaltigung auch das gewaltsame Vorgehen eines Mannes gegen seine Ehefrau oder Lebensgefährtin miteinschließe (Punkt ggg). Kritikpunkt für den Vatikan war vor allem der Verweis auf das Recht auf Schwangerschaftsabbrüche und des unbeschränkten Zugangs zu Notfallverhütungsmitteln (Punkt iii). Im Gegenzug für die Zustimmung dieser Länder gaben die nordischen Länder, wie z. B. Schweden, weitergehende Forderungen auf eine Implementierung der Rechte Homosexueller, Transsexueller und Sexarbeiter, sowie des Rechts auf sexuelle Gesundheit auf.

Da die Konferenz im Jahr zuvor wegen des Dissenses der teilnehmenden Staaten ohne Abschlusspapier beendet werden musste, ist der diesjährige Verlauf als großer Erfolg zu werten. Allerdings entfaltet das Abschlusspapier keine rechtlich verbindliche Wirkung, sondern gibt lediglich einen gewissen Erwartungshorizont vor, an Hand dessen die im Anschluss von den einzelnen Staaten ergriffenen Maßnahmen gemessen werden können.

In Bezug auf den Schutz und die Rechte von Frauen im Zusammenhang mit bewaffneten Konflikten enthält das Dokument wenig Neues. Punkt 4 des Abschlussdokuments erinnert an die Regeln des humanitären Völkerrechts im Allgemeinen und die Genfer Konventionen von 1949, sowie die beiden Genfer Zusatzprotokolle von 1977 im Besonderen. Punkt 5 der Abschlusserklärung bezieht sich auf die Aufnahme von frauenspezifischer Gewalt im Rom-Statut (Vergewaltigung, sexuelle Sklaverei, Nötigung zur Prostitution, erzwungene Schwangerschaft, Zwangssterilisation und vergleichbare Formen sexueller Gewalt als Verbrechen gegen die Menschlichkeit gem. Art. 7 (1) (g) sowie als Kriegsverbrechen im internationalen bewaffneten Konflikt gem. Art. 8 (2) (b) (xxii) und im nicht-internationalen bewaffneten Konflikt gem. Art. 8 (2) (e) (vi)) und in den Statuten der ad hoc Gerichtshöfe (Vergewaltigung als Verbrechen gegen die Menschlichkeit gem. Art. 5 (g) JStGH und Art. 3 (g) RStGH und Vergewaltigung, Nötigung zur Prostitution und unzüchtige Handlungen jeder Art als Verstoß gegen den gemeinsamen Artikel 3 der GA gem. Art. 4 (e) RStGH). Darüber hinaus fordert das Abschlusspapier die unterzeichnenden Staaten in Punkt 13 dazu auf, Gewalt gegen Frauen und Mädchen im bewaffneten Konflikt sowie in Post-Konfliktsituationen aktiver zu bekämpfen sowie effektivere Maßnahmen zur Identifizierung und Bestrafung der Täter, Entschädigung der Opfer und einen besseren Zugang zu Rechtsmitteln für die weiblichen Opfer zu schaffen. Außerdem wird betont, dass der illegale Handel mit und Gebrauch von Klein- und Leichtwaffen indirekt die Gewalt gegen Frauen und Mädchen verstärke (Punkt 26). Die Frauenstatuskonferenz hat damit das grundlegende Problem der Gewalt gegen Frauen und Mädchen im bewaffneten Konflikt angesprochen: es mangelt nicht so sehr an Vorschriften, die Gewalt verbieten, als an effektiven Präventionsmechanismen und Rechtsmitteln. Leider konnte das Dokument in diesem Punkt nicht verbindlicher werden.

Quellen:
http://www.un.org/womenwatch/daw/csw/csw57/CSW57_a_greed_
conclusions_advance_unedited_version_18_March_2013.pdf

http://www.sueddeutsche.de/politik/un-konferenz-gewalt-gegen-frauen-muss-ein-ende-haben-1.1626105

Nachfragen:
rieke.arendt@cantab.net

 

(Quelle: Institut für Friedenssicherungsrecht und Humanitäres Völkerrecht der Ruhr-Universität Bochum.)

Global: Die wunderbare Welt des CO2 (Teil 2)

Dienstag, Dezember 4th, 2012

Share of global emissions (% world total 2010)

 

Klima_2.1

(Tabelle aus: United Nations Environment Programme: The Emissions Gap Report 2012, S. 17, 18
Download des o. g. Reports hier.)

 

(Quelle: United Nations Environment Programme: The Emissions Gap Report 2012)

Spanien / Marokko: Das Aus vor der Festung?

Mittwoch, Januar 4th, 2012

“Tiger im Wald

Von Hanna Silbermayr

Nur 21 km trennen sie vom spanischen Festland. In Ceuta gestrandet, kämpft eine Gruppe von Indern als irreguläre Migranten jahrelang um die eigene Zukunft.

*alle Namen von der Autorin geändert

Meidling. Der kühle Wind fegt die letzten Reste des Spätsommertages über den Bahnsteig. In großen gelben Lettern steht der Name des Zugendbahnhofs auf der Anzeige – Roma Termini. Manvir* umarmt flüchtig seine Freunde, steigt ein, winkt. Dann fährt der Zug ab, verlässt das nächtliche Wien.

Ein Jahr zuvor. Es ist still am Monte del Renegado, nur die Grillen zirpen. „In der Wüste sind zwei meiner Freunde gestorben“, sagt Sonu. Der 25-Jährige vergräbt sein Gesicht in den Händen und atmet tief durch. Als er wieder aufschaut, hat er Tränen in den Augen. Verlegen wischt er sie weg. Er schüttelt den Kopf. Nein, wenn er gewusst hätte, wie diese Reise verlaufen würde, wenn man ihm gesagt hätte, dass man ihn ausrauben, schlagen, einsperren und demütigen würde, hätte er sie nie angetreten. Sonu ist einer von 54 Indern, die 2006 als irreguläre Migranten nach Ceuta kamen, gestrandet in der spanischen Exklave am afrikanischen Kontinent, nördlich von Marokko. Nur die 21 km breite Straße von Gibraltar trennt sie von ihrem Traum, dem spanischen Festland, von Europa.

Eine der Hütten im Camp der indischen Migranten
 

Odyssee durch die Saharische Wüste

Ihr Zuhause ist ein Camp im Wald. Es lässt ein Gefühl von Sommer und Ferienlager aufkommen, doch für die indischen Migranten ist all das kein Spiel, es ist harte Realität. Zwei Jahre verbrachten sie im Centro de Estancía Temporal para Inmigrantes, einer Art Auffanglager. Es ist eigentlich darauf ausgelegt, für Menschen, die die Grenze illegal überschreiten, eine erste Anlaufstelle mit sozialer Grundversorgung zu sein. Das Zentrum in Ceuta fasst 512 Personen, zeitweise sind jedoch mehr Menschen darin untergebracht. Viele Migranten leben seit Jahren dort. Senegalesen, Nigerianer, Pakistaner, Inder. Im April 2008 machten Gerüchte die Runde, dass die Inder abgeschoben werden sollten. Jetzt. Nach zwei Jahren. Die Gruppe fasst einen Beschluss, sie will nicht kampflos aufgeben. Die Inder fliehen in die Wälder des nahegelegenen Berges, auf den Monte del Renegado.

Einer der indischen Migranten ist mit den Nerven am Ende.

Zwei Jahre dauerte die Odysee. Alles begann in Indien, mit einer leeren Versprechung. „Ein Mann sprach mich damals an der Universität an“, erklärt Sonu. Er würde in der Europäischen Union leben und arbeiten können, alles legal, sagte man ihm. Umgerechnet 8000 Euro sollte er dafür auf den Tisch legen. Der Großteil der indischen Migranten, die in Ceuta im Wald leben, kommt aus der nördlichen Provinz Punjab, einer Gegend, die von Landwirtschaft dominiert ist. Um die Reisen der Söhne zu finanzieren, verkauften ihre Familien Ländereien oder verschuldeten sich bei Freunden und Banken. Die jungen Männer sollten diese Chance wahrnehmen können. Sie bestiegen den Flieger in Neu Delhi. Reiseziel Addis Abeba, die Hauptstadt Äthiopiens. „Wir wurden von Männern abgeholt, die uns in ein Haus brachten. Dort mussten wir ihnen unsere Pässe geben, für das Visum.“ Sonu schaut auf den Boden und schüttelt den Kopf. „Die Pässe haben wir nicht mehr zurückbekommen.“

Die Inder waren in die Fänge von Menschenschmugglern geraten. Monate verbrachten sie in dem Haus in Addis Abeba, eingesperrt. Danach ging die Reise nach Burkina Faso, nach Mali und von dort aus in die Saharische Wüste von Algerien. „Zu Fuß und mit dem Auto waren wir unterwegs. Wir wussten nicht, wann wir zu essen oder trinken bekommen würden und manchmal hat die Mafia das Wasser mit Benzin vermischt, damit wir nicht so viel trinken. Meine Freunde sind daran gestorben.“

Die Sahara gilt für Immigranten als einer der gefährlichsten Teile der Reise nach Europa. Nicht nur wegen der natürlichen Gefahren, die die Wüste birgt, sondern auch, weil man dort der Polizei ausgeliefert ist. Sonu erzählt, dass er die Grenze zwischen Marokko und Algerien mehrmals überquert hat. Wie oft? Irgendwann habe er aufgehört zu zählen, sagt er. Immer, wenn sie es nach Marokko geschafft hatten, kam die Polizei und brachte sie zurück nach Algerien. Unter Experten ist dieses Phänomen bekannt. Das europäische Netzwerk Migreurop zitiert in seinem Ende 2009 erschienenen Jahresbericht Hicham Baraka, den Vorsitzenden der marokkanischen Menschenrechtsorganisation ABCDS, der von einem Ping-Pong-Spiel zwischen marokkanischen und algerischen Grenzwachen spricht.

Die indischen Migranten schlafen unter freiem Himmel.

Manvir humpelt. Er kann auf seinen Fuß nicht mehr auftreten. Als er morgens bei der Tür hinausging, hat es plötzlich geknackst und er ist mit dem Bein umgeknickt. Die drei Jahre in Ceuta, die er die unwegsamen Hänge des Monte del Renegado hinauf- und hinablief, hat er sich nie verletzt. Ein Bänderriss im Knie. Und das ausgerechnet jetzt, wo er gerade erst nach Wien gekommen war und mit der Arbeit als Zeitungsausträger beginnen wollte. Diese Arbeit kann er vergessen, stiegensteigen kann er so nicht.

Gefangen im süßen Gefängnis

Der Tag liegt drückend heiß über Ceuta. Einer der Inder schleppt eine 25-Liter-Flasche Wasser den steilen Hang hinauf. Mitten am Weg bleibt er stehen, stellt die Flasche ab, verschnauft kurz. „Pani“, erklärt Sonu, „ist ein sehr wichtiges Wort, es bedeutet Wasser. Sieben Monate haben wir gebraucht, um die Wüste zu durchqueren und wir wussten nie, wann wir an Wasser kommen würden.“ Einer der Immigranten nähert sich. Seine Haut ist dunkel, die schwarzen Augen wirken vertrauenswürdig. Sein Arm ist von großen länglichen Narben überzogen. „Die Mafia wollte mehr Geld. Weil ich keines hatte und ich meine Familie nicht anrufen konnte, damit sie mir hilft, haben sie mir mit einer Machete Wunden zugefügt“, sagt er.

Ein indischer Migrant trägt Wasser in einem Kanister in das Camp.

Der Großteil der indischen Migranten gehört der Religion der Sikhs an. In einem der Camps im Wald haben sie eine kleine Gurdwara, einen Sikh-Tempel, errichtet. Jeden Tag beten sie dort für eine bessere Zukunft. Das Leben im Wald zerrt an den Nerven, raubt Energie. Sehr rosig sieht die Zukunft in diesem schwülen Sommer 2009 nicht aus. „Seit drei Jahren sind wir jetzt in Ceuta und es kommt einfach keine Nachricht aus Madrid. Für die Politiker sind wir nur irgendwelche Nummern. Wenn sie uns abschieben wollen, warum haben sie das dann nicht schon in den ersten paar Wochen gemacht?“ Als süßes Gefängnis bezeichnen die Inder Ceuta. Die Wüste liegt hinter ihnen, sie sind in Sicherheit, doch sind sie trotzdem in der spanischen Exklave gefangen. „Das Schlimmste ist das Warten, nicht zu wissen, was die Zukunft bringt, das Leben nicht mehr selbst in der Hand zu haben.“ Nach einer kurzen Pause fährt Sonu fort und erklärt, dass alle männlichen Sikhs den Nachnamen Singh tragen. Er steht für die Gleichheit der Religionsmitglieder und bedeutet soviel wie Löwe oder Tiger. Darum nennt sich die Gruppe Los Tigres del Monte, die Tiger des Berges. „Wir sind stark und werden nicht aufgeben“, versichert er.

Indische Migranten beten in einem provisorisch errichteten Tempel im Wald.

Es ist warm, als Manvir in Wien ankommt. Zwei Tage Reise liegen hinter ihm. Von Barcelona aus hat er halb Europa durchquert, um nach Österreich zu kommen. Hier hat er Freunde. Und es soll Arbeit geben, mehr als in Spanien. Drei oder vier Tage verbringt er in Traiskirchen, wo er um Asyl bittet. Eine andere Möglichkeit gibt es für ihn in Österreich nicht. Dass er bald wieder abreisen wird, ahnt er zu diesem Zeitpunkt noch nicht.

Ungewissheit zwischen Afrika und Europa

Dezember 2009. Der Winter macht das Leben im Wald unerträglich. Die Kälte ist ständiger Begleiter am Monte del Renegado. Vom vielen Regen ist die Erde aufgeweicht und die Ratten retten sich unter die trockenen Verschläge in den Camps. Den Tag verbringt Sonu in der Stadt, er arbeitet. Viele Möglichkeiten gibt es nicht, Geld fürs Überleben zu verdienen. In der Nähe des Stadtzentrums weisen die Inder Fahrzeuge in Parklücken ein oder helfen vor den Supermärkten, die Einkäufe in den Autos zu verstauen. So gibt es ein paar Cent, manchmal vielleicht auch einen Euro.

Die Einwohner Ceutas zeigen sich solidarisch mit den indischen Migranten, viele versichern, dass die jungen Männer immer nett und zuvorkommend sind. Trotzdem ändert dies wenig an ihrer Situation, die Zukunft liegt in den Händen der Behörden. Im September hatte es erstmals eine Nachricht von Seiten der spanischen Regierung gegeben. Die Inder sollten aufs Festland gebracht und ihr Status legalisiert werden. Hoffnung. Doch vier Monate später ist die Lage unverändert, keine weiteren Nachrichten mehr.

Migranten warten vor einem Supermarkt in Ceuta auf Arbeit.

Dann plötzlich geht alles Schlag auf Schlag. Polizei. Woher sie kämen, ob sie Papiere hätten. Zehn der Inder werden festgenommen und verbringen zwei Nächte im Gefängnis von Ceuta. Am zweiten Tag werden sie einem Richter vorgeführt. Er hält ihre Abschiebebescheide bereit. Und dann der Moment, auf den sie eigentlich so lange gewartet hatten. „Ich habe so oft die Fähren beobachtet, die den Hafen jeden Tag Richtung Europa verlassen. Aber ich habe mir die Reise immer anders vorgestellt.“ Umgeben von lärmenden Touristen sitzt er jetzt auf seinem Platz. Rechts und links ein Polizist, die Hände in Handschellen. „Nein, ich habe nie gedacht, dass es so sein würde“, beteuert Sonu.

Im Besucherraum des Centro de Internamiento de Extranjeros, dem Pendant zum österreichischen Schubhaftzentrum, ist die Stimmung gedrückt. Die Menschen unterhalten sich nur flüsternd. Eine Glaswand teilt den kahlen Raum in zwei Bereiche. „Zehn Minuten“, brüllt der Wachbeamte den Besuchern zu, während hinter der Scheibe vier Gestalten auftauchen. Wie im Zoo, möchte man denken. Sonu lächelt, sagt etwas, doch man versteht ihn kaum. Jetzt ist es laut unter den Besuchern, alle wollen ihrem Gegenüber etwas mitteilen. „Ich habe mir dort viele Gedanken gemacht, im Schubhaftzentrum ist die Abschiebung nicht mehr fern.“, erklärt Sonu Wochen später in Madrid. 58 Tage verbrachte er in Ungewissheit, danach ließ man ihn plötzlich frei. Ohne Papiere.

Am Rand der Gesellschaft

„In Wien hätte ich keine Chance gehabt“, ist sich Manvir sicher. „Ich kenne dort kaum jemanden und mit dem kaputten Knie konnte ich nicht arbeiten. Darum bin ich nach Spanien zurückgekommen.“ Er sitzt in der kleinen Küche der Gurdwara und schneidet Zwiebeln, Sonu reinigt im Gebetsraum Glasschränke. In der Sikh-Gemeinschaft in Madrid haben die Inder Zuflucht gefunden. Sie verbringen beinahe den ganzen Tag im Tempel, kochen, putzen, helfen mit, wo Hilfe gebraucht wird. „Ich will nicht den ganzen Tag untätig in der Stadt herumlungern, ich will mich nützlich machen“, erklärt Sonu.

Arbeiten darf er laut spanischem Recht nicht. Dieses räumt allerdings die Möglichkeit ein, dass Migranten, die drei Jahre im Land zugebracht haben und einen Arbeitsvertrag vorweisen können, eine temporäre Arbeits- und Aufenthaltsgenehmigung beantragen können. „Wir sind jetzt ein Jahr in Madrid, wir erfüllen alle Voraussetzungen, aber die indische Botschaft stellt uns keine Pässe aus“, klagt Sonu. Viele Male war er bei der indischen Botschaft in Madrid, hat versucht einen neuen Pass zu beantragen, aber immer wieder wird er zurückgewiesen, auf einen späteren Zeitpunkt vertröstet. Ashish Sinha, zweiter Botschaftssekretär zeigt sich unwissend. „Natürlich kümmern wir uns um unsere Staatsbürger. Jeder, der einen Pass braucht, bekommt diesen auch“, versichert er vehement. „Aber es war niemand da, der nach einem Pass gefragt hat.“ Sonu und Manvir sind wütend, sie fühlen sich von den Behörden verhöhnt. „Die Spanier sagen, wir bräuchten unsere Pässe, die indische Botschaft gibt uns aber keine. Warum machen sie das?“ Drei Monate können die Inder noch in der Unterkunft des Roten Kreuzes bleiben. Danach müssen sie woanders hin. Wohin? „Auf die Straße“, erklärt Sonu flüsternd. „Wie sollen wir eine Wohnung mieten, wenn wir nicht arbeiten dürfen?“

Ein indischer Migrant schneidet in der Küche des Sikh-Tempels Zwiebeln.
 

Die Hoffnung stirbt zuletzt

Nachtrag:
Mitte 2011 wurden die in Ceuta verbliebenen Inder aufs spanische Festland gebracht und wie schon die erste Gruppe ohne Papiere freigelassen. Bis heute ist ihre Situation unverändert – die indische Botschaft stellt keine Pässe aus und somit können die indischen Migranten ihren Aufenthaltsstatus in Spanien nicht legalisieren.

34 der Tigres del Monte wurden gemeinsam mit Sonu und Manvir Ende 2009 aufs spanische Festland gebracht. Die restlichen zwanzig waren Anfang 2011 immer noch in Ceuta. Bis kurz vor Weihnachten des vorangegangenen Jahres blieben sie im Wald. Dann gaben sie auf, nach beinahe 1000 Tagen am Monte del Renegado. Sie gingen zurück ins Centro de Estancía Temporal para Inmigrantes, das Zentrum, das vier Jahre zuvor ihre erste Unterkunft in Ceuta gewesen war. Die Direktion des Auffanglagers hatte versprochen, sich für sie einzusetzen, sie aufs spanische Festland zu bringen. Nach drei Wochen kommt Besuch, die indische Botschafterin. Kein gutes Zeichen, wie die Inder aus der Vergangenheit wissen. Denn immer dann, wenn ein Botschafter ins Auffanglager kommt, wird in den jeweiligen Staat abgeschoben. Der Botschafterbesuch dient der Identitätsfeststellung. Die Hoffnung aber stirbt zuletzt. „Wir werden weiter kämpfen“, sagt Sonu, „auch für die, die noch in Ceuta sind.“ ‘

 

(Quelle: fm4.ORF.at)

Nigeria: Frühlingserwachen?

Mittwoch, Dezember 28th, 2011

“Ogoni Establish Their Own Environmental Protection Agency

By Ahni Dec 27, 2011

The Movement for the Survival of Ogoni People (MOSOP), an Ogoni-based non-governmental, non-political organization for the Ogoni people of South-Eastern Nigeria, have announced the creation of a new Environmental Protection Agency to make sure that oil companies operating in Ogoniland, like Chevron and Royal Dutch Shell, are held accountable for their ‘environmental crimes’.

Ogoni Establishes Environmental Protection Agency

Monday, 26 December 2011, 6:39 pm
Press Release: MOSOP Media

A measure to make sure that Nigerian National Petroleum Corporation, Royal Dutch/Shell and others face compelling action to hold them accountable for environmental crimes in Ogoni.

MOSOP President and Spokesman, Dr. Goodluck Diigbo said that the Ogoni people have learnt the hardest lesson that it was not the wisest thing to do, to allow petroleum operations in Ogoni without a formal Environmental Impact Assessment Study (EIAS).

He said other relevant companies must be required to conduct EIAS to merit continual operations in Ogoni.

Dr. Diigbo said this today, 24th December, 2011 during a MOSOP inter-kingdom assembly held at Akpajo, Eleme near Port Harcourt. He, then, announced the establishment of an Ogoni Environmental Protection Agency (OGEPA), headed by Mr. John Lar-Wisa.

Lar-Wisa, currently serves as Secretary of Amnesty International Group 17 in Nigeria and has nearly 20 years of community and public service. Earlier in the week, Lar-Wisa’s appointment had been debated and approved by a joint-meeting of elected village councilors and MOSOP Central Assembly.

“As a people, the Ogoni who depend upon cultures, spiritual traditions, histories and philosophies, especially our rights to lands, territories and resources for political, economic and social survival, we cannot wait for another 25 – 30 years.

The Ogoni people cannot fold their hands and hope that one day, the NNPC (Nigerian government oil company), Royal Dutch/Shell and Chevron will knock at our doors to accept responsibility for devastation of our land,; without significant and compelling action by the Ogoni people,” Diigbo remarked.

According to Dr. Diigbo, the task of OGEPA is to coordinate efforts to protect the inherent rights and means of livelihood of the Ogoni people, ensure healthy and safer environment.

He stated that OGEPA will collaborate with similar institutions, the Ogoni Central Indigenous Authority (OCIA) and nongovernmental organizations worldwide.

“With its three-tier operational strategy, OGEPA will cooperate with its sub-committees at the village, kingdom and central levels to make sure that Ogonis do not engage in activities detrimental to the environment,” Diigbo said.

The 21 member agency has Chief Nwakaji Ngei of Ogale village in Eleme Kingdom as the Deputy Administrator.

Prior to his appointment by the Central Assembly of MOSOP, Lar-Wisa coordinated the Ogoni team that monitored the United Nations Environmental Programme (UNEP) Ogoni Environmental Assessment, led by Mr. Mike Cowing.

Lar-Wisa had initiated international dialogue and shared information on due process as he had tried to persuade Cowing and his UNEP colleagues to comply with the UNEP, World Bank and Nigerian guidelines for conduct of EIAS.

Lar-Wisa has also worked as design and draughtsman/engineer with NISSCO Ltd, Warri; Naval Draughtsman with Witt & Busch (Shipyard) Ltd., PH., senior CAD Designer with Point Engineering, PH, Field Engineer with Aveon Offshore Ltd., PH. Sec., NUPENG – NISSCO, Assistant Secretary of PENGASSAN – NISSCO and assistant secretary of Bori State Movement and in several other capacities.

John Lar-Wisa who holds a Certificate in Civil Engineering and Bachelor of Science degree Political Science will oversee activities of OGEPA.

All the elected village councilors under the newly created Ogoni Central Indigenous Authority (OCIA) will sit on the village boards of OGEPA.”

 

(Quelle: Intercontinental Cry.)

Äquatorial-Guinea: Fußballerinnen zu erfolgreich?

Donnerstag, Juli 7th, 2011

“Zwischen Wertschätzung und Stigmatisierung

Fußballerinnen in Äquatorial-Guinea

Von Regina Roschmann und Yvonne Weigelt-Schlesinger

Vom 26. Juni bis 17. Juli 2011 findet in Deutschland die Frauenfußball-Weltmeisterschaft statt. Dabei vertreten die Teams aus Äquatorial-Guinea und aus Nigeria – Letztere sind Afrikameisterinnen – den gesamten Frauenfußball in Afrika. Laut ExpertInnen des Fußballweltverbandes (FIFA) hat dieser eine vielversprechende Entwicklung gemacht und blickt in eine aussichtsreiche Zukunft. Allerdings hat man in den meisten afrikanischen Ländern nicht nur mit enormen infrastrukturellen Problemen, sondern auch nach wie vor mit Vorurteilen gegenüber Fußball spielenden Frauen zu kämpfen. Am Beispiel des kleinen westafrikanischen Landes Äquatorial-Guinea beleuchtet der folgende Beitrag den kontrovers geführten Geschlechterdiskurs.

Der schwere Weg zur WM

In der FIFA-Frauen-Weltrangliste rangiert Äquatorial- Guinea im März 2011 auf Platz 61 und ist damit aktuell die viertstärkste afrikanische Mannschaft hinter Nigeria (Rang 27), Ghana (Rang 49) und Südafrika (Rang 58). Zum Vergleich: Deutschland steht an zweiter Stelle, die Schweiz auf Rang 26 und Österreich auf Position 40. Der nationale Verband von Äquatorial-Guinea, die Federación Ecuatoguineana de Fútbol, wurde 1960 gegründet und ist seit 1986 Mitglied der FIFA. Seit 1996 existiert auch ein organisierter Frauenfußballbetrieb. Bei der Frauenfußball- Weltmeisterschaft in Deutschland hat es Äquatorial-Guinea in der Gruppenphase mit den Mitfavoriten Norwegen und Brasilien sowie mit Australien zu tun. In der Qualifikation zur Weltmeisterschaft ließ Äquatorial-Guinea Länder wie Ghana, Südafrika und Kamerun hinter sich und wurde erst im Finale von Nigeria besiegt. Dennoch kam der Erfolg nicht überraschend. Schon 2008 wurde die Afrikameisterschaft vom äquatorial-guineischen Team gewonnen, und die Mannschaft sorgte schon in der Olympiaqualifikation 2007 zu den Spielen in Beijing mit ihrem Sieg über Favorit Südafrika für Furore. Solche Erfolge eines Landes, das gerade mal 650.000 EinwohnerInnen zählt, lassen offenbar Misstrauen aufkommen und obendrein Spekulationen über das “wahre” Geschlecht von Spielerinnen entstehen. Es regte sich Protest. Anschuldigungen wurden geäußert, in dieser Mannschaft würden Männer spielen. Erklären könnte diese Erfolge aber auch die Tatsache, dass der Frauenfußball erst seit einiger Zeit einen Boom erlebt. Auch andere Länder – vor allem in Afrika – können deshalb derzeit noch nicht auf große personelle Ressourcen zurückgreifen. Die Größe des Landes bzw. die EinwohnerInnenzahl ist also möglicherweise noch kein entscheidendes Kriterium, und auch ein kleines Land kann sich im Wettkampf behaupten.

Wann wird eine Frau als Frau gesehen?

Die Frage nach dem wahren Grund der Erfolge wird sich von Außenstehenden nur schwer beantworten lassen. Dennoch versteckt sich hinter diesem Diskurs eine Problematik, die in letzter Zeit vor allem durch den Fall Caster Semenya für Aufsehen sorgte. Die Südafrikanerin Semenya triumphierte bei der Leichtathletik-WM 2009 in Berlin über die Strecke von 800 m und sah sich anschließend u. a. aufgrund ihrer plötzlichen Leistungssteigerung, ihrer tiefen Stimme und ihrem Aussehen mit dem Vorwurf konfrontiert, sie sei keine Frau. Anschließend musste sie sich einem Geschlechtstest unterziehen, der Aufschluss bringen sollte. Bemerkenswert im Falle der aktuellen Vorwürfe gegenüber Äquatorial-Guinea ist in diesem Zusammenhang eine Aussage, die Nigerias Trainerin Eucharia Uche zugeschrieben wird: “Wie schon 2008 spielen bei ihnen zumindest zwei Männer mit”.– “Zumindest” heißt es in diesem Vorwurf; so eindeutig scheint die Sachlage also nicht zu sein. Und sie ist es auch nicht, denn die übliche Unterscheidung in männlich und weiblich, wie sie in den meisten Kulturen gesellschaftlich konstruiert wird, ist aus biologischer Sicht eben nicht so eindeutig. Es gibt z. B. Menschen, die mit einem Y-Chromosom geboren wurden, aber alle körperlich charakteristischen Merkmale einer Frau entwickelten, ausgenommen der inneren Sexualorgane. Medizinisch wird diese Konstellation als Androgen Insuffizienz Syndrom (AIS) bezeichnet. Diese Frauen haben ein XY-Chromosom, sind aber doch keine Männer, da ihr Körper nicht auf das produzierte Testosteron reagiert.

Geschlechtstests als Lösung?

Geschlechtstests lösen diese Problematik demnach nicht immer. Aber gerade der Sport nutzt auf formeller Ebene die Unterscheidung in männlich/weiblich als Grundlage zur Strukturierung seiner Wettbewerbe. Ein Abweichen von dieser Einteilung, also die Zulassung von Männern und Frauen in denselben Wettbewerben, würde dem Sport ein konstituierendes Charakteristikum entziehen: die Chancengleichheit. Dass der Sport von dieser binären Unterteilung abweicht und Wettkampfklassen weiter differenziert – z. B. Wettkämpfe für Intersexuelle einführt –, ist aufgrund des hohen Aufwands und der stark traditionell geprägten Strukturen unwahrscheinlich. Neben diesen formellen Kriterien beruhen auch heute noch im Sportsystem die traditionellen Geschlechterrollen auf dem komplementären Schema der “männlichen Stärke” und der “weiblichen Schwäche”. Die Ausübung der “Männersportart” Fußball, gepaart mit der Nichtübereinstimmung des gesellschaftlichen Schönheitsideals von Frauen, gilt als “unafrikanisch” und unwürdig und wird teilweise sogar durch Strafen sanktioniert (vgl. Meier, 2010).
Die Leichtathletikerin Caster Semenya hat im Juli 2010 die Startberechtigung für die Frauenwettbewerbe nach einer Hormonbehandlung zurückerhalten. In ihrer Heimat wird sie als große Sportlerin gefeiert. Aber andernorts könnte an jedem weiteren Sieg ein Makel hängen bleiben, nach dem Motto: die hat zwar gewonnen, aber eigentlich ist sie keine Frau.
Das internationale Olympische Komitee (IOK) will, zwölf Jahre nach der Abschaffung der Sextests, wieder Geschlechtskontrollen für Frauen einführen. Der würdige Umgang mit Menschen, die wahrscheinlich selbst nicht genau wissen, in was für einem Körper sie stecken, bleibt dabei auf der Strecke. Auch wenn das IOK verlauten ließ, dass die besagten Fälle dann nicht öffentlich weltweit kommuniziert würden. Man darf gespannt sein, wie sich die Öffentlichkeit im Sommer bei der Fußball-Weltmeisterschaft der Frauen gegenüber den Spielerinnen aus Äquatorial- Guinea verhalten wird. Das Ausmaß der Kritik wird sich vermutlich danach messen, wie erfolgreich die Spielerinnen sind und gegen welche Mannschaften sie punkten.

Literaturtipp:
Meier, M.: Banyana Banyana. In: Frauenfussball – Magazin. 1 (3). 4–5 (Aachen, 2010).

Zu den Autorinnen:
Regina Roschmann studierte Sportökonomie in Chemnitz (Deutschland) und Trondheim (Norwegen). Seit 2007 ist sie wissenschaftliche Mitarbeiterin an der TU Chemnitz. Ihre Schwerpunkte sind Fußball und Sportmarketing. // » Yvonne Weigelt-Schlesinger studierte Sportwissenschaft in Chemnitz (Deutschland) und promovierte in Tübingen. Seit 2009 ist sie Assistentin am Institut für Sportwissenschaft der Universität Bern. Ihre Schwerpunkte sind Geschlechterforschung, Sportspieldidaktik und Sportbiographien von Frauen mit Migrationshintergrund. “

 

(Quelle: Frauensolidarität.)

Hinweis

Die aktuelle Ausgabe der Zeitschrift “Frauensolidarität”, aus der dieser Aufsatz stammt, finden Sie in unserer Bücherei.

Uganda: Steinhagel für Staatschefs

Samstag, Mai 14th, 2011

“Mugabe convoy stoned in Uganda

By Lance Guma

Robert Mugabe was on Thursday reportedly caught up in a violent backlash by opposition supporters in Uganda, when his official convoy was stoned by protesters.

The protesters hurled stones at several convoys of African leaders in Uganda, who were on their way to attend the swearing in ceremony of President Yoweri Museveni in Kampala.

Protesters were heard shouting: “Go to hell dictators!” while throwing stones at the various leaders from across Africa.

Nigeria’s President Goodluck Jonathan was also targeted. It was reported by Ugandan and Nigerian media that the Ugandan security forces fired at the protesters, killing one person. Foreign journalists were also stripped of cameras and recording devices.

The Ugandan government has denied that either convoy was stoned. But SW Radio Africa spoke to a journalist on the ground who confirmed the attacks, as well as the chant by the protesters for dictators to go to hell.

Museveni was announced the winner of the disputed February 18 elections. Since then, opposition leaders have been leading “walk to work” protests over the rising cost of food and fuel in the country. Opposition leader Kizsa Besigye, whom Museveni defeated in his February re-election win, said the marches are also to protest government corruption.”

 

(Quelle: SW Radio Africa news.)