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Paraguay: Parlamentarischer Staatsstreich

Montag, Juli 2nd, 2012

„Putsch soll Links-Regierungen in Lateinamerika schwächen.‟

Freitag, den 29. Juni 2012

Von Sergio Ferrari


(Fortaleza, 27. Juni 2012, adital-poonal).- Der streitbare paraguayische Jesuit Francisco “Paco” Oliva, äußert sich zu dem Putsch gegen Präsident Fernando Lugo, der am 22. Juni in Lateinamerika für ein politisches Erdbeben sorgte. Die Guaraní nennen ihn “Pai” Oliva – in ihrer Sprache bedeutet das Priester. Als Vertreter der Befreiungstheologie zählt der 1928 in Sevilla geborene Oliva zu den herausragenden sozialen Aktivisten in Paraguay.

Wie bewerten Sie den institutionellen Rahmen, in dem sich die Absetzung von Präsident Fernando Lugo abspielte?

Wir sind eine parlamentslastige Demokratie. Praktisch seit der Wahl Lugos im April 2008 waren die beiden traditionellen Parteien Paraguays, die Liberalen und die Colorados, bemüht, den Präsidenten zu bremsen. Sie drohten ihm quasi mit einem politischen Prozess. In der vergangenen Woche dachten wir daher, es handele sich mal wieder um eine dieser Drohungen. Doch die Wirklichkeit zeigte, dass dem nicht so war.

Hatte die Bewegung aus dem breiten Volk, hatte die paraguayische Zivilgesellschaft, mit einer solchen politischen „Lösung“ gerechnet?

Nein, es traf uns vollkommen überraschend. Das Ganze dauerte gerade einmal 24 Stunden, innerhalb derer Lugo abgesetzt und Vize-Präsident Federico Franco als sein Nachfolger ernannt wurde. Von Letzterem war bereits seit langem bekannt, dass er nach der Macht strebte.

Die nun regierungsnahen Medien sprechen von einem legitimen Prozess, der sich im Rahmen der Verfassung Paraguays bewegt habe. Aus dem Volk und in zunehmendem Maße auch aus der internationalen Gemeinschaft heißt es dagegen, die Verfassungsmäßigkeit sei gebrochen worden. Was denken Sie?

Es handelt sich um einen parlamentarischen Staatsstreich. Die traditionellen Parteien fanden die 30 Stimmen, die sie brauchten und sprachen das Urteil. Was folgte war reiner Zirkus. Der Schuldspruch wäre in jedem Fall der gleiche gewesen – ob mit einer Verteidigung für Lugo oder ohne. Die Beschuldigungen wurden nicht schriftlich vorgelegt. Und als Beweise dienten schlichte Fotokopien von Zeitungsausschnitten. Die Strafe gegen Lugo war bereits verhängt, bevor der Prozess überhaupt begonnen hatte.

Ist die Absetzung Lugos eine unumkehrbare Tatsache?

Das breite Volk und die Campesinos akzeptieren die Absetzung nicht. Doch die Macht befindet sich in den Händen der zwei Parteien, die das Pseudo-Expressurteil vollstreckten. Institutionell gesehen handelt es sich also um eine vollendete Tatsache.

Es ist doch paradox, dass als Vorwand für die Absetzung ein Campesino-Konflikt diente, wenn man bedenkt, dass Fernando Lugo „der Bischof der Armen“ genannt wurde. Jemand, der sich immer für die Campesinos und die Agrarreform aussprach und dank der entschlossenen Unterstützung breiter Volksschichten an die Regierung kam. Handelte es sich vielleicht um eine Falle der extremen Rechten, oder war Lugo politisch etwas naiv?

Beides trifft zu. Es handelte sich um eine gut vorbereitete Falle angesichts der Mobilisierung, in der das Volk die führende Rolle zu übernehmen begann. Die politische Klasse Paraguays erhielt Signale, besonders die traditionellen Parteien, die sich in der Opposition befanden. Sie hatten Angst vor der zunehmenden Partizipation und beschlossen, diese zu stoppen. Und die beste Lösung bestand eben darin, den Präsidenten auf dem Weg eines politischen Prozesses zu enthaupten. Auf der anderen Seite muss man natürlich einräumen, dass Lugo die Agrarreform nur halbherzig anging. Das Volk, die Bauernschaft wirkten immer heftiger auf ihn ein, doch Lugo traute sich nicht, die Agrarreform umzusetzen.

Viele lateinamerikanische Staaten, darunter Brasilien und Argentinien, erkennen die Absetzung Lugos und die Benenung Francos als Nachfolger nicht an. Meinen Sie, dass Colorados und Liberale, die die Absetzung unterstützen, ihre Haltung überdenken könnten angesichts des internationalen Drucks?

Auf keinen Fall. Hier geht es um politisches Taktieren. Franco war doch der Vizepräsident der Opposition. Er wird gar nichts überdenken, und noch weniger die Liberalen, die nach vielen Jahren wieder einen der ihren im Präsidentenamt sehen wollen. Als Sieger dürften die Colorados vom Feld gehen, die voraussichtlich bei den nächsten Wahlen im April 2013 die Macht erhalten. Es vollzog sich nun lediglich vorzeitig das, was wir befürchtet hatten. Denn die Colorados befanden sich 60 Jahre lang ununterbrochen an der Macht. Lugos Wahl beendete diesen scheinbaren Dauerzustand.

2013 aber werden die Colorados mit ziemlicher Sicherheit zurückkehren, das kann man schon jetzt sagen. Getragen von den traditionellen AnhängerInnen und mit den Stimmen, die es gelingt zu kaufen, werden die Colorados alles tun, um die vor vier Jahren verloren gegangene Macht wiederzuerringen.

Wie lässt sich am besten internationale Solidarität mit den breiten Schichten des paraguayischen Volkes üben? Was erhoffen Sie sich von der Zivilgesellschaft der ganzen Welt?

Dass sie informieren! Dass sie erklären, was in meinem Land geschah. Dass alle Details genannt werden, wie die Absetzung Lugos bereits vor dem Prozess beschlossene Sache war. Dass alles ein Zirkus war, reines Theater. Und die Menschen sollen wissen, dass die VerliererInnen in Paraguay jene sind, die von den sozialen Errungenschaften profitierten, die wir der Regierung Lugo verdanken. Droht Paraguay nun eine strategische Unregierbarkeit? Zunächst einmal gilt es etwas Entscheidendes festzustellen: den USA sind Hugo Chávez und die anderen politischen AnführerInnen, die heute in Lateinamerika fortschrittliche Positionen vertreten, ein Dorn im Auge.

Brasilien könnte als Bremse wirken, vorausgesetzt, es bleibt so, wie es jetzt ist. Aber wir dürfen auch nicht vergessen, dass Brasilien ein Imperium mit eigenen Interessen war und ist. Ich rede nicht vom brasilianischen Volk, von den Bauern und Bäuerinnen, von den Landlosen. Sondern von der Außenpolitik dieses Landes, die perfekt funktioniert und nach Expansion strebt…

Was ist das Wichtigste, das Paraguay mit der Absetzung Lugos verliert?

Es handelt sich um einen sehr schweren Schlag gegen den Prozess, der gerade im Volk entstanden war, um dessen Lebensbedingungen zu verbessern, das alltägliche Leben. Viele dieser Menschen leben in extremster Armut.

Zum Schluss die Frage: Wie bewerten Sie die fast vierjährige Präsidentschaft von Fernando Lugo?

Er hatte sehr gute Absichten, seine Regierung war allerdings ziemlich ineffizient und Lugos Amtsführung sehr naiv.

(Interview: Sergio Ferrari)

Dieser Artikel ist erschienen in Poonal Nr. 1001 “

 

(Quelle: poonal.)

Siehe auch:

Paraguay: draft law on professional soldiers

Global: Club der Gürtelträger

Donnerstag, Juni 28th, 2012

“Euro-Krise bringt armen Ländern starke Verluste

Geschrieben von: Redaktion

Freitag, den 22. Juni 2012 um 11:12 Uhr

London. – Die Krise in der Euro-Zone verursacht in den Entwicklungsländern einen starken Rückgang bei Exporten, Investitionen, Rücküberweisungen von Migranten und bei der Entwicklungshilfe. Experten des britischen Overseas Development Institute (ODI) haben errechnet, dass sich die daraus resultierenden Verluste in den Jahren 2012 und 2013 auf insgesamt 238 Milliarden US-Dollar belaufen könnten. Dies könnte das Wirtschaftswachstum in den Ländern des Südens um durchschnittlich 0,5 Prozent senken.

Besonders anfällig für Auswirkungen der Krise in der Eurozone sind nach Angaben des ODI die Länder Mosambik, Kenia, Niger, Kamerun, die Kapverden und Paraguay. Die EU ist nach wie vor der größte Exportmarkt für ärmere Länder. Die meisten Importe der Entwicklungsländer kommen hingegen aus den “BRIC-Staaten” Brasilien, Russland, Indien und China.

Die ODI-Untersuchung nennt hinsichtlich der Abhängigkeit vielen Entwicklungsländer von der EU einige Beispiele. So gehen mehr als die Hälfte aller Exporte Marokkos, Mosambiks und Kameruns in europäische Länder. Die Kapverden exportieren sogar 90 Prozent ihrer Güter in die EU. 17 Prozent des Bruttoinlandsprodukts der Elfenbeinküste wird mit Exporten in die EU erwirtschaftet. Und Tadschikistans Bruttoinlandsprodukt hängt zu 40 Prozent von den Geldüberweisungen ab, die in der EU lebende Tadschiken nach Hause senden.

www.odi.org.uk

 

(Quelle: entwicklungspolitik online)

Lateinamerika: Unberührbare?

Freitag, Dezember 16th, 2011

“Militär schweigt nach wie vor zum „Plan Cóndor“

Donnerstag, den 15. Dezember 2011

von Vicky Pelaez

dictadura militar. Foto: arteyfotografia.com.ar(Fortaleza, 05. Dezember 2011, adital).- In der blutigen Epoche der Militärdiktaturen, die Lateinamerika in den 1970er und 1980er Jahren beherrschten, wurde das größte internationale terroristische Netzwerk des 20. Jahrhunderts geschaffen. Schon sein Name „Plan Cóndor“ (Operation Condor) ließ die exilierten und verfolgten BrasilianerInnen, ArgentinierInnen, ChilenInnen, UruguayerInnen, ParaguayerInnen und BolivianerInnen vor Schreck erzittern.

Eine blutige Hand wusch die andere

Der Plan, der nach seiner Entdeckung die Welt aufrüttelte, beruhte auf einem Abkommen, das die Regierungen von Chile, Brasilien, Argentinien, Paraguay, Uruguay, Bolivien und Peru 1975 unterzeichneten, um die politische Unterdrückung zu organisieren. Er bestand im Austausch von Informationen über die DissidentInnen aus jedem einzelnen dieser Länder, um sie in der Folge zu verschleppen, sich gegenseitig zu überstellen, verschwinden zu lassen, sie in ihr Heimatland zurückzubringen oder vor Ort zu ermorden. Während die Verantwortlichen für diese Straftaten in Argentinien und Chile inzwischen verurteilt werden, erreicht der lange Arm der Justiz in diesen Tagen auch Brasilien.

Verfolgte der Diktatur wurden in der Demokratie Präsidenten

Die Urheber der Staatsstreichs in Brasilien im Jahr 1964, General Mariscal Humberto Castello Branco und die Generäle Arthur da Costa Silva, Emilio Garastazú Médici Ernesto Geisel und Joao Baptista Figueiredo, die das Land bis 1985 auf der Grundlage von Terror regierten, hätten sich niemals vorstellen können, dass ihnen das Rad der Geschichte eines Tages einen Streich spielen würde und von ihnen Verfolgte einmal Präsidenten Brasiliens werden sollten.

Doch genau so kam es. 1995 wurde Dr. Enrique Cardoso, der von der Militärjunta aus dem Land vertrieben worden war, zum Präsidenten gewählt. Ihm folgte 2003 mit Luis Inácio Lula da Silva ein ehemaliger Gefangener der Diktatur aus der Führung der Arbeiterpartei. Anfang dieses Jahres schließlich wurde Dilma Vana Rousseff zur ersten Präsidentin Brasiliens gewählt, auch sie hatte als seinerzeitige Guerillera unter den Militärs in Haft gesessen und war gefoltert worden.

Militär gewährte sich selbst Amnestie

Häufig bedeutet die Rückkehr zur Demokratie nicht die sofortige Anwendung der Justiz für die von der Diktatur begangenen Verbrechen. Bevor die brasilianischen Militärs die Macht aufgaben, erließen sie noch das Amnestiegesetz, das sie von jeder Verantwortlichkeit für die Repression der Jahre 1964 bis 1985 befreite – insbesondere für ihre Teilnahme am „Plan Cóndor“.

Brasilien, unbekannter Schauplatz des Kalten Krieges

Im Kontext des Kalten Krieges zwischen den USA und der Sowjetunion nahm Brasilien einen besonderen Platz ein. Es handelte sich um eines der wenigen Länder, das diplomatische Beziehungen mit der Sowjetunion unterhielt, welche die Auffassung vertrat, dass lediglich Kuba und das Brasilien des Präsidenten João Goulart (1961 bis 1964) „fortschrittliche“ Länder in Lateinamerika seien. Dies provozierte Washington. Nach dem Staatsstreich von 1964 kühlten die Beziehungen zur Sowjetunion sich auch bis in die 1970er Jahre ab. Viele brasilianische KommunistInnen, darunter der Generalsekretär der KP, Luís Carlos Prestes, gingen ins Exil nach Moskau.

Dennoch kam es ab 1975 – genau zu dem Zeitpunkt, als der repressive „Condor“ über Lateinamerika zu fliegen begann – zu einer pragmatischen, strikt auf den Handel begrenzten Annäherung der beiden Staaten. Brasilien begann, wirtschaftliche Unabhängigkeit von den USA zu suchen, während die Sowjetunion nach neuen Märkten Ausschau hielt, ebenso wie nach Weizen-Lieferanten, bestand doch eine US-Blockade. Aufgrund wirtschaftlicher Interessen wurden die ideologischen zurückgestellt, was soweit führte, dass das ZK der KPdSU die Augen schloss vor der Verfolgung ihrer brasilianischen GenossInnen.

Condor schlüpfte in brasilianischem Nest

Nur sehr wenige wissen, dass Brasilien der Wegbereiter jenes unheilvollen Plan Cóndor war, der allerdings zu diesem Zeitpunkt noch nicht diesen Namen trug. Brasilien begann ihn bereits ab 1964 anzuwenden und zu perfektionieren. Obwohl inzwischen so viele Jahre vergangen sind und es zahlreiche politische Veränderungen gegeben hat, haben es die brasilianischen Militärs doch stets verstanden, die Verbrechen der Diktatur zu verschleiern oder aber sie zu rechtfertigen. Statistiken wurden gelöscht oder verborgen, und sowohl die Unterdrücker als auch die Institution Militär wurden als Ganzes vor dem Damoklesschwert der Justiz geschützt.

Der Einfluss der Streitkräfte ist in Brasilien bis zum heutigen Tag so groß, dass es nicht einen einzigen Verurteilten wegen Menschenrechtsverletzungen während der Jahre 1964 bis 1985 gegeben hat. Wenig ist bekannt, aber über 600 Menschen sollen ermordet worden sein, etwa 150 verschwanden, mehr als 50.000 wurden verhaftet, es gab 2.000 Gefolterte und etwa 10.000 BrasilianerInnen gingen ins Exil. Die wahren Zahlen der Opfer müssen allerdings deutlich höher sein, doch die Militärs weigern sich, ihre Archive zu öffnen, sofern sie diese nicht ohnehin zerstört haben.

Wahrheitskommission erstellt Bericht

Ihre Macht ist in der Tat auch im demokratischen Brasilien so groß, dass Lula es während seiner Präsidentschaft (2003 – 2011) ebenso wenig wagte, eine Wahrheitskommission einzurichten, wie es in der Mehrzahl der lateinamerikanischen Länder der Fall war. Vor wenigen Wochen hat Präsidentin Dilma Rousseff, nach viel Unschlüssigkeit und unter Druck der Arbeiterpartei, der sie angehört, es gewagt, das Gesetz über die Wahrheitskommission zu unterzeichnen. Dieses setzt den sieben Mitgliedern eine Frist von zwei Jahren, um einen Bericht über die Menschenrechtsverletzungen in Brasilien während der Diktatur fertigzustellen. Rousseff unterzeichnete ebenfalls das Gesetz über Zugang zu Informationen, das eine Grenze von 50 Jahren zieht, nach der die Geheimarchive geöffnet werden müssen. Das bedeutet, dass die abschließende Wahrheit erst im Jahr 2035 bekannt sein würde. Unterdessen bleibt das 1979 für die Militärs erlassene Amnestiegesetz in Kraft. Es schützt sie vor der Verfolgung aller Menschenrechtsverletzungen im Zeitraum 1946 bis 1988.

Die Militärs wollen nicht, dass die öffentliche Meinung erfährt, dass sie 1964 Anweisungen von US-Präsident Lyndon B. Johnson erhielten, Präsident João Goulart von der Macht zu entfernen, da er gewiss mit der Sowjetunion sympathisiert habe.

Brasilien als Statthalter der USA auserkoren

Der US-Militärattaché Oberst Vernon Walters – einer der finstersten und zugleich intelligentesten Männer des CIA – arbeitete den Plan für den Staatsstreich aus und wählte den General Humberto Castello Branco als dessen Anführer. Walters verführte ihn mit der Idee, dass Brasilien sich in den rechten Arm der USA in Lateinamerika verwandeln würde. Aus dem „rechten Arm“ wurde nichts, Brasilien wurde einfach in ein Labor der Unterdrückung verwandelt, in dem der „Plan Cóndor“ zu einer ersten vorzeitigen Aufführung kam.

Um die Brasilianer in den Folter-Techniken zu trainieren wurde der berüchtigte FBI-Agent Daniel Mitrione entsandt, den die CIA anwarb, da sie ihn für den Folter-Spezialisten par excellence hielt. In Brasilien schuf er sein Labor für die künftigen lateinamerikanischen Folterer, hier erfand er seinen berühmten „Drachen-Stuhl“. Für seine Experimente benutzte Mitrione Bettler aus Belo Horizonte. Später kam noch die Hilfe des französischen Generals Paul Aussaresses hinzu, der seine perfide Kunst im Algerien-Krieg perfektioniert hatte.

In Argentinien gingen brasilianische Schergen ein und aus

Bereits seit dem Jahr 1964 liefen brasilianische Agenten in Argentinien umher, als ob es sich um ihr eigenes Haus handele. Sie verschleppten Oppositionelle der Diktatur des Nachbarlandes. US-Außenminister Henry Kissinger und Vernon Walters entschieden sich 1975 dazu, ihre Erfahrung bei der Verfolgung von DissidentInnen in anderen Ländern für die Schaffung jener Internationale des Terrors zu nutzen, die den Namen „Plan Cóndor“ trug.

Es darf nicht vergessen werden, das bereits sehr viel früher brasilianische Agenten und „Diplomaten“ in Argentinien, Uruguay, Paraguay, Chile und Bolivien an der Arbeit waren, unter dem Vorwand des Kampfes gegen den Kommunismus, der keine Grenzen kenne und künftige Umstürze in ganz Lateinamerika vorbereite.

Bis zum heutigen Tag fahren die brasilianischen Streitkräfte damit fort, die Geschichte zu verschleiern, die Unterdrücker aus ihren Reihen zu schützen und ein großes Vergessen zu erreichen. Nur eine Frage kommt auf: Die Gefolterten – werden sie vergessen und verzeihen können, genauso wie die Angehörigen der Verschwundenen und der Ermordeten?”

 

(Quelle: poonal.)

Siehe auch:

Operation Condor

Global: Vegetarisch ist nachhaltiger

Montag, Mai 9th, 2011

“Masse statt Klasse”

Fleischkonsum und seine Folgen

Von Carolin Callenius

“Der weltweite Fleischkonsum nimmt weiterhin zu. Besonders in den Entwicklungsund Schwellenländern ist ein starkes Wachstum zu verzeichnen. Für diesen hohen Fleischverbrauch braucht es große Mengen an Futtermitteln, die überwiegend in den Ländern des Südens produziert werden. Die Folgen könnten verheerender nicht sein: Zerstörung von Wäldern und Umwelt, Landund Wasserknappheit und erhöhte Nahrungsmittelpreise. Die EU-Agrarund Handelspolitik hat diese Entwicklung aktiv mit gefördert. Statt eine nachhaltige Tierproduktion zu fördern, hat sie auf “Masse statt Klasse” gesetzt. Die GAP-Reform könnte hier jetzt umsteuern.

Seelenruhig fliegt die kleine Cessna einige hundert Meter über die weiten Flächen des Gran Chaco. Plötzlich erscheinen lodernde Flammen am Horizont, welche bei näherem Hinsehen bereits eine große verbrannte Mondlandschaft hinterlassen haben. In dem kleinen Flugzeug sitzen eine Mitarbeiterin von “Brot für die Welt”, ein Fotograf und die Koordinatorin der Partnerorganisation Asociana. Diese Nichtregierungsorganisation setzt sich für die traditionellen Rechte der Wichi-Indianer ein und kämpft mit ihnen gegen ihre Vertreibung. Ziel des Flugs ist es, den jüngsten Landraub zu dokumentieren.

Denn das illegale Brandroden ist kaum zu stoppen. Der Gran Chaco ist einer der artenreichsten Lebensräume dieser Erde. Im Länderdreieck von Bolivien, Paraguay und Argentinien umspannt es ein Gebiet, das ungefähr fünf Mal so groß ist wie Deutschland. Um den Hunger der westlichen Industrieländer nach Fleisch und Diesel zu decken, sind auf den ehemaligen Waldflächen Monokulturen entstanden. Der größte Anteil dieser Fläche entfällt dabei auf Soja.

Der Sojaanbau in Argentinien ist ein neuzeitliches Phänomen. Vor dreißig Jahren beschränkte sich der Anbau noch auf rund zwei Millionen Hektar, während er im Jahr 2006/07 das achtfache: 16 Millionen Hektar betrug. Das ist die Hälfte der landwirtschaftlichen Nutzfläche Argentiniens[1]. Ein Großteil des Sojas wird nach Europa exportiert. Ungefähr zwei Drittel des in Deutschland verbrauchten Sojas kommt aus Argentinien und Brasilien[2].

Futtermittelanbau zerstört Regenwälder

Dass unsere Kühe heute am argentinischen “La Plata” weiden und der Sojaanbau wertvolle Ökogebiete zerstört, steht in jedem Schulbuch. Dem Weltklimarat zufolge ist bereits ein Fünftel des Amazonasregenwaldes zerstört, überwiegend aufgrund der Tierhaltung. Das Muster des Raubbaus ist meist dasselbe: zuerst wird das wertvolle Holz geplündert, dann werden Weiden für die Rinderhaltung angelegt, oder es lassen sich Kleinbauernfamilien nieder. Anschließend wird auf den abgeholzten Flächen und auf dem Weideland Soja angebaut. Der Gewinnung von neuem Weideland folgt oft die Abholzung in anderen Gebieten.

Nicht selten hat der fortschreitende industrielle Ackerbau Landverteilungskonflikte zwischen großen Plantagenbetreibern, nicht selten große Multinationale Konzerne, und der ländlichen und indigenen Bevölkerung zur Folge. Im Jahr 2007 wurden nach Schätzungen durch die Ausbreitung der Sojaproduktion in Brasilien 300.000 Menschen in Rio Grande do Sul sowie 2,5 Millionen in Paraná von ihrem Land vertrieben. In Argentinien verloren etwa 150.000 Familien ihren Lebensraum, in Paraguay 90.000 Familien[3]. Der Zugang zu Land ist existenziell für die ländliche Bevölkerung und Grundlage ihrer Ernährungssicherung. In keinem Fall darf ein Volk seiner Existenzmittel beraubt werden, so ist das Menschenrecht im UN-Menschenrechtsabkommen über die wirtschaftlichen, sozialen und kulturellen Rechte festgehalten.

Import von Lebensgrundlagen nach Europa

De facto aber importiert Europa mit den Futtermitteln eine große Menge dieser Existenzgrundlage. Virtuelles Land zum Beispiel. Das ist Land, das benötigt wird, um die Produkte anzubauen, die die EU importiert. Insgesamt ist die EU Nettoimporteur von fast 35 Millionen Hektar – ein Großteil davon geht auf die Rechnung der Futtermittel[4]. Mit der Tierhaltung und der Fleischerzeugung verbrauchen wir aber auch eine große Menge Wasser. Ein Kilogramm Rindfleisch braucht in der Erzeugung 16.000 Liter Wasser. Auf das Konto der Tierhaltung gehen über acht Prozent des globalen menschlichen Wasserverbrauchs, vor allem für die Bewässerung von Flächen für den Futtermittelanbau. Die Tierhaltung ist gleichzeitig auch einer der größten Quellen der Wasserverschmutzung: mit einem erheblichen Beitrag zur Eutrophierung (Überdüngung), zu “toten” Zonen in Küstengebieten und zur Zerstörung von Korallenriffen. Das sind Kosten, die sich nicht in den Marktpreisen widerspiegeln, sondern für die Allgemeinheit anfallen, oder der nächsten Generation aufgebürdet werden.

Fleischkonsum wächst weltweit

Die Probleme wachsen in dem Ausmaß, wie auch der Fleischkonsum wächst. Der weltweite Verbrauch von Fleisch ist von 1961 bis heute von 71 Mio. auf 284 Mio. Tonnen gestiegen.

Bis 2050 soll er sich nochmals verdoppeln. Zwar stagniert in den Industriestaaten der Fleischkonsum. Doch das Niveau ist hoch. In Deutschland liegt der jährliche Pro-Kopf-Verzehr bei 88,5 Kilogramm Fleisch. Einen starken Zuwachs gibt es hingegen in den Entwicklungs- und Schwellenländern. Dabei hatte sich der Konsum in den Schwellenländern bereits zwischen 1980 und 2002 von 14 kg auf 28 kg/ Person und Jahr verdoppelt. Eine wachsende Mittelschicht kann sich den Fleischkonsum leisten, der für sie zum guten Leben dazugehört.

Teller oder Trog?

Wenn eine kaufkräftige Mittelschicht immer mehr Produkte wie Fleisch verzehren will, müssen die Ärmsten den Gürtel noch enger schnallen. Denn die tierische Veredlung findet unter großen Energieverlusten stattfindet. Die Umwandlungsrate von pflanzlichen in tierische Kalorien pro Kilogramm schwankt zwischen 2:1 bei Geflügel, 4:1 bei Schweinen und 7:1 bei Rindern. Dies ist insbesondere dann kritisch, wenn es sich nicht um Grünland handelt, sondern um Getreide und Hülsenfrüchte, die auch der menschlichen Ernährung dienen könnten.

Das Umweltprogramm der Vereinten Nationen stellte fest, dass, wenn wir den Fleischkonsum in den reichen Ländern reduzieren und ihn weltweit bis 2050 auf einem Pro-KopfVerbrauch auf dem Niveau von 2000 festschreiben – also auf jährliche 37,4 kg/Kopf – dann könnten ungefähr 400 Millionen Tonnen Getreide für die menschliche Ernährung freigesetzt werden. Das ist genug, um zusätzlich 1,2 Milliarden Menschen mit ausreichend Kalorien zu versorgen.[5]

Die steigende Nachfrage nach höherwertigen Nahrungsmitteln führt nicht nur zu steigenden Preisen für Fleischund Milchprodukte, sondern lässt ebenfalls die Preise für Futtermittel und Getreide steigen[6]. So sind im Januar 2011 die Nahrungsmittelpreise auf einem Höchststand wie 2008[7]. Eine Reihe von Faktoren ist dafür verantwortlich, darunter zunehmend auch die Konkurrenz um Landnutzung für den Anbau von Futtermitteln oder Agrartreibstoffen. Innerhalb der nächsten zehn Jahre erwarten OECD und FAO einen Anstieg der Preise für Getreide zwischen 15 und 40 Prozent und für Pflanzenöl um mehr als 40 Prozent gegenüber dem durchschnittlichen Preisniveau, das zwischen 1997 und 2006 erreicht wurde[8].

Dies bedeutet eine weitere Verknappung der Nahrungsmittelverfügbarkeit, unter der besonders die Ärmsten stark leiden. Während in den nördlichen Industrieländern nur 1015 Prozent des Einkommens für Nahrungsmittel ausgegeben werden, und steigende Futtermittelpreise kaum auf den Fleischkonsum durchschlagen, ist bei den Ärmsten, die 50-80 Prozent ihres Einkommens für Lebensmittel ausgeben, direkt die Ernährungssicherheit in Gefahr.

Für eine Politik der Nachhaltigkeit

Bisher hat die EU Agrarpolitik die tierhaltende Agrarindustrie unterstützt, statt nachhaltige Wege zu beschreiten. Damit hat sich der Strukturwandel in der Landwirtschaft hin zu immer größeren Höfen fortgesetzt. Während bäuerliche Tierhalter mit kleinen Beständen nur geringe Fördermittel erhalten und dem Wettbewerbsdruck immer weniger gewachsen sind, wurden die Großbetriebe, die ihre Bestände weiter ausdehnten und die Effizienz von Haltung und Fütterung ausbauten, gefördert. So geht das Gros der EU-Agrarmittel an Großbetriebe wie beispielsweise satte drei Millionen Euro an Deutschlands größten Rinderzüchter Osterhuber Agrar, oder an Doux, den größten Produzenten und Verarbeiter von Geflügelfleisch in Europa. Billig zu produzieren war auch sehr im Interesse der Exportorientierung der EU-Agrarhandelspolitik.

Die Tierhaltung in Europa (besonders die Schweineund Geflügelproduktion) stützt sich auf die proteinreichen Futtermittelimporte. Nur 35 Prozent der eiweißreichen Futtermittel stammen aus Europa selbst, der Rest wird importiert. Grund dafür ist, dass diese Importe weitgehend zollfrei eingeführt werden dürfen, so festgelegt im GATTund Blair-House-Abkommen[9]

Dieser Wettbewerbsnachteil muss korrigiert und die bisherige Eigenerzeugung von europäischem Eiweißfutters, wie z.B. Ackerbohnen, Ackererbsen oder Lupinen gefördert werden. Verschiedene Instrumente könnten hier dienlich sein, vom Außenschutz, der gezielten Förderung des Eiweißpflanzenanbaus bis hin zur Forschung. Im weiteren Kontext hat die Europäische Union mit der anstehenden Reform der Gemeinsamen Agrarpolitik die Chance, die Weichen auf mehr Nachhaltigkeit umzustellen. Eine Fruchtfolge mit einem höheren Leguminosenanteil ist hier ebenso von Bedeutung wie die Anpassung der Tierhaltung an die lokalen Gegebenheiten. Es braucht eine konsequente Bindung der Tierhaltung an die Fläche, sowie Bestandsobergrenzen. Die Rahmenbedingungen dafür müssen so gestaltet werden, dass soziale und ökologische Leistungen der Tierhaltung gefördert werden, und eine weitere Intensivierung verhindert wird.

Weniger – anders – besser

Billigfleisch wird auf Kosten der Umwelt und der Ernährungssicherung von Menschen in Entwicklungsländern produziert. Immer mehr Verbraucher und Verbraucherinnen wissen das, und der Anteil jener, die grundsätzlich ethisch verantwortlich konsumieren wollen, wächst. Beim Fleischkonsum heißt das zunächst, den eigenen Verbrauch zu reduzieren. Die Einführung eines oder mehrerer fleischfreier Tage pro Woche ist auch besser für die Gesundheit. Wer weniger Fleisch isst, kann sich dann ein besseres – meist teureres – Stück Fleisch aus artgerechter Tierhaltung leisten. Dabei wird mit hohem Grundfutteranteil und einheimischen Futtermitteln gemästet, und die Produkte schmecken auch meist besser.

Die Autorin ist bei Brot für die Welt in der Abteilung Politik und Kampagnen zuständig für die Kampagne für Ernährungssicherheit “niemand isst für sich allein”.

Anmerkungen

[1] Proplanta (2008): Knappes Sojaschrot bleibt teuer.

[2] Schuler C. (2007): Für Fleisch nicht die Bohne! Futter Agrotreibstoff – Flächenkonkurrenz im Doppelpack.Studie zum Sojaanbau für die Erzeugung von Fleisch und Milch und für den Agrokraftstoffeinsatz in Deutschland 2007. Erstellt im Auftrag des BUND.

[3] Grain (2009): Twelve years of GM soya in Argentina a disaster for people and the environment.

[4] Sören Steger (2005): Der Flächenrucksack des europäischen Außenhandels mit Agrarprodukten, Wuppertal Institut

[5] UNEP Hg.(2009)The environmental foodcrisis: the environment’s role in averting future.

[6] FAO (2006): Lifestock’s long shadow. Environmental issues and options.

[7] FAO (2011): FAO Food Price Index.

[8] OECD-FAO (2010): Agricultural Outlook 2010-2019

[9] APRODEV (2010): CAP Lobby brief Nr. 4 EU imports of soy for animal feed.”

 

(Quelle: Forum Umwelt und Entwicklung.)

Hinweis:

Dieser Artikel entstammt dem aktuellen “Rundbrief” des Forum’ Umwelt und Entwicklung, den sie in unserer Bücherei entleihen können.

Paraguay: Tödliches Soja

Montag, Mai 2nd, 2011

“GM soy: The invisible ingredient ‘poisoning’ children

The home of Petrona Villasboa is surrounded by genetically modified (GM) soy fields. The golden crop looks like a bumper harvest but for her it is a symbol of death.

By Louise Gray, Environment Correspondent

‘Soy destroys people’s lives,’ she says. ‘It is a poison. It is no way to live. Soy is deadly to us’.

Sitting outside her painted green shack in rural Paraguay, the mother of eight describes the day in January 2003 when her 11-year-old son Silvino Talavera came home from cycling to the shops.

‘I was washing clothes down by the river and he came to tell me he had been sprayed by one of the mosquitoes (the spraying machines behind a tractor),’ she says.

‘He smelt so bad that he took his clothes off and jumped straight in the water.’

The busy mum did not think much more about it. For people living around GM soy fields spraying with chemicals is a common occurrence.

But later that day the whole family was ill after eating the food Silvino had brought from the shops.
Petrona rushed her youngest to hospital and by the time she was back the usually healthy child was in bed rigid with pain.

Now in a blind panic, she begged local farmers to take her to hospital.

‘He was violently sick, he said mummy, my bones ache, his skin went black,’ she says.

By the time they arrived in the city Silvino was paralysed, all the doctors could do was administer pain killers, while his mother wiped the foam from his mouth. In a few hours he was dead.

To the family it was clear this horrific death was caused by chemical intoxication but in their grief no autopsy was ever carried out. It was only after years of campaigning that Petrona managed to get the case to court. Eventually two local farmers were convicted of causing the death, though it is unclear whether they have ever been sent to prison.

Like many court cases in Paraguay there are serious unanswered questions. But Petrona is sure of one thing, that her son’s death was caused by GM soy and we should listen to her because we are eating it.

Daily Telegraph investigations have found that every single supermarket in Britain stocks meat and dairy from animals fed GM soy. Leading brands including Cadbury, Unilever and Dairycrest, also use products from livestock fed GM.

In fact the new technology is so widespread that it is likely at least one item of food you eat today will have come from an animal fed GM soy, whether it was the milk on your cereal or the bacon in your sandwich.
But what effect is our growing reliance on soy having on the countries supplying Britain with this ‘invisible ingredient’?

Paraguay, a landlocked country in the heart of South America, is on the front line of the new craze for growing ‘green gold’.

In many ways it is the perfect place to grow unsustainable soy. Ruled by despotic dictators for centuries, the country is famous for being a hot bed of drug smugglers, Nazi war criminals and even al-Qaeda. Even now, with a new democratically government in place, corruption is rife and regulations to protect the people are lax to say the least.

In the last year the amount of land planted with soy has grown to a record 2.6 million hectares, most of which is GM, leading to claims of deforestation, violent land disputes and the ‘poisoning’ of local communities.
Already it is estimated that 90 per cent of the Atlantic Rainforest in Paraguay has been lost to make way for crops, taking with it thousands of unique plants species, hundreds of rare birds and endangered animals like the jaguar.

There is evidence that soy production is now moving into the vast ‘Gran Chaco’ in the north of the country, the home of some of the last uncontracted tribes on Earth.

Its not just animals that suffer, the forests were also home to humans. Groups of Guarani people claim they have been driven from their land by the soy farmers. They can be seen camping in pathetic tarpaulin shacks in the town squares or on the road side. ‘Campesinos’, the small farmers who have traditionally worked the land, also claim they have been displaced. Since the first soy boom of 1990 it is estimated 100,000 farmers in Paraguay have been forced to migrate to urban slums. Like the ‘wild west’, as soy production moves into new areas there have been violent clashes between land owners and peasants occupying the land. Many of the ‘invaders’ are from Brazil or the even more alien Mennonites, a religious sect from Germany. Amnesty International say fights over land has led to several deaths, thousands of arrests and hundreds of injuries. It is now common to see armed guards protecting the soy fields 24 hours a day.

Those peasants who have clung to their land claim, like Petrona, that they are being ‘poisoned’ by the ‘mosquitoes’. Most of the crop in Paraguay is GM and requires spraying with agrochemicals. Just as in the UK, farmers are expected to follow certain regulations when spraying fields such as leaving a space between homes or school playgrounds. ‘Live’ barriers of trees should be planted to protect communities and spraying is not allowed in strong winds or hot conditions.

However growing evidence of contamination, poisonings and even deaths suggest the rules are not being followed.
Farmers are also reported to be using compounds that are outlawed in Europe such as the 2,4-D or combinations of chemicals that could be dangerous.

Dr Stela Benítez, a paediatrician at Asuncion University, carried out a study in 2006 summarised in a respected American paediatrics journal, that found women living within 1km of sprayed fields were twice as likely to have a child with deformities.

She is quite certain that there is a risk and the regulations should be applied when spraying close to people’s homes, after all there are rules in Europe, so why not protect people in poorer countries?

‘I am worried about a lack of control in an industry that does not apply the principle of protection over all our children,’ she says.

The flouting of the law seems to be the main problem in a tour of Paraguay with Friends of the Earth to meet some of the victims of pesticides spraying.

The most recent case happened this January in the rolling hills of Colonia Yeruti, where a few families plant maize amid the growing fields of soy. Isabella Portillo, 26, describes how both her husband Reuben Caceras, 28, and her 2-year-old son Diego became sick after the fields were sprayed with a heavy dose of chemicals. The baby survived but she says her husband died of ‘intoxication’ a few days later. ‘It is hard without him,’ she says. ‘I feel completely alone.’

In Itakyru a whole community was affected when poisons ‘rained from the sky’ and Guarani women and children were rushed to hospital. The chief says Giralda Gauto Vera, 18, and her daughter Giseli, 18 months, were in hospital for four days after the planes came. Later the authorities confirm that aerial spraying should not even be allowed in an area dotted with the dwellings of indigenous people.

Dr Angie Duarte, who has treated dozens of patients at the public hospital in Curuguaty for what she believes is ‘intoxication’, admits that many of the worse affected communities are already suffering from malnutrition, immune deficiency and perhaps even using dangerous chemicals themselves on crops.

But isn’t that all the more reason to ensure they are protected?

‘How much is it costing to get this so wrong?’ she asks. ‘I fear this will become a problem for the future because more people are getting sick and it impacts on health system. It is in everyone’s interests to act.’

Soy has certainly been in Paraguay’s economic interest over the last year, driving unprecedented growth of 14.5 per cent, ahead of even China.

Sweeping his hand across the shimmering fields, Breno Batista Bianchi is confident that it is soy farmers like him that the country has to thank.

Using new machinery and GM, he is reporting record yields while using less pesticides and water
Of course there are some problems with ‘super weeds’, that build up resistance to chemicals, and outbreaks of disease, but these can easily be solved.

‘They will invent new seeds, new chemicals,’ he says.

But this blind faith in progress is not shared by everyone.

Paraguay might be providing the soil, water and labour but a tiny percentage of the population see the profits. Soy is not even taxed and most of it leaves South America labelled as ‘Brazilian’ as shipments are mixed in together at the sea ports.

Oskar Rivas, the Environment Minister in a new socialist government, says the growth of soy must not be at the expense of the people.

‘It is false development. Who foots the bill? The countryside, the people and the ecosystems and who keeps the profit? The corporations.’

Sr Rivas said it is up to the British consumer to demand change.

While he accepts it is too late to stop GM being grown in Paraguay, he insists more non-GM could be grown, just as in Brazil where whole states have insisted on a more sustainable system, or at least a more sustainable crop.
‘You have the right to demand cheap milk and meat but you also have the right to demand milk and meat from environmentally sound sources,’ he adds.

New initiatives such as the Round Table on Responsible Soy (RTRS), backed by WWF, hope to encourage this sort of production by producing a new label for soy, including GM soy, produced in a sustainable way. Already it has been taken up by major supermarkets in the UK including Waitrose, Asda, M&S and Sainsbury’s although many environmental groups are against a scheme that endorses GM.

Sitting in his new office complex, that is currently been dug up to make an organic garden, Sr Rivas sketches out his vision for a country that uses some of the best growing conditions in the world to produce healthy sustainable food.

Already Friends of the Earth International are working with local charity Sobrevivencia to teach communities environmental law so they can fight back when communities are sprayed and organic farming techniques so they can make their own food.

‘At the moment we all lose out,’ says the minister. ‘With a different structural process we could all win.’”

 

(Quelle: The Telegraph.)

Siehe auch:

Open Letter: Growing Opposition to Round Table on Responsible Soy