Posts Tagged ‘Siedlungspolitik’

Israel / Palästina: Demokratie am Scheideweg?

Donnerstag, Juli 31st, 2014

Interview mit Professor Ilan Pappe auf Democracy Now am 28.07.2014

Quelle:
http://www.democracynow.org/2014/7/28/professor_ilan_pappe_israel_has_chosen
Übersetzung:
Anis Hamadeh 29.07.14

Während die Zahl der toten Palästinenser in Gaza die 1000 überschritten hat, ist uns aus Haifa der israelische Professor und Historiker Ilan Pappé zugeschaltet. “Ich glaube, dass Israel 2014 die Entscheidung gefällt hat, dass es lieber ein rassistischer Apartheidstaat ist und keine Demokratie”, sagt Pappé. “Es hofft immer noch, dass die USA diese Entscheidung genehmigen und sie mit Immunität versehen, um so fortzufahren, mit den zwangsläufigen Folgen einer solchen Politik für die Palästinenser, wo sie auch sind.” Pappé, Geschichts-Professor und Direktor des European Centre for Palestine Studies an der Universität Exeter, ist Autor mehrerer Bücher, darunter das aktuelle Werk “The Idea of Israel: A History of Power and Knowledge”.

AMY GOODMAN: Weiter geht es mit unserer Berichterstattung über die Krise in Gaza und wir schalten nach Haifa, Israel, um mit Ilan Pappé zu sprechen, Geschichts-Professor und Direktor des European Centre for Palestine Studies an der Universität Exeter in Großbritannien. Er ist Autor mehrerer Bücher, darunter das aktuelle Werk “The Idea of Israel: A History of Power and Knowledge”, und ist uns jetzt über Democracy-Now!-Videostream aus Haifa zugeschaltet. Willkommen bei Democracy Now!, Professor Pappé. Derzeit sind über tausend Palästinenser getötet worden, sowie ich glaube, die Zahl ist 45 israelische Soldaten, und drei Zivilisten wurden in Israel getötet. Können Sie über die letzten Waffenstillstandsverhandlungen sprechen und darüber, was Ihrer Ansicht nach geschehen muss?

ILAN PAPPÉ: Ich freue mich, in Ihrer Sendung zu sein, Amy. An Ort und Stelle gibt es keine Anzeichen für einen Waffenstillstand. Derzeit gibt es sozusagen zwei konkurrierende Initiativen: die ägyptisch-israelische Initiative, die im Grunde der Hamas eine Rückkehr zum Status Quo diktieren will, und die im Grunde alles, für das die Hamas gekämpft hat, an den Rand drängen und ignorieren will. Dann ist da eine seriösere Bemühung, die Außenminister John Kerry versucht hat nach vorn zu bringen, mit Hilfe der Qataris und der Türken, um zu versuchen, wenigstens einige der Punkte zu berücksichtigen, die der derzeitigen Welle von Gewalt zu Grunde liegen. Doch bis jetzt hat keine der beiden Initiativen die Lage vor Ort beeinflusst, abgesehen von einer kleinen Feuerpause in den letzten Stunden im Vergleich zu den letzten zwanzig Tagen.

AMY GOODMAN: Es gab Proteste in Tel Aviv. Wie viele Menschen kamen zu diesen Protesten, auch in Haifa, an diesem Wochenende? Haben Sie an den Protesten in Haifa teilgenommen, Professor Pappé?

ILAN PAPPÉ: Ja, ja, das habe ich. In Haifa waren es ungefähr 700 Menschen, in Tel Aviv 3000. Man muss natürlich dazu sagen, dass eine große Zahl der Demonstranten palästinensische Bürger Israels sind. Die Zahl der israelischen Juden, die mutig genug sind, um rauszugehen und zu demonstrieren, ist also noch geringer als diese Zahlen nahelegen. Außerdem stießen sie auf sehr bösartige Reaktionen von rechten Demonstranten und wurden sehr hart von der Polizei angegangen.

AMY GOODMAN: Was denken Sie ist das wichtigste, das man über diesen Konflikt wissen muss?

ILAN PAPPÉ: Ich denke, das wichtigste ist der historische Kontext. Wenn man der Mainstream-Berichterstattung über die Situation in Gaza zuhört, bekommt man den Eindruck, dass alles mit unvernünftigen Raketenabschüssen auf Israel von der Hamas begonnen hat. Dabei werden zwei elementare geschichtliche Hintergründe ausgelassen. Der ganz unmittelbare geht zurück auf den Juni dieses Jahres, als Israel sich dazu entschieden hat, gewaltsam zu versuchen, die Hamas in der Westbank politisch zu zerstören und die Versuche der palästinensischen Einheitsregierung zu vereiteln, eine internationale Kampagne voranzubringen, um Israel auf der Basis der Maßgaben von Menschenrechten und Bürgerrechten zur Verantwortung zu ziehen. Der tiefere historische Kontext ist die Tatsache, dass der Gazastreifen, beziehungsweise die Menschen im Gazastreifen seit 2005 als Kriminelle eingekerkert sind, und ihr einziges Verbrechen besteht darin, Palästinenser an einem geopolitischen Ort zu sein, von dem Israel nicht weiß, wie es damit umgehen soll. Und als sie demokratisch jemanden gewählt haben, der gelobt hat, gegen diese Ghettoisierung oder diese Belagerung zu kämpfen, reagierte Israel mit voller Stärke. Dieser weitere historische Kontext zeigt, dass es sich um den verzweifelten Versuch handelt, aus dieser Situation, von der Ihr voriger Interview-Partner gesprochen hat, herauszukommen. Um diesen Kontext geht es hier, er ist also lösbar. Die Situation kann gelöst werden, indem man die Belagerung beendet, indem man den Menschen in Gaza zugesteht, mit ihren Brüdern und Schwestern in der Westbank verbunden zu sein, und indem man ihnen erlaubt, mit der Welt verbunden zu sein und nicht unter Umständen zu leben, die niemand sonst in der Welt zu diesem Zeitpunkt zu durchleben scheint.

AMY GOODMAN: Professor Pappé, am Wochenende berichtete der BBC-Korrespondent Jon Donnison darüber, dass Israel zugegeben haben soll, dass die Hamas für die Tötung der drei israelischen Teenager in der Westbank im Juni nicht verantwortlich war. Auf Twitter sagte Donnison, dass der israelische Polizeisprecher Micky Rosenfeld ihm erzählte, dass die Verdächtigen des Mordes an den drei Teenagern zu einer vereinzelten Zelle gehörten, die zwar der Hamas angegliedert ist, aber nicht unter ihrer Führung arbeitet. Was sagt das aus?

ILAN PAPPÉ: Es sagt sehr viel aus, denn das war den Israelis natürlich von dem Moment an bekannt, als sie von dieser Entführung erfuhren und der Ermordung der drei jungen Siedler. Es war sehr deutlich, dass Israel nach einem Vorwand gesucht hat, um eine Militäroperation in Westbank und Gaza zu beginnen und so die Situation in Palästina wiederherzustellen, die während des gescheiterten Friedensprozesses herrschte, mit einer Art von gutem Aufenthaltsort (? “good domicile”) der Westbank und dem Gazastreifen -, um nicht weiter darüber nachdenken zu müssen und die Kolonisierung der Westbank voranbringen zu können, ohne irgendetwas an der Einstellung oder Politik zu ändern. Die Bedrückung in der Westbank, die Frustration, die Wut, besonders im Mai 2014, über die Ermordung fünf junger Palästinenser von der israelischen Armee, hat sich in dieser lokalen Tat entladen, dieser lokalen Initiative, die nichts mit der Stategie der Hamas zu tun hatte, die willens war, Abu Mazen Spielraum zu gewähren, um eine Einheitsregierung zu bilden und die neue Initiative zu probieren: sich an die UNO wenden, an internationale Instanzen, um Israel zur Rechenschaft zu ziehen für mehr als 46 Jahre der Kolonisierung und Besatzung. Der Fall zeigt also deutlich die Verbindung zwischen einem Vorwand und einer Politik und Strategie, die jetzt in Gaza ein solches Blutbad angerichtet hat.

AMY GOODMAN: Schließlich, Professor Pappé: Sie haben jahrelang in Israel als Professor gearbeitet. Sie haben Israel verlassen und lehren jetzt an der Universität Exeter in Großbritannien. Sie sind nach Haifa zurückgekehrt. Sehen Sie eine Veränderung in Ihrem Land?

ILAN PAPPÉ: Ja, leider, eine Veränderung zum Schlechten. Ich denke, Israel steht an einem Scheideweg, aber es hat sich bereits entschieden, in welche Richtung es weitergehen soll. Es stand am Scheideweg, wo es sich schließlich entscheiden musste, ob es eine Demokratie sein will oder ein rassistischer Apartheidsstaat, sieht man auf die Realitäten vor Ort. Ich glaube, dass Israel 2014 die Entscheidung gefällt hat, dass es lieber ein rassistischer Apartheidstaat ist und keine Demokratie. Es hofft immer noch, dass die USA diese Entscheidung genehmigen und sie mit Immunität versehen, um so fortzufahren, mit den zwangsläufigen Folgen einer solchen Politik für die Palästinenser, wo sie auch sind.

AMY GOODMAN: Was denken Sie sollten die USA tun?

ILAN PAPPÉ: Nun, die USA sollten die grundsätzlichen Definitionen von Demokratie auf Israel anwenden und erkennen, dass sie ein Regime bedingungslos unterstützen, das systematisch die Menschen- und die Bürgerrechte eines jeden Menschen zwischen Jordan und Mittelmeer missbraucht, der nicht Jude ist. Wenn Amerika solche Regime klar unterstützen will, in der Vergangenheit ist das geschehen bitteschön. Aber wenn es meint, dass es eine andere Botschaft in den Nahen Osten bringen will, dann hat es wirklich eine andere Vorstellung von den Menschenrechten.

AMY GOODMAN: Wir haben noch zwei Sekunden.

ILAN PAPPÉ: Ja, Menschenrechte und Bürgerrechte in Palästina.

 

(Quelle: Anis Online.)

 

Anmerkung

Aktuelle und fundierte (Hintergrund-) Informationen zum Israel-, Palästina- sowie dem Nah-Ost-Konflikt erhalten Sie auf der Website Palästina Portal.

Israel / Palästina: Die Quelle des Konflikts

Donnerstag, August 8th, 2013

“Siedlerökonomie

Vorabdruck. Israels Kolonialisierungskonzept ist in den Ideen des Zionismus begründet. Es basiert auf Ausschluß und Vertreibung der arabischen Bevölkerung – im Interesse und mit Unterstützung westlicher Staaten

Von Moshe Machover

Moshe Machover ist 1936 in Tel Aviv geboren. Er war 1962 Mitbegründer der Israelischen Sozialistischen Organisation, die unter dem Namen ihrer Zeitschrift Matzpen (Kompaß) bekannt wurde. Die Mitglieder dieser linken Organisation wurden zunehmend verfolgt, weshalb der Mathematiker und Philosoph Israel 1968 verließ und nach Großbritannien übersiedelte. Dort lehrte er bis zu seiner Emeritierung am Londoner King’s College. 2012 publizierte er sein Buch »Israelis and Palestinians – Conict and Resolution«. Im Laika-Verlag erscheint in wenigen Tagen die deutsche Übersetzung dieser Sammlung politischer Essays aus den Jahren 1966 bis 2011. jW veröffentlicht daraus auszugsweise die Jahresvorlesung des Barry Amiel & Norman Melburn Trust, die Machover am 30. November 2006 hielt. Kürzungen der Redaktion sind mit runden Klammer gekennzeichnet.

Die zionistische Kolonisierung Palästinas ist die Quelle des Konflikts, die fortgesetzte Kolonisierung ist die anhaltende Kraft, die den Konflikt immer wieder anheizt. (…) Daß die Umsetzung des zionistischen politischen Projekts unweigerlich Widerstand der palästinensischen Einwohner hervorrufen und mit unerbittlicher Logik zu einem Gewaltkonflikt führen würde, war von Beginn an abzusehen. Die Klarsichtigsten sowie die hemmungslosesten und freimütigsten Zionisten haben das offen zugegeben. (…)

Ein zweites, eher ungewöhnliches Muster der zionistischen Kolonisierung besteht darin, daß die Siedler nicht Staatsbürger einer europäischen Macht waren, von der sie zu einem Kolonisierungsfeldzug ausgeschickt wurden und die sie beschützte. Deshalb war den Begründern des politischen Zionismus von Anfang an klar, daß für den Erfolg ihres Projekts die Förderung durch eine Großmacht lebenswichtig war – egal, welche Großmacht gerade im Nahen Osten die Oberherrschaft hatte. Diese sollte sie mit einer »eisernen Wand« ausstatten, hinter der die zionistische Kolonisierung weitergehen konnte. Ohne solch eine Förderung, die im Diskurs der frühen Zionisten als »Charta« bezeichnet wurde, wäre die Kolonisierung Palästinas von vornherein zum Scheitern verurteilt gewesen.

Vorposten gegen »Barbarei«

Natürlich sind Großmächte keine Menschenfreunde. Ihren Schutz gibt es nicht umsonst, sondern nur im Tausch gegen andere Dienste. Und von Beginn an war klar, welcher Art diese Dienste sein würden. Der Gründervater des politischen Zionismus, Theodor Herzl (1860–1904), schrieb in seinem programmatischen Buch (…).”

Weiterlesen…

 

(Quelle: Tageszeitung junge Welt.)

Israel: amnesty antijüdisch?

Donnerstag, November 1st, 2012

“Israeli authorities must release Palestinian prisoner of conscience in West Bank

1 November 2012

Nariman Tamimi, Bassem's wife said that "the police were brutal" during his arrest

Nariman Tamimi, Bassem’s wife said that “the police were brutal” during his arrest

© Private

The Israeli military authorities must end their campaign of harassment, intimidation and arbitrary detention against a Palestinian activist in the occupied West Bank, Amnesty International said.

Bassem Tamimi, who has been detained since his arrest at non-violent protest against the encroachment of Israeli settlers onto Palestinian land last week, faces a further prison sentence after appearing before the Ofer Military Court on Wednesday.

“Once again, Bassem Tamimi is being held solely for peacefully exercising his rights to freedom of expression and assembly. We believe he is a prisoner of conscience and should be released immediately and unconditionally,” said Ann Harrison, Deputy Middle East and North Africa Programme Director at Amnesty International.

Tamimi was arrested on 24 October following a non-violent demonstration in a supermarket in Sha’ar Benjamin settlement north of Ramallah. More than 100 protesters had gathered to call for an end to the occupation and a boycott of all Israeli products.

He faces charges of assaulting a police officer, participation in an unlicensed demonstration, and activity against the public order.

If convicted of either of the latter two “offences”, he will also have to serve one or more suspended sentences from a previous trial: two months for participation in an unlicensed demonstration, and 17 months for “activity against the public order”.

After viewing footage of the protest, the military judge ruled that he should be released to house arrest for the duration of legal proceedings. The military prosecution is appealing this decision, and he remains at Ofer prison.

Tamimi was previously sentenced in May 2012 to 13 months in prison for his role in organizing regular non-violent protests against Israeli settlements in the West Bank. At the time, Amnesty International considered him to be a prisoner of conscience, and called for his immediate and unconditional release. 
The establishment and expansion of Israeli settlements in the occupied West Bank violates international humanitarian law.

Violent arrest

According to eyewitness and media reports, as the protesters left the supermarket on 24 October they were beaten by Israeli police and security forces who also fired stun grenades.

Bassem’s wife Nariman Tamimi attended the protest and told Amnesty International: “The police were brutal during the arrest. They threw Bassem on the ground and pressed him down while putting the cuffs on his hands. Anyone who tried to approach them was beaten up. The police seemed scared and nervous. They wanted to make arrests fast.”

Despite the police use of unnecessary and excessive force, the military prosecution has charged Bassem Tamimi with assault, based on the testimony of one police officer who alleges that the activist hit him on the hand.

Amnesty International spoke to witnesses and reviewed numerous videos from the protest, and found no evidence that he or the other protesters used violence. Tamimi is committed to non-violent resistance and has a long record of peaceful protest. Another Palestinian protester, now released on bail, faces similar charges.

Tamimi managed to contact his wife after his arrest.

“He still had his phone with him, he told me that he was in a cell somewhere, and he said that he felt like there was something broken in chest, he said ‘I cannot move or breathe and I am very tired’. Then they took the phone away so we could not talk more,” she told Amnesty International.

Encroachment of settlers

Bassem Tamimi is from the West Bank village of al-Nabi Saleh, 21km northwest of Ramallah.

In July 2008 Israeli settlers from nearby Halamish began to use the Qaws spring, which is on al-Nabi Saleh land and used to irrigate crops there and in the nearby village of Deir Nitham. In February 2009 settlers began to build structures on the spring site.

The Palestinians complained that settlers were building on private Palestinian land, and that the work damaged other property including trees. Israeli police routinely close Palestinian complaints against settlers due to “lack of evidence”.

Israel’s Civil Administration, the military body which controls most of the West Bank, prohibits Palestinians from visiting the Qaws spring site in groups and on Fridays, while settlers are allowed unfettered access.

Ongoing demonstrations

Weekly demonstrations began on 9 December 2009. Every Friday residents of al-Nabi Saleh and solidarity activists gather around noon in the village centre and march peacefully towards the spring. They have been met repeatedly with unnecessary and excessive force by the Israeli army including the use of stun grenades, pepper spray, batons and guns.
 
Demonstrations are dispersed as soon as they begin and are usually not allowed to reach the spring. The Israeli army raids the village regularly, usually during the night, and conducts house searches and arrests, including the arrest of children under the age of 15.

Israeli military laws in place in the West Bank impose sweeping and arbitrary restrictions on freedom of expression and peaceful assembly, requiring people to obtain advance permission from the Israeli military for any proposed gathering of 10 or more persons “for a political purpose of for a matter that could be interpreted as political”.

Nariman Tamimi told Amnesty International that in al-Nabi Saleh and all areas where there is popular resistance, police use extreme violence, noting that “there is nothing [to the protests] except that you chant and express your opinion.”

As one of the organizers of the al-Nabi Salneh protests and a coordinator of the village’s popular committee, Bassem Tamimi and his family have been the target of harsh treatment by the Israeli army.

Since the demonstrations began, his house has been raided and ransacked numerous times. His wife has been arrested twice and two of his children have been injured – Wa’ed was in hospital for five days after he was hit in the leg by a rubber bullet and Mohammed was injured by a tear-gas canister that was shot directly at him and hit him in the shoulder.

Bassem Tamimi has been arrested by the Israeli army 11 times to date, though he has only once been convicted by a military court – on charges that Amnesty International believes were unfounded.”

 

(Quelle: amnesty international.)

EU / Israel: Legal, illegal, schei…

Dienstag, Oktober 30th, 2012

“Handel gegen Frieden

Wie Europa zur Erhaltung illegaler israelischer Siedlungen beiträgt

Die Europäische Union importiert fünfzehn mal mehr aus Israels illegalen Siedlungen in den besetzten palästinensischen Gebieten als von Palästinensern selbst, enthüllt heute ein neuer Bericht einer Koalition von zweiundzwanzig Organisationen aus elf europäischen Ländern einschließlich medico international.

Der Bericht mit dem Titel „Handel gegen Frieden – wie Europa zur Erhaltung illegaler israelischer Siedlungen beiträgt“ vergleicht erstmalig vorliegende Exportdaten aus israelischen Siedlungen und von Palästinensern und hebt damit die Widersprüchlichkeit im Herzen der EU-Politik hervor. Die EU erklärt, dass Siedlungen illegal sind unter internationalem Recht, ein Hindernis für den Friedensprozess darstellen und drohen die Zwei-Staaten-Lösung unmöglich zu machen. Dennoch ist die EU weiterhin der Hauptimporteur von Siedlungsprodukten. Die meisten EU-Mitgliedsstaaten haben es versäumt sicherzustellen, dass Produkte in den Läden korrekt gekennzeichnet sind, so dass die Konsumenten nicht über die eigentliche Herkunft der Produkte aufgeklärt sind, was im Widerspruch zu EU-Richtlinien steht.

Das heißt, Europa sagt zwar, Siedlungen seien illegal unter Internationalem Recht, handelt dennoch weiterhin mit ihnen. Und die Konsumenten tragen unwissentlich zu der Ungerechtigkeit bei, in dem sie Produkte kaufen, die fälschlicherweise als Produkte aus Israel gekennzeichnet sind, obwohl sie in Wahrheit aus Siedlungen im Westjordanland kommen.

Der Bericht fordert die europäischen Regierungen auf, eine Anzahl von konkreten Maßnahmen zu verabschieden, um die Ausbreitung von Siedlungen nicht weiter zu fördern und um die Diskrepanz zwischen Worten und Taten zu schließen. Die 22 Organisationen fordern zumindest klare Kennzeichnungsrichtlinien, um sicherzustellen, dass europäische Konsumenten nicht unwissentlich Siedlungsprodukte kaufen. Solche Richtlinien existieren bereits in Großbritannien und Dänemark und wurden in anderen Staaten wie z.B. Schweden in Betracht gezogen.

Seit Mai ist der Handel mit Siedlungsgütern auf der Agenda der EU, als EU-Außenminister die deutliche Beschleunigung von Siedlungskonstruktionen stark kritisierten und sich erstmalig für eine volle Anwendung der existierenden EU-Gesetzgebung im Bezug auf Produkte aus Siedlungen aussprachen.
Die israelische Regierung schätzt den Wert von EU-Importen aus Siedlungen auf ungefähr 230 Mio. Euro pro Jahr, im Vergleich zu 14 Mio. Euro pro Jahr von Palästinensern. Die Diskrepanz erklärt sich unter anderem daraus, dass Israel große Summen von Fördergeldern an israelische Siedler bereitstellt – wie zum Beispiel für Infrastruktur, Wirtschaftsentwicklung und Landwirtschaft – während für Palästinenser der Zugang zu Märkten und Ressourcen stark eingeschränkt ist.

Durch besseren Zugang zu internationalen Märkten konnten die Siedler moderne Agrarindustrien und Industriegebiete aufbauen. Die palästinensische Wirtschaft dagegen ist „stark begrenzt durch ein komplexes System von Einschränkungen“ seitens Israels, welches Straßenblockaden, Kontrollposten, limitierten Zugang zu Land, Wasser und Düngemitteln beinhaltet. Seit den achtziger Jahren ist der Export von palästinensischen Produkten an die EU von 50% des Bruttoinlandsprodukts auf 15% des Bruttoinlandsprodukts gesunken und setzt somit das Handelsabkommen der EU mit den Palästinensern außer Kraft. Die EU gibt jährlich Millionen von Euros für Entwicklungszusammenarbeit aus, um die Palästinenser beim Staatsaufbau zu unterstützen. Diese Unterstützung wird aber durch den Handel mit illegalen Siedlungen unterminiert und trägt somit zu der Lebensfähigkeit und Ausweitung der Siedlungen bei.

Unter den Siedlungsgütern, die in Europa verkauft werden, befinden sich vor allem Datteln, Weintrauben, Zitrusfrüchte, Kräuter, Wein, Kosmetikprodukte von Ahava, einige der Kohlensäure-Besprudelungsgeräte von Soda Stream sowie einige der Plastik-Gartenmöbel, welche von Keter produziert werden. Produkte aus den Siedlungen des Westjordanlandes werden im Kontext von Häuserabrissen, Landbeschlagnahmung und militärischer Besetzung produziert. Deshalb fordern die Organisationen die europäischen Regierungen auf endlich der Rhetorik der Siedlungsverurteilung Taten folgen lassen und zumindest zu gewährleisten, dass Konsumenten informierte Entscheidungen über diese Produkte in den Läden treffen können. Dies ist nichts weiter als das Einhalten von Europäischem und Internationalem Recht.

Unterzeichnende Organisationen:

APRODEV, Broederlijk Delen (Belgien), Caabu (UK), CCFD – Terre Solidaire (Frankreich), Christian Aid (UK und Irland), Church of Sweden, Cordaid (Niederlande), DanChurchAid (Dänemark), Diakonia (Schweden), International Federation for Human Rights (FIDH) , FinnChurchAid (Finland), ICCO (Niederlande), IKV Pax Christi (Niederlande), Medical Aid for Palestinians (UK), medico international (Deutschland), medico international schweiz, the Methodist Church in Britain, Norwegian Church Aid, Norwegian People’s Aid, Quaker Council for European Affairs, Quaker Peace and Social Witness (UK)Trocaire (Irland)

Dokumente

 

(Quelle: medico international.)

Siehe auch:

EU urged to re-think trade deals with Israeli settlements in West Bank
Demolitions, displacements in 2012

Israel / Palästina: Warum Arafat ermordet wurde

Samstag, Juli 7th, 2012

“Poisoning Arafat

07/07/12

By Uri Avnery

FOR ME, there was no surprise. From the very first day, I was convinced that Yasser Arafat had been poisoned by Ariel Sharon. I even wrote about it several times.

It was a simple logical conclusion.

First, a thorough medical examination in the French military hospital where he died did not find any cause for his sudden collapse and death. No traces of any life-threatening disease were found.

The rumors distributed by the Israeli propaganda machine that Arafat had AIDS were blatant lies. They were a continuation of the rumors spread by the same machine that he was gay – all part of the relentless demonization of the Palestinian leader, which went on daily for decades.

When there is no obvious cause of death, there must be a less obvious one.

Second, we know by now that several secret services possess poisons that leave no routinely detectable trace. These include the CIA, the Russian FSB (successor of the KGB), and the Mossad.

Third, opportunities were plentiful. Arafat’s security arrangements were decidedly lax. He would embrace perfect strangers who presented themselves as sympathizers of the Palestinian cause and often seated them next to himself at meals.

Fourth, there were plenty of people who aimed at killing him and had the means to do so. The most obvious one was our prime minister, Ariel Sharon. He had even talked about Arafat having "no insurance policy" in 2004.

WHAT WAS previously a logical probability has now become a certainty.

An examination of his belongings commissioned by Aljazeera TV and conducted by a highly respected Swiss scientific institute has confirmed that Arafat was poisoned with Polonium, a deadly radioactive substance that avoids detection unless one specifically looks for it.

Two years after Arafat’s death, the Russian dissident and former KGB/FSB officer Alexander Litvinenko was murdered in London by Russian agents using this poison. The cause was discovered by his doctors by accident. It took him three weeks to die.

Closer to home, in Amman, Hamas leader Khaled Mash’al was almost killed in 1997 by the Mossad, on orders of Prime Minister Binyamin Netanyahu. The means was a poison that kills within days after coming into contact with the skin. The assassination was bungled and the victim’s life was saved when the Mossad was compelled, after an ultimatum from King Hussein, to provide an antidote in time.

If Arafat’s widow, Suha, succeeds in getting his body exhumed from the mausoleum in the Mukata’a in Ramallah, where it has become a national symbol, the poison will undoubtably be found in his body.

ARAFAT’S LACK of proper security arrangements always astonished me. Israeli Prime Ministers are tenfold better protected.

I remonstrated with him several times. He shrugged it off. In this respect, he was a fatalist. After his life was miraculously preserved when his airplane made a crash landing in the Libyan Desert and the people around him were killed, he was convinced that Allah was protecting him.

(Though the head of a secular movement with a clear secular program, he himself was an observant Sunni Muslim, praying at the proper times and abstaining from alcohol. He did not impose his piety on his assistants.)

Once he was interviewed in my presence in Ramallah. The journalists asked him if he expected to see the creation of the Palestinian state in his lifetime. His answer: “Both I and Uri Avnery will see it in our life.” He was quite sure of this.

ARIEL SHARON’S determination to kill Arafat was well known. Already during the siege of Beirut in Lebanon War I, it was no secret that agents were combing West Beirut for his whereabouts. To Sharon’s great frustration, they did not find him.

Even after Oslo, when Arafat came back to Palestine, Sharon did not let up. When he became Prime Minister, my fear for Arafat’s life became acute. When our army attacked Ramallah during “Operation Defensive Shield” they broke into Arafat’s compound (Mukata’a is Arabic for compound) and came within 10 meters of his rooms. I saw them with my own eyes.

Twice during the siege of many months my friends and I went to stay at the Mukata’a for several days to serve as a human shield. When Sharon was asked why he did not kill Arafat, he answered that the presence of Israelis there made it impossible.

However, I believe that this was only a pretext. It was the US that forbade it. The Americans feared, quite rightly, that an open assassination would cause the whole Arab and Muslim world to explode in anti-American fury. I cannot prove it, but I am sure that Sharon was told by Washington: “On no condition are you allowed to kill him in a way that can be traced to you. If you can do it without leaving a trace, go ahead.”

(Just as the US Secretary of State told Sharon in 1982 that on no condition was he allowed to attack Lebanon, unless there was a clear and internationally recognized provocation. Which was promptly provided.)

In an eerie coincidence, Sharon himself was felled by a stroke soon after Arafat’s death, and has lived in a coma ever since.)

THE DAY Aljazeera’s conclusions were published this week happened to be the 30th anniversary of my first meeting with Arafat, which for him was the first meeting with an Israeli.

It was at the height of the battle of Beirut. To get to him, I had to cross the lines of four belligerents – the Israeli army, the Christian Lebanese Phalange militia, the Lebanese army and the PLO forces.

I spoke with Arafat for two hours. There, in the middle of a war, when he could expect to find his death at any moment, we talked about Israeli-Palestinian peace, and even a federation of Israel and Palestine, perhaps to be joined by Jordan.

The meeting, which was announced by Arafat’s office, caused a worldwide sensation. My account of the conversation was published in several leading newspapers.

On my way home, I heard on the radio that four cabinet ministers were demanding that I be put on trial for treason. The government of Menachem Begin instructed the Attorney General to open a criminal investigation. However, after several weeks, the AG determined that I had not broken any law. (The law was duly changed soon afterwards.)

IN THE many meetings I held with Arafat since then, I became totally convinced that he was an effective and trustworthy partner for peace.

I slowly began to understand how this father of the modern Palestinian liberation movement, considered an arch-terrorist by Israel and the US, became the leader of the Palestinian peace effort. Few people in history have been privileged to lead two successive revolutions in their lifetime.

When Arafat started his work, Palestine had disappeared from the map and from world consciousness. By using the “armed struggle” (alias “terrorism”)’ he succeeded in putting Palestine back on the world’s agenda.

His change of orientation occurred right after the 1973 war. That war, it will be remembered, started with stunning Arab successes and ended with a rout of the Egyptian and Syrian armies. Arafat, an engineer by profession, drew the logical conclusion: if the Arabs could not win an armed confrontation even in such ideal circumstances, other means had to be found

His decision to start peace negotiations with Israel went totally against the grain of the Palestinian National Movement, which considered Israel as a foreign invader. It took Arafat a full 15 years to convince his own people to accept his line, using all his wiles, tactical deftness and powers of persuasion. In the 1988 meeting of the Palestinian parliament-in-exile, the National Council, his concept was adopted: a Palestinian state side-by-side with Israel in part of the country. This state, with its capital in East Jerusalem and its borders based on the Green Line has been, since then, the fixed and unchangeable goal; the legacy of Arafat to his successors.

Not by accident, my contacts with Arafat, first indirectly through his assistants and then directly, started at the same time: 1974. I helped him to establish contact with the Israeli leadership, and especially with Yitzhak Rabin. This led to the 1993 Oslo agreement – which was killed by the assassination of Rabin.

When asked if he had an Israeli friend, Arafat named me. This was based on his belief that I had risked my life when I went to see him in Beirut. On my part, I was grateful for his trust in me when he met me there, at a time when hundreds of Sharon’s agents were looking for him.

But beyond personal considerations, Arafat was the man who was able to make peace with Israel, willing to do so, and – more important – to get his people, including the Islamists, to accept it. This would have put an end to the settlement enterprise.

That’s why he was poisoned.”

 

(Quelle: Gush Shalom.)

Siehe auch:

Did Israel Nuke Arafat?

Israel / Palästina: Gleiches Recht für alle?

Dienstag, Juli 3rd, 2012

“Visualizing Occupation: Distribution of Water

Israel controls the access to water from the Jordan River to the Mediterranean Sea. Its disproportionate allocation of water, the settlements’ takeover of natural springs, and the prohibition against maintaining and constructing water cisterns in the West Bank without Israeli permits make water a sparse commodity for Palestinians. This illustration is the sixth in a series of infographics on Palestinian civilian life under occupation.

 

Visualising

 

Sources:
B’Tselem: The Shared Water Sources and the Control Over Them
Amnesty International: Troubled Waters: Palestinians Denies Fair Access to Water United Nations OCHA: The Humanitarian Impact of the Takeover of Palestinian Water Springs by Israeli Settlers

Michal Vexler is a designer and an activist. This work – a part of a series of infographics regarding the effect of the occupation on the Palestinian civilian population – is presented here with her permission.

Previous posts in this series:
Visualizing Occupation: Who profits, and who pays?
Visualizing Occupation: Freedom of movement
Visualizing Occupation: Palestinian Prisoners’ Day – the numbers
Visualizing Occupation: Ethnic cleansing
Visualizing Occupation: The right (or privilege) to protest?

 

(Quelle: +972mag.com.)