Posts Tagged ‘Sierra Leone’

Global: Die wunderbare Welt des CO2 (Teil 1)

Dienstag, Dezember 4th, 2012

Klima_1.1

(Tabelle aus: United Nations Environment Programme: The Emissions Gap Report 2012, S. 16, 17
Download des o. g. Reports hier.)

 

(Quelle: United Nations Environment Programme: The Emissions Gap Report 2012)

Sierra Leone: “Warum geben wir den Weißen unser Land?” (Radio-Tipp)

Mittwoch, Oktober 17th, 2012

“Lebensgefühl und neuer Kolonialismus in Sierra Leone

Von Agnes Steinbauer

“Sweet Salone” nennen die Sierra Leoner ihre westafrikanische Heimat. “Süß” ist das Leben dort aber nur für die wenigsten. Der Alltag in der Hauptstadt Freetown ist hart. Regelmäßig brechen Strom- und Wasserversorgung zusammen. Transportmittel funktionieren selten und sind für viele unbezahlbar.

Gute Jobs sind rar. In ländlichen Regionen gibt es weniger Slums, dafür sind Großinvestoren auf “Land-Grabbing-Tour”. Sie kaufen zu Spottpreisen Grund und Boden und entziehen vielen Kleinbauern die Existenzgrundlage.

Wer “Glück” hat, bekommt eine Stelle als schlecht bezahlter Landarbeiter. Zehn Jahre nach einem brutalen Bürgerkrieg und kurz vor den Parlamentswahlen in der jungen Demokratie fühlen sich viele Menschen erneut verkauft und verraten.”

Sender:     Deutschlandfunk

Sendedatum: 19.10.2012

Sendezeit:   19:15 – 20:00 Uhr

 

(Quelle: Deutschlandfunk.)

BRD: Kindersoldaten und Waffenhandel

Montag, Juli 2nd, 2012

„Das G3 war sehr populär im Krieg in Sierra Leone“

Von Ralf Willinger, terre des hommes Deutschland

Rote Farbe auf die Hand, Hand aufs Papier, Name drunter, Botschaft drüber und dann ab an die Wäscheleine – so einfach funktioniert die Aktion Rote Hand, an der weltweit schon über 370.000 Menschen in über 50 Ländern teilgenommen haben (www.redhandday.org). Auch über 100 Abgeordnete aller Parteien und Regierungsmitglieder gaben am diesjährigen Red Hand Day im Bundestag ihren roten Handabdruck ab und versprachen damit, sich gegen den Einsatz von Kindern als Soldaten einzusetzen. Darunter waren Familienministerin Kristina Schröder ebenso wie der Wehrbeauftragte Hellmut Königshaus oder die Fraktionsvorsitzende der Grünen, Renate Künast. Die Aktion war von der Kinderkommission des Bundestages, Schülern aus Wedel, Berlin und Osnabrück und dem Deutschen Bündnis Kindersoldaten, einem Netzwerk von Kinder- und Menschenrechtsorganisationen, organisiert worden. Der Red Hand Day am 12. Februar ist ein internationaler Gedenktag an das Schicksal von schätzungsweise 250.000 Kindersoldaten, Mädchen und Jungen, weltweit.

Auch Deutschland habe beim Thema Kindersoldaten eine Verantwortung, sagten bei der Pressekonferenz zum Red Hand Day 2012 in Berlin der Vorsitzende des Menschenrechtsausschusses des Bundestages, Tom Koenigs, Vertreter der Kinderrechtsorganisationen terre des hommes und Plan sowie Schülerinnen und Schüler. „Hierzulande verletzt die Bundesregierung ihre Fürsorgepflicht gegenüber traumatisierten ehemaligen Kindersoldaten. Da sie nicht als politisch Verfolgte angesehen werden, erhalten sie oft keine Asylberechtigung, oft droht ihnen Abschiebehaft“, sagte Tom Koenigs. Immer wieder flüchten Kindersoldaten bis nach Deutschland, beispielsweise aus Afghanistan, Somalia, dem Irak, dem Sudan oder aus Zentral- oder Westafrika.

Außerdem wurde von Koenigs und den Kinderrechtsorganisationen kritisiert, dass die Bundeswehr weiter jedes Jahr etwa 1000 17-jährige rekrutiert und bei Minderjährigen einseitig und damit völkerrechtswidrig für den Dienst an der Waffe wirbt. Ebenso wurde auf die problematische Rolle von Deutschland als Rüstungsexportnation Nr. 3 (hinter den USA und Russland) hingewiesen. Deutschland exportiere massenweise Kleinwaffen in Krisenregionen, die auch von Kindersoldaten genutzt werden.

Dies bestätigte auch Ismael Beah, ehemaliger Kindersoldat, UN-Botschafter und Buchautor, im Juni in Berlin im Gespräch mit Vertretern des Deutschen Bündnisses Kindersoldaten. „Das G3 [der deutschen Firma Heckler und Koch] war sehr populär im Krieg in Sierra Leone“, sagte er. Es gilt nach der russischen Kalaschnikow als das am meisten verbreitete Schnellfeuergewehr weltweit. Für Ismael Beah sind ein Stopp der massenweisen Verbreitung von Kleinwaffen und die Reintegration von Kindersoldaten in die Gesellschaft während und nach Kriegen die wichtigsten zu lösenden Probleme, um die Lage von Kindersoldaten weltweit zu verbessern.

Zwar gibt es wichtige Fortschritte beim Thema Kindersoldaten, beispielsweise die Verurteilung von zwei Verantwortlichen vor dem Internationalen Strafgerichtshof, Thomas Lubanga, ehemaliger Kommandeur aus dem Kongo, und Charles Taylor, ehemaliger Präsident Liberias. Aber gerade beim wichtigen Thema Waffenhandel wird die Lage immer dramatischer, die Konfliktgebiete werden überschwemmt mit billigen Kleinwaffen. Allein die deutschen Ausfuhren von Kleinwaffen und Munition haben sich von 1996 bis heute vervierfacht [Quelle: Rüstungsexportbericht 2011 der GKKE. www.gkke.org] – eine skandalöse Zahl, die verdeutlicht, dass die deutschen Rüstungsexportregeln von den zuständigen Behörden viel zu lasch interpretiert werden.

Man muss es leider so deutlich sagen: Durch die massiven deutschen Rüstungsexporte ist Deutschland mitverantwortlich für das Leid unzähliger Kinder in Kriegsgebieten. Es ist gut, dass Deutschland sich beispielsweise als Vorsitzender in einer Arbeitsgruppe des UN-Sicherheitsrates für einen besseren Schutz von Kindern in bewaffneten Konflikten einsetzt. So lange aber deutsche Firmen mit dem Segen der Behörden weiter massenweise am Leid von Kindern verdienen, muss sich die Bundesregierung die Frage gefallen lassen, wie dies zusammenpasst. Diese Frage wird nicht nur von ehemaligen Kindersoldaten wie Ismael Beah und nationalen und internationalen Menschenrechtsorganisationen immer wieder gestellt, sondern auch von anderen Ländern und UN-Gremien wie dem UN-Ausschuss für die Rechte des Kindes. Die Antwort kann eigentlich nur heißen: Das Wohl der Menschen und speziell der Kinder muss künftig vorgehen vor Wirtschafts- und strategischen Interessen – wie es im Völkerrecht (z. B. der UN-Kinderrechtskonvention) festgelegt ist. Leider wird dies von den Regierenden in Deutschland und anderen Ländern oft vergessen, gerade beim Thema Waffenexporte. Begünstigt wird dies durch Geheimhaltung und mangelnde Transparenz bei Rüstungsgeschäften.

Bessere Transparenz, restriktive Gesetze und Druck von der Bevölkerung sind zentral, um den krebsartig wuchernden Waffenhandel endlich einzudämmen. Gerade wer sich für eine Verbesserung der Lage von Kindersoldaten einsetzen will, sollte auch gegen den boomenden deutschen und internationalen Waffenhandel und für die friedliche Lösung von Konflikten aktiv werden. Kinder werden heute massiv in bewaffnete Konflikte und Kriege reingezogen, gerade auch in Kriegen, an denen westliche Länder mehr oder weniger direkt beteiligt sind, wie in Afghanistan, dem Irak, Somalia, dem israelisch-palästinensischen Konflikt, Syrien oder Libyen. Sie werden in vielen Ländern als menschliche Schutzschilde, Minenerkunder oder Kindersoldaten ausgebeutet, Wohngebiete, Schulen und Krankenhäuser werden angegriffen, unzählige Kinder sterben dabei täglich. (www.kindersoldaten.de)

„Glauben Sie, dass eine Welt ohne Kindersoldaten möglich ist?“ fragten die Schülerinnen und Schüler am Red Hand Day die Teilnehmer an der Aktion Rote Hand. Auch wenn es immer wieder Fortschritte gibt, ist es bis dahin sicher noch ein langer Weg. Kindersoldaten, verletzte, getötete, gefolterte und traumatisierte Kinder wird es geben, so lange es Kriege und massenweise Waffen vor Ort gibt. Umgekehrt gilt: Weniger Waffen in Krisengebieten und die friedliche Beilegung von drohenden bewaffneten Konflikten können das Leben von Kindern und erwachsenen Zivilisten retten.

Dafür kann sich jeder Einzelne einsetzen: über kreativen Protest wie die Aktion Rote Hand oder die Aktion Aufschrei – Stoppt den Waffenhandel, mit Protestbriefen an die Verantwortlichen, mit Geldern für Friedens- und Menschenrechtsinitiativen oder durch den Einsatz für mehr Friedenserziehung an Schulen. Und hier sind auch die deutschen Politiker gefragt – insbesondere die, die mit ihrem roten Handabdruck versprochen haben, sich gegen den Missbrauch von Kindersoldaten einzusetzen. Schülerinnen und Schüler, Aktivistinnen und Aktivisten und Kinderrechts- und Menschenrechtsorganisationen aller Kulturen und Nationalitäten müssen hier weiter Druck machen – in Deutschland und weltweit.”

 

(Quelle: Rüstungs-Informations-Büro – RIB e.V..)

Liberia: Gleiches Recht für alle?

Freitag, April 27th, 2012

“One man, two wars, one guilty verdict

Charles Taylor judgment reveals selective international justice

On the eve of Sierra Leone’s Independence Day, former Liberian President Charles Taylor was found guilty of war crimes committed during that country’s civil war. But does the verdict represent a major victory for Sierra Leoneans beyond its symbolic value?

Much has changed since I covered the first day of Charles Taylor’s trial for Pambazuka News on June 4, 2007. That day, he failed to show up to court, calling the case against him a “farce.” Today, he was in full view, stoic, resolute and somber. As I sat in the public gallery of the Special Tribunal for Sierra Leone at The Hague, peering at the man portrayed as the most notorious African warlord in contemporary history, Taylor’s fate was solidified by one word: “GUILTY.”

After nearly nine years in limbo, Taylor was convicted today on all 11 counts of crimes against humanity and violation of international and Sierra Leonean law in that country’s civil war spanning November 1996 to January 2002. Taylor is the first head of state — and the first African — to be convicted by an international tribunal since the Nuremburg trials of 1946. The UN backed Special Court for Sierra Leone (SCSL) was mandated in 2002 to try those who bear the greatest responsibility for the war that destabilised much of West Africa and stunted economic/political activity. Taylor’s trial is the last one.

Sierra Leone and Liberia have both been touted as post-conflict success stories, following what some would argue is a ‘one-size-fits-all’ externally imposed system of state-building. But while Sierra Leone and Liberia have attempted to emerge from the ashes of civil war, the specter of Charles Taylor has always hung over their fates like an ominous cloud, forever linking the two neighbours beyond their peculiarly similar historical trajectories. Taylor may have wreaked havoc in both countries, but he has languished in a Hague prison for the past five years, facing the full weight of international law for only aiding and abetting rebel factions in Sierra Leone’s civil crisis, privately providing arms and ammunition to the Revolutionary United Front (RUF) while publicly promoting peace as a standing head of state in the Economic Community of West African States (ECOWAS).

It is clear, however, that the decision to convict him was not unanimous. After Taylor’s verdict was announced, Judge Malick Sow disagreed with the judgment openly while being rebuffed by colleagues, who stormed out of the court: “I disagree with the findings and conclusions of the other judges…the guilt of the accused from the evidence provided in this trial is not proved beyond a reasonable doubt by the prosecution.” Sow, like others before him, had argued that Taylor did not make or break the war in Sierra Leone.

In the concluding chapter of ‘When the State Fails: Studies on Intervention in the Sierra Leone Civil War’, [1] Tunde Zack-Williams, editor of the book, argues that Taylor simply tipped over an already bubbling pot: “…it is doubtful if Taylor’s intervention would have been so successful without other underlying long-term factors including: the marginalization of youth, patrimonialism and bad governance, deterioration of the economy and the general crisis of peripheral capitalism in Sierra Leone. By the time Taylor decided to show ‘fraternal revolutionary solidarity’ with Sankoh, Sierra Leone was a failing state, with crumbling social and physical infrastructure, a regime that could provide neither social citizenship, nor security for its people, with an alienated youthful population and an electorate that was at its wit’s end with their tormentors” (Zack-Williams, 2012: 247).

Regardless of the dissenting judge, Taylor’s sentence will be announced on May 30, two weeks after the prosecution and defense have given their oral arguments in a hearing. He will be transferred thereafter to a British prison to serve whatever sentence he is given. Again, another non-African prison will hold Taylor for crimes committed in Africa. Lest we have selective amnesia, Taylor walked out of a Plymouth prison in Massachusetts while undergoing extradition charges to Liberia in 1985. That was the beginning of Liberia’s tragic epic. Presumably it was also the beginning of Sierra Leone’s.

Brenda Hollis, chief prosecutor in Taylor’s trial, said: “Today is for the people of Sierra Leone who suffered horribly at the hands of Charles Taylor and his proxy forces. This [guilty] judgment brings some measure of justice to the many thousands of victims who paid a terrible price for Mr. Taylor’s crimes.” It may be coincidental that Sierra Leone will be celebrating its 51st Independence Day tomorrow, April 27, but I question whether this verdict represents a major victory beyond its symbolic value. Although the verdict is certainly relevant, clearly sending shockwaves across Africa, I’m not convinced that it has far enough reach to impact the lives of Sierra Leoneans who still suffer from the consequences of the reign of terror wreaked on them for 11 years. Nor does it bring back the deceased in Liberia, where justice still remains elusive.

What Charles Taylor’s verdict signifies for me is the need to reconfigure Africa’s domestic systems of justice, so that we don’t have to rely on the West to judge when, where, and under what circumstances we can punish for transgressions that we deem unacceptable. If a mob can stealthily executive an alleged rogue for stealing a loaf of bread from a local market anywhere on the continent, then surely we can channel that kind of misappropriated anger and violence to constructively tackle the most egregious criminals who break the public trust. Surely we can ensure that wielding money and power and influence cannot cloak a common criminal from facing the full weight of the law, no matter who s/he is.

Hollis’ rhetoric proves that she would theoretically agree with this position on an international level but I question her assertion that: “Today’s historic judgment reinforces the new reality, that Heads of State will be held to account for war crimes and other crimes…This judgment affirms that with leadership comes not just power and authority, but also responsibility and accountability. No person, no matter how powerful, is above the law.”

International justice is clearly blind to the atrocities committed by Western agents as well as non-Western countries that wield international clout or power. For instance, Russia, China and the U.S. never ratified the International Criminal Court because they were concerned that their nationals could be held accountable for crimes committed in other countries. And in May 2009, Sri Lanka successfully organised a counter resolution, backed by India, Russia and a majority of Asian, African and Latin American members, when a UN resolution was passed accusing the administration of war crimes. The administration argued that “human rights must not be regarded as a new version of the white man’s burden” in Sri Lanka. This just goes to show that it’s not enough for the likes of Taylor, Bashir, Kony and other Africans to be called before an international tribunal. All those who commit atrocities around the world deserve the same kind of justice, argues Taylor’s attorney, Courtenay Griffiths, from the former Prime Minister of the UK, Tony Blair, to former President of the United States, George Bush, for their participation in an illegitimate war in Iraq.

As radical as this view appears, Griffiths has made an important point. Until international justice can prove that it is blind to political maneuvering and power, it will always suffer from the virus of illegitimacy. As argued by Hochschild: “No international court can ever substitute for a working national justice system. Or for a society at peace. And I suspect it will be a long time indeed before three Africans in black robes sit in judgment of the likes of Dick Cheney and Donald Rumsfeld for their endorsement of torture, or Vladimir Putin for his war in Chechnya, or Chinese officials for their actions in Tibet. But if we are serious about the idea that basic human rights belong to all people on Earth, no matter where they live—a principle enshrined in the UN’s Universal Declaration of Human Rights—then a justice system that can cross national boundaries is essential.” [2]

There has been a new, yet subdued, movement of people questioning the selective nature of international criminal justice, with Taylor’s attorney chiming the alarm bells with alacrity. According to Griffths, Taylor’s case has been politically motivated, “replicating blackness and criminality at the international level.” He is not the only one who questions the legitimacy of international justice. Paul Kagame of Rwanda argued that the over $1 billion spent in international donor money on the International Criminal Tribunal for Rwanda (ICTR) — established in 1994 against the wishes of the Rwandan government, and modeled after the International Criminal Tribunal for the former Yugoslavia (ICTY) — could be spent on building local justice systems in Rwanda, such as the gacaca village level systems or the Rwandan courts. He argued that the ICTR’s physical detachment from Rwanda prevented it from meaningfully engaging with the Rwandan people. The same argument could be made for the Taylor trial in The Hague. And further research shows that dissenting opinions are not just confined to the continent of Africa. Bosnians, for instance, have moved from an earlier support of the ICTY to a more recent position of skepticism that questions the political neutrality of ICTY judges, leading to the insistence that future cases involving Bosnian victims be tried in indigenous rather than international tribunals. [3]

The fact that hybrid tribunals such as the ICTY and the ICTR average an annual budget of US$100 million should be called into question when domestic judicial institutions in Africa and elsewhere must be strengthened. Domestic actors need to ‘own’ the process and international actors can only play a supportive role, if invited to do so. Assuming that no surviving structures of policing or justice worthy of international support undermines what may already exist in countries recovering from complex political emergencies is a dangerous fallacy. [4] What were the indigenous systems of justice in Africa used before the onset of colonialism? Why not return to those, borrowing what is relevant and discarding the rest as historical artifact? It seems to me that we cannot continue to rely on international justice systems to protect us from each other. We must do that ourselves.

Two days before the Taylor verdict, a press release was issued from the Government of Liberia, as a founding member of the UN, endorsing its faith in the international justice system. It is ironic that Liberia has yet to deal with its own confounding justice system, or with a set of recommendations from a Truth and Reconciliation Commission (TRC) that endorsed prosecutions for those who bear the greatest responsibility for Liberia’s civil war. These recommendations have yet to be implemented, with some arguing that they are unconstitutional. It is ironic that Liberia has praised an international system that asymmetrically favors selective justice. It also is ironic that Taylor’s former allies continue to wield political and economic power in Liberia.

A perfect international justice system is one that doesn’t have any trials, as former prosecutor of the International Criminal Court, Luis Ocampo, once argued. But are we anywhere near making the ICC or other international justice bodies unnecessary? Durable peace in post-conflict countries like Sierra Leone and Liberia require domestic institution building of justice systems, not an expensive, internationally funded legal apparatus. In the Thomas Lubanga ICC trial alone, one man was convicted in one decade, costing the international community US$1 billion. In the case of the Special Court for Sierra Leone (SCSL), under whose jurisdiction Taylor’s verdict was rendered, it was originally projected that the SCSL would cost US$35 million total. To date, lead donors such as the UK, U.S., Canada, the Netherlands, and Nigeria have helped to raise much more than that. Although the UK has funded judicial capacity in Sierra Leone considerably, clearly more needs to be done, and the investments must come from the Sierra Leone national budget. The fact that the vast majority of Liberians and Sierra Leoneans do not access formal court systems is a telltale sign that we must not be doing something right, that domestic justice systems, just as their international counterparts, are not blind, but rather selective.

* BROUGHT TO YOU BY PAMBAZUKA NEWS

* Please do not take Pambazuka for granted! Become a Friend of Pambazuka and make a donation NOW to help keep Pambazuka FREE and INDEPENDENT!

* Born in Monrovia, Liberia, Robtel Neajai Pailey is currently pursuing a doctorate in Development Studies at the University of London’s School of Oriental and African Studies (SOAS), as a Mo Ibrahim Foundation scholar.

* Please send comments to editor[at]pambazuka[dot]org or comment online at Pambazuka News.”

 

(Quelle: Pambazuka News.)

Europa / Afrika: Die Kontroverse um FGM geht weiter

Donnerstag, Oktober 13th, 2011

“Wie Ethnologie Leiden verhindern kann

Von Lorenz

Die Kontroversen um weibliche “Genitalverstümmelung” eignen sich hervorragend, um ethnologische Einsichten an die breite Bevölkerung zu vermitteln, meint Janne Mende.

Über ihr soeben erschienenes Buch Begründungsmuster weiblicher Genitalverstümmelung. Zur Vermittlung von Kulturrelativismus und Universalismus habe ich mich mit ihr kurz via email unterhalten.

Was hoffen Sie, wird den Lesern bei der Lektüre des Buches durch den Kopf gehen?

– Ich diskutiere in meinem Buch die für Ethnologen und Ethnologinnen zentrale Frage nach dem Umgang mit kulturellen Vorstellungen, die einem Verständnis von Menschenrechten entgegenstehen, das das Glück der Einzelnen hervorhebt. Mir geht es um einen Weg jenseits von einem bedingungslosen Kulturrelativismus, der alles, was als ‘anders’ erscheint, akzeptiert, und jenseits von einem unreflektierten Universalismus, der ohne Kontextbezug und unvermittelt Menschenrechtsideen postuliert.

– Statt in eine dichotome Fragestellung zu verfallen, die nur eine der beiden Seiten als Ausweg kennt, sollen sie als je schon vermitteltes Verhältnis erkannt werden. Dann ist es möglich, repressive von emanzipatorischen Aspekten auf beiden Seiten zu unterscheiden und letztere zu stärken.

Wie vermitteln Sie Einsichten unseres Faches am Beispiel weiblicher Genitalverstümmelung (oder Genitalverstümmelung wie es andere benennen) ?

– Der Umgang mit der Praxis der weiblichen Genitalverstümmelung / Genitalbeschneidung ist ein höchst kontroverses Thema. Das zeigt sich bereits bei der Schwierigkeit der Benennung. Gerade an den Diskussionen um diese Praxis lässt sich das vermittelte Verhältnis von Kulturrelativismus und Universalismus sehr eindringlich herausarbeiten: Weder haben Abschaffungsbemühungen Erfolg, die ohne Rücksicht auf lokale Gegebenheiten vorgehen, noch kann das sehr reelle und dokumentierte Leiden von Mädchen und Frauen ausgeblendet werden.

– Die Notwendigkeit von Kontextualisierungen verdeutlicht sich ebenso wie die Notwendigkeit von einem Maßstab für Kritik, der betroffenen Frauen die Möglichkeit in die Hand gibt, sich gegen repressive Strukturen einzusetzen.

Wie kommen Sie zum Schluss, weibliche Genitalbeschneidung / Genitalverstümmelung müsse abgelehnt werden?

– Ich arbeite anhand zahlreicher Beispiele sieben verschiedene Begründungsmuster für die Praxis heraus. Obwohl sie sich in politischer, sozialer, ökonomischer und psychosozialer Hinsicht stark voneinander unterscheiden können, ist ihnen das Merkmal gemeinsam, dass sie der Herstellung und Anerkennung (kollektiver) Identität dienen. Zu dieser gibt es kaum gangbare Alternativen. Wollen Frauen und Mädchen innerhalb der gegebenen Gesellschaft handlungsfähig bleiben, müssen sie sich dem Eingriff unterziehen.

– Wenn die Praxis nun als Ergebnis freier, autonomer Wahl bezeichnet wird, so wird diese grundlegende Alternativlosigkeit völlig ignoriert. Ein relativierendes Anerkennen der Praxis greift zu kurz und ignoriert das Leiden, das mit dem Eingriff einhergeht.

– Aber auch der ausschließliche Fokus auf eine Abschaffung der Praxis ist unzureichend: Einerseits lässt sich die Praxis kaum aus dem Geflecht von Sinnzusammenhängen herauslösen. Andererseits würden weitergehende repressive soziale Mechanismen und (Geschlechter-) Ungleichheiten bestehen bleiben.

– Da keine Kultur oder Gesellschaft homogen oder statisch ist, stellt sich die Frage, wer und mit welchem Interesse einen Brauch als unentbehrlich bezeichnet. Handlungsalternativen eröffnen sich erst dann, wenn Interessen, Verhaltensweisen und der Zugang zu Ressourcen nicht mehr eng an das Geschlecht, an die Religion oder an das Aussehen der Geschlechtsorgane geknüpft werden. So lang eine wirkliche Entscheidungsfreiheit ohne sozialen, politischen, religiösen oder ökonomischen Druck nicht existiert, darf das Leiden von Mädchen und Frauen an den körperlichen, sexuellen und psychosozialen Folgen der Praxis nicht ignoriert oder den Interessen des Kollektivs untergeordnet werden.

Wie sollen sich Behörden dem Problem gegenüber konkret verhalten? 

– Patentrezepte eignen sich angesichts der komplexen Problematik nur bedingt. Grundsätzlich lässt sich beobachten, dass eine rechtliche Grundlage hilfreich ist, die nicht nur das Engagement gegen Exzision unterstützt, sondern die Frauen und Mädchen in allen Bereichen gleichberechtigten Zugang zu Bildung, zu Eigentum, zum Arbeitsmarkt usw. ermöglicht, sowie eine Zivilgesetzgebung, die beispielsweise Frauen im Scheidungsfall nicht mittellos lässt.

– Es haben sich vor allem diejenigen Herangehensweisen als erfolgreich erwiesen, die mit den betreffenden Frauen und Männern vor Ort gemeinsam Handlungsstrategien entwickeln. Mit einer kultursensiblen Analyse können Hintergründe und Begründungsmuster der Praxis offengelegt werden. So können vor dem universellen Hintergrund der Verringerung von Leiden angemessene Abschaffungsbemühungen entwickelt werden.

Ethnologin Fuambai Ahmadu kritisiert westliche Kampagnen gegen Genitalbeschneidung. Wie interessant finden Sie Ahmadus Argumente?  

– Mit Ahmadu setze ich mich im Buch ausführlich auseinander. Sie bezeichnet ihre eigene Exzision, über deren genauen Ablauf sie vor dem Eingriff informiert wurde, als Möglichkeit, sich zwischen der westlichen Welt und der Welt in Sierra Leone frei bewegen zu können. Sie reflektiert jedoch nicht, dass den Mädchen und Frauen in Sierra Leone genau diese Möglichkeit nicht offen steht. Nicht nur wird dort durch das strikte Schweigegebot ein fundiertes Wissen über die Praxis im Vorfeld verhindert. Zudem legt die Exzision die Frauen auf einen genau abgegrenzten Handlungsspielraum fest. Abweichungen riskieren die Strafe des Verstoßenwerdens.

– Ahmadu untergräbt somit ihren eigenen Anspruch auf eine kontextsensible Vorgehensweise, wenn sie strukturelle Bedeutungs- und Herrschaftsebenen ausblendet. Die Initiation markiert den Eintritt in den Geheimbund der Frauen, Bundo-, Bundu- oder Sande-Gesellschaft genannt. Wenn ein Mädchen sich der Praxis nicht unterzieht und damit nicht in den Bund aufgenommen wird, ist sie in der Gesellschaft praktisch nicht handlungsfähig. Ihr wird der Zugang zu Besitz abgesprochen, ebenso wie ihre Heiratsfähigkeit oder ihre Fähigkeit, Kinder zu gebären. Die Exzision soll sie zu einer Frau machen, und zwar (wie von Ahmadu ausdrücklich betont wird) zu einer heterosexuellen Frau in einer geschlechterdualistisch organisierten Gesellschaft.

– Sie schreiben in der E-Mail zu mir, Sie möchten ethnologische Einsichten einem breiteren Publikum zugänglich machen. Doch schon auf den ersten Seiten des Buches schlagen Sie zu Worten wie “hypostasieren” und “Präsuppositionen” etc. Ein Widerspruch?

– Fachbegriffe und Fremdwörter schließen ein breiteres Verstehen nicht notwendigerweise aus. Das Buch ist in einer nachvollziehbaren Sprache verfasst, die ihre Leser und Leserinnen nicht unterschätzt. Der sozialwissenschaftliche Anspruch wird so weder untergraben noch esoterisch auf ein kleines, ausgewähltes Publikum beschränkt.

Ihr Buch in einem Satz?

– Es geht nicht um das Recht eines Ansatzes, sei es Kulturrelativismus oder Universalismus, sondern es geht um die kontextbezogene, nicht-repressive, aber dennoch unhintergehbare Verminderung von Leiden.

Letzte Worte an die Lesenden an den Bildschirmen?

– Um ein Vermittlungsverhältnis zwischen zwei scheinbar dichotom sich gegenüberstehenden Momenten herauszuarbeiten, bedarf es der Arbeit am Begriff, einer steten Reflexion, die sich nicht mit dem einmal Erreichten begnügt, und der Kraft, „weder von der Macht der anderen, noch von der eigenen Ohnmacht sich dumm machen zu lassen.“ (Adorno)

>> mehr Information beim Transkript-Verlag, wo man auch die Einleitung (pdf) lesen kann

SIEHE AUCH:

Journal Ethnologie 3/2007 über weibliche Genitalbeschneidung in Afrika

Yes to female circumcision? Anthropologist Fuambai Ahmadu attacks Western feminists

Circumcision: "Harmful practice claim has been exaggerated" – AAA meeting part IV

Maxikulti: Ethnologen, raus aus der Kulturfalle!

Do anthropologists have anything relevant to say about human rights?

Ethnologe Christoph Antweiler: Wie universell sind die Menschenrechte?

Humanismus + Kosmopolitismus + Anthropologie = humane Weltkultur?

Why anthropology fails to arouse interest among the public – Engaging Anthropology (2)

 

(Quelle: antropologi.info)

Sierra Leone: Solar-Power dank Frauen-Power

Dienstag, August 30th, 2011

“The women bringing solar power to Sierra Leone

An Indian college is training 12 Sierra Leonean women to become solar engineers as part of a drive to bring electricity to rural communities

By Meena Bhandari

A group of 12 women from villages in Port Loko district in Sierra Leone is in the frontline of a battle to bring solar-powered electricity to rural communities. No small feat, given that rural Sierra Leone is not connected to power.

The women are assembling 1 500 household solar units at Barefoot College, in Tilonia, Rajasthan, in western India, prior to a new Barefoot College being opened in West Africa. They sit at long wooden tables fitting tiny coloured resisters to circuit boards — heads tilted, deep in concentration, as smoke puffs up from their soldering irons.

The women are all either illiterate or semiliterate — they used to be subsistence farmers, living day-to-day like millions in Sierra Leone. But now they are proud graduates of India’s Barefoot College, having travelled 9 600km to learn — in the women’s words — “how to make light from the sun”.

“The idea of solar was so surprising that I had to be a part of it,” says Mary Dawo from Romakeneh village.

“Snakes, rodents, reptiles and biting insects crept and crawled into our homes with the dark at 7pm. Children couldn’t study, and we couldn’t relax, socialise or plan our lives after a long day’s work,” says Fatmata Koroma from Mambioma village.

The Barefoot College in Sierra Leone, the first in Africa, is set to open next month in Konta Line village, in Port Loko district. It will enrol up to 50 students on four-month residential courses in solar engineering. The Sierra Leone government has invested about $820 000 in the project. Though the college is funded by the government, the women hope they can run it independently, in what they describe as the “Barefoot way”. The solar equipment the college runs on, and the equipment for 10 villages, was provided by the Barefoot College in India, and the initial training was sponsored by the Indian government as part of its south-south cooperation programme.

“In India, the first problem was vegetarian food,” says Koroma. “The desert was too hot and everything was different. But, within months we could assemble circuits and construct systems. Anything was possible after that.”

The graduates now live in the college hostel, where they will stay until they have trained their replacements “for the service to our villages and our country”, says Nancy Kanu. She was in the first female batch of students to train in India, in 2007, the same year that Konta Line village, where she’s from, was declared the first solar village. She is now chief solar engineer. “I teach full-time, but I’m on call — even at night — to fix a fuse, change a bulb or charge a phone,” she says.

‘People socialise more’
People interact differently now in Konta Line, says Aminata Kargbo. “People socialise more — they’re nicer,” she says. The advent of solar energy has saved the village about $1 000 in candles and kerosene so far; money that is being kept for the upkeep of solar equipment.

However, the solar units are expensive [$500 to $800] and far beyond the reach of most rural households. “There’s a 45% import tax … You need electricity to manufacture solar equipment here,” says Idriss Kamara of the Safer Future Youth Development Project. The local NGO tackles the country’s 60% youth unemployment, training people in vocational skills, including solar. But, Kamara says, few solar trainees find work because hardly any households use it. The government says it is looking to reduce the tax so benefits are passed on to customers and access to solar power increases.

However, while Sierra Leone’s government supports the Barefoot College project, people have wider energy needs, says Yvette Stevens of the ministry of energy and water. “We are developing a broader rural energy programme focusing on community, productive and social needs,” she says. Renewables such as solar, biofuels and hydro form the basis of this programme, supported by an upcoming World Bank project. “There’s a lot of donor money for renewables now, given their impact on climate change,” says Stevens. The government envisages local solar systems will provide power for clinics and schools, and for “water pumps, communal television, and computer centres”, she explains. Energy is not set out as a separate MDG, but it’s vital in meeting them, she says.

Sierra Leone is still catching up after the lost years of the decade-long civil war that wiped out the country’s fragile infrastructure. More than 60% of people (about 3.6-million) live rurally. Few can afford generators. Even in urban areas, more than 90% of people go without power.

A recent World Bank report states that electricity is Sierra Leone’s most daunting infrastructure challenge. This, despite the new Bumbuna hydropower plant, which has improved the situation in the capital, Freetown, a little during the rainy season, providing nearly half the city’s demand. Nevertheless, rural areas lag far behind. Sierra Leone records 46 days of power failures a year, which is four times higher than in other low-income African states.

They may be a small part of a bigger strategy, but Sierra Leone’s Barefoot women are thinking about the future. “Once these units are installed, I think we’ll need an investor to manufacture solar units here to make them affordable for everyone,” Barefoot College graduate Kanu says. “There’s nothing we can’t learn now to make our lives better. We have the power to change our villages.” – guardian.co.uk © Guardian News and Media 2011″

 

(Quelle: Mail & Guardian online.)