Posts Tagged ‘Südafrika’

BRD: Kauft keine Früchte der Besatzung!

Donnerstag, Januar 31st, 2013

“Die Kennzeichnung israelischer Siedlungsprodukte in Läden ist sofort umsetzbar

pax christi und EAPPI-Netzwerk übergeben Unterschriftenlisten an das Auswärtige Amt

Mit der Übergabe gesammelter Unterschriften bekräftigt pax christi heute gemeinsam mit dem EAPPI-Netzwerk (Freiwillige aus dem „ökumenischen Begleit-Programm für Palästina und Israel“ des Weltkirchenrats) gegenüber dem Auswärtigen Amt die Forderung nach korrekter Kennzeichnung der Produkte aus völkerrechtswidrigen israelischen Siedlungen.

Dr. Manfred Budzinski, der Sprecher der pax christi-Nahostkommission weist darauf hin, dass „die Kennzeichnung von israelischen Siedlungsprodukten bereits seit 2009 in Großbritannien und seit 2012 in Dänemark und Südafrika umgesetzt wird.“ Die französische Regierung erwägt dies zurzeit. Die Schweizer Einzelhandelskette Migros beginnt mit der Kennzeichnung ab März diesen Jahres. „Wir erwarten von der Bundesregierung nun Taten: Sofort umsetzbar wäre in Deutschland die Sicherstellung der korrekten Kennzeichnung israelischer Siedlungsprodukte in Läden”, so Budzinski. Eine solche Kennzeichnung würde es den Verbraucher/innen ermöglichen, im Sinne des kritischen Konsums eine Kaufentscheidung im Einklang mit geltenden Menschenrechts- und Völkerrechtsstandards zu treffen. Die Nahostkommission von pax christi empfiehlt den Verzicht auf Waren aus den israelischen Siedlungen.

Die Bevölkerungszahl in den Siedlungen macht inzwischen über eine halbe Million aus. Drei Siedlungen sind inzwischen große Städte mit 35.000 bis 45.000 Einwohner/innen. Mehr als 43 % der Fläche des Westjordanlandes sowie der Großteil des Wassers und der natürlichen Ressourcen sind bereits den Palästinenser/innen genommen und den Siedlungen zugeschlagen worden.

Ansprechpartnerin bei pax christi für die Medien
Generalsekretärin Christine Hoffmann
Tel. 030-200 76 78-0
Fax 030-200 76 78-19
sekretariat@paxchristi.de “

 

(Quelle: pax christi.)

Europa: Sauber, sauber!

Mittwoch, Juli 20th, 2011

“Massive Umweltbelastungen durch Edelmetalle in Kfz-Katalysatoren

Wissenschaftler warnen [2005] vor ökologischen und ökonomischen Folgen

Eine zwiespältige Bilanz ziehen renommierte Wissenschaftler über die Einführung der Katalysatoren vor über zehn Jahren. “Wenn man die ökonomischen und ökologischen Risiken der verfolgten Strategie betrachtet, ist das gesamte Bild nicht eindeutig positiv: die Produktion der für den Katalysator benötigten Edelmetalle der Platingruppe (PGM) Platin, Palladium und Rhodium ist mit schweren Umweltbelastungen verbunden. In einem schnellen Tempo werden die Vorräte der äußerst seltenen Metalle erschöpft und die Risiken einer ständigen Emission von PGM in die Umwelt müssen ernst genommen werden”, bemängeln Reinier de Man, selbstständiger Berater für “sustainable business development” in Leiden (Niederlande) und Armin Reller, Lehrstuhlinhaber für Festkörperchemie am Institut für Physik der Universität Augsburg.

Am 1. Januar 1993 traten in Europa neue Abgasgrenzwerte für Pkws in Kraft, die nur mit geregeltem Dreiwegekatalysator einzuhalten waren. Der Katalysator hat in den vergangenen zehn Jahren die verkehrsbedingten Stickoxidemissionen erheblich reduziert. Ohne den Katalysator wären sie um einen Faktor fünf höher gewesen. In diesem Sinne sei der Katalysator ein Beispiel einer erfolgreichen Umwelttechnologie, schreiben die Experten in einem Fachbeitrag für den Onlinedienst NeueNachricht.

Was die Experten bemängeln, ist allerdings der Produktionsvorgang bei Katalysatoren: “90 Prozent der PGM-Gewinnung kommt aus nur zwei Bergbaugebieten: Norilsk in Russland und Bushveld in Südafrika. Die nordamerikanische Produktion beträgt nur sieben Prozent der Weltproduktion. Die weltweite Versorgung mit PGM ist damit von zwei Ländern mit potenziell instabilen politischen und ökonomischen Verhältnissen abhängig”, so de Man und Reller. Mehr als die Hälfte der Palladiumproduktion werde für Katalysatoren verwendet. Bei Platin sei das etwas weniger. Fast die gesamte Rhodiumproduktion werde für Katalysatoren verwendet. “Für ein Gramm PGM werden ungefähr 300 Kilogramm Erz verarbeitet, für einen modernen Katalysator mit 20 Gramm PGM insgesamt bis zu 6.000 Kilogramm. Bei einer Haltbarkeit von 150.000 Kilometern sind das 40 Gramm pro Kilometer”, so die Autoren. Der Marktführer für Palladium ist die Firma Norilsk Nickel in Sibirien. Sie liefert zwei Drittel der weltweiten Palladiumproduktion. Ihre Kunden sind internationale Automobilkonzerne. Das Unternehmen wurde vor 70 Jahren von Stalin als Gefangenenlager gegründet. Seitdem hat sich die Firmengeschichte von Norilsk zu einer Erfolgsstory der russischen Industrie entwickelt.

“Im Umweltschutz dagegen hat sich seit den Kriegsjahren wenig getan: Die russische Bergbauindustrie ist die schmutzigste Industrie weltweit – Norilsk die meist verschmutzte Stadt Russlands und wahrscheinlich der ganzen Welt. Die Metalle werden mit veralteter Technologie aus dem schwefelhaltigen Erz gewonnen. Der Schwefeldioxid-Ausstoß von Norilsk wird auf 2,8 Mio. Tonnen geschätzt – das entspricht etwa dem gesamten SO2-Ausstoß in Deutschland. Dazu kommen Schwermetallemissionen und eine unvorstellbare Boden- und Wasserverschmutzung. Die Norilsk-Emissionen schädigen die Wälder in einem Umkreis von 7.520 Quadratkilometern, die Schwermetalle aus der sibirischen Stadt sind noch in Kanada und Skandinavien nachweisbar. Ein Teil der in Norilsk gewonnenen Erze wird auf der Kola-Halbinsel, nicht weit von Norwegen weiterverarbeitet. Der Transport dorthin findet mit atomkraftgetriebenen Eisbrechern nach Murmansk statt. Die Anlagen auf der Kola-Halbinsel sind ebenso veraltet wie die in Norilsk. Auch hier entwickelt sich eine Umweltkatastrophe, die wegen der Nähe zu Norwegen und Finnland allerdings mehr Aufmerksamkeit aus dem Westen erhält als die Probleme in Norilsk. Metalle verseuchen den Boden, aus der Tundralandschaft entsteht nach und nach eine Wüste. Wenn hier nichts passiert, ist die Natur für wenigstens 500 Jahre zerstört“, kritisieren de Man und Reller.

Auch beim Gebrauchs der Katalysatoren würden Umweltbelastungen auftreten. “In der Nähe von Straßen sind stark erhöhte PGM-Konzentrationen messbar und entsprechen dem Mengenverhältnis im Katalysator. Obwohl meist angenommen wird, dass die Umwelt- und Gesundheitsrisiken der PGM-Emissionen niedrig sind, bestehen Sorgen über die gute Wasserlöslichkeit extrem fein verteilter PGM-Teilchen und über die möglich damit verbundene Bioverfügbarkeit. Aber auch wenn solche Risiken ausgeschlossen werden können, entsteht dennoch ein großes Problem. Die äußerst seltenen PGM verteilen sich in die Umwelt und können nie rückgeholt werden. Bei einem Verlust von 20 Prozent bei jedem Katalysator wird bei vier Recyclingvorgängen bereits fast 60 Prozent in die Umwelt verteilt sein”, führen de Man und Reller weiter aus.

Vier Faktoren werden zu einem verstärkten Verbrauch dieser Metalle führen: die Zahl der Autos nimmt weltweit zu, mehr Länder werden Katalysatoren vorschreiben, pro Katalysator wird in Zukunft mehr PGM verwendet und durch die Einführung von Brennstoffzellen, die ebenfalls PGM benötigen, wird die Nachfrage zusätzlich zunehmen. “Diese Faktoren sind mit erheblichen Unsicherheiten behaftet, aber bereits eine qualitative Betrachtung der jeweiligen Trends macht plausibel, dass eine Zunahme der Nachfrage um einen Faktor vier in den kommenden 25 Jahren durchaus zu den Möglichkeiten gehört. Diese Situation wird auftreten, wenn die Nachfrage nach Pkws in den Entwicklungsländern stark zunimmt und zugleich die Brennstoffzellentechnologie einen Durchbruch erlebt. Dabei ist angenommen, dass die Brennstoffzellen mit relativ wenig PGM auskommen. Wenn aber eine höhere Menge PGM pro Brennstoffzelle gebraucht wird, könnte sich die Nachfrage nach PGM innerhalb von 25 Jahren sogar verzehnfachen”, prognostizieren de Man und Reller. Im Interesse der Umwelt und der Industrie müssten diese Risiken minimiert werden. Eine Strategie dazu sollte kurzfristig die Umweltbelastung bei der Produktion – vor allem in Russland – stark reduzieren, mittelfristig die Forschung nach potenziellen Umwelt- und Gesundheitsrisiken maximal fördern und längerfristig Technologien entwickeln, die zu einer Reduzierung des PGM-Gebrauchs oder einer Substitution führen.

“Kurzfristig müssen Automobil- und Katalysatorhersteller mit den Metalllieferanten zusammenarbeiten und gemeinsam einen Minimumstandard für nachhaltige PGM-Produktion definieren und implementieren. Vorrangig geht es um die Sanierung der russischen Anlagen. Es gibt bereits eine Kooperation zwischen Norwegen und Russland für die Sanierung der Metallwerke auf der russischen Kola-Halbinsel. Die unmittelbar durch die russischen Emissionen betroffenen Norweger zahlen 30 Mio. Euro und liefern zusätzlich günstige Kredite. Für die Sanierung der Anlagen in Norilsk sind aber erheblich höhere Investitionen notwendig. Hier sollte die westliche Industrie aus eigenem Interesse aktiv werden”, fordern de Man und Reller.

Gunnar Sohn | Quelle: pressetext.deutschland

Weitere Informationen: www.rdeman.nl
www.physik.uni-augsburg.de

 

(Quelle: innovations-report.)

Siehe auch:

Norilsk Nickel will [2011] Umweltverschmutzung verringern

Global: Armutsbekämpfung repolitisieren

Donnerstag, Juli 7th, 2011

“Der peruanische Psychoanalytiker Dr. César Rodríguez Rabanal plädiert für ein Verständnis von Armutsbekämpfung, in dem Empathie und Solidarität im Mittelpunkt stehen

Sie haben sich bereits in den achtziger Jahren mit den psychischen Folgen von Armut beschäftigt und mit psychoanalytischen Methoden die Situation der Menschen in den Elendsvierteln von Lima untersucht. Was waren damals die zentralen Ergebnisse dieser Beschäftigung?

César Rodríguez Rabanal: Damals beschäftigte man sich mit der Armut vor allem auf dem Gebiet der Ökonomie und der Entwicklungspolitik. Die sogenannten “harten Daten” der materiellen Armut wurden jedoch nicht mit der Herausbildung bestimmter Verhaltensmuster, die unter solchen Lebensumständen möglicherweise entstehen, in Verbindung gebracht. Letzten Endes ging es uns um die Wechselwirkungen zwischen der Innen- und der Außenwelt des Menschen am Beispiel der Armut: Welche äußeren Bedingungen führen dazu, dass Menschen bestimmte Haltungen und Verhaltensmuster übernehmen? Und umgekehrt. Wie tragen diese Haltungen und Verhaltensmuster dazu bei, dass materielle Armut und die Abhängigkeiten sich verewigen? Diesen Ausgangspunkt haben wir später um Untersuchungen zu politischer Gewalt erweitert.

Die Slumbewohner in Lima hatten das Land, auf dem sie ihre Hütten errichteten, besetzt. Gab es im Gegensatz zu heute politische Strukturen oder Formen der Selbstbestimmung auch unter den Allerärmsten?

Ja. Das waren allerdings keine nachhaltig organisierten Strukturen, sondern vielmehr Überlebensstrategien, die aus der Not entstanden waren, um sich gegen die Räumungen durch die Polizei zur Wehr zu setzen. Es gab auch damals Leute, die damit Geschäfte machen wollten oder versuchten aus der Situation politisches Kapital zu schlagen. Diese selbst organisierten Überlebensstrukturen werden von außen instrumentalisiert. Da gibt es politischen Opportunismus, Skrupellosigkeit, aber auch das Bedürfnis dieser Menschen, sich zu behaupten und das besetzte Land, das alles Wüste war, zu verteidigen. Zu diesem Zweck haben sie sich regelmäßig getroffen und an diesen Treffen haben wir teilgenommen. Wir haben uns vorgestellt und erklärt, dass wir keine psychologisierenden Ansätze hätten, sondern dass wir den Urbanisierungsprozess als Ganzes begleiten wollten. Dazu machten wir uns mit den Gegebenheiten vor Ort vertraut, was eine Grundvoraussetzung für eine solche Art von Arbeit ist. Für uns war die Identifizierung mit den Menschen und ihren Anliegen außerordentlich wichtig, gerade weil auch unser Anliegen im weitesten Sinne des Wortes ein politisches war.

Wie haben sich der Mikrokosmos Armut und seine psychischen Folgen für die Menschen in den Jahrzehnten des Neoliberalismus verändert?

Eine Arbeit wie damals ließe sich heute nicht so einfach durchführen, weil solche Organisationsformen, wie sie damals bestanden, mit dem wachsenden Individualismus nur selten entstehen. Würden wir heute in einem neu entstandenen Elendsviertel auftauchen, um uns zu solidarisieren und unsere fachliche Unterstützung bei der Ansiedlung anbieten, würde sofort die Frage nach unserem Interesse auftauchen: Was wollt ihr von uns? Welche Geschäfte wollt ihr mit uns machen? Beinahe alles wird heute im Sinne des Geschäfts verstanden. Misstrauen war zwar auch damals vorhanden, aber zumindest noch ambivalent ausgeprägt. Heute, nach Jahrzehnten des Neoliberalismus, herrscht vor allem ein utilitaristisches Denken vor: Wie kann man aus der Arbeit mit uns, Profit für sich schlagen. Die Folgen des Neoliberalismus bestehen vor allem im Verlust von Solidarität untereinander und in den wachsenden Vorbehalten, sich von uns unterstützen zu lassen.

Das Beispiel Bangladesch

Gesundheit in der Megacity

Es ist eines der irrwitzigen Phänomene des 21. Jahrhunderts: Nie war die Weltbevölkerung so groß und nie lebte sie auf so eng gedrängtem Raum. Das Gesicht dieser Urbanisierung ist die scheinbar wie entfesselt wachsende Megacity. 15 der 20 größten Stadtregionen liegen im globalen Süden und ein Drittel der Stadtbewohner leben dort in absoluter Armut. In der hauptstädtischen Agglomeration Dhaka wohnen heute 15 Millionen Menschen, 1950 waren es noch 500.000. Anders als auf dem Land, kann Gesundheitsfürsorge in diesem städtischen Raum nicht auf schon bestehende Gemeinschaft der Betroffenen setzen, sondern muss ein solches solidarisches Mit- und Füreinander erst schaffen. Das wagt der medico-Partner Gonoshastaya Kendra (GK) jetzt mit der Rickshawpullers Health Cooperative. Hier können sich die Fahrer der dreirädrigen Fahrradrikschas, sie alle leben in Konkurrenz zueinander in slumähnlichen Verhältnissen, für einen Euro jährlich gegenseitig krankenversichern. medico bezuschusst diesen Vorgriff von unten im Kampf um eine gesetzliche Krankenversicherung. Ihre Spende dafür unter dem Stichwort: Bangladesch.

Das Beispiel Haiti

Solidarität der Kleinbauern

Ländliche Armut ist in vielen lateinamerikanischen Ländern Ausdruck von extremer Ausweglosigkeit und Vernachlässigung. Aufgrund ökologischer und weltwirtschaftlicher Rahmenbedingungen ist die Situation der Kleinbauern und Landarbeiter in Haiti allerdings besonders problematisch. Trotzdem, auch hier existiert eine soziale Bewegung der Kleinbauern, Tet Kole, die seit zwei Jahren mit ihren 70.000 Mitgliedern auch der internationalen Bewegung Via Campesina angehört, die sich unter anderem für die Landreform und den Widerstand gegen das Agrobusiness einsetzt. Seit zwei Jahren gibt es eine brasilianische Solidaritätsbrigade, die Tet Kole ihr Wissen in Theorie und Praxis zur Verfügung stellt. Nach dem Erdbeben organisierte sie 1.284 Zisternen für vernachlässigte haitianische Dörfer, die der brasilianische Bundesstaat Bahia spendete. Die Installation der Zisternen unterstützte medico. Die haitianisch-brasilianische Solidarität geht weiter und wird unter anderem von medico gefördert. Ihre Spende dafür unter dem Stichwort: Haiti.

Ist so auch eine wichtige Ressource der Selbstheilung verloren gegangen?

Nicht nur der Selbstheilung, sondern auch der Motivation für solidarische Unterstützung. Wir wollten damals nicht einfach helfen, wir wollten die Menschen in ihrem Recht auf Stadt politisch unterstützen und auch uns selbst an der Aufgabe entwickeln. Heute herrscht ein kurzsichtiger Pragmatismus vor, der sich auch in der Politik gegenüber der Armut und den Armen wiederfindet. Politik besteht nur noch aus handfesten Angeboten. Geld wird zugeschossen oder Infrastruktur verbessert. Das ist richtig, aber die Vorstellung von Entwicklung beschränkt sich dabei eben nur auf das Materielle. Ein integraleres Konzept von Entwicklung, das den Menschen mit seinen Potenzialen umfasst, hat leider immer weniger Platz.

Die eher technisch ausgerichteten weltweiten Armutsbekämpfungsprogramme treffen auf Menschen, die letztlich nicht in der Lage sind, selbst aus der Armut herauszukommen. Bleiben sie deshalb auf Dauer unwirksam?

Ohne die ganze Welt zu kennen, würde ich sagen, dass sich dieser Trend auf jeden Fall deutlich abzeichnet. Hier in Peru gibt es zum Beispiel spezielle staatliche Institutionen für die Vergabe von Mikrokrediten. Die führen Weiterbildungen durch, sogenannte “capacitaciones”, bei denen auf einer Veranstaltung Tausende von Menschen innerhalb von drei bis vier Stunden im Umgang mit den Mikrokrediten geschult werden. Nach dieser Veranstaltung gelten sie als weitergebildet und bekommen sogar ein Zeugnis ausgestellt. Das ist eine Beleidigung der Menschen. Es handelt sich um eine Instrumentalisierung der Armutsbekämpfung für sehr kurzfristige politische Ziele. Es geht immer nur um Zahlen. Die jetzige Regierung Perus behauptet, die Armut hätte sich erheblich reduziert. Aber wie die Armen leben, wie sie miteinander umgehen, wie sie sich organisieren und welche Perspektiven sie im Leben haben, interessiert keinen.

Welche Ansätze kann eine solidarische Hilfe verfolgen, die diesen inneren wie äußeren Kreislauf der Armutszementierung durchbrechen will?

Wir arbeiten wie medico mit Partnern, die im guten Sinne des Wortes politisiert sind. Sie verfügen über langjährige Erfahrungen im Umgang mit der Armut, im Umgang mit Menschen in Armut und in praktischer Solidarität. Es fehlt ihnen vielleicht an Fachkenntnissen, die hilfreich sein könnten. Wir wollen sie nicht zu Psychoanalytikern oder Psychotherapeuten ausbilden. Aber in Selbsterfahrungsgruppen sollen ihnen Fachkenntnisse vermittelt und ihre Fähigkeit, auf Menschen aus Armutskontexten einzugehen, gefördert werden. Das ist ein ganz entscheidender Punkt, der in der Regel in der Entwicklungszusammenarbeit vernachlässigt wird.

Aber Traumaarbeit ist doch gerade ein großes Schlagwort in der Entwicklungspolitik?

Bei den Themen Selbstwertgefühl und Trauma muss man aufpassen. Das Ganze ist sehr psychiatrisiert worden, beziehungsweise zu Schemen und Schlagworten verkommen. Alle sprechen nur von den Folgen des Traumas und haben ein bestimmtes Schema beim Umgang damit vor Augen. Aber im Umgang mit einem konkreten Menschen und seinen Gefühlen gibt es keine generellen Antworten. Man muss sich immer wieder aufs Neue mit dem einzelnen Fall beschäftigen und die Fähigkeit der Menschen, die vor Ort mit diesen Menschen arbeiten, entsprechend in diese Richtung entwickeln und fördern; immerhin geht es dabei um Traumatisierungen. In Lateinamerika gibt es immer wieder die Praxis der Workshops, die meistens an einem Wochenende stattfinden und auf denen man erklärt bekommt, wie man ein anderes, ein besseres Selbstwertgefühl erlangt. Das ist doch sehr naiv. Vielmehr müsste die ständige Begleitung dieser Gruppen im Vordergrund stehen.

Das Beispiel Südafrika

Wider den Kreislauf aus Armut und Gewalt

Aus einer Gruppe engagierte Psychologen, die Gefangene und Folteropfer des Apartheid-Regimes therapeutisch unterstützen, ist dieser langjährige medico-Projektpartner entstanden. Die Arbeit von Sinani in ausgegrenzten und gewaltgeprägten Gemeinden in KwaZulu-Natal ist getragen von der Überzeugung, dass Hilfe für Veränderungsprozesse alle Bedürfnisse wahrnehmen und ganzheitlich organisiert sein muss. Seit 1995 arbeitet Sinani in ca. 20 Gemeinden, in denen politische, soziale und häusliche Gewalt eng verschränkt sind, extreme Armut und eine hohe HIV-Infektionsrate herrscht. Die Gemeinwesenarbeit von Sinani verbindet die Selbstermächtigung des Einzelnen mit der Wiederherstellung von Beziehungen und Verbindungen in den Gemeinden sowie zu staatlichen Institutionen. Ziel ist es die politischen und sozialen Akteure in den Gemeinden – durch Fortbildungen, Entwicklung von sozialen und wirtschaftlichen Programmen – in ihrer Selbstermächtigung zu stärken. Die langjährige Begleitung der Gemeinden hat sich als so erfolgreich erwiesen, dass Sinani von staatlichen Stellen zur Fortbildung angefordert wird und ein Curriculum erarbeitet, auf dessen Grundlage Gemeinwesenarbeiter und Sozialpädagogen ausgebildet werden, die in diesen extremen Armuts- und Gewaltkontexten tätig sein werden. (Ausführliche Informationen zum Arbeitsansatz von Sinani)
Spendenstichwort: Südafrika.

Was wären Schwerpunkte einer solchen Weiterbildung in Abgrenzung zum allgemeinen Traumadiskurs?

Am Anfang ist es wichtig, eben keine Agenda zu haben, sondern sich erst einmal mit den Menschen zu treffen und sich anzuhören, was sie zu erzählen haben. Dabei sollte man ihnen nicht den Eindruck vermitteln, sie seien krank und man würde sie nun als Arzt entsprechend behandeln. Vielmehr sollte man deutlich machen, dass sie Menschen sind, die unter schwierigen Bedingungen leben, sich daher schwer tun, alleine weiterzukommen. Im Vordergrund sollte auf jeden Fall die Begleitung dieser Personen stehen und nicht die Einengung auf ihre traumatischen Geschichten. Ich selbst habe einmal in Peru einen Workshop mit ehemaligen Tuberkulosepatienten veranstaltet. Da haben wir erst einmal nur über den Alltag dieser Menschen gesprochen und erst später über das Thema Tuberkulose. Wir haben sie nicht als Kranke behandelt, sondern als Menschen, die es schwer haben im Leben und alleine damit nicht fertig werden, und dadurch ihre Geschichte entmedikalisiert. Es muss doch betont werden, dass niemand allein fertig werden kann mit so etwas Gravierendem wie der Vernachlässigung durch Armutsverhältnisse und den Katastrophen, die damit so häufig verbunden sind.

Ohne Agenda, das widerspricht den Armutsbekämpfungsprogrammen, die auf messbare Erfolge abzielen?

Auch ich bin für erfolgreiche Armutsbekämpfung. Es kommt dabei ganz darauf an, wie man den Erfolg definiert. Wenn man unter Erfolg versteht, dass immer mehr Menschen ein Bewusstsein für die eigene Lage entwickeln, empathisch im Umgang mit anderen werden und Solidarität ausüben, dann halte ich das für sehr erfolgreich.

Das Interview führte Katja Maurer

Dr. César Rodríguez Rabanal, in Peru geboren, hat in der Bundesrepublik studiert und am Frankfurter Sigmund-Freud-Institut seine psychoanalytische Ausbildung erhalten. Er hat mehrere Bücher zu psychosozialen Problemen in peruanischen Elendsvierteln verfasst. “

 

(Quelle: medico international.)

Äquatorial-Guinea: Fußballerinnen zu erfolgreich?

Donnerstag, Juli 7th, 2011

“Zwischen Wertschätzung und Stigmatisierung

Fußballerinnen in Äquatorial-Guinea

Von Regina Roschmann und Yvonne Weigelt-Schlesinger

Vom 26. Juni bis 17. Juli 2011 findet in Deutschland die Frauenfußball-Weltmeisterschaft statt. Dabei vertreten die Teams aus Äquatorial-Guinea und aus Nigeria – Letztere sind Afrikameisterinnen – den gesamten Frauenfußball in Afrika. Laut ExpertInnen des Fußballweltverbandes (FIFA) hat dieser eine vielversprechende Entwicklung gemacht und blickt in eine aussichtsreiche Zukunft. Allerdings hat man in den meisten afrikanischen Ländern nicht nur mit enormen infrastrukturellen Problemen, sondern auch nach wie vor mit Vorurteilen gegenüber Fußball spielenden Frauen zu kämpfen. Am Beispiel des kleinen westafrikanischen Landes Äquatorial-Guinea beleuchtet der folgende Beitrag den kontrovers geführten Geschlechterdiskurs.

Der schwere Weg zur WM

In der FIFA-Frauen-Weltrangliste rangiert Äquatorial- Guinea im März 2011 auf Platz 61 und ist damit aktuell die viertstärkste afrikanische Mannschaft hinter Nigeria (Rang 27), Ghana (Rang 49) und Südafrika (Rang 58). Zum Vergleich: Deutschland steht an zweiter Stelle, die Schweiz auf Rang 26 und Österreich auf Position 40. Der nationale Verband von Äquatorial-Guinea, die Federación Ecuatoguineana de Fútbol, wurde 1960 gegründet und ist seit 1986 Mitglied der FIFA. Seit 1996 existiert auch ein organisierter Frauenfußballbetrieb. Bei der Frauenfußball- Weltmeisterschaft in Deutschland hat es Äquatorial-Guinea in der Gruppenphase mit den Mitfavoriten Norwegen und Brasilien sowie mit Australien zu tun. In der Qualifikation zur Weltmeisterschaft ließ Äquatorial-Guinea Länder wie Ghana, Südafrika und Kamerun hinter sich und wurde erst im Finale von Nigeria besiegt. Dennoch kam der Erfolg nicht überraschend. Schon 2008 wurde die Afrikameisterschaft vom äquatorial-guineischen Team gewonnen, und die Mannschaft sorgte schon in der Olympiaqualifikation 2007 zu den Spielen in Beijing mit ihrem Sieg über Favorit Südafrika für Furore. Solche Erfolge eines Landes, das gerade mal 650.000 EinwohnerInnen zählt, lassen offenbar Misstrauen aufkommen und obendrein Spekulationen über das “wahre” Geschlecht von Spielerinnen entstehen. Es regte sich Protest. Anschuldigungen wurden geäußert, in dieser Mannschaft würden Männer spielen. Erklären könnte diese Erfolge aber auch die Tatsache, dass der Frauenfußball erst seit einiger Zeit einen Boom erlebt. Auch andere Länder – vor allem in Afrika – können deshalb derzeit noch nicht auf große personelle Ressourcen zurückgreifen. Die Größe des Landes bzw. die EinwohnerInnenzahl ist also möglicherweise noch kein entscheidendes Kriterium, und auch ein kleines Land kann sich im Wettkampf behaupten.

Wann wird eine Frau als Frau gesehen?

Die Frage nach dem wahren Grund der Erfolge wird sich von Außenstehenden nur schwer beantworten lassen. Dennoch versteckt sich hinter diesem Diskurs eine Problematik, die in letzter Zeit vor allem durch den Fall Caster Semenya für Aufsehen sorgte. Die Südafrikanerin Semenya triumphierte bei der Leichtathletik-WM 2009 in Berlin über die Strecke von 800 m und sah sich anschließend u. a. aufgrund ihrer plötzlichen Leistungssteigerung, ihrer tiefen Stimme und ihrem Aussehen mit dem Vorwurf konfrontiert, sie sei keine Frau. Anschließend musste sie sich einem Geschlechtstest unterziehen, der Aufschluss bringen sollte. Bemerkenswert im Falle der aktuellen Vorwürfe gegenüber Äquatorial-Guinea ist in diesem Zusammenhang eine Aussage, die Nigerias Trainerin Eucharia Uche zugeschrieben wird: “Wie schon 2008 spielen bei ihnen zumindest zwei Männer mit”.– “Zumindest” heißt es in diesem Vorwurf; so eindeutig scheint die Sachlage also nicht zu sein. Und sie ist es auch nicht, denn die übliche Unterscheidung in männlich und weiblich, wie sie in den meisten Kulturen gesellschaftlich konstruiert wird, ist aus biologischer Sicht eben nicht so eindeutig. Es gibt z. B. Menschen, die mit einem Y-Chromosom geboren wurden, aber alle körperlich charakteristischen Merkmale einer Frau entwickelten, ausgenommen der inneren Sexualorgane. Medizinisch wird diese Konstellation als Androgen Insuffizienz Syndrom (AIS) bezeichnet. Diese Frauen haben ein XY-Chromosom, sind aber doch keine Männer, da ihr Körper nicht auf das produzierte Testosteron reagiert.

Geschlechtstests als Lösung?

Geschlechtstests lösen diese Problematik demnach nicht immer. Aber gerade der Sport nutzt auf formeller Ebene die Unterscheidung in männlich/weiblich als Grundlage zur Strukturierung seiner Wettbewerbe. Ein Abweichen von dieser Einteilung, also die Zulassung von Männern und Frauen in denselben Wettbewerben, würde dem Sport ein konstituierendes Charakteristikum entziehen: die Chancengleichheit. Dass der Sport von dieser binären Unterteilung abweicht und Wettkampfklassen weiter differenziert – z. B. Wettkämpfe für Intersexuelle einführt –, ist aufgrund des hohen Aufwands und der stark traditionell geprägten Strukturen unwahrscheinlich. Neben diesen formellen Kriterien beruhen auch heute noch im Sportsystem die traditionellen Geschlechterrollen auf dem komplementären Schema der “männlichen Stärke” und der “weiblichen Schwäche”. Die Ausübung der “Männersportart” Fußball, gepaart mit der Nichtübereinstimmung des gesellschaftlichen Schönheitsideals von Frauen, gilt als “unafrikanisch” und unwürdig und wird teilweise sogar durch Strafen sanktioniert (vgl. Meier, 2010).
Die Leichtathletikerin Caster Semenya hat im Juli 2010 die Startberechtigung für die Frauenwettbewerbe nach einer Hormonbehandlung zurückerhalten. In ihrer Heimat wird sie als große Sportlerin gefeiert. Aber andernorts könnte an jedem weiteren Sieg ein Makel hängen bleiben, nach dem Motto: die hat zwar gewonnen, aber eigentlich ist sie keine Frau.
Das internationale Olympische Komitee (IOK) will, zwölf Jahre nach der Abschaffung der Sextests, wieder Geschlechtskontrollen für Frauen einführen. Der würdige Umgang mit Menschen, die wahrscheinlich selbst nicht genau wissen, in was für einem Körper sie stecken, bleibt dabei auf der Strecke. Auch wenn das IOK verlauten ließ, dass die besagten Fälle dann nicht öffentlich weltweit kommuniziert würden. Man darf gespannt sein, wie sich die Öffentlichkeit im Sommer bei der Fußball-Weltmeisterschaft der Frauen gegenüber den Spielerinnen aus Äquatorial- Guinea verhalten wird. Das Ausmaß der Kritik wird sich vermutlich danach messen, wie erfolgreich die Spielerinnen sind und gegen welche Mannschaften sie punkten.

Literaturtipp:
Meier, M.: Banyana Banyana. In: Frauenfussball – Magazin. 1 (3). 4–5 (Aachen, 2010).

Zu den Autorinnen:
Regina Roschmann studierte Sportökonomie in Chemnitz (Deutschland) und Trondheim (Norwegen). Seit 2007 ist sie wissenschaftliche Mitarbeiterin an der TU Chemnitz. Ihre Schwerpunkte sind Fußball und Sportmarketing. // » Yvonne Weigelt-Schlesinger studierte Sportwissenschaft in Chemnitz (Deutschland) und promovierte in Tübingen. Seit 2009 ist sie Assistentin am Institut für Sportwissenschaft der Universität Bern. Ihre Schwerpunkte sind Geschlechterforschung, Sportspieldidaktik und Sportbiographien von Frauen mit Migrationshintergrund. “

 

(Quelle: Frauensolidarität.)

Hinweis

Die aktuelle Ausgabe der Zeitschrift “Frauensolidarität”, aus der dieser Aufsatz stammt, finden Sie in unserer Bücherei.

Libyen/BRD: Gaddafi als Kunde in Gronau

Samstag, April 16th, 2011

“… und die Gemeinschaft der Schurken

Von Horst Blume

Venezuelas Staatschef Hugo Cháves rief Ende Februar 2011 noch “Es lebe Libyen!” und meinte Gaddafi, Daniel Ortega (Nicaragua) schickte solidarische Grüße und Weißrussland kam als Ausreiseziel des libyschen Diktators ins Gespräch. Im Rahmen einer “revolutionären Außenpolitik” sind die genannten Länder nicht zufällig bevorzugte Sympathieobjekte der Tageszeitung junge Welt, die in konkret nicht ganz ohne triftigen Grund als “nationalbolschewistisch” (1) bezeichnet wurde. Doch auch konkret, das heute Muslime tendenziell als Feinde Israels ansieht, sollte den Mund nicht zu voll nehmen: Im Februar 1980 legte sie ihrer Zeitung ein 16seitiges bezahltes islam-grün umrandetes Heft “10 Jahre libysche Revolution” bei. Eine Ausgabe später beteuerte die Redaktion, sie wisse nicht, was die herausgebende “Volksjamahiria” überhaupt sei. Heute ist sie eifrige Spezialistin auf dem Gebiet der Islamdeutung und recht unduldsam gegenüber anderen Meinungen.

Während sogar der sauerländische Eishockeyclub ECD Iserlohn, der in den 80er Jahren auf den Trikots ihrer Mannschaft Werbung für Gaddafis “Das grüne Buch” machte, in der taz (2) seine Vergangenheit aufarbeitete, ist es um Gronaus und Almelos Verwicklungen in den libyschen Versuch, sich Atomwaffen zu beschaffen, merkwürdig still.

Hier werden seit Jahrzehnten zwei große Urananreicherungsanlagen betrieben, in denen Uranhexafluorid in mehreren Zwischenschritten zu nuklearem Brennstoff für Dutzende von Atomkraftwerken weiterverarbeitet wird.

Bereits 1969 bekundeten Gaddafi sowie Vertreter Saudi-Arabiens und die Emire aus den Golfstaaten bei einem Treffen mit dem pakistanischen Premierminister Bhutto in Libyen ihr großes Interesse, von den Erfahrungen bei der Entwicklung des pakistanischen Atomwaffenprojekts zu profitieren (3).

“Am Ende erklärten Gaddafi und die Saudis sich bereit, zunächst rund 500 Millionen Dollar für die ‘islamische Bombe’ zu investieren, möglicherweise langfristig auch mehr; sie verlangten dafür den uneingeschränkten Zugang zur pakistanischen Bombentechnik, die Weitergabe nicht nur von Kow-how, sondern von jedweder Nukleartechnologie, deren Anschaffung die Allianz mit ihrer Finanzspritze ermöglichen würde.” (4)

1974 besuchte Gaddafi Pakistan und in den folgenden zwei Jahren brachten Geldkuriere Koffer voller Banknoten nach Karatschi, damit die Summen nicht auf offiziellen Konten auftauchten.

URENCO als Ausgangspunkt für Nuklearterrorismus

Ab 1973 arbeitete der fließend deutsch und niederländisch sprechende pakistanische Wissenschaftler Qadeer Khan in dem britisch-niederländisch-deutschen Konsortium URENCO. Ohne große Probleme konnte er sich in kurzer Zeit das Wissen über den Bau von Uranzentrifugen aneignen, Konstruktionspläne entwenden und die für die Produktion der zahllosen Einzelteile in Frage kommenden Firmen ausfindig machen. Khan hatte 1974 Zugang zu den Unterlagen für die deutschen Zentrifugen, die bereits von Nazi-Wissenschaftlern für Hitlers geplante Atomwaffe erfunden und weiterentwickelt wurden (5).

Nachdem er bei URENCO doch noch “auffällig” wurde und wieder zurück in Pakistan war, organisierte er die nächsten Jahrzehnte lang ein weltweit agierendes Netzwerk zur Beschaffung von Zentrifugen und Einzelteilen. Es wurde sein berühmt-berüchtigter “nuklearer Schwarzmarkt” (6).

Drei Großgeräte, sogenannte Autoklaven, fielen 1986 beim Schweizer Zoll auf. Die Baupläne kamen von der Jülicher Firma Uranit, die über eine Holding mit der URENCO-Gruppe verbunden und heute eine Tochtergesellschaft von RWE und E.ON ist.

Khan wurde in Abwesenheit zu vier Jahren Gefängnis verurteilt. Das Urteil wurde aber in Berufung kassiert und URENCO zog es vor zu schweigen, um einen Imageschaden zu vermeiden.

Komponenten aus Köln, Hanau, Dortmund ….

Khan kümmerte sich in den folgenden Jahren um seine Kunden im eigenen Land und in Nordkorea, wobei ihn die Firma Leybold-Heraeus aus Köln und Hanau mit der Lieferung einer Gasreinigungsanlage, Schweißmaschinen, Pumpen und Ventilen tatkräftig unterstützte. Insgesamt 70 bundesdeutsche Firmen lieferten Einzelteile für die Realisierung der in der URENCO-Bauanleitung beschriebenen Zentrifugen (7).

Nachdem diese Kunden bedient waren, wurden die Verhandlungen mit Mohamad Matuq Mohamad aus der Chefetage des inzwischen begonnenen libyschen Atomprogramms intensiviert. 1998 erhielten die Libyer zwanzig komplette P1-Zentrifugen aus Aluminium und Komponenten für 200 weitere Uranmaschinen (8).

Im Jahre 2000, so recherchierte der Khan-Kenner Egmont R. Koch, bestellte Libyen für weitere 100 Millionen Dollar das nukleare Komplett-Paket für die Atombombe: “Projektstudie für die Gesamtanlage, Baupläne und Hardware der Zentrifugen, elektrische und elektronische Steuereinrichtungen, Ein- und Ausspeisesystem für Uranhexafluorid einschließlich 20 Tonnen des Gases als Starter-kit, Design für computergesteuerte Drehbänke zum Selbstbau der Zentrifugen, Ausbildung und Training der Fachleute.” (9) Im September 2000 erfolgte die Lieferung von P2-Modellen der Zentrifugen und eines kleineren Kanisters mit Uranhexafluorid, damit die Techniker in Al Fallah schon einmal das Anreichern “üben konnten” (10).

Bei der Dortmunder Firma Tridelta, die aus dem Unternehmen Thyssen Magnettechnik (Dortmund-Aplerbeck) hervorgegangen ist (11), bestellten und erhielten Khans Mittelsmänner Ringmagneten, die dann zusammen mit anderen Komponenten in Istanbul zusammengebaut und nach Dubai verschifft wurden, um den Weg nach Libyen anzutreten.

Südafrika

Von den URENCO-Bauplänen profitierte ebenfalls der in Südafrika lebende deutsche Maschinenbau-Ingenieur Wisser, der dort eine Firma für Vakuumtechnik betrieb und schon als Zulieferer für die sechs Atombomben des Apartheidstaates fungierte. Für die seit 1999 durchgeführte Produktion von Zentrifugenteilen erhielt er mit seinem Kompagnon Johan Meyer, der im südafrikanischen Vanderbijltpark eine Werkshalle betrieb, 28 Millionen Euro (12).

Als im August 2003 mehr als 2.200 nach deutschen Plänen produzierte Uranzentrifugen Shah Alam, die Hauptstadt des malaysischen Bundesstaats Selangor, in Richtung Libyen verlassen hatten, war dieser Lieferung längst die CIA auf den Fersen (13). Denn den Geheimdiensten waren nicht alle Aktivitäten Khans verborgen geblieben. Im Mittelmeer wurde das Transportschiff kurz vor Libyen nach Taranto in Süditalien umdirigiert. Der Nuklear-Deal Gaddafis flog auf, die CIA konnte einen Erfolg verbuchen. Gaddafi versprach, seine Ambitionen auf Atomwaffen aufzugeben, und arbeite von nun an mit den Inspektoren der IAEA zusammen.

Das Nachspiel

Informationen über involvierte Mittelsmänner, Lieferanten, Unternehmen und Koordinatoren des Nukleardeals wurden von Libyen weitergegeben. Es waren lauter “alte Bekannte”, über die die Geheimdienste der USA und Großbritanniens schon auffällig gut Bescheid wussten.

Die in der Schweiz, BRD und Südafrika erfolgten Prozesse gegen die Verantwortlichen zeigten deutlich, wie sehr die Geheimdienste rund um den Erdball nicht nur auf Trapp gehalten wurden, sondern bei den Geschäften sogar eifrig mitmischten. Ist der nukleare Geist erst einmal aus der Flasche entwichen, ist es nahezu unmöglich, ihn wieder einzufangen.

Ein handfester Skandal offenbarte sich 2008 während eines Prozesses, als die Schweizer Behörden auf Geheiß und unter Beaufsichtigung der USA wichtige Beweismaterialien vernichteten: “Und immer mehr verdichtet sich die Gewissheit, dass die ‘Aktion Reißwolf’ auf Druck Washingtons beschlossen wurde, um die Rolle des US-Geheimdienstes CIA im illegalen Handel mit Komponenten von Atomwaffenprogrammen zu verschleiern.” (14)

Nachdem 2007 in Mannheim ein Prozess gegen Beteiligte an der Zentrifugenlieferung aus Südafrika geplatzt war, weil die Beweisführung aufgrund der massiven Vertuschungsaktionen der an den dubiosen Operationen beteiligten Geheimdienste unmöglich war, fand 2008 in Stuttgart ein Folgeprozess statt, bei dem es nur noch zu Strafen kommen konnte, die mit den bereits abgesessenen mehrmonatigen Untersuchungshaftzeiten verrechnet wurden. Der vorsitzende Richter monierte, dass nicht nur die Geheimdienste, sondern ausgerechnet auch das “neue” befreite Südafrika jegliche Hilfestellung bei der Aufdeckung des libyschen Nukleardeals strikt ablehnte (15).

Die sonst so konservative Rheinische Post kam nicht umhin, die Verwicklung der Geheimdienste folgendermaßen zu kommentieren: “Deren Involvierung hat es nahezu unmöglich gemacht, die Wahrheit zu recherchieren.” (16)

Die UAA in Gronau nimmt durch ihre Brennstoffproduktion für Dutzende von Atomkraftwerken in Europa nicht nur eine Schlüsselposition ein, sondern stellt aufgrund ihrer Eignung für die Produktion von atomwaffenfähigem Material und die Weitergabe des Know hows hierfür eine große Gefahr für den Weltfrieden dar.

Seit Beginn der Produktion vor mehreren Jahrzehnten reiht sich ein Skandal an den anderen, ohne dass die Anti-Atom-Bewegung die Gefahren und die Notwendigkeit erkannt hatte, massiv und mit Nachdruck tätig zu werden. Die UAA Gronau fristete immer ein Schattendasein im Bewusstsein der Bürgerinitiativbewegung, obwohl sie einer der gefährlichsten Bausteine der Atomindustrie ist.

Wenn sich die Umweltschutzbewegung ihr vielbeschworenes “Denken in Zusammenhängen” wirklich zu eigen gemacht hätte, wäre die UAA in Gronau heute im öffentlichen Bewusstsein genauso bekannt wie Gorleben oder Brokdorf. Grund genug, am 25. April 2011 endlich für einen Paukenschlag zu sorgen, bei dem alle Beteiligten wach werden (siehe dazu Artikel in dieser GWR)!”

7.3.2011

Anmerkungen

(1) Konkret, März 2011, Seite 24

(2) TAZ vom 1.3.2011

(3) Egmont R. Koch “Atomwaffen für Al Qada”, Aufbau-Verlag, Seite 55

(4) Siehe 3., Seite 56

(5) Siehe 3., Seite 63

(6) Siehe THTR.Rundbrief Nr. 95, 99, 104, 111 und 125 unter www.reaktorpleite.de

(7) Freitag vom 16.11.2007

(8) Siehe 3., Seite 211

(9) Siehe 3., Seite 242

(10) Siehe 3., Seite 243

(11) Siehe 3., Seite 244. Tridelta ist zusammen mit der Firma Uhde Bestandteil eines Unternehmensgeflechts, das vor wenigen Jahren die nuklearen Brennelemente für den inzwischen gescheiterten PBMR in Südafrika gebaut hat.

(12) Aus: PR Inside.com vom 14.11.2007 und: Liechtensteiner Wirtschaftswochenzeitung Wirtschaftregional vom 8.8.2007

(13) Siehe 3., Seite 261

(14) Frankfurter Rundschau vom 29.5.2008

(15) Aus: Focus Online vom 16.10.2008

(16) Aus: Rheinische Post vom 16.10.2008

 

(Quelle: graswurzelrevolution.)

 

Anmerkung

Die aktuelle Ausgabe der Zeitschrift “graswurzelrevolution”, aus der dieser Aufsatz stammt, finden Sie in unserer Bücherei.

Libyen: Ein “afrikanischer Blick” auf den Krieg

Freitag, April 15th, 2011

“The lies behind the West's war on Libya

By Jean-Paul Pougala

It was Gaddafi’s Libya that offered all of Africa its first revolution in modern times – connecting the entire continent by telephone, television, radio broadcasting and several other technological applications such as telemedicine and distance teaching. And thanks to the WMAX radio bridge, a low cost connection was made available across the continent, including in rural areas.

It began in 1992, when 45 African nations established RASCOM (Regional African Satellite Communication Organization) so that Africa would have its own satellite and slash communication costs in the continent. This was a time when phone calls to and from Africa were the most expensive in the world because of the annual US$500 million fee pocketed by Europe for the use of its satellites like Intelsat for phone conversations, including those within the same country.

An African satellite only cost a onetime payment of US$400 million and the continent no longer had to pay a US$500 million annual lease. Which banker wouldn’t finance such a project? But the problem remained – how can slaves, seeking to free themselves from their master’s exploitation ask the master’s help to achieve that freedom? Not surprisingly, the World Bank, the International Monetary Fund, the USA, Europe only made vague promises for 14 years. Gaddafi put an end to these futile pleas to the western ‘benefactors’ with their exorbitant interest rates. The Libyan guide put US$300 million on the table; the African Development Bank added US$50 million more and the West African Development Bank a further US$27 million – and that’s how Africa got its first communications satellite on 26 December 2007.

China and Russia followed suit and shared their technology and helped launch satellites for South Africa, Nigeria, Angola, Algeria and a second African satellite was launched in July 2010. The first totally indigenously built satellite and manufactured on African soil, in Algeria, is set for 2020. This satellite is aimed at competing with the best in the world, but at ten times less the cost, a real challenge.

This is how a symbolic gesture of a mere US$300 million changed the life of an entire continent. Gaddafi’s Libya cost the West, not just depriving it of US$500 million per year but the billions of dollars in debt and interest that the initial loan would generate for years to come and in an exponential manner, thereby helping maintain an occult system in order to plunder the continent.

AFRICAN MONETARY FUND, AFRICAN CENTRAL BANK, AFRICAN INVESTMENT BANK

The US$30 billion frozen by Mr Obama belong to the Libyan Central Bank and had been earmarked as the Libyan contribution to three key projects which would add the finishing touches to the African federation – the African Investment Bank in Syrte, Libya, the establishment in 2011 of the African Monetary Fund to be based in Yaounde with a US$42 billion capital fund and the Abuja-based African Central Bank in Nigeria which when it starts printing African money will ring the death knell for the CFA franc through which Paris has been able to maintain its hold on some African countries for the last fifty years. It is easy to understand the French wrath against Gaddafi.

The African Monetary Fund is expected to totally supplant the African activities of the International Monetary Fund which, with only US$25 billion, was able to bring an entire continent to its knees and make it swallow questionable privatisation like forcing African countries to move from public to private monopolies. No surprise then that on 16-17December 2010, the Africans unanimously rejected attempts by Western countries to join the African Monetary Fund, saying it was open only to African nations.

It is increasingly obvious that after Libya, the western coalition will go after Algeria, because apart from its huge energy resources, the country has cash reserves of around €150 billion. This is what lures the countries that are bombing Libya and they all have one thing in common – they are practically bankrupt. The USA alone, has a staggering debt of $US14,000 billion, France, Great Britain and Italy each have a US$2,000 billion public deficit compared to less than US$400 billion in public debt for 46 African countries combined.

Inciting spurious wars in Africa in the hope that this will revitalise their economies which are sinking ever more into the doldrums will ultimately hasten the western decline which actually began in 1884 during the notorious Berlin Conference. As the American economist Adam Smith predicted in 1865 when he publicly backed Abraham Lincoln for the abolition of slavery, ‘the economy of any country which relies on the slavery of blacks is destined to descend into hell the day those countries awaken’.

REGIONAL UNITY AS AN OBSTABLE TO THE CREATION OF A UNITED STATES OF AFRICA

To destabilise and destroy the African union which was veering dangerously (for the West) towards a United States of Africa under the guiding hand of Gaddafi, the European Union first tried, unsuccessfully, to create the Union for the Mediterranean (UPM). North Africa somehow had to be cut off from the rest of Africa, using the old tired racist clichés of the 18th and 19th centuries ,which claimed that Africans of Arab origin were more evolved and civilised than the rest of the continent. This failed because Gaddafi refused to buy into it. He soon understood what game was being played when only a handful of African countries were invited to join the Mediterranean grouping without informing the African Union but inviting all 27 members of the European Union.

Without the driving force behind the African Federation, the UPM failed even before it began, still-born with Sarkozy as president and Mubarak as vice president. The French foreign minister, Alain Juppe is now attempting to re-launch the idea, banking no doubt on the fall of Gaddafi. What African leaders fail to understand is that as long as the European Union continues to finance the African Union, the status quo will remain, because no real independence. This is why the European Union has encouraged and financed regional groupings in Africa.

It is obvious that the West African Economic Community (ECOWAS), which has an embassy in Brussels and depends for the bulk of its funding on the European Union, is a vociferous opponent to the African federation. That’s why Lincoln fought in the US war of secession because the moment a group of countries come together in a regional political organisation, it weakens the main group. That is what Europe wanted and the Africans have never understood the game plan, creating a plethora of regional groupings, COMESA, UDEAC, SADC, and the Great Maghreb which never saw the light of day thanks to Gaddafi who understood what was happening.

GADDAFI, THE AFRICAN WHO CLEANSED THE CONTINENT FROM THE HUMILIATION OF APARTHEID

For most Africans, Gaddafi is a generous man, a humanist, known for his unselfish support for the struggle against the racist regime in South Africa. If he had been an egotist, he wouldn’t have risked the wrath of the West to help the ANC both militarily and financially in the fight against apartheid. This was why Mandela, soon after his release from 27 years in jail, decided to break the UN embargo and travel to Libya on 23 October 1997. For five long years, no plane could touch down in Libya because of the embargo. One needed to take a plane to the Tunisian city of Jerba and continue by road for five hours to reach Ben Gardane, cross the border and continue on a desert road for three hours before reaching Tripoli. The other solution was to go through Malta, and take a night ferry on ill-maintained boats to the Libyan coast. A hellish journey for a whole people, simply to punish one man.

Mandela didn’t mince his words when the former US president Bill Clinton said the visit was an ‘unwelcome’ one – ‘No country can claim to be the policeman of the world and no state can dictate to another what it should do’. He added – ‘Those that yesterday were friends of our enemies have the gall today to tell me not to visit my brother Gaddafi, they are advising us to be ungrateful and forget our friends of the past.’

Indeed, the West still considered the South African racists to be their brothers who needed to be protected. That’s why the members of the ANC, including Nelson Mandela, were considered to be dangerous terrorists. It was only on 2 July 2008, that the US Congress finally voted a law to remove the name of Nelson Mandela and his ANC comrades from their black list, not because they realised how stupid that list was but because they wanted to mark Mandela’s 90th birthday. If the West was truly sorry for its past support for Mandela’s enemies and really sincere when they name streets and places after him, how can they continue to wage war against someone who helped Mandela and his people to be victorious, Gaddafi?

ARE THOSE WHO WANT TO EXPORT DEMOCRACY THEMSELVES DEMOCRATS?

And what if Gaddafi’s Libya were more democratic than the USA, France, Britain and other countries waging war to export democracy to Libya? On 19 March 2003, President George Bush began bombing Iraq under the pretext of bringing democracy. On 19 March 2011, exactly eight years later to the day, it was the French president’s turn to rain down bombs over Libya, once again claiming it was to bring democracy. Nobel peace prize-winner and US President Obama says unleashing cruise missiles from submarines is to oust the dictator and introduce democracy.

The question that anyone with even minimum intelligence cannot help asking is the following: Are countries like France, England, the USA, Italy, Norway, Denmark, Poland who defend their right to bomb Libya on the strength of their self proclaimed democratic status really democratic? If yes, are they more democratic than Gaddafi’s Libya? The answer in fact is a resounding NO, for the plain and simple reason that democracy doesn’t exist. This isn’t a personal opinion, but a quote from someone whose native town Geneva, hosts the bulk of UN institutions. The quote is from Jean Jacques Rousseau, born in Geneva in 1712 and who writes in chapter four of the third book of the famous ‘Social Contract’ that ‘there never was a true democracy and there never will be.’

Rousseau sets out the following four conditions for a country to be labelled a democracy and according to these Gaddafi’s Libya is far more democratic than the USA, France and the others claiming to export democracy:

1. The State: The bigger a country, the less democratic it can be. According to Rousseau, the state has to be extremely small so that people can come together and know each other. Before asking people to vote, one must ensure that everybody knows everyone else, otherwise voting will be an act without any democratic basis, a simulacrum of democracy to elect a dictator.

The Libyan state is based on a system of tribal allegiances, which by definition group people together in small entities. The democratic spirit is much more present in a tribe, a village than in a big country, simply because people know each other, share a common life rhythm which involves a kind of self-regulation or even self-censorship in that the reactions and counter reactions of other members impacts on the group.

From this perspective, it would appear that Libya fits Rousseau’s conditions better than the USA, France and Great Britain, all highly urbanised societies where most neighbours don’t even say hello to each other and therefore don’t know each other even if they have lived side by side for twenty years. These countries leapfrogged leaped into the next stage – ‘the vote’ – which has been cleverly sanctified to obfuscate the fact that voting on the future of the country is useless if the voter doesn’t know the other citizens. This has been pushed to ridiculous limits with voting rights being given to people living abroad. Communicating with and amongst each other is a precondition for any democratic debate before an election.

2. Simplicity in customs and behavioural patterns are also essential if one is to avoid spending the bulk of the time debating legal and judicial procedures in order to deal with the multitude of conflicts of interest inevitable in a large and complex society. Western countries define themselves as civilised nations with a more complex social structure whereas Libya is described as a primitive country with a simple set of customs. This aspect too indicates that Libya responds better to Rousseau’s democratic criteria than all those trying to give lessons in democracy. Conflicts in complex societies are most often won by those with more power, which is why the rich manage to avoid prison because they can afford to hire top lawyers and instead arrange for state repression to be directed against someone one who stole a banana in a supermarket rather than a financial criminal who ruined a bank. In the city of New York for example where 75 per cent of the population is white, 80 per cent of management posts are occupied by whites who make up only 20 per cent of incarcerated people.

3. Equality in status and wealth: A look at the Forbes 2010 list shows who the richest people in each of the countries currently bombing Libya are and the difference between them and those who earn the lowest salaries in those nations; a similar exercise on Libya will reveal that in terms of wealth distribution, Libya has much more to teach than those fighting it now, and not the contrary. So here too, using Rousseau’s criteria, Libya is more democratic than the nations pompously pretending to bring democracy. In the USA, 5 per cent of the population owns 60 per cent of the national wealth, making it the most unequal and unbalanced society in the world.

4. No luxuries: according to Rousseau there can’t be any luxury if there is to be democracy. Luxury, he says, makes wealth a necessity which then becomes a virtue in itself, it, and not the welfare of the people becomes the goal to be reached at all cost, ‘Luxury corrupts both the rich and the poor, the one through possession and the other through envy; it makes the nation soft and prey to vanity; it distances people from the State and enslaves them, making them a slave to opinion.’

Is there more luxury in France than in Libya? The reports on employees committing suicide because of stressful working conditions even in public or semi-public companies, all in the name of maximising profit for a minority and keeping them in luxury, happen in the West, not in Libya.

The American sociologist C. Wright Mills wrote in 1956 that American democracy was a ‘dictatorship of the elite’. According to Mills, the USA is not a democracy because it is money that talks during elections and not the people. The results of each election are the expression of the voice of money and not the voice of the people. After Bush senior and Bush junior, they are already talking about a younger Bush for the 2012 Republican primaries. Moreover, as Max Weber pointed out, since political power is dependent on the bureaucracy, the US has 43 million bureaucrats and military personnel who effectively rule the country but without being elected and are not accountable to the people for their actions. One person (a rich one) is elected, but the real power lies with the caste of the wealthy who then get nominated to be ambassadors, generals, etc.

How many people in these self-proclaimed democracies know that Peru’s constitution prohibits an outgoing president from seeking a second consecutive mandate? How many know that in Guatemala, not only can an outgoing president not seek re-election to the same post, no one from that person’s family can aspire to the top job either? Or that Rwanda is the only country in the world that has 56 per cent female parliamentarians? How many people know that in the 2007 CIA index, four of the world’s best-governed countries are African? That the top prize goes to Equatorial Guinea whose public debt represents only 1.14 per cent of GDP?

Rousseau maintains that civil wars, revolts and rebellions are the ingredients of the beginning of democracy. Because democracy is not an end, but a permanent process of the reaffirmation of the natural rights of human beings which in countries all over the world (without exception) are trampled upon by a handful of men and women who have hijacked the power of the people to perpetuate their supremacy. There are here and there groups of people who have usurped the term ‘democracy’ – instead of it being an ideal towards which one strives it has become a label to be appropriated or a slogan which is used by people who can shout louder than others. If a country is calm, like France or the USA, that is to say without any rebellions, it only means, from Rousseau’s perspective, that the dictatorial system is sufficiently repressive to pre-empt any revolt.

It wouldn’t be a bad thing if the Libyans revolted. What is bad is to affirm that people stoically accept a system that represses them all over the world without reacting. And Rousseau concludes: ‘Malo periculosam libertatem quam quietum servitium – translation – If gods were people, they would govern themselves democratically. Such a perfect government is not applicable to human beings.’ To claim that one is killing Libyans for their own good is a hoax.

WHAT LESSONS FOR AFRICA?

After 500 years of a profoundly unequal relationship with the West, it is clear that we don’t have the same criteria of what is good and bad. We have deeply divergent interests. How can one not deplore the ‘yes’ votes from three sub-Saharan countries (Nigeria, South Africa and Gabon) for resolution 1973 that inaugurated the latest form of colonisation baptised ‘the protection of peoples’, which legitimises the racist theories that have informed Europeans since the 18th century and according to which North Africa has nothing to do with sub-Saharan Africa, that North Africa is more evolved, cultivated and civilised than the rest of Africa?

It is as if Tunisia, Egypt, Libya and Algeria were not part of Africa, Even the United Nations seems to ignore the role of the African Union in the affairs of member states. The aim is to isolate sub Saharan African countries to better isolate and control them. Indeed, Algeria (US$16 billion) and Libya (US$10 billion ) together contribute 62 per cent of the US$42 billion which constitute the capital of the African Monetary Fund (AMF). The biggest and most populous country in sub Saharan Africa, Nigeria, followed by South Africa are far behind with only 3 billion dollars each.

It is disconcerting to say the least that for the first time in the history of the United Nations, war has been declared against a people without having explored the slightest possibility of a peaceful solution to the crisis. Does Africa really belong anymore to this organisation? Nigeria and South Africa are prepared to vote ‘Yes’ to everything the West asks because they naively believe the vague promises of a permanent seat at the Security Council with similar veto rights. They both forget that France has no power to offer anything. If it did, Mitterand would have long done the needful for Helmut Kohl’s Germany.

A reform of the United Nations is not on the agenda. The only way to make a point is to use the Chinese method – all 50 African nations should quit the United Nations and only return if their longstanding demand is finally met, a seat for the entire African federation or nothing. This non-violent method is the only weapon of justice available to the poor and weak that we are. We should simply quit the United Nations because this organisation, by its very structure and hierarchy, is at the service of the most powerful.

We should leave the United Nations to register our rejection of a worldview based on the annihilation of those who are weaker. They are free to continue as before but at least we will not be party to it and say we agree when we were never asked for our opinion. And even when we expressed our point of view, like we did on Saturday 19 March in Nouakchott, when we opposed the military action, our opinion was simply ignored and the bombs started falling on the African people.

Today’s events are reminiscent of what happened with China in the past. Today, one recognises the Ouattara government, the rebel government in Libya, like one did at the end of the Second World War with China. The so-called international community chose Taiwan to be the sole representative of the Chinese people instead of Mao’s China. It took 26 years when on 25 October 1971, for the UN to pass resolution 2758 which all Africans should read to put an end to human folly. China was admitted and on its terms – it refused to be a member if it didn’t have a veto right. When the demand was met and the resolution tabled, it still took a year for the Chinese foreign minister to respond in writing to the UN Secretary General on 29 September 1972, a letter which didn’t say yes or thank you but spelt out guarantees required for China’s dignity to be respected.

What does Africa hope to achieve from the United Nations without playing hard ball? We saw how in Cote d’Ivoire a UN bureaucrat considers himself to be above the constitution of the country. We entered this organisation by agreeing to be slaves and to believe that we will be invited to dine at the same table and eat from plates we ourselves washed is not just credulous, it is stupid.

When the African Union endorsed Ouattara’s victory and glossed over contrary reports from its own electoral observers simply to please our former masters, how can we expect to be respected? When South African president Zuma declares that Ouattara hasn’t won the elections and then says the exact opposite during a trip to Paris, one is entitled to question the credibility of these leaders who claim to represent and speak on behalf of a billion Africans.

Africa’s strength and real freedom will only come if it can take properly thought out actions and assume the consequences. Dignity and respect come with a price tag. Are we prepared to pay it? Otherwise, our place is in the kitchen and in the toilets in order to make others comfortable.

BROUGHT TO YOU BY PAMBAZUKA NEWS

* Jean-Paul Pougala is a Cameroonian writer.
* Translated from the French by Sputnik Kilambi.
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(Quelle: Pambazuka News.)