Posts Tagged ‘Uruguay’

Österreich: Let’s ban the bombs!

Donnerstag, Dezember 11th, 2014

“Austria pledges to work for a ban on nuclear weapons

Austria pledges to work for a ban on nuclear weapons
Humanitarian initiative on nuclear weapons must initiate treaty process in 2015

December 9, 2014

After 44 states called for a prohibition on nuclear weapons at a conference in Vienna on the humanitarian impacts of nuclear weapons, Austria delivered the “Austrian pledge” in which it committed to work to “fill the legal gap for the prohibition and elimination of nuclear weapons” and pledged “to cooperate with all stakeholders to achieve this goal”.

“All states committed to nuclear disarmament must join the Austrian pledge to work towards a treaty to ban nuclear weapons”, said Beatrice Fihn, Executive Director of the International Campaign to Abolish Nuclear Weapons (ICAN).

“Next year is the 70 year anniversary of the atomic bombings of Hiroshima and Nagasaki and that will be a fitting time for negotiations to start on a treaty banning nuclear weapons”, Fihn added.

States that expressed support for a ban treaty at the Vienna Conference include: Austria, Bangladesh, Brazil, Burundi, Chad, Colombia, Congo, Costa Rica, Cuba, Ecuador, Egypt, El Salvador, Ghana, Guatemala, Guinea Bissau, Holy See, Indonesia, Jamaica, Jordan, Kenya, Libya, Malawi, Malaysia, Mali, Mexico, Mongolia, Nicaragua, Philippines, Qatar, Saint Vincent and the Grenadines, Samoa, Senegal, South Africa, Switzerland, Thailand, Timor Leste, Togo, Trinidad and Tobago, Uganda, Uruguay, Venezuela, Yemen, Zambia, and Zimbabwe.

These announcements were given at a two-day international conference convened in Vienna to examine the consequences of nuclear weapon use, whether intentional or accidental.

Survivors of the nuclear bombings in Japan and of nuclear testing in Australia, Kazakhstan, the Marshall Islands, and the United States, gave powerful testimonies of the horrific effects of nuclear weapons. Their evidence complemented other presentations presenting data and research.

“The consequences of any nuclear weapon use would be devastating, long-lasting, and unacceptable. Governments simply cannot listen to this evidence and hear these human stories without acting”, said Akira Kawasaki, from Japanese NGO Peaceboat. “The only solution is to ban and eliminate nuclear weapons and we need to start now,” Kawasaki added.

For decades, discussions on nuclear weapons have been dominated by the few nuclear-armed states – states that continue to stockpile and maintain over 16,000 warheads. The humanitarian initiative on nuclear weapons has prompted a fundamental change in this conversation, with non-nuclear armed states leading the way in a discussion on the actual effects of the weapons.

Unlike the other weapons of mass destruction – chemical and biological – nuclear weapons are not yet prohibited by an international legal treaty. Discussions in Vienna illustrated that the international community is determined to address this. In a statement to the conference, Pope Francis called for nuclear weapons to be “banned once and for all”.

The host of the previous conference on the humanitarian impact of nuclear weapons, Mexico, called for the commencement of a diplomatic process, and South Africa said it was considering its role in future meetings.

“Anyone in Vienna can tell that something new is happening on nuclear weapons. We have had three conferences examining their humanitarian impact, and now with the Austrian pledge we have everything we need for a diplomatic process to start”, said Thomas Nash of UK NGO Article 36.”

 

(Quelle: ICAN.)

Lateinamerika: Unberührbare?

Freitag, Dezember 16th, 2011

“Militär schweigt nach wie vor zum „Plan Cóndor“

Donnerstag, den 15. Dezember 2011

von Vicky Pelaez

dictadura militar. Foto: arteyfotografia.com.ar(Fortaleza, 05. Dezember 2011, adital).- In der blutigen Epoche der Militärdiktaturen, die Lateinamerika in den 1970er und 1980er Jahren beherrschten, wurde das größte internationale terroristische Netzwerk des 20. Jahrhunderts geschaffen. Schon sein Name „Plan Cóndor“ (Operation Condor) ließ die exilierten und verfolgten BrasilianerInnen, ArgentinierInnen, ChilenInnen, UruguayerInnen, ParaguayerInnen und BolivianerInnen vor Schreck erzittern.

Eine blutige Hand wusch die andere

Der Plan, der nach seiner Entdeckung die Welt aufrüttelte, beruhte auf einem Abkommen, das die Regierungen von Chile, Brasilien, Argentinien, Paraguay, Uruguay, Bolivien und Peru 1975 unterzeichneten, um die politische Unterdrückung zu organisieren. Er bestand im Austausch von Informationen über die DissidentInnen aus jedem einzelnen dieser Länder, um sie in der Folge zu verschleppen, sich gegenseitig zu überstellen, verschwinden zu lassen, sie in ihr Heimatland zurückzubringen oder vor Ort zu ermorden. Während die Verantwortlichen für diese Straftaten in Argentinien und Chile inzwischen verurteilt werden, erreicht der lange Arm der Justiz in diesen Tagen auch Brasilien.

Verfolgte der Diktatur wurden in der Demokratie Präsidenten

Die Urheber der Staatsstreichs in Brasilien im Jahr 1964, General Mariscal Humberto Castello Branco und die Generäle Arthur da Costa Silva, Emilio Garastazú Médici Ernesto Geisel und Joao Baptista Figueiredo, die das Land bis 1985 auf der Grundlage von Terror regierten, hätten sich niemals vorstellen können, dass ihnen das Rad der Geschichte eines Tages einen Streich spielen würde und von ihnen Verfolgte einmal Präsidenten Brasiliens werden sollten.

Doch genau so kam es. 1995 wurde Dr. Enrique Cardoso, der von der Militärjunta aus dem Land vertrieben worden war, zum Präsidenten gewählt. Ihm folgte 2003 mit Luis Inácio Lula da Silva ein ehemaliger Gefangener der Diktatur aus der Führung der Arbeiterpartei. Anfang dieses Jahres schließlich wurde Dilma Vana Rousseff zur ersten Präsidentin Brasiliens gewählt, auch sie hatte als seinerzeitige Guerillera unter den Militärs in Haft gesessen und war gefoltert worden.

Militär gewährte sich selbst Amnestie

Häufig bedeutet die Rückkehr zur Demokratie nicht die sofortige Anwendung der Justiz für die von der Diktatur begangenen Verbrechen. Bevor die brasilianischen Militärs die Macht aufgaben, erließen sie noch das Amnestiegesetz, das sie von jeder Verantwortlichkeit für die Repression der Jahre 1964 bis 1985 befreite – insbesondere für ihre Teilnahme am „Plan Cóndor“.

Brasilien, unbekannter Schauplatz des Kalten Krieges

Im Kontext des Kalten Krieges zwischen den USA und der Sowjetunion nahm Brasilien einen besonderen Platz ein. Es handelte sich um eines der wenigen Länder, das diplomatische Beziehungen mit der Sowjetunion unterhielt, welche die Auffassung vertrat, dass lediglich Kuba und das Brasilien des Präsidenten João Goulart (1961 bis 1964) „fortschrittliche“ Länder in Lateinamerika seien. Dies provozierte Washington. Nach dem Staatsstreich von 1964 kühlten die Beziehungen zur Sowjetunion sich auch bis in die 1970er Jahre ab. Viele brasilianische KommunistInnen, darunter der Generalsekretär der KP, Luís Carlos Prestes, gingen ins Exil nach Moskau.

Dennoch kam es ab 1975 – genau zu dem Zeitpunkt, als der repressive „Condor“ über Lateinamerika zu fliegen begann – zu einer pragmatischen, strikt auf den Handel begrenzten Annäherung der beiden Staaten. Brasilien begann, wirtschaftliche Unabhängigkeit von den USA zu suchen, während die Sowjetunion nach neuen Märkten Ausschau hielt, ebenso wie nach Weizen-Lieferanten, bestand doch eine US-Blockade. Aufgrund wirtschaftlicher Interessen wurden die ideologischen zurückgestellt, was soweit führte, dass das ZK der KPdSU die Augen schloss vor der Verfolgung ihrer brasilianischen GenossInnen.

Condor schlüpfte in brasilianischem Nest

Nur sehr wenige wissen, dass Brasilien der Wegbereiter jenes unheilvollen Plan Cóndor war, der allerdings zu diesem Zeitpunkt noch nicht diesen Namen trug. Brasilien begann ihn bereits ab 1964 anzuwenden und zu perfektionieren. Obwohl inzwischen so viele Jahre vergangen sind und es zahlreiche politische Veränderungen gegeben hat, haben es die brasilianischen Militärs doch stets verstanden, die Verbrechen der Diktatur zu verschleiern oder aber sie zu rechtfertigen. Statistiken wurden gelöscht oder verborgen, und sowohl die Unterdrücker als auch die Institution Militär wurden als Ganzes vor dem Damoklesschwert der Justiz geschützt.

Der Einfluss der Streitkräfte ist in Brasilien bis zum heutigen Tag so groß, dass es nicht einen einzigen Verurteilten wegen Menschenrechtsverletzungen während der Jahre 1964 bis 1985 gegeben hat. Wenig ist bekannt, aber über 600 Menschen sollen ermordet worden sein, etwa 150 verschwanden, mehr als 50.000 wurden verhaftet, es gab 2.000 Gefolterte und etwa 10.000 BrasilianerInnen gingen ins Exil. Die wahren Zahlen der Opfer müssen allerdings deutlich höher sein, doch die Militärs weigern sich, ihre Archive zu öffnen, sofern sie diese nicht ohnehin zerstört haben.

Wahrheitskommission erstellt Bericht

Ihre Macht ist in der Tat auch im demokratischen Brasilien so groß, dass Lula es während seiner Präsidentschaft (2003 – 2011) ebenso wenig wagte, eine Wahrheitskommission einzurichten, wie es in der Mehrzahl der lateinamerikanischen Länder der Fall war. Vor wenigen Wochen hat Präsidentin Dilma Rousseff, nach viel Unschlüssigkeit und unter Druck der Arbeiterpartei, der sie angehört, es gewagt, das Gesetz über die Wahrheitskommission zu unterzeichnen. Dieses setzt den sieben Mitgliedern eine Frist von zwei Jahren, um einen Bericht über die Menschenrechtsverletzungen in Brasilien während der Diktatur fertigzustellen. Rousseff unterzeichnete ebenfalls das Gesetz über Zugang zu Informationen, das eine Grenze von 50 Jahren zieht, nach der die Geheimarchive geöffnet werden müssen. Das bedeutet, dass die abschließende Wahrheit erst im Jahr 2035 bekannt sein würde. Unterdessen bleibt das 1979 für die Militärs erlassene Amnestiegesetz in Kraft. Es schützt sie vor der Verfolgung aller Menschenrechtsverletzungen im Zeitraum 1946 bis 1988.

Die Militärs wollen nicht, dass die öffentliche Meinung erfährt, dass sie 1964 Anweisungen von US-Präsident Lyndon B. Johnson erhielten, Präsident João Goulart von der Macht zu entfernen, da er gewiss mit der Sowjetunion sympathisiert habe.

Brasilien als Statthalter der USA auserkoren

Der US-Militärattaché Oberst Vernon Walters – einer der finstersten und zugleich intelligentesten Männer des CIA – arbeitete den Plan für den Staatsstreich aus und wählte den General Humberto Castello Branco als dessen Anführer. Walters verführte ihn mit der Idee, dass Brasilien sich in den rechten Arm der USA in Lateinamerika verwandeln würde. Aus dem „rechten Arm“ wurde nichts, Brasilien wurde einfach in ein Labor der Unterdrückung verwandelt, in dem der „Plan Cóndor“ zu einer ersten vorzeitigen Aufführung kam.

Um die Brasilianer in den Folter-Techniken zu trainieren wurde der berüchtigte FBI-Agent Daniel Mitrione entsandt, den die CIA anwarb, da sie ihn für den Folter-Spezialisten par excellence hielt. In Brasilien schuf er sein Labor für die künftigen lateinamerikanischen Folterer, hier erfand er seinen berühmten „Drachen-Stuhl“. Für seine Experimente benutzte Mitrione Bettler aus Belo Horizonte. Später kam noch die Hilfe des französischen Generals Paul Aussaresses hinzu, der seine perfide Kunst im Algerien-Krieg perfektioniert hatte.

In Argentinien gingen brasilianische Schergen ein und aus

Bereits seit dem Jahr 1964 liefen brasilianische Agenten in Argentinien umher, als ob es sich um ihr eigenes Haus handele. Sie verschleppten Oppositionelle der Diktatur des Nachbarlandes. US-Außenminister Henry Kissinger und Vernon Walters entschieden sich 1975 dazu, ihre Erfahrung bei der Verfolgung von DissidentInnen in anderen Ländern für die Schaffung jener Internationale des Terrors zu nutzen, die den Namen „Plan Cóndor“ trug.

Es darf nicht vergessen werden, das bereits sehr viel früher brasilianische Agenten und „Diplomaten“ in Argentinien, Uruguay, Paraguay, Chile und Bolivien an der Arbeit waren, unter dem Vorwand des Kampfes gegen den Kommunismus, der keine Grenzen kenne und künftige Umstürze in ganz Lateinamerika vorbereite.

Bis zum heutigen Tag fahren die brasilianischen Streitkräfte damit fort, die Geschichte zu verschleiern, die Unterdrücker aus ihren Reihen zu schützen und ein großes Vergessen zu erreichen. Nur eine Frage kommt auf: Die Gefolterten – werden sie vergessen und verzeihen können, genauso wie die Angehörigen der Verschwundenen und der Ermordeten?”

 

(Quelle: poonal.)

Siehe auch:

Operation Condor

Uruguay: Schwerer Rückschlag für Menschenrechtsgruppen

Donnerstag, Mai 19th, 2011

“URUGUAY SUPREME COURT DENIES HUMAN RIGHTS ABUSES BY MILITARY DICTATORSHIP

By Eric C. Sigmund
Managing Editor of News

“About 200 Uruguayans were kidnapped and murdered by military officials during the military dictatorship which ruled Uruguay from 1973-1985. Since the demise of the military regime, human rights activists have sought to bring those military leaders responsible for the detainment and state-sanctioned executions to justice for human rights violations. Over 25 years later, Uruguay’s Supreme Court ruled last week that the actions of two military officials accused of killing 28 people did not amount to human rights crimes.

The country has long debated how to address dictatorship-era crimes. A 1986 amnesty law currently protects former military officers from prosecutions for crimes committed during military rule. While the country’s legislature is currently deciding whether to repeal the law, stiff opposition from within President Jose Mujica’s ruling leftist coalition is causing political fragmentation within Parliament.

President Mujica, who has traditionally been supportive of the amnesty law, has said that he would not veto a repeal of the law. Despite the President’s support of the military, his ruling coalition has stressed that many of the cases against military officials fall outside the purview of the amnesty law. This has allowed the government to convict 20 former military officials since 2005. Many citizens however, remain unhappy with the government’s progress, noting that the amnesty law continues to shield some high profile officials from the reach of the law.

Last week’s ruling was another blow to human rights activists. While not denying the significant evidence of guilt presented against the officers, the Court ruled that the killings should be classified as murders rather than human rights violations. The Court’s decision is significant since the statute of limitations for murder in Uruguay, twenty years, has already expired. There is no statute of limitations for human rights crimes.

Human rights groups have been vocal in their opposition to the Court’s ruling. Representatives of the Memory and Justice Assembly called the ruling a “disgrace that will go down in history.” The Inter-American Court of Human Rights has also urged the Uruguayan government to lift all restrictions to prosecution.

Perhaps the staunchest criticism of the government’s attempts to annul the amnesty law has come from within the military. A number of soldiers have condemned trials against former military officials and have called for an end to “political persecution.” Colonel José Araujo, further raised the prospect of fierce governmental infighting, stating that continued prosecution “may destabilize the country.”

While commentators have denied the existence of any tangible threats to democracy in the country, the process moving forward will likely continue to divide the country. Repeal of the 1986 amnesty bill could open the door for the prosecution of at least 10 more former military officials.

For more information, please see:

Reuters – Uruguay Rules State killings Not Human Rights Crimes – 13 May, 2011

Agence France Presse – Amnesty Law Overturn Stirs up Old Passions in Uruguay – 9 May, 2011

Guardian – Uruguay Split Over Ending Amnesty for Rights Violations Under Dictatorship – 26 April, 2011

 

(Quelle: Impunity Watch.)

Uruguay: Debatte um Gerechtigkeit

Dienstag, Mai 17th, 2011

Von Camilla Landbö, kna

‘„Früh am Morgen klopften sie an meiner Tür. Ich öffnete, und ein Uniformierter richtete eine Waffe auf mich. Die Militärs stülpten mir eine Kapuze über und schleppten mich in eine Kaserne“, erinnert sich Jose Rocca. „Niemand wusste, wo ich bin.“ Die ersten fünf Tage habe man ihn nicht schlafen lassen und ihm nichts zu essen gegeben, nur Wasser. Sie wollten Informationen und Namen anderer Oppositioneller. Sie verabreichten ihm Elektroschocks und wendeten das simulierte Ertrinken an. „Um nicht durchzudrehen, habe ich im Kopf Mathematikaufgaben gelöst und Schachpartien gespielt.“ Rocca war 26 Jahre alt, als man ihn 1973 in der uruguayischen Hauptstadt Montevideo festnahm.

Bisher nur wenige Militärs verurteilt

Zwischen 1973 und 1985 herrschte in Uruguay eine Militärdiktatur. Linksgerichtete und Andersdenkende wurden verfolgt, verhaftet, gefoltert. Auf der Suche nach Regimegegnern gingen die Militärs systematisch vor und durchkämmten Viertel um Viertel: Kommunisten, Gewerkschafter, Studenten und auch Kirchenmitarbeiter standen auf den schwarzen Listen. Uruguays Militärdiktatur galt im Vergleich zu anderen damaligen Diktaturen in Südamerika zwar als weniger brutal und forderte weniger Todesopfer. Aber gemessen an der Einwohnerzahl inhaftierte sie die meisten politischen Gefangenen. Bislang wurden nur einige Militärs wegen Menschenrechtsverletzungen vor Gericht gestellt und verurteilt.

Bereits zwei Referenden

Das könnte sich jetzt ändern. Mitte April stimmte der Senat für eine Neuinterpretation des Amnestiegesetzes. Es schützt seit 1986 Militärs und Polizisten vor Prozessen wegen ihrer früheren Verbrechen. Die Abgeordneten haben das „Interpretationsgesetz“ bereits im Oktober 2010 gutgeheißen. Kommenden Donnerstag müssten sie lediglich die kleinen Änderungen bestätigen, die der Senat vorgenommen hat. Seit fünf Wochen aber wird in Uruguay heftig über die bevorstehende Abstimmung und ihre Gültigkeit diskutiert.

Das uruguayische Volk äußerte sich bereits in zwei Referenden 1989 und 2009 gegen eine juristische Aufarbeitung der Vergangenheit. Die Kritiker weisen darauf hin, dass das Parlament jetzt nicht über die Köpfe der Menschen hinweg entscheiden könne. Selbst Uruguays Präsident Jose Mujica hat aus diesem Grund seinen Parteikollegen des Linksbündnisses Frente Amplio geraten, gegen die Aufhebung des Amnestiegesetzes zu stimmen.

„Ich führte ein Doppelleben“

„Ja, ich war bei der linken Guerilla, den Tupamaros, ich trug den Decknamen Luis“, sagt Rocca. „Wir wollten bessere Bedingungen für die Arbeiter.“ Erst sei er lediglich als Student an der Universität politisch aktiv gewesen. Als die Repression zunahm, wuchs seine Kampfbereitschaft. Er schloss sich den Kämpfern an. „Ich führte ein Doppelleben“, so Rocca, der heute Dozent an der Universität von Montevideo ist.

In den 60er Jahren hatte sich die wirtschaftliche Lage in Uruguay drastisch verschlechtert, soziale Leistungen wurden abgebaut, die Arbeitslosigkeit nahm zu. In dieser Zeit bildete sich die Nationale Befreiungsbewegung der Tupamaros. Ihr gehörte auch der heutige Staatschef Mujica an. Die Tupamaros befürworteten den bewaffneten Kampf und galten als hervorragend organisierte Stadtguerilla.

„Nach drei Monaten brachte man mich in ein Gefängnis“, so Rocca. Zuvor habe man ihn allerdings eine Woche lang aufgepäppelt, damit Folterspuren nicht mehr sichtbar seien. Schließlich wurde er vor ein Militärgericht gestellt und zu sechseinhalb Jahren Haft verurteilt.
1980 kam er wieder frei.

Drittes Referendum vorgeschlagen

Uruguayische Persönlichkeiten aus Politik, Wissenschaft und Kultur haben dazu aufgerufen, das Amnestiegesetz zu annullieren. Es sei verfassungswidrig und verletze internationale Abkommen. Mujica schlägt derweil ein drittes Referendum vor: „Der Mann auf der Straße soll darüber entscheiden, sonst diskutieren wir noch 40 Jahre weiter.“ Ohnehin glaubt Rocca nicht mehr daran, dass Militärs und Polizisten für ihre Vergehen bestraft werden. „Der Zug ist abgefahren, viele Täter und Zeugen sind bereits gestorben“, sagt der 65-Jährige resigniert.”

 

(Quelle: Blickpunkt Lateinamerika.)

Uruguay: Zuckerrohrarbeiter besetzen Land

Dienstag, Mai 10th, 2011

“In Uruguay häufen sich die Fälle von Landbesetzungen, mit deren Hilfe Druck auf die Regierung Mujica ausgeübt werden soll, um Kooperativen Grundstücke zur landwirtschaftlichen Nutzung und zum Wohnungsbau zur Verfügung zu stellen. Es gibt mindestens drei verschiedene Gruppierungen der Zuckerrohrarbeiter, die unabhängig voneinander und auch mit verschiedenen Methoden agieren. Cañeros, die Grundstücke in Bella Unión besetzten, kündigten jetzt eine Fortsetzung ihrer Aktionen an. Sie begründeten diese Entscheidung mit der Ankündigung der Uruguayischen Vereinigung der Wohnungsbaukooperativen (Fucvam), am 14. Mai ein Grundstück in San José zu besetzen und ähnliche Aktionen in Paysandú zu planen. Weitere Gruppen, darunter die Landkommission der UTAA (Gewerkschaft der Zuckerarbeiter ‘Artigas’) wollen gleichzeitig mehrere Landbesetzungen durchführen, um so die Räumungen besetzter Grundstücke durch die Polizei zu behindern. Darüber hinaus diskutiert die UTAA, die 1961 gegründete Keimzelle der Organisation uruguayischer Zuckerrohrarbeiter, über die Durchführung eines LKW-Korsos nach Montevideo, um Land für die Peludos (Bezeichnung für Zuckerrohrarbeiter in Uruguay) zu verlangen. So unterschiedlich die verschiedenen Gruppen auch agieren, einig sind sie sich in ihrem Vorwurf an Regierung und Behörden, zu wenig Land zur Verfügung zu stellen. Es werde so ein Fucvam-Vertreter zu den geplanten Aktionen in Paysandú immer nur verhandelt, aber Bauland gäbe es nicht”

 

(Quelle: Quetzal.)

Brasilien: Legalisierung gleichgeschlechtlicher Partnerschaften

Dienstag, Mai 10th, 2011

“Brazil Supreme Court legalizes same-sex civil unions

The Brazilian Supreme Court’s decision to award same-sex couples the same rights as heterosexuals is a landmark step for lesbian, gay, bisexual and transgender (LGBT) rights in the country, Amnesty International said today.

Ten judges ruled unanimously on Thursday that partners in a same-sex union have the same rights as married heterosexuals.

“This is an historic moment for same-sex couples in Brazil,” said Guadalupe Marengo, Deputy Director for the Americas at Amnesty International.

“We welcome this development and hope that this landmark decision will lead towards full protection of the rights of LGBT people in Brazil.”

The Supreme Court ruling recognises the rights of same-sex couples to pension, inheritance and adoption.

It has come as a result of sustained campaigning by the LGBT movement in Brazil.

“The ruling is an important victory for the gay and lesbian community – and for democracy in Brazil”, Toni Reis, head of Brazil’s Lesbian, Gay, Bisexual and Trans Association (ABGLT), told Amnesty International today.

“Prior to the decision, same-sex unions could only be formalized by means of a business contract, as if the couple were two partners in a firm.”

But Reis says the ruling does not mean the struggle is over.

“The Federal Congress is dragging its feet and has not voted a single bill to promote equal rights for our community. We need to educate people to have more respect for human diversity,” said Reis.

Latin America has seen some improvement in the protection of LGBT rights in recent years.

Argentina, which legalised same-sex marriage in 2010, has gone the furthest of any nation in the region. In 2009, Mexico City became the first Latin American city to approve same-sex marriage.

Uruguay legalised same-sex civil unions nationwide in 2008, followed by Colombia in 2009.

“Hopefully the Brazilian move will influence other Latin American countries,” Guadalupe Marengo said.”

 

(Quelle: Amnesty International.)