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Haiti: Auf ein Neues…

Samstag, November 26th, 2011

“Haiti: Neue Regierung – neue Ära?

von Wooldy Edson Louidor*, Bogota

Samstag, den 26. November 2011

Präsident Martelly / Presidencia de laRepublica del Ecuador / Flickr(Quito, 26. Oktober 2011, alai).- Seitdem der haitianische Premierminister Garry Conille am vergangenen 18. Oktober sein Amt angetreten hat, spricht man auf Haiti von einer “neuen Ära“. Nach fünf langen Monaten der Amtseinsetzung als Präsident ist es Michel Martelly schließlich gelungen, eine Regierung zu bilden und von beiden Parlamentskammern die Zustimmung für den von ihm vorgeschlagenen Premier zu bekommen. Zuvor waren zwei für dieses Amt nominierte Kandidaten von der Legislative abgelehnt worden.

Angesichts der immensen humanitären, sozio-ökonomischen, politischen und internationalen Probleme, denen Haiti ausgeliefert ist, stellt sich die Frage: Was ist von der neuen Regierung unter Präsident Martelly und Ministerpräsident Conille zu erwarten?

Auf politischer Ebene

Clinton in Haiti / Februar 2010 / UN-Photo, FlickrVon Beruf Arzt, war Garry Conille früher für die Vereinten Nationen tätig sowie als Kabinettschef des früheren US-Präsidenten Bill Clinton, der zum UN-Sondergesandten des für Haiti und zum Mitvorsitzenden der Interimskommission für den Wiederaufbau Haitis CIRH (Commission intérimaire pour la reconstruction d’Haïti) ernannt wurde.

Aufgrund seiner “Nähe zur internationalen Gemeinschaft“ und der Rolle, die er in einer so fragwürdigen internationalen Struktur wie der CIRH spielt, wollten einige Abgeordnete Conille anfangs nicht ihre Zustimmung für das Amt des Regierungschefs erteilen. Die CIRH, so die Kritik, würde beim Wiederaufbau Haitis nicht die Interessen des verwüsteten Landes verteidigen, sondern die der Großmächte.

Nach intensiven Verhandlungen zwischen dem haitianischen Präsidenten und den im Parlament vertretenen politischen Kräften, erhielt schließlich der dritte von Michel Martelly vorgeschlagene Premierminister die erforderlichen Ja-Stimmen in beiden Parlamentskammern. Die Zustimmung überrascht immer noch viele AnalystInnen. Den Sieg des haitianischen Präsidenten erklären sie mit dessen Entschluss, eine Koalitionsregierung mit eben jenen politischen Kräften zu bilden.

Hat der Präsident nicht die Mehrheit im Parlament, fordert die geltende haitianische Verfassung den Dialog zwischen dem Präsidenten und den verschiedenen Kräften der Gesetzgebung, um so den Regierungschef zu ernennen. Nach zwei gescheiterten Versuchen, hatte der neue Präsident endlich seine Lektion gelernt. Nun aber stellt sich folgende Herausforderung: Wie funktioniert eine Koalitionsregierung, so dass die Interessen aller ihrer Mitglieder bei der Durchführung eines gemeinsamen Regierungsprogramms zum Zuge kommen?

Aufgrund einer nur schwach ausgeprägten Kultur des Dialogs und der Bündnispolitik innerhalb der politischen Klasse Haitis, schwanken die Meinungen zwischen Skepsis und der Hoffnung, die politischen Akteure würden ihre Mentalität ändern und sich schließlich an die Spielregeln der Demokratie halten.

Wechsel zur Opposition

Einige politische Parteien, die nicht in die neue Regierung aufgenommen wurden, haben bereits ihren Unmut darüber geäußert und kündigten gleichzeitig ihren möglichen Wechsel zur Opposition an. Tatsächlich bezeichnen sich einige Parteivorstände bereits als Oppositionsmitglieder. Ein Beispiel hierfür ist Sauveur Pierre Étienne, der erklärte „Wir sind eine verantwortungsvolle, demokratische und konstruktive Opposition“.

Diesen politischen Akteuren zu Folge, sei die neue Regierung eine Koalition zwischen der Partei INITE (politische Plattform des Ex-Präsidenten René Préval), der Lavalas (Partei des Ex-Präsidenten Jean-Bertrand Aristide) und des Duvalierismus (politische Bewegung des Ex-Diktators Jean-Claude Duvalier). Die Haltung der politischen Gruppen und Parteien könnte als Warnsignal für die neue Regierung gewertet werden.

Auf humanitärer und sozio-ökonomischer Ebene

Neben all diesen großen politischen Herausforderungen, denen sich die neue haitianische Regierung stellen muss, ist die humanitäre und sozio-ökonomische Lage des Landes nicht weniger kompliziert.

Die humanitäre Krise Haitis, die sich nach dem Erdbeben am 12. Januar 2010 noch verschlimmert hat, ist weit von einer Lösung entfernt. Die sich verschlimmernde Ernährungsunsicherheit, von der viereinhalb Millionen HaitianerInnen betroffen sind (fast die Hälfte der Bevölkerung), das Wiederausbrechen der Cholera, die mehr als 6.000 Opfer gefordert hat und die schwierige Situation von 550.560 Menschen ohne Obdach, die derzeit in 802 Notlagern untergebracht sind, diese von verschiedenen haitianischen und internationalen Behörden ermittelten Zahlen zeichnen ein verheerendes Bild.

Lage in den Notlagern verschlimmert sich

Valerie Amos, Untersekretärin für humanitäre Angelegenheiten der UNO, erklärte am vergangenen 29. September während eines zweitägigen Besuchs in Haiti, sie sei „beunruhigt“ über die Situation der Menschen, die ihr Zuhause verloren haben und nun in den Notlagern leben.

Obdachlosensiedlung im August 2011 /docu-cinema, flickr„Die Situation der in den Notlagern untergebrachten Erdbebenopfer verbessert sich nicht, sondern verschlimmert sich“, so Amos und verwies darauf, dass die UNO nur die Hälfte der 382 Millionen US-Dollar erhalten habe, die von der internationalen Organisation zur Durchführung humanitärer Programme in Haiti beantragt worden waren. Der Zugang zu Lebensmitteln, Trinkwasser, Hygiene und anderen fundamentalen Rechten stelle weiterhin ein ernstes Problem für die BewohnerInnen der Notunterkünfte dar, während gleichzeitig die Gewalt gegenüber Frauen in den Lagern weiter zunehme, so die Untersekretärin.

Die internationale Gemeinschaft gesteht ein, dass eben jene Vielschichtigkeit der Krise ¬‒ die Abwanderung aus urbanen Räumen, fehlender Wohnraum und Armut ‒ den Prozess erschwert, die von Wohnungsnot Betroffenen wieder aus den Lagern zu entlassen. Ebenso schwer gestaltet sich die Suche nach dauerhaften und würdigen Lösungen für die Betroffenen und die Gemeinden, in die sie zurückkehren. Die Herausforderung besteht nach Ansicht der internationalen Akteure nun darin, Haiti weiterhin auf der humanitären und der internationalen entwicklungspolitischen Agenda zu halten.

Auf internationaler Ebene

Ganz in diesem Sinne geht die neue Regierung davon aus, dass die CIRH sowohl eine Schlüsselrolle bei der Suche nach internationaler Hilfe spielen wird, als auch dabei, diese Hilfe wirksamer zu gestalten. Bei der Präsentation seines politischen Konzepts empfahl der neue Premierminister Garry Conille die Verlängerung des Mandat der CIRH, das am 21. Oktober abgelaufen war. Demnächst wird die neue Regierung vor dem Parlament einen Gesetzesentwurf für die Verlängerung des Mandats präsentieren müssen. Die Aufgabe jener bilateralen Struktur zwischen Haiti und der internationalen Gemeinschaft wird darin bestehen, den Wiederaufbau Haitis zu koordinieren.

Widerstand gegen UN-Intervention

Eine Gruppe von ParlamentarierInnen widersetzt sich der Erneuerung des Mandats der CIRH, das sie als „einen getarnten Eingriff der internationalen Gemeinschaft“ in die inneren Angelegenheiten des Landes bezeichnet. Die Intervention würde die haitianischen Institutionen aus ihrer Rolle verdrängen und sowohl die Teilhabe der Gesellschaft am Wiederaufbau unterminieren, wie auch die Funktion des Parlaments untergraben, als Kontrolle der Exekutive in diesem Prozess zu fungieren.

Auch verschiedene Gruppen der haitianischen Zivilgesellschaft haben bereits mehrfach ihre Ablehnung gegenüber der Erneuerung des Mandats der CIRH zum Ausdruck gebracht. Die CIRH bezeichnen sie als „ineffizient“ und „entgegen der Interessen des haitianischen Volkes“.

Kritik an multinationaler Stabilisierungsmission

MINUSTAH beim Straßenkampf / mediahacker, flickrEin weiterer Auslöser für Konflikte zwischen der neuen Regierung und des Parlaments ist der andauernde Einsatz der Stabilisierungsmission der Vereinten Nationen in Haiti MINUSTAH (Mission des Nations Unies pour la stabilisation en Haïti). Wenngleich der Sicherheitsrat der Vereinten Nationen vergangenen 14. Oktober das Mandat der MINUSTAH für ein Jahr verlängerte, ordnete er doch gleichzeitig den Abzug von 2.500 Soldaten und Polizisten der Einsatztruppe an.

Der haitianische Senat verlangt jedoch einstimmig den definitiven Abzug der multinationalen Streitkräfte, sobald diese im kommenden Jahr ihr Mandat beendet haben. Einig sind sich die SenatorInnen auch darüber, eine Entschädigung für die 6.200 Opfer der Cholera-Epidemie zu fordern, die durch den Militäreinsatz verursacht wurde. Ebenso sollten Hunderte Menschen, vor allem Jugendliche, entschädigt werden, die sexuellen Angriffen seitens der Blauhelme ausgesetzt waren.

In diesem Sinne schreibt sich der Senat einen langen Kampf auf die Fahne, der auf nationaler und internationaler Ebene von großen Teilen der Bevölkerung sowie sozialen Bewegungen vorangetrieben wird. Die StudentInnen- und ArbeiterInnenbewegungen, die Bewegung der haitianischen Bauern und Bäuerinnen u.a. haben in den letzten Monaten ihre Proteste gegen die Blauhelme verstärkt. Gleichzeitig adressierten Hunderte von Organisationen und Privatpersonen ein Schreiben an den Generalsekretär der UNO, in dem sie den sofortigen Abzug der Truppen aus Haiti forderten.

Wiederaufbau der Streitkräfte Haitis

Der Präsident Haitis stimmt mit der UNO darin überein, dass die Verlängerung des Mandats der MINUSTAH notwendig sei. Allerdings soll der militärisch-polizeiliche Einsatz verringert werden. Der Chilene Mariano Fernández, Sonderrepräsentant des Generalsekretärs der UNO für Haiti, erklärt dies damit, dass „die Situation in Haiti ruhig, aber weiterhin instabil ist“. Der haitianische Staatschef hält es allerdings für nötig, die Streitkräfte Haitis wieder aufzubauen. Diese hatte Präsident Aristide 1994 abgeschafft, nachdem er zuvor mit Hilfe der internationalen Gemeinschaft wieder an die Macht gelangt war.

Die neue Regierung hatte bereits vor dem 18. November die Veröffentlichung eines Präsidentenerlasses angekündigt, mit dem die Armee Haitis wiederhergestellt werden soll. Diese Ankündigung hat bei vielen ParlamentarierInnen und in weiten Teilen der Gesellschaft Anstoß erregt. Sie widersetzen sich der Rückkehr der Streitmächte, die sie als „Putschisten“ und „Menschenrechtsverbrecher“ bezeichnen. Der Senat verlangte denn auch von der Regierung, die Fragen von ParlamentarierInnen nach der Wiederherstellung der Streitkräfte zu antworten.

Das haitianische Volk kann nicht mehr länger warten

Viele sitzen immer noch buchstäblich auf der Straße, so wie hier im Februar 2010, unmittelbar nach dem Beben / UNO, FlickrDie Zukunft der neuen Regierung Martelly-Conille hängt zum großen Teil von deren Dialogfähigkeit ab. GesprächspartnerInnen sind die ungleichartigen politischen Kräfte aus denen sich die Koalitionsregierung zusammensetzt wie auch alle anderen Mächte: die Oppositionsgruppen, die sozialen Bewegungen und die Instanzen der Internationalen Gemeinschaft.

Die Probleme Haitis sind immens, und zwar auf allen Ebenen: sowohl politisch und humanitär wie auch sozio-ökonomisch und international. Die Herausforderungen für die neuen Regierung sind enorm. Sollte man tatsächlich von einer neuen Ära sprechen können, dann handelt es sich um die Ära der großen Entscheidungen. Und diese betreffen nicht nur die neue Regierung, sondern auch andere haitianische und internationale Akteure. Das haitianische Volk kann nicht mehr länger warten: Es ist an der Grenze der Geduld, des Leidens und alledem angelangt, was die Menschenwürde ertragen kann.

* Der Autor Woody Edson Louidor arbeitet für die Jesuitenflüchtlingsdienstes für Lateinamerika und die Karibik SJR-LAC (Servicio Jesuita a Refugiados-Latinoamérica y Caribe)”

 

(Quelle: poonal.)

Haiti: Wo sind die Spendenmilliarden geblieben? (TV-Tipp)

Donnerstag, April 14th, 2011

Die große Hilfe – Wo sind Haitis Spendenmilliarden geblieben?

WDR-Reporter machen sich auf die Suche und fragen nach, warum bis heute so wenig Geld ausgezahlt wurde. In Haiti stoßen sie auf Zeltstädte, kaputte Straßen und fehlende Strom- und Wasserversorgung.

Zehn Milliarden Dollar, so viel sollte Haiti von anderen Staaten zum Wiederaufbau des Landes erhalten. Zusätzlich wurde eine Milliarde Dollar an Privatspenden gesammelt. Das ist ein Jahr her. Allein in Deutschland sammelten die Hilfsorganisationen 42 Millionen Euro, und die Bundesregierung sagte zusätzlich 85 Millionen zu. Doch bisher wurden von den Hilfsgeldern aus Deutschland gerade mal 30 Millionen Euro ausgezahlt. Wie kann das sein? Gibt es nicht genügend Projekte in Haiti?

Warum ist es so schwer, ein Jahr nach der Katastrophe wenigstens die notwendigsten Dinge wieder aufzubauen? Ist nicht vernünftig geklärt, wer das Geld verteilen kann? Oder sind es die Hilfsorganisationen, die seit Jahren in Haiti arbeiten, aber zum Teil so zerstritten sind, dass eine Koordination der Hilfe nicht möglich ist?”

Sender: WDR Fernsehen
Sendetitel: Die große Hilfe – Wo sind Haitis Spendenmilliarden geblieben?
Sendedatum: 14.04.2011
Sendezeit: 14:15 – 15:00 Uhr

Ein Film von: Michael Höft, Christian Jentzsch

 

(Quelle: WDR Fernsehen.)

Haiti: Von Wiederaufbau kann keine Rede sein

Dienstag, Oktober 12th, 2010

“Leben zwischen Ruinen

Von Sandra Weiss

Haiti ist neun Monate nach dem Beben weiter gelähmt. Die Journalistin Sandra Weiss war vor Ort und beschreibt die schwierige Situation in Jacmel, der viertgrößten Stadt des Landes, etwa 80 Kilometer von der Hauptstadt entfernt.

Langsam, fast schleppend nähert sich die Frau mit der weißen Bluse und dem bunten Rock der Kathedrale. Vor dem verschlossenen Eisentor hält sie inne, fast, als könne sie noch immer nicht begreifen, was vor neun Monaten geschehen ist als goudou goudou, das große Grummeln,  die Erde wackeln ließ und Haiti von der Armut ins Elend stürzte. Sie kniet nieder und betet. Die Kathedrale von Jacmel, ein weiß-gelbes, koloniales Kleinod, ragt aus den Trümmern. Wie ein Mahnmal, das dem Jüngsten Gericht die Stirn geboten hat. Angeschlagen, mit bröckelnder Fassade, schiefem Turm und Rissen im Gemäuer. Das Ziffernblatt der Turmuhr eingefroren um 17.35 Uhr – fast genau der schicksalsträchtigen Stunde Null für Haiti.

Gut neun Monate später, um die gleiche Zeit:

Es dämmert, die Händler auf dem Markt vor der Kathedrale packen eilig ihre Waren auf die Schubkarren – ein paar Zwiebeln, ein Sack Kohle, ein Korb Orangen. Sie verschwinden, bevor die Nacht die Gassen verdüstert und ihnen ein offener Kanaldeckel zum Verhängnis werden könnte. Dann ergreifen die Ratten Besitz von den zurückgebliebenen Müllbergen –bis vielleicht irgendwann ein Tropengewitter den Müll den steilen Berg herunter spült ins Meer.

Zwei Stunden Strom am Tag

Jacmel war in der Mitte des 19. Jahrhunderts die erste Stadt der Karibik mit Telefonen, Elektrizität und Trinkwasseranschlüssen. Heute gibt nur ein paar Stunden Strom am Tag, die ohnehin schon spärliche öffentliche Beleuchtung wurde durch das Beben völlig zerstört.

A démolir – abbruchreif, haben die Beamten des Bauministeriums auf viele Häuser gesprüht. Bewohnbar sind in der Innenstadt nur noch wenige Gebäude. Doch fast alle stehen unter Denkmalschutz. Abreißen und neu bauen? Für viel Geld restaurieren? Ein Dilemma, das hinten ansteht auf der Prioritätenliste der haitianischen Würdenträger und der internationalen Gemeinschaft. 1,3 Millionen Menschen wurden obdachlos, Schulen, Krankenhäuser, Gerichte und Polizeistationen zerstört. Das Beben hat dem ohnehin schon schwachen Staat den Todesstoß versetzt – da zählen ein paar historische Gebäude nicht viel. Oder die Erinnerung an eine glorreiche Vergangenheit, denn immerhin war es in Jacmel, wo der südamerikanische Befreier Simon Bolivar einst logierte und beim haitianischen Präsidenten Pétion um Hilfe nachsuchte für seinen Krieg gegen die spanischen Kolonialherren.

Zeltlager auf dem Rathausplatz

Heute ist der Simon-Bolivar-Platz ist eine mit Trümmern übersäte Müllhalde in der Nähe des Hafens. Im Würgegriff des Vergessens und der Misere in einem Land, in dem zwei Drittel der Bevölkerung nicht lesen und schreiben können, drei Viertel in bitterster Armut überleben. Auf dem Rathausplatz haben sich die Bebenopfer niedergelassen. Die UNO hat für Solar-Beleuchtung gesorgt, internationale Hilfsorganisationen haben Chemieklos und Wassertanks aufgestellt und die Zeltplanen gespendet. Ab und zu kommt ein Arzt vorbei und hält kostenlos Sprechstunde – mehr Service, als die meisten Haitianer vor dem Beben hatten. Einige haben ihr Zelt verstärkt mit Wellblechdächern und Holztüren oder einen kleinen Vorbau angelegt, der als Marktstand dient. Bald dürfte das Lager kaum noch zu unterscheiden sein von den üblichen Slums.

Jaqueline Desir ist Lehrerin, ihre Schule brach wie so viele andere beim Beben zusammen. Bis sie einen neuen Job findet, vermietet die Witwe Telefone an Passanten für einen kurzen Anruf und versucht damit, sich und ihre vier Kinder über Wasser zu halten. ‘Das Leben muss ja weitergehen’, sagt die 41-Jährige. Sie hat ein das resignierte Lächeln und den traurigen Blick der Menschen, die schon viele Schicksalsschläge hinnehmen mussten.  

„Wir werden nicht gefragt‟

Auf einer kleinen Mauer am Rand des Zeltlagers sitzt Kiricarme Joassaint mit ihren Freunden. Eine abgebrochene Jurastudentin, die sich mit Gelegenheitsjobs durchschlägt. Ihr Herzblut lässt sie in der lokalen Studentenorganisation. ‘Wir haben hier doch keine Demokratie, die Menschen lassen sich ihre Stimme für 50 Gourdes abkaufen’, schimpft sie. 50 Gourdes ist etwas mehr als ein US-Dollar. Ein Abgeordneter verdient auf Haiti 9000 US-Dollar, ein Lehrer  200. Und der Wiederaufbau? ‘Den baldowert die Regierung mit der internationalen Gemeinschaft aus, wir Haitianer werden nicht gefragt und nicht einmal informiert.’ Kaum einer der Passanten schenkt ihr Beachtung. Politische Diskussionen sind ein Zeitvertreib für die Elite. Es gibt Wichtigeres im Leben der Haitianer.  Dominospielen oder Hahnenkämpfe etwa. Um das ganze Drama wenigstens einen Augenblick lang zu vergessen.”

(Quelle: Blickpunkt Lateinamerika.)

Haiti: Kleiner Leitfaden für Haiti-Artikel

Dienstag, Juli 27th, 2010

“How to Write about Haiti

By Ansel Herz

Actor Sean Penn, who is helping manage a camp of displaced earthquake victims in Haiti, is making pointed criticisms of journalists for dropping the ball on coverage of Haiti. He’s wrong. I’ve been on the ground in Port-au-Prince working as an independent journalist for the past ten months. I’m an earthquake survivor who’s seen the big-time reporters come and go. They’re doing such a stellar job and I want to help out, so I’ve written this handy guide for when they come back on the one-year anniversary of the January quake!

For starters, always use the phrase ‘the poorest country in the Western hemisphere.’ Your audience must be reminded again of Haiti’s exceptional poverty. It’s doubtful that other articles have mentioned this fact.

You are struck by the ‘resilience’ of the Haitian people. They will survive no matter how poor they are. They are stoic, they rarely complain, and so they are admirable. The best poor person is one who suffers quietly. A two-sentence quote about their misery fitting neatly into your story is all that’s needed.

On your last visit you became enchanted with Haiti. You are in love with its colorful culture and feel compelled to return. You care so much about these hard-working people. You are here to help them. You are their voice. They cannot speak for themselves.

Don’t listen if the Haitians speak loudly or become unruly. You might be in danger, get out of there. Protests are not to be taken seriously. The participants were probably all paid to be there. All Haitian politicians are corrupt or incompetent. Find a foreign authority on Haiti to talk in stern terms about how they must shape up or cede power to incorruptible outsiders.

The US Embassy and United Nations always issue warnings that demonstrations are security threats. It is all social unrest. If protesters are beaten, gassed, or shot at by UN peacekeepers, they probably deserved it for getting out of control. Do not investigate their constant claims of being abused.

It was so violent right after the January 2010 earthquake. ‘Looters’ fought over goods ’stolen’ from collapsed stores. Escaped prisoners were causing mayhem. It wasn’t necessary to be clear about how many people were actually hurt or died in fighting. The point is that it was scary.

Now many of those looters are ’squatters’ in ’squalid’ camps. Their tent cities are ‘teeming’ with people, like anthills. You saw your colleagues use these words over and over in their reports, so you should too. You do not have time to check a thesaurus before deadline.

Point out that Port-au-Prince is overcrowded. Do not mention large empty plots of green land around the city. Of course, it is not possible to explain that occupying US Marines forcibly initiated Haiti’s shift from distributed, rural growth to centralized governance in the capital city. It will not fit within your word count. Besides, it is ancient history.

If you must mention Haiti’s history, refer vaguely to Haiti’s long line of power-hungry, corrupt rulers. The ‘iron-fisted’ Duvaliers, for example. Don’t mention 35 years of US support for that dictatorship. The slave revolt on which Haiti was founded was ‘bloody’ and ‘brutal.’ These words do not apply to modern American offensives in Afghanistan and Iraq.

Today, Cite Soleil is the most dangerous slum in the world. There is no need to back up this claim with evidence. It is ’sprawling.’ Again, there’s no time for the thesaurus. Talk about ruthless gangs, bullet holes, pigs and trash. Filth everywhere. Desperate people are eating cookies made of dirt and mud! That always grabs the reader’s attention.

Stick close to your hired security or embed yourself with UN troops. You can’t walk out on your own to profile generous, regular folk living in tight-knit neighborhoods. They are helpless victims, grabbing whatever aid they can. You haven’t seen them calmly dividing food amongst themselves, even though it’s common practice.

Better to report on groups that periodically enter from outside to deliver food to starving kids (take photos!). Don’t talk to the youth of Cite Soleil about how proud they are of where they come from. Probably gang members. Almost everyone here supports ex-President Jean-Bertrand Aristide. But their views aren’t relevant. There is no need to bring politics into your story.

You can’t forget to do another story about restaveks. Child slaves. It’s so shocking. There is little new information about restaveks, so just recycle old statistics. Present it as a uniquely Haitian phenomenon. Enslaved Haitian farmworkers in southern Florida, for example, aren’t nearly as interesting.

When you come back here in six months, there will still be a lot of desperate poor people who have received little to no help. There are many big, inefficient foreign NGOs in Haiti. Clearly something is wrong. Breathless outrage is the appropriate tone.

But do not try to get to the bottom of the issue. Be sure to mention that aid workers are doing the best they can. Their positive intentions matter more than the results. Don’t name names of individuals or groups who are performing poorly. Reports about food stocks sitting idly in individual warehouses are good. Investigations into why NGOs are failing to effect progress in Haiti are boring and too difficult. Do not explore Haitian-led alternatives to foreign development schemes. There are none. Basically, don’t do any reporting that could change the system.

On the other hand, everyone here loves Bill Clinton and Wyclef Jean. There are no dissenting views on this point. Never mind that neither lives here. Never mind that Clinton admitted to destroying Haiti’s domestic rice economy in the ’90s. Never mind that Jean’s organization has repeatedly mismanaged relief funds. That’s all in the past. They represent Haiti’s best hope for the future. Their voices matter, which means the media must pay close attention to them, which means their voices matter, which means the media must …

Finally, when you visit Haiti again: Stay in the same expensive hotels. Don’t live close to the people. Produce lots of stories and make money. Pull up in your rented SUV to a camp of people who lost their homes, still living under the wind and rain. Step out into the mud with your waterproof boots. Fresh notepad in hand. That ragged-looking woman is yelling at you that she needs help, not another foreigner taking her photo. Her 3-year-old boy is standing there, clinging to her leg. Her arms are raised, mouth agape, and you can’t understand her because you don’t speak Haitian Creole.

Remove the lens cap and snap away. And when you’ve captured enough of Haiti’s drama, fly away back home.”

 

(Quelle: Dissident Voice.)

Haiti: 6 Monate nach dem Erdbeben

Dienstag, Juli 27th, 2010

“Haiti: 6 Monate nach dem Erdbeben

Die politischen Hindernisse beim Wiederaufbau

Von Yves Engler

Vor sechs Monate starben bei einem verheerenden Erbeben auf Haiti mehr als 230 000 Haitinaner/innen. Rund 100 000 Häuser wurden völlig zerstört sowie Hunderte Schulen und viele andere Gebäude. Die Szenerie der Zerstörung füllte die Bildschirme der ganzen Welt.

Nach einem halben Jahr hat sich erstaunlich wenig an dem Anblick geändert. Der Präsidentenpalast, der durch das Erdbeben zerstört wurde, liegt nach wie vor in Trümmern – ein Symbol für die Größenordnung der Zerstörung. Port-au-Prince liegt noch immer unter Schutt. Circa 1,3 Millionen Menschen leben in 1200 Übergangscamps – Zeltlagern, die in und um die Hauptstadt errichtet wurden.

Laut einer Schätzung sind weniger als 5% der Trümmer des Erdbebens beseitigt.

Allein in Port-au-Prince liegen 20 Millionen Kubikmeter Schutt. Das macht das Aufräumen natürlich zu einer großen Herausforderung. Wenn Tag für Tag tausend Lastwagen zur Verfügung stünden, würden sie 3 bis 5 Jahre brauchen, um den ganzen Schutt wegzubringen.

Aber es stehen nicht einmal 300 Lastwagen für diese Aufgabe zur Verfügung.

Die technischen Hindernisse auf dem Weg zum Wiederaufbau sind immens hoch. Noch gewaltiger jedoch sind die politischen Hindernisse.

Kurz nach dem Erdbeben wurden Haiti $10 Milliarden an internationaler Hilfe zugesagt. Bis zum 30. Juni waren gerade einmal 10% der 2,5 Milliarden, die für 2010 zugesagt worden waren, eingetroffen. Viele der Gelder wurden durch politisches Gerangel verzögert. So verlangte die internationale Gemeinschaft – vertreten durch die USA, Frankreich und Kanada – vom haitianischen Parlament, per Gesetz, einen achtzehnmonatigen Notstand zu beschließen. Dieser Gesetzesvorschlag hätte im Grunde bedeutet, dass die Regierung die Kontrolle über den Wiederaufbau abgibt. Das Geld nicht zu übergeben, war ein Druckmittel (pressure tactic), mit dem Ziel, der internationalen Gemeinschaft die Kontrolle über die ‘Interim Commission for the Reconstruction of Haiti’ (Interimskommission für den Wiederaufbau Haitis) zu verschaffen. Die Kommission darf über die Milliarden (für den Wiederaufbau) verfügen.

Dieses (politische) Manövrieren stieß in Haiti auf Proteste und verbreitete eine feindselige Stimmung. Die internationale Gemeinschaft sah sich hierauf gezwungen, etwas kürzer zu treten. Ursprünglich war geplant, die Mehrzahl der Sitze in der Interimskommission mit Repräsentanten ausländischer Regierungen und internationaler Finanzinstitutionen zu besetzen. Jetzt sollen diese Vertreter nur die Hälfte der Sitze des 26-köpfigen Komitees einnehmen. Dennoch ist weiterhin geplant, dass die Weltbank und andere internationale Institutionen über das Geld verfügen sollen. Der ehemalige amerikanische Präsident Bill Clinton und Haitis Premierminister Jean-Max Bellerive sind die beiden Ko-Vorsitzenden der Wiederaufbaukommission, die sich am 17. Juni zum ersten Mal getroffen hat.

Die Muskelspiele der westlichen Mächte bei der Besetzung dieser Kommission, haben gezeigt, dass die seit langem praktizierte Politik – die Glaubwürdigkeit und Stärke des haitianischen Staates – zu untergraben, weitergeführt wird. Seit zwei Jahrzehnten werden die Regierungen Haitis durch Washington und dessen Verbündete bewusst geschwächt.

So hatten sie die Privatisierung einer Reihe von Staatsunternehmen auf Haiti verlangt sowie verbilligte (Import-)Zölle für landwirtschaftliche Produkte – alles im Namen neoliberaler Theorien.

Dies führte zum Niedergang der haitianischen Nahrungsmittelproduktion und beschleunigte den Exodus der Menschen vom Land in die Großstädte. Diese Entwicklung ist mitschuldig an der großen Zahl von Opfern und dem Ausmaß der Zerstörungen durch das Erdbeben.

Washington hat jene haitianischen Regierungen destabilisiert, die die Interessen der Armen über die Interessen der ausländischen Konzerne stellten. So wurde am 29. Februar 2004 die gewählte Regierung von Jean-Bertrand Aristide durch Amerika, Frankreich und Kanada gestürzt. Im Anschluss kam es zu einer schrecklichen Welle der politischen Repression. Die UNO besetzte das Land – sie besetzt es bis heute.

Seit 2004 hält sich Aristide gezwungenermaßen im südafrikanischen Exil auf. Seine Partei – die Fanmi Lavalas – darf bei keiner Wahl mehr antreten (das gilt auch für die kommende Wahl, die am 28. November stattfinden soll).

All diese Faktoren haben dazu geführt, dass es auf Haiti keine Institution mehr gibt, die glaubwürdig genug und fähig sind, den Wiederaufbau zu leisten. Die Regierung unter Präsident Rene Preval hat den Rückhalt in der armen Mehrheit der Bevölkerung verloren, weil sie sich Washington und den Eliten vor Ort angedienert hat. Vor kurzem verteidigte Preval das Verbot der Fanmi Lavalas – obgleich diese noch immer die populärste Partei des Landes ist.

Auch die 10 000 Soldaten der UNO-‘Friedenstruppe’ auf Haiti sind allgemein unbeliebt. In den ersten beiden Jahren nach dem Putsch 2004 unterstützte die Truppe die haitianische Polizei regelmäßig bei deren brutalen Übergriffen gegen arme Gemeinden und friedliche Demonstrationen (auf denen die Rückkehr der gewählten Regierung gefordert wurde). Die UNO-Truppen beteiligten sich in direkter Weise an einer brutalen politischen ‘Pazifizierungs-‘Kampagne, bei der es wiederholt zu so genannten ‘Antibanden’-Angriffen in den Armenvierteln von Port-au-Prince kam. Die beiden schlimmsten Razzien fanden am 6. Januar 2005 und am 22. Dezember 2006 statt. Dabei starben insgesamt 35 unschuldige Zivilisten; Dutzende wurden verletzt. Das geschah in dem dichtbevölkerten Stadtteil Cité Soleil (einer Pro-Aristide-Bastion). Im April 2008 machten die UNO-Truppen erneut deutlich, worin sie ihre oberste Aufgabe im Land sehen, nämlich in der Verteidigung der enormen ökonomischen Kluft, die hier herrscht: Als es – aufgrund gestiegener Lebensmittelpreise – zu Aufständen kam, schlugen sie die Proteste nieder, indem sie eine Hand voll Demonstranten töteten.

Auch die NGOs, die vom Ausland her finanziert werden, haben sich auf Haiti unglaubwürdig gemacht, weil sie ihren Beitrag zu dem nun schon zwanzig Jahre dauernden Prozess der Schwächung der jeweiligen Regierung, geleistet haben. Manche Menschen auf Haiti sprechen inzwischen schon voller Ironie von einer ‘Republik der NGOs’. Jedenfalls haben die NGOs enormen Einfluss und werden – als mutmaßliche Helfer – (finanzielle) Unterstützung erhalten. Manchmal helfen sie ja auch tatsächlich. Aber wie würde es uns gefallen, wenn sämtliche Schulen und sozialen Dienstleistungen von ausländischen Wohlfahrtsorganisationen geleitet würden?

In Port-au-Prince findet man Grafitis, die die NGOs kritisieren. ‘Nieder mit den NGOs!’. Vor zwei Wochen beklagte sich der haitianische Journalist Wadner Pierre: ‘Die NGOs demütigen und diskriminieren die Armen und die respektable Bürger Haitis nach wie vor, indem sie ihnen unterstellen, sie seien alles gefährliche oder gewalttätige Leute oder Wilde. Dabei wissen die gar nichts – nicht einmal, wie man ein Zelt aufstellt. Gleichzeitig ignorieren sie die Stärke und den Mut dieses Volkes’.

In den letzten zwei Monaten kam es in Port-au-Prince und andernorts zu einer Reihe von Großdemonstrationen. Die Demonstranten forderten die Rückkehr Aristides nach Haiti und die Aufhebung des Verbots der Partei Fanmi Lavalas. Natürlich zeigten sich die Demonstranten auch wütend über den schleppenden Wiederaufbau und die sechsjährige ausländische Okkupation.

Wie sollten Menschen reagieren, die einen Beitrag zur Hilfe leisten wollen?

Erstens. Alle ernst gemeinten Anstrengungen für den Wiederaufbau müssen darauf ausgerichtet sein, die Regierung Haitis zu stärken, damit SIE Unterkünfte, Bildung, Krankenversorgung und andere soziale Dienstleistungen bereitstellt. Die Hilfe muss in andere Kanäle gelenkt werden und darf nicht in neoliberale Anpassung(sprogramme), Sweatshop-Ausbeutung und NGO-Wohlfahrt fließen. Sie muss umgelenkt werden, sodass sie eine Investition in die Regierung und in die öffentlichen Institutionen Haitis darstellt.

Zweitens. Der ländliche Raum Haitis braucht große Investitionen. Die Landwirtschaft auf Haiti ist praktisch ausgelöscht. Ein Grund für die Armut der Haitianer sind Auslandsbeihilfen, die Sweatshop-Arbeit höher bewerteten als die Landwirtschaft. So entsorgen beispielsweise die USA ihren Reis auf dem haitianischen Markt. Noch vor 30 Jahren versorgte sich Haiti zu 90% selbst mit Reis. Heute kommen weniger als 10% des Reis vom heimischen Markt.

Drittens. Die Partei Fanmi Lavalas muss ab sofort wieder zu den Wahlen zugelassen werden, und Aristide muss aus dem Exil zurückkehren dürfen.

Erst, wenn die Haitianer ihre Angelegenheiten wieder selbst in die Hand nehmen dürfen, wird der tatsächliche Wiederaufbau beginnen.

Orginalartikel: The Political Roadblocks to Haiti’s Reconstruction (CounterPunch)
Übersetzt von: Andrea Noll”

 

(Quelle: ZNet.)

Haiti: Sollen NGOs an die Leine?

Sonntag, Juli 25th, 2010

“HAITI – Patchwork of Aid Groups Coming into Focus

By Aprille Muscara

UNITED NATIONS, Jul 23, 2010 (IPS) – Half a year ago, non-governmental organisations (NGOs) from around the globe flocked to Haiti to help pick up the pieces after a 7.0 magnitude earthquake shattered the fragile Caribbean nation. Many have since left, but hundreds remain, as does the logistical challenge of their coordination.

At the Caribbean Community (CARICOM) Summit at the beginning of this month, outgoing CARICOM Chair and Prime Minister of Dominica Roosevelt Skerritt criticised the NGOs in Haiti for lacking a ‘level of order’ and ‘basically doing what they want’.

Ed Joseph, director of the NGO Coordination Support Office (CSO) at the U.N. Logistics Base in Port-Au-Prince, dismisses these kinds of assertions.

‘The claim that there exists a lack of coordination is a very mundane criticism, a sort of tiresome cliché that doesn’t hold up to investigation,’ Joseph told IPS.

While it is agreed that coordination is important – in order, for example, to prevent the duplication of services and to help ensure no one falls through the cracks – as Skerritt’s comments reveal, the question of whether coordination exists remains disputed, despite what Joseph calls ‘practical and demonstrable results’.

The Inter-Agency Standing Committee (IASC) report launched Jul. 15 on the response to the humanitarian crisis in Haiti noted this ‘perception of a coordination deficit’ at the outset of relief efforts, but stated that since then, ‘huge’ advances had been made to strengthen coordination between aid groups.

According to Joseph, the most recent ‘milestone in NGO coordination’ took place Monday, when representatives from 11 non-governmental organisations were elected to an NGO Steering Committee after a ‘methodical and transparent process’ involving over a hundred NGOs. The committee, Joseph told IPS, ‘will select and oversee the work of the NGO Representative to the Bellerive-Clinton [Interim Haiti Reconstruction] Commission, which works closely with the Haiti Reconstruction Fund.’

The NGO CSO – set up just days after the earthquake – is itself ‘unprecedented’, said Joseph, in that its sole purpose is not to provide aid or relief, but to coordinate the multitude of aid groups working in the country. The office was established by InterAction, an alliance of over 190 U.S.-based NGOs, and works closely with the U.N. Office for the Coordination of Humanitarian Affairs (OCHA).

Last week, InterAction released a prototype for its Haiti Aid Map, which visualises existing humanitarian projects in an effort to improve coordination among aid groups.

However, the question of coordination is not only about coordination between NGOs, but also about coordination between the U.N.’s various clusters within which the NGOs operate.

The cluster approach organises U.N. groups, NGOs and other humanitarian actors according to roles and responsibilities pertaining to 12 distinct areas, such as food, emergency telecommunications, protection and water sanitation and hygiene.

One of the final recommendations of the IASC report, which evaluated the relief effort over the last six months, was the need to ‘counteract the ‘silo effect’, whereby each cluster focuses solely on sector-specific activities, to the neglect of critical cross-cluster and multi-sectoral thematic areas of need.’

‘Everything is in order when you’re on the [U.N. Logistics] base, but when you go out into the world it gets frustrating,’ said Igeoma Simon.

Simon, a Haitian-American grassroots organiser who has worked to set up mobile health clinics before the earthquake and is now focusing on initiatives to engage the youth in Haiti, finds inter-cluster communication to be lacking.

‘When the health care cluster isn’t coordinating with the education cluster, it’s a problem,’ Simon said. ‘You’re dealing with education, you go do the education thing; you’re dealing with shelter, you go do the shelter thing; you’re dealing with health, you go do the health thing. No, that’s not how it should be. We all need to coincide and be aware of what the other arm is doing.’

Jolanda van Dijk, inter-cluster coordinator for the OCHA Haiti, declined to respond to repeated requests for comment.

With the focus in Haiti having moved from disaster relief to recovery, and now shifting from recovery to reconstruction, the work of humanitarian groups is far from over, as reflected in the mass of NGOs that remain active.

Media reports have placed the number of NGOs operating in Haiti to be in the hundreds, and even as high as 10,000. Even before the January earthquake, the poverty-ridden Caribbean nation was inundated with humanitarian and aid groups, garnering the reputation of being a ‘Republic of NGOs’. But Joseph cautions against estimates, remarking, ‘No one has an exact count.’

The InterAction NGO CSO, OCHA Haiti, and the Unite de la Coordination des Activites des ONGs (UCAONG) in Haiti’s Ministry of Planning all register NGOs, but no agency claims to have a comprehensive directory, as groups sometimes depart without notification. UCAONG’s most recent list of active humanitarian groups contains 230 entries.

‘Are there any unmet needs in Haiti? Yes, of course,’ Joseph said. But ‘thank goodness that there are NGOs and dedicated people who come and sacrifice and work on the ground, and efficiently and responsibly allocate aid to the people of Haiti. Thank goodness there are so many.’ “

 

(Quelle: IPS News.)