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Westafrika: “Kinderschokolade”…

Dienstag, Oktober 26th, 2010

“Neue Studie zeigt: Kinderarbeit auf Kakaofarmen bleibt Riesenproblem

Zürich, 05.10.2010 Zwangsarbeit von und Menschenhandel mit Kindern bleiben bittere Bestandteile unserer süssen Schoggi. Der eben erschienene Bericht der Tulane-University belegt die schlimmsten Formen von Kinderarbeit auf Westafrikanischen Kakaoplantagen und beweist, dass die bisherigen Bemühungen der Schokoladenindustrie zu deren Eindämmung nicht fruchten.

Vor neun Jahren hat die Kakao- und Schokoladebranche mit dem “Harkin-Engel-Protokoll” eine freiwillige Selbstverpflichtung unterzeichnet und versprochen, den schlimmsten Formen von Kinderarbeit, Kinderhandel und Zwangsarbeit von Erwachsenen auf den Kakaofarmen in der Elfenbeinküste und Ghana bis 2005 ein Ende zu setzen. Die amerikanische Universität Tulane wurde beauftragt, den Umsetzungsprozess mit Studien zu begleiten. Letzten Freitag ist nun der Abschlussbericht erschienen. Dieser zeichnet ein Schreckensbild: Danach werden heute tendenziell sogar noch mehr Kinder aus Burkina Faso und Mali verschleppt und verkauft als bei Studienbeginn angenommen, um auf ivorischen und ghanaischen Kakaofarmen zu schuften. Für die Schweiz als Heimat der weltgrössten Schokoladeunternehmen und dem höchsten Pro-Kopf-Schokoladekonsum ist dieser Befund besonders alarmierend.

Alle der 600 nach dem Schneeballsystem interviewten Kinder, die auf Kakaofarmen arbeiteten, waren der schlimmsten Form von Kinderarbeit ausgesetzt. Dazu gehören die ungeschützte Arbeit mit Pestiziden, das Tragen schwerer Lasten sowie psychische und physische Gewalt. Ein Grossteil dieser Kinder wurde Opfer von Menschenhändlern. Das ist allerdings nicht der einzige Indikator für den schleppenden Aufbau einer fairen und nachhaltigen Versorgungskette in der Kakao- und Schokoladeindustrie. Denn fast alle Projekte der Schoggikonzerne und ihrer Verbände konzentrieren sich auf Produktivitäts- bzw. Ertragssteigerung und die dazu nötige Weiterbildung der Bauern. Wird diese aber nicht flankiert von substantiellen sozialen Programmen, ist eine Verbesserung der Situation der Kinder auf den Farmen nicht zu erwarten.

Zudem tragen die meisten dieser Programme nach neun Jahren immer noch den Status von Pilotprojekten. Laut Tulane-Bericht wurden bisher erst 3 Prozent der ivorischen und 14 Prozent der ghanaischen Gemeinden erreicht, in denen Kakao angepflanzt wird. In den Kakaoplantagen von Ländern wie Nigeria oder Kamerun ist die Situation noch bedenklicher. Das heisst, die – zum Teil aus der Schweiz heraus operierende – globale Schoggi-Industrie hat kläglich versagt mit ihrem Versuch, bis 2010 einen unabhängig verifizierten Zertifizierungsprozess zu implementieren und damit den Skandal der Kinderarbeit zu entschärfen. Im Gegenteil: Aus den Tulane-Berichten geht hervor, dass die Zahl der Kinder, die derzeit auf Kakaoplantagen ausgebeutet werden, noch höher ist als in Vergleichsstudien des Jahres 2002.

Eine europäische Koalition von Nichtregierungsorganisationen und Gewerkschaften, der neben der EvB auch Oxfam und Südwind angehören, fordert deshalb konkrete branchenübergreifende Massnahmen von Seiten der Industrie. Neun Jahre nach Unterzeichnung des Harkin-Engel-Protokolls ist dessen Einlösung überfällig.

Mehr Informationen auf www.childlabor-payson.org (Tulane-Studie)
oder bei Andrea Hüsser, Konsum-Campaignerin der Erklärung von Bern, konsum@evb.ch, 044 277 70 10″

 

(Quelle: Erklärung von Bern.)

Brasilien: UN-Experte fordert effektive Anti-Sklaverei-Gesetzgebung

Montag, Juni 7th, 2010

“UN EXPERT TO BRAZIL: CLOSE LEGAL LOOPHOLES GRANTING IMPUNITY TO VIOLATORS OF ANTI-SLAVERY LAWS

By Ricky Zamora

SÃO PAULO, Brazil – Gulnara Shahinian, UN Special Rapporteur on contemporary forms of slavery has called Brazil to strengthen efforts to close legal loopholes which effectively undermine incentives to discontinue the practice of slavery or forced labor in the nation’s rural areas.

During a recent visit to Brazil, Shahinian found that while the country has made efforts to abolish the practice of slavery or forced labor, the laws contain legal loopholes which some violators exploit, effectively allowing them to escapes criminal prosecution.

While civil penalties have been enforced, Shahinian found that ‘criminal penalties are more difficult to carry out due to jurisdictional conflicts and delays in the judicial system resulting in the lapsing of the statute of limitations.’ She also noted that ‘although forced labor is considered a serious crime, first-time offenders might only face house arrest or community service.’ Any incentive to discontinue such practices is effectively void.

During her visit, Shahinian met with many victims of forced labor in both rural and urban areas. In Brazil’s rural areas, forced labor is usually practiced in the cattle ranching and sugar can industries. There, the victims are typically males over the age of 15. In urban areas, on the other hand, forced labor is usually found in the garment industry and the victims include both males and females including many under the age of 15.

Shahinian reports that regardless of whether the forced labor occurs in rural or urban areas, the victims all endure the same working and living conditions and threats. Victims are forced to work long hours, with little or no pay, and are threatened with or subjected to physical, psychological, and sometimes sexual violence.

While in Brazil, the Rapporteur also met and held talks with local Government authorities, international organizations, and private sector and non-governmental organizations. She expressed her concerns over the effects of the legal loopholes and urged for the adoption of schemes that would counteract these loopholes. The largest and most basic concern is that those most vulnerable to forced labor can enjoy basic rights such as the right to food, water, and education.

Shahinian emphasized that ‘the strongest message that the Brazilian Government can send to Brazilians to show that the crime of slavery will not go unpunished is to pass the constitutional amendment which would allow for the expropriation of land where forced labor is used.’ She added that the passage of such an amendment ‘will show that Brazil is indeed strongly committed to fighting slavery.’

For more information, please see:

Latin American Herald Tribune – UN Official: Slavery Continues in Brazil Despite Government Efforts – 01 June 2010

NewKerala – Brazil: UN Urges Efforts to Fight Slavery – 30 May 2010

UN News Centre – Brazil: UN Rights Expert Urges Stepped Up Efforts to Fight Slavery – 29 May 2010″

(Quelle: Impunity Watch.)